Burg Scharfensteiner

Burg Scharfensteiner, so heißt der brandneue, trockene, 2020er Riesling von Weingut Robert Weil. Es ist nach dem Monte Vacano (s. weiter unten im Blog), der schon als Kultwein gehandelt wird und als 2019er (2. Jahrgang) derzeit für 140 Euro subskribiert werden kann, die zweite Wein-Innovation binnen kurzer Zeit. Wie der Monte Vacano trägt der Burg Scharfeinsteiner ein historisches Etikett aus der Frühzeit des 1875 gegründeten Weinguts. Und so wie der Monte Vacano aus einer besonderen Parzelle (Lay) des Gräfenberg stammt, geschieht es auch mit dem Burg Scharfensteiner. Die Trauben werden aus der bis zu 60 Prozent steilen, rund einem Hektar großen Urparzelle des Kiedricher Turmberg gewonnen. Diese Monopollage mit ihrem steinig-grusigen Boden aus Phylliten ist rund 3,8 Hektar groß und zu 100 Prozent mit Riesling bestockt.

Der Turmberg gehört in jedem Jahr zu meinen absoluten Lieblingen des Weinguts dank seiner großen Mineralität, gepaart mit Finesse, Eleganz und tiefgründiger Komplexität. Ausgestattet mit gefährlich großem Trinkfluss und mit weniger als 30 Euro preis-würdig im allerbesten Sinne! Der Burg Scharfensteiner legt gewissermaßen – und in jeder Hinsicht – noch eine (kleine) Schippen obendrauf. 3000 Liter wurden vinifiziert und gefüllt, und durch den etwas intensiveren Holzeinsatz wirkt er noch eine Spur dichter und aromatisch-intensiver als der ohnehin großartige Turmberg. Der Scharfensteiner aber hat ohnehin eine andere Mission als der Turmberg: Er soll zu einem bedeutenden Teil im Weinarchiv verschwinden und nach acht bis zehn Jahren als „late release“ auf den Markt kommen, um das Reifepotential trockener Weine aus besten Kiedricher Lagen zu unterstreichen. Dass das gelingen wird, steht außer Frage! Kaufen!

VDP GG Vorpremiere mit Wow-Effekt

Drei Tage, 150 Verkoster, 420 Große Gewächse aus ganz Deutschland, das sind in etwa die Eckdaten der GG-Vorpremiere, die wie immer bestens organisiert und Corona-konform in den Kurhaus-Kolonnaden von Wiesbaden stattfand. Wie immer konzentrierte ich mich auf einige Schlaglichter, zudem erschien am 31. August ein größerer FAZ-Artikel von mir dazu.  

Und hier ein paar Schlaglichter meiner leider knapp bemessenen Zeit im Proberaum:

Pfalz: 6x Forster Ungeheuer, und das war ungeheuer gut! Mein Favorit war der präzise, sehr geschliffene Weine, von vibrierender Säure geprägte Bassermann-Jordan, dicht gefolgt von Reichsrat von Buhl (2019), die beide Bürklin-Wolf auf Abstand hielten… ungeheuer spannende Erfahrung mit diesem Terroir!

Württemberg: 10 Rieslinge am Start, und Aldinger hatte mit dem „Lämmler“ die Nase vor. Schnaitmann gleich zwei Mal mit ordentlichem Stinker (Lämmler und – noch intensiver -Götzenberg) am Start, aber gut. Graf Neippergs Ruthe sehr schön, dicht fest, stoffig, und auch Haidles Pulvermächer gefiel sehr gut durch Struktur, Zuge, Dichte und Balance.

Baden: Burg Ravensburg mit 2019 Husarenkappe allein auf weiter Riesling-Flur. Gut, aber kein Überflieger.

Nahe: Ein Blick in Felsenberg und Kupfergrube, und keine Überraschung: Mein Favorit Schäfer-Fröhlich wurde seine Rolle gerecht, wobei Emrich-Schönlebers Halenberg und Dönnhoffs Felsenberg ebenfalls ausgezeichnete Weine sind. Toptop.

Roter Hang (Rheinhessen): Spannend und dicht beieinander die Güter im Pettenthal sowie im Rothenberg und Brudersberg. Gunderloch sehr, sehr stark mit Grip und Zug, kaufen würde ich auch Kühling-Gillot und St. Antony.

Mittelrhein: Mineralische Steillagenweine auf hohem Niveau. Ratzenbergers St. Jost wäre mein Favorit von „Im Hahn“ von Toni Jost und Lanius-Knab mit dem Oelsberg. Sehr würzige Weine mit gut eingebundener Säure, hohe Eleganz

Rheingau: Volle Konzentration auf den Rüdesheimer Berg: Leitz (Kaisersteinfels, aber nicht nur!) außergewöhnlich stark (Rottland), ebenso Künstler (Schlossberg) und Ress (Rottland).

Mosel: bin beim Schreiben noch ganz geplättet… Wehlener Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur, und die gab es zuhauf: Lieser mit charmantem Stinker, aber sehr viel Potential, ebenso Loosen (woher kam die Euklayptusnote, ein Hauch von Wick Medinight?), Nik Weis (Layet) straff und zupackend, S.A.Prüm nicht minder. Gott hab die Mosel selig!

Baden (2): 6x Chardonnay. Hammer. Heger vor Keller und Huber (Bienenberg, nicht Schlossberg). Sehr cremige, tiefgründige, elegante Chardonnay voller Finesse und Komplexität. Love it!

Ahr: Natürlich Ahr, nach dem ganzen Deaster! Natürlich Spätburgunder, natürlich Adeneuer, Meyer-Näkel, Stodden, Deutzerhof und die anderen. Begeistert von Adeneuers Alte Lay, von Meyer-Näkels Pfarrwingert und Deutzerhofs „Eck“. Wir müssen die Ahr wieder aufbauen. Komplett!

Lasst Bläschen um mich sein!

VDP.SEKT.PRESTIGE

An Bord der „RheinDream“ der Rössler-Linie wurden auf der Rhein-Fahrt von Biebrich nach Winkel (Allendorf) die neuen Sekte nach den VDP-Statuten vorgestellt. Das war richtig gut! Natürlich sind Spitzenlagen und Handlese obligatorisch. Sowohl für VDP.SEKT als auch für VDP.SEKT.PRESTIGE® ist die traditionelle Flaschengärung verpflichtend. Jahrgangssekte müssen auf der Hefe mindestens 24 Monate (VDP.SEKT) oder gar 36 Monate (VDP.SEKT.PRESTIGE®) reifen. Und es gibt eine Prüfung durch eine Jury.

1.      N.V.Riesling Extra Brut

VDP.SEKT by Wein- und Sektgut Barth

Kein Jahrgang auf dem Etikett, aber von 2018. 6 Gramm RZ, feine Kohlensäure, eher weich, gute Visitenkarte, nicht ganz mein Fall

2.      2018 Riesling Extra Brut

VDP.SEKT by Wein- und Sektgut F.B. Schönleber

sehr fruchtbetont, fast blumig, zupackende Säure, langes Hefelager, 4 Gramm RZ, lecker

3.      2016 Riesling Brut Nature

VDP.SEKT by Weingut Prinz

sehr weinig, fein

4.      2016 Hocheimer Stein

Riesling Brut Nature

VDP.SEKT.PRESTIGE by Weingut Künstler

Sehr guter Sekt, zero Dosage, läuft! Suchtfaktor !

5.      2015 Hattenheimer Schützenhaus

Riesling Brut Nature

VDP.SEKT.PRESTIGE by Wein- und Sektgut Barth

Knaller! tolles Bukett, Brioche, 5 Jahre Hefelager, spontan vergorener Wein, frühe Handlese, Holzfassausbau, großer Sekt!

6.      2014 ROTHENBERG, Geisenheim

Riesling Brut

VDP.SEKT.PRESTIGE by Weingüter J. Wegeler

sehr gut, würde aber Barth oder Künstler vorziehen

7.      2014 DOOSBERG, Oestrich

 Riesling Brut

VDP.SEKT.PRESTIGE by Wein- und Sektgut F.B. Schönleber

vielleicht ein Tick zuviel RZ, aber sehr fein, brotig, sehr lecker

Die Großen Gewächse sind da

Ende August ist die Hochzeit der deutschen Spitzenweine, denn dann werden die Großen Gewächse präsentiert. Natürlich Corona-konform. Der Rheingau lädt traditionell zur Preview, diesmal mit 30 Großen Gewächse auf Schloss Vollrads, jeweils in 3er Gruppen

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1.      2020 KIRCHENSTÜCK, Hochheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Domdechant Werner´sches Weingut

2.      2020 HÖLLE, Hochheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Domdechant Werner´sches Weingut

3.      2020 HÖLLE, Hochheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Künstler

Die Kraft und Eleganz von Künstlers Hölle überzeugt, cremig, füllig, großes Kino!

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4.      2020 GRÄFENBERG, Kiedrich

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Robert Weil

5.      2020 HOHENRAIN, Erbach

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Baron Knyphausen

6.      2020 HOHENRAIN, Erbach

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Jakob Jung

Weils Riesling grandios. Finesse, Eleganz, präzise, auf dem Punkt, ein Wein der auf der Zunge singt, toptop.

Jungs Hohenrain auch sehr, sehr gut, stärker als von Knyphausen, vielleicht ein Wimpernschlag vor von Oetinger

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7.      2020 HOHENRAIN, Erbach

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut von Oetinger

8.      2020 MARCOBRUNN, Erbach

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut von Oetinger

9.      2020 WISSELBRUNNEN, Hattenheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Josef Spreitzer

Marcobrunn zwar noch verschlossen, aber schon jetzt in Monumten. Machtvoller Wein. Spreitzers Wisselbrunnen deutlich kerniger, aber sehr gut balanciert

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10.    2020 WISSELBRUNNEN, Hattenheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut August Eser

11.    2020 DOOSBERG, Oestrich

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut August Eser

12.    2020 JUNGFER, Hallgarten

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Prinz

Diese Trio war nicht ganz so mein Fall, obwohl ich die Prinz-Weine sehr schätze. Der Doosberg sehr würzig-saftig mit gutem Nachhall.

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13.    2020 SCHLOSSBERG, Schloss Vollrads

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Schloss Vollrads

14.    2020 JESUITENGARTEN, Winkel

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingüter J. Wegeler

15.    2020 BERG SCHLOSSBERG, Rüdesheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingüter J. Wegeler

Großartiges Trio. Vollrads ein echter Stinker und damit ganz anders als gewohnt… spannender Paradigmenwechsel. Saftig-üppig hingegen Wegelers Jesuitengarten, sehr klassisch. Aber Schlossberg noch stärker.

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16.    2019 LANGENBERG, Martinsthal

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Diefenhardt

17.    2019 BAIKENKOPF, Rauenthal

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Kloster Eberbach

18.    2019 HOHENRAIN, Erbach

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Baron Knyphausen

Zurück ins  Weinjahr 2019, und das zeigt, warum der VDP gut daran gut, die GGs künftig erst zwei Jahre nach der Ernte zu zeigen. Diefenhardt sehr gut, sehr fein, sehr eleganzt, dagegen fehlte dem Baikenkopf die klare Frische (Flaschenfehler?).

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19.    2019 SIEGELSBERG, Erbach

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Jakob Jung

20.    2019 NUSSBRUNNEN, Hattenheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Balthasar Ress

21.    2019 HASSEL, Hattenheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Wein- und Sektgut Barth

Ganz starker Flight in jeder Hinsicht! Salzige Kühle von Ress, feinfruchtige Eleganz von Jung, schon spürbare Reife von Barth

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22.    2019 DOOSBERG, Oestrich

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Peter Jakob Kühn

23.    2019 JESUITENGARTEN, Winkel

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Familie Allendorf

24.    2019 SCHLOSS JOHANNISBERGER Silberlack

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Schloss Johannisberg

Das Schloss-GG noch recht verschlossen, Allendorf gewohnt solide und stark, Kühn einmal mehr salzig, karg, präzise, straff!

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25.    2019 BERG ROTTLAND, Rüdesheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Balthasar Ress

26.    2019 BERG ROTTLAND, Rüdesheim

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Johannishof

27.    2018 GREIFFENBERG, Schloss Vollrads

Riesling Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Schloss Vollrads

Vollrads mit ungewöhnlich starker Karamell-Note, Johannishof mit mehr Restsüße als der Rest, was im direkten Vergleich weniger gut war, zum Essen aber vermutlich umso besser, Ress abermals stark.

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28.    2019 Schlenzenberg, Martinsthal

Spätburgunder Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Diefenhardt

29.    2019 BERG SCHLOSSBERG, Rüdesheim

Spätburgunder Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Kloster Eberbach

30.    2019 HÖLLENBERG, Assmannshausen

Spätburgunder Trocken GG VDP.GROSSE LAGE®

Weingut Famile Allendorf

3x rot, 3x gut, aber Diefenhardt putzte die anderen weg. Präzise, elegant, kühle, Finesse, Frucht.

