Die FAZ-Lieblinge – bist Du dabei?

Liebe Weinfreunde,

wer mich in Aktion sehen will, der besuche die Veranstaltung „2-Sternekoch Jochim Busch & FAZ „Unsere Weinlieblinge des Jahres 2024“ Begleitet wird das Menü von Jochim Busch von Weinen, die in der Weihnachtsausgabe 2024 der FAS-Sonntagszeitung als „Unsere Lieblinge des Jahres“ vorgestellt werden. 😀👏 Und das gibt es zu trinken:

Winzer & Rotwein des Jahres:

Weingut Fürst, Franken 2022 Spätburgunder Tradition

Weißwein des Jahres:

Weingut Dr. Loosen, Mosel 2018 Wehlener Sonnenuhr „Im Laychen“ Riesling GG RESERVE Alte Reben

Sekt des Jahres: Griesel & Compagnie, Hessische Bergstraße 2019 Pinot Blanc Auerbacher Höllberg

Granite parcellaire

Der Besondere: Zehnthof Luckert, Franken 2019 Sulzfelder Maustal Silvaner Großes Gewächs

Newcomer des Jahres: „Winzerhof Stahl“, Franken Sauvignon blanc Felswand aus der Magnum 2023***

Aufsteiger des Jahres: Weingut Lenhardt, Mosel 2023 Mehringer Zellerberg Riesling Auslese***

Moderation: Oliver Bock, FAZ-Korrespondent

Datum: Sonntag, 02.03.2025 um 12:00 Uhr

Preis: 210,00 € Pauschalpreis

Reservierungen: info@kronenschloesschen.de

Rettet die Steillagen !

Steillagen sind für die Winzer Fluch und Segen zugleich. Sie erfordern gegenüber den flachen Weingärten einen hohen Aufwand bei der Bewirtschaftung und verteuern somit die Produktion erheblich, ohne dass der Kunde die Bereitschaft erkennen lässt, für Weine aus Steillagen mehr Geld auf den Vinothekentisch zu legen. Gleichwohl sind es oft die besten Weine, die in den Berglagen erzeugt werden. Steillagen sind zudem nach Einschätzung der Unesco in engen Flusstälern oft die einzig mögliche landwirtschaftliche Nutzungsform. Sie bilden wertvolle Lebensräume für Fauna und Flora und haben nicht zuletzt einen großen Einfluss auf das Landschaftsbild und damit den Weintourismus.

Darauf hat Matthias Dempfle vom Deutschen Weininstitut anlässlich der am Freitag zu Ende gegangenen, 68. Rheingauer Weinbauwoche hingewiesen. Laut Dempfle fallen rund 15.000 Hektar und damit etwa 14 Prozent der deutschen Rebfläche von 103.000 Hektar unter die Definition einer Steillage, also einer Hangneigung von mehr als 30 Prozent. Steillagen prägen vor allem die Mosel, aber auch im Rheingau zählen nach der Aufstellung des Eltviller Weinbauamtes knapp elf Prozent (350 Hektar) der rund 3200 Hektar Rebfläche dazu. An der Bergstraße ist dieser Anteil mit 13,3 Prozent von 450 Hektar Rebfläche sogar noch etwas höher als zwischen Hochheim und Lorch.

Für Dempfle sind diese Flächen ein wissenschaftlich nachgewiesener „Hotspot der Artenvielfalt“. Das gelte sowohl für biologisch als auch für konventionell bewirtschaftete Weinberge. „Steillagenweinbau schafft Vielfalt“, sagte Dempfle und sieht in ihnen auch einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor. Denn die jährlich mehr als sieben Millionen Euro  Weintouristen in Deutschland suchten vor allem ein anmutiges Landschaftsbild.

