Aus dem Verkostungstagebuch

Reifer Riesling

Gute Freunde im Haus zu haben, bietet immer den Anlass, ein paar Schätzchen zu entkorken, um dem Reifepotential des Rieslings nachzuspüren. Der 1999er Rüdesheim Berg Schlossberg Riesling von Georg Breuer zeigt exemplarisch, wie großartig die Weine kurz vor der Jahrtausendwende geraten konnte. Ehrlich gesagt war ich noch immer auf einen 1999er, der besser ist als dieser ! Gefunden habe ich ihn noch nicht. Dass auch vor dem Klimawandel – der im Rheingau 1988 den Schalter umgelegt hat – in den 80ern gute Weine machbar waren, zeigt Diefenhardts 1986er Martinsthaler Wildsau Riesling Spätlese. Da waren die Spätlese noch nicht übersüßt, sondern von einer Strahlkraft und Finesse, die richtig Spass macht. Trinkspass. Vielleicht noch zu jung der 2007er Schloss Johannisberger Riesling Erstes Gewächs. Solo ein wenig sperrig, aber ein feiner Essensbegleiter, sogar zum Filet.

Heger, Ihringen 2016 Winklerberg Chardonnay – so ein Mist, KORK !!!!!!!!

Weil, Kiedrich 2006 Gräfenberg Riesling Auslese – kein einfacher Jahrgang, aber glänzend gelöst. Edle Reife, aber anders als andere Auslese…. fällt in jeder Vertikalprobe deutlich auf.

Weedenborn, Rheinhessen 2016 Chardonnay Réserve – klasse Chardonnay von der Sauvignon blanc Königin Rheinhessen! Gesine Roll hat es einfach drauf, Kompliment.

Jurtschitsch, Kamptal 2016 Ried Schenkenbichl Grüner Veltliner so was geht in Deutschland nicht… Paradebeispiel für die Rebsorte, exzellent!

Graf Adelmann, Kleinbottwar 2011 Lemberger „Der Schwarze Loewe“ GG – der beste Lemberger, den ich in jüngerer Zeit getrunken habe! Großes Kino! Benchmark für die Rebsorte in Deutschland.

August Kesseler, Assmannshausen 2015 & 2016 Höllenberg Pinot Noir GG – gigantisch gut, großes Pinot-Kino… geht das besser? Dazu 2012 Schlossberg Riesling GG. Groß.

Luce…. 2012…. Als Vittorio Frescobaldi Anfang der 90er Jahre Robert Mondavi trifft, nimmt ein neues Kapitel in der Geschichte der großartigen toskanischen Weine und in der Geschichte der Qualitätsweine seinen Anfang. Aus der Begegnung der beiden Partner entstand Luce… so die Eigenwerbung für einen Super-Toskaner, von dem ich eine einzige Flasche im Keller hatte und jetzt nicht länger widerstehen konnte: Es hat sich gelohnt: Ein dichter, komplexer, voller Roter mit viel Tannin, Tabak, Lakritz und Würze, großer Nachhall, perfekt zum Filet… und ein Sonnenstrahl an diesem trüben Dezembertag…

Legras & Haas, Chouilly Intuition brut – Champagner-Neuentdeckung. Trinkfluss, typisch, klassisch, gut, lohnt sich.

Neues aus dem Verkostungstagebuch

Groebe, Westhofen

Fritz Groebe ist eine Seele von Winzer. Ein super Typ! Und ein Rheinhessischer Spitzenerzeuger dazu. Mit Wittmann und Keller in der Nachbarschaft bildet er das rheinhessische Dreigestirn, das der Rheinfront um Nierstein mehr als nur Paroli bietet. Groebe hat seine eigene, authentische Linie gefunden und ist mit sich im reinen, wenn es die Philosophie des nur knapp neun Hektar großen Weinguts und das Streben nach Qualität geht. Das macht jede Verkostung im Weingut zur reinen Freude. Der 2018er Riesling trocken strahlt jene saftige Trinkfreude aus, die jeder Weinfreund in dieser Kategorie erwartet. Mein Lieblingswein aber ist der Westhofener Ortswein aus VDP.Erster Lage…. Genannt ist die Lage aber nicht. Ein „Krücke“ des VDP Rheinhessen, weil die Dreistufigkeit (Gutswein-Ortswein-Große Lage) doch nicht jedem genügt… Nun also eine Vierstufigkeit durch die Hintertür. Sei´s drum, der Wein vereint Trinkfluss und Komplexität auf das Feinste und landete sofort auf meiner Einkaufsliste. Noch recht verschlossen sind die beiden GGs aus Aulerde und Kirchspiel. Ich tendierte zur Aulerde mit ihrer straffen Würze und zog sie dem verspielteren, durchaus noch eleganteren Kirchspiel vor. Welches Potential die Weine haben, zeigte die 2013 Kirchspiel Grande Réserve, die völlig zu Recht als Auktionswein reüssierte. Und sonst: Süffig und mit hohem Trinkspaß der „Riesling 1763“ als VDP-Gutswein, viel Wein für moderates Geld. Und die Edelsüßen sind eine Wucht für sich.

Chat Sauvage, Johannisberg

Jahrgangsverkostung bei der Johannisberger „Katze“ mit Hamburger Ursprung. Das ist aller Ehren wert, was Verena Schöttle auf den Verkostungstisch gestellt hatte, angefangen beim „einfachen“ 2018er Chardonnay, der sich schon recht zugänglich zeigt, ganz im Gegensatz zum langlebigen „Brett“ „Clos de Schulz“, der ganz viel Zeit und ganz viel Luft benötigt. Überraschung am Rande: ein Restposten 2014er (!) Rosé, der jetzt schon fast wie ein Provence-Rosé daherkam, mit viel Grip und Zug bar schmeichelnder Fruchtnoten. Bei den Gutsweinen und Ortsweinen überzeugten vor allem die 2015 (Schmelz) und die 2016 (Finesse, Säure). Den 2015 Pinot Noir Selection Schulz fand ich sensationell gut und auf Augenhöhe mit 2015 Assmannshäuser, 2016er Lorcher und 2017er Rüdesheimer Ortswein. Letzter ein Maul voller Schiefer! Die Lagenweine waren und sind wieder (auch preislich, ab 45 Euro) eine Klasse für sich. Zu jeder der fünf Lagen plus „Rouge de Schulz“ standen jeweils mindestens drei Jahrgänge parat, was einen herrlichen Überblick ermöglichte und die Konsequenz und Stilistik des Weinguts verdeutlichte. Meine Favoriten: 2015 Höllenberg und Johannisberger Hölle, 2016 Drachenstein und 2015 Lorcher Schlossberg.

Trenz, Johannisberg

Das Gewölbe unter dem Wein ist für sich schon einen Besuch von Trenz wert, doch wenn zudem die Jahrgangsverkostung stattfindet, dann führt mein Weg fast immer nach Johannisberg. Mit dem 2018er hat Trenz eine klasse Kollektion vorgelegt. Besonders begeistert war ich vom 2018 Steinhaus trocken, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis geradezu sensationell gut ist. Und die 2018 „Alten Reben“ trocken sind weiter eine Bank! Hammergut.

F.B. Schönleber, Mittelheim

Der November ist zu den Verkaufstagen immer eine gute Gelegenheit, das Urteil über den 2018er Jahrgang bei F.B. Schönleber nochmal nachzuprüfen. Und was soll ich sagen? Die Weine entwickeln sich prächtig, allen voran das 2018 „Beste Fass“ aus dem Steinmorgen. Würde ich in diesem Blog einen „Ortswein des Jahres“ ausrufen, käme der 2018er „Franz Bernhard“ aus Mittelheimer Lagen in die engste Auswahl. Neu entdeckt habe ich für mich die 2018 „Alten Reben“ aus dem Klosterberg von Oestrich. Doch den „Steinmorgen“ können sie nicht übertrumpfen.

Weingüter Wegeler, Oestrich

Zweite Auflage der Pop up Winebar von Tom Drieseberg. Und abermals eine Freude. Klasse Publikum, tolle Atmosphäre, gute Gespräche, feine Weine. 2008 Gräfenberg GG aus der Magnum beispielsweise… wann und wo soll ich den sonst glasweine trinken???? Nicht minder gut: 2018 Doctor GG und 1998 Berg Rottland, beides von Wegeler, und natürlich 2013 Geheimrat J. Allesamt Weine mit Wow-Effekt, ebenso 2008 Höllenberg vom Weingut Krone. Die Krönung war aber Groebes 2003 Kirchenstück Spätlese…

Schweinebauch im Schlafsaal

30. Riesling Gala zum Finale der 33. Glorreichen Rheingau Tage, fast 700 Fein- und Weinschmecker, und ich habe nur zufriedene Gesichter gesehen. Für mich gab es als Begleiter eines fulminanten Sechs-Gang-Menüs Topweine von Robert Weil und Dr. Loosen. Das ist es schwierig etwas herausgreifen, doch Loosens 2015er Erden Treppchen GG und vor allem die 2012 Ürzig Würtzgarten GG Reserve haben mir zusammen mit Weils 2015 Gräfenberg GG aus der Salmanzar und dem 2017er GG am besten gefallen.

Und hier mein kleiner Jubiläumstext (in Auszügen leicht abgewandelt) aus der F.A.Z.: Dem Rheingauer Riesling eine herausgehobene Rolle als Begleiter feiner Speisen zu geben, das war vor mehr als 30 Jahren die Mission von Bernhard Breuer, Egbert Engelhardt und Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau. Breuer war damals Sprecher und Antreiber einer Gruppe qualitätsorientierter Winzer, die mit ihrem eigens kreierten „Charta“-Wein ein festen Platz am deutschen Speisetisch erobern wollten. Engelhardt hatte seinerzeit das „Graue Haus“ im Rheingau in die erste Reihe der in den achtziger Jahren noch dünn gesäten deutschen Spitzengastronomie geführt und ein Faible für Weine der Region. Und Matuschka-Greiffenclau war als Präsident des Verbands der Prädikatsweingüter und Winzer in der 27. Generation auf Schloss Vollrads ein Streiter für die Harmonie von Essen und Wein.

Unterstützt von Hans Ambrosi, dem damaligen Leiter der Staatsweingüter und somit Hausherren im Kloster Eberbach wurden nach dem Vorbild der burgundischen Weinfesttage „Trois Glorieuses“ im Jahr 1987 an einem langen Wochenende die ersten „Glorreichen Rheingau Tage“ gefeiert. Der November war bewusst als günstiger Zeitpunkt nach der Weinlese gewählt worden, zumal dann die Touristenströme in den Rheingau deutlich. Heute sind es 30 Veranstaltungen innerhalb von zehn Tagen, Höhepunkt aber ist die Riesling Gala am Abschluss-Sonntag. Fast 700 Gäste, vornehmlich aus der Rhein-Main-Region, wurden diesmal sechs Stunden lang im Dormitorium von Kloster Eberbach bewirtet.

Es war die 30. Gala, denn drei Mal musste sie seit 1987 pausieren, unter anderem wegen der Generalsanierung des Klosters. Nun ist das Ende der Fahnenstange erreicht, denn mehr Gäste dürfen schon aus Gründen des Brandschutzes nicht in den ehemaligen Schlafsaal der Laienbrüder. Er ist mit 83 Metern Länge der größte, mittelalterliche, nicht sakral genutzte Raum in Deutschland. Kulinarisch war Regionalität auf höchstem Niveau angesagt: Julian Stowasser vom Frankfurter Weinsinn stimmte die Gäste mit „schottischem Lachs mit Passionsfrucht und Miso“ ein. Es folgten „Carabinero mit Vadouvan“ von Alexander Hohlwein aus Limburg und der Mainzer Genusswerkstatt-Koch Carl Grüne mit einem Schweinebauch vom „Bunten Bentheimer“ (mein Favorit, genial aromatisch). Nach einer Entenbrust mit Gewürzhaut seines Mainzer Kollegen Philipp Stein zeigt der Wiesbadener Matthias Schmidt, dass ein „Handkäs mit Musik“ galatauglich aufgepeppt werden kann. Bei der karamelisierten weißen Schokolade von Tatsuya Shimizu aus Deidesheim war dann aber mancher Feinschmecker schon an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit gelangt. Danach half eine „Reparaturbier“ vor dem Mönchsrefektorium!

Rheingau Open

Open… stimmt, denn der Rheingau öffnet sich anlässlich der Glorreichen Rheingau Tage auch den Winzern und ihren Weinen anderer Regionen. Das spricht für die „Weinoffenheit“ der Region und den Respekt untereinander für das Bemühen, dem Weinberg beste Tropfen abzuringen.

Fast 70 Winzer waren es diesmal, die auf Schloss Johannisberg eine Auswahl – und fast immer ihren Top-Trockenen – vorstellten. Und hier – ganz unrepräsentativ – eine Auswahl derjenigen, die mir besonders aufgefallen sind….

Laquai 2018 Schlossberg RGG – straff, würzig, kraftvoll

Mohr 2018 Bodental-Steinberg RGG – das beste RGG des Jahrgangs

Sohns 2018 Kläuserweg RGG – strahlend, saftig, klar wie Quellwasser

Wurm 2018 Pfaffenwies – noch so ein Strahlemann aus Lorch…

Allendorf 2017 Hasensprung GG – würzig, mineralisch, elegant

Barth 2017 Hassel GG – das Beste, was ich aus 2017 verkostet habe

Battenfeld-Spanier 2018 Hipping GG – zeigt, wozu der Rote Hang fähig ist!

Dr. Wehrheim 2018 Kastanienbusch GG – das Gute liegt so Nahe…

Fendel 2018 Unterer Bischofsberg GG – lange nicht mehr Fendel getrunken, auf das Positivste überrascht

Jung 2018 Hohenrain GG – immer eine Bank!

Wittmann 2018 Morstein GG – Drei Ausrufezeichen für diesen Rheinhessen!

Kesseler 2018 Seligmacher GG – süffig, läuft, Trinkfluss ohne Ende…

PJ Kühn 2017 Doosberg GG – auf dem Weg zum Giganten Tement 2013 und 2017 Zieregg Sauvignon blanc GSTK, mit Wow-Effekt

Weil 2018 Gräfenberg GG – mindestens einer der allerbesten des Rheingaus!

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Kaufmann, Hattenheim

Eva Raps & Urban Kaufmann hatten wieder mal zur Herbstpräsentation bei leckerem Raclette eingeladen, und das ist immer eine schöne Gelegenheit, die Weine zu einem Zeitpunkt zu verkosten, an dem sie langsam Stärke und Tiefgang zeigen. Insgesamt eine gelungene 2018er Kollektion, das zeigt sich am Hattenheimer Ortswein: 14 Euro sind zwar kein Schnapper mehr, aber das ist ein sehr präziser, geschliffener Charakterwein. Der „Tell“-Riesling hat sich zwischenzeitlich zu einem meiner Lieblingsweine entwickelt, und 2018 ist ein Volltreffer in jeder Hinsicht: Länge, Finesse, Komplexität und Grandezza in guter Kombination. Eine gute Idee war es, eine Vertikale der GGs aus dem Wisselbrunnen anzubieten, zumal sie für mich wieder bestätigt: Zwischen dem Charme der Jugend (2018), dem Schmelz der älteren Herren (2015) und der Größe von 2016 gut sich 2017 einfach sehr schwer…. zumindest momentan… Und sonst: Uno! Nicht das Kartenspiel, sondern die Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay… Gefällt mir gut, auch wenn ich den Chardonnay-Anteil noch etwas anheben würde… Außergewöhnlich: Der „Orange“ Silvaner… gut für Orange, aber nicht meine Weinkategorie… passt sicher vorzüglich zur Ente aus dem Rohr… Entdeckung nebenbei: 2015 Chenin blanc vom israelischen Partnerweingut Sea Horse, aber 30 Euro ?!? Da beziehe ich liebe feine Chenins aus Südafrika…

Spreitzer, Oestrich

Endlich mal wieder bei Spreitzer und genügend Zeit für eine kleine Tour durch die trockenen 2018er und einige gereifte GGs. Wie erwartet durchweg ein hohes Maß an Präzision und Finesse, gepaart mit dem typischen Spreitzer-Stil. Schon die beiden 2018er Ortsweine Buntschiefer und Muschelkalk mit hohem Trinkspass, wobei ich dem Muschelkalk am Gaumen den Vorzug gebe. Mehr davon! Bei den beiden 2018er GGs aus dem Rosengarten (Monopollage) und dem Wisselbrunnen fiel meine Wahl auf den Wisselbrunnen mit seinem ausgeprägt hohem Maß an Komplexität, Finesse und Trinkfluss. Eine Freude ebenfalls der 2018er Charta! Gut, dass hier diese Tradition hochgehalten und mit einem Künstleretikett gewürdigt wird. Wie gut die Spreitzer-Weine reifen zeigt 2016 St. Nikolaus. Steht wie eine „Eins plus“ im Glas, mehr Riesling braucht kein Mensch.