Weingut Dillmann

Wirklich bemerkenswert, was aus dem einst unscheinbaren Nebenerwerbsbetrieb (bis 2014) unter den beiden – gut behüteten – Brüdern Dillmann geworden ist. Tolle Entwicklung, klare Qualitätspyramide, neue Kellerei am Ortsrand… Respekt! Der Adelsschlag ist nun die Aufnahme in die 11. Auflage des Rheingauer Weinschmeckers. Beim abschließenden Testbesuch gefielen uns vor allem die drei Lagenweine Kläuserweg, Rothenberg und Rottland. Letzter besonders elegant und geschmeidig. Der Gelbe Muskateller hat mir schon vor Jahren gut gefallen, und auf das 2019er RGG bin ich schon jetzt gespannt. Hut ab!

Weingut Robert Weil, Kiedrich – die 2020er

Wegen Corona ein wenig später als im Jahreslauf gewohnt hatte ich wieder Gelegenheit zur Jahrgangsprobe auf Weingut Robert Weil, und das ist immer ein kleiner Wein-Feiertag für mich. Eines vorweg: Die 2020er bewegen sich auf Augenhöhe mit beiden sehr guten Jahrgängen 2018 und 2019… ein direkter Vergleich ist schwierig, vielleicht steht 2020 irgendwie dazwischen… Der Gutsriesling jedenfalls ist wie gewohnt eine überzeugende Visitenkarte des führenden Weinguts im Rheingau mit einer vibrierenden, gut eingebundenen Säure und feinem, leicht exotischem Fruchtspiel. Eine vinologische Allzweckwaffe, aber durchaus mit Alterungspotential.

Der Kiedricher Ortswein präsentiert sich sehr straff, sehr mineralisch, mit kühler, salziger Note und gutem Zug. Ein Wein mit hohem Trinkfluss. Bemerkenswert ist die Entwicklung des Kiedricher Turmberg (VDP.1.Lage), der über die Jahre immer eleganter geworden ist und nun fast auf Augenhöhe mit Turmberg und Gräfenberg angekommen ist. Wird einfach immer besser. Im direkten Vergleich ziehe ich aber den äußerst geschmeidig-eleganten Turmberg mit seinen mineralisch-dichten Noten und seiner leicht exotischen Fruchtaromatik vor. Vorteil des Turmberg: er ist zu diesem Zeitpunkt immer schon zugänglicher und charmanter als der noch recht verschlossene, aristokratisch-noble Gräfenberg, der auf lange Sicht dann aber unschlagbar ist. Jenseits der trockenen Weil-Phalanx breche ich eine Lanze für den 2020 „Tradition“, der diesmal so süffig und schmelzig ist wie selten zuvor. Hoher, fast schon gefährlicher Trinkfluss, sofern gut gekühlt“ Unbedingt mal probieren! Über die Spätlesen, Auslesen und BA`s sowie TBA´s zu schreiben, sind andere Süßweinexperten berufener als ich. Wie immer gilt: solche Weine mit ihren würzigen Noten von Honig und Karamell trinke man jetzt – oder in 20 Jahren. Mein Highlight: Gräfenberg Auslese Goldkapsel. Ein Monster für die Ewigkeit.   

Kleiner Ausflug nach Lorch

Endlich mal wieder zu den Lorcher Gütern! Zugegeben, nicht zu allen, denn einige waren verschlossen (Kanitz), andere haben inzwischen aufgegeben (Altenkirch). Aber bei Wurm waren wir – wie immer – willkommen! Für manche ungewohnt: Kein 2020er auf der Karte, nur wenige 2019er, ein Schwerpunkt auf 2018. Aber die hatten es in sich. Mein Favorit war einmal mehr der Lorcher Riesling + (plus) mit seiner salzige Note, seinem tollen Duft und seiner Geradlinigkeit. Dazu leicht kräuterige, florae Noten. Der Lorcher (ohne +) hingegen sehr saftig, sehr gefällig, sehr rund, ein Schmeichler, allerdings mit leichter Bitternote. Überzeugend 2017 Lorcher Kapellenberg mit exotischer Frucht, Würze, feinen Schiefer-Aromen und stoffiger Länge. Fast noch zu jung 2019 Pfaffenwies Großes Gewächs, braucht Luft und Zeit, aber ein Langläufer mit überzeugenden Eigenschaften.

Bei Jochen Neher (Mohr) dominierte der Jahrgang 2019, und die Riesling-Kollektion hat uns gut gefallen. Festgetrunken haben wir uns allerdings an den Großen Gewächsen, die mit ihrem straffen Zug überzeugten. Die türkisch inspirierte Küche war wieder einmal großartig.

Bei Laquai waren wir einmal mehr geplättet von der immer noch zulegenden Weinqualität. Die beiden Rieslinge vom Löss und vom Schiefer sind tolle Botschafter des Lorcher Terroirs, der 1716 Q ist ein ausdrucksstarker Wein mit komplexer Aromatik und toller Länge. Und das RGG aus dem Schlossberg ist vielleicht das beste RGG im Rheingau. Wer immer Laquai besucht, gönne sich dazu die Wisperforelle. Hammergut!

Weiler hatte diesmal leider nicht geöffnet, weshalb wir uns ein Probenpaket haben schicken lassen. Gute Idee!!! Der trockene Riesling aus dem Bodental-Steinberg ist phänomenal gut geraten, ebenso die Lorcher Krone „S“. Von den trockenen Basisweinen gefiel uns – wie fast immer – der Riesling „Schiefer“ etwas besser als der „Quarzit“. Das Niveau ist insgesamt aber top!

Rheingauer Weinschmecker 11. Auflage

Es ist geschafft!

Heute habe ich das Manuskript für die 11. Auflage des Rheingauer Weinschmeckers abgeschlossen und dem Societätsverlag übergeben. Damit sollte sichergestellt sein, dass die neueste Auflage noch rechtzeitig zur Buchmesse erscheinen kann. Ein hartes Stück Arbeit in der kurzen Zeit nach dem Lockdown für die Gastronomie. Aber natürlich habe ich ALLE Schänken wieder besucht und mir einen Überblick über den aktuellen Jahrgang und die Leistungen der Küche verschafft. Seid gespannt!

Seelen retten und Reben streicheln

Auch die Rheingauer Pfarrer sind „Arbeiter im Weinberg des Herrn“. Für sie hatte dieses Gleichnis aus dem Neuen Testament aber immer eine besondere Bewandtnis. Denn über Jahrhunderte hinweg waren viele Pfarrer zugleich Winzer und tatsächlich rege im Weinberg aktiv. Die Geschichte des ehemaligen Pfarrweinguts Rüdesheim beispielsweise reicht bis ins elfte Jahrhundert zurück. Nachgewiesen ist, dass es im zwölften Jahrhundert durch die Schenkung eines Adeligen deutlich erweitert wurde. Mitte der Achtzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts bildet es den Kern des neu gegründeten Bischöflichen Weinguts, in das noch kleinere Pfarrweingüter und ihre Weinberge eingegliedert wurden. Zur Entlastung der Pfarrer, wie damals die Begründung lautete.

Im Rheingau heißt es bis heute, das Bistum Limburg habe nicht ganz ohne Grund geargwöhnt, mancher Pfarrer sorge sich vielleicht mehr um die Gesundheit seiner Rebstöcke als um das Heil der ihm anvertrauten Seelen. Während im Zuge der Säkularisation nach 1803 die Bistümer und Klöster ihre Besitzungen verloren hatten, war er vielen Kirchengemeinden erhalten geblieben. Auch in Kiedrich, wo die Natur dem Pfarrweingut zum Abschluss im Jahr 1971 noch einmal einen Paradejahrgang bescherte. Im Jahr darauf übernahm kurzzeitig das Pfarrweingut Rüdesheim die Verantwortung für die Kiedricher Kirchenlagen, die zum Jahresbeginn 1973 dann vom Kiedricher Weingut Robert Weil übernommen wurden, das in direkter Nachbarschaft zur prachtvollen Kirche residiert.

Daran erinnert eine bemerkenswerte Weinchronik, die integraler Teil der Kiedricher Pfarrchronik ist. Darin haben die Kiedricher Pfarrer handschriftlich in Sütterlin die Besonderheiten der jeweiligen Weinjahrgänge zwischen 1900 und 1972 notiert. Die Kiedricherin Irene Hirschmann hat diese Schlaglichter auf die örtliche Weinbaugeschichte akribisch in lesbare deutsche Hochschrift übersetzt und gemeinsam mit Wilma Scholl vom Kirchenbau-Verein auch als Broschüre herausgegeben.

Eine Lektüre, die das Auf und Ab in den Weinbergen, die Enttäuschungen und Euphorie vermittelt. Vor allem Schädlinge wie Heu- und Sauerwurm machten den Pfarrern wie allen Winzern schwer zu schaffen und minderten die Ernte: „Gerade in den besten Berglagen wurde die Ernte zum größten Teil vernichtet“, heißt es in der Chronik zum Weinjahr 1901. Damit nicht genug: „In manchen Lagen waren die Trauben stark vom Oidium befallen, wodurch der Wein einen unangenehmen Beigeschmack erhielt. Daher wenig Kauflust. Weinhandel liegt darnieder und Preise gedrückt.“

Die Pfarrer berichten akribisch von Missernten wie im schlimmen Weinjahr 1907, als außer den Schäden durch Pilzkrankheiten und Schädlinge auch noch das Wetter im Herbst so schlecht war, dass die Trauben nicht ausreiften und „der Wein ziemlichen Prozentsatz Säure hatte“. 1910 wurde zu einem weiteren „Fehljahr“, ebenso 1913 und auch 1914, als durch Heu- und Sauerwurm „die Trauben fast vollständig vernichtet wurden“.

Aber es gab auch erfreuliche Jahre wie 1915, das der Pfarrer sogar für besser als das Spitzenweinjahr 1911 hält. Aber einen Dämpfer gab es 1915 dennoch: „Wegen des Krieges ist leider keine Kauflust vorhanden. Die Weine werden deshalb länger lagern müssen.“

Dass „Mißjahre“ wie 1923 bisweilen dicht auf Jahrhundertjahre wie 1921 folgten, war in jener Zeit normal. Auch, dass die Pfarrer immer unter Beobachtung ihrer Bürger standen: „Die Kiedricher wollten es mir verübeln, dass ich in der ersten Woche des Herbstes Kartoffeln ausmachte, anstatt Trauben zu lesen. Spätlese!“, heißt es 1949 in der Pfarrchronik. Und im Jahr darauf: „Es ging das Gerücht, der Pfarrer lässt seine Trauben kaputtgehen. Ich wollte aber keine vollkommenen grasgrünen Luftballons, sondern edelfaule Trauben. Das habe ich durchaus erreicht.“

Die Kiedricher Weinchronik setzt aus lokaler Sicht die „Rheingauer Wein- und Geschichts-Chronik“ fort, die in ihrer ersten Fassung schon 1854 erschienen ist und die Weinjahre zwischen 1626 und 1848 beschreibt. Manche sehr ausführlich wie 1762 („außerordentlich viel, sehr gut und delikat“), manche kurz und knapp wie 1763: „außerordentlich schlecht sauer“.

Es waren die Zeiten, als die Jahrgänge zur Weinbeurteilung von großer Bedeutung waren. „Gibt acht auf den Jahrgang!“, heißt folgerichtig eine Jubiläumsschrift der Binger Weinetiketten-Druckerei Gewa, die sich den deutschen Weinjahrgängen 1880 bis 1983 widmet. Auf wenige Daten zu Witterung, Krankheiten, Schädlingen, Rebentwicklung und Erntemenge beschränkt sich der Bund Rheingauer Fachschulabsolventen mit seinem Buch über die Rheingauer Jahrgänge 1955 bis 2006.

Es ist zugleich ein Dokument des Klimawandels. Seit 1988 gibt es demnach keine „geringen“ Weinjahre mehr, aber ausnehmend viele „gute“ und „sehr gute“. Das bestätigt, dass die Rheingauer Winzer Gewinner des Klimawandels sind. Die dörflichen Winzer-Pfarrer hätten ihre Freude daran.

Die „Weinchronik 1900 bis 1972“ kann beim Kirchenbau-Verein Kiedrich, Suttonstraße 2 in 65399 Kiedrich zum Preis von zehn Euro bestellt oder im Rathaus abgeholt werden.  (aus der FAZ vom 8. Juni 2021)

Adel verzichtet

Erbacher Marcobrunn. Nur wenige Weinberge in der Welt haben einen ähnlich klangvollen Namen wie der im zwölften Jahrhundert angelegte Wingert. Schon 1726 zierte der Name eine Weinflasche. Thomas Jefferson machte dem Marcobrunn bei einer Europareise im Frühjahr 1788 seine Aufwartung. Johann Wolfgang von Goethe und Theodor Fontane schwärmten von ihm als einem der edelsten deutschen Weine. Kein Wunder, dass der sieben Hektar große Weinberg zwischen Erbach und Hattenheim fast immer im Besitz eines halben Dutzends adeliger Weingüter war. Doch das ist Vergangenheit.

