Keine Schoppentrophy 2019?

Wegen der häufigen Nachfragen von Lesern sei an dieser Stelle nochmal klargestellt, dass es in diesem Jahr keine Schoppentrophy des Rheingauer Weinschmeckers um den besten „2018 Rheingau Riesling trocken“ geben wird. Meine Umfrage unter den Winzern im vergangenen Jahr hat leider ein weitgehendes Desinteresse offenbart. Von knapp 40 befragten Weingütern haben nur 20 Prozent überhaupt geantwortet – und die keineswegs immer nur positiv im Hinblick auf die Zukunft dieses bundesweit einzigartigen und für die Weingüter kostenlosen Wettbewerbs. Sollte sich diese Einstellung wieder ändern, könnte es aber durchaus eine Neuauflage geben.

Weintagebuch

Wein-Berg-Haus

Das putzige Weinberghäuschen von Diefenhardt am Waldrand oberhalb von Martinsthal habe ich von der B42 schon oft gesehen, war aber nie dort zu den raren Gelegenheiten, wenn es mal geöffnet war. Nun ist es an den Wochenenden regelmäßig bewirtschaftet! Augen auf, ob die Fahne davor weht… dann ist offen, also nichts wie hin. Ein schöner Aufstieg auf 250 Meter N.N. lockt mit dem Vorzug eines großartigen Blicks auf den vorderen Rheingau. Ein Hauch von alpinem Flair. Und nach dem lohnenswerten Aufstieg schmeckt der Diefenhardt 2018 Blanc de Noir trocken wunderbar süffig. Eine Bereicherung für den Rheingau, also hingehen!

Ein Hoch auf Hochheim

Das Hochheimer Weinfest feierte schon seinen 70. Geburtstag, und es scheint mit seinen 7 Bühnen und den vielen Weinständen noch immer quicklebendig. Sein Vorzug: In Hochheim beteiligt sich alles, was Rang und Namen hat, also auch die Weinschmecker-Betriebe Dorotheenhof und Mitter-Velten, aufstrebende Newcomer wie das Weinegg, sogar Schönborn hat seinen Hochheimer Hof geöffnet, dazu die VDP-Betriebe Domdechant Werner und Künstler. Ein ausgedehnter Gang durch Altstadt und Weinberg kann also anstrengend sein. Mein „Festwein“ fand sich aber schnell: Künstlers 2018 Hochheimer Stielweg Alte Reben trocken VDP.1. Lage: Stoffig, mineralisch elegant, guter Zug, Trinkfluss!

Weinelite beim Billigheimer

…so hatte ich meinen vielfach in sozialen Netzwerken geteilten Kommentar in der FAZ überschrieben, und die Reaktionen auf den Vertrieb eines vom Rüdesheimer VDP-Weingut Leitz erzeugten süffigen Rheingauer Alltagsweins zum Preis von 6,99 bei Aldi Süd zeigte wieder einmal allerlei Aufgeregtheiten. Weder habe ich Verständnis dafür, dass einem Winzer wie Leitz gewissermaßen Betrug unterstellt wird (durch Zweifel an der Erzeugerabfüllung) noch für jene Weinsektierer, nach deren fundamentalistischer Ansicht es ohnehin nur handgemachte Weine kleinster Manufakturen mit 0,1 Gramm Restzucker, am besten natural, orange, bio, öko und was sonst noch geben dürfte. In jedem Fall keine Weine für unbeschwerten Weingenuss…

Aber für alle, die diesen Blog den sozialen Netzwerken vorziehen, hier nochmal der Text aus der F.A.Z.

Weinelite bei Billigheimer

Die seit einiger Zeit zu beobachtende Aufrüstung der Weinregale im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel spiegelt die wachsende Bedeutung des Marktes wider. Beim Wettbewerb mit dem Lifestyle-Produkt Wein will kein Händler zurückstehen, denn es bietet die Chance der Profilierung und Abgrenzung. Manche Weinabteilung bei Rewe stellt nach Auswahl und Qualität inzwischen sogar spezialisierte Fachhandelsgeschäfte in den Schatten. Der bedeutendste Weinhändler aber ist Aldi, über dessen Theke in Deutschland jede vierte Flasche Wein geht. Aldi bleibt dabei seiner Strategie treu, größtmögliche Qualität zum niedrigstmöglichen Preis anzubieten. Die Kooperation mit dem Rüdesheimer Johannes Leitz ist vor diesem Hintergrund ein gelungener Coup. Rund sieben Euro für einen Rheingauer Riesling, hinter dem nicht – wie bei Günter Jauch – nur ein imageträchtiger Name steht, sondern das uneingeschränkte Qualitätsversprechen eines deutschen Spitzenwinzers, das ist neu. Und es ist ein für beide Seiten lukratives Geschäft. Dass damit auch der VDP-Adler, das geflügelte Qualitätssignet der selbsternannten deutschen Weinelite, im Aldi-Regal gelandet ist, findet nicht jeder Leitz-Kollege und Prädikatswinzer gut. Der VDP sähe es lieber, wenn diese Weine zu höheren Preisen in Verkaufsstätten offeriert würden, die nicht das Image des Billigheimers haben. Doch Preisvorgaben eines Verbandes verbietet schon das Kartellrecht. Und Aldi ist für Leitz ein verlässlicher Partner. Ärgern werden sich vielleicht auch jene kleinen Familienbetriebe im Rheingau und darüber hinaus, die mühsam um jede kleine Preiserhöhung für ihren Wein gegenüber den kritischen Privatkunden kämpfen. Diese Kunden können nun auf den VDP-Wein eines Spitzenwinzers zum Kampfpreis verweisen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Wenn Aldi Süd in den Filialen die Masse seiner Weine für unter drei Euro je Flasche losschlägt, dann ist ein mehr als doppelt so teurer Rheingauer Riesling ein Signal an die Masse der Aldi-Kunden, dass Riesling aus deutschen Landen etwas Besonderes ist. Aldi senkt zudem die Hemmschwelle für jene, die immer noch meinen, auf einem Weinetikett müsse vorzugsweise „Chateau XY“ oder „Pinot Grigio“ stehen, damit man ihn ohne die Gefahr einer Blamage selbstbewusst vor Freunden öffnen darf. Vielleicht gewinnt der deutsche Wein auch auf diesem Weg in den zurückliegenden Jahren verlorene Regalplätze bei Discountern und im Lebensmittelhandel zurück. Ein Wein über fünf Euro ist für Aldi-Käufer schon ein Premiumprodukt. Wenn er mit dem Kauf eines Leitz-Weines lernt, dass nicht nur ein Brunello in diesen Preisregionen sein Geld wert ist, dann ist das zumindest für den Rheingauer Riesling insgesamt ein Gewinn. (F.A.Z. vom 12.Juli)

Verkostungsnotizen

Ristorante von Oetinger

Ja, Italiener haben die Gastgeberrolle einfach drauf, und Familie Contino macht da im gepachteten Restaurant des VDP-Weinguts Von Oetinger keine Ausnahme. Und wenn der Chef auf zarte Nachfrage des Kunden mal schnell in den Keller geht und eine gut gekühlte Flasche Riesling Großes Gewächs aus dem Jahrgang 2012 aus dem Hut zaubert, dann ist das Glück im Hof an einem lauen Sommerabend vollkommen. Ein fein gereifter Tropfen, zarte Cremigkeit, perfekt balancierte Säure, Aromen gelber Früchte wie Birne und Marille, guter Trinkfluss. Klasse, und der Schwertfisch vom Grill dazu war von allererster Güte.

Anleger 511

… am Eltviller Rheinufer immer einer meiner Lieblingsplätze. Und es lohnt ein tiefer Blick in fair kalkulierte Flaschenweinkarte. Wegeler 2015 Jesuitengarten Riesling Großes Gewächs beispielsweise, ein Wein mit Schmelz und beginnender Reife, sehr voll, tiefgründig, feine Mineralität mit gutem Zug. Aber es geht sogar noch besser: P.J. Kühn, 2015 Oestricher Doosberg Großes Gewächs, ein Wein wie ein Samurai-Schwert: präzise, kühl, klar, messerscharf, dabei großartiger Trinkfluss. Genial gut.

Schloss Vaux Reserve brut und Sauvignon blanc brut

Neben dem Weinstand von Koegler (2014 Pinot Noir!) war der Sektstand von Schloss Vaux wieder das Highlight des Eltviller Sekt- und Wein-Festes am Rheinufer… einmal mehr hat der Fest-Besucher das Hinscheiden von Langwerth von Simmern vermisst. Weingut tot, Hof geschlossen, ein Jammer! Aber der Sekt von Vaux ist einfach eine Bank…

Staatsweinkellerei Eberbach

2018 Spätburgunder Rosé – 3 l Bag in Box ! Vielleicht muss das (auch außerhalb Skandinaviens) heutzutage wirklich unbedingt sein, aber trotzdem: Für mich ist vor allem der Inhalt eine Beleidigung des preußischen Adlers, der als Werbefigur auf farblich merkwürdig gestalteten Box seine Schwingen breitet… War der Adler nicht schon mal als Verkaufshemmnis identifiziert und von den Flaschen nahezu getilgt und durch die Eberbach-Skyline ersetzt worden? Und nun taucht er als Phoenix aus der Plörre auf? Sorry, aber das geht gar nicht. Nix gegen Kellerei-Weine für preissensible Gelegenheitstrinker! Aber der Adler darf dafür nicht verheizt werden. Auf diesem Karton hat er jedenfalls nix verloren, der Rest kann so bleiben…

Das Wunder von der Saar

Roman Niewodniczanski habe ist das erste Mal 2004 kennengelernt. Einen Mann mit einem Redefluss wie ein Wasserfall. Ein Besessener und ein Missionar des Saarweins. Ein Getriebener in Sachen Qualität.

Ich habe damals ein paar Flaschen aus der 2003er Kollektion gekauft, nach er vollmundig eine „Zehn-Jahres-Garantie“ abgegeben hatte. Einlösen musste er sie nicht, der Wein war top auch noch nach Jahren.

20 Jahre nach dem Kauf von Van Volxem hat der Spross aus der Bitburger-Dynastie jetzt auf dem Wiltinger Schlossberg seine Kathedrale für den Saar-Riesling offiziell eröffnet. Hinfahren und staunen! Sehr imposant, sehr durchdacht, typisch Niewodniczanski, würde ich mal sagen. Der Standort ist top gewählt, Rheingauer Kulturlandschaftsschützer würden aber unter Schreikrämpfen leiden. Aber der Bau ist ein Gewinn für die Saar und für den deutschen Wein. Mehr davon in deutschen Landen wäre wünschenswert!

Der Eröffnungstag war natürlich völlig überlaufen, ich schätze mal 1500 Besucher, die durch den neuen Fasskeller, der sich erst allmählich füllen wird, gestolpert sind. Das Weingut ist inzwischen auf 90 Hektar gewachsen, „Niewo“ scheint mir mit den Jahren etwas abgeklärter und ruhiger geworden zu sein, auch wenn ich seine hitzige Aufregung schätze, mit der er mir gegenüber beim letzten Riesling Symposium im Rheingau über die These der Geisenheimer Wissenschaftler ätzte, „Alte Reben“ seien nix Besonderes… Da war der Blutdruck ganz oben…. Leider gab es zur Eröffnung seines Weinguts nur eine sehr, sehr eingeschränkte Auswahl zu kosten, das war sehr schade. Immerhin, der 2018er Wiltinger Ortswein und der 2018 „Van Volxem Alte Reben“ gaben einen Hinweis, dass ich unbedingt mal die ganze Range verkosten sollte. Auf ein Wiedersehen an der Saar!

Verkostungsnotizen

Weingut Manz, Weinolsheim

2017 Silvaner Alte Reben trocken – ein guter Wein mit Trinkfluss. Das Weingut habe ich immer auf dem Radar, wenn ich Weine in Rheinhessen trinke. Diesmal allerdings in Limburg! Eine kleine Tour an die Lahn führte auch in die Bischofsstadt, wo alte „Bekannte“ das „Tafelspitz“ führen: Familie Held, die lange Jahre mit großem Elan Fendels Gutsschänke in Rüdesheim führten und zu einem kulinarischen Magneten entwickelten, haben dort ein kleines Hotel mit Restaurant direkt am Rand der Altstadt gepachtet. Das ist durchweg mit seiner saisonalen Küche und seinem freundlichen Service zu empfehlen. Und der Silvaner von Manz mit dem Duft reifer Äpfel und Aromen von Birne und Pfirsich passte hervorragend zum Cordon Bleu von der Eifler Wutz.

Schloss Johannisberg,  Johannisberg

2018 Riesling „Gelblack“ trocken – sozusagen der fruchtig-trockene Hauswein des diesjährigen Sommerfestes des Rheingau Musik Festivals, das 2019 unter dem Motto „Woodstock“ stand. Schließlich wurde das legendäre Festival vor 50 Jahren gefeiert, wenn auch nicht in Woodstock, sondern im 70 Kilometer entfernten Bethel. Hoch „Vera“ heizte allen 2300 Gästen tüchtig ein, der fruchtig-frische „Gelblack“, den das Schloss ungewöhnlich früh im Jahr schon als 2018er abgefüllt und ins Verkaufsregal gestellt hat, wurde im Glas schneller warm, als wir ihn vernünftigerweise hätten trinken sollen.

Dennoch ein schöner Abend, und Kompliment an Hessenlotto: Der Vorempfang im Garten des Schlosses hatte Stil!

Schloss Schönborn, Hattenheim

Bahnt sich mit dem Jahrgang 2018 bei Schönborn ein Stilwechsel an? Das Sommerfest im Weingut bot jedenfalls die Gelegenheit zur Jahrgangsprobe, und die bot durchaus erfreuliche Überraschungen. Die Weine erschienen mir präziser, klarer, feinfruchtiger als in den Vorjahren… Das könnte ein erfreuliches Vorzeichen sein, dass Schönborn wieder an Stärke gewinnt, aber warten wir ab. Besonders gut haben mir die 2018er Lagenweine aus der Hochheimer Hölle, dem Geisenheimer Kläuserweg und dem Rüdesheimer Rottland gefallen. Das verspricht Spannung, wenn Ende August die Großen Gewächse vorgestellt und ab September verkauft werden. Nach der Vorankündigung könnte es im Herbst sogar deren 5 (!) geben: Domdechaney, Marcobrunn, Pfaffenberg, Hasensprung und Schlossberg.  Die Folge des Füllhorns bester Lagen im Rheingau.

Langwerths Erben

Das Weingut Langwerth von Simmern ist Geschichte, die Umgestaltung des Langwerthers Hofes in der Eltviller Altstadt nimmt planerisch Konturen an. Mit dem Wein geht die Veränderung schneller. Die Weingüter Höhn und Corvers-Kauter sind gewissermaßen die Erben Langwerths, und was sie bislang aus den Spitzenlagen des Traditionsweinguts, das ausgerechnet den 555. Jahrgang nicht mehr erlebt hat, produziert haben, verdient Anerkennung. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn, jeweils Riesling trocken, von Höhn, das sind zwei Weine, die erst kürzlich verkostet habe und die ich in dieser Güte von Langwerth nicht in Erinnerung habe. Und der 2018er Baiken von Matthias Corvers ist ein Weine voller Komplexität und Finesse bei gleichzeitig großem Trinkfluss. Das gilt auch für den Nussbrunnen und andere Weine aus ehemals Langwerther Lagen, die Corvers gepachtet und die Höhn gekauft hat. So kann es weitergehen! Eine Verlust für die deutsche Weinkultur bleibt es trotzdem!

Rheingau Update: Kometen & Sterne

Für alle die, die mein beliebtes Update in der RMF-Beilage der FAZ-Sonntagszeitung verpasst haben, hier nochmal die Tipps: Gastronomisch liegt hinter dem Rheingau wieder ein aufregendes Jahr. In Kiedrich ging sogar ein Stern nieder. Neue Weinbars erschienen wie Kometen am vinologischen Firmament der Weinregion und erwiesen sich doch nur als kurzlebige Sternschnuppen. Beliebte Weinschänken wurden geschlossen, andernorts wurden sie grundlegend renoviert und mit erfreulichem Elan neu eröffnet Für die Festivalbesucher gibt es wieder vielfältige Chancen, Neues zu entdeckten oder Bewährtem zu vertrauen.