 Querbach, Oestrich

Querbach ist für mich ein Phantom-Weingut. Ich sehe die Weine so gut wie nirgends und treffe sie auch kaum auf privaten oder öffentlichen Proben. Im Weingut war ich so gut wie nie. Und nur durch den zarten Hinweis eines Bekannten habe ich unerwartet eine Einladung von Peter Querbach zur Jahrgangsverkostung ergattert. Falsch, keine Jahrgangsverkostung, sondern ein ausgedehnter Blick in den Keller! Eine Auswahl aus der Sortimentsliste mit fast 80 ! (in Worten achtzig!) Weinen, beginnend mit dem Jahrgang 2001. Ein Festspielhaus für Liebhaber gereifter Weine. Mir haben die Weine aus 2004 (No. 1 Lenchen) und 2008 (Edition und Hallgarten) am besten gefallen, aber auch die 2013er durch die Bank und einige Spezialitäten anderer Jahrgänge (2014 sur lie Riesling). Und das alles auch heute noch zu mehr als vernünftigen Preisen! Got and taste!

Rubinrote Symphonie

Ein Muss für die Freunde Spätburgunders. Der Alte Bahnhof in Rüdesheim eine sehr gut geeignete Location. 17 Top-Erzeuger aus dem Rheingau und sechs Ahr-Winzer bester Reputation. Leider nur fünf Stunden Zeit, aber die nutzten rund 250 Gäste und hatten allesamt ein gutes Rotwein-Erlebnis. Es ist schon fast unfair, einige Weine herauszugreifen, aber weil es hier von mir erwartet wird, einige meiner Favoriten: Bischöfliches Weingut 2016 Assmannshäuser S., Georg Breuer 2016 „B“, Chat Sauvage 2016 Lorcher Kapellenberg, Corvers-Kauter 2016 Höllenberg, Diefenhardt 2016 Schlenzenberg, Staatsweingüter 2016 Schlossberg, Krone 2013 „Juwel“, Meyer-Näkel 2017 Grauwacke und Laquai 2015 Bodental-Steinberg. Tusch!

Weinernte geringer als vorhergesagt

Die Weinernte im Rheingau und in Rheinhessen ist noch geringer ausgefallen, als es das in Mainz beheimatete Deutsche Weininstitut zu Beginn der Lese prognostiziert hatte. Für den Rheingau werden jetzt 205.000 Hektoliter erwartet, das sind 27 Prozent weniger als im Vorjahr (279.000 Hektoliter). Die Menge liegt damit noch leicht unter dem Durchschnitt der zurückliegenden zehn Weinernten (210.000 Hektoliter). In Rheinhessen wurden 2,4 Millionen Hektoliter (Vorjahr 2,9 Millionen Hektoliter) geerntet, das langjährige Mittel liegt bei knapp 2,5 Millionen Hektoliter. Die neueste Ernteschätzung für die bundesweite Weinmosternte lautet jetzt 8,4 Millionen Hektoliter. Das sind 19 Prozent weniger als im ertragsstarken Vorjahr und rund vier Prozent weniger als das zehnjährige Mittel von 8,8 Millionen Hektolitern. Die geringere Ernte war wegen der Trockenheit und der Hitze im Vegetationsverlauf, aber auch wegen verbreiteter Sonnenbrandschäden an den Trauben sowie regionaler Frostschäden und lokaler Hagelschläge absehbar. Mit einem Rückgang von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahr fielen die Ertragsrückgänge in Franken am höchsten aus. Als einziges Anbaugebiet verbuchte Sachsen ein Plus von sechs Prozent. Die Qualität wird laut Weininstitut von den Erzeugern in den Anbaugebieten „mehrheitlich sehr gut“ beurteilt. Na, warten wir mal ab….

Pinot Noir 2009 – 40 Meisterwerke

Merke: Der Bessere ist stets der Feind des Guten. Manchmal sogar der Feind des Herausragenden. Das ist das Schicksal vieler Weine in fast jeder Blindprobe vergleichbarer Tropfen. Mag der Wein auch noch so gut sein und als Individuum auf dem Tisch Begeisterungsstürme auslösen. Im „Flight“, also dem direkten und verdeckten Vergleich mit anderen, gibt es fast immer noch einen besseren. Ungerecht, aber schön. Und spannend. Obwohl das Blamage-Risiko gewaltig ist.

Das war bei einer fulminanten Probe im privaten Kreis nicht anders, zu der der Eltviller Weinenthusiast Michael Felzer tief in seinen Keller gegriffen hatte und das Ergebnis wunderbarer Sammelleidenschaft präsentierte: 40 x Pinot Noir aus dem für Rotwein bemerkenswert guten Jahrgang 2009. Ten years after, sozusagen… Eine wenig überraschende Erkenntnis vorweg: Wohl dem, der es sich leisten kann in Magnum- oder gar Doppelmagnumflaschen zu investieren, deren Inhalt über die Jahre einfach deutlich charmanter reift.

Und ein noch Wort zu unserer charmanten und bunt zusammengewürfelten Verkostungsgesellschaft: Wer geschmacklich im Rheingau sozialisiert wurde, bei dem haben Rheingauer Gewächse immer einen kleinen Vorsprung am Gaumen, das zeigte die Abstimmung für die jeweiligen Favoriten …. Aber das ist kein Nachteil, sondern Heimatliebe. Gut so.

Aber legen wir los (immer Pinot Noir, Jahrgang 2009, natürlich trocken):

Flight 1: Meyer-Näkel (Pfarrwingert), Deutzerhof (Melchior C), Fürst (Centgrafenberg), Shea Wine Cellars Oregon (Wilmettette Valley), Urmathum, Burgenland (Unter den Terrassen zu Jois), August Kesseler (Cuvée Max)

Der Oregon-Pinot stach am Gaumen sofort heraus und offenbarte sich als leicht zu identifizierenden Vertreter der Neuen Welt, viel Veilchen mit Liebstöckl, ungewohnte Würz-Aromen, recht viel Alkoholsüße, aber durchaus sehr gut. Ein Wein der polarisierte, aber mir sehr gut gefiel, wäre da nicht der „Max“ vom Assmannshäuser Großmeister August Kesseler gewesen…intensive rote Beerenaromen, viel Kräuter, dezenter Tabak, ein wenig Lakritz, sogar Leder, gute Säure, jugendlich frisch… Kein Wunder also, dass diese Flaschen zuerst restlos leer waren, was immer bezeichnend bei jeder Probe ist. Er war, auch mein Favorit, und die ganz dezente Süße (schätze mal 2g RZ) gab dem Wein charmanten Schmelz. Die beiden Ahrweine und der Franke unverkennbar deutsch, gute Säure, viel Cassis, viel Alkohol, deutlicher Schiefereinfluss an Ahr, aber auch ein wenig streng und astringierend… wie viele der Deutschen übrigens, manche auch ein wenig phenolisch. Das ist natürlich Kritk auf allerhöchstem Niveau… Der Burgenländer spielte in der Diskussion keine Rolle… im Restaurant sicherlich ein Knaller auf dem Tisch!

Flight 2: Später-Velt („P“), Horst Sauer (Spätlese trocken), Schlumberger Baden (Altenberg Wingerte), Carl Erhard (Berg Roseneck), Jakob Jung (Alexander Johannes)

Toll, was an der Mosel geht! Klar, präzise, geschliffen. Die klare Mehrheit im Panel votierte aber für den unfiltrierten Alexander Johannes von J.  Jung, mir gefiel der Schlumberger noch besser ob seiner feinen Cassis-Noten, seiner dezenten Würze, guten Struktur und Finesse… Das Roseneck von Erhard polarisierte, was nie für einen guten Platz bei der Abstimmung gut ist… Sehr, sehr gut gefiel mir auch Horst Sauer, Franken auf seine feine, harmonische Art… ging aber irgendwie unter… völlig unverdient…

Flight 3: Meyer-Näkel (Kräuterberg), Fürst (Hundsrück), Keller (Bürgel), Kuhn (Steinbuckel), Marquis d´Angerville (Pommard Combes Dessus), Jurtschitsch (Langenlois)

Wir steigern uns deutlich. Eine Probe ohne Rheingauer Pinot, und schon verteilten sich die Stimmen fast gleichmäßig auf die Probanden… ich war dennoch mit meinem Votum für Jurtschitsch alleine auf weiter Flur, obwohl der Wein ungemein Trinkfluss, Schmelz und Eleganz hat, die ich im Pinot immer suche. Doch gegen die 14-Prozenter haben es diese Weine immer schwer…

Flight 4: Knipser (Kirschgarten), Kuhn (Kirschgarten), F. Becker (Sonnenberg „Kammerberg), Franz Haas (Schweizer), Jakob Jung (Alexander Johannes „R“), Leitz & Becker (Rothenberg)

Jetzt wird es himmlisch. Aber noch so ein Fall von Power gegen Eleganz. Sieg am Tisch für Alexander Johannes R., ich hingegen war mit Knipsers Kirschgarten wegen seiner wahnsinnig tollen Frucht, seiner Eleganz und Finesse überaus glücklich. Mehr braucht kein Pinot-Freund im Glas. Eine Enttäuschung für mich hingegen Franz Haas (obwohl ich hier eigentlich nur die Überragenden loben und über die anderen Guten schweigen wollte, sorry), da hätte ich mehr erwartet. Fantastisch dagegen Kuhn und Friedrich Becker…

Flight 5: Knipser (Réserve), Knipser (Réserve du Patron), Freiherr vom Gleichenstein (Baron Philipp Oberrotweil Eichberg), Bürklin-Wolf („S“), Ziereisen (Aspis Alte Reben), Ziereisen (Rhini)

Was für ein Flight! Hammer! Knipser überzeugte gleich zwei Mal mit Tiefe und Komplexität, fein verwobenen Tanninen, feinster Beerenfrucht und Finesse sowie viel Länge am Gaumen. Top und für mich (fast) noch einen Tick besser als Ziereisens „Aspis“, der aber die Mehrheit am Tisch von sich überzeugte…Das kann ich durchaus verstehen…

Flight 6: Markus Molitor (Klostergarten***), Huber (Bienenberg), Keller (Frauenberg), Louis Jadot (Vonse Romanée Les Beaux Monts), J.B. Becker (Walkenberg Spätlese), Chat Sauvage (Höllenberg EG)

Hut ab, Markus Molitor, für so einen Kracher. Das hätte ich von der Mosel nicht erwartet. Sehr gute Eleganz, kühler Zug, feinfruchtig, Trinkfluss, der nach der zweiten Flasche ruft. Ganz ungewöhnlich der Wein von J.B.Becker, der ein wenig an Amarone erinnerte und den Exoten im Flight gab. Für mich unverständlich, denn das kenne ich so nicht, wenn ich mich beispielsweise an eine 1993er Spätlese denke… aber so what. Zwei Weine stachen klar hervor, und es war nicht der Keller: Nein, der Höllenberg von Chat Sauvage hat für mich das Zeug zum Jahrhundertwein, und davon hätte ich gerne den Keller voll. Beim Trinkspass war allerdings Hubers Bienenberg für mich der Knaller… Zartes Holz, feinste Kirsche, üppige Länge, leichte Cremigkeit, Trinkfluss vom Feinsten! Und der „echte“ Burgunder? No chance!

Flight 7: Knipser (Mandelpfad), Huber (Schlossberg), Méo-Camuzet (Chambolle-Musigny Les Feussselottes), Gantenbein (Pinot Noir), Krone (Juwel), Kloster Eberbach (Höllenberg)

Finale. Wow. Fast überflüssig zu erwähnen, dass der Höllenberg von Eberbach den Sieg davontrug dank Kraft in Kombination mit Fülle, Frucht und Schmelz in fantastischem Zusammenspiel und Länge im Abgang. Trinkfluss auf höchstem Niveau. Hätte er nicht in dieser Reihe gestanden, hätte ich mich für Knipsers Mandelpfad erwärmt, oder vielleicht doch für das Juwel der „Krone“. Jedenfalls nicht für den hochgeschätzten Gantenbein, der bei einer offenen Probe mit sichtbaren Etiketten vermutlich mit Méo-Camuzet (das liebe ich eigentlich total!) um den Sieg gestritten hätten. So war es ein Triumph des Rheingau! Heimat, o Heimat… !Darauf eine 2009 Kiedrich Gräfenberg Riesling Auslese! Vorhang!

Riesling als Geisel

Rheingauer Riesling als eine Geisel im globalen Handelskonflikt zwischen Europa und den Vereinigten Staaten? Diese bedeutsame Rolle hätte dem international auf eine Nische beschränktem Weinen heimatlicher Provenienz kaum jemand zugetraut. Doch Donald Trump schreckt trotz seiner Pfälzer Wurzeln bekanntlich vor nichts zurück. Auch nicht davor, den Durst seiner Landleute auf Riesling und Burgunder von Rheingau, Pfalz, Mosel und den übrigen deutschen Weinregionen über Strafzölle gehörig zu dämpfen. Das fällt dem bekennenden Abstinenzler und seiner rigiden Administration vermutlich schon deshalb besonders leicht, weil sich über die höheren Weinpreise die vornehmlich demokratisch wählenden Eliten in den noblen Restaurants der großen Städte an der West- und der Ostküste sehr viel mehr ärgern werden als der biertrinkende Arbeiter im mittleren Westen.

Die Auswahl der mit Wirkung vom 18. Oktober an von Strafzöllen betroffenen Güter und Herkunftsländer ist aus europäischer Sicht so unlogisch wie inkonsequent. Dass in Amerika französische und deutsche Weine deutlich teurer werden sollen, österreichische und italienische aber nicht, lässt sich nur mit der üblichen Willkür erklären, die in vielen Fällen Trumps die bestimmende politische Leitlinie scheint. Trump zielt offenbar auf die Regierungen, die maßgeblich hinter den Subventionen für den Flugzeughersteller Airbus stehen, an denen die Welthandelsorganisation WTO Anstoß genommen hat. Nun darf Trump Strafzölle mit dem Segen der WTO auf Importe im Volumen von 7,5 Milliarden Dollar erheben. Sinnvoll ist das nicht. Auch Airbus-Konkurrent Boeing erhält aus Sicht der WTO illegale finanzielle Unterstützung. Über diese Praktiken wird erst 2020 entschieden. Dass danach womöglich der Import von Chardonnay aus Kalifornien und von Pinot Noir aus Oregon verteuert wird, kann ebenfalls niemand wollen.