Der Wandel, den der Rheingau als eines der renommiertesten Anbaugebiete der Welt durchlebt, macht nicht einmal vor seinen Ikonen halt. Am Marcobrunn lässt sich diese Facette am deutlichsten ablesen: Der Weinadel dankt ab, teils jahrhundertealte Traditionen gehen zu Ende.

Für das Domänenweingut Schloss Schönborn erklärte Paul Graf von Schönborn zu Beginn dieses Jahres unerwartet den Rückzug aus dem Rheingau. 30 Hektar bester Lagen zwischen Lorch und Hochheim sollten verpachtet werden, darunter ein Drittel des berühmten Marcobrunn. Die Weinbergsparzellen hatte Graf Philipp Erwein von Schönborn 1642 erworben – es sind die Filetstücke der Lage.

Für die Region und ihre Winzer, die immer neidvoll auf das Lagenportfolio von Schloss Schönborn geblickt hatten, war die Ankündigung ein Schock. Nur die Staatsweingüter, die ihre Wurzeln in einer erst nassauischen und dann preußischen Weinbaudomäne haben, sind noch üppiger mit besten Lagen ausgestattet. Entsprechend groß war das Interesse vieler Winzer, Schönborn’sche Flächen zu übernehmen. „Die Geier kreisen schon“, hieß es nach der Ankündigung.

Für die interessierte Öffentlichkeit war die Ankündigung ein Déjà-vu. Nur drei Jahre zuvor hatte Georg-Reinhard Freiherr Langwerth von Simmern einen vergleichbaren Schritt unternommen. Der 554. Jahrgang sollte der letzte sein, der in dem Keller des Gutshauses in Eltville ausgebaut wurde. Ein kleinerer Teil der Weinberge wurde verkauft, der größere verpachtet. Die Familie zog in ihr bei Hannover gelegenes Rittergut Wichtringhausen: Zuckerrüben statt Reben, denn die Pflege historischer Anwesen sei mit Weinbau allein nicht mehr zu finanzieren.

Dabei reicht die Geschichte der Rheingauer Familie bis in das Jahr 1464 zurück. Johann Langwerth von Simmern war für seine Verdienste als Kanzler des Herzogs Ludwig von Pfalz-Zweibrücken mit rund sechs Hektar der Spitzenlage Hattenheimer Mannberg belohnt worden. Dass sein Nachfahre Georg-Reinhard dort schon vor gut zwei Jahrzehnten Wohnungsbau zulassen wollte, war ein frühes Indiz für eine am Ende unausweichliche Entwicklung. Jetzt ist der Langwerther Hof in der Hand von Bauunternehmern aus Schlüchtern.

Noch älter ist die Weinbaugeschichte von Schloss Reinhartshausen, auch wenn das Gut erst 1883 in preußischen Besitz kam, dann aber bis 1987 von der Administration des Prinzen von Preußen bewirtschaftet wurde. Heute ist das Weingut im Besitz der Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller. Auch die Fürsten Metternich auf Schloss Johannisberg und die Grafen Matuschka-Greiffenclau auf Schloss Vollrads, die Ritter zu Groenesteyn in Kiedrich und die Grafen Eltz am Eltviller Rheinufer haben ihre Weingüter nicht halten können oder wollen.

Die Gründe für den Niedergang des adeligen Weinbaus sind vielfältig. Die Kosten für die Mitarbeiter und den Unterhalt lassen sich in einem immer schärferen Wettbewerb nicht mehr mit Wein refinanzieren. Der Markt gesteht alteingesessenen Adelsgütern nicht den notwendigen Mehrertrag je Flasche zu. Junge, innovative und zumeist in Geisenheim bestens ausgebildete Winzer übernahmen im Rheingau in den Achtzigern die Qualitätsführerschaft. Zudem verlangt der Markt zunehmend authentische Persönlichkeiten hinter den Weinen. Ein Weingut nur zu besitzen, das genügte nicht mehr.

Weinbaupräsident Peter Seyffardt sieht als weiteren Grund für die Abdankung des Weinadels das Weingesetz von 1971, das über den Bedeutungsverlust von Einzellagen und die Gleichmacherei der Mostgewichte zu einer „Sozialisierung des Weinbaus“ beigetragen habe. Der Vorteil der großen Adelsgüter, Spezialisten beschäftigen zu können, schwand, je mehr Winzer in Geisenheim studiert hatten.

Graf Schönborn will sich nun ganz auf das fränkische Schwesterweingut Schloss Hallburg unweit des Stammsitzes der Familie konzentrieren. Ganz ähnlich waren die Fürsten Löwenstein verfahren. Sie hatten nach der Übernahme von Schloss Vollrads durch die Nassauische Sparkasse 1997 ihre Weinberge rund um Hallgarten, zuvor knapp zwei Jahrzehnte an den Grafen Matuschka-Greiffenclau verpachtet, wieder in eigene Obhut genommen. Ein Erfolg wurde es nie. 2008 entschied der Erbprinz, sich ganz auf den Standort in Franken zu konzentrieren.

„Es sortiert sich alles neu“, sagt der Kiedricher Spitzenwinzer Wilhelm Weil. Nach zwei Jahrzehnten stabiler Verhältnisse sieht er einen beschleunigten Transformationsprozess. Das sei kein Grund zur Klage und auch nicht dem Adel anzulasten. Weil freut sich über „neue Dynamik“ und eine Aufbruchstimmung in der Region. Wie schon bei der Auflösung adeliger Weingüter in früheren Fällen fällt auch durch den Rückzug von Schönborn kein Weinberg brach. Vielmehr ergeben sich Chancen, die in einem bürgerlichen Winzerleben nur einmal kommen. Beispielsweise auf ein Filetstück im Marcobrunn.

Gunter Künstler hat zugegriffen. Zwölf Hektar Rebfläche hat der Hochheimer Winzer vom Grafen Schönborn für die Dauer von 30 Jahren übernommen. Neben dem Marcobrunn auch die fünf Hektar große Monopollage Pfaffenberg. „Weltklasse-Weinberge haben mich immer gereizt“, sagt Künstler: „Ein guter Weinberg macht so viel Arbeit wie ein schlechter.“ Künstler ist bereit, in gute Weinberge viel Leidenschaft und Engagement zu stecken: „Qualität kommt von Qual.“

Für Künstler gilt der Marcobrunn als „der Montrachet des Rheingaus“, auch wenn einige seiner Kollegen dieser tiefgelegenen und warmen Lage wegen des Klimawandels langfristig nicht das beste Potential für Spitzenweine zubilligen. Für Künstler überwältigt der Marcobrunner „mit Saftigkeit, Finesse und barocker Opulenz“. Neben Künstler haben vier weitere Winzer ehemals „adelige“ Flächen in Pacht oder als Eigentum übernommen.

Der Wandel geht aber weit über die Adelsgüter hinaus. Das renommierte Weingut Georg Breuer (Rüdesheim) hat vor wenigen Jahren die Kernlagen des Lorcher Weinguts Altenkirch übernommen. Der Wiesbadener Verleger und Publizist Ralf Frenzel hat in eine Mehrheitsbeteiligung der Weingüter Wegeler mit Standorten im Rheingau und an der Mosel investiert. Das sind nur zwei Beispiele für eine neue Dynamik. Für Wilhelm Weil überwiegen die positiven Seiten dieser Entwicklung: „Das Interesse am Rheingau von innen und außen ist groß.“

Nur für ausländisches Kapital ist der Rheingau bislang weitgehend uninteressant. Dieser Befund geht über die Region hinaus. Deutscher Wein hat zu wenig Reputation und kein klares Profil, und die Nische für Riesling ist im globalen Maßstab verschwindend klein. Von einem Statussymbol ist er weit entfernt. Da werden Investoren selbst wegen des Angebots von 30 Hektar Spitzenlagen im Rheingau nicht hellhörig. Die Branche rechnet dennoch mit der Veräußerung weiterer Weingüter, auch solcher mit großen Namen.

Mit der Corona-Krise hat das unmittelbar wenig zu tun, aber Wilhelm Weil sieht in der Pandemie dennoch einen Katalysator, der Veränderungsprozesse beschleunigt. Nicht nur, aber eben auch in der Weinwirtschaft. Die Schwierigkeiten mancher Adelsgüter seien die Schwierigkeiten der gesamten Branche, sagt er. Es werde neue Mitspieler im Markt geben und weitere Veränderungen selbst bei etablierten Gütern. Für Weil ist das ein Anzeichen für einen „positiven Umbruch“. Wer Erfolg haben wolle, müsse sich der digitalisierten Welt anpassen und sie mit der analogen Weinwelt verzahnen. Das gelinge nicht jedem.

Vermutlich wird sich der Strukturwandel noch beschleunigen. Die Tendenz geht nur in eine Richtung: Immer weniger Weingüter bewirtschaften immer mehr Fläche. Gute Weinberge sind gesucht, die Pachtpreise steigen. Nach einem Befund der Hochschule Geisenheim lässt das betriebswirtschaftliche Knowhow vielerorts aber noch immer zu wünschen übrig. Viele Güter kennten noch nicht einmal ihre Produktionskosten, lautete kürzlich eine niederschmetternde Analyse der Betriebswirtschaftlerin Simone Loose. Vor zehn Jahren registrierte das Eltviller Weinbauamt noch 850 Betriebe in der Region. Heute sind es weniger als 600. Knapp zehn Prozent von ihnen bewirtschaften schon mehr als die Hälfte der 3200 Hektar Rebfläche. (aus der FAZ vom 15.5.2021)

Schafft die Spätlese ab!

Profilierung bedeutet Verzicht, und mit dieser These ist schon ein Teil der Misere des deutschen Weinbaus beschrieben. Zwar ist es weitgehend Konsens in der Branche, dass das deutsche Weinbezeichnungsrecht zu kompliziert ist und dass gegenüber dem Verbraucher mehr Klarheit und Wahrheit nötig wäre. Doch in der Praxis folgen daraus nach der Novellierung des Weingesetzes keine nachvollziehbaren Konsequenzen. Verzichten fällt eben schwer. Die dem neuen Weingesetz zugrundeliegende Absicht, der Herkunft des Weines mehr Bedeutung zu geben als dem Mostgewicht, ist allerdings richtig und nach drei Jahrzehnten Weinbau unter den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels längst überfällig.

Wer neben dem Winzer den Weinberg als Produktionsort der Trauben und nicht die Öchslegrade als entscheidend für die Weinqualität hält, der muss das Weingesetz entsprechend umgestalten. Dass in den seit alters her bekannten besten Weinbergen, den Großen Lagen, geerntete trockene Weine nun bundesweit „Große Gewächse“ genannt werden dürfen und dass solche aus kaum wenig von der Natur begünstigten Ersten Lagen bald „Erste Gewächse“ heißen, ist folgerichtig. Auch wenn der Kampf um die Details erst noch entbrennen dürfte. Gleichzeitig hätte der Gesetzgeber jedoch für trockene Weine die alte Qualitätspyramide aus Kabinett, Spätlese und Auslese abschaffen müsse. Nun tritt das neue System für trockene Spitzenweine neben das alte und schafft noch mehr Verwirrung.

Nicht minder ärgerlich ist, dass die Verbrauchertäuschung namens Großlage nicht gänzlich aus dem Bezeichnungsrecht getilgt, sondern allenfalls abgeschwächt wurde. Künftig wird aus dem „Rauenthaler Steinmächer“ auf dem Etikett die „Region Steinmächer“. Für den so bezeichneten Tropfen dürfen unverändert Weinpartien aus bis zu 27 verschiedenen Einzellagen im gesamten vorderen Rheingau zusammengemixt werden. Zudem gilt für die Erzeuger eine großzügige Übergangsfrist bis 2025. Ein großer Wurf ist das novellierte Weingesetz trotz einiger Verbesserungen also nicht. Dabei war im Gesetzentwurf die Ausgangslage in erfreulicher Klarheit beschrieben worden: „Deutscher Wein verliert im internationalen Vergleich seit Jahren kontinuierlich Marktanteile.“

Gefragt waren daher „Maßnahmen zur Marktstabilisierung sowie Möglichkeiten zur Absatzsteigerung und Wertschöpfung“. Daran gemessen, geht der Gesetzgeber nur sehr kleine Schritte und nimmt dabei zu viel Rücksicht auf Genossenschaften und Kellereien. Der Rheingau immerhin hat sich in die Weinbaugeschichte eingetragen: Er hat dem deutschen Weinbau das „Erste Gewächs“ geschenkt.  (aus der FAZ vom 15. April 2021)

Anstoßen wie der Bundespräsident

Schon Karl Carstens mochte diesen Lorcher Wein, und Richard von Weizsäcker bestellte den Sekt. Das Bundespräsidialamt war und ist ein treuer Kunde von Jochen Neher. Der Winzer wüsste zwar gern mehr darüber, in welch illustrem Kreis sein Schaumwein regelmäßig ausgeschenkt wird, doch dieses Geheimnis wird in Schloss Bellevue sorgsam gehütet. Von dem einen oder anderen gekrönten Haupt weiß Neher aber dennoch, dass es seinen Sekt schon im Glas hatte. Die schwedische Königin gehört dazu.