Weinbar im Draiser Hof Zugegeben, mancher Gast fremdelt ein wenig mit der modernen Architektur der neuen Vinothek auf dem Draiser Hof des Traditionsweinguts Baron Knyphausen. Doch dass der Vinothek eine Weinbar angegliedert wurde, ist eine Bereicherung und tröstet ein wenig über den Verlust des mit großen Hoffnungen eröffneten und allzu früh wieder geschlossenen „Heinrichs“ in Eltville hinweg. Die Weinbar 1818 hat zudem den Vorteil eines großzügigen Parkplatzangebots und nicht den Nachteil allzu ruhebedürftiger Nachbarn. Die Küche offeriert kleine Köstlichkeiten im Tapas-Stil, dazu eine reiche Auswahl aus dem Sortiment des VDP-Weingutes. Darunter seien der Erbach Ortswein und der „„Gemischte Satz“ als vinologische Besonderheit empfohlen. „Weinbar 1818“ im Weingut Knyphausen, Erbacher Straße 28 in Eltville-Erbach, www.baron-knyphausen.de, geöffnet am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag ab 17 Uhr, samstags und sonntags ab 12.30 Uhr

Alles neu bei Keßler Jede Generation verwirklicht ihre eigenen Ideen und findet ihren eigenen Stil. Im Martinsthaler Familienweingut Keßler geben jetzt Tina und Stefan Keßler den Ton an. Sie haben die traditionelle Schänke behutsam, aber grundlegend und sehr ansprechend modernisiert. Die kulinarische Linie wurde gewandelten Ansprüchen angepasst und paart sich bestens mit den fruchtigen Riesling und den tiefgründigen Spätburgundern. Zudem zeigt die Qualitätskurve bei der Güte der Weine deutlich nach oben. Die trockene Riesling Spätlese und der neue Sauvignon blanc aus dem herausragenden Jahrgang 2018 sind dafür zwei sehr gute Beispiele. Der große Publikumszuspruch bestätigt das Konzept. Eine Reservierung vorab ist dringend zu empfehlen, denn Martinsthal hat einen neuen Anziehungspunkt. „Keßler Wein & Genuss“, Heimatstraße 18 in Martinsthal, geöffnet dienstags bis samstags ab 16 Uhr, www.weingut-kessler.de

Burger im Zehntenhof Manchmal muss es einfach herzhaft sein. Der schöne Zehntenhof in Winkel gehört zu den imposanten Winzerhäusern entlang der engen Hauptstraße. Hier liegt das Weingut Johannes Ohlig, das für seine geradlinigen und fruchtbetonten Rieslinge bekannt ist. Winzer Johannes Ohlig sieht sich nicht in der Rolle des Gastronomen, weshalb die schöne Gaststube nebst dem urigen, windgeschützten Innenhof verpachtet ist. Hier führt seit gut einem Jahr Filippo Contino Regie, Spross einer italienischen Gastronomiefamilie, die Rheingau-Kennern aus dem „Oetinger“ in Erbach schon bekannt ist. Der Geheimtipp in Winkel sind Burger, die von Erzeugnissen amerikanischer Fast-food-Ketten genauso weit entfernt sind wie Ohligs feiner Riesling von einem Pinot Grigio von der Resterampe. Filis´s im Zehntenhof, Hauptstraße 68 in Oestrich-Winkel, geöffnet Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 und von 17.30 bis 23 Uhr, samstags von 17.30 bis 23 Uhr, sonntags von 12 bis 22 Uhr, www.filis-restaurant.de

Feiner Pinot in der Mühle Eine malerische alte Mühle, umgeben von Wiesen und Weiden, an einem plätschernden Bach. Es ist ein kleines Rheingauer Paradies, das vor zwei Jahren Werner und Peter Reck übernommen haben. Zwei Seiteneinsteiger, die viel Leidenschaft für Riesling und Spätburgunder mitbringen. Die gute Stube nimmt den Gast auf eine Zeitreise einige Jahrzehnte in die Vergangenheit mit. Besonders schön sitzt es sich allerdings im idyllischen Garten, um die Seele baumeln zu lassen. Schamari-Mühle, Grund 65 in Geisenheim, www.schamari.de, geöffnet am Donnerstag, Freitag und Montag ab 17 Uhr, samstags und sonntags schon ab 15 Uhr

Slow Food in Mittelheim Nicht mehr nur Edelmann und Doosberg, sondern jetzt auch Baiken und Nussbrunnen. Im vergangenen Jahr hat das Mittelheimer Weingut Corvers-Kauter den größten Teil der Weinberge des Weinguts Langwerth von Simmern gepachtet, dessen adelige Eigentümer den Weinbau nach 554 Jahren in Familienhand zum Jahresende aufgeben haben. Das Weingut ist verkauft und wird bald grundlegend umgestaltet. Corvers-Kauter zählt jetzt mit mehr als 30 Hektar Rebfläche zu den großen Familienbetrieben der Region. Die neue Weinkollektion ist überzeugend. Am beste verkosten sie sich in der Schänke von Brigitte Corvers mit ihrer abwechslungsreiche saisonale, regionalen und der Slow Food-Philosophie folgenden Küche. Weingut Corvers-Kauter, Rheingaustraße 129 in Mittelheim, geöffnet Mittwoch bis Freitag von 17 Uhr, Samstag und Sonntag ab 15 Uhr, www.corvers-kauter.de

Groenesteyn mit einem Stern Das ging kometenhaft schnell. Mancher ehemalige Stammgast der viel zu lange geschlossenen Weinschänke Schloss Groenesteyn hatte nach der Wiedereröffnung noch gar keine Gelegenheit zu einem ersten Besuch, da waren die anspruchsvollen Tester des Guide Michelin schon wieder weg und hatten einen Stern vergeben. Es ist eine schnelle, aber verdiente Ehrung für Amila Begic und vor allem für Küchenchef Dirk Schröer, der nach dem Engagement auf Burg Schwarzenstein und nach einer Stippvisite in der Schlossschänke Johannisberg nun in Kiedrich heimisch geworden ist. Die Kombination aus qualitätsbewusster, ungekünstelter, regionaler, gehobener Küche überzeugt, zumal die Gerichte von besten Weinen aus dem Rheingau begleitet werden können. Weinschänke Schloss Groenesteyn, Esskultur + Wein. Oberstraße 36/37 in Kiedrich, Telefon 06123/ 1533, www.weinschaenke-schlossgroenesteyn.de

Von der Weinbar zur Weinschänke Das „Y“ steht bei Deutschlands einzigem türkischen Weinmacher und Sommelier für guten Wein. Ahmet Yildirim, lange Jahre Sommelier im Johannisberger Weingut Trenz, ist mit seiner Weinmarke auf Erfolgskurs. Der provisorische, aber reizvolle Y-Store wurde in diesem Jahr grundlegend saniert. Aus der kleinen Vinothek mit Weinbar wurde ein schickes kleines Restaurant mit feiner, anspruchsvoller Küche. Nur gut, das es auch Klassiker wie die Schinkenplatte und den Käseteller gibt, um die Y-Weine und die der mit Yildirim kooperierenden Winzer zu verkosten. Oder man verlasse sich ganz auf die Empfehlungen von Gastgeberin Simone Schiller. „Y Wine & Kitchen“, Rheingauer Straße 22 in Eltville, geöffnet Dienstag bis Samstag von 17.30 bis 24 Uhr, www.y-sommelier.de

Wisperforelle zum Riesling Lorch ist manchem Weinfreund aus Taunus, Wiesbaden und Frankfurt einfach zu weit, obwohl die Bahn einen stündlichen Service bietet. Dabei hat Lorch eine hohe Dichte herausragend guter Weingüter zu bieten. Und obwohl die Schänke des Weinguts Altenkirch nach der Übernahme durch das Rüdesheimer Weingut Breuer jetzt geschlossen ist, gibt es weiterhin einen besonders lohnenswerten Anlaufpunkt: Die „Weinwirtschaft“ der Winzerbrüder Laquai. Ein anmutiges Fachwerkhaus und ein kleiner lauschiger Garten bilden eine perfekte Riesling-Tankstelle im westlichsten Zipfel Hessens. Besonders empfehlenswert: Die Forellen aus dem Wisperbach und Variationen von Wild, erlegt in den umliegenden Wäldern. Die mineralischen Rieslinge spiegeln die herausragende Güte der Lorcher Lagen wider, und der Spätburgunder zählt zu den Besten der Region. Weinwirtschaft Laquai, Schwalbacher Straße 20-22 in Lorch, www.weingut-laquai.de, geöffnet Mittwoch bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 15 Uhr

Bronzelack am Goetheblick Auf Schloss Johannisberg hat sich viel getan in jüngerer Vergangenheit. Unter neuer Leitung wurden die Rebfläche arrondiert, das lange zugehörige Weingut G.H. von Mumm quasi abgewickelt, ein neuer Keller unter dem Schloss und eine neue Kelterhalle am Cuvéehof gebaut. Das Weinsortiment wurde gestrafft und um einen „Bronzelack“-Riesling bereichert, der zwischen Gelb- und Silberlack das Potential des Schlosses zeigt. Etabliert hat sich im zweiten Jahr der Goetheblick als Treffpunkt der Rieslingfreunde. Der Ausschank wurde auf die andere Seite des Weges verlegt, was eine gute Idee war und den Charme eines der schönsten Aussichtspunkte noch einmal erhöht hat. Mit einem „Bronzelack“ in der Hand den atemberaubenden Blick ins Tal genießen, mehr Glückseligkeit ist an einem schönen Tag nur schwer vorstellbar. Ausschank „Goetheblick“ am Schloss Johannisberg in Geisenheim-Johannisberg, geöffnet bei gutem Wetter nur am Wochenende, www.schloss-johannisberg.de

Sauvignon beim „Wibbes“ Es gibt sie noch, die urigen Gaststuben mit traditionellem Ambiente, die das Bild der Rheingauer Schänken über Jahrzehnte geprägt haben. Doch auch an ihnen geht die Zeit nicht spurlos vorüber. „Wibbes“ ist der Spitzname des Kiedricher Bürgermeister Winfried Steinmacher, und in seiner Freizeit führt er ein typisches Rheingauer Familienweingut. Die Schänke „Zum Wibbes“ ist bei Einheimischen wie Gästen gleichermaßen beliebt, was im Rheingau immer ein gutes Zeichen ist. Die Küche ist regional, eher deftig und gut auf die Weine von Steinmacher abgestimmt, deren Güte in den zurückliegenden Jahr schmeckbar zugelegt hat. Der Riesling aus „Alten Reben“ ist immer eine Bank, und der neu gepflanzte Sauvignon blanc ist der Stolz des Winzers. Gutsschänke „Zum Wibbes“ im Weingut Jakob Steinmacher & Sohn, Eltviller Straße 39 in Kiedrich, Telefon 06123-9829398, www.www.gutsausschank-zum-wibbes.de, geöffnet dienstags bis samstags ab 16 Uhr, sonntags ab 12 Uhr

Mit historischem Flair und Ambiente In einem besonders schönen Fachwerk in Eltville-Erbach residiert seit einigen Jahren das Weingut Crass. Hier herrscht Rheingauer Gemütlichkeit mit Stil und Flair. Wer liebevoll hergerichtete, historische Gemäuer mag, ist hier richtig. Jeder Balken und jeder Stein vermittelt ein Stück Rheingauer Geschichte. Die gehobene Schänke bietet eine schöne Auswahl aus dem Sortiment von Crass, dessen Weine perfekt zur regional und saisonal ausgerichteten Küche mit Anspruch passen. Hier wird frisch gekocht, weshalb der Gast der Küche auch die nötige Zeit zugestehen sollte. Eine Erstes Gewächs aus dem Erbacher Siegelsberg wäre der perfekt Zeitvertreiber. Weingut Crass, Taunusstraße 2 in Eltville-Erbach, Telefon 06123-9348960, www.weingut-crass.de, geöffnet Montag und Donnerstag bis Samstag ab 17 Uhr, am Sonntag ab 11.30 Uhr

Gaja

Gaja 4 Buchstaben, 3 Weingüter, 250 Hektar Weinberge in Langhe, Bolgheri und Montalcino, 1 Legende. Gaja wird oft in einem Atemzug mit anderen Legenden der Weinwelt genannt, egal ob Krug in der Champagne oder DRC im Burgund. Es zeichnet das Rheingau Gourmet und Wein-Festival aus, dass es HB Ullrich immer gelingt, Weine solcher Giganten zu Tastings auszuschenken. Diesem Erfolg verdanke ich einige schöne und imposante Erlebnisse. Diesmal also Gaia, und Gaia Gaja aus dem Familenunternehmen ließ nicht nur die Weine für sich sprechen, sondern erläuterte fast 90 Minuten lang Geschichte, Philosophie und Anbau von Gaja bis hin zum Wassermanagement in den Weinbergen im Zeichen des Klimawandels und zur Rolle der Bienen in der Natur. Eingeschenkt wurden sieben Weine darunter zwei Weiße, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben: Der 2017er Rossj-Bass Langhe DOP, eine Cuvée aus Chardonnay und Sauvignon blanc, fiel durch eine sehr intensive, kräuterige und würzige Aromatik auf, reiche florale Noten, im Abgang allerdings sehr kurz. Insgesamt mäßiger Trinkfkluss, für meinen Geschmack liegt der Sauvignon-Anteil zu hoch. 2017 Vistamare Toscana IGP ist eine Cuvée aus Vermentino und (für mich viel zu viel) Viognier. Recht opulent, expressiv und „laut“, florale bis leicht parfümige Noten, ein sicherlich guter Essensbegleiter, der „solo“ für mich keine Option wäre. Aber gekommen sind wir ja wegen der Roten (alle 2014, alle 100% aus der Nebbiolo-Traube!): der „Barbaresco“ sehr gewürzig, viel Waldfrucht, deutliche Tanine, wirkt noch sehr jung und sehr kantig und hart, schöner Nachhall. Deutlich stärker der Sori Tildin Barbaresco DOP mit mineralischen Anklängen, guter Säure, straff, entfaltet guten Druck am Gaumen, kein Charmeur. Noch weniger der Costa Russi Barbaresco DOP, der für meine Geschmack viel zu säurebetont daherkommt, mit einer reichhaltigen samtigen Frucht, die jedoch alle Komplexität überdeckt. Mein Favorit an diesem Nachmittag ist der Sori San Lorenzo Barbaresco DOP dank seiner Eleganz, seinen feinen Taninen, einem guten Trinkfluss, der erdige Noten mit Spuren von Tabak und Lakritz offenbart, dabei weich und würzig, ohne an Straffheit und Präzision zu verlieren. Großer Wein. Die Favoritenrolle hätte ich eigentlich dem Sperss Barolo DOP zugebilligt, der mit seiner weichen, sehr fruchtbetonten Art (viel Lakritz, Teer und Tabak sowie Kirsche) und seinem langen Nachhall gut gefällt, aber nicht die Präzision des Sori San Lorenzo zeigt. auch der „Conteisa“ Barolo DOP“ kann sich trotz einer gewissen Sinnlichkeit, trotz betörender Kirsche, seinen floralen Noten und kräuterigen Akzenten nicht an die Spitze setzen. Unter dem Strich viel zu junge Weine, die (noch) nicht ihre Klasse zeigen konnten. Schöner wäre eine Vertikalprobe beispielsweise des Sperss oder des Sori San Lorenzo gewesen, die nachdrücklich das von Gaja in den Vordergrund gestellte Alterungspotential nachvollziehbar bewiesen hätte. So blieb bei mir am Ende ein zwiespältiger Eindruck und die Frage offen, ob Gaja jenseits des Mythos sein Geld von 400 und mehr Euro je Flasche wert ist, sofern man Geduld und den richtigen Keller dafür hat.

Weingut Robert Weil

Weingut Robert Weil Die Jahrgangsprobe auf Weingut Robert Weil ist immer spannungsgeladen, und nach einem Jahrhundertsommer lag vor allem die Frage auf dem Verkostungstisch, wie die Kiedricher Berglagen die wärmste Vegetationsperiode seit Beginn der Aufzeichnungen überstanden haben. Jetzt ist klar: Der Kiedricher Berg kann auch mediterran. Wie immer, so heißt es im Jahrgangsbericht, gehörte Weil zu den ersten Erzeugern, die mit der Lese begannen, und gehörte zu den letzten, die damit aufhörten. Am Ende wurden alle Qualitätsstufen bis zur TBA mit 274 Oechsle geerntet, und das bei einer guten Erntemenge, die Defizite der kleinen Vorjahresernten kompensierte. Ran an die Gläser: Die Visitenkarte sind immer die beiden QbAs, in der Literflasche und in der 0,75er. Sofort fällt auf, welche extrem klare Frucht die 2018er aufweisen und wie fein und elegant sich die Säure einbindet. Erstaunlich auch, und keine Weil-Besonderheit: die 2018er schmecken durchweg sensorisch süßer, als sie analytisch daherkommen. Da habe ich mich schon einige Mal schwer verschätzt. Ein idealer Jahrgang also, um furztrockene Weine zu erzeugen, die nicht so schmecken… Leider hat nicht jeder Winzer diese Chance erkannt oder genutzt. Weil schon. Der 2018er Kiedricher ist ein hervorstechend rassiger Wein mit hoher Finesse und von großer Strahlkraft. Ein Ortswein wie er sein soll mit phänomenalem Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehr geschliffen, feinfruchtig, elegant, und doch gutem Zug am Gaumen. Vor allem auch Trinkfluss! Dann die drei Berglagen: 2018 Klosterberg, Turmberg, Gräfenberg. Nach inzwischen zehn Jahren hat Weil den Klosterberg voll im Griff, und der Wein ist jetzt ein Vollmitglied im Trio der Berglagen und kein Ausnahmetalent mehr. Wie gewohnt zeigt der Klosterberg aber wegen seines Terroirs mit Löß und Lehm mehr erdige, würzige Noten als der Turmberg, der im Frühjahr jeden Jahres wegen seiner Finesse und fortgeschrittenen Zugänglichkeit für mich immer der strahlendste trockene Weine. Ein Wein voller geschliffener Eleganz mit kühlem Zug am Gaumen, großer Trinkfluss! Spitze! Gräfenberg hingegen die verschlossene Majestät, in sich ruhend, noch wenig nach außen zeigend außer Substanz, Dichte und Komplexität, die sich erst entfallen müssen. 2018 Tradition: ein Saufwein wie er im Buche steht, saftig, süffig, unendlicher Trinkfluss an einem Sommertag auf der Terrasse im Gespräch mit guten Freunden. Für mich hat der „Tradition“ eindeutig den Vorzug vor dem noch süßeren Kabinett, der aber vielleicht auf lange Sicht mehr Eleganz verspricht. Wer weiß? Dann die Spätlesen, Turmberg und Gräfenberg als süße Wucht auf der Zunge, klar wie Quellwasser, ein Früchte zum Reinbeißen, so dass der Saft die Mundwinkel runterläuft. Klasse. Jetzt trinken oder 10 Jahre liegen lassen, eher Turmberg als Gräfenberg… wegen der Süße… Über die Auslesen, die Gräfenberg BA und TBA will ich hier keine weiteren Worte verlieren. Typisch Weil, unsterbliche Edelsüße voller Honig, Karamell, feiner Würze, Akazie… Würde sie gern in eine Zeitmaschine schicken und 20 -30 Jahre gereift trinken. Ganz sicher dann Weine zum Niederknien.

