Ein außergewöhnliches Weinjahr

Hinter den Winzern liegt abermals ein außergewöhnliches Jahr in Weinberg und Keller. Nach den Aufzeichnungen des Eltviller Weinbauamtes ging 2025 als das Jahr mit dem frühesten Lesebeginn seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1955 in die Annalen ein. Der Austrieb war fünf Tage vor dem dreißigjährigem Mittel (1991 bis 2020) am 17. April verzeichnet worden, die Blüte des Rieslings sogar sechs Tage früher.

Der von warmen Wochen begünstigte Reifebeginn (Referenzwert 25 Grad Oechsle) erreichte mit dem Datum 5. August nach den Jahren 2011, 2018 und 2007 Rang vier auf der Liste der frühesten Termine. Im Vergleich zum Vorjahr war die Pflanzenschutzsaison 2025 für die Winzer weniger schwierig. Der Klimawandel führt dazu, dass bei den Pflanzenkrankheiten nun Oidium häufiger vorkommt als Peronospora.

Die Hauptlese beim Riesling begann im Rheingau am 10. September und war bei den meisten Betrieben noch vor dem Monatesende beendet. Damit, so die Bilanz des Weinbauamtes, war „die Lese des Jahrgangs 2025 schon beendet, bevor sie üblicherweise anfängt.“ Wegen des vielen Regen und der schnellen Ausbreitung von Fäulnis gab es eine rasante Lese. Die Qualität habe die Erwartungen „meist erfüllt“, heißt es. Die Erntemengen blieben jedoch unter den Erwartungen.

„Der Klimawandel zeigt deutliche Auswirkungen auf den Weinbau“, lautet die Bilanz. Die Bekämpfung von Schaderregern erfordert neue Strategien. Die phänologische Entwicklung der Rebe startete im Jahreslauf immer früher und werde in ihrem Verlauf beschleunigt, heißt es. Der Zeitraum vom Ende der Blüte bis zum Lesebeginn werde immer kürzer. Im Jahr 2025 waren das nur „kurze“ 91 Tage. Der Mittelwert seit 1955 liegt bei 108 Tagen. Der Rekord von 1961 liegt bei 128 Tagen.

Die Trauben reifen nicht mehr in einer vornehmlich in der kühleren Jahreszeit. Dadurch steigt nach starken Regenfällen die Gefahr von Fäulnis. Für eine entspannte Lese gesunder Trauben bleibt den Winzern immer weniger Zeit. Aus Sicht der Meteorologen war im Jahr 2025 – mit Ausnahme des Februar –  jeder Monat wärmer als das dreißigjährige Mittel. Markant „zu warm“ war mit einer Abweichung von 2,6 Kelvin aber nur der Juni. Die dadurch beschleunigte  Rebenentwicklung habe „ein neues Niveau“ erreicht. Im Winter reichten die frostigen Nächte für eine Eisweinlese meist nicht aus. Am kältesten war es am 14. Januar mit minus 6 Grad.

Danach kam wenig Regen. In der langen Geisenheimer Messreihe war es das viert-trockenste Frühjahr seit 1885 und der dritt-sonnigste März seit 1890. „Insgesamt verlief der Frühling viel zu trocken“, so die Bilanz. Die Frühlingstemperaturen lagen 1,1 Kelvin über dem Mittelwert von 1991 bis 2020. Gleichzeitig gab es einen Sonnenscheinbonus von 192 Stunden. Damit war es einer der sonnigsten Frühlinge im Rheingau. Und ein nasser September, der in Geisenheim mit 109 Litern je Quadratmeter Rang vier der seit 1884 geführten Bestenliste erreichte. Dank durchfeuchteter Böden kam der Wein im Weinbaujahr 2025 gut durch den ungewöhnlich trockenen Frühling. Die niederschlagsreichen Phasen verbesserten die Wasserversorgung, erhöhten allerdings den Krankheitsdruck. Größere Schäden durch Spätfrost und Hagel blieben aus. „Letztendlich war die Witterung wieder einmal eine Überraschungskiste“, so die Bilanz.

Bei der Ernte hatten Betriebe mit einer hohen Schlagkraft daher einen deutlichen Vorteil. „Wer rechtzeitig auf die Weinlese vorbereitet war und zügig ernten sowie eine rasche Traubenverarbeitung und Weinbereitung gewährleisten konnte, kann mit sehr guten Ergebnissen rechnen.“

Pessimismus auf der Weinwoche

Der Präsident des Rheingauer Weinbauverbandes, Peter Seyffardt, sieht die Lage der Weinbranche unverändert kritisch. Zum Auftakt der Winterfachtagung des Verbands in Geisenheim sagte Seyffardt, die „ökonomische Zurückhaltung“ der Konsumenten dauere an, und es gebe ein weltweites Überangebot an Wein bei einem gleichzeitigen Trend hin zu alkoholfreien Getränken. Zudem schwächele in einer schwierigen wirtschaftlichen Lage die Gastronomie als wichtiger Absatzkanal der Weingüter. Weil die Weinerzeugung die Nachfrage übersteige, gebe es zudem einen ruinösen Preiswettbewerb. Die Fassweinpreise lägen inzwischen unter den Produktionskosten.

Laut Seyffardt legte die deutsche Weinbaufläche seit 1990 um 8,7 Prozent auf 103.000 Hektar zu, während der Pro-Kopf-Verbrauch stetig zurückging. Der Marktanteil der deutschen Winzer ist nach den jüngsten Marktforschungszahlen wegen eines schärferen Wettbewerbs auf unter 42 Prozent gefallen. 2013 lag er noch bei 48 Prozent.