Jammern hilft freilich wenig, und der Ruf einiger Winzer nach dem Staat sollte ungehört bleiben. Wer seine „Werkstatt“ in der launischen Natur hat und beim Export ohnehin mit Währungsrisiken zu kämpfen hat, der sollte immer auch politische Unwägbarkeiten ins Kalkül ziehen. Schließlich sind Handelskonflikte, Strafzölle und Boykotte keine neue Erfahrung. Statt in fruchtlose Proteste sollten die deutschen Winzer noch mehr Energie in den Heimatmarkt stecken. Wäre der Wein-Patriotismus der Deutschen nur so ausgeprägt wie jener der Franzosen, dann würde im globalen Weinimportland Nummer eins die Erntemenge nicht reichen, den Weindurst zwischen Flensburg und Berchtesgaden zu stillen. Und Trump mit seiner Vorliebe für Cola light könnte den Winzern gestohlen bleiben. OLIVER BOCK (mein Kommentar in der F.A.Z. vom 17.10.2019)

Von O bis O…

Von O bis O…. also von Oktober bis Ostern, da legt der heimische Rotweinkonsum deutlich zu. Natürlich geht es vorrangig um Spätburgunder, der wie keine andere rote Sorte das Terroir der Weinberge im Glas widerspiegeln kann. Das lässt sich außerordentlich gut in Aulhausen und Assmannshausen verkosten….

Robert König, Assmannshausen

Endlich hat sich das gerade mal sieben Hektar große Rotweingut unter Philipp König als Leiter eine zeitgemäße Qualitätspyramide gegeben und ist von den überkommenden Bezeichnungen Kabinett und Spätlese für durchgegorene Rotweine abgegangen. Nun heißt es aufsteigend PUR, EMPOR oder ZENIT, und das wird an den drei Lagen DRACHENSTEIN, FRANKENTHAL und HÖLLENBERG durchdekliniert. Gutes Konzept. Neun Weine, von denen jeder auf seine Art Freude bereitet. Während Frankenthal und Höllenberg vor allem in den Kategorien Zenit und Empor noch recht verschlossen wirken, zeigt sich Drachenstein als eleganter und schon sehr zugänglicher Pinot mit Würze, harmonisch eingebundenen Tanninen, feiner Beerenfrucht, en wenig Zimt und Vanille, aber sehr gut miteinander harmonierend. Meine Favoriten waren der Frankenthal Empor und der Höllenberg Zenit.

Weingut Strieth

Ein paar Meter weiter, bei Thilo Strieth in Aulhausen, ist ebenfalls alles im Lot. Die qualitative Abstufung geht vom Assmannshäuser Frankenthal als Basiswein über den feinfruchtigen und eleganzten Höllenberg zum majestätischen Rüdesheimer Schlossberg (immer mein Favorit!) bis zum unfiltrierten Superstar Pinot Noir SF. Die Weine spiegeln hervorragend die Philosophie bei Strieth wider, der Trinkfluss ist enorm. Wer einen genialen Spätburgunder sucht, ist hier richtig, und meine Empfehlung ist der Schlossberg mit seiner vom Schiefer im Boden so schön beeinflussten, nachhaltigen Finesse, Rauchigkeit und Würze.

Weingut Schön

Bei Klaus Schön sind die Traditionalisten richtig. Auch wenn wir eher die elegante Seite des Späbu mögen, so „ziehen“ wir uns bisweilen auch gerne mal eine fette trockene Spätlese (2018 Drachenstein und Höllenberg!) oder Auslese rein… üppig, vollmundig, breitschuldrig, dick, Kracher, die mit dem angebratenem Rindermett als Spezialität des Hauses bestens harmonieren.

Erste Ernteprognose

 Noch läuft die Weinernte im Rheingau auf Hochtouren, aber das Deutsche Weininstitut in Mainz prognostiziert schon jetzt eine leicht unterdurchschnittliche Erntemenge. Die bisherigen Schätzungen für den Rheingau liegen bei 205.000 Hektoliter, das wären rund zwei Prozent weniger als im langjährigen Durchschnitt (210.000 Hektoliter). Für die Hessische Bergstraße hingegen wird ein Plus von 14 Prozent auf 34.000 Hektoliter vorhergesagt, für Rheinhessen ein Plus von einem Prozent auf 2,5 Millionen Hektoliter. Bundesweit wird die Weinmosternte 2019 mit voraussichtlich 8,6 Millionen Hektolitern rund 17 Prozent unter der Vorjahresmenge und zwei Prozent unter dem zehnjährigen Mittel von 8,8 Millionen Hektolitern liegen. Nach Angaben des Weininstituts neigt sich Weinlese in diesem Jahr wegen der guten Traubenreife und der feuchten Herbstwitterung früher als erwartet dem Ende zu. Zu den Gründen der Ertragsminderung verweist das Weininstitut auf das zweite trockene Jahr in Folge, auf Sonnenbrandschäden an den Trauben sowie regional begrenzte Hagelschläge. Unter den dreizehn Anbaugebieten sowie auch innerhalb der einzelnen Regionen gebe es aber sehr große Ertragsunterschiede. In diesem Jahr werde die Weinmosternte aber nicht nur in Deutschland, sondern europaweit etwas kleiner ausfallen. Nach einer ersten Ernteschätzung der EU-Kommission werde sich die diesjährige Erntemenge auf 161,3 Millionen Hektoliter belaufen. Das bedeute ein Minus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr und ein Minus von vier Prozent im Vergleich zum fünfjährigen Mittelwert, heißt es aus Mainz vom Weininstitut.

Rheingauer „Exoten“- Probe

Rheingau ist Rieslingland. Knapp 79 Prozent der 3200 Hektar Rebfläche sind mit Weißem und Rotem Riesling bestockt, hinzu kommen mehr als 12 Prozent Spätburgunder (alle roten Sorten zusammen bringen es auf 14,5 Prozent). Und der Rest? Spielt bei Weiß oder Rot kaum eine Rolle.

Weißburgunder bringt es als zweitplatzierter Weißwein immerhin auf 1,6 Prozent, Müller-Thurgau (immer noch) auf ein Prozent, wobei diese Geisenheimer Züchtung (Professor Müller aus Thurgau!) im Rheingau kaum noch sortenrein als Flaschenwein zu finden ist. Er geht meist in Federweißen oder in Weiße Cuvées, vermutlich ich mal ganz stark. Es folgen Grauburgunder (0,9 Prozent), Chardonnay (0,7 Prozent) und Sauvignon blanc (0,5 Prozent). Die Rebsortenentwicklung des Weinbauamtes zeigt, dass sich am Riesling-Profil wenig zu ändern scheint. Doch der Klimawandel (Risiko-Diversifizierung durch versuchsweisen Anbau mediterraner Rebsorten) und das Verbraucherverhalten („Bitte einen Wein mit weniger Säure!“) führen dazu, dass viele Winzer (aber längst nicht alle, bsp. Weil, Schloss Vollrads, Schloss Johannisberg u.a.) auch Alternativen zum Riesling anbieten. Sie standen im Mittelpunkt einer kleinen, aber sehr interessanten Blindprobe der Weinloge „Die Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau“

2018er Weißburgunder (im Rheingau 50 Hektar):

Weingüter Flick, Laquai, Kaufmann, Staatsweingüter

Sehr interessant, weil sich die Stilistik von Laquai und Kaufmann stark von der von Eberbach und Flick unterschieden hat. Ich war klar auf der Seite der beiden erstgenannten und votierte für Laquai, aber eine ganz knappe Mehrheit sprach sich für Flick aus. An Laquai schätzte ich die Klarheit, Prägnanz, den deutlichen (aber nicht übertriebenen) Holzeinsatz und daraus folgend dessen cremige Eleganz.

2018er Sauvignon blanc (im Rheingau 15,5 Hektar!)

Weingüter Hanka, Prinz, Jakob Jung, Künstler

Allesamt als rebsortentypisch erkannt. Hanka eher schlank und feinfruchtig, Prinz den Gaumen absolut fordernd und auch polarisierend („Katzenpisse“?!?), Jung mit Harmonie und Finesse sowie (zu) markanter Säure, Künstler tendenziell fett, dick, voll. Jung hatte die Nase vorn, mein Favorit war aber Künstler trotz des machtvollen Auftritts am Gaumen. Aber das geht anderswo in Europa – und auch in Deutschland – noch viel besser!

2018er Grauburgunder (im Rheingau 28 Hektar)

Weingüter Von Oetinger, Staatsweingüter, Georg Breuer, Schloss Reinhartshausen

Einfach nicht meine Rebsorte, obwohl der Auftritt aus dem Hause Breuer durchaus bemerkenswert gut war. Sehr opulent, cremig, langer Nachhall. Mit meiner Meinung war ich aber fast alleine, denn der Auftritt der Staatsweingüter überzeugte die große Mehrheit – wiewohl –zugegeben- das ein Wein der Domäne Bergstraße aus dem Heppenheimer Centgericht war, ausgebaut im Rheingau. Ich mochte Ruländer früher nie, bestellte später so gut wie nie einen Pinot Grigio, wenn es sich vermeiden lässt, und werde auch kein Grauburgunderfan… wiewohl der Wein im Einzelhandel wie geschnitten Brot läuft und der Renner ist. Tja.

Chardonnay (im Rheingau knapp 21 Hektar)

Weingüter Künstler (2018), Flick (2017), Staatsweingüter (2016), Chat Sauvage (2017)

Ich würde unter den Exoten fast immer zum Chardonnay greifen, und stoße bisweilen auch auf interessante Weißburgunder-Chardonnay-Cuvées (Jakob Jung, Kaufmann), doch in Reinkultur ist er mir am liebsten und – wenn er gelingt – ein Kronzeuge des Klimawandels im Rheingau. Mein Favorit war der Chardonnay von Chat Sauvage, während die Mehrheit – und das kann ich gut verstehen – in der Blindprobe Künstler bevorzugte. Der Staatsweingüterwein kommt aber ebenfalls gut an, auch wenn der Holzeinsatz alles andere als dezent ist.

Fazit: 16 Exoten zwischen 8 und 18 Euro, mit denen die Weingüter bei vielen Kunden punkten können. Generell sind mir zu viele dieser Weine (nicht die verkosteten) zu lieblos als „säurearme Weißweinvariante“ ausgebaut, ohne den Anspruch zu haben, daraus wirklich etwas Besonderes machen zu wollen. Ein markantes Profil wird der Rheingau als Weinregion auf lange absehbare Zeit nur über den Riesling – und sehr einschränkt über Spätburgunder – bewahren können. Und es gibt ja einen großen „Instrumentenkasten“, um auch mit dieser Rebsorte dem Klimawandel begegnen zu können. Doch darüber bald mehr. An dieser Stelle.

Saar-Weine – wie ich Bockstein-Fan wurde

Van Volxem, Wiltingen

Das erste Mal bin ich Roman Niewodniczanski 2004 bei einem Besuch in seinem Weingut begegnet. Einem sendungsbewussten, fast schon besessenen Qualitätsfanatiker, der erst fünf Jahre zuvor Van Volxem in Wiltingen übernommen hatte, und bei dem ich spontan trockene 2003er Rieslinge gekauft habe, nachdem er ein vermeintlich großspurig klingendes „Zehn-Jahres-Qualitätsversprechen“ gegeben hatte. Das vorletzte Mal trafen wir uns vor zwei Jahren beim Riesling-Symposium im Rheingau, als Niewodniczanski im Dormitorium von Kloster Eberbach seinem Ärger über jene Geisenheimer Wissenschaftler Luft machte, die „Alte Reben“ für die Weinqualität als irrelevant bezeichnet hatten. Natürlich hatte „Niewo“ recht.

Nun war ich endlich wieder im Weingut, und vieles, aber längst nicht alles, ist anders. Vor allem Niewodniczanski nicht, der seine mitreißende Begeisterung für die Saar und ihre Weine glücklicherweise bewahrt hat und um den ihn jedes andere deutsche Anbaugebiet beneiden muss. Der Mann zieht mit seiner Naturwein-Philosophie eine ganze, nur 700 Hektar große Region Saar mit.

Der imposante Neubau auf dem Schlossberg ist eine Kathedrale für den Saar-Riesling, und jeder Stein scheint genau am richtigen Fleck verbaut zu sein. Wieder bin ich ausgerechnet nach einem Weinjahr mit einem warmen, dürren Jahrhundertsommer zu Van Volxem gekommen, dessen Rebfläche sich nun der 100 Hektar-Marke nähert. Und wieder habe ich Weine mit Qualitätsversprechen gekauft. Diesem Versprechen hätte es nicht mehr bedurft, denn die Lernkurve der Winzer, mit heißen Jahrgängen umzugehen, ist bei Niewodniczanski besonders eindrucksvoll zu beobachten. Sieben Große Gewächse, keines davon mit mehr als 12 Prozent Alkohol, dafür aber mit einem Maximum an Finesse, Mineralität und Ausdruckskraft… wo gibt es das sonst?

Während der 2018er Schiefer-Riesling vor allem jenen gefallen dürfte, die es an der Basis des Sortiments durchaus kernig und mit prägnanter Säure mögen, ist der Saar-Riesling ein Wein, den man auch „Trinkfluss“ hätte nennen können. Ein Ausbund an Saftig- und Süffigkeit, gepaart mit feinen Aromen, vor allem Schieferaromen, Kräuternoten und seine Rauchigkeit gefallen mir. Eindrücke, die in den beiden Ortsweinen Saarburger und Wiltinger noch konzentrierter zu finden sind, wenn auch unterschiedlich akzentuiert. Bei mir hatte der Wiltinger die Nase vor. Die „Alten Reben“ habe ich nicht im Weingut verkostet, aber dennoch gekauft, weil das Preis-Leistungs-Verhältnis dieses Spitzenweins für mich einfach phänomenal ist.

Zurück zu den 7 GGs. Zugegeben, der Scharzhofberger ist eine Weinmajestät, und sein Pendant aus dem Gewann Pergentsknopp ein derart exzellenter, aber noch recht verschlossener Wein, dass er auf die Versteigerung in Trier gehört hätte. Dennoch hat mich „Gottesfuß“ fast aus den Socken gehauen, denn das ist ein geradezu vibrierender Wein von vergleichsweise schlanker Präzision und Finesse, gepaart mit salziger, rauchiger Würze, dass es kaum bessergeht. Und natürlich der Bockstein, meine neue Lieblingslage an der Saar. Auch wenn der Wein im direkten Vergleich mit seinen üppigeren oder konzentrierteren GG-Brüdern eher karg wirkt, so ist es die geschliffene Präzision, die strahlende Klarheit, die mich überzeugt. Kompliment für die Kollektion durchweg präziser, komplexer Weine mit Grip und Zug! Die Magie der Saar im Glas.

Von Othegraven, Kanzem

Günter Jauch führt diese Tradition (seit 1805 im Familienbesitz) in 7. Generation fort“, so steht es auf dem Rückenetikett der Othegraven-Weine. Das traumhaft schön gelegene Ensemble in Kanzem zeigt sich optisch frisch saniert in Bestzustand, was  aber womöglich nicht an der Stärke des Othegraven-Vertriebs sondern vielleicht eher an den Millionen für den Jauch-Aldi-Deal liegt, aber egal. Auf der Suche nach feinen trockenen 2018er Saar-Weinen waren wir hier jedenfalls leider falsch. 2018 „Max“-Gutswein und 2018 Kanzemer Ortswein waren beide nicht verfügbar (und daher auch nicht gekauft…). Angeblich beide noch nicht gefüllt, dafür aber schon das 2018er Altenberg GG als bislang einzigen trockenen Wein aus 2018? Sehr, sehr merkwürdig! Immerhin konnten wir auch noch 2017 „Max“ verkosten, und das ist eine gute Visitenkarte des Weinguts, süffig-saftig, läuft… 2018 Altenberg GG noch recht verhalten und verschlossen. Was daraus werden kann, deutet das 2016er Bockstein GG an… Ganz nebenbei: ich wurde auf dieser Fahrt ein großer Bockstein-Fan… meine Lieblingslage an der Saar…

Übrigens. Wer es mag, der erhält auch von Jauch signierte Einzelflaschen…

Reverchon, Konz-Filzen

Bockstein-Weine gibt es natürlich auch bei Reverchon. Dem Traditionsbetrieb seit 1627 gibt seit 2013 Ralph Herke (ehemals Schloss Vollrads im Rheingau) neuen Schwung. So kam es mir jedenfalls auf der Zunge vor! Der Qualitätstrend geht klar nach oben. Saar Riesling ein klarer, fruchtig-mineralischer Spaßwein. 2018 Alte Reben aus dem Filzener Herrenberg und aus dem Ockfener Bockstein beide gute und schmeckbare „Fingerprints“ ihrer Herkünfte. Und (für uns Kunden) das Beste: Die beiden Großen Gewächse jener Lagen sind für weniger als 20 Euro erhältlich. Da heißt es zugreifen!