VDP-Weinbörse Mainz

Das Weintrinken am zeitigen Vormittag mag nicht jedermanns Sache sei. Für mich und die übrigen die 2500 Fachbesucher der traditionsreichen Mainzer Weinbörse gehört die Verkostung einer möglichst großen Zahl der 1630 vorgestellten Weine hingegen zum Alltag. Schließlich gilt es für Weinhändler, Gastronomen und Fachjournalisten, sich an den beiden Messetagen einen ersten Überblick über den als herausragend bewerteten deutschen Weinjahrgang 2018 zu verschaffen. Die Börse ist zudem eine Art Konjunktur- und Trendbarometer Erste Erkenntnis: Immer mehr der führenden deutschen Weinerzeuger, die sich im VDP organisiert haben, stellen auf eine ökologische Wirtschaftsweise um. Anlässlich der Weinbörse in der Rheingoldhalle gab der VDP bekannt, dass sich schon rund ein Viertel der 200 Mitgliedsbetriebe dem biologischen Weinbau verschrieben haben. Nach der Prowein in Düsseldorf ist die Mainzer Weinbörse ein wichtiger Gradmesser für den neuen Jahrgang. Vor den Urteilen der Weinkritik muss den Winzern aber nicht bange sein. Viel und gut, so lautete das Fazit der Winzer nach einem Bilderbuchsommer und einem goldenen Herbst. Einer meiner rheinhessischen Favoriten, Fritz Groebe aus Westhofen beispielsweise, spricht von einem animierenden Jahrgang „mit Zug, Finesse, und Kraft“. Sein Westhofener Riesling ist dafür ein gutes Beispiel. Ähnlich trinkfreudig präsentiert sich der „Rotschiefer“ Riesling am gegenüberliegenden Stand des Weinguts St. Antony, wo erstmals Dirk Würtz die Fahne hochhielt und das neue Etikett präsentierte. Steffen Christmann, Präsident des VDP, hat für das Weinjahr 2018 einmal mehr die „Bedeutung des optimalen Lesetages“ in den Vordergrund gerückt. Das richtige Fingerspitzengefühl bei der Wahl des Lesezeitpunktes habe zu „präzisen, frischen“ Weinen geführt. Vor allem aber: Nach den bescheidenen Mengen des Jahrgangs 2017 füllte der 2018er endlich wieder einmal Tanks und Fässer. Mehr als die Hälfte der VDP-Winzer berichteten dem Verband von gestiegenen Umsätzen, ein weiteres Drittel blickt auf stabile Verkaufszahlen zurück. Insgesamt haben die VDP-Betriebe laut Verband ein Umsatzplus von vier Prozent erreicht. Auf der Weinbörse zeigten 186 der 196 Weingüter erstmals das gesamte Portfolio des schon jetzt hochgelobten Jahrgangs mit Ausnahme der „Großen Gewächse“. Die trockenen Spitzenweine reifen noch in Fass oder Flasche und dürfen erst von September an gezeigt und verkauft werden. Ich habe dennoch schon das eine oder andere vorverkosten dürfen: sieht gut aus! Durchschnittlich 32,50 Euro geben die Freunde der GGs je Flasche aus. Laut Verband erwirtschaften die VDP-Winzer drei Viertel ihres Umsatzes im Inland. Vor allem der Vertrieb über die Gastronomie und den Fachhandel ist dabei von Bedeutung. Immer rund 35 Prozent des Umsatzes entfällt auf die Direktvermarktung ab Weingut. Fach- und Einzelhandel tragen zusammen rund ein Viertel zum Umsatz bei, die Gastronomie liegt mit rund einem Fünftel auf dem dritten Platz. Die Winzer berichteten im Vorfeld der Börse auch von steigenden Umsätzen im Online-Handel. Besonders erfreulich sei der Trend zu professionell gemanagten Weinabteilungen – ich sage nur EDEKA! – mit regionalen Angeboten und Weingütern im gehobenen Lebensmitteleinzelhandel. Nach Ansicht 80 Prozent der VDP-Weingüter wächst das Exportgeschäft, das für ein Viertel der verkauften Weine mit dem VDP-Adler auf der Flaschenkapsel steht. Der Umsatz im Auslandsgeschäft habe durchschnittlich um sechs Prozent zugelegt. Wichtigste Auslandmärkte sind die Vereinigten Staaten vor den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. Leicht rückläufige Exportzahlen werden für Belgien und – wegen der Marktunsicherheiten durch den Brexit – für Großbritannien – vermeldet. Ein Viertel der VDP-Betriebe ist inzwischen ökozertifiziert. Das liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund acht Prozent. Knapp die Hälfte der ökologisch arbeitenden VDP-Winzer ist zudem Mitglied einer Öko-Vereinigung wie Ecovin, Naturland oder Demeter. Hauptmotiv ist dabei die Verbesserung der Weinqualität. Zunehmende Bedeutung hat auch das Thema Sekt. Fast 80 Prozent der Weingüter erzeugen ihren eigenen Sekt. Übrigens: Zur Eröffnung der Börse wurde mein FAZ-Kollege Daniel Deckers mit der Silbernen VDP-Ehrennadel ausgezeichnet, vor allem für seine weinhistorische Ausarbeitungen. Leider war mein Verkostungszeitbudget diesmal eng limitiert… dennoch seien hier gänzlich unrepräsentativ und völlig willkürlich, aus ausdrücklich schwärmerisch erwähnt: Schloss Proschwitz 2017 Weißburgunder GG (-nur- so liebe ich diese Rebsorte tatsächlich), Zimmerlings 2017 Königlicher Weinberg Weißburgunder GG kommt da nicht ganz mit!); Ratzenberger 2018 St. Jost (+) sehr süffig; Matthias Müller 2018 Mandelstein schlägt ganz klar Feuerlay; Lanius-Knabs 2018 Engenhöller Bernstein ist ein Schmuckstück,; Toni Jost zeigt mit 2018 Bacharacher Hahn Riesling trocken meinen Liebling aus 2018 vom Mittelrheintal, doch einen wahnsinnigen Trinkfluss hat auch Bastians 2016 Heyles´en Werth feinherb, Maul voll Wein! Der 2018 Rotschiefer von St. Anthony läuft wie Wasser die Kehle runter… oder besser! Phänomenal gut 2018 Westhofen Alte Reben von Groebe; Anders, aber nicht minder lecker der Westhofener von Wittmann. Lassen wir es für jetzt dabei… die Rheingauer Schlemmerwoche ruft!

Rheingauer Schlemmerwoche

Das Jahr 817 hat für den Rheingau eine besondere Bedeutung: Damals tauschte Kaiser Ludwig der Fromme die Weinberge am Elsterbach in Johannisberg mit dem Abt von Fulda. „817“ heißt deshalb das Brot zum Wein, das sechs Rheingauer Bäcker anlässlich der 33. Rheingauer Schlemmerwoche kreiert haben. Ein Backwerk aus Dinkel, dem Lieblingsgetreide der Hildegard von Bingen, und aus Roggen, verfeinert mit Weinbergskräutern. Recht lecker, vor allem von Stalter und Dries. Dennoch, wir gehen wegen des Weins in die Güter, und das sind einige unserer Geschmackserlebnisse.

Robert Weil: Jaaaaa! Weil hat erstmals „richtig“ geöffnet und bietet Ausschank mit kleinen Catering-Speisen. Currywurst zu. 2017er Turmberg und zum 2017er Gräfenberg GG, davor 2018 Gutswein und 2018 Kiedricher, da hat im traumhaften Ambiente was… bitte Fortsetzung auch im nächsten Jahr!

Koegler: Sonderkarte mit russischen Spezialitäten, dazu 2015 Riesling Erstes Gewächs und 2018 „Weiß aus Rot“, was heißt „Himmel auf Erden“ eigentlich auf russisch? Zum VIP-Rundgang gab es übrigens 2014 Rubeus Spätburgunder. Great! Der Weinhammer des Tages !

F.B. Schönleber: Insgesamt eine klasse 2018er Kollektion zur Schlemmerwoche, 2018 „Franz Bernhard“ VDP-Ortswein sehr gut, aber das 2018 „Beste Fass“ (Edelmann) ist nun einmal das BESTE Fass, genial gut. Zum Niederknien: 2012 Lenchen Riesling Sekt brut

Bibo-Runge: ein Stopp am Revoluzzer-Häuschen lohnt immer… beispielsweise zum 2018 Debütant und zum 2016 Revoluzzer. Die 2017er dazwischen tun sich dagegen etwas schwer…

Theo Kreis: Das sympathische Familienweingut in der ehemaligen WZG der „Engländer“ hat die vielleicht schönste Terrasse während der Schlemmerwoche. 2018 Kabinett trocken recht ordentlich, doch scheint mir beim bislang flüchtigen Probieren das Jahrgangspotential nicht ausgeschöpft….

Ferdinand Abel, Oestrich: Wie immer verlässlich, ordentlich, solide… aber das einst zu den führenden Erzeuger von Oestrich gezählte Familienweingut wurde in den zurückliegenden 10 Jahren durchaus auch links und rechts überholt, wenn es um Top-Qualitäten aus dem mittleren Rheingau geht… da geht doch mehr, oder ?!

Steinmacher, Kiedrich: die Sonnenterrasse ist das „Pfund“ beim „Wibbes“, das Essen sehr gut, die 2016 „Alte Reben“ sind mein Favorit, aber die ersten 2018er schmecken sehr vielversprechend…da muss nochmal nachprobiert werden…

Wegeler: Phänomenal was Familie Drieseberg in der Probierstube während der Schlemmerwoche zeigt: Beispielsweise eine Geheimrat J-Vertikale von 2011 bis 2016… das hat unsere Fünfer-Gruppe schwer beeindruckt… für mich waren 2013 und 2016 die Topps, aber das ist schon eine fast unfaire Bewertung für echte Spitzenweine!

Lamm-Jung: sehr erfreulich, wie sich das alles so entwickelt… noch keine 2018er, aber 2016 Premium und 2016 Steillage, yes!!!!!!!!!!!! Mehr davon, unbedingt!

Jakob Jung: Immer eine Bank, immer fein, immer gut! Hier bin ich nie nur einmal während der Schlemmerwoche… bsp. wegen des 2018 Erbacher Ortsweins…

Heinz Nikolai: gehört zu jeder Schlemmerwochen-Erbach-Runde dazu… 2018 Placidus u.a., wie gewohnt verlässlich hohe Qualität

Winzer von Erbach: zum Abschluss der ersten Erbach-Runde dann eine Buddel 2017 Riesling Alte Reben Erbacher Honigberg.. davon dürfte es in der Kollektion noch mehr Vergleichbares geben…

Peter Jakob Kühn: Auch das immer ein Muss zur Schlemmerwoche! 2018 Quarzit und 2018 Rheinschiefer überzeugen ebenso wie der 2018 Jacobus. 2017 Hendelberg ein wirklich sehr guter Vertreter des Jahrgangs, aber 2016 Doosberg und noch viel mehr 2016 St. Nikolaus strahlen am Weinhimmelfirmament. Groß!

Hans Bausch: Auch das erlebt man zur Schlemmerwoche. Auf eine Absacker zu Bausch, und dann Blasmusik vom Feinsten… Dazu gab es 2017 Schützenhaus Riesling Erstes Gewächs… Passt!

Offenstein–Erben: es gab ein „Bestes Fass“ zur VIP-Eröffnung der Schlemmerwoche, das war sehr ok…

H.J. Ernst: Wie immer ein Muss allein wegen Gosch und seinen Fischspezialitäten: In meinem Fall Shrimps mit Asia-Sauce und dazu den 2018 Blanc de Noir… lecker

Schreiber, Hochheim: Doll Ding, was die Familie als neue Vinothek da auf die Beine gestellt hat. Modern, viel Glas, schöner Blick auf die Weinberge, gut organisierte Straußwirtschaft mit Caterer. Im Glas 2018 Hochheimer Hölle trocken und 2018 Reichestal Alte Reben trocken. IM Großen und Ganzen ordentlich. Punkt.

Reuter & Sturm: Tolles Ambiente, freundlicher Service, großartige Sekte. 2016 Opus brut und 2016 Cuvée R+S umwerfend gut, aber auch der Rote Riesling ist wirklich nicht zu verachten… ein Muss zur Schlemmerwoche !

Trinks Trinks am Bischof-Blum-Platz Geisenheim ist ein Erlebnis der besonderen Art. Muss man gesehen haben. 2016 Mitanand Riesling 2017 Im Schorchen, dazu 2016 und 2017 „In allen Ehren“ sehr gut, mein Favorit 2016 In allen Ehren trocken Sohns war wie immer ein Muss in Geisenheim. Was von 2018 schon gefüllt ist, schmeckt sehr vielversprechend… da sind wir schon jetzt auf die Lagenweine gespannt.

Dillmann entwickelt sich qualitativ stetig nach oben, und dank der längeren Straußwirtschaftszeiten ist der Betrieb jetzt ein echter Weinschmecker-Kandidat. 2016 Kläuserweg Réserve ist ein echter Knaller, wenn auch ein polarisierender Wein. Wein des Tages war aber die „Wundertüte“, ein Gelber Muskateller aus dem Jahr 2018 mit Zug und Kraft.

Wurm ist immer der Auftakt unserer Lorch-Tour, aus dem Keller gab nen Knaller: 2015 Lorcher Schlossberg Riesling trocken Weiler: gewohnt gut, die trockene Spätlese „S“ liegt nicht ohne Grund schon in unserem Keller

Kanitz zeigte diesmal zur Schlemmerwoche noch keine 2018er, dafür spannende Jahrgangsvergleiche verschiedener Qualitätsstufen

Mohr gewohnt gut, die bislang gefüllten 2018er erfüllen durchweg meine stets hohen Erwartungen, und 2018 Alte Reben ist saftig-süffig-lecker

Ball des Weines

Der Ball des Weines im Kurhaus Wiesbaden ist das gesellschaftliche Ereignis des Jahres für alle Weingenießer in Rhein-Main – neben der Riesling Gala in Kloster Eberbach natürlich. „Hollywood Moments“ war das Ereignis diesmal überschrieben.

Der legendäre DeLorean DMC-12 stand im Foyer bereit, und die majestätischen Flügeltüren des silbernen Sportwagens waren einladend geöffnet. Doch nach dem magischen Fluxkompensator im Cockpit musste niemand suchen, um die Reise „Zurück in die Zukunft“ zu wagen. Denn der gesamte Friedrich-von-Thiersch-Saal wurde zur Zeitmaschine, die ihre 1700 Passagiere in die glorreiche Ära Hollywoods beförderte… zu einer Begegnung mit drei der Großen jener Zeit.

Mit Marilyn Monroe, die trotz eines atemberaubenden roten Glitzerkleids aber ein wenig blutleer wirkte. Mit einem stimmlich bestens aufgelegten Louis Armstrong, für den die Trompete im Arm aber offenkundig eher Requisite als Instrument war. Und mit den Blues Brothers, die so mitreißend von den Kanadiern Chris und Geoff Dahl verkörpert wurden, dass der Saal von Rhythmen mitgerissen wurde und dass Weinbauministerin Priska Hinz (Die Grünen) unter den ersten Gästen war, die es nicht mehr auf den Stühlen hielt.

Die Gäste taten ihr Möglichstes, sich durch die 13 deutschen Anbaugebiete zu kosten. Zuvor zeigte der Gastronomie-Betrieb Kuffler im Ballsaal, wie das Kunststück gelingen kann, 1700 Gäste mit einem feinen und auf den Punkt zubereiteten Menü zu bewirten. Angebratenes Tatar mit Wachtelspiegelei, Carpaccio vom Schwertfisch, Rinderfilet und gebratene Gamba, Lemon-Pie und Brownie-Würfel boten auch den Spitzenweinen deutscher Herkunft angemessen Paroli.

Beispielsweise einem Großen Gewächs der Mosel-Lage Trittenheimer Apotheke und einer 2011er Auslese der Hessischen Staatsweingüter. Mit einer 1969er Hochheimer Falkenberg Beerenauslese hatten die Staatsweingüter zudem die Weinrarität des Abends im Gepäck. Wohl dem Weingut, das eine so gut sortierte und bestückte Schatzkammer sein Eigen nennen kann. Nach dem Galadiner begann der vinologische „Walk of Fame“ unter dem Motto „Sehen und gesehen werden“ durch die Nebensäle des Kurhauses, die von der Edelschokolade bis zur Zigarre weitere Versuchungen bereithielten.

Mir war vor allem an Wein gelegen, beispielsweise dem 2016 Stein-Harfe Silvaner GG vom Bürgerspital Würzburg, dem 2017er Chardonnay Ihringer Fohrenberg von Stigler und dem 2012 Barth Sekt brut Nature aus der Magnum Flasche. Genial gut.

Großes statt Erstes Gewächs

Aus den Ersten Gewächs wird bald ein Großes Gewächse. Die Hürden sind genommen, das RGG-Logo steht. 20 Jahre nach dem ersten Jahrgang 1999 tauft der Rheingauer Weinbauverband seine trockenen Spitzenweine, die Ersten Gewächse, in Rheingau Große Gewächse (RGG) um. Unter dieser Bezeichnung werden die herausragenden Rieslinge und Spätburgunder des Jahrgangs 2018 am 1. September erstmals auf den Markt kommen. Dieser Schritt des Weinbauverbands und der etwa zwei Dutzend Winzer, die regelmäßig solche Weine erzeugen, ist eine Anerkennung der Marktmacht und -präsenz der bundesweit 200 Mitglieder des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP), die ihre Top-Weine schon seit vielen Jahren als „VDP.Großes Gewächs“ vermarkten.

Erste Gewächse gibt es nur im Rheingau seit 1999 auf Basis einer Gütekarte der besten Weinbergslagen. Jene Rheingauer Winzer, die zugleich Mitglied im VDP sind, hatten in den Anfangsjahren ebenfalls Erste Gewächse verkauft, waren später dann aber schon zu Großen Gewächsen der VDP-Kollegen gewechselt. Damit war die Marktbedeutung Erster Gewächse noch überschaubarer geworden. Oder ehrlich gesagt: nahe null.

Allein das Weingut Robert Weil erzeugt mit rund 30.000 Litern mehr GG als alle anderen Nicht-VDP-Winzer an Erstem Gewächs. Was ich schon vor sechs Jahren empfohlen hatte, wird endlich Realität: Nun ziehen die Rheingauer Winzer, die nicht VDP-Mitglieder sind, mit dem „Rheingau. Großes Gewächs (RGG)“ nach. Nicht nur bei der Bezeichnung, sondern auch bei einigen Kriterien. So werden endlich nur noch Weine als Große Gewächse zugelassen, die die gesetzlichen Anforderungen an trockene Tropfen erfüllen. Das bedeutet bis zu neun Gramm Restzucker je Liter nach der Vergärung und nicht bis zu 13 Gramm.

Bei anderen Bestimmungen weichen die Rheingauer weiterhin von den VDP-Kollegen ab, etwa wenn es um die Exklusivität bestimmter Weinlagen-Bezeichnungen nur für Große Gewächse geht. Die ausschließliche Nutzung einer Herkunftsbezeichnung nur für ein Großes Gewächs sei im Rheingau nicht durchsetzbar, sagt der kürzlich für weitere drei Jahre im Amt bestätigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt. Dennoch will der Weinbauverband die aktuelle Änderung der Weingesetzgebung nutzen, die Einzellagen als Ursprung guter Weine hervorzuheben.

Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität, lautet eine Maxime, die Seyffardt verwirklicht sehen möchte. Noch allerdings ist weinrechtlich einiges im Fluss. Seyffardt hofft, dass ein Vorschlag aus dem Rheingau Gehör findet, die Verwendung von Großlagen einzuschränken, um eine Verwechslungsgefahr mit den wertvollen Einzellagen zu bannen. Bislang gilt, dass sich ein Wein mit der Großlagen-Bezeichnung „Rauenthaler Steinmächer“ aus Weinen von bis zu 27 Einzellagen zusammensetzen darf, es muss aber kein Tropfen aus Rauenthal in der Cuvée sein, obwohl sie den Namen des Weindorfs trägt. Wahnsinn oder Verbrauchertäuschung? Beides! Geht es nach Seyffardt, darf der Wein künftig nur noch als „Rheingauer Steinmächer“, also ohne die Bezeichnung „Rauenthal“, verkauft werden. Das wäre immerhin ein Fortschritt. Ein kleiner für die Weintrinker, ein großer für die Winzer!

5x der neue Jahrgang

 Nach der Prowein und der Mainzer Weinbörse stellen die Winzer den neuen Jahrgang, das war mit dem üppigen und guten 2018er nicht anders. Die Jahrgangsverkostungen in den Gütern, die mich dazu einladen, sind eines der schönsten Rituale des Frühlings. Mancher verbindet die Verkostungen mit Rheingauer Schlemmerwoche, was zusätzliche Reize bietet.

Ich greife hier mal nicht repräsentativ heraus, was mich besonders begeistert hat, und gebe 5 Beispiele, die uneingeschränkte Kaufempfehlungen sind!

Dillmann, Geisenheim

Hier zeigt die Qualitätskurve eindeutig nach oben. Weißburgunder und Sauvignon blanc sind gute Visitenkarten des kleinen Familienbetriebs. Ganz besonders angetan hatte es mir der 2018 Gelbe Muskateller, eine Rarität im Rheingau, die als Speisenbegleiter multifunktional ist. Hut ab vor den Reserve-Weinen, vor allem dem 2016er Riesling natur

F.B. Schönleber, Winkel

Auch hier zeigt die Kurve nach oben. Der trockene 2018er „Franz Bernhard“ Ortswein ist hervorragend als Gutswein, aber das „Beste Fass“ aus der Lage Edelmann hat mich völlig überzeugt. Nicht minder gut: Alte Reben Riesling aus dem Klosterberg von Oestrich. Und die Großen Gewächse aus dem Jesuitengarten reifen sehr gut, 2016 ist gerade mein Favorit.

Jakob Jung, Erbach

Immer verlässlich, immer eine Bank, spielt immer vorne mit. Die ersten Basisweine lassen Großes für 2018 erahnen. Aktuell gefällt mir die Chardonnay-Weißburgunder-Cuvée schon sehr, sehr gut, ebenso der süffige Kabinett aus der Lage Michelmark

Peter Jakob Kühn

… der Winzerstar aus Oestrich. Aus 2018 gibt es schon Jakobus Riesling, die Ortsweine aus Oestrich und Hallgarten zu verkosten. Die Weine aus Erster Lage kommen erst im September, die GGs erst nächstes Jahr! Für Kühn war es ein phänomenal guter Jahrgang. Stoffige Weine mit Finesse, Komplexität und Tiefgang. Und Trinkfluss!

Johannishof, Johannisberg

Herausragend gut die Kollektion bei Eser. Großartig war, dass er bei verschiedenen Weine die Vertikale 2015, 2016, 2017, 2018 ermöglicht hat am Probentisch. Das zeigt, wie gut jetzt 2016 ist, wie viel 2018 erreichen kann und wie viel Schmelz jetzt die 2015er haben. Und dass 2017 gerade ein wenig eine Baisse durchlebt…. Gekauft habe ich 2017 Alte Reben aus dem Jesuitengarten! Hammerwein mit Zukunft. Und ich empfehle jedem den 2018er Ramstein!

PS. Allendorf in Winkel:

Was schon in der Flasche ist, das ist sehr verheißungsvoll! Beispielsweise der 2018er Winkeler Ortswein mit feiner Säure, gute Frucht, Finesse und Länge am Gaumen.

Assmannshausen

Kurzer Trip nach Assmannshausen Endlich, die legendäre „Krone“ ist nach dem jüngster Besitzerwechsel an einen arabischen Geschäftsmann wieder geöffnet. Ob das gegenwärtige kulinarische Konzept auf Dauer so funktionieren wird, ist noch völlig ungewiss. Auch bei der Schulung des Personals besteht noch Bedarf. Doch auf der Krone-Terrasse zu sitzen, den Blick auf den Rhein und das Schweizer Haus am Gegenhang zu genießen und eine Flasche 2014 Rüdesheimer Riesling von August Kesseler (war zwar nicht auf der Karte, aber fand sich irgendwo…) zu trinken, das ist großartig.

Weiter ins Weingut Krone, dessen völlig unverständliche Abtrennung vom Hotel dessen früherer Schwelmer Besitzer zu verantworten hat. Ein Glück hat jetzt hier das Weingut Wegeler das Sagen, und Peter Perabo und Michael Burgdorf wirken mit dass hier eine großartige Kollektion bereitsteht, vom 2015er Riesling Alte Reben (süffiger Trinkfluss) über den 2014er Weißburgunder (klasse!) und den etwas zu sehr weichgespülten 2015 Blanc de Noir bis zum markanten 2015 Krone Spätburgunder. Ein Rotwein-Juwel ist der 2012 Spätburgunder „Juwel“… derzeit mit Sicherheit einer der stärksten seiner Art im Rheingau. Hut ab. Eine geschmackliche Offenbarung war zudem der 2013er Rothenberg Riesling Sekt brut … ein großer Sekt aus VDP.Großer Lage.

Den Weißburgunder haben wir mitgenommen und nach der Seilbahnfahrt hoch zum Jagdschloss Niederwald im „Rittersaal“ des Osteinschen Parks bei prächtiger Sicht ins Mittelrheintal geleert. Zur Fuß zurück in den Ort und ab die „Alte Bauernschänke“. Essen, Service und Wein gut… im Weingut Konrad Berg tut sich was…. die 2015 Riesling Spätlese aus dem Lorcher Pfaffenwies war jedenfalls exzellent, und mit dem formidablen Rumpsteak harmonierte der 2015 Höllenberg Spätburgunder „S“ aus dem Barrique sehr gut. Ein Hoch aus Assmannshausen und seinen Höllenberg.

Pilgerfahrt nach Bordeaux

Kleine Pilgerfahrt nach Bordeaux Es sind schon viel zu lange her, dass ich als „Wein-Entertainer“ und Weinautor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes einmal die Weinküsten Europas entlangfuhr und dabei auch in Bordeaux einen Stopp einlegte, um die Kreuzfahrer zu einigen Weingütern zu begleiten. Jetzt war endlich mal Zeit und Muße für einen intensiven Kurztrip in die Weinhauptstadt der Welt. Die Stadt hat sich seither wirklich sehr verändert… und sehr zu Ihrem Vorteil.

Wer nach der Ankunft zum Dinner das „La Brasserie Bordelaise“ aufsucht, hat schon viel richtiggemacht. Das Essen ist phänomenal, ebenso die Weinauswahl. Es lohnt sich dabei durchaus, als Aperitif auch mal einen weißen 2017 Semilion-Sauvignon blanc wie von Chateau Thieuley zu trinken. Der guten Brasserien gibt es viele, und viele sind auch sehr empfehlenswert, so auch „La Petite Gironde“ am rechten Ufer, oder „La Plana“ am Siegesplatz.

Der Schatz Bordeauxs aber sind die vielen Weinbars, die alle abzuklappern jeden Besucher überfordert. Ein Muss aber ist die „Bar a Vin“ an der Straße des 30. Juli, NACHDEM man zuvor die Wendeltreppe des Weinhauses „L ´Intendant“ hochgestiegen ist, um die dort gemachten Erfahrungen zu verarbeiten…. Danach am besten zum „Millesime“ mit besonders feinen Tapas. Ebenfalls nicht zu verachten sind „Au 4 Coins du Vin“ und die „Max Bordeaux Wine Gallery.“ Besonders gut gefallen hat mir auch „Le Wine Bar“ (Fois Gras und Rosé) und noch drei Häuser weiter an der Rue Bahutiers das „Vins Urbains“ (Sardinen und Weißwein).

Das alles sind gute Vorbereitungen in Bordeaux auf DIE Pilgerstätte für den Weinenthusiasten, die Cité du Vin am Ufer der Gironde… Das ist eine schwer zu beschreibende Mischung zwischen imposanten Weinmuseum, Weinshop, Weinbar, Weinrestaurant, Aussichtsturm, Degustationshalle (8. Stock) und Andenkenladen. Go and see! – den passenden Imbiss am besten danach in der „Markthalle“ gegenüber. Und der richtige Platz zum den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen ist die „Rooftop Bar“ im Hotel Mama Shelter….

Hochheim-Trip

Ein Hoch auf Hochheim So ein Sonntagnachmittag in Hochheim kann höchst vergnüglich sein, vor allem wenn Himmel, pardon Peter Flick, geöffnet hat. Der Übergang ist vollzogen, in der Holger-Crafoord-Straße weht ein neuer Wind. Noch allerdings gibt es – wie jetzt beim Hoffest – auch phänomenale Himmel-Weine wie 2017 Weiß Erd und 2017 Hölle Riesling trocken… auch das 2017 Erste Gewächs ist sehr gut. Ich rate, sich nicht nur aus sentimentalen Gründen mit Himmel einzudecken, das sind Weine mit Potential und Zukunft.

Für den jungen Peter Flick beginnt nun die Herausforderung, wir sind hoch gespannt… 2017 „Verflickst“ Riesling trocken ist schon mal ein Anfang…. Über die Anfänge weit hinaus ist Fabian Schmidt im Weingut „Im Weinegg“ in der Kirchstraße. Die Jahrgangsverkostung, in die wir eher zufällig reingeschneit sind, war eine Offenbarung. Hier zeigt die Tendenz steil nach oben, 2017 hat uns außerordentlich gut gefallen, sogar der „Summer Jam“ und ein Secco Rosé.

Gekauft haben wird 2017 Domdechaney Spätlese trocken und den 2014 Riesling aus dem Barrique mit dem etwas befremdlichen Namen „Perle Blanche“. Aber auch die Alten Reben aus der Hölle überzeugten! Kompliment! Weiter zu Künstler mit Jahrgangsverkostung, dazu Knipser (2014 Kalkmergel Spätburgunder!) und Heymann-Löweinstein (2017 Uhlen Große Lage!) zu Gast…. lost in paradies! Was soll ich sagen…, ich mach es ganz und unverdient kurz: Neun Große Gewächse von Künstler im Angebot, eines besser als das andere….

Danach erstmal was Deftiges: Hacksteak und Schnitzel bei Dienst im Dorotheenhof. Immer eine Bank, immer lecker, und dazu dann natürlich den 2015er Pinot aus dem Barrique, den Vize-Sieger des diesjährigen Pinot-Cups sowie ein fein gereiftes Erstes Gewächs aus dem phänomenalen Jahrgang 2013 und der Hochheimer Hölle. Made my day!!!

Südafrika- Nachmittag

La Motte 2016 Chardonnay, Bouchard-Finlayson 2015 Chardonnay Crocodiles Lair und Dornier 2016 Chenin Blanc Bush Vine haben gute Freunde für uns geöffnet, und das war ein herrlicher Kurzurlaub mit dem Gaumen und bedeutete ein Schwelgen in Erinnerungen. Drei wirklich gute Weine, wobei der Chenin Blanc einen Trinkfluss entfaltete, der ihn am Ende den Sieg bescherte. Schmeckt nach mehr, nach viele mehr!

Steillagenweinbau quo vadis

 Steile Weinberge geben dem Landschaftsbild einen unverwechselbaren Charakter. Sie prägen Kulturlandschaften wie die Mosel und den Rheingau in besonderen Maße und spiegeln die traditionelle Landnutzung über Jahrhunderte wider. In heutiger Zeit allerdings führen die hohen Kosten der Bewirtschaftung steiler Weinberge zu einem Wettbewerbsnachteil.

Auf dem Weinmarkt können höhere Preise nicht allein deshalb durchgesetzt werden, weil die Bewirtschaftung für die Erzeuger teuer ist. Besonders im Mittelrheintal und an der Mosel sind die Folgen für das Landschaftsbild gravierend, denn immer mehr Flächen fallen brach. Der untere Rheingau ist von dieser Entwicklung ebenfalls nicht verschont geblieben, wie das Beispiel Lorchhausen und die Hänge zwischen Rüdesheim und Lorch zeigen. In den steilen Hängen über dem Weindorf ist die Rebfläche im Lauf der zurückliegenden Jahrzehnte stark zurückgegangen.

Auch wenn manche Flächen aus Sicht des Naturschutzes an Wert gewinnen, wenn die Monokultur Weinbau zurückweicht, ist es das Ziel der Politik und des Weinbaus, dass nicht weitere Weinberge verlorengehen. Vor allem die Staatsweingüter suchen nach Methoden, um dem Anbau in Steillagen seine ökonomischen Nachteile zu nehmen. „Das kostet mich jedes Jahr eine Million Euro Gewinn“, bezifferte Geschäftsführer Dieter Greiner im vergangenen Jahr die Folge der aufwendigen Bewirtschaftung von Steilhängen wie beispielsweise dem Rüdesheimer Berg.

Insgesamt pflegen die Staatsweingüter rund 90 Hektar Steillagen. Die Mechanisierung der Bewirtschaftung ist eine Möglichkeit zu sparen, beispielsweise durch den Einsatz zu entwickelnder Vollerntemaschinen für Steillagen. Auch der sogenannte Minimalschnitt bei der Pflege der Weinberge gehört dazu, der weniger arbeitsaufwendig ist als die konventionelle Bearbeitung. Vielleicht übernehmen zudem schon bald Drohnen den Pflanzenschutz.

Und die Bewässerung der Rebstöcke kann helfen, dass die Erträge in trockenen und heißen Jahren nicht so stark hinter denen in flacheren Gefilden zurückbleiben. Das Land fördert zudem den Weinbau in steilen Lagen von einer Neigung von 30 Prozent an auch finanziell, um die wirtschaftlichen Nachteile ansatzweise auszugleichen. Die Förderung erreicht dabei bis zu 2300 Euro je Hektar in Lagen mit mehr als 45 Prozent Hangneigung.

Eine weitere Methode liegt in der Querterrassierung. Die Rebzeilen verlaufen dann nicht mehr steil zum Rhein hinab, sondern quer im Hang und mit so großen Abständen, dass eine maschinelle Bewirtschaftung mit Traktoren möglich ist. Zwar haben dann auf einem Hektar deutlich weniger Rebstöcke Platz, doch die ökonomischen Vorteile überwiegen. Vorreiter im Rheingau waren die Winzerbrüder Laquai in Lorch, und auch die Staatsweingüter haben inzwischen die Querterrassierung als Chance zur Senkung der Arbeitskosten erkannt.

Die Wissenschaft steht den Betrieben zur Seite. Die Hochschule Geisenheim hat jetzt das Forschungs- und Praxisprojekt „Bio-QuiS“ begonnen. Dieses Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit knapp 400.000 Euro gefördert. Die Rebzeilen und Gassen zur Bewirtschaftung werden dabei hangparallel angeordnet. „Neben der arbeitssparenden Bewirtschaftung mit normalen Schmalspurschleppern haben Querterrassen-Weinberge auch einen ökologischen Vorteil.

Ein Teil des Weinbergs besteht aus Böschungen, die der direkten Bewirtschaftung entzogen sind und ein großes Potential für den Naturschutz haben“, meint Projektleiterin Ilona Leyer vom Institut für angewandte Ökologie. Es gebe aber noch zahlreiche offene Fragen im Hinblick auf die Begründung der Gassen, den Erosionsschutz, die Böschungspflege sowie die Folgen für die Artenvielfalt. Auch rechtliche Fragen müssen noch beantwortet werden, ehe die Querterrassierung den Winzern als attraktive Alternative zur Bewirtschaftung in Falllinie empfohlen werden könne. Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau sieht noch andere Untersuchungsfelder: Die neue Zeilenorientierung und die in Querterrassen geringere Dichte der Rebpflanzen beeinflusse das Mikroklima und die Wasserversorgung.

Dies könne Auswirkungen auf den Ertrag, auf die Bildung der Aroma- und Inhaltsstoffe sowie auf die Rebengesundheit haben. Die Wechselwirkungen zwischen Rebe und Umwelt sollen daher vergleichend für Falllinien- und Querterrassen-Weinberge untersucht werden. Drei Weingüter legen als Projektpartner der Hochschule in diesem Frühjahr neue Querterrassen-Weinberge im Mittelrheintal an, um unterschiedliche Begrünungsmischungen und Ansaat-Techniken zu erproben. Diese Partner sind die Hessischen Staatsweingüter und das Lorcher Weingut Laquai auf hessischer Seite sowie das Bacharacher Weingut Ratzenberger in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig sollen schon bestehende Querterrassen-Weinberge näher unter die Lupe genommen werden, um deren Bedeutung für die biologische Vielfalt zu bewerten und um unterschiedliche Pflegevarianten einschließlich der Beweidung durch Schafe zu testen. Die Ergebnisse sollen in einen Praxisleitfaden münden, der Weinbau, Naturschutz und Politik das notwendige Wissen zur Verfügung stellt, um den Steillagenweinbau als landschaftsprägendes Element dauerhaft zu erhalten

Verkostungstagebuch

Steinmacher & Sohn,

Kiedrich Riesling Sekt brut …genau das richtige, um anlässlich des Kiedricher Weinsteigs (dritter Sonntag im März) das Erklimmen des Scharfensteins zu feiern… leider verdarb der Wintereinbruch diesmal die frohen Erwartungen der Kiedricher Winzer. Wer trotzdem kam und ordentlich gekleidet wara, wurde nicht enttäuscht… neben den anderen Weinwanderungen wie bsp. „Natur pur“, Bubenhäuser Weinrunde, Eibinger Weinwanderung u.a. ein guter Start in die Saison…

Trip to Auli

Über Aulhausen, das Rheingauer Weindorf ohne eigene Weinberge, habe ich mich schon bei anderer Gelegenheit auf diesem Blog ausführlich ausgelassen. „Auli“ ist aber immer einen Trip wert, auch im März. Dann stellt z.B. Friesenhahn schon den aktuellen Jahrgang vor, bei Strieth sind die ersten 2017er gefüllt, und bei Klaus Schön isses ohnehin immer schön…

Weingut Michael Schön: 2011/ 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken. Ja, solche dicken Späbus mit 14% Alki sind nicht jedermanns Sache, doch ein Geschmackserlebnis sind sie mit ihrer Wucht, ihrem Tiefgang, ihrer Frucht und ihrer Substanz allemal…

Friesenhahn: der 2016er Rüdesheimer Riesling A hat mich diesmal an erster Stelle überzeugt. Nur 1,3 g Zucker, somit knochentrocken, aber denn mit viel Mineralität und Finesse, klasse. Der 2016 Katerloch Riesling Spätlese Alte Reben ist deutlich gefälliger. Weichgespült wäre aber bei einem solchen Wein das ganz falsche Wort. Finesse und Eleganz, gepaart mit Frucht und Saftigkeit, gut. Weiter probiert: 2016 FrieSteil (Freestyle!) feinherb, ein Wein zu Wegsaufen gut. 2016 Leingiebel Spätlese deutlich süßer, feiner Essensbegleiter. 2017 Rüdesheimer Weißherbst trocken und feinherb (letzter viel zu süß für mich), 2017 Grauburgunder trocken – gut, aber den Hype um die Rebsorte kann ich einfach nicht nachvollziehen… da greife ich lieber zum Chardonnay. Oder bei Friesenhahn zum dichten, starken 2015 Spätburgunder trocken!