Das zwinge dazu, alle bisherigen Konzepte zu überdenken, so Seyffardt. Der „Königsweg“ im „größten Weinimportmarkt der Welt“ sei nach Ansicht aller deutschen Weinbauverbände die Steigerung des Marktanteils auf 50 Prozent. Die Krise müsse als Chance verstanden werden. Der Rheingau müsse an Profil gewinnen und mit einem klaren  „Markenversprechen“ verknüpft werden.

Laut Seyffardt muss die Fehlentwicklung in der Folge des Weingesetzes von 1971 korrigiert werden. Damals sei der Fokus nicht mehr auf die Herkunft der Weine aus renommierten Lagen, sondern auf Mostgewicht und Rebsorten gelegt worden. Die „Entkopplung von Weinlage und Weinqualität“ habe eine Industrialisierung der Branche begünstigt. Im Export sei es vor allem um Masse und Süße gegangen. „Deutschland erzeugt heute Weltklassewein, aber verkauft ihn mit einem System, das niemand liebt“, so die Analyse von Seyffardt.

Wie aber geht es besser? Seyffardt sieht Südtirol, die Wachau, die Toskana und das Douro-Tal als erfolgreiche Vorbilder. Dort liege der Fokus seit Jahrzehnten auf der Herkunft der Weine und nicht dem Mostgewicht als Qualitätsmerkmal. Die Qualitätspyramiden in diesen erfolgreichen Regionen seien verständlich, stellten die Weinorte und Lagen in den Mittelpunkt und seien „emotional aufgeladen“.

Diese Regionen „verkaufen Herkunft, Gefühl & Emotionen“, so Seyffardt, während in Deutschland zu viel „erklärt, differenziert und relativiert“ werde nach dem Motto: Von allem ein bisschen. Alles soll  und muss möglich sein.“ Wir haben die Herkunft lange verwaltet – und beginnen erst jetzt, sie zu erzählen.“

Seyffart verlangt mehr Mut zur Vereinfachung, regionale Selbstdisziplin, einheitliche Stilbilder beim Wein und „Emotion vor Klassifikation“. Die Trinkfreude müsse „rehabilitiert“ werden. Die Marke Rheingau müsse gestärkt, die Lage am Rande der Rhein-Main-Region besser genutzt werden. Die Voraussetzungen für mehr Erfolg im Weinmarkt seien gegeben. Die Marktforscherin Simone Loose zeichnete allerdings ein düsteres Bild. Im laufenden Jahr verlor der Rheingau beim Umsatz fast sieben Prozent. Die Aussichten stimmten auch in den kommenden Jahren nicht optimistisch.

Hessens Weinbauminister Ingmar Jung (CDU) rief die Winzer auf, selbstbewusster mit Krise umzugehen. Dazu gehöre auch, sich „nicht ständig dafür zu entschuldigen, dass im Wein Alkohol ist.“ Die Steigerung des Marktanteils der deutschen Winzer im Inland sei der Landesregierung ein wichtiges Anliegen. Die neue Geschäftsführerin des Deutschen Weininstituts, Melanie Broyé-Engelkes kündigte dazu eine Kampagne an, die eine höhere Wertschätzung für deutschen Wein in den Mittelpunkt stelle und sich vor allem an die Generation der 18 bis 38 Jahre alten „Gen Z & Y“-Mitglieder richte: „Denn die erreichen wir aktuell nicht.“ Minister Jung forderte die Winzer auf, bei der Erzeugung das Augenmerk auf einen klar erkennbaren Typus und die Herkunft zu richten und nicht auf das Mostgewicht. Er riet, bei trockenen Weinen endgültig auf die Nutzung der traditionellen Prädikate wie Kabinett und Spätlese zu verzichten. Der Präsident der Hochschule Geisenheim, Reiner Schulz, sagte den Winzer die Unterstützung der Wissenschaft bei der Überwindung der Krise zu. Millionensummen für die Rodung von Weinbergen in Frankreich und ein erschreckender Preisverfall in Australien zeigen, „was gerade global los ist.“ (aus der FAZ vom 14. Januar 2026)

Wo sind die Weinpatrioten?

Die Weinabsatzkrise ist global und kein deutsches Phänomen. Eine Marktbereinigung ist überfällig, um die Weinproduktion der stetig rückläufigen Nachfrage anzupassen. Schon längst hätten Strategien entwickelt werden müssen, wie die Rebfläche ohne Schaden für die Kulturlandschaft und den Tourismus deutlich verringert werden kann. Zudem fehlt noch immer die Einsicht, dass es aktuell nicht um eine Delle geht, die in einigen Jahren Besserung und womöglich Rückkehr zu den gewohnten Verhältnissen verspricht.

Die Erwartungen der Marktforscher sind eindeutig: Die Umsatz- und Absatzkurven gehen weiter nach unten.  Den deutschen Winzern muss zudem zu denken geben, dass sie im nationalen Verdrängungswettbewerb überproportional Marktanteile an die ausländische Konkurrenz abgeben.

Diese Misere nahm schon vor der aktuellen Krise ihren Anfang. Seit 2013 haben die deutschen Winzer auf ihrem Heimatmarkt mehr als sechs Prozent eingebüßt, während die italienischen Erzeuger zulegten. Von einem Weinpatriotismus, wie ihn unter anderem die Österreicher an den Tag legen, sind die deutschen Weintrinker weit entfernt. Warum eigentlich?