Dr. Wagner, Saarburg

Sympathisch und unprätentiös hat uns Katharina Wagner ihre Kollektion vorgestellt. Ganz anders als bei Othegraven sechs trockene Weine aus 2018 im Angebot, und unser Urteil fällt wohlwollend bis begeistert aus. Die „Alten Reben“ hatten wir schon im Hotel nahe der schönen Saarschleife getrunken, doch als VDP-Ortswein richtig begeistert hat uns der Saarburger Laurentius. Kein Wunder, erfahren wir doch, dass der Weinberg im Alleinbesitz von Dr. Wagner irgendwann als Große Lage anerkannt werden soll. Ein stoffiger Wein, ohne deshalb an Finesse und Mineralität einzubüßen. Trinkfluss, und somit klare Kaufempfehlung!

Gut auch die beiden GGs aus der Saarburger Rausch und aus dem schon erwähnten Bockstein… auch hier hat letzterer auf meiner Zunge die Nase vorn…

Peter Lauer, Ayl

Das schwirrt einem der Kopf. War jetzt faß 25 mein Favorit oder doch faß 2? Oder war es doch faß 6 senior? Die Systematik bei Peter Lauer in Ayl muss man nicht verstehen, um seine Weine zu mögen. In jedem Fall gilt auch hier die Dreistufigkeit des VDP Mosel: Gutswein, Ortswein, Große Lage. Bei Lauer heißt das Saar Riesling, Ayler Riesling, Kupp, Feils und Schonfels als GG. Während der Gutswein für mich eher zurückhaltend bis belanglos wirkte (vermutlich ein unfaires Urteil!), fand ich faß 25 als Ayler Ortswein sehr gut: sehr würzig, ein wenig kräuterig (wie viele dieser Saar-Weine), feine Schiefernoten, komplex ohne zu fordernd zu wirken (also gekauft!). Unter den drei GGs habe ich mich für faß 18, also die „Kupp“ begeistert, der leicht rauchig mit Noten von Aprikose und Ananas daherkam, dabei angenehm salzig und kräuterig. Faß 13 (Feils) dagegen ein Wein, der viel Luft braucht und dann Aromen von Muskat und Eukalyptus freisetzt, die nicht ganz so mein Fall sind. Dann schon eher faß 11 (Schonfels), mit seiner salzigen Kühle, mit Grip und Finesse, aber noch sehr verschlossen. Das wird ein Langläufer!

Jahrgangsverkostungen

Bischöfliches Weingut Rüdesheim

Mit dem Jahrgang 2018 ist Peter Perabo wieder zu großer Form aufgelaufen! Ich beschränke mich hier im Blog auf die trockenen Rieslinge, aber allen Pinot-Freuden sei gesagt: Gehet hin und probieret die roten 2016er aus Rüdesheim und Assmannshausen. Bei den Weißen zeigt sich der 2018er A Priori wieder als perfekte Visitenkarte eines ambitionierten Weinguts: süffig, feinfruchtig, guter Zug am Gaumen, klasse Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 7,50 Euro ein Schnapper! Zugreifen! Auch wenn das Bischöfliche kein VDP-Weingut ist – obwohl es allemal das Zeug dazu hat! – setzt Perabo auf die neue, schlüssige Qualitätspyramide. Auf den Gutsriesling folgen die Ortsweine, Laudate (Rüdesheim) und Episcopus. Letzterer ein Schmeichler und mir fast einen Tick zu süß geraten. Jeder Schluckl wie ein Biss in süße Trauben. Laudate hingegen straff, präzise, süffig, leichte Rauch- und Kräuternoten. Dann die Lagenrieslinge: Katerloch und Ehrenfels (Schlossberg), Roseneck, Rottland, Rottland 1960. Perabo zeigt eindrucksvoll, wozu der Rüdesheimer Berg in der Lage ist – und weshalb er mein Rheingauer Lieblingsweinberg ist. Jedes Terroir fein herausgearbeitet, salzige, rauchige Noten, konzentrierte Mineralität, dicht, feingliedrig, komplex, dabei durchaus fordernd (vor allem 1960!). Meine Favoriten sind diesmal 2018 Katerloch und 2018 Berg Rottland. Und 2017 Roseneck zeigt, wie schon eine kurze Reifezeit den Weinen extrem gut tut. Also liegen lassen! Auch wenn es schwerfällt.

Georg Breuer

Bin gespannt, ob und wie sich nach der Integration von Altenkirch (Lorch) das bislang so klare und einfach Breuer-Portfolio verändern wird? Kommt bald ein Lorch Estate? Die 2018 Rüdesheim und Rauenthal Estate-Weine sind jedenfalls wieder der perfekte Breuersche Fingerprint. Klasse Visitenkarten. Wobei Rüdesheim mit mehr Eleganz und Finesse Rauenthal knapp auf den Rang verweist. Genial gut und schon sehr zugänglich diesmal 2018 Terra Montosa. Zupackend, mit viel Druck am Gaumen, viel Finesse, einfach klasse! Fast immer mein Lieblingswein bei Breuer! Kaufen! Die Lagenweine gewohnt gut, wobei auch hier Rottland für mich vor dem Nonnenberg rangiert. Schlossberg ein noch verschlossenes Monument mit ahnbarer Strahlkraft. 2013 Roseneck ein Beleg, wie großartig diese Weine reifen! Ebenso 2002 Bischofsberg Eiswein, ein Wein mit Wow-Effekt.

PJ. Kühn

Endlich Herbst, also ran an die großen Lagen: 2017 St. Nikolaus und 2017 Doosberg. Beide wieder typisch Kühn! Kühler Zug, hohe Mineralität, zupackend, Grip, Finesse, komplexe Weine mit Tiefgang und schönem Nachhall. Im direkten Vergleich hat wie schon bei den 2016ern St. Nikolaus bei mir die Nase vorn. 2016 St Nikolaus war vielleicht der bislang beste trockene Wein aus dem Hause Kühn. Und der Vergleich mit 2016 Doosberg bestätigt, dass die 2017er einfach nicht an die Top 16er rankommen. An meinem Gaumen jedenfalls. Wohl dem, der 2016 Nikolaus im Keller hat. Ein Schatz, den es zu hüten gilt!

Freimuth

Hier gibt es fast nix zu mäkeln. Ein klar strukturiertes Sortiment mit einigen Highlights. Beispielsweise der 2018 Charta-Wein, der betont süffig ist und mit rund 12 Gramm Restzucker der klassischen Linie folgt und ein guter Essensbegleiter sein will. Straffer und präzise der 2018 Geisenheimer Alte Reben. Ein VDP-Ortswein mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Nicht ganz so glücklich bin ich diesmal mit dem „Zero“, der zwar sehr trocken, aber auch sehr karg und ungewohnt streng wirkt. Klasse hingegen der 2018er Bischofsberg trocken! Bei den beiden großen Gewächsen hat 2018 Kläuserweg bei mir die Nase knapp vorn vor dem „Unteren Bischofsberg“. Bemerkenswert. 2017 Orange trocken. Ein guter Vertreter dieser Kategorie, mit der ich aber wohl nie so richtig warm werde. Spitze und außergewöhnlich: 2018 Niersteiner „Goldene Luft“ Roter Hang Riesling trocken. „Der Lagenname deutet auf eine landschaftlich schöne Lage, in der sich viele Spaziergänger aufhielten“. Knapper und ausdrucksloser kann eine Lagenbeschreibung ein Rheinhessenwein.de kaum ausfallen. Rund 0,5 Hektar groß und im Alleinbesitz von Freimuth. Der Wein spricht für sich selbst, probieren!

Johannishof

Nachprobe der Spitzen: 2018 Charta Riesling und 2018 Charta Riesling FASS 96. Ich bin unverändert ein Fan dieser Kategorie, die von einem Dutzend Winzer im Rheingau hoch gehalten wird. Familie Eser legt darauf besonderen Wert, und es sind die einzigen mit 2 Weinen! Beide mit hohen Trinkfluss und feiner Eleganz. Bei den beiden Großen Gewächsen hat – wie fast in jedem Jahr – der „Rottland“ für mich den größeren Lustfaktor als die „Hölle“. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Oder? Noch schnell die Nachprobe der beiden Lagenweine aus dem Jahrgang 2016…. ?!? Das Ergebnis ändert sich nicht. Rottland ganz großes Kino, und 2016 war einfach ein sehr, sehr guter Jahrgang!

Friesenhahn

Wer dieses Weingut in Aulhausen nicht kennt, verpasst etwas. Ein Nebenerwerbsweingut im besten Sinn. Unprätentiös, familiär, direkt, nahbar, rundherum sympathisch. Und mit gutem Wein. Mein Liebling aus der gerade vorgestellten 2018er Kollektion ist der Riesling „A“, ein trinkfein trockener Wein mit Zug, Trinkfluss und guter Präzision. Der 2018 „Frie Steil“-Riesling ist hingegen mit 11 Gramm RZ recht halbtrocken geraten. Süffig zwar, aber mir einen kleinen Tick zu süß. Eine Klasse darüber rangiert der „Katerloch Riesling Alte Reben“, der schön mineralisch ausgefallen ist und als Essensbegleiter seine Rolle findet. Nicht so mein Fall sind die beiden Grauburgunder (mit und ohne Barrique), aber das liegt nicht an Friesenhahn, sondern daran, dass diese Rebsorte wohl nie mein Freund wird. Ich verkoste das häufig, und bin selten glücklich. Dann schon eher den 2018 Weißherbst Saigner trocken im Glas, der mit 14 Prozent Alkohol aber alles andere als ein leichter Barbecue- oder Terrassenwein ist. Aber der Sommer ist ja vorüber… Gut die beiden Rotweine! Der 2018er wird klasse, wenn er noch ein wenig Zeit zur Entwicklung erhält. Für den Preis eine klare Kaufempfehlung!

Und sonst?

Engelmann 1972 Hallgartener Schönhell Riesling Kabinett – ein flüssiges Gedicht aus dem Raritätenkeller des Rüdesheimer Schlosses! Karamelle, Rosine, Aprikose am Gaumen, noble Reifenoten, gute Säure, immer noch frisch, ein Erlebnis!

Fürst 2008 Centgrafenberg Spätburgunder GG… solche und andere Granaten öffnete Tom Drieseberg bei der erste Popup-Winebar im Gutshaus Wegeler. Hoffentlich wird das eine Tradition! Ich habe eine Fülle bester Weine verkostet, darunter 2013 Geheimrat J., 2017 Doctor Riesling GG, 2002 Bernstein Riesling GG von Lanius-Knab, 1999 Schlossberg Riesling Erstes Gewächs…. zur Wiederholung und Nachahmung empfohlen!

Aus dem Verkostungstagebuch

Künstler

Kompliment an Gunter Künstler für seine Kollektion an 2018ern! Mich hat schon der Ortswein (2018 Hochheimer Mainterrassen) so begeistert, dass ich spontan eine Kiste mitgenommen habe. Hinterher habe ich mich geärgert, dass ich nicht auch noch das 2018er Kirchenstück geordert habe, das mir unter den fünf VDP-Erste-Lage-Weinen (Herrnberg, Kirchenstück, Hölle, Stielweg, Domdechaney) durch seine Präzision und Struktur (fast) am besten gefallen hat, wäre da nicht der wahnsinnig mineralische „2018 Stielweg Alte Reben trocken“-Riesling, der allerdings auch preislich eine Etage höher angesiedelt ist.

Bei den Großen Gewächsen kann mich das Kirchenstück ebenfalls überzeugen, wiewohl die geschmeidige „Hölle“ auf Augenhöhe Paroli bietet. Rüdesheimer Schlossberg dagegen wieder eine Extra-Klasse für sich. Hochspannend das 2014 Rottland GG, das eindrucksvoll das Reifepotential von Künstlers Weinen zeigte. Aprospos Reife: „Unter der Hand“ gab es eine 1999 Reichestal Spätburgunder Auslese trocken zu probieren. 20 Jahre und kein bisschen müde! Ein Wein mit Wow-Effekt. Die jüngeren GGs (Vertikale: 2012, 2014, 2015, 2016) waren eine Offenbarung. Mein Liebling allerdings war das 2014 Höllenberg GG… Höllenberg zum Verlieben gut!

Knipser

war mal wieder bei Künstler (s.o.!) zu Gast. Mit phänomenal guten Weinen, wie ich zugeben muss. Der 2018 Clarette Rosé trocken war von Farbe und Geschmack so, wie ich mir das vorstelle. Perfekt balanciert der 2014 Chardonnay*** trocken. Ein geschmeidiger Wein mit Fülle und Muskeln, ohne zu dick oder zu protzig zu wirken. Überraschung des Tages. 2013 Sauvignon Gris***. Eine eche Spezialität, die in ihrer Aromatik irgendwo zwischen Gewürztraminer, Scheurebe und Viognier lag, wenn auch nicht so laut und keineswegs parfümiert. Hochinteressant und fein, aber 32 Euro… nun ja… dafür sind 19 Euro für den 2014 Spätburgunder Kalkmergel bestens angelegtes Geld, und auch das 2013 Kirschgarten Spätburgunder GG ist locker 39 Euro wert: kühler Zug, Finesse, feines Aromenspiel mit bestens integrierter Säure. Knipser heißt natürlich auch Cuvée X. 2015, da hätte ich fast noch mehr Power erwartet, aber der Wein zeichnet sich durch hohe Eleganz aus.

Bibo Runge

Heißt so, steckt aber Bonsels drin. Denn in Hallgarten ist Runge ist weg, Bibo ebenso (letzter jetzt Kellermeister beim Weingut Sonnenhof, Vaihingen), wenn auch dem Weingut durchaus noch verbunden. Doch Markus Bonsels hat jetzt das Sagen, und das „schmeckt“ sich gut. Die 2018er Kollektion jedenfalls hat mich einigermaßen überzeugt, vor allem 2018 Hargadun ist ein geschliffener, präziser, klarer Riesling mit gutem Druck am Gaumen, der mir persönlich besser gefällt als der weichere „Romantiker“. Großes Kino ist der 2016 Revoluzzer, der zugleich die Lagerfähigkeit und das Reifepotential der Weine zeigt.

Rheingauer Wein beim DFB-Heimspiel

Das DWI meldet: Die neue Weinkollektion des DFB für die Business- und Hospitalitybereiche der Länderspiele im eigenen Land steht fest.   Sie umfasst eine Auswahl von 26 Top-Weinen aus den deutschen Anbaugebieten, die nach einer bundesweiten Ausschreibung des Weininstituts aus über 400 eingesandten Proben vom DFB ausgewählt wurden. Auf den Heimspielen der DFB-Herren­nationalmannschaft werden die Weine von Sommelier Arno Steguweit an einer Weinbar präsentiert. Jetzt bräuchte ich nur noch ein Ticket. Aus Rheingauer Sicht aber schon mal Gratulation an Trenz, Fendel und die Sektkellerei Ohlig!

Trenz: Rheingau 2018 Riesling trocken Alte Reben

Fendel: 2018 Rheingau Riesling trocken 

Ohlig: 2018 Riesling brut

VDP. Grosses Gewächs.