Strieth

Hier stehen alle Zeichen auf einer bärenstarken 2017er Kollektion! Zum Beispiel der 2017er „Jungspund“ Riesling feinherb, der eine Allzweckwaffe ist und über den Sommer hinweg ein perfekter Trinkwein ist. Wir waren mal ab, ob irgendwann ein „Alter Sack“ den Weg ins Sortiment findet. Ganz stark der „Frenz“ aus dem Berg Kaisersteinfels. Derzeit noch mit viel Primäraromen, aber die Klasse deutet sich schon auf dem Gaumen und im Abgang an. Mein Liebling aber ist der spontanvergorene 2016 Schlossberg „Alte Reben“ Riesling, das ist großartig! Dass Strieth ein Händchen für Blanc de Noir hat, muss nicht eigens erwähnt werden. Das setzt sich auch mit dem 2017er nahtlos fort. Eine Bank für sich ist der 2015er Höllenberg Spätburgunder mit feinem Cassis, ein wenig Vanille, feine Frucht roter Beeren, Kraftvoll, aber nicht zu aufdringlich, sehr gut. Und dann hatten wir noch die Chance, ältere Pinots zu probieren… aber das ist eine andere Geschichte…

J.B. Becker, Walluf

2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben 2013 Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese Alte Reben

Schloss Reinhartshausen, Erbach

2016 Sauvignon blanc Inselwein trocken … ich war schon viel lange nicht mehr in der Schlupp in Walluf, Schande über mein Haupt. Gutes Essen, freundlicher Service, feines Ambiente, dazu feine Weine wie die von Becker in Walluf. Becker-Weine reifen einfach großartig, wie die beiden Walkenberg-Weine aus 2008 und 2013 zeigen, top. Und der Sauvignon blanc von der Rheininsel Mariannenaue hat zwar sehr viel Säure, aber insgesamt ganz ordentlich gelungen…

Sohns, Geisenheim

2015 Mäuerchen Spätburgunder M – eher auf der dichten, wuchtigen denn auf der komplexen Seite, aber durchaus fein und gut, braucht in jedem Fall noch 2-4 Jahre Zeit, um seinen Charakter zu entfalten

F. B. Schönleber, Winkel

2014/2016 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG 2015/ 2016 Winkel Jesuitengarten Riesling GG einfach schön, wenn man in einer Rheingauer Schänke vier GGs aus drei Jahren und zwei Lagen trinken kann. An unserem Tisch gingen die Meinungen auseinander, so dass ich mich mit dem 15er Jesuitengarten nicht mehrheitlich durchsetzen konnte… (ist aber trotzdem der aktuell Beste…!)

Weingut Abel, Oestrich

2015 Lenchen Riesling Erstes Gewächs – zeigt schon Reifenoten, aber von der angenehmen Sorte, stoffig, voll, dicht!

Finale Gourmet Festival

 Wie gewohnt ging das Festival mit einer Abschiedsparty im Kronenschlösschen zu Ende. Mit dabei ein Fülle guter Winzer mit ordentlichen Tropfen. Und diese sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Weingut Klumpp 2016 Weißburgunder und 2016 Grauburgunder Magnum – dicht, komplex, voll! Weingut Urban Kaufmann, 2014 Wisselbrunnen GG – Finesse, Eleganz Weingut Crass 2015 Siegelberg Riesling Alte Reben Magnum Wein- und Sektgut Barth 2011 Ultra Pinot brut Nature – großartig! Markgraf von Baden 2016 Durbacher Schlossberg Chardonnay trocken Weingut F.B. Schönleber 2016 Franz Bernhard Riesling und trocken UND Obsthof Schneider: 2014 Goldparmäne Alte Bäume und 2016 Ananasrenette – das ist ein Stöffchen zum Niederknien!

Salmanazar & Balthasar

Salmanazar und Balthazar hießen heute kaum mehr bekannte Assyrekönige. Für Champagner- und Weinfreunde sind das allerdings bis heute klingende Namen, denn sie stehen für Großflaschen, in denen schon allein wegen der beachtlichen Glaskosten nur ausgewählte Weine abgefüllt werden. Zwei dieser mundgeblasenen Giganten sorgten für die Höhepunkte auf der Weinversteigerung der Prädikatsweingüter und der Hessischen Staatsweingüter.

Eine zwölf Liter fassende „Balthazar“ des Weinguts Allendorf mit einem „2016er Goethewein aus dem Brentanohaus“ war einem Weinfreund 2400 Euro wert. Und 1650 Euro ließ sich ein Bieter die Neun-Liter-Flasche (Salmanazar) aus dem Kiedricher Weingut Robert Weil kosten, die mit einem Ersten Gewächs des Jahrgangs 2004 gefüllt war – dem meiner Meinung nach aktuell besten trockenen Wein von Weil (siehe auch meinen Blog zu Vertikalproben bei Weil)

„Methusalem“ ist der schmächtigere Bruder von Salmanazar und Balthazar mit „nur“ sechs Liter Inhalt. Für eine kleine Familienfeier dürfte das aber immer noch genug sein. 1100 Euro wurden für ein „Berg Rottland Riesling Großes Gewächs“ des Jahrgangs 2016 aus dem Weingut Ress in dieser Großflasche gezahlt, und sogar 1350 Euro gab es für eine 2016er Auslese von Schloss Johannisberg.

Zu welchem Anlass diese imposanten Großflaschen geöffnet werden und wer sie ersteigerte, das blieb den 480 Gästen der Auktion im Kloster Eberbach verborgen, denn Gebote durften im Auftrag ihrer Kunden nur die zehn zugelassenen Kommissionäre abgeben. Daher liegt auch der Mantel der Diskretion über jenen beiden finanzkräftigen Weinfreunden, die 4000 Euro für eine Einzelflasche Berg Rottland Riesling Trockenbeerenauslese und sogar 4150 Euro für einen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur zahlten, beide aus dem besonders raren Jahrgang 1938 und beide aus der Schatzkammer der Hessischen Staatsweingüter.

Das waren die Höhepunkte einer Auktion, die zugleich einen Neustart für diese Weinveranstaltung im Rheingau markieren sollte. Denn wegen geänderter Vertriebswege und Marktbedingungen war deren Bedeutung in den zurückliegenden Jahren stark gesunken.

Trotz der langen Tradition. Mit einer herrschaftlichen Weinversteigerung war schon im Jahr 1806 in der alten Zisterzienserabtei begonnen worden, auch wenn es damals noch um ganze Fässer und nicht um Flaschen ging. 1897 hatte sich die „Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer“ gegründet, die Vorläuferin des heutigen Verbands der Prädikatsweingüter. Die Versteigerungen sind somit ein bedeutender Teil der Rheingauer Weinkultur.

Ökonomisch betrachtet, wäre der Aufwand heute verzichtbar. Mit einer Frühjahrs- und einer Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter, einer VDP-Versteigerung im September und einer Raritätenauktion in Zusammenarbeit mit einem Londoner Auktionshaus hatte es vor 20 Jahren im Rheingau sogar noch vier Auktionen gegeben. Nun konzentriert sich alles auf eine einzige im März, nachdem der VDP im vergangenen Jahr seine Herbstauktion abgesagt hatte.

Das Rheingau Gourmet- und Wein-Festival scheint zudem das richtige Umfeld für die Revitalisierung. Neu waren in diesem Jahr die sieben „VDP. Auktion Réserve-Weine“, die exklusiv nur für die Versteigerung gefüllt wurden. Bei ihrer Vorstellung im vergangenen Jahr sprach Wilhelm Weil von „preiswürdigen und erschwinglichen“ Weinen von geprüfter Qualität und „mit hohem Trinkfluss“. Dieses Experiment scheint gelungen. Die erzielten Preisen für die jeweils 300 Flaschen umfassenden Riesling-Partien waren durchaus ordentlich.

Weils eigener Réserve-Wein wurde für zwölf Euro aufgerufen und für 27,50 Euro zugeschlagen. Ein Réserve-Sekt des Weinguts Barth wurde von 16 auf 42 Euro je Flasche gesteigert. Erstmals wurde eine VDP-Weinauktion live im Internet übertragen. Bis zu 100 Zuschauer sahen sich zumindest phasenweise die Auktion an. Ein Dutzend potentieller Käufer hatte sich vorab registrieren lassen, um online mitzusteigern. Und das nach Angaben von Dirk Würtz, der das Projekt betreut hatte, mit Erfolg. Die Online-Gebote hätten sich auf einen fünfstelligen Betrag summiert. Vor allem ein norwegischer Weinfreund habe ordentlich eingekauft.Würtz spricht von einem „guten Impuls“ für die Traditionsveranstaltung. Das sei ein erfolgreicher Auftakt gewesen, die Mühe habe sich gelohnt. „Ich bin extrem zufrieden“, sagt Würtz, und der Erfolg sei greifbar: „Die Weinversteigerung lebt wieder“.

Ähnlich positiv äußerte sich der Geschäftsführer der Staatsweingüter, Dieter Greiner: „das hat Spaß gemacht.“ Viele der Versteigerungslose seien überzeichnet gewesen, so dass die Winzer zusätzliche Flaschen bereitstellen mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Tatsächlich waren laut Katalog gut 4400 Flaschen im Angebot, versteigert wurden aber im Lauf von insgesamt vier Stunden nach der Bilanz von VDP-Geschäftsführer Mathias Ganswohl mehr als 5700 Flaschen zum Nettopreis von zusammen 225 000 Euro.

Es scheint, dass die Winzer einen Weg gefunden haben, die Tradition zu wahren und sich der Online-Zukunft zu öffnen. (aus der FAZ)

Gourmet und Wein Festival im Rheingau

Auf zum Rheingau Gourmet und Wein Festival Die Rückkehr aus Südafrika im Februar wird meist dadurch erträglich, dass das Rheingau Gourmet und Wein Festival beginnt – Fastenzeit hin, Fastenzeit her.

Also erstmals was Perlendes ins Glas: „Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“

So beschrieb Lilly Bollinger anlässlich der Vorstellung des Jahrgangs 1955 die Faszination von Champagner. Das älteste Champagnerhaus ist Bollinger jedoch nicht. Diese Ehre fällt Gosset zu, das schon 1584 gegründet wurde und Hoflieferant der französischen Könige war. Rund 1,2 Millionen Flaschen verlassen heute das Stammhaus in Epernay, und einige der besten wurden am Eröffnungswochenende des 22. Rheingau Gourmet und Wein Festivals geöffnet.

Beispielsweise die „Celebris Vintage 2004 extra brut“ und die „15 ans de cave a minima brut“ aus Grundweinen, die sämtlich vor 1999 geerntet wurden und ein besonders langes Hefelager in den kühlen Gewölbekellern hinter sich haben. Proben wie die mit dem Champagnerhaus Gosset sind neben den Galadiners und Themen-Lunches die Kernelemente des Festivals, das seit 1996 in jedem Jahr herausragende Köche und Winzer in den Rheingau bittet.

Mehr als 200 Winzer sind es in diesem Jahr, begleitet von einer starken Riege nationaler und internationaler Sterneköche. 18 Tage lang tischen sie 6500 Wein- und Feinschmeckern aus aller Welt ihre Kreationen auf. Das kommt an, wie die gute Buchungslage mit mehr als 90 Prozent verkaufter Tickets zeigt.

Und das Festival bringt Tausende zahlungskräftige Gäste zu einem Zeitpunkt in die Weinregion, in der üblicherweise der Besucherstrom noch einem Rinnsal gleicht. Eröffnet wurde das Festival wie gewohnt mit einer großen Eröffnungsparty im Kloster Eberbach, bei der 500 Gäste zu Live-Musik von Winzer zu Winzer und von Koch zu Koch flanierten.

Umlagert waren vor allem die Kochplätze der ausländischen Stars wie die des in London lebenden Inders Vineet Bhatia, des Südafrikaners Reuben Riffel und des Sansibar-Kochs Anuraag Ramkalawon, die mit Leckereien wie Hühnchen in Curry und Rind mit Limonen-Relish bei vielen Gästen den Appetit auf ihre abendlichen Dinner und Mittagessen weckten.

Meine Lieblingsweine dazu: 2016 Turmberg von Weil, 2016 Oestricher Klosterberg von PJ Kühn, 2016 Alten Reben von Mohr in Lorch und der 2016 Hallgartener Ortswein von Prinz. Sansibar, die halbautonome Inselgruppe vor den Küsten von Tansania in Ostafrika, ist die Heimat von Ramkalawon, der erstmals im Rheingau zu Gast war und deshalb auch gleich eine der beliebten Kochdemonstrationen gab. Ramkalawon bereitete dabei das zu, was nicht nur in den Nobelhotels der Insel gekocht wird, sondern auch in den Hütten der rund 1,2 Millionen Einwohner: eine einfache, aber sehr aromatische Küche.

Dazu zählt das Pilaw, ein traditionsreiches Reisgericht mit Huhn, das laut Ramkalawon auf Sansibar seit Jahrhunderten gekocht und immer wieder verfeinert wird. Aber auch einen Reispfannkuchen mit Kokosmilch. Die Zutaten wachsen vor der Haustür, denn Sansibar ist als Gewürzinsel bekannt, auf der Vanille, Pfeffer, Kardamom, Nelken und Muskatnüsse und viele andere Gewürze wachsen. Sein Koffer sei nicht groß genug gewesen, eine Probe aller Gewürze mitzubringen, entschuldigte sich Ramkalawon. Dass es nicht immer nur einfach und traditionell geht, sondern auch fein und anspruchsvoll, das zeigte er bei einem LLunch mit einer Königskrabbe mit roten Bohnen und Kokosnuss-Sauce und einem Loup de Mer mit süßer Chili-Sauce. Perfekt dazu die GGs von Gunderloch (2016 Rothenberg), Dönnhoff (2016 Felsenberg) und Vollrads (2013 Schlossberg) Das Festival lüftet aber nicht nur die aromatischen Küchengeheimnisse exotischer Länder, sondern beantwortet auch andere Fragen wie die nach der Zahl der perlenden Bläschen in einer einzigen Flasche Gosset-Champagner. „Damit beschäftigen sich in der Champagne sogar Wissenschaftler“, wusste die deutsche Champagner-Botschafterin Yvonne Heistermann – und sie hatte eine Zahl parat, die in der Verkostungsrunde ungläubiges Staunen provozierte: bis zu 20 Millionen. Bei der traditioneller VDP-Präsentation im Kloster war diesmal Portugal zu Gast. Natürlich mit vielen feinen Rotweinen, aber ich habe mir diesmal vor allem die Weißen vorgenommen (nicht Vinho Verde!). Feine Cuvées… teils mit überraschend präsenter Säure

Bei den VDP-Winzern ergibt sich an diesem Tag stets die gute Gelegenheit, die trockenen GGs wieder einmal einer kleinen Nachprüfung zu unterziehen. An diesem Nachmittag besonders lecker: Weil 2015 und 2016 Gräfenberg, Allendorf 2016 Jesuitengarten, Barth 2015 Hassel, Johannishof 2016 Rottland, Toni Jost 2015 Walkenberg, Kanitz 2016 Kapellenberg, Kaufmann 2016 Wisselbrunnen und Kühn 2015 Doosberg sowie Prinz´ 2016 Jungfer GG.

Großer Sekt aus Großer Lage

Mark Barth und ich mögen es trocken. Staubtrocken. Ehrlich. Authentisch. Gerade heraus. Eben „extra brut“ oder vielleicht sogar „brut nature“. Das schmeckt dann weder dünn noch säuerlich, wie mancher unken mag, sondern nach glasklarer Frucht, nach Rasse und Finesse. Und immer mehr Kunden ziehen mit. Der Riesling-Sekt „extra brut“ ist der Verkaufsschlager im Sortiment. Richtig trocken liegt also wieder im Trend, Rosé im Sommer sowieso, und die Bedeutung der Jahrgangsangabe auf dem Etikett nimmt zu. Das allerdings hat seinen Preis.

Bei Barth beginnt das mit 14 Euro je Flasche. Und nicht weniger als 65 Euro kostet der Premium-Sekt aus dem Spitzenweinberg Hattenheimer Hassel. Dort erzeugt das VDP-Gut seine Großes Gewächs-Weine. Mit dem Unterschied, dass der in dieser Lage gewonnene Sekt nach Ernte im Keller noch fünf Jahre mit der Hefe in der Flasche reift. „Für diesen Aufwand ist der Sekt günstig“, sagt Barth und hat völlig recht. Barth gehört zu der Handvoll Rheingauer Weingüter, die ihre Sekte von kleineren oder größeren Kellereien herstellen lassen, sondern die gesamte Produktionskette in der eigenen Hand behalten.