Jene deutschen Winzer, die offen für Selbstkritik sind, geben freimütig zu, dass es nicht gelungen ist, hierzulande eine Wertschätzung für die regional erzeugten Produkte zu wecken. Das hehre Ziel der deutschen Weinbauverbände, dass absehbar wieder jede zweite Flasche hierzulande gekauften Wein aus den 13 deutschen Anbaugebieten stammt, wird sich kaum verwirklichen lassen. Dazu fehlt es an überzeugenden Konzepten und Strategien. Dass es gelingt, in der laufenden Krise aus dem Rheingau eine überzeugende Weinmarke zu formen, ist kaum vorstellbar. In einem massiven, nicht mehr nachlassenden Verdrängungswettbewerb ist sich jeder selbst der nächste. Gestärkt überstehen werden ihn jene vertriebsstarken Güter, die auf kreative Kundengewinnung und Kundenpflege auf Basis einer hochmodernen Warenwirtschaft setzen, und in denen die Winzer vor allem eines sind: innovative Unternehmer. (veröffentlicht in der FAZ am 14. Januar 2026)

Der Assmannshäuser Losberg

Vor 20 Jahre rettete ein Rotwein-verrückter Winzer einen kleinen und steilen Weinberg, um dort großen Pinot Noir erzeugen. Was ist aus dem Projekt geworden? Ein zweiter Besuch in Aulhausen: Wer hinter Rüdesheim in das enge Mittelrheintal eintritt, der erhält eine gute  Vorstellung, wie sich die heute von der Unesco geschützte Weinkulturlandschaft gravierend ändern kann, wenn sich der Weinbau aus den Steillagen zurückzieht. An vielen Stellen zeugen noch erkennbare Mauerreste davon, wo einst Rebstöcke standen. In Lorchhausen beispielweise waren vor 100 Jahren noch gut 70 Hektar Rebfläche bewirtschaftet worden. Heute sind es trotz des anerkannt guten Terroirs nur noch neun. Bisweilen allerdings raffen sich engagierte Winzer auf, ein Zeichen gegen diese Entwicklung zusetzen.

Einer von ihnen ist der Aulhauser Weinbautechniker Henning Brömser. Der Winzer leitet für das Weingut Fürst von Löwenstein den Außenbetrieb und pflegt die fürstlichen Weinberge rund um Hallgarten. Die Trauben von fünf der gut 20 Hektar werden zur Weiterverarbeitung im Herbst nach Franken gefahren, denn von seinen Rheingauer Immobilien hat sich das Weingut schon vor Jahren getrennt.

20 Jahre ist es her, dass Brömser in seiner Freizeit in die Hände spuckte, um eine aufgegebenen und schon von Brombeeren überwucherten Weinbergsparzelle vor dem Vergessen zu retten. Von den damals drei Eigentümerinnen pachtete er den nur 1000 Quadratmeter großen, von Naturschutzflächen umgebenen Weinberg. Hunderte von Arbeitsstunden später hatte Brömser 700 Spätburgunder-Rebstöcke gesetzt in der festen Überzeugung, dass in der zum Rotweindorf Assmannshausen zählenden Parzelle der Lage Frankenthal ein herausragend guter Spätburgunder zu erzeugen ist.  Er pflanzte den Geisenheimer Klon 20-13, der sich auf dem harten Schieferboden wohl fühlt und kleine, lockerbeerige Trauben hervorbringt.

Heute ist die kleine Lage als „Museumsweinberg“ klassifiziert und als kleinster eigenständiger Weinberg des Rheingau unter dem Namen „Losberg“ in die Weinbaukartei eingetragen. Wenn es darauf ankommt, ist die Ernte nach zwei Stunden Handlese beendet. Im Jahr 2008 gab es mit 50 Litern Spätburgunder den ersten Ertrag, und schon der war nach Ansicht von Brömser „genial“ gut.

Seither reicht die Menge von jährlich durchschnittlich 250 Litern aus, um dein Barriquefass aus französischer Eiche zu füllen. Rund 18 Monate darf der Wein darin reifen, ehe die rund 300 Flaschen gefüllt werden. Brömsers Philosophie ist simpel: einen Pinot Noir von maximaler Qualität zu erzeugen: „Ich produziere nur, was ich will.“  Er schwärmt eher filigrane, geschmeidige Spätburgunder mit Balance und Harmonie. Damit die Frucht des Spätburgunder zu Geltung kommt und nicht von den Holzaromen des Barriques dominiert wird, nutzt Brömer nur gebrauchte Fässer, die aromatisch weniger stark auf ihren Inhalt Einfluss nehmen.

Lange Zeit wurde der Hobbywein ausschließlich unter Freunden und Bekannten vertrieben, in fröhlichen Runden getrunken. Doch die Mund-zu-Mund-Propaganda überzeugter Weinkenner zeigte Wirkung. Die Nachfrage nach einem Wein, bei dem jeder Rebstock vom Chef persönlich gehegt und gepflegt wurde, wuchs. Damit in Waldnähe  überhaupt geerntet werden kann, muss der Losberg mit einem Elektrozaun gegen Wildschweine gesichert werden.