Umso bedeutender sind die Forderungen des Weinbauverbands nach einer Förderung der Bewirtschaftung dieser Lagen. In Hessen profitierten nach Angaben des CDU-Landtagsabgeordneten Ingo Schon (CDU) im vergangenen Jahr 134 Weinbaubetriebe von der Steillagenförderung des Landes, davon 96 im Rheingau und 38 an der Bergstraße. Gefördert wurde nach seiner Aufstellung die Pflege von rund 313 Hektar Rebfläche, wobei der Rheingau mit fast 273 Hektar den größten Anteil stellt. Die ausgezahlten Fördermittel beliefen sich auf mehr als 522.000 Euro, davon flossen 461.000 Euro an Betriebe im Rheingau. Die Steillagen seien „nicht nur landschaftlich traumhaft, sondern tragen auch zur Artenvielfalt bei“, meint Schon. Für dieses Jahr kündigt er eine Aufstockung des Förderbudgets auf rund eine Million Euro im Landeshaushalt an, für die  Bergstraße auf 137.000 Euro. Das sei eine Anerkennung der Arbeit der Winzer und eine Investition in die Schönheit der Region. In diesem Jahr gelten zudem neue Fördersätze, die je nach Hangneigung zwischen 1.500 Euro und 4.600 Euro pro Hektar betragen können. Dies soll den besonderen Herausforderungen der Arbeit in extremen Steillagen gerecht werden.

Der Deutsche Weinbauverband hat die Steillagenförderung in seine „zwölf Forderungen der Deutschen Weinbranche für die kommende Legislaturperiode“ des Bundestags aufgenommen. Die Interessenvertretung der deutschen Winzer sorgt sich um die Zukunft „der die Kulturlandschaft prägenden, aber wirtschaftlich immer schwieriger zu bewirtschaftenden Steillage“. Sie sei für zahlreiche Anbaugebiete „elementar“. Angesichts des Strukturwandels sei jedoch mit einem Verlust und dem „Umzug“ der Weinberge aus der Steillage in die Flachlage zu rechnen. Auch das Aufstellung von Solarmodulen auf solchen Flächen bedeute einen Verlust der Kulturlandschaft. Brachliegende und verbuschende Flächen erhöhten das Schädlingsrisiko in den umliegenden Weinbergen. Der Verband fordert eine dauerhafte Förderung der Steillage und ein Budget, das „attraktiver ist als die Rodung und der Ausstieg aus dem Berufsstand.“ Ein Baustein zum Erhalt der Steillagen sei die Zulassung von Drohnen mit Rotationszerstäuber, um die Bewirtschaftungskosten in Grenzen zu halten. In einem Positionspapier zum Drohneneinsatz fordert der Verband zudem die finanzielle Förderung einer europäischen Agrardrohnenproduktion, um unabhängiger von internationalen Anbietern zu werden. Zudem erhebt er die Forderung nach einem „eigenen, praxistauglichen und unbürokratischen Rechtsrahmen im Luftfahrt- und Pflanzenschutzrecht für den Einsatz von Sprühdrohnen im Steillagenweinbau.“ (aus meinem Bericht in der FAZ vom 18. Januar 2025)

Wo sind die Weinpatrioten?

Die zumindest temporäre Stilllegung von Rebflächen, die Zahlung von Rodungsprämien an Winzer und ein Stopp bei der Vergabe neuer Pflanzrechte: Das sind drei Maßnahmen, die dazu beitragen könnten, die gegenwärtige Krise des Weinbaus zu lindern. Der Rheingauer Weinbaupräsident Peter Seyffart hat sie auf der traditionellen Winterfachtagung des Verbandes mit der Forderung nach einer Stärkung der „Marke Rheingau“ verbunden. Denn „wer ohne Marke ist, der endet im Preiskampf“. Dass die Lage schwierig ist, bestätigte Landwirtschaftsminister Ingmar Jung (CDU) in einer Videobotschaft, während er zeitgleich seinen Etat und damit auch die Fördermittel für den Weinbau in der Klausurtagung der CDU-Landtagsfraktion verteidigte. Der Preisdruck im Weinmarkt sei die Folge eines Ungleichgewichts zwischen Konsum und Produktion. Seyffardt sprach von einem globalen Überangebot an Wein mit der Folge eines ruinösen Preiswettbewerbs.