Dabei erzeugt Neher seinen Sekt nicht einmal selbst. Denn Schaumweinproduzenten benötigen viel Platz und große Keller, und beides hat das Familienweingut in beengter Lage von Lorch nicht. Zudem überlässt Neher die Veredelung seiner sorgsam ausgewählten Grundweine lieber Spezialisten, deren Alltagsgeschäft die zweite Vergärung ist. Dazu zählt das Sekthaus Reuter und Sturm in Walluf, dem viele ambitionierte Winzer nicht nur aus dem Rheingau die Versektung anvertrauen. Diese Spezialisierung ist im Rheingau die Regel. Sekt gehört zwar zur Abrundung des Sortiments jedes Weinguts zwingend dazu, aber nur sehr wenige Winzer haben ihr Weingut zum Sektgut erweitert und in den entsprechenden Maschinenpark investiert.

Dennoch hat Neher eine besondere Beziehung zum Sekt. Nicht nur, weil er mit seiner türkischstämmigen Frau Saynur gerne eine Flasche köpft und Schaumweine auch als Essensbegleiter nicht nur zur orientalischen Küche schätzt. Sondern auch, weil er sich während seines Studiums zur Traubenernte auf dem kalifornischen Weingut Domaine Carneros aufhielt. Ein Sektgut, das der französische Champagner-Produzent Claude Taittinger gegründet hatte, um im südlichen Zipfel von Napa und Sonoma County Schaumweine zu keltern.

Zurück in Geisenheim belegte Neher an der weltweit renommierten Weinbau-Hochschule auch das Fach „Sekt“. Für seine ersten 100 Liter Riesling- und Pinot-Noir-Sekt aus dem Lesegut des heute zehn Hektar großen Familienweingutes gab es viel Lob. Das setzt sich bis heute fort. Vier Sekte hat Neher ständig im Angebot. Das Spitzenprodukt ist die „Grande Réserve“. Gekeltert aus Trauben der Spitzenlage Lorcher Krone, fünf Jahre in der Flasche auf der Hefe gereift, handgerüttelt, abgefüllt in eine Designerflasche und mit einem noblen Zinnetikett versehen.

Das ist ein auf nur 800 Flaschen limitierter Sekt, der nicht in jedem Weinjahr möglich ist und der mit 30 Euro auch seinen Preis hat. 2018 und 2019 war es nach Ansicht Nehers zu warm für die Erzeugung des passenden Grundweins. Aktuell wird der Jahrgang 2015 verkauft, sein Nachfolger aus dem Jahr 2017 wird vielleicht 2022 degorgiert. Etwa sechs Monate nach dem Entfernen der Hefe, dem Degorgieren, schmeckt er am besten, sagt Neher, und dann bleibt der Sekt sicherlich für zwei Jahre auf seinem Höhepunkt. Es ist ein Sekt, der wie große Weine ein wenig Luft im Glas schnuppern muss, um seine animierenden Fruchtaromen zu entfalten und alle seine Facetten zu zeigen. Für Neher passt er besonders gut zu Sushi und Sashimi. Ein Sekt für Schaumweinfreaks und die gehobene Gastronomie, aber auch für neugierige und treue Stammkunden, die in Pandemiezeiten jedem Weingut im Überlebenskampf helfen.

Inzwischen fragen aber auch zunehmend Kunden danach, die auf nachhaltige und ökologische Erzeugung Wert legen. Neher, der das 1875 von Wilhelm Mohr gegründete Weingut in vierter Generation führt, bedient sie aus Überzeugung, weil er seit vielen Jahren auch für seine Familie Bioprodukte bevorzugt. Die Konsequenz daraus war schon vor zehn Jahren, das Weingut auf zertifizierte ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Dies gibt ihm „ein besseres Gefühl“ bei der vorwiegend manuellen Arbeit in den steilen und steinigen Lorcher Weinbergen, auch im Hinblick auf seine eigene Gesundheit, wie er sagt. Der Weg zurück in die konventionelle Bewirtschaftung ist für ihn kein Thema: „Du weißt einfach nicht, was genau du da in den Weinberg ausbringst.“ Und die Weinberge sind die Basis jedes Weinguts. Neher bewirtschaftet in Lorch eine Parzelle, in der sogar die ältesten Rebstöcke des Rheingaus stehen – Pflanzjahr 1934.

Seine Weine und Sekte tragen seit 2011 das Ökolabel, und nicht nur das: Sie sind auch zertifiziert vegan, weil Neher keine tierischen Erzeugnisse wie Gelatine, sondern Erbsenprotein bei der Weinbehandlung verwendet. Das Verlangen nach veganen Weinen wird größer, auch wenn es nach Nehers Beobachtung auf Auslandsmärkten wie Dänemark viel stärker ausgeprägt ist als in Deutschland: „Der Deutsche gibt nicht mehr Geld für Bioware aus.“ Für Neher zahlt sich seine Wirtschaftsweise gleichwohl aus. „Bio“ sei langfristig der richtige Weg, und er fühlt sich gerade erst durch die Verkoster der Fachzeitschrift „Selection“ bestätigt: Die halten „Mohr“ in Lorch für das aktuell beste Bioweingut in Deutschland.  (aus der FAZ vom 29.12.2020)

Im Wingert

Kleiner Geschenk-Tipp: Da ist es, mein erstes F.A.Z.-Hörbuch:

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) bietet mit dem neuen Hörbuch „Im Wingert. Weinbau in Deutschland“ ausgewählte Beiträge rund um den deutschen Weinbau.

Das neue F.A.Z.-Hörbuch „Im Wingert. Weinbau in Deutschland“ mit insgesamt zwölf erlesenen Beiträgen nimmt den Hörer mit auf eine Reise in verschiedene Weinregionen Deutschlands. Deutscher Wein ist längst viel besser als sein Ruf – und das liegt nicht nur am berühmten Riesling. Auf etwas mehr als 100 000 Hektar wird in Deutschland Wein angebaut. Auf unterhaltsame Weise widmen sich die F.A.Z.-Redakteure Methoden, Lagen, Anbaugebieten und dem Winzergeschick und berichten über Bedeutendes und Kurioses bei der Weinherstellung. Zusammengestellt sind die Beiträge von F.A.Z.-Redakteur und Weinkenner Oliver Bock, der als bekennender Badener und Rheingauer aus Leidenschaft aus dem Rheingau-Taunus-Kreis und der Landeshauptstadt Wiesbaden berichtet.

„Im Wingert. Weinbau in Deutschland“ wendet sich sowohl an Weinkenner, an solche, die es gerne werden möchten, als auch an jene, die bei der Weinprobe gerne mit fachkundigen Kommentaren glänzen. Es hat eine Spieldauer von 2 Stunden und 23 Minuten auf zwei Audio-CDs und ist zum Preis von 19,90 Euro unter www.faz-archiv-shop.de, telefonisch unter 0 69/7591 1010 oder im Buchhandel erhältlich. Den Hörbuch-Download gibt es in vielen Online-Shops und auf Spotify. Eine Hörprobe ist unter www.faz-podcast.de abrufbar.

Lockdown „light“, 2. Welle

So, da sind wir also angekommen, in der zu erwartenden zweiten Corona-Welle: Restaurants wieder zu, Glorreiche Rheingau Tage „light“ abgesagt, diverse Verkostungen auch, das ist alles nicht schön und für alle belastend. Ich nehme daher mein im Frühjahr gestartetes Corona-Weintagebuch auf Facebook wieder auf und stelle bis zur Wiedereröffnung der Weinschänken jeden Tag einen anderen Wein vor, der mir gefällt oder auf andere Art bemerkenswert ist. Also wer an weiteren Weinschmecker-Infos informiert ist, der weiche auf das soziale Netzwerk aus. Im Übrigen planen wir, im Jahr 2021 eine Neuauflage des Rheingauer Weinschmeckers herauszubringen! Wer dazu Anregungen oder Empfehlungen hat, der möge sich gerne direkt an mich wenden! Ansonsten gilt: Trinken wir eben zu Hause oder im intimen Freundeskreis gute Weine – und bleiben wir gesund!

Euer Rheingauer Weinschmecker

Oliver Bock

150 Jahre Weingut Ress

Das größte Ökoweingut in Hessen ist 150 Jahre alt. Eine bemerkenswerte Familiengeschichte kreativer Weinunternehmer im Rheingau.

Wein war nie alles, ohne Wein wäre alles nichts. So lässt sich eine Ur-Rheingauer Familiengeschichte verkürzen, deren bekannte Wurzeln ins frühe 17. Jahrhundert zurückreichen. Eine Familie von Metzgern, nicht von Winzern, und zugleich eine Familie einfallsreicher Weinunternehmer, die früh jene kluge Strategie erfolgreicher Firmen beherzigt hatte, die als Diversifikation noch unbekannt war. Obwohl hinreichend belegt ist, dass ein gewisser Jacob Ress schon 1840 in Hattenheim ein zweistöckiges Haus mit Stallungen und Kelterhaus erwarb, um eine Metzgerei und eine Weinwirtschaft zu eröffnen, gilt erst das Jahr 1870 als Gründungsdatum des Familienunternehmens. Dieses Gründungsjahr ist heute Teil der eingetragenen Marke „Balthasar Ress“ und war erst vor wenigen Jahren über einen Vertrag zur Einquartierung von Soldaten im damaligen Gasthaus Ress während des Deutsch-Französischen Krieges belegt worden.

Balthasar Ress trug – wie schon sein Vater, wie seine Geschwister und seine Nachfahren – das Unternehmergen in sich. Ress machte sich als Gastwirt und Hotelier selbständig, engagierte sich vielfältig ehrenamtlich und als Gemeinderat auch für Hattenheim. Seine vielfältigen unternehmerischen Aktivitäten erstreckten sich auf die Gastronomie von Kloster Eberbach und den Betrieb einer Buslinie. Wie bei so vielen Rheingauer Familien gehörte ein kleiner Weinbergsbesitz dazu. Diese Parzellen im Oestricher Doosberg und Hattenheimer Kilb gelten heute als Keimzelle des Weinguts. Die Söhne Carl und Paul setzten die unternehmerische Tradition mit Geschick fort. Auch der Weinhandel sollte frühzeitig als Geschäftsfeld hinzukommen.

Es war aber Balthasar Ress, der 1896 das Haus in der Rheinallee 1 erwarb und dort das „Hotel- und Weinhaus“ Ress etablierte. Ein Wagnis, das sein Urenkel Stefan Ress als besonders kluge Entscheidung lobt. Denn sie legte die Basis einer weiteren Expansion. Das Hotel blieb bis 1979 im Familienbesitz und ist bis heute als „Kronenschlösschen“ eines der Vorzeigehotels des Rheingaus. Die Silhouette ist inzwischen Teil des Ress’schen Familienwappens.

Das Weingut war immer nur ein Teil des Geschäfts, aber es steht bis heute für die Seele des Unternehmens. „Eine Konstante der Familiengeschichte“, sagt Stefan Ress, der 1970 in die Geschäftsführung eintrat, 1980 die alleinige Verantwortung übernahm und das Unternehmen auch durch diverse Erbauseinandersetzungen führte. Die Gastronomie sei immer ein Teil der Familien-DNA gewesen, sagt er.

Das Weingut, das nach dem Zweiten Weltkrieg noch bescheidene drei Hektar groß war, hatte damals schon auf mehr als 15 Hektar Rebfläche zugelegt. Unter der Führung von Stefan Ress trat das Weingut 1984 der Vereinigung der Charta-Weingüter und 1989 dem VDP Rheingau bei. Ress gehörte zu jener Gruppe qualitätsorientierter Winzer um seinen Vetter Bernhard Breuer und Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, die in jenen Jahren der Weinbaupolitik wichtige Impulse gaben und der Klassifikation der Weinberge den Weg bereiteten. Ein Modell, das sich heute weitgehend durchzusetzen scheint. „Das waren weinbaupolitisch aufregende Zeiten“, erinnert sich Ress an hitzigen Streit und heftige Diskussionen. Im eigenen Unternehmen legte Ress mit dem Erwerb der ehemaligen Hattenheimer Winzergenossenschaft den Grundstein für weitere Expansion.