Seit fünf Jahren hat Brömser das Hobby mit seiner Lebensgefährtin Birgit Block, ebenfalls vom Fach, und der Gründung eines Mini-Weinguts professionalisiert. Die winzige Monopollage Losberg ist inzwischen zum größten Teil in seinem Besitz. Zwei Weinberge in Rüdesheim, Klosterberg und Drachenstein, kamen zwischenzeitlich hinzu, so dass jetzt von „Block & Brömser“ rund 4000 Quadratmeter bewirtschaftet werden. Erzeugt wird weiter ausschließlich Rotwein, für den sich Brömser in all seinen Facetten begeistern kann.  „Ich habe mir meinen Traum erfüllt“, sagt Brömser. Würde er es wieder tun? Auf jeden Fall. (mein Text in der FAZ vom 9. Januar 2026)

Knochentrocken immer beliebter

Lange überlegen muss Winzer Ralf Schönleber nicht. Er empfiehlt seine „Creation“ für die besonders festlichen Momente an den Feiertagen und um den Jahreswechsel. Ein Schaumwein, der im Sortiment des Sekt- und Weinguts F.B. Schönleber in Oestrich-Winkel eine Sonderstellung einnimmt. Denn während sieben seiner acht Sekte reinsortig sind, ist die „Creation“ eine Cuvée aus Riesling und Spätburgunder. Ein Sekt, der für Schönleber mehr ist als die Summe der beiden „Einzelteile“ und mit seiner Frische und Vielschichtigkeit überzeugt: Im Duett „tanzen Riesling und Spätburgunder auf der Zunge“, schwärmt er.

Bemerkenswert findet Schönleber, der das elf Hektar große Weingut mit seinem Bruder Bernd führt, einen neuen Trend zum knochentrockenem Sekt, dem „brut nature“. Diese Nachfrage wächst, die Zurückhaltung der Konsumenten gegenüber Schaumweinen ganz ohne Zucker ist einer Neugier und Aufgeschlossenheit gewichen. So beobachtet es Schönleber. Das Geheimnis dahinter: Ein Hefelager von mindestens drei, besser fünf Jahren – statt der gesetzlich verlangten neun Monate – um den Grundwein zu veredeln. Vor allem als Essensbegleiter sei ein „brut nature“ dann sehr gut geeignet, meint Schönleber. Das hatte sogar den Deutschen Fußballbund überzeugt, der den Sekt für seine VIP-Lounge ausgewählt hatte.

Den „knockentrocken“-Trend bei immer mehr Konsumenten bestätigt auch Mark Barth in Hattenheim, der ebenfalls auf ein langes Hefelager setzt, um dem Sekt Charakter, Finesse und Komplexität zu geben. Während bei Schönleber rund 20 Prozent der Produktion auf Sekt entfallen, sind es bei Barth sogar 40 Prozent. Bei beiden Betrieben mit steigender Tendenz. Barth investiert 2026 in eine neue Degogieranlage. Und er hat gerade erst seinen ersten Chardonnay-Sekt vorgestellt. Allerdings in einer schon vergriffenen kleinen Premierenauflage.  

Schönleber und Barth gehören zu den Vorreitern der gehobenen Winzersekte im Rheingau und zu der Handvoll Rheingauer Betrieben, die sich dem Verband traditioneller Sektmacher angeschlossen haben und sich dem Sektstatut der Deutschen Prädikatsweingüter unterwerfen

Die gegenwärtige Weinabsatzkrise spürt Schönleber mit seinem hohen Privatkundenanteil nur am Rande. Im Handel gebe es aber einen Verdrängungswettbewerb, weiß Schönleber. Verluste kompensiert er mit dem Absatz an treue und neue Privatkunden, von denen derzeit wieder mehr die Vinothek ansteuern und bereit sind, für eine gute Flasche Wein oder Sekt auch einen angemessenen Preis zu zahlen.

Barth beobachtet, dass die Bestellzyklen teuer Kunden länger werden, weil die Lager nicht mehr so schnell wie früher umgeschlagen werden. Aus seiner Sicht bestätigt Barth die Sicht des Sektverbandes, wonach sich in der gegenwärtigen Konsum- und Absatzkrise der Schaumwein etwas besser schlägt als der Stillwein. Für seinen Betrieb sieht Schönleber die Talsohle der gegenwärtigen Weinkrise womöglich schon durchschnitten.

Nach Angaben des Verbandes Deutscher Sektkellereien hat sich der deutsche Sektmarkt im abgelaufenen Jahr „trotz zurückhaltender Konjunkturaussicht mit kleinen Abschwächungen weiterhin widerstandsfähig“ gezeigt. Das bestätige einmal mehr „seine grundlegende Robustheit“. Nach aktuellen Branchenzahlen ging der Schaumweinkonsum in Deutschland im Jahr 2024 auf 3,1 Liter je Kopf zurück. Damit fiel das Minus geringer aus als beim Wein. Im vergangenen Jahr wurden rund 250 Millionen Flaschen Sekt in Deutschland getrunken. Im ersten Halbjahr 2025 haben die Mitglieder des Verbandes in Deutschland 103,2 Millionen Flaschen Sekt verkauft. Das entspricht einem leichten Absatzrückgang von 2,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.

Kleinere und mittelständische Mitgliedsbetriebe, die jährlich weniger als vier Millionen Flaschen herstellen, waren demnach stärker von den wirtschaftlichen Herausforderungen getroffen und verzeichneten in der ersten Jahreshälfte ein Minus von rund 7,6 Prozent. Eingeschränkt wurden die Prognosen der vergangenen Wochen durch die unveränderte Bedeutung des Absatzes im Hinblick auf Weihnachten und Silvester. Die meisten Schaumweine sind Getränke für besondere Anlässe und weniger für den Alltag. Der Dezember steht daher für einige Erzeuger für bis zu 20 Prozent des Absatzes und ist somit für die Jahresbilanz entscheidend.