Fast 30 Jahre ist es her, dass Barths Schwiegervater Norbert der Sekterzeugung besondere Aufmerksamkeit schenkte und die Marktchancen hochwertiger Winzersekte erkannte. Mit seinem „Ultra“-Sekt aus weiß gekeltertem Spätburgunder stieß Barth schon in einer Zeit in ein Preissegment vor, in das sich die wenigsten seiner Kollegen getraut hätten. Seither ist die Sektproduktion sukzessive immer wichtiger geworden, wichtiger als in fast allen anderen Rheingauer Weingütern. Rund ein Drittel der Traubenernte auf einer Rebfläche von immerhin 20 Hektar wird heute zu Sekt verarbeitet. Während das Gesetz eine Reifezeit von neun Monaten vorschreibt, lässt Barth seinen Sekten mindestens zwei Jahre Zeit. Manche wie der überaus seltene, ebenfalls staubtrockene Rotsekt aus Spätburgundertrauben, dürfen fünf Jahre reifen, ehe sie in den Verkauf kommen.

„Wer Sekt machen will, braucht viel Geduld und viel Platz“, sagt Barth zwischen den langen Reihen der Rüttelpulte. Vor drei Jahren hat die Familie Geld in die Hand genommen, um den Keller zu erweitern und einen dem eigenen Anspruch entsprechenden, standesgemäßen Verkostungs- und Verkaufsraum zu bauen. Für ein Wein- und Sektgut mit einem hohen Anteil an Privatkunden ist ein repräsentativer Auftritt von besonderer Bedeutung. Rund die Hälfte des Weins geht direkt ab Hof an die Kundschaft, beim Sekt steigt dieser Anteil sogar auf 70 Prozent. Und Sekt ist nach wie vor ein Saisongeschäft.

Barth schätzt, dass etwa ein Drittel des Absatzes auf die letzten sechs Wochen des Jahres entfällt. Ein feiner Sekt ist für Barth „belebend und erfrischend“ und damit das Gegenteil von einem ermüdenden Getränk. Zwar dürfe Sekt auch komplex und fordernd sein, aber stets müsse die Freude am Genuss überwiegen. Das beginnt für Barth bei der Güte des Grundweins. Er ist für ihn „der Rohdiamant, der durch den Schliff seine finale Form erhält“. Sektspezialisten wie Barth wählen deshalb die Weinberge für die Sektproduktion gezielt aus, steuern die Erträge am Rebstock und wählen vor allem einen vergleichsweise frühen Zeitpunkt für die Ernte, weil nicht das Mostgewicht entscheidend ist, sondern die Gesundheit der Trauben und ihr Säuregehalt. Sekterzeugung beginnt im Kopf und wird im Weinberg lange vor der Lese vorbereitet.

Das kann dazu führen, dass schwierige und fäulnisreiche Jahre wie 2016 und 2017 für die Sektproduktion nur bedingt in Frage kommen. Seit vier Jahren ist das Weingut als ökologisch wirtschaftender Erzeuger zertifiziert. Die Kunden allerdings interessiert vor allem die Güte des Flascheninhalts. Dass es für den Preis seiner Spitzensekte auch schon Champagner zu kaufen gibt, stört Barth nicht. Er sieht die Schaumweine aus Frankreich nicht als direkte Konkurrenz, sondern als „andere Kategorie“. Sie sind für ihn daher auch kein Leitbild. „Wie wollen das Beste aus dem rausholen, was wir haben“, sagt Barth, und das sind im Rheingau nun einmal viel Riesling, ein wenig Spätburgunder und etwas Weißburgunder. Die Konzentration auf die Traditionsrebsorten des Rheingaus kommt gut an und ist authentisch. In den aktuellen Weinführern ist Barth durchweg gut bewertet, und die Sekte tragen zum besonderen Profil bei. Mancher ausgewiesene Sektfreund ist beim ersten Besuch des Gutes in Hattenheim sogar erstaunt: „Oh, Sie haben ja auch Wein“

Gerade erst hat FAZ-Kolumnist Stuart Pigott den 2013er Schützenhaus Sekt brut nature zum „Schaumwein des Jahres“ gekürt. Barth könnte also rundum zufrieden sein. Nur dass Sekt immer noch häufig auf die Rolle eines Aperitifs reduziert wird, das kann er nicht verstehen. Barth ist überzeugt dass seine Sekte ein komplettes Menü adäquat begleiten können. Ich auch.

Verkostung

Riesling Sekt brut & extra brut – die doppelte Basis und zweifache Visitenkarte des Sektguts. Feinperlig, gute Frucht, erfrischende Säure, im direkten Vergleich wirkt der extra brut präziser, mehr auf dem Punkt. Pinot Blanc brut – viel Schmelz, bringt die Finesse und Aromatik des Weißburgunders sehr gut zum Ausdruck, elegant, guter Essensbegleiter Pinot Rose brut – perfektes Lachsrosa, typische rote Früchte prägen das Aroma, langer Nachhall, der Sommersekt, aber nicht nur….! Pinot Noir Rotsekt – eine Rarität für Kenner, ich liebe diese Sekte, wenn sie richtig „brut“ sind, leicht rauchige Note, sehr komplex, großartig 2011 Ultra Pinot brut nature – seit vielen Jahren eines der Flaggschiffe deutschen Winzersektes. Immer noch ein Erlebnis am Gaumen. 2013 Schützenhaus Riesling brut nature – ich kann die Schwärmerei von Stuart Pigott gut verstehen. Könnte auch mein Schaumwein des Jahres sein dank seiner Finesse und Komplexität, aber auch wegen seiner feinfruchtigen Frische und vor allem seines trinkanimierenden Charakters! Nächste Flasche! 2011 Hassel Riesling brut – Großes Sekt-Kino aus VDP-Großer Lage. Nach fünf Jahren auf der Hefe komplex und tiefgründig, verbindet Eleganz mit Kraft und Finesse. Groß.

Zurück in Südafrika

Back in paradies – Südafrika 2018

Wer den Überblick über die Zahl seiner Südafrika-Reisen verloren hat und (fast) das ganze Land einschließlich der großen Städte, der Natur- und Tierparks schon erkundet hat, der konzentriert sich mit Freuden auf das Wesentliche: Franschhoek und Hermanus, Paradiese für Weinfreaks und Genießer.

Stellenbosch/ Franschhoek

Daher ging es auch diesmal wieder in Franschhoek los. Der kleine, im 17. Jahrhundert von aus Europa geflüchteten Hugenotten gegründete Ort ist die eigentliche Wein- und Gourmet“hauptstadt“ am Kap. Eine Fülle großartiger Weingüter (meine Lieblinge: La Motte, Moreson, Mullineux & Leeu, Grande Provence, Boschendal sowie Colmant für ausgezeichnete Sekte) und stylisher Top- Restaurants, wobei sich die Szene stetig wandelt. Fest etabliert hat sich inzwischen Foliage an der Main Street unweit des Hugenotten-Denkmals mit einer fordernden und zugleich begeisternden Aromaküche (auch dank des schon früh am Morgen rauchenden Smokers vor dem Haus), großartige Variationen von Forelle und Rind, dazu passte sehr gut der 2015 Chenin Organic von Reyneke). Stellenbosch ist keine 30 Autominuten entfernt, eine quirlige, lärmende, laute, zunehmend verkehrsgeplagte Uni-Stadt mit einem überschaubar-kleinen Zentrum. Wer das liebt, luncht im Wijnhuis mit seiner großartigen Weinauswahl. Wer nicht, der fährt ins Grüne, bsp. zu Simonsig. Schöne Terrasse, guter Service, nur die Bestuhlung des Gutsrestaurants ist ein Graus. Der 2017er Chardonnay und ein 2016 Chenin en Chevre harmonieren hervorragend mit Kudu-Carpaccio und Filetsteak. Noch besser allerdings gefällt es uns bei Dornier, zumal die Weine immer besser werden. Diese Terrasse ist ein Paradies, und der neue 2017 Chenin blanc Moordenaarskloof hat uns sogar noch besser gefallen als der 2017 Bush Vine Chenin!

Doch zurück nach Franschhoek.

„Reubens“ residiert jetzt an neuer Stelle in einem umgebauten, historischen Lagerhaus und ist ein Muss mit seiner feinen Küche. Meinen Springbok begleitete der 2017 Chenin blanc von Holden Manz perfekt. Für einen Sekt-Frühschoppen empfiehlt sich Haut Cabriere (Pierre Jourdan Belle Rose brut und Weiß brut) schon wegen der phänomenalen Aussicht ins Franschhoek-Tal, allerdings sind die Sekte von Colmant (Brut Reserve) eine Klasse besser und deutlich ausdrucksstärker. Mein Lieblingsplatz ist allerdings der Innenhof von La Motte (2017 Sauvignon blanc und 2016 Chardonnay), wo der Wein noch besser schmeckt, wenn man zuvor die schweißtreibende 6 km-Tour auf dem hauseigenen Wanderweg bewältigt hat!). Wer sich mit solider Küchenleistung begnügen will, ist im French Connection genau richtig. Doch der noch immer günstige Rand-Kurs erlaubt auch zwei außergewöhnliche Gourmet-Erlebnisse: Grand Provence ist ein wunderschön gelegenes Weingut und den besten Wein zu abendlichen 4-Gang-Menü wählt man am besten zuvor bei einer Probe in der stilvollen Vinothek aus: (2017 Sauvignon blanc, 2017 Chenin blanc, 2017 Chardonnay sowie 2015 Viognier-Chenin, 2016 Amphora) Ein kleiner Ausflug führt zu Babylonstoren, dem „Mechthildshausen“ von Südafrika, mit ausgedehnten Gärten, die erkundet werden sollen. Eine weitläufige, top-gepflegte Öko-Farm mit schönem Hofladen und absolut sehenswert. Die Weine allerdings – nun ja – haben noch gaaaaaanz viel Luft nach oben. Die Rotweine sind sämtlich zu süß geraten und ohne Charakter, selbst der Top-Wein 2015 „Nebukandnesar“. Ganz gut ist der knochentrockene Sekt „Sparkel“, allerdings wird er zu einem lächerlich-futuristischen Preis von umgerechnet 40 Euro je Flasche angeboten. Das ist nicht einmal witzig. Ja, man kann im hofeigenen Restaurant Babel gut essen und vielleicht den Chardonnay trinken (auch der zu teuer!), fahre aber besser zum „Nachbarn“ Glen Carlou und genieße zu einem feinen Fisch den drei dort angebotenen Chardonnay im Vergleich… alle gut, vor allem der neue 2015 Curators Collection. Noch stärker aber ist der 2016 Quartz Stone Chardonnay, einer meiner Favoriten. Seit diesem Jahr steht für mich fest, dass man den Abend in Franschhoek, am besten bei Le Coin francais ausklingen lässt, dem neuen Restaurant von Adi Badenhorst, dem früheren Chefkoch von Grande Provence. Das ist Küche auf Sterneniveau ohne zu viel Chichi…. klasse!

Hermanus

Es gibt einen neuen Stern in der Restaurantszene an der Walker Bay: das Heritage Cottage ist ein wirklich gemütliches Restaurant am Marine Drive, guter Service, kleine, aber feine Karte und gute Weinauswahl der Region. Hier den 2012 Maritimus von Sumaridge trinken zu können gab letztlich den Ausschlag, das Weingut mal wieder zu besuchen und dort einen phänomenalen kleinen Lunch auf dem Balkon mit Blick ins Tal und einer begleitenden Weinprobe (Top der 2014 Chardonnay, schwach der Sekt) zu genießen. Das ist nur schwer zu toppen, geht aber am Ende einer Route durch das Hemel-en-Aarde-Valley, meiner Lieblingsweinroute in Südafrika, wo ein Top-Weingut neben dem anderen liegt, von Hamilton Russel über Bouchard-Finlayson bis zu Ataraxia. Fast am Ende lockt Creation, und der Sieben-Gang-Tapas-Lunch mit begleitenden Weinen ist vielleicht das Beste, was sich im Tal anstellen lässt…. (das stimmt natürlich nur für Weinfreaks, denn das Beste an Hermanus ist der 11 km lange, naturnahe Uferpfad zwischen Grotto Beach und dem neuen Hafen…. Neben dem Heritage Cottage gibt es mit der Char´d Grill und Wine Bar im Zentrum noch ein besuchenswertes neues Lokal, hier sind Steaks Trumpf. Erstmals hatten wir genügend Zeit, mal wieder einen Abstecher nach Stanford und Gansbaai zu machen, beides nicht unbedingt sehenswert. Die idyllisch gelegene Springfontein Wine Estate außerhalb von Stanford mit Gastgeberin Susanne Schneider sollte sich allerdings niemand entgehen lassen. Location sehenswert, Essen superb, Weine sehr gut und endlich mal etwas gereift. Das beste Dinner freilich gibt es nach wie vor im Harbour Rock Restaurant, hier ist der Kingclip eine Offenbarung und die Weinauswahl aus dem Tal sehr gut.

Swartland

Das Markenzeichen des Swartland eine Autostunde nördlich von Kapstadt sind die Bush-Weine… einfach großartig, welche finessenreichen, komplexen und eleganten Weine mit moderatem Alkoholgehalt die besten Winzer hier der Natur unter klimatisch schwierigen Bedingungen ohne Bewässerung abringen… Hut ab, Korkenzieher raus! Hier ist alles ein wenig einfacher, trockener, heißer, gemächlicher, beschaulicher, ursprünglicher, authentischer und touristenärmer… lohnt sich also in jedem Fall, und Riebeek-Kasteel ist genau der richtige Ausgangspunkt! Wir haben uns viel Zeit genommen, einen Eindruck zu verschaffen und zu ergründen, warum der Ruf der Weine so herausragend ist. Dazu schaut man sich am besten erstmals die Niederungen, die Basis an: Riebeek Cellars beispielsweise, eine Art Genossenschaftskellerei mit großer Auswahl (Preise ab 2,50 Euro je Flasche, in der Spitze aber immerhin 10 Euro). Unter den Spitzenweinen der Kasteelberg-Range fällt der 2015 Chardonnay als vorzeigbar auf, während der 2015 Pinotage eher süß und plump wirkt. Noch nüchterner fällt die Bilanz bei der Swartland Winery nahe Malmesbury aus. Auch der Spitzen-Weißwein, ein 2015 Chenin Blanc aus der Bush Vine-Range (immerhin 4,50 Euro!) ist eher zu vernachlässigen. Betrachten wir also den Mittelbau: Klovenburg beispielsweise, ein 84 Hektar-Wein- und Oliven-Gut in Riebeek, dessen Sauvignon blanc durch seine klare, schöne Frucht gut gefällt. Der Chardonnay aus dem Holzfass ist ebenfalls ordentlich gelungen, wenn auch kein Straßenfeger. Sehr schön hingegen der „Eight Feet White“, eine Chenin-getragene Cuvée mit Schmelz und Charakter, die ich später auch nochmal in einem Restaurant bestellt habe. Oder auch Pulpit Rock Wines – ein 500 Hektar-Weingut… seit 2003 von Familie Brink gewissermaßen aus dem Swartland-Boden gestampft… klar, dass nur der kleinste Teil selbst in Flaschen gefüllt wird, die Reserve-Weine (2015 Chardonnay und 2017 Sauvignon blanc) können sich aber schmecken lassen… und auch hier etwas Bemerkenswertes: der 2013er Louisa-Blend aus Pinotage, Shiraz und Cabernet Sauvignon hat den auf die Flasche aufgeklebten Medaillenregen tatsächlich verdient… fein, rund, komplex, strukturiert, top! Bleiben die Top-Betriebe, die wie überall mit Qualität und Anspruch (und Preisen!) vorangehen und dem Rest den Weg bereiten: Wir haben viel Badenhorst und auch Sadie Familiy Wines getrunken und uns Allesverloren, Mullineux und David und Nadia näher angesehen und ausgiebig verkostet. Dabei hat uns vor allem die Finesse und Komplexität der Weine überzeugt, und das alles bei moderatem Alkoholgehalt! Bei Allesverloren stachen für mich 2016 Shiraz (!!!), 2015 Tinta Barocca und 2016 Touriga Nacional heraus, aber auch der 2015 Cabernet Sauvignon und der 2017 Chenin blanc (einziger Weißwein des Guts) waren überzeugend. Ein Erlebnis der Besuch auf der Roundstone Farm von Mullineux und Dank an Nicola Tipping für die Probe. Schon die Kloof-Street-Range (2017 Chenin und Rouge) ist absolut überzeugend geraten und wäre in Südafrika wohl mein Brot- und Butter-Wein. Einer der besten Shiraz dieser Reise war der 2015 Syrah, nur getoppt von seinem wirklichen großen Bruder, dem 2015 Schist Syrah, dem wohl besten aller verkosteten Rotweine. Da konnte sogar der Zwilling 2015 Syrah Iron nicht ganz mithalten. Leider waren die beiden Chenins Granite und Quartz nicht auf Roundstone zu verkosten, das heben wir uns für 2019 auf! Nicht minder spannend als bei Mullineux war die Probe bei David und Nadia in Malmesbury: 2016 Chenin blanc, 2016 Aristargos, 2016 Grenache und der absolut ungewöhnlich, außergewöhnliche Pinotage, der eine völlig neue Interpretation dieser Rebsorte darstellt. Das ist in diesem ungemein sympathischen, authentischen Weingut so ganz anders als bsp. Kanonkop und dennoch so außergewöhnlich gut, dass diesem erst wenige Jahre alten Weingut noch eine große Zukunft bevorsteht. Die Erfolgsgeschichte des Swartland als Weinregion scheint noch lange nicht zu Ende geschrieben, und es gibt immer neue Entwicklungen wie bsp. das Weingut Meerhof, das erst im November aus Antebellum und Redelinghuys Familiy Vineyards hervorgegangen ist. Noch ist die Weinauswahl klein und die Qualität ausbaufähig, aber das Potential an diesem Berg ist gewaltig. Das werden wir uns dann in einigen Jahren noch einmal ansehen… zumindest ist diese Absicht mit dem diesjährigen Abschiedstrunk (Asara 2017 Chenin blanc Vineyard Selection) bekräftigt worden.

Sehr viel, sehr gut

Mein erster Leitartikel in der FAZ! Seite 1 Das will ich Euch nicht vorenthalten

Seite 1!  Das will ich Euch nicht vorenthalten

Der 2018er lässt deutsche Winzer strahlen. Ob die Deutschen dadurch zu Weinpatrioten werden?