Zu spüren bekommen haben die Winzer dies im zurückliegenden Herbst, als die Fassweinpreis auf ein Niveau von 70 bis 80 Cent je Liter sanken und damit ein Niveau deutlich unterhalb der Produktionskosten erreichten. Seyffardt beklagte aber auch eine Zurückhaltung der Konsumenten. Die Gastronomie sei ein inzwischen schwächelnder Absatzkanal. Bei der Nachfrage gebe es zudem Polarisierung zwischen dem preisgünstigen Einstiegssegment und dem hochpreisigen Premium-Niveau zu Lasten des Mittelsegments.

Laut Seyffardt nahm die deutsche Rebfläche seit 1990 von 95.000 auf 103.000 Hektar zu, obwohl der Pro-Kopf-Verbrauch in den vergangenen fünf Jahren von 20,9 auf 19,3 Liter zurückging. Hinzu kommt, dass der Marktanteil der deutschen Erzeuger in Deutschland stetig zurückgeht. Allein in den drei Jahren seit 2021 ging der Anteil von 44,8 auf 41,1 Prozent zurück. Einer der Gewinner des Verdrängungswettbewerbs im global größten Weinimportmarkt war demnach Italien. Der Deutsche Weinbauverband hat laut Seyffardt inzwischen das Ziel ausgerufen, dass der deutsche Wein wieder einen Anteil am Inlandsmarkt von 50 Prozent erreicht, ab wie das gehen soll, ist dem Martinsthaler Winzer Seyffardt schleierhaft. Zumindest so lange, wie der preisbewusste Konsument am Weinregal im Supermarkt schon wegen einer Ersparnis von ein paar Cent eher zum ausländischen Erzeugnis greift. „Wir bekommen heute für den Wein weniger als 1995“, meint der Weinbaupräsident. Er würde sich deutlich mehr Weinpatriotismus unter den deutschen Konsumenten wünschen. Im Lebensmittelhandel gebe es für die hiesigen Erzeuger jedenfalls keine Unterstützung des Verbrauchers.

Seyffardt bescheinigt der ausländischen Konkurrenz eine in den vergangenen Jahrzehnten deutlich gesteigerte Qualität und ein innovatives Marketing. Dagegen habe der deutsche Wein „ein Imageproblem“. Unter den Jüngeren werde Wein zudem eher als traditionelles Getränk der Älteren wahrgenommen. Seyffardt beklagte zudem ein weit verbreitetes „Riesling-Bashing“, also eine herabsetzende, nicht gerechtfertigte Kritik an der Leitrebsorte des Rheingaus. Der Riesling sei aber nicht per se „sauer“. Er spiegele im Glas vielmehr wie keine andere Rebsorte ihre Herkunft, das Terroir, wider. Zudem sei der Riesling in der Lage, mit dem Klimawandel zurechtzukommen. Die Rebsorte, die im 19. Jahrhundert mit die teuersten Weine der Welt hervorgebracht habe, gehöre zu den Gewinnern des Klimawandels. Im Weinmarkt scheint diese Botschaft allerdings wenig Gehör zu finden. Den Winzer bereiten deshalb zunehmend nicht mehr bewirtschaftete Rebanlagen Sorgen, die zum Ausgangspunkt für die Ausbreitung von Schädlingen werden. Seyffardt forderte zudem eine Beschleunigung der Flurbereinigungsverfahren, die viel zu lange dauerten.