Bei Barth und Schönleber ist das Dezemberfieber der Sektkäufer nicht ganz so ausgeprägt. Zudem entscheiden sich viele Privatkunden noch kurzfristig, wie sie sich für Weihnachten und den Jahreswechsel wappnen. Einstellen müssen sich Barth und Schönleber auf einen Wandel im Kaufverhalten, den die jüngsten „Genussstudie“ von Rotkäppchen-Mumm thematisiert. Demnach informieren sich 44 Prozent der Befragten vor dem Kauf über die Google-Suche, 42 Prozent nutzen Online-Rezensionen und schon jeder Vierte nutze KI-Tools wie ChatGPT. Das seien 15 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Bei den jungen Befragten habe sogar fast jeder Dritte angegeben, ChatGPT für personalisierte Produktempfehlungen oder die Beratung zum Food-Pairing zu nutzen. So erfahren wie Barth ist die künstliche Intelligenz aber nicht: Barth empfiehlt zu Silvester, den besonders hochwertigen Schaumwein wie seine Lagensekte aus Hassel und Schützenhaus schon zum Essen. Denn um Mitternacht richte sich die Aufmerksamkeit auf andere Dinge als die Güte im Glas. (aus der FAZ vom 23.12.2025)

Prickelnd ohne Promille?

Für die deutschen Schaumweinerzeuger beginnen die wichtigsten Wochen des Jahres. Denn Sekt ist und bleibt für die Mehrzahl der Konsumenten – nicht für mich – ein Getränk für besondere Anlässe. Für den Absatz von großer Bedeutung sind daher die Weihnachtstage und der Jahreswechsel. Im November und Dezember entscheidet sich, ob es für die Sekterzeuger ein mäßiges, gutes oder herausragendes Jahr war.

Schon jetzt allerdings zeichnet sich ab, dass sich der Sektmarkt in der globalen Weinkrise resilienter erweist als der Absatz von Stillwein. Während die Weinbranche wegen der allgemeinen Kaufzurückhaltung, den stark gestiegenen Produktions- und Lohnkosten, hohen Preisen für Glas, Verpackung und Energie sowie den Fachkräftemangel über eine der größten Krisen in der jüngeren Geschichte klagt, scheint die Sektbranche bislang glimpflich davonzukommen. Nach aktuellen Branchenzahlen ging der Schaumweinkonsum im Jahr 2024 auf 3,1 Liter pro Kopf zurück. Damit fiel das Minus geringer aus als beim Wein. Im vergangenen Jahr wurden rund 250 Millionen Flaschen Sekt in Deutschland getrunken.

Dass sich Sekt besser schlägt als Wein, hat viele Gründe. Nach Einschätzung von Andreas Brokemper, dem Vorstandschef von Weltmarktführer Henkell-Freixenet, lassen es sich die Deutschen es auch in herausfordernden Zeiten nicht nehmen, die Korken knallen zu lassen. Schaumweine gehörten unverändert zur Genusskultur. Sie müssen allerdings nicht mehr unbedingt Alkohol enthalten. Das beachtliche Wachstum beim Absatz alkoholfreier Schaumweine trägt mit dazu bei, die Krise abzufedern. Brokemper beobachtet, dass beispielsweise bei betrieblichen Feiern neben Sekt auch alkoholfreie Varianten zur Auswahl stehen.

Beim Mitbewerber Rotkäppchen-Mumm heißt es, der alkoholfreie Sektmarkt boome und habe innerhalb von drei Jahren um 52 Prozent zugelegt. Für den deutschen Marktführer Anlass genug, erstmals eine „reine Alkoholfrei-Kampagne“ zu starten. Motto unter Anspielung auf die wichtige Konzernmarke Mumm: „Hab den Mumm, das Leben zu genießen“. Rotkäppchen-Mumm knüpft damit an das Rekordjahr 2024 an, als eine Umsatzsteigerung von sieben Prozent verbucht wurde.

Die Kampagne sei „eine strategische Antwort auf eine dynamische Marktentwicklung“ heißt es. Denn der Markt für alkoholfreien Sekt seit rasant um gut 15 Prozent gewachsen. Der Marktanteil der Alkoholfreien im Sekt- und Champagner-Markt sei um einen Prozentpunkt auf 6,8 Prozent gestiegen. Getragen werde diese Entwicklung vom Wunsch nach Wahlfreiheit: Rund 90 Prozent der Verbraucher hätten alkoholfreien Sekt schon verkostet oder zögen dies in Betracht. Fast 80 Prozent wollten sich beim Anstoßen bewusst für ein Getränk ihrer Wahl entscheiden. Rotkäppchen sieht „Mumm Alkoholfrei“ als Treiber dieses Wachstums: Mit einer Umsatzsteigerung von 16 Prozent übetreffe diese Marke den Durchschnitt. und baue Wiederkaufsrate und Käuferreichweite aus.

Eine reine Alkoholfrei-Werbekampagne kann sich Brokemper für Henkell-Freixenet aktuell nicht vorstellen. Er sieht die Marke im Vordergrund und die Freiheit des Konsumenten, sich für eine Varianten dieser Marke zu entscheiden. Inzwischen gibt es alle großen Marken auch alkoholfrei, von Henkell über Mionetto bis zur hauseigenen Nobelmarke Fürst-von-Metternich, dessen promillefreie Spielart gerade erste der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. „Wir sehen Alkoholfrei als Ergänzung und Vervollständigung des Markenauftritts“, sagt Brokemper im Gespräch mit der FAZ.