Kurz vor dem offiziellen Verkaufsstart am 1. September haben die knapp 200 VDP-Mitgliedsbetriebe ihre trockenen Spitzenweine vorgestellt. Nicht nur Weine, die aus Deutschlands Paradesorte Riesling gekeltert wurden, sondern auch weiße und rote Burgunderweine, Silvaner und Chardonnay. Insgesamt immerhin 464 Weine aus allen 13 deutschen Anbaugebieten, die in knapp 400, als „Große Lage“ klassifizierten, Weinbergen herangewachsen sind. Die Wiesbadener Kurhauskolonnaden haben sich als idealer Verkostungsort erwiesen. Wer nach dem Jahrhundertsommer 2018 jede Menge Jahrhundertweine erwartet hatte, wird allerdings ernüchtert sein. Es scheint, dass längst nicht alle Weine die Hitze und Dürre gut verkraftet haben. Offenbar hat der Trockenstress der Rebpflanze in manchen Weinen zu einem Geschmacksfehler geführt: UTA. „Untypische Alterungstöne“ gelten in Jahren mit geringen Niederschlägen und hoher Sonneneinstrahlung als besondere Gefahr für die Weinqualität: Bitter, stumpf und überlagert. Fazit: Es gibt weniger überzeugende Spitzenweine, als viele Kritiker erwartet und als die Weinfreunde erhofft haben. Bemerkenswert ist, dass Winzer zunehmend den Weinen noch mehr Zeit geben wollen, ehe sie den Weg zum Kunden nehmen dürfen. So haben die Rheingauer Weingüter Barth, Allendorf, Leitz, Schloss Vollrads und Barth erst jetzt ihre „Großen Gewächse“ des Jahrgangs 2017 vorgestellt. Die 2018er dürfen in Fass oder Flasche noch weiter reifen. Salwey hatte gar Grau- und Weißburgunder des Jahrgangs 2016 nach Wiesbaden geschickt. Reife vor Aktualität. Gut so.

Auch wenn die VDP-Weingüter nur für drei Prozent der deutschen Weinerntemenge stehen und mit 5300 Hektar nur rund fünf Prozent der deutschen Rebfläche bewirtschaften, so haben sie im Hinblick auf Marketing, Preisbildung und Renommee für den deutschen Wein eine besondere Bedeutung. VDP-Weingüter sind mit 26,5 Hektar Rebfläche überdurchschnittlich groß, und ihr Anteil am Umsatz von deutschem Wein liegt rund 50 Prozent über dem Flächenanteil.

Den Spitzenweinen, den Großen Gewächsen, kommt dabei besondere Bedeutung zu. Für sie werden durchschnittlich immer 32 Euro je Flasche aufgerufen. Sie erreichen einen Umsatzanteil von 15 Prozent bei einem Mengenanteil von nur fünf Prozent.

Ich habe diesmal mit der Region Mittelrheintal begonnen und war von Matthias Müllers packender „An der Rabenlei“ sehr begeistert. Ein Wein mit Zug und Finesse. Nicht minder beachtenswert „Im Hahn“ von Toni Jost, so darf und muss Mittelrhein-Riesling vom Feinsten schmecken.

Als Badener liegt mir natürlich immer das Ländle am Herzen. Stiglers „Winklerberg Winklen“ ist ein majestätischer Kaiserstühler mit Zug, Würze und Kraft. Da kommen Seeger (Herrenberg Oberklamm) und Andreas Laible (Plauelrain Am Bühl) zwar nahe dran, aber eben nicht ganz. Aus Württemberg gefiel mir der straffe, spontanvergorene „Stinker“ aus der Lage Steingrüben von Dautel am besten. Hochachtung aber auch für den Verrenberg von Hohenlohe-Oehringen und für Aldingers „Gips Marienglas“… Sehr gut auch Karl Haidles Pulvermächer: straff, präzise, würzig auf dem Punkt.

Einzelkämpfer von Saale-Unstrut ist immer Pawis, den ich aber umso mehr schätze und liebe, und der Edelacker Riesling macht das keine Ausnahme! Top! Von der Bergstraße kommt wieder das Centgericht der Staatsweingüter in Form eines Grauburgunders: voll, konzentriert, gut. Ebenfalls ein Grauburgunder kommt von Schloss Proschwitz in Sachsen, gefällt mir noch einen Tick besser als der Bergsträßer. Zurück zum Riesling: Unter den fränkischen Vertretern mochte ich Fürsts Centgrafenberg und Ludwig Knolls „Stein“ am liebsten. Und ja, ich habe auch noch ein paar Rheingauer (nicht alle) probiert und mich auf den unteren Rheingau konzentriert. Künstlers Rottland und Wegelers Schlossberg, nebst Rothenberg, haben mich am meisten überzeugt. Und einen Wein rufe ich zum Tagessieger aus, weil der mich mit seinem Trinkfluss, seiner Tiefe, seiner Finesse und seine Eleganz so begeisterte, dass es meiner Ansicht zwar auch anders, aber nicht besser geht: August Kesseler: 2018 Lorchhäuser Seligmacher Riesling VDP.GG. Ein Wahnsinn!  #vdpgg2019

Rheingau Großes Gewächs

Aus dem Ersten Gewächs ist 20 Jahre nach dem Start 1999 das Große Gewächs (RGG) geworden. Im Festsaal des Wiesbadener Rathauses stellten 23 Nicht-VDP-Weingüter den  RGG-Jahrgang 2018 vor.

RGG 2018 Über die Hintergründe des Wechsels vom EG zum RGG hatte ich schon vor einiger Zeit berichtet (siehe http://rheingauer-weinschmecker.de/?p=145), nun also das Ergebnis. Ich habe alle 36 Weine verkostet, einige zur Absicherung des Urteils auch mehrfach. Unter dem Strich zeigt sich, dass 2018 keineswegs der Überflieger-Jahrgang ist… von einer Masse an Jahrhundertweinen gar nicht zu reden. Aber es war ein Jahrgang, der es den Winzern eigentlich leicht gemacht haben sollte… dennoch hatte ich seit dem Frühjahr schon manch merkwürdiges Erlebnis im Glas. Es bleibt dabei: Auch aus einen Jahrgang, der mit den Worten „gut und viel“ charakterisiert werden kann, können grottenüble Weine hervorgehen. Damit kein Missverständnis aufkommt: Bei den RGGs habe ich solche Ausfällle nicht gefunden, wohl aber einige zwar wenig aufregende, aber dennoch ordentlich gemachte Durchschnittstropfen, die als GG nicht überzeugen konnten. Überrascht war ich von einigen Tropfen mit mehr oder weniger deutlichen Bittertönen, die aber womöglich im weiteren Reifeprozess verloren gehen. Hoffentlich. Zudem wurden nicht alle neuen GG-Weine gezeigt (probieren: Goldatzels Hasensprung!), und einige 2018er schlummern dem Vernehmen nach sogar noch auf der Feinhefe oder in der Flasche. Daher war die Probe auch nur eine Momentaufnahme. Auch wenn jeder gern Verrisse liest… das ist nicht mein Anliegen. Daher hier meine persönlichen TOP 10-GG-Weine! Die Spitze der Spitze, in dieser Reihenfolge, bewertet in Weinschmecker-Punkten (0-100 WSP).

Mohr: 2018 Bodental-Steinberg RGG: Mineralität vom Feinsten, begeisternder Einfluss von Schiefer, Quarzit und Sandstein. Kräftig, aber dennoch nicht schwer, dicht und komplex, dabei Trinkfluss, wie er in dieser Kategorie nicht eben die Regel ist. Läuft formidabel mit Grazie die Kehle runter. 94 WSP

Schumann-Nägler: 2018 Rothenberg RGG: ein Charakterwein mit Ecken und Kanten, hoher Druck am Gaumen, sehr präzise, eigenständige Aromatik, eigenständige Stilistik. Ein Wein der polarisiert und mich dabei ohne Wenn und Aber auf der Seite der Enthusiasten einordnet. Mehr davon ! 93 WSP

Sohns: 2018 Kläuserweg RGG: Spitzenwein von einer der unterschätzten Lagen des Rheingaus. Präzise und auf dem Punkt, ein zupackender Riesling mit stahliger, knalliger Säure und frucht-zarter Finesse. Ein Maul voll guten Wein! Klare Kaufempfehlung! 93 WSP

Laquai: 2018 Schlossberg RGG: das ist nach dem Bodenthal-Steinberg meine zweite Lieblingslage in Lorch. Dank der tiefgründigen und kalkhaltige Lösse wachsen hier sehr feinfruchte, elegante Weine mit leichter Würze. Manchmal auch ein wenig florale Noten, aber dieser Schlossberg ist in jeder Hinsicht überzeugend. 92 WSP

Trenz: 2018 Hasensprung RGG: Michael Trenz hat gleich zwei RGGs vorgestellt, von denen der Hasensprung der komplexere, markantere Typ ist mit kräftiger Säure und feiner Frucht. Der Holzausbau schmeckt deutlich durch, doch das ist Stilistik und Geschmacksfrage und keine Frage der Qualität. An der untadeligen Güte dieses Weines rüttelt niemand. Zukunftspotential mit Sicherheit enorm! 92 WSP

Höhn: 2018 Mannberg RGG, 2018 Marcobrunn RGG und 2018 Schiersteiner Hölle RGG. Ein Wiesbadener Weingut auf der Überholspur. Jürgen Höhn hat mit der Übernahme einiger Lagen von Langwerth von Simmern noch einmal eine Schippe draufgelegt. Das Trio seiner RGGs hat es in sich. Mein persönlicher Favorit ist der Mannberg, knapp vor Marcobrunn und Hölle, aber auf lange Sicht könnte der Marcobrunn mit seiner immensen Dichte und Fülle der Bessere sein. Das sollte über die Jahre beobachtet sein! Gratulation zur dieser Kollektion ! 92+, 92 und 92- WSP

Bott: 2018 Kostheim St. Kiliansberg… meine Überraschung des Tages! Ein sehr süffiges RGG von geschliffener Eleganz, feinwürzig mit vielschichtigen, mineralischen Noten. Beeindruckend in der Länge, ein Nachhall am Gaumen wie ein Donnerhall! Top! 91 WSP

Schloss Schönborn: 2018 Hasensprung RGG… gleich fünf RGGs zeigt das Traditionsweingut, und das ist ein Ausdruck des unvergleichlichen Lagenportfolios, aus dem Schönborn schöpfen kann. Die Stilistik ist dennoch in allen Lagenweinen unverkennbar. Aus dem Quintett gefiel mir nach einigem Hin und Herr der Hasenprung doch am besten, knapp vor Schlossberg und Pfaffenberg. 90 WSP

Kleine Reise zum Chianti Classico

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) Badia a Coltibuono

recht leicht, aber auch unreif wirkend. Die Säure wirkt grün und nicht eingebunden, grasige, kräuterige Notgen, dabei eine unangenehme Schärfe entwickelnd… alles andere als ein Schmeichler, kein Trinkfluss, 85 WSP (=Weinschmeckerpunkte)

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) Rocca di Montegrossi

expressive Frucht am Gaumen, deutliche Tannine, dabei eine recht hart wirkende Säure. Dennoch unverkennbar Sangiovese. Wirkt noch recht verschlossen, geht aber leicht ins marmeladige über, was einem harmonischen Eindruck abträglich ist, 88 WSP

2016 Chianti Classico DOCG Castello di Fonterutoli

ebenfalls viel Frucht, aber mehr Sauerkirsche, auch ein bisserle Pferdedecke, was leichte Erinnerungen an Bordeaux weckt, ebenfalls noch recht verschlossen, braucht viel Luft, entwickelt mit seine Dichte und Konzentration aber durchaus Trinkfreude, 89 WSP

2016 Rocca Guicciarda“ DOCG Barone Ricasoli | Castello di Brolio

ein echtes Highlight! intensives, rebsortentypisches Bukett. Gute Säure, deutliche, aber nicht unangenehme Tannine, wirkt sehr direkt und straff, entfaltet angenehmen Druck, ein wenig Leder, Akazie, Lakritz und auch Veilchen, gute Länge, enormer Trinkfluss, macht Spass, 92+ WSP

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) San Giusto a Rentennano

noch deutlich zu jung, recht ruppig und ungestüm, dabei aber gute Struktur und eine belebende, markante Säure. Gute Konzentration und Fülle, deutlich vom Barrique geprägt, aber für meinen Geschmack noch mehr als tolerabel, ein Wein mit Ecken und Kanten, lecker, 91 WSP

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) Agricola Querciabella

eine leicht süßliche Note fällt gleich unangenehm auf, sehr voll, sehr alkoholstark, fast ein wenig parfümiert wirkend… hat im direkten Vergleich mit seinen Nachbarn keine Chance auf Wohlwollen, 89 WSP

2016 Antinori Peppoli Chianti Classico DOCG

sehr feine Frucht, sehr gut integrierte Säure, ein perfekt balancierter und gut gemachter Chianti mit feinen Aromen von Kirsche und Pflaume, dazu Lakritz und Leder. Hoher Trinkspass… ein Roter, der in jeder Runde schnell everybodies Darling ist… diese Flasche war am schnellsten geleert, ich war daran nicht ganz unbeteiligt. Kaufempfehlung! 93 WSP

2016 Chianti Classico Berardenga (Bio) Fattoria di Felsina

Der Bessere ist der Feind des Guten, darunter leidet dieser eigentlich feine Chianti, der es in seinem Flight unverdient schwer hatte und deshalb abgestraft wurde. Markante Säure, sehr elegant, prägnanter Holzeinsatz, dabei dennoch guter Zug am Gaumen, 90 WSP

2016 „Ama“ Chianti Classico DOCG Castello di Ama

zunächst sehr verhalten, unter Lufteinfluss zunehmend an Stärke gewinnend. Ein Wein mit großem Potential, dem noch einige Zeit im Keller gegönnt sei. Die Anlagen sind aber mehr als vielversprechend, denn der Wein ist toll strukturiert und balanciert, innere Festigkeit und feine Würze, das wird ein Langläufer. Wer Platz im Keller hat, sollte kaufen! 91+ WSP

Weinwoche-Impressionen

Ein paar Impressionen von der 44. Rheingauer Weinwoche in Wiesbaden: 10 Tage, 97 Weingüter, geschätzt 1200 verschiedene Weine, 3 Bühnen, 49 Live-Bands, 22 Imbiss-Stände, 1 Wasserstand, gute Stimmung, das ist das wohl schönste Weinfest überhaupt…. und was fiel mir im Glas auf? Weingut Ott, 2018 Riesling Kabinett trocken… natürlich erstmal ein süffiger Wiesbadener Schoppen zum Empfang. Es gab aber auch vom türkische Weingut Sulva einen 2017er Sauvignon Blanc-Semillion und einen 2017er „Blush Karasakizi Rosé… das war leider verzichtbar! Ja, der Jahrgang 2018 steht auf diesem Fest natürlich im Mittelpunkt (mein erster Festwein nach dem Empfang war die süffige 2018er Eltviller Sonnenberg Riesling-Spätlese trocken vom Martinsthaler Weingut Keßler, eine Empfehlung!), aber auch die 2016er machen richtig Spaß. Beispielsweise der Vergleich 2016 Bodental-Steinberg alte Reben trocken von Altenkirch mit 2016 Kapellenberg von Wurm.

Der Hit: Happy Hour bei Kaufmann bis 16 Uhr: also 2018 „Tell“ Riesling und 2009 Wisselbrunnen Große Lage trocken (by Hans Lang) für jeweils 2,50 Euro das Glas! Toptop! Die Georg Müller-Stiftung hatte ihren 2018 Viognier als Premierenwein dabei, aber ich bin zugegeben überhaupt kein Freund reinsortiger Viogniers. Dafür war der 2016 Schützenhaus Riesling trocken aller Ehren wert. Weinfest-Newcomer Joachim Flick hatte glücklicherweise den 2018er Wickerer Nonnberg und den 2018er Hochheimer Königin Victoriaberg dabei. Tolles Paar, für Prinz Charles viel zu schade!