Die schwierigen Zeiten für die deutschen Winzer haben gerade erst begonnen, und eine schnelle Besserung ist nicht in Sicht. Das ist die Einschätzung von Simone Loose von der Hochschule Geisenheim, die betriebswirtschaftliche Daten zahlreicher deutscher Weingüter auswertet. Die rechnet mit einer „weiterhin ökonomischen Stagnation“ und einem fortlaufenden Strukturwandel in der Branche. Die Konsolidierung im Weinfach- und Weingroßhandel sei noch lange nicht abgeschlossen. Für den Rheingau identifizierte Loose aber zwei ermutigenden Tendenzen: Viele Rheingauer Weingüter seien im Export „exzeptionell gut etabliert“, und eine internationale Bewegung hin zum Konsum von Weiß- und Schaumwein bedeute eine Chance gerade auch für Deutschland und seine Weißweine. Ob von dieser Tendenz beim Export auch der Riesling und nicht nur die weißen Burgunderweine profitieren, will Loose bald näher untersuchen. Riesling sei international gesehen „keine einfache Rebsorte“, weil er sowohl trocken als auch halbtrocken oder süß in die Flasche gefüllt werde. Ein Risiko seien zudem neue Handelshemmnisse unter dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump. Zu den Herausforderungen im Wettbewerb zählt Loose unter anderem die hohen Produktionskosten des Rheingaus im Vergleich mit anderen Anbaugebieten. Die große  Chance liege allerdings im Weintourismus und in der Zugehörigkeit zur kaufkraftstarken Metropolregion Frankfurt/ Rhein-Main. (aus meinem Bericht in der FAZ von der Winterfachtagung vom 15. Januar 2025)

Weinbau in der Krise

Made in Germany hat noch immer einen guten Ruf. Beim Wein deutscher Provenienz allerdings liegen die glorreichen Zeiten schon mehr als 100 Jahre zurück. Die Folgen von zwei verlorenen Weltkriegen und einer verfehlten Weingesetzgebung wirken heute nach. Dass die ausländischen Winzer heute offenbar genau wissen, was die Deutschen trinken wollen, und diesen Rebensaft obendrein günstiger anbieten können als die hiesigen Erzeuger, ist ein Problem. Vor allem in Zeiten, in denen der Verdrängungswettbewerb durch eine globale Überproduktion bei rückläufigem Konsum angeheizt wird. Dass die deutschen Winzer im eigenen Land stetig Marktanteile verlieren, ist Zeichen einer dramatischen Entwicklung. Würde der Export nicht ein Ventil eröffnen, die Lage wäre noch verheerender. Dabei sollte der Trend zu leichteren Weißweinen den deutschen Winzern in die Hände spielen. Doch Pinot Grigio und Prosecco stehen bei vielen Konsumenten höher in der Gunst ein trockener Riesling Kabinett oder ein halbtrockener Weißherbst. Zu traditionell, zu altbacken das Image.

Vor allem beim Marketing hinken die deutschen Erzeuger hinterher. Die Winzer, das ist in erster Linie eine wenig homogene Berufsgruppe aus Individualisten mit höchst unterschiedlichen Interessen. Das führt bisweilen zu einem Richtungsstreit, der die Schlagkraft schwächt. Dem Rheingau wäre schon geholfen, wenn die Weintrinker unter den 2,5 Millionen Einwohnern im Ballungsraum Frankfurt/ Rhein-Main zu Produkten aus der Region greifen würden. Doch das ist nicht der Fall. Weinpatriotismus kann nicht verordnet werden. Er bedarf mühsamer Überzeugungsarbeit, bei der sich die Winzer allerdings häufig selbst im Wege stehen. Es fehlt an Einigkeit, und es fehlt an überzeugenden Konzepten. Zudem versteht die ausländische Konkurrenz die Weinbedürfnisse der Deutschen offenbar sehr gut. Daran muss die Branche arbeiten, anstatt sich allzu oft selbst auf die Schulter zu klopfen.  (aus meinem FAZ-Kommentar vom 15. Januar 2025)