Qualitativ sei Sekt immer nur so gut wie der verwendete Grundwein, und die alkoholfreien seien zwischenzeitlich so gut wie das Original. Je nach der – international unterschiedlichen – Höhe der Alkohol- und Sektsteuer können alkoholfreie Schaumweine zudem für den Hersteller lukrativ sein, weil in der Regel keine Preisunterschiede gemacht werden, die Steuer aber entfällt. Allerdings gibt Brokemper zu bedenken, dass die Investitionen in eine möglichst schonende Prozesstechnik hoch seien und stetig fortgesetzt werden müssten. Der dabei anfallende Alkohol kann zwar vermarktet werden, doch ist das Angebot inzwischen hoch und der Marktpreis unter Druck. Brokemper geht davon aus, dass ein Marktanteil der alkoholfreien Schaumweine von zehn Prozent erreichbar ist. Schon jetzt sei in Deutschland jede zwölfte Flasche Schaumwein alkoholfrei. Bei Qualität und Wertigkeit werde es weitere Fortschritte geben, die bald auch ausgewiesene Kenner zufriedenstellen.

(aus der FAZ)

Der Winzer leidet, der Tourist genießt

Die Weinbranche steckt aus vielerlei Gründen in einer tiefen Krise, aber der Weintourismus erweist sich als widerstandsfähiges und chancenreiches Geschäftsfeld. Zumindest so lange nicht immer mehr Weinberge brach fallen, verwildern und damit das Landschaftsbild beeinträchtigen. Experten erwarten, dass dieses Schicksal mittelfristig bis zu einem Drittel der deutschen Rebfläche von rund 100.000 Hektar drohen könnte. Vor allem die kostspielig zu bewirtschaftenden Steillagen gelten als gefährdet. Schon jetzt mehren sich Brachflächen, auf denen die Neuanpflanzung wegen der Absatzkrise verschoben wurde.

Anmutige Weinlandschaften sind ein touristisches Pfund, mit dem die Winzer wuchern können. Der Geisenheimer Marktforscher Gergely Szolnoki vom Institut für Wein- und Getränkewirtschaft verweist auf den aktuellen „Global Wine Tourism Report 2025“. Es ist die bislang umfassendste Studie zum Weintourismus weltweit. Der Bericht bündelt laut Szolnoki die Erkenntnisse und Erfahrungen von 1310 Weingütern aus 47 Ländern und bietet „einzigartige Einblicke in aktuelle Entwicklungen und Trends“ der Branche. Bislang hätten den Forschern aber nur „unzureichende internationale Daten“ zur Verfügung gestanden. Nun werde der Global Wine Tourism Report als Teil einer jährlichen weltweiten Umfrage verlässliche und aktuelle Einblicke liefern.

Die Studie ist von der Hochschule Geisenheim University in enger Kooperation mit der Internationalen Organisation für Rebe und Wein, dem Netzwerk der Great Wine Capitals, der Plattform WineTourism.com und UN Tourism, einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen, die sich für verantwortungsvollen, nachhaltigen und allgemein zugänglichen Tourismus einsetzt, erstellt worden.

Zentrales Ergebnis laut Szolnoki: Weintourismus ist ein wichtiger Motor für die regionale Entwicklung, und er stärkt den ländlichen Raum. Zwei Drittel der befragten Weingüter geben an, dass Weintourismus rentabel ist und bis zu 25 Prozent des Gesamtumsatzes ausmacht. Im Mittelpunkt stehen dabei die Angebote von Weinverkostungen, Kellerbesichtigungen und Weinbergstouren. Sie seien das Rückgrat des Weintourismus und böten den Kunden „authentische Erlebnisse und persönliche Kontakte“ zum Erzeuger.

Kernzielgruppe ist gemäß der Studie die Altersgruppe der 45 bis 65 Jahre alten Reisenden und Erholungssuchende. Allerdings gewinne die Alterskohorte der 25 bis 44 Jahre alten Touristen wegen ihres hohen Interesses an Bildung, Nachhaltigkeit und Gastronomie immer mehr an Bedeutung. Den Themen Nachhaltigkeit und Authentizität komme dabei großer Wert zu. Sie würden „zu zentralen Bestandteilen der Weintourismusstrategien“, heißt es aus Geisenheim. Der Bericht zeigt laut Szolnoki eindrucksvoll, „wie sich der Weintourismus von einer Nischenaktivität zu einem bedeutenden Treiber für nachhaltige Entwicklung und innovative Marketingpraktiken entwickelt hat.“

In den vergangenen zehn Jahren habe sich der Weintourismus zu einem dynamischen und profitablen Zweig der Weinbranche entwickelt, der Arbeitsplätze sichere und die Nachhaltigkeit sowie die Bewahrung des Kulturerbes fördere.

Abschreckend für die Weingüter seien allerdings Personalmangel und Zeitdruck. Dennoch plane jedes Vierte der befragten Weingüter, die sich aktuell noch nicht im Weintourismus engagieren, Angebote zu entwickeln. Rund die Hälfte ziehe das zumindest in Betracht. Denn er  hohe wirtschaftliche Druck, unter dem viele Weingüter litten, der rückläufige Weinkonsum, überbordende Bürokratie und Auflagen, Arbeitskräftemangel und Digitalisierung erforderten neue Antworten und Strategien. Rund die Hälfte der befragten Weingüter plant daher Investitionen auf diesem Feld: Fast zwei Drittel sähen Weintourismus als ein „Mittel zur Resilienz“ in der Krise. 

Szolnoki hat in den zurückliegenden Jahren schon mehrere Studien zu den Perspektiven des Weintourismus erstellt. Für eine davon waren 600 deutsche Winzer befragt, von denen 140 bis zu drei Stellplätze für Wohnmobilisten am Weingut offerieren und dafür bis zu 35 Euro je Nacht verlangen. Das habe sich als erfolgreicher Weg der Neukundengewinnung erwiesen und als Impuls für Nachahmer erwiesen, so Szolnoki

Schon mit dem Abklingen der Corona-Pandemie hatte der Marktforscher einen Aufschwung beim Weintourismus vorhergesagt, weil dieser vom Trend zum Individual- und Qualitätstourismus profitieren werde. Zudem sei das Bewusstsein für Nachhaltigkeit und den Wert der Natur in der Pandemie gesteigert worden. Das werde langfristig positive Folgen haben und die Bedeutung des Weintourismus für die Weinbauregionen und -betriebe mittel- und langfristig steigen lassen.