Die Natur hat es mit den deutschen Winzern in diesem Jahr besonders gut gemeint und ihren Wunschzettel vollständig abgearbeitet: eine frühe und schnelle Blüte, keine Spätfröste, kaum Ärger mit Schädlingen und Pflanzenkrankheiten, viel Wärme, viel Sonne, kaum Regen. Es ist ein Ausnahmejahrgang nach dem frühesten Start der Weinlese seit Beginn der Aufzeichnungen. Nun sind die Keller voll. So voll, dass in einigen Weingütern die Tanks und Fässer die Erntemenge kaum zu fassen vermochten. In diesem Herbst haben die deutschen Winzer fast ein Viertel mehr als im Mittel der zurückliegenden zehn Jahre geerntet.

Es ist der üppigste Jahrgang seit 1999. Vielleicht sogar der beste. Denn die Qualität der Trauben ist dank ausbleibender Fäulnis und dank des hohen Zuckergehalts in den Beeren herausragend. Nun sind die Kellermeister am Zug. Ob der zurückliegende Jahrhundertsommer auch Jahrhundertweine hervorgebracht hat, wird sich im Frühjahr zeigen. Vielleicht sogar erst im Herbst, wenn die trockenen Spitzenweine auf den Markt kommen. Hohe Mostgewichte sind in Zeiten des Klimawandels längst kein Ausweis besonderer Qualität. Der Trend in der Spitze geht zu finessenreichen Weinen, die bei moderatem Alkoholgehalt ein flüssiger Fingerabdruck ihrer Herkunft sind. Ob die 2018er das zum Ausdruck bringen, das wird sich erst erweisen, wenn sie im Glas sind. Längst zählen der Weinberg als Ursprung und der Erzeuger als Marke mehr als hohe Öchslegrade. Ein Qualitätsversprechen für trockene Weine soll künftig der Name von Einzellagen auf dem Flaschenetikett sein, nicht mehr ein am Mostgewicht orientiertes Weinprädikat wie Kabinett oder Spätlese.

Das ist Teil einer überfälligen Abwendung vom Weingesetz der siebziger Jahre, das Winzer wie Weintrinker auf den Zuckergehalt in der Beere fixiert und irritierende Verbrauchertäuschungen wie die Großlagen möglich gemacht hat. Doch ein Übermaß an Sonne und Wärme allein sind noch kein Qualitätsausweis: Die meisten der trockenen Weine des Jahrgangs 2003, der viele Klimarekorde hält, sind längst vergessen. Dennoch: Der Jahrgang 2018 lässt die Winzer strahlen und weckt bei den Kunden hohe Erwartungen. Sehr viel und sehr gut, das ist selten. Den deutschen Weinmarkt wird das aber kaum nachhaltig beeinflussen. Dort herrscht bei annähernd konstantem Konsum seit Jahrzehnten ein harter Verdrängungswettbewerb, der dadurch befeuert wird, dass die Deutschen – ganz im Gegensatz zu ihren Nachbarn in Frankreich und Italien – beim Weinkauf keinen ausgeprägten Patriotismus zeigen. Weniger als die Hälfte der in Deutschland gekauften Weinmenge entfällt auf die heimischen Erzeuger. Für den Kunden zählt hierzulande weniger die Qualität denn der Preis. Vier von fünf Flaschen deutschen Weins werden im Lebensmittelhandel einschließlich der Discounter gekauft. Etwa 2,60 Euro gibt der Deutsche für eine Flasche Wein aus heimischer Erzeugung aus. Das sind zwar ein paar Cent mehr als für Billigweine ausländischer Provenienz. Es ist aber nicht jenes Preissegment, das den deutschen Winzern langfristigen Erfolg verspricht. Wer nur 1,3 Prozent von weltweit mehr als 7,5 Millionen Hektar Rebfläche bewirtschaftet, dem sollte die Profilierung eigentlich leichtfallen. Zumal mit dem vergleichsweise exotischen Riesling als Leitrebsorte.

Dessen markante Säure und seine bisweilen verwirrende Geschmacksvielfalt beschränken ihn auf eine Nische, in der sich gut wirtschaften lassen könnte. Doch die Spanne reicht von den Höhen kostbarer Weltklasse-Weine bis in die Tiefen billiger Massenproduktion. Und im Einkaufsmarkt wird vor allem dann zu Riesling gegriffen, wenn er halbtrocken oder feinherb schmeckt und die Säure von Süße überdeckt wird. Nicht selten wählen die Kunden lieber gleich den Grauburgunder. Wohl dem Weingut, das seine auskömmliche Nische gefunden hat und nicht in den Konkurrenzkampf am Weinregal eintreten muss. Der Handel ist auf die in jüngerer Zeit deutlich gestiegene Qualität deutscher Weine immerhin aufmerksam geworden und stellt sie häufiger ins Regal.

Für eine zunehmende Zahl jüngerer Konsumenten ist Wein ein Lifestyle-Produkt. Etwa jeder dritte Deutsche gibt sich in Umfragen als regelmäßiger Weintrinker zu erkennen. Das Ansehen deutschen Weins hat im Hinblick auf Image und Qualität deutlich zugelegt, auch wenn die Zeiten nicht mehr zurückkehren werden, als ein Schloss Johannisberger Riesling das Mehrfache eines Chateau Margaux kostete. Dass deutscher Wein aber qualitativ die Konkurrenz nicht zu fürchten hat, das haben inzwischen auch Gelegenheitsgenießer begriffen.

Doch während die jüngeren Konsumenten am Weinregal häufiger zugreifen, gehen die Weineinkäufe der Senioren zurück. Das führte in Verbindung mit kleinen Ernten und hohen Preisen dazu, dass die deutschen Winzer zuletzt in einem zwar robusten, aber gesättigten Weinmarkt wieder an Boden verloren haben. Die hohe Qualität des aktuellen Jahrgangs wird nicht dazu führen, dass die Preise steigen. Im besten Fall könnte die reichhaltige Menge guter Tropfen helfen, den einen oder anderen Regalmeter im Supermarkt für deutschen Wein zurückzugewinnen.

Erste Gewächse 2017

 2017 könnte der letzte Jahrgang der Ersten Gewächse gewesen sein, 2018 soll es ein „Rheingau.Großes Gewächs“ nach Vorbild der GGs aus „VDP.Großer Lage“ geben. Das kündigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt am Rande der Ersten Gewächs-Präsentation im Festsaal des Rathauses Wiesbaden an, während direkt vor dem Rathaus die 43. Rheingauer Weinwoche ausklang. Doch bis zum „GG für alle“ sind noch einige rechtliche Fragen zu klären (und bitte mit einem Beschluss zur Abschaffung der 13g Zucker-Obergrenze, schon 9 Gramm sind häufig zu viel!)

Der diesjährige Termin mit einer Woche Abstand zur VDP-GG-Verkostung im Kurhaus kann auch als Eingeständnis gewertet werden, dass die direkt zeitliche und räumliche Nähe nicht die erhoffte Aufmerksamkeit der Weinfachjournalisten gebracht hat, die ohnehin nach Wiesbaden zur VDP-Probe anreisen. Insgesamt wurden von 24 Erzeugern 27 Rieslinge und ein einziger Spätburgunder vorgestellt. Das zeigt auch, dass für Pinot Noir diese EG-Kategorie von den Winzern selbst als überflüssig erachtet wird. Hier sind hohe Preise und guter Absatz auch ganz ohne Gütesiegel erzielbar. Abschaffen und volle Konzentration auf Riesling wäre die richtige Konsequenz. Aber vermutlich ist es wahrscheinlicher, dass irgendwann auch alle Burgunder-Sorten GG-tauglich sein sollen…, siehe die unglückseligen Beschlüsse zur Ausweitung der Landesweinprämierung… Doch zum Riesling.

Ich habe die Probe etwas homogener als in den Vorjahren erlebt. Es war weniger die grundsätzliche Qualität als die Stilistik, die teils sehr weit auseinander driftete und auch Fragen aufwarf. Ein Beispiel ist der holzbetonte Bischofsberg (86 Punkt) des Weinguts George. Das kann man genial finden, muss man aber nicht. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Mehrzahl der Weine 8 bis 9 Gramm Restzucker aufwiesen, was zwar zulässig, aber nicht immer empfehlenswert ist. Die größte Strahlkraft wiesen eindeutig jene EGs zwischen 4 und 6,5 Gramm Restzucker auf. Dort paarte sich Straffheit mit gutem Zug und Druck am Gaumen, feiner Frucht, guter Struktur, Nachhall und Präsenz. Mehrere Winzer hätten selbst gern trockenere Weine vorgestellt, doch die Natur wollte nicht so…. die Weine blieben stehen. Dann ist es allerdings richtig, der Natur ihren Lauf zu lassen und nicht mit der kellerwirtschaftlichen Peitsche die Gärung voranzutreiben.

Zwei „Extremisten“ hatte wieder der Hattenheimer Stefan Gerhard mit Wisselbrunnen (89) und Schützenhaus (88) vorgestellt. Beide fast durchgegoren, beide um die 14 Prozent Alkohol – fast ein bisschen zu viel der Ecken und Kanten im Mund, aber im positiven Sinne interessant. Die Frage der Lagerfähigkeit ist für mich noch nicht beantwortet… Die von mir organisierte Schoppentrophy ist in vielen Jahren übrigens schon fast ein Gradmesser für die Ersten Gewächse. Wenn den Lorcher Steillagen ein Jahrgang entgegenkommt, dann sind nicht nur schon im Frühjahr die Basisweine exzellent, sondern auch die Top-Weine im Spätsommer. Entsprechend rangierten daher auch hier Altenkirch und Mohr unter den Besten: dem Pfaffenwies von Jasper Bruysten (92) kommt zugute, dass die Weine aus dem Quarzit-Boden sich schneller zugänglich zeigen als der Schiefer-durchsetzte Bodental-Steinberg von Jochen Neher, Mohr, (91+), der in der Jugend nur schwer in die Gänge kommt, dann aber fast immer großes Potential entfaltet. Auch der Schlossberg von Laquai (90) gefiel mir gut, zeigt sich aber noch recht verhalten und verschlossen. Kläuserweg und Rothenberg sind zwei Geisenheimer Lagen, die nicht ausreichend geschätzt werden, obwohl sie ein sehr gutes Terroir für große Weine darstellen. Der Kläuserweg von Sohns (88+) kommt diesmal in der Jugend noch nicht an den Kläuserweg von Goldatzel (90) heran. Und weil der Bessere immer der Feind des sehr guten ist, muss sich der Kläuserweg von Groß dem Hasensprung aus dem eigenen Stall beugen (92+), das bedeutet den Fotofinish-Sieg von Goldatzel vor Altenkirch. Fast doppelt so viel Restzucker (11,2) hat der Hasensprung von Trenz (88), was der Präzision und Eleganz durchaus etwas abträglich war. Trenz selbst sieht den Wein als Langläufer und den Zucker als notwendigen Treibstoff. Wir hoffen, den Wein im Auge – am Gaumen – behalten zu können. Sehr eigenständig wie im Vorjahr wieder der geschliffene, markante Rothenberg von Schumann-Nägler… (90+), auch wenn sich hier die Geister im Rathaus schieden… ich fand ihn klasse.

Erfreulich, dass Schloss Schönborn diesmal deutlich stärkere Weine als im Vorjahr vorgestellt hat, der Nussbrunnen (89) zählt sicherlich zur erweiterten Spitze, ebenso der Siegelsberg von Crass (88+). Insgesamt taten sich die Güter 2017 im unteren Rheingau offenbar einfacher, Top-EG zu erzeugen als zwischen Hochheim und Winkel. Gewohnt solide zeigten sich Bausch, Himmel und Nikolai. Mit mehr Mut und weniger Restzucker wäre noch mehr drin… das trockene Jahr 2018 könnte die Verhältnisse im Rheingau vielleicht umdrehen, wenn wir 2019 die vielleicht ersten „Rheingau.Große Gewächse“ kosten. Persönlich bin ich im Hinblick auf den Jahrgang durchaus skeptisch… derart warme Jahre spiele dem Riesling eigentlich nicht in die Hände…

Bodensee-Weine

3 Tage Bodensee, da lechzt die Seele des Weintrinkers natürlich nach den badischen Weinen der Region… Aufricht, Staatsweingut Meersburg, Markgraf von Baden, Kress, da geht doch was….?!? Ja, aber, lautet das Fazit. Es gibt leckere Weine, vor allem als Schoppen und in der Mittelklasse… nach oben hin wird die Luft dünn… Aufricht: unser Favorit! Schön über dem Bodensee gelegenes Weingut, freundliches Personal, am Ende ein Sekt auf Kosten des Hauses auf der Terrasse mit Blick über den See… sehr schön.

Wir haben fast ausschließlich die Lilien- (= Premium-) Weine verkostet und war meist angetan. Der 2016 Chardonny (1 Lilie, kaufen!) und der 2017 3 Lilien-Riesling haben am besten gefallen, gut auch die Sauvignons. Allerdings zeigten die Spätburgunder en hohe Maße an fortgeschrittener Reife und Rumtopf-Aromen, die uns eher missfallen haben. Staatsweingut Meersburg: Top Ensemble am Wasser, aber das Personal unfreundlich bis ungebildet (im Hinblick auf Wein), und das Verhältnis zum Pächter (?) der Gutsschänke scheint auch eher zerrüttet…. sehr seltsam.

Die Vinothek strahlt das Ambiente einer Genossenschaft aus, die Mittelklasse-Weine (sämtlich um 10 Euro) enttäuschten auf breiter Front. Recht gut gefiel der 2016er ***Chardonnay aus der Chorrherrnhalde. Dass uns vom Kauf der Restflaschen des genauso teuren (17,50 Euro) 2014 ***Chardonnay abgeraten wurde („hat schon einen Alterston“) hat uns bei einem Barriquewein irgendwie doch sehr irritiert… wir haben uns vom Kauf nicht abhalten lassen….Hohentwieler und Meersburger Riesling sowie Weißburgunder vom Jungfernstieg waren grundsolide, aber nicht animierend. Irgendwie waren wir doch enttäuscht, wie das Land seine Rolle interpretiert…

Ansonsten habe wir vieles getrunken, was uns mehr (2017 Müller-Thurgau und 2016 Auxerrois von Kress) oder weniger (2016 Birnauer und Bermatinger Spätburgunder vom Markgrafen) gefallen hat… leider hat die Gastronomie selbst nicht immer das große Zutrauen zu den Weinen der Region, wie die Weinkarten bsp. in Überlingen zeigen…

Marcobrunn & Co.

Marcobrunn und Mannberg …zwei klingende Namen unter den Rheingauer Weinbergslagen. Zwei Terroir-Nachbarn zwischen Erbach und Hattenheim, beide prädestiniert für große Weine. Das Weingut Langwerth von Simmern hat neben den Staatsweingütern als einzige das Glück, in beiden Weinbergen begütert zu sein. Nun ist es auch das Weingut Höhn in Wiesbaden, denn Jürgen Höhn ist es gelungen, fünf Hektar Weinberge aus dem Portfolio von Langwerth von Simmern zu kaufen, darunter übrigens auch Nussbrunnen (der im ersten Jahr als saftige süße Spätlese auf den Markt kommt). Während über die Immobilie von Langwerth inzwischen Klarheit herrscht (Verkauft an Bauunternehmer Jökel aus Schlüchtern) gilt das für die verbliebenen 18 Hektar Rebfläche – zum heutigen Zeitpunkt – noch immer nicht. Während wir grübeln, wer wohl den Zuschlag erhält – die Ernte kommt früh 2018! – stellte Höhn bei seiner Jahrgangspräsentation die ersten der neuen Lagenweine vor. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn Spätlese werden dabei preislich knapp über das Erste Gewächs aus der Schiersteiner Hölle gestellt, da ist ein guter Ansatz! Auch wenn beim Restzucker für meinen Geschmack bei beiden ein wenig zu hoch gegriffen wurde, so zeigt der Marcobrunn doch gut seinen festen, druckvollen, zu diesem Zeitpunkt aber noch stets recht verschlossenen Charakter, während der Mannberg schon zugänglicher und eleganter wirkt mit guter Mineralität und feiner Säure. Beide Weine brauchen noch Zeit, und ich auch zum Nachverkosten, das finale Urteil zu gegebener Zeit dann hier….

Auf dem Rhein

Mit der „Boppard“ von Eltville nach Oberwesel, mit der „Godesburg“ von Bacharach nach Rüdesheim, das macht an einem Sommer-Sonntag Laune. Was man auf den beiden Schiffen der KD-Flotte so erlebt, dazu mehr in der FAZ. Die erfreuliche Nachricht für diesen Blog lautet: Es gibt mehr als nur trinkbare Weine auf den Schiffen…! Wir haben die Mittelrhein-Burgen gezählt und dabei Matthias Müller 2017 Bopparder Hamm Riesling feinherb getrunken sowie Weingut Karl Heidrich 2016 Riesling trocken… das war ganz ordentlich, es hätte sogar 2016 Rüdesheim Estate von Breuer gegeben, aber da der Ausklang ohnehin im Rüdesheimer Schloss stattfand… wo übrigens der brandneue, straffe „2017 Blanc Weisser Burgunder“ großen Trinkfluss entfaltete. Eine echte Empfehlung!

Verkostungstagebuch

Steinmacher & Sohn, Kiedrich Endlich hat auch Bürgermeister und Winzer und Tausendsassa Winfried Steinmacher wieder einen Pächter für seine Schänke „Zum Wibbes“. Die früheren Betreiber des Rheingauer Hofs in Eltville haben hier ihre neue Aufgabe gefunden. Die Küche ist deftig-rustikal und wohl auch deshalb haben die eigensinnigen Kiedricher die Schänke ordentlich angenommen. Die Wein von Steinmacher haben in den vergangenen Jahren deutlich an Qualität zugelegt, das ist erfreulich. Aus der aktuellen Kollektion nebem dem „Klosterberg“ besonders empfehlenswert: 2017 Kiedricher Wasseros Edition Johannes Riesling trocken 2016 Kiedricher Sandgrub „Riesling Terroir“

Hessische Staatsweingüter 1971 Heppenheimer Centgericht Riesling Spätlese … wie gut dass Niko Kovac Jahrgang 1971 ist und jetzt die Bayern trainiert… diese Flasche war der Wett-Verlust eines überzeugten Eintrachtlers, der noch immer unter dieser Niedertracht leidet… für mich als Bayern-Fan seit den 1970ern war diese diese filigrane Spätlese umso mehr ein Genuss… und jetzt muss Kovac nur noch liefern….