Wer „alte Kameraden“ mag, sollte immer einen Abstecher bei Familie Odernheimer und dem Johannisberger Abteihof (Stand 108) einplanen. Claus Odernheimer hat diesmal einen 1986 Riesling Kabinett und – unter der Theke – noch eine halbtrockene 1997er Spätlese aus der Lage Geisenheimer Kilzberg dabei. Beide wunderbar gereift. Dann wieder ganz jung bei Jung: 2017 und 2018 Steinmorgen trocken und halbtrocken, sind eine absolute Trinkempfehlung. Saftig, mineralisch, trinkig! Ein Rundgang mit Umweltministerin Priska Hinz zum Thema Klimawandel und Weinbau (siehe meinen Bericht in der FAZ vom 15.8.) führte von Schreiber (guter Sekt!) über Corvers (Rüdesheimer Roseneck Spätlese trocken, ein Traum) zum Staatsweingut (2018 Steinberger, süffig).

Riesling trocken, furztrocken gefällig? Die 2016 Steillage (0,4g RZ) bei Lamm-Jung ist ein Riesling für Hardcore-Fans, aber ich mag es. Bei Freimuth gefielen der 2018er Rote Riesling (nicht so süßlich wie anderorts) und das 2017 Unterer Bischofsberg Riesling Großes Gewächs… zum Abschluss noch in Pinot bei Koegler, immer eine Bank!

Reizvoll ist es zudem, sich nicht einfach treiben zu lassen, sondern den Weinwochen-Besuch mit Freunden unter ein Motto zu stellen! Diesmal 4 gegen 4,  Johannisberg gegen Lorch, Trenz, Goldatzel, Prinz von Hessen und Schloss Johannisberg vs. Laquai, Mohr, Wurm und Altenkirch.… Am Ende hatte Team Johannisberg auch dank eines bärenstarken Schlosses die Nase vor… wenn auch nur knapp…

Finale: 2013 Pinot Ultra brut nature by Barth: Anders geht immer, besser nicht!

Die Kunst der Cuvée

Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petite Verdot, Sangiovese, Malbec… großartige Rebsorten, aus denen exquisite Weine gekeltert werden können. Die Kunst aber ist die Cuvée, wenn sich die Summe des großen Ganzen zu einem Weinkunstwerk verdichtet. In meiner Verkostungsrunde haben wir kürzlich einige Meisterstücke dazu verkostet…

De Toren: 2015 Fusion V. – ich habe das Weingut vor knapp 20 Jahre das erste Mal nahe Stellenbosch besucht, und war seinerzeit schon begeistert. Allerdings: die breiten Schultern und der muskulöse Körper hemmen den Trinkfluss… es fehlt an Eleganz… zum Flanksteak aber ein würzig-aromatischer Begleiter

Tignanello 2014: ist das vielleicht der tollste „Fabrikwein“ der Welt? Es soll jährlich mehr als eine Million Flaschen geben, deren Handelspreis derzeit wieder bei knapp 100 Euro liegt! Ein eher weicher, geschmeidiger Wein, üppige Kirsche, dezente Paprika, feine Tannine, deutlich schmeckbare Prägung durch den hohe Sangiovese-Anteil, so kann, so darf Toskana schmecken!

Sassicaia 2008: deutlicher kerniger als der Tignanello, Bordeaux als deutlich schmeckbares Vorbild. Sehr würzig, dezentes Leder und Veilchen, viel Sauerkirsche, präsente, feine Säure, guter Trinkfluss, lecker!

Granja Remelluri 2010 Gran Reserva: etwas verschlossen, dennoch mit viel Kraft und hoher Opulenz, deutlich von Tempranillo geprägt, dichter und konzentrierter Rioja-Vertreter, mehr Eleganz und Finesse wäre schön

Vega-Sicilia Unico 2006: mein Wein des Abends, die am schnellsten geleerte Flasche in der Verkostungsrunde. Eine Weinmajestät: präzise, vielschichtig, Pflaume und Minze, große Länge, immenses Potential, absolut fein und mit hohem Trinkfluss – wenn man sich diesen nur leisten könnte!

Perrin Family Chateau de Beaucastel 2016 Chateauneuf-du-Pape… fällt in der Reihe durch seine vermeintlich sehr geringe Säure auf… auch der Eindruck einer leicht marmeladigen Süße gefiel nicht jedem (mich inklusive), roter Früchtekorb am Gaumen, sehr würzig, sehr jung, viel Tannin, auf mich eher fett als filigran wirkend, aber gut

Chateau Palmer 2008, Margaux: wirkt unglaublich jung mit zunächst strengem Säuregerüst, entwickelt sich im Glas zügig positiv unter Lufteinfluss, sehr klar, sehr präzise gearbeitet… bestätigt, warum Palmer zu meinen Lieblingserzeugern gehört (da denke ich an den phänomenalen 1989er zurück…)

Chateau Pichon-Longueville 2000, Pauillac: typisch Bordeaux unter starkem Cabernet-Einfluss, kühle Salzigkeit, Finesse, feine Frucht mit langem Nachhall, sehr geschmeidig und fein, hohe Eleganz, ein Wein zum Verlieben!

Vérité La Muse und Vérité La Joie, jeweils 2005… die Überraschung des Abends aus dem kalifornischem Sonoma Valley… beide mit einer sehr üppigen, opulenten Textur, geprägt von der Kraft des Cabernet Sauvignon (La Joie) oder Merlot (La Muse). Beide mit dunkler, rubinroter Farbe. Sehr würzig, roter Früchtekorb, wirkt „wärmer“ als die Bordeaux-Vertreter, dabei fast noch komplexer, dichter, länger und auch mit größer Opulenz. Im direkten Vergleich hat „La Joie“ trotz seiner reif wirkenden Rumtopf-Aromen, der intensiven Pflaume und der schmeckbaren Reife die Nase vorn vor dem „La Muse“. Sehr stoffig, sehr dicht, sehr konzentriert und straff. Aber auch ein Tick zu viel Alkohol (14,5). Motto: Unsere Weine verkörpern die zeitlosen Traditionen Frankreichs und die grenzenlosen Möglichkeiten Kaliforniens. Wohl wahr!

Kaisersteinfels!

313 Meter über dem Meeresspiegel schaue ich hinunter auf den Kaisersteinfels. Ein erhabener Platz. Hinter mir verläuft der heute einsame Rheinsteig, gegenüber mündet die Nahe in den Rhein. Der Blick geht weiter über den Binger Scharlachberg hinaus bis zum fernen Donnersberg. Und doch gilt die Aufmerksamkeit dem Zalto-Glas in der Hand. Denn nirgendwo lässt sich Wein besser verkosten als an seinem Geburtsort.

Kaisersteinfels. Hier soll der namensgebende Kaiser Karl der Große früh das Potential für den Weinbau erkannt und Orleans angebaut haben. Der Kaisersteinfels bildet mit Rottland, Roseneck und Schlossberg den Rüdesheimer Berg. Eine meiner absoluten Lieblingsherkünfte für terroir-geprägte, mineralische Rieslinge von Rasse und Eleganz. Stein, Schiefer und Fels prägen hier den Boden. Hier müssen sich die Reben in den zunehmend trockenen und heißen Klimaphasen besonders anstrengen, und sie tun es. Die knapp acht Hektar dieser Südwestlage sind heute überwiegend im Besitz von Johannes Leitz, dessen Familie Weinberge seit 1744 ihr eigen nennt. Über die Erfolgsgeschichte von Leitz und sei Aldi-Projekt habe ich an anderer Stelle (s.u.) schon ausführlicher berichtet. Heute geht es um die Spitze der Qualitätspyramide.

Kaisersteinfels. Riesling Großes Gewächs. Vier Jahrgänge im Vergleich direkt am Weinberg. Eine Offenbarung.

2014 – ein in der Weinkritik zuletzt etwas vernachlässigter Jahrgang, der nach einer interessanten Phase der Verschlossenheit und Zurückgezogenheit langsam seine Stärke zeigt. Wer 2014 noch immer Keller hat, darf nun bald die ersten Flaschen öffnen. Nun zeigt der 2014er langsam, was er kann. Ein mineralischer, würzger Wein mit gutem Zug, dabei bestens strukturiert, fest am Gaumen, druckvoll ohne auch nur ansatzweise breit zu wirken. Ein Genuß.

2013 – der Kaisersteinfels schert aus der Masse aus und brät sich in diesem Jahrgang eine Extrawurst. Sattes Gelb wie eine Spätlese aus den Neunzigern. Die Nase erreichen satte Reifetöne, Ananas, getrocknete gelbe Früchte mit viel Mirabelle, in der Reife erstaunlich weit fortgeschritten, und das trotz der merklichen Säure. Hat den Schritt vom Solo-Vergnügen zum perfekten Essensbegleiter schon vollzogen

2010 – sehr frisch, mit belebender Säure. Eleganz am Gaumen, Finesse, wirkt erstaunlicherweise jünger als 2013, unverändert hohe Reifepotential, aber der Spassfaktor ist schon jetzt hoch…

2009 – unglaublich wie hell in der Farbe und frisch im Geschmack, dabei sehr würzig, komplex verwobene Aromen, ein Wein mit Tiefgang und vermutlich auf dem Höhepunkt seine Entwicklung. Wohl dem, der davon noch etwas im Keller hat!

Seitensprung in Sachsenhausen

Endlich mal wieder in Sachsenhausen, und dann dank guter Freunde eine Einladung zur professionellen Ebbelwoi-Tour mit humorvollem Führer in schönstem Frankfurterisch… klasse. Natürlich weiß jeder erfahrene Fan von „Ebbelwoi“-Gottvater Andreas Schneider und seinem Obsthof schon, welch weites Feld das Traditionsgetränk bietet, vom kernigen Basis-Schoppe im Bembel hin zum Edelgetränk im Zalto-Weinglas. Diese Spanne bot sich in etwa auch in Sachsenhausen, wo Dauth-Schneider zu einem deftigem Imbiss für ein typisches Basis-Stöffche sorgte, während im Apfelwein-Kontor die sortenreinen Jahrgangs-Apfelweine aus Bohnapfel und Braeburn (mein Favorit) von Herberth für ein Aha-Erlebnis sorgten. Da muss ich noch kaufen! Kurze Aufwartung bei „Frau Rauscher! und beim „Ebbelwoi Unser“ und dann ab zur Pilgerstätte schlechthin in der Rittergasse: „Daheim“ im „Lorsbacher Thal“: eine Karte mit mehr als 300 Apfelweinen und Ciders, genial gut und jede Versuchung wert: Beispielsweise JB´s „2015 Streuobst“ mit feiner Frucht und edlen Reifenoten. Noch besser aber aus Jörg Geigers Manufaktur die 2015 Gewürzluike und Oberösterreicher Weinbirne… da kam Freude am Gaumen auf… Besonders lecker zudem der amerikanische Apfelschaumwein „Understood in motion No.1“ von ANGRY ORCHARD…, so, jetzt muss ich nur noch 297 Positionen aus vier Kontinenten und 25 Ländern auf der Flaschen-Apfelweinkarte testen…. Wer kommt mit?

Aus dem Verkostungstagebuch

Neues von Eltz

Während sich im verwaisten Langwerther Hof noch keine Anzeichen erkennen lassen, wohin die Reise der Käufer Jökel-Brüder geht und bei der Ruine der alten Staatsweingüterkellerei immerhin Gerüste von neuem Schwung beim Umbau zum Hotel zeugen, geht es auch bei Eltz langsam voran. Das einst führende Rheingauer Weingut saniert den sogenannten Viktorbau und das angrenzende Gebäude zu einem Wohnhaus mit fünf sicherlich interessanten Mietwohnungen im Herzen der Altstadt. Vor 2022 wird aber kaum jemand einziehen können. Bei der Vorstellung des Bauprojektes bekam ich endlich mal wieder jungen Eltz-Wein zu verkosten, einen Eltz 2017er Eltviller Langenstück Riesling Kabinett trocken. Natürlich gibt es das Weingut eigentlich nicht mehr, aber den Haustrunk mit dem eigenen Etikett schon. Der Wein stammte 2017 noch von Langwerth, wird im 2018er Jahrgang von Corvers-Kauter sein (der die meisten Langwerth-Lagen gepachtet hat) und ab 2019 von – das hat mir der Graf verraten – von Eva Fricke. Spannend. Es ist nur so verdammt schwer, an diese Weine ranzukommen…

Schamari-Mühle

Die beiden Seiteneinsteiger Peter & Werner Reck haben das Kleinod erworben, und dass die Schänke nun wieder geöffnet hat, ist ein Glücksfall für den Rheingau. Es gibt viele gastliche Mühlen in der Region, aber diese ist etwas Besonderes. Nirgendwo baumelt jedenfalls meine Seele so entspannt wie hier. Mein Lieblings-Riesling ist der 2018er aus dem Kläuserweg. Dass auf dem Etikett „Spätlese“ steht ist zwar genauso eine Verirrung wie die Nutzung der verdammenswerten Großlagen (Erntebringer!), doch der Wein ist klasse. Lecker auch der 2018er barriquebetonte Chardonnay (leider mit Lagenbezeichnung, obwohl das Holz jeden Terroir-Eindruck übertüncht), der Grauburgunder dagegen ohne Lage. Wer soll das verstehen? Die Pinot Noirs sind ohnehin eine Versuchung wert. Ich hatte das Vergnügen, auch 2013 Hölle La Déesse verkosten zu dürfen. Eine wohlige Offenbarung!

F.B. Schönleber

Immer eine Bank, immer Weine ohne Fehl und Tadel. Ein Sonderlob aber ist heute fällig für den 2018 Franz Bernhard Mittelheimer Ortswein und das 2018er „Beste Fass“ aus dem Mittelheimer Edelmann. Trinkfluss vom Feinsten! top!

Schumann-Nägler

Russische Eier und angebratenes russisches Tatar, das gibt es nur hier! Dazu unbedingt den 2015er Geisenheimer Rothenberg Riesling Erstes Gewächs trinken. Ein stoffiger, komplexer, außergewöhnlicher Wein mit markanter Aromatik.

Geisenheimer Lindenfest

ein wirklich schönes Fest, und dazu die Chance, die Weine von Dillmann, Sohns, Schumann-Nägler und der Hochschule Geisenheim direkt miteinander zu vergleichen. Ich habe es ausführlich getan, und kann mich schwer entscheiden. Am Ende hat Sohns jedenfalls die geschlossenste Kollektion, und die 2018er Lagenweine sind phänomenal gut geraten.

Öko-Weingut Hamm

In diesem Jahr feiern wir 30 Jahre Mauerfall, und vinologisch habe ich diese aufregende Zeit schon gewürdigt: Mit einem 1989er Winkeler Dachsberg Spätlese und einer 1990er Riesling Auslese aus der gleichen Lage… phänomenal. Weine mit Würde, Schmelz, Würze und Saftigkeit.

Staatsweingüter promillefrei

2018 VDP Sparkling – jetzt wagen sich auch die Staatsweingüter in den promillefreien Markt und stellen einen alkoholfreien Sekt vor. Die Grundweine in Spätlesequalität stammen aus Weinbergen rund um Eltville. Der Jahrgangs-Sekt ist somit eine Erzeugerabfüllung, hergestellt am Eltviller Standort der Sektkellereien Rotkäppchen-Mumm, die vor zwei Jahren in eine supermoderne Entalkoholisierungsanlage investiert haben. Eigentlich werden in diesem Blog nur Weine besprochen, die ich auch getrunken habe. Diesmal jedoch eine Ausnahme, denn es gab nur eine Pressemitteilung und (noch) keine Probeflasche. Zudem trinke ich nicht soooo gerne reinen Riesling-Sekt, und wenn, dann muss er brut, extra brut oder am besten brut nature sein und nicht 35g Restzucker haben! Und alle bisherigen Geschmackstests von alkoholfreien Sekten anderer Hersteller verliefen enttäuschend. Aber wenn ich den Stoff mal auf die Zunge bekomme, dann gibt es hier einen Nachtrag… versprochen!

Keine Schoppentrophy 2019?