Sohn Christian stieg 1999 in das Unternehmen ein und wurde 2004 Miteigentümer. Fortan sorgte das Weingut für ungewöhnliche Schlagzeilen. Beispielsweise 2009 durch die Anlage des nördlichsten deutschen Weinbergs auf Sylt, dessen Ernte heute in Sekt verwandelt wird, und durch die Eröffnung der Winebank in einem bis dahin ungenutzten Teil des Gewölbes unter dem Stammhaus an der Rheinallee. Ress versenkte publicityträchtig mit feinen Tropfen gefüllte Großflaschen zur idealen Reifelagerung im Diezer See und ließ einen VW-Bus aus seinem Geburtsjahr 1973 zur mobilen Ausschanktheke umbauen. Er stellte die Produktion vom Korken auf Schraubverschluss um, und er startete 2016 die Umstellung auf ökologischen Weinbau. Auf Glyphosat verzichtet Ress schon seit zehn Jahren. Heute ist Balthasar Ress mit 50 Hektar Rebfläche das größte Ökoweingut Hessens.

Zur Expansion gehörte 2013 die Eröffnung einer Weinbar und Vinothek in Wiesbaden und 2018 in der neuen Altstadt in Frankfurt. Ein Ress-Gästehaus und eine Ress-Suite knüpfen inzwischen im Rheingau an die alte Beherbergungstradition der Familie an. Aus der zum exklusiven Weinclub fortentwickelten Winebank macht Ress mit Partnern gerade ein auf Expansion ausgerichtetes Franchise-Unternehmen mit inzwischen acht Standorten weltweit. Auch dort soll das Familienmotto aus den 1920er Jahren, „Fein sei der Wein“, gelten.

Der 46 Jahre alte Christian Ress ist kein Winzer. Der Betriebswirt sieht sich in der fünften Generation als Unternehmer im Weinbau mit Leidenschaft für Riesling und Spätburgunder. Zur Unternehmensgruppe gehören heute eine Weinkellerei und die Weinvertriebs- und Weinhandelsgruppe Veritable, die den Lebensmitteleinzelhandel bedient und laut Ress zu den großen Playern in Deutschland zählt. Inzwischen ist Ress Arbeitgeber für mehr als 100 Mitarbeiter. Die Diversifikation, die schon zur Gründung ein Markenzeichen der Familie war, hat „Balthasar Ress“ geholfen, die Pandemie einigermaßen glimpflich zu überstehen, auch wenn es hier und da Einbrüche gab. Vor allem in den Luxusresorts weltweit, in denen Ress eigentlich wichtige Absatzmärkte für seine Weine sieht. Aber wenn am Flughafen in Dubai kaum noch Verkehr abgewickelt wird, dann erwirbt auch kaum jemand Ress-Weine im Duty-free-Shop. Doch den Unternehmergeist von Ress beflügelt das höchstens. Es müsse nicht bei zwei Ress-Weinbars in der Rhein-Main-Region bleiben und keinesfalls werde er interessante Optionen am Wegesrand liegenlassen, sagt Ress: „Ich hatte schon immer mehr Ideen als Zeit und Geld.“  (aus der FAZ vom 12.10.2020)

Aus dem Verkostungstagebuch

Frauenpower

16 Weine von deutschen Winzerfrauen, mal was ganz Neues in der Reihe der Blindverkostungen der Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau. Um eines vorwegzunehmen: In jedem der vier Flights war ich anderer Meinung als die Mehrheit… das ging schon bei Thema Sauvignon blanc so. Ich mochte den 2019er Wein von Karoline & Dorothee Gaul einen kleinen Hauch stärker (weil frischer?) als den 2018er von Gesine Roll während die Mehrheit für Tatjana Schmidts 2019 SB vom Weingut Russler stimmte. Grauburgunder ist nicht mein Fall, aber dass sich mein Favorit, nämlich Caroline Diels Gris Reserve 2016 nicht durchsetzte, blieb mir ein Rätsel (zuviel Holz?). Juliane Ellers 2019 „Juwel“ lag bei mir noch vor Theresa Breuers 2018 Gris. Bei den trockenen Rieslingen dann lag bei mir Breuer (Terra Montosa) vor Diel (Dorsheimer Eierfels), wobei ich Carolin Spanier-Gillots Niersteiner Riesling gut fand (ohne den Niersteiner Charakter so richtig herauszustellen). Bei den Edelsüßen Hut ab vor dem, was Katharina Prüm und Carmen Ziliken so abfüllen, sehr schwach dagegen Eva Frickes Schlossberg Spätlese, die so gar nicht den Lorcher Charakter zeigt. Viel besser als Fricke die Spätlese aus der Trittenheimer Apotheke von Catherina Grans.

Robert König, Assmannshausen

Sehr schön, dass das Weingut im Herbst an den Wochenenden öffnete, Platz gibt es ja genug, und guten Wein obendrein!

2017 Drachenstein Spätburgunder Zenit – elegant, fein, tiefgründig

2018 Weißburgunder Signatur – absolut einer der besseren Weißburgunder des Rheingaus

Allendorf, Winkel

Kleine GG-Probe am Nachmittag: 2018 Jesuitengarten versus Hasensprung versus Berg Roseneck – und was soll ich sagen: für mich unerwartet ließ der Jesuitengarten ob seiner feinen Mineralität und Finesse die Kollegen hinter sich…

Weingut Weiler, Lorch

Es ist immer eine Freude, Weiler-Weine zu verkosten. Persönlich bin ich ein Fan des trockenen 2019er Bodenthal-Steinberg Riesling und der Krone S. (der Zusatz Spätlese kann entfallen..) Mir gefällt die Mineralität und der kompakte Zug der Weine. Die Finesse und Klarheit sind ja ohnehin Wesenszüge der Weiler-Weine. Allerdings gebe ich zu, dass mir persönlich bei den trockenen Spitzenweinen der Restzucker ein wenig zu hoch ausgefallen ist. Noch immer tasten sich zu viele Winzer zu nahe an die 9 bzw. 10g/ RZ/l –Grenze heran. Das geht trockener und besser. Der Trend geht auch bei den Großen Gewächsen nicht ohne Grund eher in Richtung 5 bis 6g RZ oder sogar weniger. „Quarzit“ und „Schiefer“ sind schöne Einstiegsweine zum Preis von 8 Euro… das ist ein Top PLV! Und ich warte gespannt, bis der neue trockene Steillagenriesling tatsächlich in der Flasche ist… die erste Probe war verheißungsvoll….

1917!

So, aus gegebenem Anlass jetzt noch einmal Weil in diesem Blog. Diese Häufung in diesen Tagen hat ihren guten Grund, und dieser ist außergewöhnlich. Anlässlich der Vorstellung des neuen Superpremium-Weins „2018 Monte Vacano“ (siehe im Blog weiter unten!) und einer Vertikale der Gräfenberg GGs von 2007 bis 2019 hat Wilhelm Weil auch einen tiefen Griff in die Schatzkammer getan und TROCKENE (ca. 8-12 g RZ/l) Gräfenberg Cabinet-Weine der Jahrgänge 1949, 1949, 1937, 1934, 1921 und 1917 entkorkt. (Cabinet-Weine gibt es bei Weil übrigens nur bis zum Jahrgang 1953, und Trockenbeerenauslesen ab dem Jahrgang 1959).

Sowas bekommt man nicht alle Tage auf die Zunge, und der Erlebniswert war gewaltig und keineswegs nur der Ehrfurcht dieser Jahreszahlen geschuldet. Mit gefielen vor allem der geschmeidige, fruchtige 47er mit seiner betörenden Länge und der hochdelikate 1937 besonders gut. 1921 mit betörender Nase, 1917 anfangs in der Nase eher verhalten, doch am Gaumen 1917 eine zeitlose Majestät, die wohl niemand blind jahrgangsmäßig auch nur annähernd richtig einordnen würde. Auch 1921 herausragend mit schönen Apfel- und Rosinennoten, ohne dabei oxydativ oder gar „alt“ zur wirken. 100 und mehr Jahre alte, trockene Riesling in dieser guten Konstitution sind ein Ritterschlag für die damalige Weil-Generation! Konsequenterweise erhoben sich die Verkoster! Einen Hut abnehmen hätte nur ich können…

2019 GG s

VDP.Großes Gewächs in Wiesbaden

477 Weine der Jahrgänge 2015-2019 in 89 Flights an 3 Tagen, verkostet von 160 Experten aus dem In-und Ausland, das ist die VDP.GG-Präsentation in Wiesbaden. Wie immer mustergültig organisiert, so dass der 3. Tag sogar trotz der Verschärfung der Corona-Beschränkungen in Wiesbaden ablaufen konnte. Ich habe natürlich nicht alles verkostet, sondern mich immer auf einige Teilaspekte fokussiert. Diesmal ging es mir nicht um einzelne Regionen, sondern um den Charakter des Terroir wider die Handschrift des Winzers. Dazu muss man Flights ordern aus Lagen, in denen mehrere gute Winzer begütert sind, und dazu ist das die ideale Gelegenheit.

Einige Beispiele von meinem Verkostungstisch, alles VDP.GG 2019 Riesling trocken.

Rheingau: Hattenheimer Wisselbrunnen

Die Spitzenlage Wisselbrunnen in allen vier Weinen gut erkennbar, die Stilistik ändert daran nichts. Ich mochte den geschliffenen Spreitzer am liebsten und sah den finessenreichen Kaufmann auf dem zweiten Platz, den dritten teilten sich einen Wimpernschlag dahinter Barth und die Georg-Müller-Stiftung

Rheingau: Berg Schlossberg und Kaisersteinfels

Künstler hatte bei mir die Nase vorn, dicht gefolgt von Leitz (2018), der wiederum knapp vor Wegeler. Insgesamt deutlich heterogener im Ausbau als der Wisselbrunnen. Wie gut ein Jahr mehr Reife tut, zeigte auch der 2018er Rosengarten von Leitz, phänomenal gut.  

Nahe: Schloss Böckelheimer Felsenberg

Alle 4 durchaus eng beisammen, was für die Lage spricht. Schäfer-Fröhlich und Dönnhoff… da konnte ich mich einfach nicht entscheiden, auch zwischen Gut Hermannsberg (3.) und Dr. Crusius ging es ganz knapp zu.

Wenden wir uns Rheinhessen zu: Niersteiner Pettenthal

Gunderloch und Kühling-Gillot machen das fantastisch, Wein mit Grip, Zug und Finesse. Schätzel eher verhalten, für St. Antony kam die Verkostung auch noch ein bisserl früh, ist aber mit Sicherheit ein großartiger Langläufer.

Pfalz, natürlich Forster Pechstein, und gleich 5 Winzer! Bürklin-Wolf, Buhl, Bassermann-Jordan, Acham-Magin und Mosbacher. Was für eine Reihe, was für klingende Namen. Und das Schönste: Alle GGs auf Top-Niveau. Aber weil der Bessere der Feind des sehr Guten ist, gehören Buhl und Bassermann die Kronen dieses Flights.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass 2019 wirklich großartige Spitzen hervorgebracht hat, und manche Weingüter haben die ebenfalls sehr guten 2018er mit ihrem 2019 noch übertrumpft. Übrigens. Die 2020er GGs wird der Rheingau erst 2022 zeigen, also nach zwei Jahren Lager- und Reifezeit, um den Weinen mehr Entwicklung zu geben. Das machen vereinzelt ja schon Winzer aus vielen Regionen (im Rheingau bsp. PJ Kühn), aber nun ist es im Rheingau die Regel, und vermutlich wird der eine oder andere VDP-Regionalverband noch folgen. 2021 gibt es dennoch eine GG-Präsentation, aber wird aus dem Rheingau eben noch einmal 2019 gezeigt. Angesichts der Güte der Weine ist das eher eine Verheißung als die Androhung von Langeweile!

2018 Monte Vacano

wie bitte? Doch! Vacano, Monte. Genauso heißt der neue Ultrapremium-Riesling von Weingut Robert Weil. Die Trauben stammen von einer 0,5 Hektar großen Parzelle der Spitzenlage Gräfenberg, aus der Weil jährlich 30.000 bis 40.000 Flaschen Großes Gewächs erzeugt. Bis 1921 ist verbrieft, dass Familie Weil auf dieser Parzelle mit ihrem hohen Phyllitschiefer-Anteil einen „Monte Vacano“-Wein erzeugt hat, der allerdings nicht verkauft wurde, sondern in der Familie blieb. Wein und Parzelle haben deshalb auch eine emotionale Bedeutung für Wilhelm Weil. Vor allem aber auch eine weinhistorische. Nun sollen jährlich zwei aufgearbeitete, traditionelle Stückfässer (1200l) aus bewährter Hunsrück-Eiche mit dem spontan vergorenen Wein gefüllt werden, um zwei Jahre auf der Feinhefe zu reifen. Das Erstlingswerk ist gefüllt und wird allen Erwartungen an einen großen trockenen (2g RZ) Weißwein gerecht. Die 1200 0,75er Flaschen können für 105 Euro vorreserviert werden und sollen ab April 2021 für 130 Euro verkauft werden. Wetten, dass dann keine Flasche mehr in den freien Verkauf geht??? In Magnum-Flaschen geht der Wein auf die Versteigerung, auch eine einzelne 12 l-Flasche, für die mir leider das Kleingeld fehlt. Der Wein hat unheimlich viel Grip, Länge und einen sehr „traubigen“ Charakter, eine besondere Würzigkeit, hohe Dichte und Komplexität, ohne dabei an Trinkfluss (13%) einzubüßen.  