Krise, welche Krise?

Kein Krisen-Jahrgang, aber ein Jahrgang inmitten der Krise. Kaum eine Weinlese wurde in den zurückliegenden Jahren so sehr von die Winzer wenig optimistisch stimmenden Schlagzeilen über den trüben Zustand der Branche begleitet. Globale Überproduktion mit den Folgen eines verschärften Wettbewerbs und hohen Preisdrucks, rückläufige Konsumfreude, ein sich veränderndes Konsumentenverhalten und nicht zuletzt vermehrte Warnungen vor dem Genuss von Alkohol. Hinter den Winzern liegt ein weiteres schweres Jahr, und die Aussichten geben zur Euphorie keinen Anlass. Ob tatsächlich bis zu 30 Prozent der Rebfläche in den kommenden Jahren gerodet werden müssen, wie es Branchenexperten befürchten, ist noch keineswegs ausgemacht. In jedem Fall wird die Krise den Strukturwandel im Weinbau noch beschleunigen. Dass ein ernteschwacher Jahrgang angesichts der vielleicht schwierigen Lage der zurückliegenden Jahrzehnte den Winzern in die Karten spielt, ist allerdings ein Trugschluss. In früheren Jahren hätten die Preise für Most und Jungweine, den die großen

Kellereien den Erzeugern zahlen, bei einer absehbar kleinen Ernte schon während der Lese deutlich angezogen. Das ist aber nicht der Fall. Keinen Grund zum Jubel haben auch jene Winzer mit unverändert stabilen Absatzkanälen, einem starken Vertrieb und treuen Kunden. Sie werden die eine oder andere Nachfrage nicht bedienen können. Und viele Spitzenbetriebe setzen ohnehin nicht auf Masse, sondern auf eine starke Ertragsbeschränkung, um den eigenen Qualitätsansprüchen gerecht zu werden.  Rückblickend wird 2025 als typischer Klimawandel-Jahrgang in die Annalen eingehen: eine frühe Weinlese im T-Shirt wegen der ungewöhnlich warmen Temperaturen und ein immer kürzeres Zeitfenster, um die Trauben gesund zur Weinpresse zu bringen. Einmal mehr zeigt sich zudem, wie heterogen das Weinland Deutschland ist: Während einige Weinregionen wie Rheinhessen, die Pfalz, die Nahe und auch der Rheingau starke Einbußen verzeichneten, legten die Ahr, die Mosel und Franken zu. Im vergangenen Jahr lagen die Verhältnisse, auch wegen der Spätfröste im April, ganz anders.   Der Vermarktung kommt zudem für das Wohl und Wehe vieler  Weingüter eine größere Bedeutung zu als die Erntemenge.

Früheste Weinlese ever

Hinter den Rheingauer Winzern liegt eine ungewöhnlich früh begonnene und wegen der Regenfälle und der sich ausbreitenden Fäulnis auch sehr  schnell beendete Hauptlese. Nur vereinzelt hängen Ende September noch Trauben am Stock in den sorgsam ausgewählten Weinbergsparzellen jener Winzer, die auf edelsüße Tropfen oder gar Eisweine hoffen. Doch die meisten Winzer haben die Ernte abgeschlossen, nachdem regnerisches Wetter angekündigt worden war.

Die Gefahr, dass weitere Fäulnis die Erntemenge weiter schrumpfen lässt, war vielen Winzerfamilien zu groß. Laut Weinbaupräsident Peter Seyffardt liege die Erträge geschätzt 15 bis 20 Prozent unter dem langjährigen Mittel von 7000 Liter je Hektar, nachdem bis Anfang September die Erwartungen noch deutlich optimistischer waren.

Das Weinbauamt in Eltville hatte schon Mitte September gemeldet: „Die meisten Weinberge im Rheingau sind gelesen“. Ein Einschränkung gab es im Hinblick auf spätreife und in der Rieslingregion exotische Sorten wie Cabernet Sauvignon und Merlot. Diese zeigten sich auf skelettreichen Böden noch gesund, hieß es. Die vergleichenden Reifemessungen wurden allerdings eingestellt, weil die meisten Trauben in den ausgewählten Referenzflächen geerntet worden waren. Die letzten, nicht mehr repräsentativen Messungen des Jahres ergaben en durchschnittliches Mostgewicht beim Riesling von 96 Grad Öchsle und beim Merlot von 92 Grad Öchsle. Genau ein Jahr zuvor waren beim Riesling erst 80 Grad und 2023 rund 83 Grad erreicht gewesen.

Im Wetterfax an die Winzer hieß es, „die Lese 2025 war seit Beginn unserer phänologischen Aufzeichnungen im Jahr 1955 mit einem Lesebeginn am 10. September für die Rebsorte Riesling die früheste Lese überhaupt.“ Laut Weinbauamt liegt das dreißigjährige Mittel (Referenzjahre 1991 bis 2020) für den Lesebeginn zwischen Lorch und Hochheim beim 30. September. Diese Einschätzung bestätigt Manfred Stoll, der Leiter des Instituts für allgemeinen und ökologischen Weinbau an der Hochschule Geisenheim. Laut Stoll rückt der Erntebeginn seit 50 Jahren in jeder Dekade um vier Tage nach vorn im Kalender. Die Zeiten, als sich die Winzer für die Lese  sechs bis acht Wochen Zeit lassen konnten, seien vorbei. Mancher Betrieb stemmte die Ernte diesmal binnen zwei Wochen, vereinzelt genügte Winzer sogar eine Woche. Das ist auch deshalb möglich, weil die Betriebe laut Seyffardt ihre Schlagkraft erhöht haben die Maschinenlese – auch wegen der hohen Personalkosten – sich immer mehr verbreitet.