Wegen der häufigen Nachfragen von Lesern sei an dieser Stelle nochmal klargestellt, dass es in diesem Jahr keine Schoppentrophy des Rheingauer Weinschmeckers um den besten „2018 Rheingau Riesling trocken“ geben wird. Meine Umfrage unter den Winzern im vergangenen Jahr hat leider ein weitgehendes Desinteresse offenbart. Von knapp 40 befragten Weingütern haben nur 20 Prozent überhaupt geantwortet – und die keineswegs immer nur positiv im Hinblick auf die Zukunft dieses bundesweit einzigartigen und für die Weingüter kostenlosen Wettbewerbs. Sollte sich diese Einstellung wieder ändern, könnte es aber durchaus eine Neuauflage geben.

Weintagebuch

Wein-Berg-Haus

Das putzige Weinberghäuschen von Diefenhardt am Waldrand oberhalb von Martinsthal habe ich von der B42 schon oft gesehen, war aber nie dort zu den raren Gelegenheiten, wenn es mal geöffnet war. Nun ist es an den Wochenenden regelmäßig bewirtschaftet! Augen auf, ob die Fahne davor weht… dann ist offen, also nichts wie hin. Ein schöner Aufstieg auf 250 Meter N.N. lockt mit dem Vorzug eines großartigen Blicks auf den vorderen Rheingau. Ein Hauch von alpinem Flair. Und nach dem lohnenswerten Aufstieg schmeckt der Diefenhardt 2018 Blanc de Noir trocken wunderbar süffig. Eine Bereicherung für den Rheingau, also hingehen!

Ein Hoch auf Hochheim

Das Hochheimer Weinfest feierte schon seinen 70. Geburtstag, und es scheint mit seinen 7 Bühnen und den vielen Weinständen noch immer quicklebendig. Sein Vorzug: In Hochheim beteiligt sich alles, was Rang und Namen hat, also auch die Weinschmecker-Betriebe Dorotheenhof und Mitter-Velten, aufstrebende Newcomer wie das Weinegg, sogar Schönborn hat seinen Hochheimer Hof geöffnet, dazu die VDP-Betriebe Domdechant Werner und Künstler. Ein ausgedehnter Gang durch Altstadt und Weinberg kann also anstrengend sein. Mein „Festwein“ fand sich aber schnell: Künstlers 2018 Hochheimer Stielweg Alte Reben trocken VDP.1. Lage: Stoffig, mineralisch elegant, guter Zug, Trinkfluss!

Weinelite beim Billigheimer

…so hatte ich meinen vielfach in sozialen Netzwerken geteilten Kommentar in der FAZ überschrieben, und die Reaktionen auf den Vertrieb eines vom Rüdesheimer VDP-Weingut Leitz erzeugten süffigen Rheingauer Alltagsweins zum Preis von 6,99 bei Aldi Süd zeigte wieder einmal allerlei Aufgeregtheiten. Weder habe ich Verständnis dafür, dass einem Winzer wie Leitz gewissermaßen Betrug unterstellt wird (durch Zweifel an der Erzeugerabfüllung) noch für jene Weinsektierer, nach deren fundamentalistischer Ansicht es ohnehin nur handgemachte Weine kleinster Manufakturen mit 0,1 Gramm Restzucker, am besten natural, orange, bio, öko und was sonst noch geben dürfte. In jedem Fall keine Weine für unbeschwerten Weingenuss…

Aber für alle, die diesen Blog den sozialen Netzwerken vorziehen, hier nochmal der Text aus der F.A.Z.

Weinelite bei Billigheimer

Die seit einiger Zeit zu beobachtende Aufrüstung der Weinregale im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel spiegelt die wachsende Bedeutung des Marktes wider. Beim Wettbewerb mit dem Lifestyle-Produkt Wein will kein Händler zurückstehen, denn es bietet die Chance der Profilierung und Abgrenzung. Manche Weinabteilung bei Rewe stellt nach Auswahl und Qualität inzwischen sogar spezialisierte Fachhandelsgeschäfte in den Schatten. Der bedeutendste Weinhändler aber ist Aldi, über dessen Theke in Deutschland jede vierte Flasche Wein geht. Aldi bleibt dabei seiner Strategie treu, größtmögliche Qualität zum niedrigstmöglichen Preis anzubieten. Die Kooperation mit dem Rüdesheimer Johannes Leitz ist vor diesem Hintergrund ein gelungener Coup. Rund sieben Euro für einen Rheingauer Riesling, hinter dem nicht – wie bei Günter Jauch – nur ein imageträchtiger Name steht, sondern das uneingeschränkte Qualitätsversprechen eines deutschen Spitzenwinzers, das ist neu. Und es ist ein für beide Seiten lukratives Geschäft. Dass damit auch der VDP-Adler, das geflügelte Qualitätssignet der selbsternannten deutschen Weinelite, im Aldi-Regal gelandet ist, findet nicht jeder Leitz-Kollege und Prädikatswinzer gut. Der VDP sähe es lieber, wenn diese Weine zu höheren Preisen in Verkaufsstätten offeriert würden, die nicht das Image des Billigheimers haben. Doch Preisvorgaben eines Verbandes verbietet schon das Kartellrecht. Und Aldi ist für Leitz ein verlässlicher Partner. Ärgern werden sich vielleicht auch jene kleinen Familienbetriebe im Rheingau und darüber hinaus, die mühsam um jede kleine Preiserhöhung für ihren Wein gegenüber den kritischen Privatkunden kämpfen. Diese Kunden können nun auf den VDP-Wein eines Spitzenwinzers zum Kampfpreis verweisen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Wenn Aldi Süd in den Filialen die Masse seiner Weine für unter drei Euro je Flasche losschlägt, dann ist ein mehr als doppelt so teurer Rheingauer Riesling ein Signal an die Masse der Aldi-Kunden, dass Riesling aus deutschen Landen etwas Besonderes ist. Aldi senkt zudem die Hemmschwelle für jene, die immer noch meinen, auf einem Weinetikett müsse vorzugsweise „Chateau XY“ oder „Pinot Grigio“ stehen, damit man ihn ohne die Gefahr einer Blamage selbstbewusst vor Freunden öffnen darf. Vielleicht gewinnt der deutsche Wein auch auf diesem Weg in den zurückliegenden Jahren verlorene Regalplätze bei Discountern und im Lebensmittelhandel zurück. Ein Wein über fünf Euro ist für Aldi-Käufer schon ein Premiumprodukt. Wenn er mit dem Kauf eines Leitz-Weines lernt, dass nicht nur ein Brunello in diesen Preisregionen sein Geld wert ist, dann ist das zumindest für den Rheingauer Riesling insgesamt ein Gewinn. (F.A.Z. vom 12.Juli)

Verkostungsnotizen

Ristorante von Oetinger

Ja, Italiener haben die Gastgeberrolle einfach drauf, und Familie Contino macht da im gepachteten Restaurant des VDP-Weinguts Von Oetinger keine Ausnahme. Und wenn der Chef auf zarte Nachfrage des Kunden mal schnell in den Keller geht und eine gut gekühlte Flasche Riesling Großes Gewächs aus dem Jahrgang 2012 aus dem Hut zaubert, dann ist das Glück im Hof an einem lauen Sommerabend vollkommen. Ein fein gereifter Tropfen, zarte Cremigkeit, perfekt balancierte Säure, Aromen gelber Früchte wie Birne und Marille, guter Trinkfluss. Klasse, und der Schwertfisch vom Grill dazu war von allererster Güte.

Anleger 511

… am Eltviller Rheinufer immer einer meiner Lieblingsplätze. Und es lohnt ein tiefer Blick in fair kalkulierte Flaschenweinkarte. Wegeler 2015 Jesuitengarten Riesling Großes Gewächs beispielsweise, ein Wein mit Schmelz und beginnender Reife, sehr voll, tiefgründig, feine Mineralität mit gutem Zug. Aber es geht sogar noch besser: P.J. Kühn, 2015 Oestricher Doosberg Großes Gewächs, ein Wein wie ein Samurai-Schwert: präzise, kühl, klar, messerscharf, dabei großartiger Trinkfluss. Genial gut.

Schloss Vaux Reserve brut und Sauvignon blanc brut

Neben dem Weinstand von Koegler (2014 Pinot Noir!) war der Sektstand von Schloss Vaux wieder das Highlight des Eltviller Sekt- und Wein-Festes am Rheinufer… einmal mehr hat der Fest-Besucher das Hinscheiden von Langwerth von Simmern vermisst. Weingut tot, Hof geschlossen, ein Jammer! Aber der Sekt von Vaux ist einfach eine Bank…

Staatsweinkellerei Eberbach

2018 Spätburgunder Rosé – 3 l Bag in Box ! Vielleicht muss das (auch außerhalb Skandinaviens) heutzutage wirklich unbedingt sein, aber trotzdem: Für mich ist vor allem der Inhalt eine Beleidigung des preußischen Adlers, der als Werbefigur auf farblich merkwürdig gestalteten Box seine Schwingen breitet… War der Adler nicht schon mal als Verkaufshemmnis identifiziert und von den Flaschen nahezu getilgt und durch die Eberbach-Skyline ersetzt worden? Und nun taucht er als Phoenix aus der Plörre auf? Sorry, aber das geht gar nicht. Nix gegen Kellerei-Weine für preissensible Gelegenheitstrinker! Aber der Adler darf dafür nicht verheizt werden. Auf diesem Karton hat er jedenfalls nix verloren, der Rest kann so bleiben…

Das Wunder von der Saar

Roman Niewodniczanski habe ist das erste Mal 2004 kennengelernt. Einen Mann mit einem Redefluss wie ein Wasserfall. Ein Besessener und ein Missionar des Saarweins. Ein Getriebener in Sachen Qualität.

Ich habe damals ein paar Flaschen aus der 2003er Kollektion gekauft, nach er vollmundig eine „Zehn-Jahres-Garantie“ abgegeben hatte. Einlösen musste er sie nicht, der Wein war top auch noch nach Jahren.

20 Jahre nach dem Kauf von Van Volxem hat der Spross aus der Bitburger-Dynastie jetzt auf dem Wiltinger Schlossberg seine Kathedrale für den Saar-Riesling offiziell eröffnet. Hinfahren und staunen! Sehr imposant, sehr durchdacht, typisch Niewodniczanski, würde ich mal sagen. Der Standort ist top gewählt, Rheingauer Kulturlandschaftsschützer würden aber unter Schreikrämpfen leiden. Aber der Bau ist ein Gewinn für die Saar und für den deutschen Wein. Mehr davon in deutschen Landen wäre wünschenswert!

Der Eröffnungstag war natürlich völlig überlaufen, ich schätze mal 1500 Besucher, die durch den neuen Fasskeller, der sich erst allmählich füllen wird, gestolpert sind. Das Weingut ist inzwischen auf 90 Hektar gewachsen, „Niewo“ scheint mir mit den Jahren etwas abgeklärter und ruhiger geworden zu sein, auch wenn ich seine hitzige Aufregung schätze, mit der er mir gegenüber beim letzten Riesling Symposium im Rheingau über die These der Geisenheimer Wissenschaftler ätzte, „Alte Reben“ seien nix Besonderes… Da war der Blutdruck ganz oben…. Leider gab es zur Eröffnung seines Weinguts nur eine sehr, sehr eingeschränkte Auswahl zu kosten, das war sehr schade. Immerhin, der 2018er Wiltinger Ortswein und der 2018 „Van Volxem Alte Reben“ gaben einen Hinweis, dass ich unbedingt mal die ganze Range verkosten sollte. Auf ein Wiedersehen an der Saar!

Verkostungsnotizen

Weingut Manz, Weinolsheim

2017 Silvaner Alte Reben trocken – ein guter Wein mit Trinkfluss. Das Weingut habe ich immer auf dem Radar, wenn ich Weine in Rheinhessen trinke. Diesmal allerdings in Limburg! Eine kleine Tour an die Lahn führte auch in die Bischofsstadt, wo alte „Bekannte“ das „Tafelspitz“ führen: Familie Held, die lange Jahre mit großem Elan Fendels Gutsschänke in Rüdesheim führten und zu einem kulinarischen Magneten entwickelten, haben dort ein kleines Hotel mit Restaurant direkt am Rand der Altstadt gepachtet. Das ist durchweg mit seiner saisonalen Küche und seinem freundlichen Service zu empfehlen. Und der Silvaner von Manz mit dem Duft reifer Äpfel und Aromen von Birne und Pfirsich passte hervorragend zum Cordon Bleu von der Eifler Wutz.

Schloss Johannisberg,  Johannisberg

2018 Riesling „Gelblack“ trocken – sozusagen der fruchtig-trockene Hauswein des diesjährigen Sommerfestes des Rheingau Musik Festivals, das 2019 unter dem Motto „Woodstock“ stand. Schließlich wurde das legendäre Festival vor 50 Jahren gefeiert, wenn auch nicht in Woodstock, sondern im 70 Kilometer entfernten Bethel. Hoch „Vera“ heizte allen 2300 Gästen tüchtig ein, der fruchtig-frische „Gelblack“, den das Schloss ungewöhnlich früh im Jahr schon als 2018er abgefüllt und ins Verkaufsregal gestellt hat, wurde im Glas schneller warm, als wir ihn vernünftigerweise hätten trinken sollen.

Dennoch ein schöner Abend, und Kompliment an Hessenlotto: Der Vorempfang im Garten des Schlosses hatte Stil!

Schloss Schönborn, Hattenheim

Bahnt sich mit dem Jahrgang 2018 bei Schönborn ein Stilwechsel an? Das Sommerfest im Weingut bot jedenfalls die Gelegenheit zur Jahrgangsprobe, und die bot durchaus erfreuliche Überraschungen. Die Weine erschienen mir präziser, klarer, feinfruchtiger als in den Vorjahren… Das könnte ein erfreuliches Vorzeichen sein, dass Schönborn wieder an Stärke gewinnt, aber warten wir ab. Besonders gut haben mir die 2018er Lagenweine aus der Hochheimer Hölle, dem Geisenheimer Kläuserweg und dem Rüdesheimer Rottland gefallen. Das verspricht Spannung, wenn Ende August die Großen Gewächse vorgestellt und ab September verkauft werden. Nach der Vorankündigung könnte es im Herbst sogar deren 5 (!) geben: Domdechaney, Marcobrunn, Pfaffenberg, Hasensprung und Schlossberg.  Die Folge des Füllhorns bester Lagen im Rheingau.

Langwerths Erben

Das Weingut Langwerth von Simmern ist Geschichte, die Umgestaltung des Langwerthers Hofes in der Eltviller Altstadt nimmt planerisch Konturen an. Mit dem Wein geht die Veränderung schneller. Die Weingüter Höhn und Corvers-Kauter sind gewissermaßen die Erben Langwerths, und was sie bislang aus den Spitzenlagen des Traditionsweinguts, das ausgerechnet den 555. Jahrgang nicht mehr erlebt hat, produziert haben, verdient Anerkennung. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn, jeweils Riesling trocken, von Höhn, das sind zwei Weine, die erst kürzlich verkostet habe und die ich in dieser Güte von Langwerth nicht in Erinnerung habe. Und der 2018er Baiken von Matthias Corvers ist ein Weine voller Komplexität und Finesse bei gleichzeitig großem Trinkfluss. Das gilt auch für den Nussbrunnen und andere Weine aus ehemals Langwerther Lagen, die Corvers gepachtet und die Höhn gekauft hat. So kann es weitergehen! Eine Verlust für die deutsche Weinkultur bleibt es trotzdem!

Rheingau Update: Kometen & Sterne

Für alle die, die mein beliebtes Update in der RMF-Beilage der FAZ-Sonntagszeitung verpasst haben, hier nochmal die Tipps: Gastronomisch liegt hinter dem Rheingau wieder ein aufregendes Jahr. In Kiedrich ging sogar ein Stern nieder. Neue Weinbars erschienen wie Kometen am vinologischen Firmament der Weinregion und erwiesen sich doch nur als kurzlebige Sternschnuppen. Beliebte Weinschänken wurden geschlossen, andernorts wurden sie grundlegend renoviert und mit erfreulichem Elan neu eröffnet Für die Festivalbesucher gibt es wieder vielfältige Chancen, Neues zu entdeckten oder Bewährtem zu vertrauen.