Sterne aus Assmannshausen Weingut Krone 2013 Spätburgunder Juwel Weingut August Kesseler 1993 Höllenberg Spätlese trocken** Weingut August Kesseler 2013 Cuvée Max Pinot Noir Wer an der Güte der Assmannshäuser Roten je zweifelte, wurde an diesem Abend bekehrt… ein Fest des feinen Cassis und aller Stärken, die ein Top-Späbu zeigen kann…

Weedenborn, Rheinhessen 2017 Sauvignon blanc 2017 Westhofen Terra Rossa Sauvignon blanc 2016 Reserve Sauvignon blanc Die Queen of Sauvignon, Gesine Roll, zeigt was sie kann: Sauvignon vom Feinsten, eine Benchmark. Wer mit dieser Rebsorten wirklich Ambitionen hat, findet hier den Maßstab, an dem es sich zu messen gilt… wer meint es geschafft zu haben, der lasse mich kosten!

Gronesteyn, Kiedrich Nicht nur Steinmacher hat in Kiedrich wieder geöffnet, auch die Weinschänke Schloss Groenesteyn hat mit Dirk Schroer gemeinsam mit Amila Begic neue Pächter nach drei Jahren Stillstand (in denen Eric Elbert den „Esskork“ in Eltville startete…) Nach drei Besuchen können wir konstatieren: das wird was! Und unser Alleskönner zu den Gerichten von Schroer lautet vorerst Chat Sauvage 2016 Chardonnay … ansonsten hoffen wir, dass Ritter Groenesteyn seinen Keller öffnet und auch einige ältere Groenesteyn-Schätzchen auf der Weinkarte als Raritäten auftauchen…

Bürgerspital, Würzburg Würzburger Stein 2015 Silvaner trocken und 2013 Riesling trocken VDP.Erste Lage – sehr lecker, mein klarer Favorit derzeit in Würzburg unter den „großen 3“ Glaser-Himmelstoss, Nordheim 2016 Spätburgunder Blanc de Noir trocken VDP.Gutswein – leckerer Sommerwein, easy drinking zum fairen Preis. Aus dem Verkostungstagebuch Markus Schneider, Ellerstadt 2017 Ginster „Kabinett“ trocken – das neue Projekt von Tausendsassa Markus Schneider… ein Pfälzer goes Mosel… herausgekommen ist ein noch blutjunger, von Schiefer-Steilhängen geprägter Riesling mit saftiger Süße, der unbedingt sofort getrunken oder zehn Jahre reifen sollte…

S.A. Prüm, Wehlen 2008 Sonnenuhr Kabinett …. vielleicht schmeckt der Schneider (s.o.) dann tatsächlich etwa so wieder dieser Prüm und zeigt, welch großartiges Jahr 2017 Jahr – 2008 war ohnehin spitze für Riesling Ball des Weines Wiesbaden … wieder mal ein rauschendes Fest mit Lebenslust und Trinkfreude… im Saal gabe es zum Dinner unter anderem einen großartigen Silvaner von Johann Ruck (2016 Kronsberg), gefolgt vom Grauburgunder GG der Staatsweingüter, dem einzigen GG von der Hessischen Bergstraße übrigens… und einem 2013 Eichberg-Spätburgunder GG von Franz Keller. Sehr schön auch das 2014 Lemberger GG von Kistenmacher-Hengerer. Wegeler, Oestrich 2013 Rothenberg Riesling GG – fulminant, großer Trinkfluss, spitze!

Weingut Jakob Jung, Erbach 2007 Hohenrain Erstes Gewächs, 2011 Siegelsberg Erstes Gewächs, 2005 Siegelsberg Erstes Gewächs – was für eine imposante Vertikale, und bei den Jahrgängen haben wir uns jeweils schwer verschätzt…. also die Weine waren jeweils älter, als wir vermutet haben… ein schönes Trio, das auch die Qualitätskonstanz im Hause Jung zeigt… wir sind beeindruckt Hans Bausch, Hattenheim 2012, 2014, 2015, 2016 Engelmannsberg Erstes Gewächs …. und noch eine EG-Vertikale… zeigt sehr schön die Jahrgunterschiede und das Potential, auch meine Riesling-Runde geteilter Meinung beim Favoriten war… für mich war 2015 groß und 2016 noch zu verschlossen und jung, aber da sah nicht jeder so… leider hat 2013 gefehlt… ich vermute mal, das wäre der Kracher gewesen… Bibo-Runge Romantiker Rheingau Riesling & Revoluzzer Rheingau Riesling… lecker Paar mit klarem Vorsprung für den Revoluzzer, der ein echter Charakterwein mit Ecken und Kanten ist…. Mitter-Velten, Hochheim Nicht nur das Etikett ist neu (und schön), auch die – neuerdings Öko- – Weine gewinnen an Statur, wie ein Querschnitt der 2017er (Grauburgunder, Hölle Kabinett, Herrnberg) ergab. Läuft… GGs und EGs Private Feiern fördern bisweilen Schätze aus privaten Kellern zutage… erst kürzlich gab das Gelegenheit, die EGs/ GGS von Weil (2011), Barth Schönhell (2015 & 2016), Sohns (2013), Spreitzer (2011 Lenchen) und Allendorf (2013 Jesuitengarten) quer und durcheinander zu trinken…, dazu Breuers 2015 Schlossberg, Alte Reben von Van Volxem (2016)… Herz, was willst Du mehr… und wieder zeigte sich, dass 2013 einfach ein grandioser Jahrgang ist und dass Weil-Weine superb reifen… 2011?! Kaum zu glauben!

 Jahrgangsverkostung Robert Weil, Kiedrich Auch für Weil war 2017 wegen Hagel, Spätfrösten und Fäulnis nicht eben einfach, aber dieser Jahrgang ist abermals ein Beleg dafür, dass es (seit 1988?) keine guten und schlechten Weinjahre mehr gibt, sondern nur noch Winzer, die der jeweiligen Herausforderung besser oder schlechter gerecht werden. Und (nicht nur) Weil hat den Bogen raus! Hier werden Jahr für Jahr beachtliche Kollektionen auf die Beine gestellt in einer qualitativen Konstanz, mit der deutschlandweit nur wenige konkurrieren können. 2017 Weil Rheingau Riesling trocken … diesen Wein gibt es immer 2x, als Liter und in der 0,75er, aber selten habe ich den Unterschied zwischen diesen beiden Füllungen so groß gesehen. Der Liter ist wie immer lecker, fruchtig, easy drinking, aber die Variante in der braunen Schlegelfasche ist ein Hammer. Großartige Fülle, zweifellos hohe Extraktwerte, druckvoll am Gaumen, Fruchtbombe, vielleicht einer der stärksten 0,75 l in jüngerer Zeit…. 2017 Kiedricher – so viel Weil für vergleichsweise so wenig Geld, da kommt Freude auf. Viel Finesse, sehr mineralisch, expressiv am Gaumen, guter Nachhall, reintönige Eleganz, top 2017 Klosterberg – es scheint, dass Weil diesen Weinberg immer besser in den Griff bekommt, denn der Unterschied zum Turmberg wird – bei aller Differenzierung im Terroir – immer geringer. Sehr dicht, komplex, gute Länge und Finesse 2017 Turmberg – wie immer zu diesem Zeitpunkt meiner Favoriten, genial gut, hält den Klosterberg noch gut auf Distanz, schon jetzt recht trinkreif aber mit großem Potential für eine lange Lagerung 2017 Gräfenberg – jetzt noch schwer einschätzbar, sehr verschlossen, aber mit großartigen Anlagen und der typisch tänzerischen Feinheit, das wird wohl ziemlich, ziemlich gut werden… wenn es erstmal trinkreif ist… 2017 Tradition – relativ neu im Sortiment, sehr feinherb, mir einen Tick zu süß, aber zum Essen sicherlich ein guter Begleiter in der guten Tradition der Rheingauer Rieslinge, die wohl in der Vergangenheit nie richtig trocken und auch nie richtig süß waren… aber 20 statt 24 g RZ hätten wohl auch gereicht für noch mehr Trinkfluss 2017 Kabinett – fruchtsüßer Spasswein, läuft, saftig, Maul voll Wein, Durstlöscher am Grill! … und dann natürlich die Süßen: Turmberg und Gräfenberg als Spätlesen und Auslesen, der Gräfenberg immer etwas süßer… aber noch viel zu jung. Mit zunehmender Süße ebnen sich die Lagenunterschiede weiter ein. Und dann natürlich die Giganten: 2017 Gräfenberg Beerenauslese und Trockenbeerenauslese… der Kenner genießt und schweigt

Trenz, Johannisberg … im verlässlich, immer konstant, und schon der Basic ist immer eine gute Visitenkarte des Weinguts. Die 2017er sind vielversprechend, beim jüngsten Besuch war es vor allem der „Steinhaus“ Riesling, der mich überzeugte. Eine schöne Überraschung war allerdings der 2012 Trenz two aus der 5-Liter-Flasche… perfekte Trinkreife !

Balthasar Ress 2016 Nussbrunnen GG – großartiger Spitzenwein, legt eine sehr gute Entwicklung in der Flasche hin, einfach top! 2017 Rheingau Riesling trocken – wirklich schöne Aussichten auf den Weinjahrgang 2017 Weinkellerei Stefan B. Ress 2017 Liebfraumilch Forbidden Pleasure (Rheinhessen) – Revivial einer der Zerstörerinnen des Renommes deutschen Weins, „sweet & cheap“, das hier ist weder richtig süß noch richtig billig, aber sehr reintönig, fruchtbetont, stark reduktiv ausgebaut – ergibt im Ergebnis einen Sauwein, der die Kehle runterläuft… sofern man drauf steht… Diel, Nahe 2016 Riesling Goldloch GG – fein und groß, gut balanciert, läuft! HB Hughes Beguet 2014 So True Arbois – so ein überbezahlter Jura- Wein, vollodixiert, strange. Braucht das die Weinwelt? Eine kleine Minderheit steht drauf, ich weiß nicht warum. Forget it, Mantel des Schweigens. Grabesstille. Bischöfliches Weingut Rüdesheim 2016 Riesling trocken „Maischegärung“ – wenn es wirklich mal „orange“ sein muss, dann so. Nur so! Einzig und allein so! Ein großer Wurf, Peter Perabo, da müssen sich alle anderen der Orange-Szene mit ihrem oxidativen Kram warm anziehen. Graf von Schönborn 2016 Hattenheim Pfaffenberg Riesling Erstes Gewächs – das geht besser, viel besser…. Gramercy Cellars, Walla Walla Valley 2015 The Deuce Syrah – sehr schöne Frucht, Finesse, Eleganz, gut Hessische Staatsweingüter 2007 Höllenberg Spätburgunder – klasse gereift, kein bisschen Müdigkeit, läuft jetzt eher zu großer Form auf, Rheingauer Pinot vom Feinsten. Ein Lob auf Österreich Lackner-Tinnacher 2016 Sauvignon blanc Ried Steinbach 1. Lage – ein wenig hart und „unrund“, auch das Dekantieren erhöhte den Trinkfluss nicht wirklich… Neumeister, Steiermark 2015 Sauvignon blanc Ried Moarfeitl, Steiermark – deutlich stärker, gut strukturiert, Druck am Gaumen, gute Fülle Franz Hirtzberger 2015 Smaragd Honivogel Grüner Vetliner – sehr fest, hohe Glycerin-Süße, dickt, voll, konzentriert, eingeschränkter Trinkfluss … diese drei Weine wurden in der Hattenheimer Adlerwirtschaft nach der kulinarischen Neuaufstellung getrunken. Die Weinkarte verdient weiterhin im Rheingau das Lob „extraklasse“, mit dem neuen Speisenkonzept allerdings ist es ein „Kreuz“. Das hat keine Zukunft. Nun soll der Gast „Pakete“ mit 9 bis 18 Kreuzen für 36 bis 60 Euro kaufen und sie auf die Speisekarte verteilen… das bringt wenig Spaß und ist überdies teuer. Ein solides 180g-Filetsteak für 44 Euro …. nein danke. Versteigerungsweine …ausgewählte Weine der jüngsten VDP-Staatsweingüter-Auktion (siehe den ausführlichen Bericht weiter unten in diesem Blog) haben die Kranenmeister bei ihrer 105. Probe verkostet, darunter auch die 2017er Réserve-Weine von Ress, Weil, Johannishof und Georg-Müller-Stiftung. In der Blindverkostung überzeugten mich Weil und Johannishof mit Abstand am meisten. Aus dem Verkostungstagebuch Steinmacher & Sohn, Kiedrich Riesling Sekt brut …genau das richtige, um anlässlich des Kiedricher Weinsteigs (dritter Sonntag im März) das Erklimmen des Scharfensteins zu feiern… leider verdarb der Wintereinbruch diesmal die frohen Erwartungen der Kiedricher Winzer. Wer trotzdem kam und ordentlich gekleidet wara, wurde nicht enttäuscht… neben den anderen Weinwanderungen wie bsp. „Natur pur“, Bubenhäuser Weinrunde, Eibinger Weinwanderung u.a. ein guter Start in die Saison… My Trip to Auli Über Aulhausen, das Rheingauer Weindorf ohne eigene Weinberge, habe ich mich schon bei anderer Gelegenheit auf diesem Blog ausführlich ausgelassen. „Auli“ ist aber immer einen Trip wert, auch im März. Dann stellt z.B. Friesenhahn schon den aktuellen Jahrgang vor, bei Strieth sind die ersten 2017er gefüllt, und bei Klaus Schön isses ohnehin immer schön… Weingut Michael Schön: 2011/ 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken. Ja, solche dicken Späbus mit 14% Alki sind nicht jedermanns Sache, doch ein Geschmackserlebnis sind sie mit ihrer Wucht, ihrem Tiefgang, ihrer Frucht und ihrer Substanz allemal… Friesenhahn: der 2016er Rüdesheimer Riesling A hat mich diesmal an erster Stelle überzeugt. Nur 1,3 g Zucker, somit knochentrocken, aber denn mit viel Mineralität und Finesse, klasse. Der 2016 Katerloch Riesling Spätlese Alte Reben ist deutlich gefälliger. Weichgespült wäre aber bei einem solchen Wein das ganz falsche Wort. Finesse und Eleganz, gepaart mit Frucht und Saftigkeit, gut. Weiter probiert: 2016 FrieSteil (Freestyle!) feinherb, ein Wein zu Wegsaufen gut. 2016 Leingiebel Spätlese deutlich süßer, feiner Essensbegleiter. 2017 Rüdesheimer Weißherbst trocken und feinherb (letzter viel zu süß für mich), 2017 Grauburgunder trocken – gut, aber den Hype um die Rebsorte kann ich einfach nicht nachvollziehen… da greife ich lieber zum Chardonnay. Oder bei Friesenhahn zum dichten, starken 2015 Spätburgunder trocken! Strieth: da stehen alle Zeichen auf einer bärenstarken 2017er Kollektion! Zum Beispiel der 2017er „Jungspund“ Riesling feinherb, der eine Allzweckwaffe ist und über den Sommer hinweg ein perfekter Trinkwein ist. Wir waren mal ab, ob irgendwann ein „Alter Sack“ den Weg ins Sortiment findet. Ganz stark der „Frenz“ aus dem Berg Kaisersteinfels. Derzeit noch mit viel Primäraromen, aber die Klasse deutet sich schon auf dem Gaumen und im Abgang an. Mein Liebling aber ist der spontanvergorene 2016 Schlossberg „Alte Reben“ Riesling, das ist großartig! Dass Strieth ein Händchen für Blanc de Noir hat, muss nicht eigens erwähnt werden. Das setzt sich auch mit dem 2017er nahtlos fort. Eine Bank für sich ist der 2015er Höllenberg Spätburgunder mit feinem Cassis, ein wenig Vanille, feine Frucht roter Beeren, Kraftvoll, aber nicht zu aufdringlich, sehr gut. Und dann hatten wir noch die Chance, ältere Pinots zu probieren… aber das ist eine andere Geschichte… J.B. Becker, Walluf 2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben 2013 Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese Alte Reben Schloss Reinhartshausen, Erbach 2016 Sauvignon blanc Inselwein trocken … ich war schon viel lange nicht mehr in der Schlupp in Walluf, Schande über mein Haupt. Gutes Essen, freundlicher Service, feines Ambiente, dazu feine Weine wie die von Becker in Walluf. Becker-Weine reifen einfach großartig, wie die beiden Walkenberg-Weine aus 2008 und 2013 zeigen, top. Und der Sauvignon blanc von der Rheininsel Mariannenaue hat zwar sehr viel Säure, aber insgesamt ganz ordentlich gelungen… Sohns, Geisenheim 2015 Mäuerchen Spätburgunder M – eher auf der dichten, wuchtigen denn auf der komplexen Seite, aber durchaus fein und gut, braucht in jedem Fall noch 2-4 Jahre Zeit, um seinen Charakter zu entfalten F. B. Schönleber, Winkel 2014/2016 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG 2015/ 2016 Winkel Jesuitengarten Riesling GG einfach schön, wenn man in einer Rheingauer Schänke vier GGs aus drei Jahren und zwei Lagen trinken kann. An unserem Tisch gingen die Meinungen auseinander, so dass ich mich mit dem 15er Jesuitengarten nicht mehrheitlich durchsetzen konnte… (ist aber trotzdem der aktuell Beste…!) Weingut Abel, Oestrich 2015 Lenchen Riesling Erstes Gewächs – zeigt schon Reifenoten, aber von der angenehmen Sorte, stoffig, voll, dicht! Finale 22. Rheingau Gourmet und Wein Festival Wie gewohnt ging das Festival mit einer Abschiedsparty im Kronenschlösschen zu Ende. Mit dabei ein Fülle guter Winzer mit ordentlichen Tropfen. Und diese sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Weingut Klumpp 2016 Weißburgunder und 2016 Grauburgunder Magnum – dicht, komplex, voll! Weingut Urban Kaufmann, 2014 Wisselbrunnen GG – Finesse, Eleganz Weingut Crass 2015 Siegelberg Riesling Alte Reben Magnum Wein- und Sektgut Barth 2011 Ultra Pinot brut Nature – großartig! Markgraf von Baden 2016 Durbacher Schlossberg Chardonnay trocken Weingut F.B. Schönleber 2016 Franz Bernhard Riesling und trocken UND Obsthof Schneider: 2014 Goldparmäne Alte Bäume und 2016 Ananasrenette – das ist ein Stöffchen zum Niederknien!