Keine Sorge, der Gräfenberg bleibt die VDP.Große Lage, weshalb „Monte Vacano“ auch nicht für ein neues Gewann im Gräfenberg steht, sondern nur für die Herkunft aus dem Gräfenberg. Warum Vacano?  So hieß eine lombardische Familie, und Emilie Vacano war es, die 1875 den Sprachwissenschaftler und Winzer-Seiteneinsteiger Robert Weil heiratete. Im gleichen Jahr kaufte Weil den Suttonschen Landsitz in Kiedrich und formte durch Zukäufe ein Weingut. Darunter auch die Lay genannte Parzelle, für die Weil die Mitgift seiner Frau einsetzte. Fortan heiß die Parzelle Monte Vacano. Der Rest ist bekannt, der Wein ist neu. Wie Phoenix aus der Asche. Formidabel!   

Dem 2019er auf der Spur…

Jahrgangsverkostung Robert Weil, Kiedrich

… später als sonst im Jahr habe ich die 2019er von Robert Weil verkostet, und das Fazit ist: Sie knüpfen unmittelbar an die hohe Qualität und Finesse der 2018er und 2016er an. Für das Weingut war es ein anspruchsvoller Jahrgang nach einem „neidischen Herbst“, der auf einen abermals trockenen und heißen Sommer gefolgt war.

2019 Rheingau Riesling trocken – von den Freaks oft gescholten wegen seines angeblich schwierigen Preis-Leistungs-Verhältnisses gefällt mir diese trockene Visitenkarte des Weinguts außerordentlich gut. Ein Wein mit Schmackes (Wumms, sagt man wohl neuerdings), der mit einer gut integrierten Säure dennoch den Trinkfluss entfaltet, denn ein QbA haben muss.

2019 Kiedricher Riesling trocken – mehr als nur ein schnöder Ortswein… vielmehr ein Charakterwein und ein Abbild der Kiedricher Berglagen mit viel Grazie, Finesse und Eleganz, ohne dabei die fruchtige Leichtigkeit missen zu lassen. Vielleicht sogar der beste Kiedricher der zurückliegenden Jahre…

2019 Klosterberg Riesling trocken – die Wein-Bazooka von Weil: leicht würziger Charakter, stämmig, ein „Maul voll Wein“ und mit Sicherheit ein guter Essensbegleiter. Jahr für Jahr zeigt der Klosterberg ein wenig mehr Klasse und Finesse, ohne sich Turmberg und Gräfenberg aber entscheidend nähern zu können.

2019 Turmberg Riesling trocken – same note as every year: zu diesem Zeitpunkt immer der zugänglichste, imposantes, überwältigende Terroir-Wein. Bärenstark und doch hochelegant, Genuss pur.

2019 Gräfenberg Riesling trocken – das GG, das in wenigen Tagen verkauft werden darf, und die Botschaft lautet: Greift zu! Eine in weiten Teilen noch verschlossene Majestät, die aber zu diesem Zeitpunkt eine für mich ungewohnte Würzigkeit (fast ein bisserl Feuerstein) zeigt. Ob das an den teils aufgearbeiteten großen Holzfässern liegt sei dahingestellt, aber ich muss dringend mal 2019 GG mit 2018 und 2016 vergleichen, um meine Sinne auf den Prüfstand zu stellen…

2019 Riesling Tradition … vielleicht der Saufwein in der Weil-Kollektion, perfekter Trinkfluss mit 25g Restzucker, idealer Asian- und Indian-Food-Begleiter, aber auch einfach so in der Sommerhitze eisgekühlt… great… einfach der viel bessere Rosé…

2019 Riesling Kabinett …. der „Kabi“ erlebt ja mit dieser liebevoll gemeinten Abkürzung unter den Freaks eine kleine Renaissance, bei Weil schmeckt er so lecker-erfrischend wie kaltes Gebirgsquellwasser, doch ich ziehe den Tradition vor!

2019 EDELSÜSS… ok, ich hatte den Genuss, auch die gesamte edelsüße Kollektion verkosten zu dürfen bis hin zu den Goldkapsel Auslesen und Beerenauslesen sowie 2019 Turmberg und 2019 Gräfenberg TBA, aber mir fehlen ein wenig die Worte, die diesen Weinmajestäten gerecht werden, und ich will auch nicht ständig nur mit Begriffen wie Honig, Karamell, Rosinen, Aprikosenschale, reifer Orange, Trockenfrüchte um mich werfen… um nur einige der Aromen-Eindrücke von mir zu geben. Sagen wir mal so: alle zwischen 94 und 99 Weinschmecker-Punkte und wer es sich leisten kann, sollte zugreifen! Sofort!

Jahrgangsverkostung F.B. Schönleber, Mittelheim

…. unter Corona-Bedingungen ein wenig ungewohnt aber gut gelöst im Weingut. Noch hat das VDP-Weingut nicht alle Tropfen in die Flasche gefüllt, und die Großen Gewächse durfte ich leider auch noch nicht probieren (obwohl der 1.9. doch nur für den Verkauf gilt), dafür gab es

2019 Franz Bernhard – der Mittelheimer Ortswein gefiel mir schon als 2018er außerordentlich gut mit seiner klaren Frische, seiner Geradlinigkeit und seiner markanten, aber nicht harten Säure. Ich habe noch drei Kisten aus den Restbeständen erstanden… und das sagt an dieser Stelle vielleicht alles. 2019 aber nicht minder gut. Unter den 3 VDP.Erste Lage-Weinen (Edelmann, Steinmorgen, Klosterberg) ragte für mich diesmal der trockene 2019er Steinmorgen mit seiner Finesse und Spritzigkeit klar hervor… in diesem Stadium gefiel er mir sogar besser als das Beste Fass (Edelmann), das vielleicht einfach noch ein wenig Zeit braucht. Und wenn Ihr einen Sekt braucht: der neue Brut nature ist für 14 Euro ein Mega-Schnapper!  

Große Gewächse – GGs aus 2018

Die Verkostung der besten trocken deutschen Rieslinge (GGs) des jeweils noch aktuellen Jahrgangs gehört zum festen Programm der Weinloge „Die Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau“, und diesmal kamen die 18 Weine – sämtlich Jahrgang 2018 – aus sechs deutschen Anbaugebieten.

Das wichtigste vorweg: Die Nahe brillierte mit Schlossgut Diel, Gut Hermannsberg und Dönnhoff, wobei Hermannsberg in dem Trio klar die Nase vorn hatte: Präzise, geschliffen, komplex, feinwürzig, dennoch mit Trinkfluss vom Allerfeinsten.

Der teuerste Flight war der Rheingau mit Schloss Johannisberg, Gräfenberg (Weil) und Wegelers Geisenheimer Rothenberg (alle über 40 Euro). Während ich Weil bevorzugte, votierte eine knappe Mehrheit für den Rothenberg, den ich ebenfalls klasse fand. Johannisberg schien mir in ein kleines Loch abgetaucht, doch der kommt wieder, sicher!

Die teuerste Einzelflasche war das Königsbacher Idig GG von Christmann (58 Euro), während Knipsers Laumersheimer Steinbuckel (27 Euro) weniger als die Hälfte kostete! Erstaunlicherweise ließ bei der Pfalz-Blindverkostung Von Winnings „Forster Ungeheuer) beide mit klarem Abstand hinter sich!

Unter den fränkischen GGs stach der Pfülben (nur 26,50 Euro) von Schmitts Kinder klar hervor und ließ – für mich erstaunlich – das Bürgerspital (Würzburger Stein) und auch Fürsts Centgrafenberg deutlich hinter sich, die beide für knapp 40 Euro angeboten werden. Und wenn wir schon bei Preis sind: der war bei den Württemberger Güter an niedrigsten, wobei die Meinungen hier weit auseinandergingen. Ich selbst plädierte für Wöhrwags „Untertürkheimer Herzogenberg“ und muss sagen: Phänomenal gutes Preis-Leistungsverhältnis (23 Euro! das war das preiswerteste GG des Abends!) Dautel und Graf Adelmann konnten hier nicht mithalten. Zum Schluss noch ein Blick an die Mosel: Ich mochte Van Volxems Kanzemer Altenberg sehr, doch die Mehrheit votierte für Fritz Haags Brauneberger Juffer Sonnenuhr, abgeschlagen: Dr. Loosen mit der Wehlener Sonnenuhr. Alles in allem aber waren die GGs ein Beleg für die hohe Güte des 2018er Jahrgangs, der wirklich zu den sehr guten gehört! Top! In Kürze werde ich die 2019er GGs in Wiesbaden probieren und bin schon jetzt gespannt… mehr dann wieder hier im Blog.

Aus dem Verkostungstagebuch

Hier mal wieder als Update ein paar nicht repräsentative Eindrücke der vergangenen Tage…

Peter Jakob Kühn, Oestrich

2015 Spätburgunder trocken – persönlich mag ich die Riesling, vor allem die Ortsweine, aber auch immer den St. Nikolaus lieber als die Roten. Dieser ist gleichwohl ein guter Vertreter des recht üppigen Jahrgangs 2015, in der Struktur recht fest, gute Säure

Kloster Eberbach/ Staatsweingüter

2010 Pinot Noir trocken – sehr klassisch aus einem eher „kleinen“ Pinotjahr, dafür mit unverändert hoher Eleganz bei lebendiger Säure, ein Florett, kein Säbel und schon gar kein Schwert, wirklich gut

Delaire Graff, Stellenbosch

2018 The View White Blend – eine von Sauvignon blanc getragene Cuvée mit gutem Zug und viel Finesse, schöner Trinkfluss, reife Früchte, Zitrus, ein wenig Paprika, dabei immer fein und ziseliert, gut, der richtige Soli-Schluck angesichts der tiefen Krise, in der südafrikanischen Winzer nach dem zweiten Lockdown mit zweitem Alkoholverbot leiden…

Pfeffingen, Pfalz

2018 Roter Riesling –SP- zugegeben, ich bin selten ein Enthusiast des Roten Riesling, der mir oft zu süßlich, zu sehr Feuerstein schmeckt… aber es gibt fulminante Ausnahmen, und das ist eine davon, die ich das allererste Mal getrunken habe und meinen guten Eindruck bestätigt, wann immer ich Pfeffingen-Weine getrunken habe.

Peter Lauer, Saar

2018 „Faß 25“ Alter Riesling trocken VDP.Ortswein – im Weingut war ich begeistert, zuhause zeigt er Weine eine ungewohnte Reife für einen 2018er… meinem Gegenüber im der Blindverkostung kam der Wein schon mehrere Jahre alt vor… ich muss unbedingt in Kürze eine Konterflasche öffnen…

Künstler, Hochheim

2015 Rüdesheim Berg Rottland GG – ein Hammer. Ungemein frisch, mit hoher Präzision und Finesse, ein Wein voller Trinkfluss, charmant und elegant, love it! Dummerweise ein Einzelstück im Keller…

Carl Ehrhard, Rüdesheim

2018 Berg Rottland Urstück Rottland – hammergut, wie sich die 2018er Urstücke jetzt präsentierten, und dieses hier ist mein Liebling. Kleine Anmerkung für Rosé-Freunde: der 2019er Rosé ist der bislang beste, den ich im Rheingau getrunken habe. Taste it!

Eva Fricke, Eltville

2009 Seligmacher – Nur zu gerne würde ich jetzt über diesen Wein und jüngere Jahrgänge desselben ausführlich schreiben. Aber das ist brandgefährlich, weil jeder Weinblogger und Weinjournalist Gefahr läuft, den Wein nicht genug in den Himmel zu loben oder gar andere Weine besser zu finden. Die Winzerin mit Elefantengedächtnis versteht da keinen Spaß, und wer nicht mit einem bösen Zauber, einem Bann oder gar der Höchststrafe, einem Kaufverbot (!), belegt werden will, weil er der Fricke-Weine einfach nicht würdig ist (jedenfalls nicht ab Weingut), der sollte sich tunlichst ganz zurückhalten. Daher hier mein unangreifbares und abschließendes Urteil zu diesem Tropfen: Es ist Wein.

(Keine Sorge, bei nächsten Mal dann wieder das volle Programm!)

Nahe am Rhein

… so heißt eine neue wein-touristische Initiative zwischen Bingen und Kreuznach, die Aufmerksamkeit verdient. Ich bin bei einer kleinen Tour an die Nahe darauf gestoßen, bei der ich unter anderem die wunderbaren Wanderrouten rund um Bad Kreuznach erkundet habe. Und endlich mal wieder eine Stippvisite bei Martin Tesch in Langenlonsheim.