Weinbar im Draiser Hof Zugegeben, mancher Gast fremdelt ein wenig mit der modernen Architektur der neuen Vinothek auf dem Draiser Hof des Traditionsweinguts Baron Knyphausen. Doch dass der Vinothek eine Weinbar angegliedert wurde, ist eine Bereicherung und tröstet ein wenig über den Verlust des mit großen Hoffnungen eröffneten und allzu früh wieder geschlossenen „Heinrichs“ in Eltville hinweg. Die Weinbar 1818 hat zudem den Vorteil eines großzügigen Parkplatzangebots und nicht den Nachteil allzu ruhebedürftiger Nachbarn. Die Küche offeriert kleine Köstlichkeiten im Tapas-Stil, dazu eine reiche Auswahl aus dem Sortiment des VDP-Weingutes. Darunter seien der Erbach Ortswein und der „„Gemischte Satz“ als vinologische Besonderheit empfohlen. „Weinbar 1818“ im Weingut Knyphausen, Erbacher Straße 28 in Eltville-Erbach, www.baron-knyphausen.de, geöffnet am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag ab 17 Uhr, samstags und sonntags ab 12.30 Uhr

Alles neu bei Keßler Jede Generation verwirklicht ihre eigenen Ideen und findet ihren eigenen Stil. Im Martinsthaler Familienweingut Keßler geben jetzt Tina und Stefan Keßler den Ton an. Sie haben die traditionelle Schänke behutsam, aber grundlegend und sehr ansprechend modernisiert. Die kulinarische Linie wurde gewandelten Ansprüchen angepasst und paart sich bestens mit den fruchtigen Riesling und den tiefgründigen Spätburgundern. Zudem zeigt die Qualitätskurve bei der Güte der Weine deutlich nach oben. Die trockene Riesling Spätlese und der neue Sauvignon blanc aus dem herausragenden Jahrgang 2018 sind dafür zwei sehr gute Beispiele. Der große Publikumszuspruch bestätigt das Konzept. Eine Reservierung vorab ist dringend zu empfehlen, denn Martinsthal hat einen neuen Anziehungspunkt. „Keßler Wein & Genuss“, Heimatstraße 18 in Martinsthal, geöffnet dienstags bis samstags ab 16 Uhr, www.weingut-kessler.de

Burger im Zehntenhof Manchmal muss es einfach herzhaft sein. Der schöne Zehntenhof in Winkel gehört zu den imposanten Winzerhäusern entlang der engen Hauptstraße. Hier liegt das Weingut Johannes Ohlig, das für seine geradlinigen und fruchtbetonten Rieslinge bekannt ist. Winzer Johannes Ohlig sieht sich nicht in der Rolle des Gastronomen, weshalb die schöne Gaststube nebst dem urigen, windgeschützten Innenhof verpachtet ist. Hier führt seit gut einem Jahr Filippo Contino Regie, Spross einer italienischen Gastronomiefamilie, die Rheingau-Kennern aus dem „Oetinger“ in Erbach schon bekannt ist. Der Geheimtipp in Winkel sind Burger, die von Erzeugnissen amerikanischer Fast-food-Ketten genauso weit entfernt sind wie Ohligs feiner Riesling von einem Pinot Grigio von der Resterampe. Filis´s im Zehntenhof, Hauptstraße 68 in Oestrich-Winkel, geöffnet Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 und von 17.30 bis 23 Uhr, samstags von 17.30 bis 23 Uhr, sonntags von 12 bis 22 Uhr, www.filis-restaurant.de

Feiner Pinot in der Mühle Eine malerische alte Mühle, umgeben von Wiesen und Weiden, an einem plätschernden Bach. Es ist ein kleines Rheingauer Paradies, das vor zwei Jahren Werner und Peter Reck übernommen haben. Zwei Seiteneinsteiger, die viel Leidenschaft für Riesling und Spätburgunder mitbringen. Die gute Stube nimmt den Gast auf eine Zeitreise einige Jahrzehnte in die Vergangenheit mit. Besonders schön sitzt es sich allerdings im idyllischen Garten, um die Seele baumeln zu lassen. Schamari-Mühle, Grund 65 in Geisenheim, www.schamari.de, geöffnet am Donnerstag, Freitag und Montag ab 17 Uhr, samstags und sonntags schon ab 15 Uhr

Slow Food in Mittelheim Nicht mehr nur Edelmann und Doosberg, sondern jetzt auch Baiken und Nussbrunnen. Im vergangenen Jahr hat das Mittelheimer Weingut Corvers-Kauter den größten Teil der Weinberge des Weinguts Langwerth von Simmern gepachtet, dessen adelige Eigentümer den Weinbau nach 554 Jahren in Familienhand zum Jahresende aufgeben haben. Das Weingut ist verkauft und wird bald grundlegend umgestaltet. Corvers-Kauter zählt jetzt mit mehr als 30 Hektar Rebfläche zu den großen Familienbetrieben der Region. Die neue Weinkollektion ist überzeugend. Am beste verkosten sie sich in der Schänke von Brigitte Corvers mit ihrer abwechslungsreiche saisonale, regionalen und der Slow Food-Philosophie folgenden Küche. Weingut Corvers-Kauter, Rheingaustraße 129 in Mittelheim, geöffnet Mittwoch bis Freitag von 17 Uhr, Samstag und Sonntag ab 15 Uhr, www.corvers-kauter.de

Groenesteyn mit einem Stern Das ging kometenhaft schnell. Mancher ehemalige Stammgast der viel zu lange geschlossenen Weinschänke Schloss Groenesteyn hatte nach der Wiedereröffnung noch gar keine Gelegenheit zu einem ersten Besuch, da waren die anspruchsvollen Tester des Guide Michelin schon wieder weg und hatten einen Stern vergeben. Es ist eine schnelle, aber verdiente Ehrung für Amila Begic und vor allem für Küchenchef Dirk Schröer, der nach dem Engagement auf Burg Schwarzenstein und nach einer Stippvisite in der Schlossschänke Johannisberg nun in Kiedrich heimisch geworden ist. Die Kombination aus qualitätsbewusster, ungekünstelter, regionaler, gehobener Küche überzeugt, zumal die Gerichte von besten Weinen aus dem Rheingau begleitet werden können. Weinschänke Schloss Groenesteyn, Esskultur + Wein. Oberstraße 36/37 in Kiedrich, Telefon 06123/ 1533, www.weinschaenke-schlossgroenesteyn.de

Von der Weinbar zur Weinschänke Das „Y“ steht bei Deutschlands einzigem türkischen Weinmacher und Sommelier für guten Wein. Ahmet Yildirim, lange Jahre Sommelier im Johannisberger Weingut Trenz, ist mit seiner Weinmarke auf Erfolgskurs. Der provisorische, aber reizvolle Y-Store wurde in diesem Jahr grundlegend saniert. Aus der kleinen Vinothek mit Weinbar wurde ein schickes kleines Restaurant mit feiner, anspruchsvoller Küche. Nur gut, das es auch Klassiker wie die Schinkenplatte und den Käseteller gibt, um die Y-Weine und die der mit Yildirim kooperierenden Winzer zu verkosten. Oder man verlasse sich ganz auf die Empfehlungen von Gastgeberin Simone Schiller. „Y Wine & Kitchen“, Rheingauer Straße 22 in Eltville, geöffnet Dienstag bis Samstag von 17.30 bis 24 Uhr, www.y-sommelier.de

Wisperforelle zum Riesling Lorch ist manchem Weinfreund aus Taunus, Wiesbaden und Frankfurt einfach zu weit, obwohl die Bahn einen stündlichen Service bietet. Dabei hat Lorch eine hohe Dichte herausragend guter Weingüter zu bieten. Und obwohl die Schänke des Weinguts Altenkirch nach der Übernahme durch das Rüdesheimer Weingut Breuer jetzt geschlossen ist, gibt es weiterhin einen besonders lohnenswerten Anlaufpunkt: Die „Weinwirtschaft“ der Winzerbrüder Laquai. Ein anmutiges Fachwerkhaus und ein kleiner lauschiger Garten bilden eine perfekte Riesling-Tankstelle im westlichsten Zipfel Hessens. Besonders empfehlenswert: Die Forellen aus dem Wisperbach und Variationen von Wild, erlegt in den umliegenden Wäldern. Die mineralischen Rieslinge spiegeln die herausragende Güte der Lorcher Lagen wider, und der Spätburgunder zählt zu den Besten der Region. Weinwirtschaft Laquai, Schwalbacher Straße 20-22 in Lorch, www.weingut-laquai.de, geöffnet Mittwoch bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 15 Uhr

Bronzelack am Goetheblick Auf Schloss Johannisberg hat sich viel getan in jüngerer Vergangenheit. Unter neuer Leitung wurden die Rebfläche arrondiert, das lange zugehörige Weingut G.H. von Mumm quasi abgewickelt, ein neuer Keller unter dem Schloss und eine neue Kelterhalle am Cuvéehof gebaut. Das Weinsortiment wurde gestrafft und um einen „Bronzelack“-Riesling bereichert, der zwischen Gelb- und Silberlack das Potential des Schlosses zeigt. Etabliert hat sich im zweiten Jahr der Goetheblick als Treffpunkt der Rieslingfreunde. Der Ausschank wurde auf die andere Seite des Weges verlegt, was eine gute Idee war und den Charme eines der schönsten Aussichtspunkte noch einmal erhöht hat. Mit einem „Bronzelack“ in der Hand den atemberaubenden Blick ins Tal genießen, mehr Glückseligkeit ist an einem schönen Tag nur schwer vorstellbar. Ausschank „Goetheblick“ am Schloss Johannisberg in Geisenheim-Johannisberg, geöffnet bei gutem Wetter nur am Wochenende, www.schloss-johannisberg.de

Sauvignon beim „Wibbes“ Es gibt sie noch, die urigen Gaststuben mit traditionellem Ambiente, die das Bild der Rheingauer Schänken über Jahrzehnte geprägt haben. Doch auch an ihnen geht die Zeit nicht spurlos vorüber. „Wibbes“ ist der Spitzname des Kiedricher Bürgermeister Winfried Steinmacher, und in seiner Freizeit führt er ein typisches Rheingauer Familienweingut. Die Schänke „Zum Wibbes“ ist bei Einheimischen wie Gästen gleichermaßen beliebt, was im Rheingau immer ein gutes Zeichen ist. Die Küche ist regional, eher deftig und gut auf die Weine von Steinmacher abgestimmt, deren Güte in den zurückliegenden Jahr schmeckbar zugelegt hat. Der Riesling aus „Alten Reben“ ist immer eine Bank, und der neu gepflanzte Sauvignon blanc ist der Stolz des Winzers. Gutsschänke „Zum Wibbes“ im Weingut Jakob Steinmacher & Sohn, Eltviller Straße 39 in Kiedrich, Telefon 06123-9829398, www.www.gutsausschank-zum-wibbes.de, geöffnet dienstags bis samstags ab 16 Uhr, sonntags ab 12 Uhr

Mit historischem Flair und Ambiente In einem besonders schönen Fachwerk in Eltville-Erbach residiert seit einigen Jahren das Weingut Crass. Hier herrscht Rheingauer Gemütlichkeit mit Stil und Flair. Wer liebevoll hergerichtete, historische Gemäuer mag, ist hier richtig. Jeder Balken und jeder Stein vermittelt ein Stück Rheingauer Geschichte. Die gehobene Schänke bietet eine schöne Auswahl aus dem Sortiment von Crass, dessen Weine perfekt zur regional und saisonal ausgerichteten Küche mit Anspruch passen. Hier wird frisch gekocht, weshalb der Gast der Küche auch die nötige Zeit zugestehen sollte. Eine Erstes Gewächs aus dem Erbacher Siegelsberg wäre der perfekt Zeitvertreiber. Weingut Crass, Taunusstraße 2 in Eltville-Erbach, Telefon 06123-9348960, www.weingut-crass.de, geöffnet Montag und Donnerstag bis Samstag ab 17 Uhr, am Sonntag ab 11.30 Uhr

Gaja

Gaja 4 Buchstaben, 3 Weingüter, 250 Hektar Weinberge in Langhe, Bolgheri und Montalcino, 1 Legende. Gaja wird oft in einem Atemzug mit anderen Legenden der Weinwelt genannt, egal ob Krug in der Champagne oder DRC im Burgund. Es zeichnet das Rheingau Gourmet und Wein-Festival aus, dass es HB Ullrich immer gelingt, Weine solcher Giganten zu Tastings auszuschenken. Diesem Erfolg verdanke ich einige schöne und imposante Erlebnisse. Diesmal also Gaia, und Gaia Gaja aus dem Familenunternehmen ließ nicht nur die Weine für sich sprechen, sondern erläuterte fast 90 Minuten lang Geschichte, Philosophie und Anbau von Gaja bis hin zum Wassermanagement in den Weinbergen im Zeichen des Klimawandels und zur Rolle der Bienen in der Natur. Eingeschenkt wurden sieben Weine darunter zwei Weiße, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben: Der 2017er Rossj-Bass Langhe DOP, eine Cuvée aus Chardonnay und Sauvignon blanc, fiel durch eine sehr intensive, kräuterige und würzige Aromatik auf, reiche florale Noten, im Abgang allerdings sehr kurz. Insgesamt mäßiger Trinkfkluss, für meinen Geschmack liegt der Sauvignon-Anteil zu hoch. 2017 Vistamare Toscana IGP ist eine Cuvée aus Vermentino und (für mich viel zu viel) Viognier. Recht opulent, expressiv und „laut“, florale bis leicht parfümige Noten, ein sicherlich guter Essensbegleiter, der „solo“ für mich keine Option wäre. Aber gekommen sind wir ja wegen der Roten (alle 2014, alle 100% aus der Nebbiolo-Traube!): der „Barbaresco“ sehr gewürzig, viel Waldfrucht, deutliche Tanine, wirkt noch sehr jung und sehr kantig und hart, schöner Nachhall. Deutlich stärker der Sori Tildin Barbaresco DOP mit mineralischen Anklängen, guter Säure, straff, entfaltet guten Druck am Gaumen, kein Charmeur. Noch weniger der Costa Russi Barbaresco DOP, der für meine Geschmack viel zu säurebetont daherkommt, mit einer reichhaltigen samtigen Frucht, die jedoch alle Komplexität überdeckt. Mein Favorit an diesem Nachmittag ist der Sori San Lorenzo Barbaresco DOP dank seiner Eleganz, seinen feinen Taninen, einem guten Trinkfluss, der erdige Noten mit Spuren von Tabak und Lakritz offenbart, dabei weich und würzig, ohne an Straffheit und Präzision zu verlieren. Großer Wein. Die Favoritenrolle hätte ich eigentlich dem Sperss Barolo DOP zugebilligt, der mit seiner weichen, sehr fruchtbetonten Art (viel Lakritz, Teer und Tabak sowie Kirsche) und seinem langen Nachhall gut gefällt, aber nicht die Präzision des Sori San Lorenzo zeigt. auch der „Conteisa“ Barolo DOP“ kann sich trotz einer gewissen Sinnlichkeit, trotz betörender Kirsche, seinen floralen Noten und kräuterigen Akzenten nicht an die Spitze setzen. Unter dem Strich viel zu junge Weine, die (noch) nicht ihre Klasse zeigen konnten. Schöner wäre eine Vertikalprobe beispielsweise des Sperss oder des Sori San Lorenzo gewesen, die nachdrücklich das von Gaja in den Vordergrund gestellte Alterungspotential nachvollziehbar bewiesen hätte. So blieb bei mir am Ende ein zwiespältiger Eindruck und die Frage offen, ob Gaja jenseits des Mythos sein Geld von 400 und mehr Euro je Flasche wert ist, sofern man Geduld und den richtigen Keller dafür hat.