In diesem Jahr ist die Hauptlese zu einem Zeitpunkt beendet worden, bevor sie üblicherweise gestartet wird. Das langjährige Mittel (Referenzjahre 1955 bis 2023) für den Lesebeginn beim 8. Oktober. Ein Lesebeginn im T-Shirt statt im dicken Pullover war in früheren Zeiten kaum vorstellbar. Der späteste Lesebeginn war nach den Aufzeichnungen der Weinbaustatistik in den Jahren 1961 und 1965 jeweils der 2. November. Das liegt mehr als 50 Tage hinter dem Lesestart im aktuellen Jahr. Klimatisch fügt sich 2025 für die Winzer in die kaum unterbrochene Reihe der „zu warmen“ Jahre seit 1990 ein. Die Vorfreude auf einen herausragenden Jahrgang dämpfte der September mit mehr als 100 Liter Niederschlag je Quadratmeter. Der Durchschnittswert für diesen Monat liegt bei 43 Litern. Der gefürchtete Sonnenbrand der Beeren war in diesem Jahr für die Winzer so wenig bedeutsam wie Wasserstress der Rebstöcke. Regen fiel genug, wenn auch nicht immer für jeden Standort zum gewünschten Zeitpunkt. Die Burgundersorten konnten schon Anfang September in guter Qualität eingebracht werden. Beim Riesling gab es dann wegen der Fäulnis teils erhebliche Mengenverluste. Zudem ließ sich aus den Beeren nicht soviel Saft pressen wie erwartet. Vereinzelt nannten Winzer deshalb Ernteeinbußen von bis zu 60 Prozent. Mit der Qualität ist der Weinbauverband zufrieden, zumal beim Riesling die Säure eher moderat ausfällt. Seyffardt verspricht den Verbrauchern einen „harmonischen, guten und fruchtbetonten“ Jahrgang. Der Riesling habe abermals gezeigt, dass er mit dem Klimawandel ebenso zurechtkommen könne wie mit widrigen Bedingungen vor und während der Ernte. Die Fassweinpreise sind mit 70 Cent je Liter allerdings unbefriedigend angesichts von Produktionskosten in Höhe von mindestens 1,20 Euro im Rheingau. (aus der FAZ vom 27.09.2025)

Jahrgangsverkostung Robert Weil

Es war ein forderndes Jahr, heißt es bei Weil in Kiedrich zum Jahrgang 2024, das am Ende hervorragende Traubenqualität beschert habe. Wieder einmal gab es klimatische Besonderheiten wie den mildesten Februar seit 1885, einen verfrühten Austrieb und – fast – Spätfrost Ende April. Aber nochmal gutgegangen! Was ab Ende September in den Keller kam, zeigt sich nun im Glas betörend gut. Einmal im Jahr habe ich dankenswerterweise die Chance einer umfassenden Jahrgangsverkostung. Diesmal hebe ich nur meine Favoriten hervor. Wie immer gilt: der Bessere ist der Feind des sehr guten!

2024 Kiedricher trocken: ungemein mineralisch und elegant, mit einer für den Ortswein schönen Fülle ausgestattet, ohne dabei überladenoder überpowered zu wirken. Ein trinkfreudiger Klassiker aus dem gotischen Weindorf mit Rasse, 90 RWP

2024 Turmberg trocken: herausragend, schon sehr zugänglich, viel Schmelz und Finesse, aber in sich ruhend, durchaus Druck am Gaumen, viel Zug und Grip, sehr hoher Trinkfluss, 93 RWP

2024 Gräfenberg GG trocken: Wie fast immer zu diesem frühen Zeitpunkt noch recht verschlossen, aber phänomenale Anlagen zeigend, das wird wieder ein ganz Großer, 95 RWP

2023 Monte Vacano trocken: geht vermutlich nur anders, aber kaum besser. Fülle und Finesse in kooperativer, Harmonie, da fehlen einem fast die passenden Worte, außer der Klage über ein allzu begrenztes Budget, um den inzwischen doch recht teuren Tropfen selbst einlagern zu können. Gänsehaut und ehrfürchtige 99 RWP

2024 Riesling „Tradition“… süffiger geht kaum, trinkt sich auf dem Balkon fast von alleine, in jeder Probe wird diese Flasche sicherlich als erstes geleert sein…. einfach hammergut auch für alle Nur-trocken-und-sonst-gar-nix-bitte!-Fanatiker,  91 RWP

2024 Riesling Spätlese: ein wunderbares Säure-Süße-Spiel, anmutige Frische und Süffigkeit, die Säure balanciert die Süße auf  eine geradezu perfekt-phänomenale Weise aus, 91 RWP

2024 Turmberg Spätlese: monumental gut und schon recht präsent… 2-5 Jahre weglegen und wieder öffnen… und geplättet werden, 94 RWP

2024 Auslese Goldkapsel (Versteigerungswein), grandios und für mich die beiden bärenstarken Gräfenberg Beerenauslese und TBA sogar in den Schatten stellend, ein Süßwein in wunderbarer Balance und Harmonie, 99 RWP