Kompliment für die 2019er, bei denen die Lagencharakteristik wie schon 2018 sehr gut herausgearbeitet worden ist. Die „Lagenkiste“ (nur 77 Euro!) ist eine echte Empfehlung… eine Art flüssiges Lehrbuch über die Böden und die geschmackliche Ausprägung im Wein. Mit dem Jahrgang 2019 waren der St. Remigiusberg und der Karthäuser meine absoluten Favoriten, wobei die Krone auch immer eine Bank ist. Wie gut die Weine reifen, zeigte mir Tesch mit einem 2009 Karthäuser: Stoffige Eleganz mit prägnantem Zug, fein!

Natürlich habe ich auch ein wenig Dönnhoff, Korrell, Emrich-Schönleber und Diel getrunken (die Nahewein-Vinothek in Bad Kreuznach ist in dieser Hinsicht jedenfalls ein Muss!). Zu einer Nahe-Visite gehört aber auch ein Besuch bei Kruger-Rumpf, wo die 2019er ebenfalls außerordentlich gut geraten sind. Schon der Binger (Quarzit!) und der Münster (Schiefer!)-Ortswein sind jeweils ganz feine, filigrane Visitenkarten des Weinguts mit großem Trinkfluss aus zwei Anbaugebieten. Ein echtes Aha-Erlebnis bietet am Gaumen die neue „Bingerbrücker-Abtei“ in der Variante „Abtei 1937“. Ein präziser Hammerwein! Wobei der Münsterer Kapellenberg aus VDP.Erster Lage ein großartiges Preis-Leistungsverhältnis bietet. Übrigens hat sich Kruger-Rumpf jetzt auf dem Weg zum Öko-Weingut begeben… der 2020 wird der erste Umstellungsjahrgang. Bei den Großen Lagen ist es fast immer der Binger Scharlachberg, der mein Favorit ist. So auch mit dem Jahrgang 2018. Ein rheinhessischer Diamant, geschliffen an der Nahe! Und dann zwei Schätzchen aus der Schatzkammer: 2004 Scharlachberg Riesling GG. Wow! Und eine Majestät: 1992 Münsterer Dautenpflänzer Riesling Spätlese trocken – fantastisch gereift, und noch lange nicht am Lebensende angekommen.

Privatkunden retten die Winzer

In der Weinbranche wird die Corona-Krise nachhaltige Veränderungen zur Folge haben. Der Strukturwandel, der die Konzentration von immer mehr Weinbaufläche bei immer weniger Erzeugern beschreibt, wird sich noch einmal beschleunigen. Die Rebfläche in Deutschland von derzeit rund 100.000 Hektar könnte gleichwohl in wenigen Jahren deutlich zurückgehen. Und viele Erzeuger müssen sich wohl zu Produktions- und Vermarktungsallianzen zusammenschließen, wenn sie nicht zum Spielball des großen Lebensmitteleinzelhandels werden wollen.

Das sind einige der Einschätzungen aus dem ersten Online-Seminar, das der Bund Deutscher Önologen organisiert und das Simone Loose, die Geisenheimer Institutsleiterin für Wein- und Getränkewirtschaft, am Bildschirm moderiert hat. Loose hatte schon im April eine erste Umfrage zu den Corona-Folgen für die deutschen Weinproduzenten veröffentlicht. Daran hatten sich rund 850 Weingüter, Genossenschaften und Kellereien beteiligt.  

Demnach hatte es im März zunächst eine klare Verschiebung des Weinabsatzes hin zu Supermärkten und Discountern sowie zu Onlinehändlern gegeben, während der Absatz über die Gastronomie, den Export und den Fachhandel regelrecht eingebrochen ist. Die Folge: mehr als jeder zweite Erzeuger strich oder verschob geplante Investitionen. Nahezu jeder zweite Betrieb beantragte die staatliche Soforthilfe für selbständige und kleine Unternehmen. Für den Sommer zeichneten sich für vier von zehn Betrieben schwerwiegende Liquiditätsengpässe ab. Eine weitere Folge der Krise ist die starke Zunahme des Online-Geschäfts. Dirk Würtz, viele Jahre Betriebsleiter des Hattenheimer Weinguts Ress und jetzt Geschäftsführer bei St. Antony in Nierstein, hatte auf die Krise unmittelbar mit kreativen Online-Angeboten reagiert. Der Absatz sei daraufhin „unfassbar gestiegen“, beschreibt Würtz seine Erfahrungen mit dem eigenen Onlinehandel. Besonders bemerkenswert: Auch nach den zwischenzeitlichen Lockerungen und der Wiedereröffnung von Restaurants liegt der Onlineverkauf stabil etwa vier bis fünf Mal höher als noch vor der Krise.

: „Endlich scheint Wein im Online-Handel angekommen zu sein“, meint Würtz und lobt die Weingenießer: „Die Privatkunden haben uns gerettet“.

Kellereien und Große Winzergenossenschaften hatten wiederum das Glück, dass die Kunden ihren Wein vermehrt im Lebensmittelhandel kauften, um sich wenigsten zuhause gutes Glas zu gönnen. Die Lauffener Weingärtner, eine große württembergische Genossenschaft mit 1200 Mitgliedern und fast 900 Hektar Rebfläche, musste in der Krise zunächst damit kämpfen, dass die Lagerflächen in den Einkaufsmärkten für „systemrelevante“ Produkte reserviert waren und Wein es nur mit Hürden ins Regal schaffte. Weingärtner-Geschäftsführer Marion Kopp machte zu Beginn der Krise zwei interessante Erfahrungen. Außerhalb der deutschen Weinanbaugebiete ging Wein zu Preisen von weniger als zwei Euro je Flasche „ab wie Feuerwehr“. Je näher die Verbraucher allerdings an einem Weinbaugebiet wohnen, desto eher waren sie geneigt, sich etwas Gutes zu gönnen und auch bei Weinen jenseits der Preisschwelle von sieben Euro zuzugreifen. Der Konsument habe in der Krise gelernt, höherwertige Weine zu kaufen, freut sich Kopp und hofft, dass dies nun zur Gewohnheit geworden ist.

Das gibt Hoffnung auf Zukunft, zumal sich die Winzer neue Absatzchancen ausrechnen, wenn viele Bürger in diesem Sommer ihren Urlaub in Deutschland verbringen. Dann ist auch die Chance größer, dass sie zu deutschem Wein greifen. Laut Kopp stellen sich seine Handelspartner schon auf diese Entwicklung ein.

Doch neben diesen positiven Signalen gibt es viele negative Entwicklungen, die nachdenklich stimmen. Winzer Würtz hat beobachtet, dass manches Weingut in der Krise an seinen langjährigen Fachhändlern vorbei Wein über Schnäppchenangebote zu verkaufen suchte. Diesen „Sündenfall“ werde der jeweilige Händler über die Streichung aus der Lieferantenliste ahnden. Mit langfristig schwerwiegenden Folgen für den Erzeuger. Mancher Winzer habe zudem aus purer Not Weine direkt im Fass verkauft, anstatt sie in Flaschen zu füllen, und das Preisen von 90 Cent je Liter, und das für ordentliche Ware. Das ist jenseits der Kostendeckung. Und wer nur wegen der Krise jetzt auf die Schnelle einen Onlineshop aufgebaut habe, der dürfe nicht erwarten, dass nun die Bestellungen nur so eintrudelten.

Ganz allmählich geht es aber auch wieder aufwärts, bestätigte die Rüdesheimer Winzerin Theresa Breuer, die von der Krise mitten in einer baulichen Neuordnung des Betriebsgeländes erwischt wurde. Im Export und in der Gastronomie rühre sich langsam wieder etwas, sagte Breuer, die jetzt vor allem Flexibilität zeigen will, auch wenn die Gastronomen nur sehr kleine Mengen ordern oder Importeure und Händler nicht die gesamte reservierte Ware auf einmal abrufen. Aber auch Breuer hat beobachtet, dass Kollegen Wein tankweise zu Niedrigpreisen verkaufen, weil im September schon die nächste Ernte ansteht und Platz gebraucht wird. „Mancher Keller wird geradezu verramscht“, bedauerte Würtz. Ob die Rebfläche in Deutschland nach einer absehbaren Bereinigung in der Branche zurückgeht (Würtz), ob die Pachtpreise wirklich sinken (Kopp) und ob die jetzt schon großen Erzeuger in der Folge der Krise noch einmal größer werden (Breuer), blieb Spekulation.

Realität ist hingegen die Mehrwertsteuersenkung, die von der Branche skeptisch bis ablehnend gesehen wird, weil dadurch die Durchschnittspreise für deutschen Wein noch weiter sinken und weil danach schnelle Preiserhöhungen wohl Illusion sein werden. Für Würtz und Breuer führt aber kein Weg daran vorbei, die drei Prozent Steuersenkung an die Kunden weiterzugeben, während sich Kopp kämpferisch gab: „Wir senken die Preise nicht“.

Unter dem Strich hat für Würtz die Krise offengelegt, „wie wenig professionell unsere Branche ist“ und wie sehr Entscheidungen nach Gefühl und auch dem Bauch heraus getroffen würden. Ein Business-Plan für eine auskömmliche betriebswirtschaftliche Entwicklung sei in vielen Weingütern bis heute ein Fremdwort. Das bestätigen auch die Erfahrungen von Loose: Viele Güter kennen noch nicht einmal ihre Produktionskosten.

Entnommen aus meinem TEXT für die F.A.Z. vom 24.06.2020

Buchvorstellung!

Kommt, und ich signiere gerne! Hier der Einladungstext von Hubert Allert

RHEINGAUER UNTERWELTEN… das neue Buch von Oliver Bock stellt 36 Weingewölbe der Region in Wort und Bild vor und bietet tiefe Einblicke in die Wirkungsstätten Rheingauer Wein-Macher.

PRÄSENTATION DES „KELLER-BUCHES“ AM 19. JUNI im Keller & Kunst Kontor durch den Autor Oliver Bock mit flankierender 6-er Probe Rheingauer Spitzenweine.
Anschließend bietet sich direkt nebenan die seltene Möglichkeit, im Weingut der Familie Georg Sohlbach ein eher unbekanntes Gewölbe-Juwel aus dem 16. Jahrhundert zu entdecken.

Limitierte Teilnehmerzahl in Corona-Zeiten !! Wir bieten daher zwei „Zeitfenster“ für die Teilnahme an.
Um 17.00 Uhr im Keller & Kunst Kontor
Um 18.30 Uhr im Keller & Kunst Kontor
Kostenbeitrag € 15,- pp / Mit Probe ca. 1 Stunde

RESERVIEREN SIE BITTE VORAB und nennen Sie uns Ihre Kontaktdaten
Per SMS :: 0173 – 63 585 66
Per Mail :: kontor@kellerundkunst.de

Das Keller & Kunst Kontor fühlt sich den Rheingauer Unterwelten seit jeher verbunden und wir haben zu diesem besonderen Anlass zwei attraktive „Buch-Wein-Pakete“ geschnürt.
Nr. 1 mit dem Kellerbuch und 3 Weinen vom Weingut Robert Weil Weingut Jakob Jung und J. B. Becker Weinbau Weinhandel
Nr. 2 mit dem Kellerbuch und 3 Weinen vom Weingut KünstlerWeingut Georg Sohlbach und der Domäne Assmannshausen

RHEINGAUER WEINKULTUR…. MIT ABSTAND AM BESTEN !

Unser Hygienepartner ist die Eltviller Firma Emil Otto Flux- u. Oberflächentechnik GmbH…. dort produziert man das derzeit vielleicht angesagteste alkoholische Produkt der Region mit 90 % Ethanol und „einem Hauch“ von Glyzerin… probieren Sie es bei uns gerne mal aus !

HERZLICH WILLKOMMEN IM KELLER & KUNST KONTOR

Oberstrasse 14 in 65399 Kiedrich

Ress, gereift

Es gibt kaum ein größeres Vergnügen, als gereifte Rieslinge ambitionierter Erzeuger zu verkosten. Ganz überraschend kam mir eine kleine Phalanx edelsüßer Tropfen aus dem Hause Balthasar Ress auf den Tisch, mit einigen handfesten Überraschungen.

Rüdesheim Berg Schlossberg

Über meinen Rheingauer Lieblingsweinberg habe ich schon einige Mal in diesem Blog etwas ausführlicher geschrieben, daher erspare ich mir hier ein Weinbergsporträt. Wie gut die Weine reifen zeigt der 1978 Berg Schlossberg Riesling Kabinett.  Ein Kabinett, der ein „C“ am Anfang und nur ein „t“ am Ende verdient. Ein Wein in der Cabinet-Tradition. Wunderbar gereift mit einer betörend saftigen Würze, Aromen von Dörrobst. Sehr voll, gute Länge, für sein Alter phänomenal vital mit besten Zukunftsaussichten! 1982 Berg Schlossberg Riesling Kabinett Ach ja, die 80er! Viele Enttäuschungen (vor allem 80 und 84), und bislang war ich nur bei 1983 recht erwartungsfroh, die sich über die Jahr gut gehalten haben. Dieser 1982er aber nötigt großen Respekt ab. 8 Prozent Alkohol, feine Süße, gepaart mit einer sehr prägnanten, aber nicht störende Säure, die seine Jugendlichkeit bewahren hilft. Anklänge von Rosinen, Karamell und Reneclauden, Chapeau! 2013 Rüdesheim Berg Schlossberg Auslese Rückblickend ein gigantischer Jahrgang für trocken UND für süß… mit dem nötigen Abstand vielleicht der beste Rheingauer Rieslingjahrgang seit 2004 und 2008! Rassig, gut eingebundene Säure, perfekte Balance mit nobler Süße, dabei echter Trinfluss! Ein Wow-Wein! 2007 Rüdesheim Berg Rottland TBA ein Gigant. Unzerstörbar. Unsterblich. Dunkler Bernstein, aber nahe keine schmeckbaren Altersnoten. Viel Karamell, gepaart mit Früchtebrot und Rosinen. Mächtige Süße, langer Nachhall 2011 Rüdesheim Berg Rottland Riesling Auslese Das war nur wirklich kein einfaches Jahr, und das schmeckt man auch. Der Wein tut sich im Umfeld von Riesling-Majestäten ein wenig schwer, verdient aber löbliches Urteil.

NUSSBRUNNEN

Eine der Hattenheimer Brunnenlagen, und in manchen Jahren mein Hattenheimer Favorit 2012 Nussbrunnen Eiswein Genau so muss Eiswein schmecken, konzentrierte Süße, typische Eiswein-Aromatik, sehr saftig, würzig, karamellig, dick 2012 Nussbrunnen Auslese Während der oben erwähnte Eiswein nur in kleinen Dosen genossen werden will, verlangt diese Auslese nach einem großen Glas. Eine Auslese, die eher auf der feinen als auf der üppigen Seite steht mit einer sehr feinen Säure. Gute Balance und Struktur, gefällt mir gut! 2007 Nussbrunnen Auslese Trotz mächtiger Süße typisch Nussbrunnen, allerdings aus einem warmen Jahr, was zu Lasten der Säure geht. Sehr saftig, getrocknete gelbe Früchte und Obst, vor allem Pfirsich und Marille, ein Wein mit Bums, der nach einer Gänseleber mit Brioche verlangt. War leider nicht im Kühlschrank. Sorry, ich muss jetzt hier aufhören und mal schnell zum Delikatesshändler…

Aus dem Verkostungstagebuch

Joh.Jos Prüm 2009

Bernkasteler Badstube Spätlese – ein Monument aus der üppigen Weinkarte des „Hirschen“ in Freiburg-Lehen, dazu ein Cordon bleu vom Allerfeinsten. Wer immer den Kaiserstuhl besuchen will, der ist bei Familie Baumgartner als Augangspunkt genau richtig… und natürlich gibt es auch eine reiche Auswahl an Weinen von Joachim Heger, bsp. den Chardonnay aus VDP.1.Lage, ein Hochgenuss

Zwölberich

2019 Auxerrois trocken – Das Langenlonsheimer Weingut im Zwölberich ist ein Familienbetrieb mit Tradition seit 1711. Seit mehr als 25 Jahren wird hier nach biologisch-dynamischen Weinbau und nach Demeter-Richtlinien gewirtschaftet. Ob bei 8000 Flaschen jede einzeln nummeriert sein sollte, lasse ich mal dahingestellt. Aber gut war der Wein allemal, und das Weingut kannte ich bislang gar nicht… muss ich unbedingt mal mehr kosten!

Graf von Schönborn, Franken

2018 Hallburger Silvaner trocken, im direkten Vergleich mit Höfler 2018 Michelbach Silvaner trocken… beide zeigen sehr schön die Stärke der Rebsorte, wobei am Ende der Michelbacher Ortswein bei mir knapp die Nase vorn hatte ob seiner Finesse und seiner rassigen Würze

Sohns, Geisenheim

2019 Rosa Chardonnay – eine neue Kreation aus dem Hause Sohns… weniger ein komplexer Überflieger im Hochpreissegment als ein süffiger Trinkwein. Gut, reintönig, läuft… der Chardonnay ist aber „blind“ gar nicht so leicht zu erkennen….

Georg Breuer, Rüdesheim

2019 Lorch Estate – lange habe ich auf diesen Wein warten müssen, dann wurde er mir im Rüdesheimer Schloss kredenzt. Vorfreude war diesmal NICHT die schönste Freude, sondern das Trinken. Ein wirklich feiner Ortswein, der gut die Lorcher Lagentypizität spiegelt… den Lorcher Estate habe nicht zum letzten Mal bestellt…

Gres, Rheinhessen

2017 Chardonnay vom Korallenriff – genau so mag ich das… gut schmeckbares, aber nicht dominierendes Holz, Länge, Dichte, Komplexität, ohne zu dick zu sein. Gut.

Künstler, Hochheim

2018 Chardonnay Kalkstein trocken – im Prinzip widerhole ich meine Meinung zu Gres, doch Künstler legt noch einmal eine gute Schippe drauf! Allendorf, Winkel 2017 Berg Roseneck Riesling trocken – auch wenn ich die 2017 nicht so mag wie 2016 und 2018, so ist das ganz wunderbar!

Kellerei Terlan, Südtirol

2019 Winkel und 2018 Quarz Sauvignon blanc – die Genossen haben es einfach drauf! Saugut.

Prinz Salm

2016 Scharlachberg Riesling GG – eine der besten GGs von der anderen Rheinseite, die ich in jüngerer Zeit getrunken habe… ohnehin habe ich Prinz Salm ein wenig aus den Augen verloren. Corona sei Dank gab es ein Probierpaket mit einer schönen Auswahl. Und da war ich wirklich in jeder Hinsicht sehr angetan…

„Rheingauer Unterwelten“

Endlich ist es soweit, mein neues Werk ist da! Für 20 Euro (Schnapper!) über alle gängigen Vertriebswege von Amazon bis zum stationären Buchladen erhältlich. Und so wirbt der Frankfurter Societätsverlag für das mehr als 200 Seiten starke Werk:

Guter Wein und guter Sekt werden im Weinberg, nicht im Keller gemacht. Doch die Weinkeller der Region sind zentrale Stätten der Rheingauer Weinkultur. In seinem ersten „Kellerbuch“ porträtiert FAZ-Autor und Weinblogger Oliver Bock (www.rheingauer-weinschmecker.de) weinbaulich interessante, historisch bedeutsame und architektonisch bemerkenswerte Weinkeller. Bock beleuchtet in prägnanter Kürze die Entstehungsgeschichte der Weingewölbe, schaut sich in den Schatzkammern der jeweiligen Keller nach besonderen Gewächsen um, skizziert die Nutzung über die Jahrhunderte hinweg, gibt Anekdoten wider und beschreibt die aktuelle Bedeutung für das jeweilige Weingut und ihre Ausbaumethoden im Keller. Informationen und Daten sowie Tipps, wann die Keller besichtigt werden können und worauf zu achten ist, sowie eine kleine Kulturgeschichte des Weinkellers, runden den repräsentativ ausgestatteten Band ab, den Fotograf Hermann Heibel optisch in Szene setzt.

Mitten in der Coronakrise – Update

 Die Krise scheint kein Ende zu nehmen. Wir stecken alle ganz schön in der Krise. Jetzt sogar mit Maskenpflicht in Hessen. Die Düsseldorfer Weinmesse „Prowein“ fiel aus, die „Mainzer Weinbörse“ des VDP ebenso. Der „Ball des Weines“ im Wiesbadener Kurhaus wurde auf den 8. Mai 2021 verlegt. Die Frühjahrsproben der Weingüter sind gestrichen, die „Rheingauer Schlemmerwoche“ wurde mit den „Tagen der offenen Weinkeller im September“ fusioniert, das Internationale Riesling-Symposium auf 2021 vertagt… Sogar die Rheingauer Weinwoche in Wiesbaden wurde abgesagt, das Aus für das Münchner Oktoberfest kann ich persönlich noch verschmerzen… Aber die Verluste sind immens! Das ist alles wenig erfreulich und sogar bedrückend. Für die Winzer sind harte Zeiten angebrochen, zumal ganze Vertriebswege (Restaurants, Fluglinien, Duty-Free-Shops, Export, Messen) weggebrochen sind und Reisen zur Exportunterstützung nicht möglich sind. Da helfen wohl auch heimische Drive-in-Abholstationen und Online-Weinproben am PC nur wenig. Aber sie sind ein gutes Lebenszeichen, das in jedem Fall Unterstützung verdient.

Apropos… Noch sind meine eigenen Weinvorräte ziemlich „ok“, und jeden Tage zeige ich auf Facebook meinen „Corona-Wein des Tages“. Also wenn Ihr Lust habt, einfach mal reinschauen auf meiner Profilseite. Mein persönlicher Lichtblick in dieser Zeit: Mein erstes Weinkellerbuch „Rheingauer Unterwelten“ mit den schönsten Weingewölben und ihren Schätzen geht jetzt in die Korrektur und dann unmittelbar in den Druck. Dem Societätsverlag sei Dank. Mitte Mai wird es im Buchhandel erhältlich sein.

California Dreaming

Finale beim Rheingau Gourmet und Wein Festival. Ich habe das Ende mit kalifornischen Weinen begossen… genauer: mit einer recht aufschlussreichen Probe mit dem Master of Wine Konstantin Baum, ein Badener wie ich… Natürlich ist die Wein-Vielfalt eines Bundesstaats mit 200.000 Hektar Weinbau (= 2x Deutschland) nicht in einem solchen Tasting zu ermessen, aber manchmal genügt ja auch eine Art Stichprobe.

Die umfasste auch 4x Chardonnay: Zuerst einen sehr cremigen, tatsächlich sehr an Champagner erinnernden und finessenreichen 2016 Blanc de Blanc brut von Schramsberg, der mir sehr, sehr gut gefiel. Da müssen sich die Franzosen warm anziehen. Danach 3x Chardonnay aus dem Jahrgang 2016: Grgich Hills Commemorative, Ramey Ritchie Vineyard und Paul Hobbs Russian River Valley. Das bestätigte mich einmal mehr in meiner bisherigen Erfahrung, dass mir die Sonoma-Weine im direkten Vergleich fast immer besser gefallen als die aus dem Napa Valley. In diesem Fall Hobbs (sehr harmonisch und perfekt balancierte Fülle) und Ramey (elegant, Zitrus, Frische, sehr eigenständig) klar vor Grgich. Aber: Alle drei Weine liegen zwischen 70 und 100 Euro die Flasche. Da wird die Luft dünn, nicht nur in meinem Geldbeutel. Würde ich bestellen? …. Äh… Nein.

Wechsel zu den Rotweinen. Ja, ich identifiziere mich mit dem Helden von „Sideways“, dem vielleicht besten Wein-Movie ever. Ich liebe Pinot Noir und mag (meistens) keinen Merlot. Also war der marmeladige 2017 Bucella Merlot aus dem Napa auch nix für meinen Gaumen, umso mehr der 2018 Black Stallion Pinot Noir Los Carneros. Viel Pfeffer und Lakritz, aber auch Brombeere, Leder und Schwarzkirsche. Top Pinot, und überdies für 30 Euro fair bezahlt!

Einen Tick stärker (auch weil zwei Jahre länger gereift), aber auch schon doppelt so teuer, der 2016er Goldeneye Pinot Noir aus dem Anderson Valley. Top. Pinot Noir macht einfach so viel mehr Spaß … das gilt auch nach der Verkostung der beiden Premium-Cabernet Sauvignons: 2017 Stag´s Leap Artemis und 2015 Silver Oak aus dem Alexander Valley. Beide so um die 80 Euro, beide sehr gut, aber für das gleiche Geld zöge ich wohl einen Spitzen-Burgunder vor…

Zum Schluss dann 2015 Seghesio Old Vine Zinfandel, wieder aus dem Sonoma Valley. Eigentlich mag ich Zinfandel so sehr wie Pinotage aus Südafrika. Gehört einfach dahin und dazu! Hier ein dichter, fetter Zeitgenosse, wiewohl das Thema Alkoholmanagement und Alkoholreduzierung auch bei der neuen Generation amerikanischer Winzer allenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. Die Chardonnays schmecken zwar nicht mehr so opulent-holzig, cremig-buttrig, vanillig-fett wie ehemals, aber 14,5 Alkohol haben sie dennoch allemal. Der richtige Trinkfluss will sich nach dem ersten Glas einfach nicht einstellen… den Hobbs Chardonnay und den Black Stallion Pinot nehme ich hier einmal aus… da kam wirklich Freude auf. Ein wenig California dreaming…