Adel verzichtet

Erbacher Marcobrunn. Nur wenige Weinberge in der Welt haben einen ähnlich klangvollen Namen wie der im zwölften Jahrhundert angelegte Wingert. Schon 1726 zierte der Name eine Weinflasche. Thomas Jefferson machte dem Marcobrunn bei einer Europareise im Frühjahr 1788 seine Aufwartung. Johann Wolfgang von Goethe und Theodor Fontane schwärmten von ihm als einem der edelsten deutschen Weine. Kein Wunder, dass der sieben Hektar große Weinberg zwischen Erbach und Hattenheim fast immer im Besitz eines halben Dutzends adeliger Weingüter war. Doch das ist Vergangenheit.

Der Wandel, den der Rheingau als eines der renommiertesten Anbaugebiete der Welt durchlebt, macht nicht einmal vor seinen Ikonen halt. Am Marcobrunn lässt sich diese Facette am deutlichsten ablesen: Der Weinadel dankt ab, teils jahrhundertealte Traditionen gehen zu Ende.

Für das Domänenweingut Schloss Schönborn erklärte Paul Graf von Schönborn zu Beginn dieses Jahres unerwartet den Rückzug aus dem Rheingau. 30 Hektar bester Lagen zwischen Lorch und Hochheim sollten verpachtet werden, darunter ein Drittel des berühmten Marcobrunn. Die Weinbergsparzellen hatte Graf Philipp Erwein von Schönborn 1642 erworben – es sind die Filetstücke der Lage.

Für die Region und ihre Winzer, die immer neidvoll auf das Lagenportfolio von Schloss Schönborn geblickt hatten, war die Ankündigung ein Schock. Nur die Staatsweingüter, die ihre Wurzeln in einer erst nassauischen und dann preußischen Weinbaudomäne haben, sind noch üppiger mit besten Lagen ausgestattet. Entsprechend groß war das Interesse vieler Winzer, Schönborn’sche Flächen zu übernehmen. „Die Geier kreisen schon“, hieß es nach der Ankündigung.

Für die interessierte Öffentlichkeit war die Ankündigung ein Déjà-vu. Nur drei Jahre zuvor hatte Georg-Reinhard Freiherr Langwerth von Simmern einen vergleichbaren Schritt unternommen. Der 554. Jahrgang sollte der letzte sein, der in dem Keller des Gutshauses in Eltville ausgebaut wurde. Ein kleinerer Teil der Weinberge wurde verkauft, der größere verpachtet. Die Familie zog in ihr bei Hannover gelegenes Rittergut Wichtringhausen: Zuckerrüben statt Reben, denn die Pflege historischer Anwesen sei mit Weinbau allein nicht mehr zu finanzieren.

Dabei reicht die Geschichte der Rheingauer Familie bis in das Jahr 1464 zurück. Johann Langwerth von Simmern war für seine Verdienste als Kanzler des Herzogs Ludwig von Pfalz-Zweibrücken mit rund sechs Hektar der Spitzenlage Hattenheimer Mannberg belohnt worden. Dass sein Nachfahre Georg-Reinhard dort schon vor gut zwei Jahrzehnten Wohnungsbau zulassen wollte, war ein frühes Indiz für eine am Ende unausweichliche Entwicklung. Jetzt ist der Langwerther Hof in der Hand von Bauunternehmern aus Schlüchtern.

Noch älter ist die Weinbaugeschichte von Schloss Reinhartshausen, auch wenn das Gut erst 1883 in preußischen Besitz kam, dann aber bis 1987 von der Administration des Prinzen von Preußen bewirtschaftet wurde. Heute ist das Weingut im Besitz der Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller. Auch die Fürsten Metternich auf Schloss Johannisberg und die Grafen Matuschka-Greiffenclau auf Schloss Vollrads, die Ritter zu Groenesteyn in Kiedrich und die Grafen Eltz am Eltviller Rheinufer haben ihre Weingüter nicht halten können oder wollen.

Die Gründe für den Niedergang des adeligen Weinbaus sind vielfältig. Die Kosten für die Mitarbeiter und den Unterhalt lassen sich in einem immer schärferen Wettbewerb nicht mehr mit Wein refinanzieren. Der Markt gesteht alteingesessenen Adelsgütern nicht den notwendigen Mehrertrag je Flasche zu. Junge, innovative und zumeist in Geisenheim bestens ausgebildete Winzer übernahmen im Rheingau in den Achtzigern die Qualitätsführerschaft. Zudem verlangt der Markt zunehmend authentische Persönlichkeiten hinter den Weinen. Ein Weingut nur zu besitzen, das genügte nicht mehr.

Weinbaupräsident Peter Seyffardt sieht als weiteren Grund für die Abdankung des Weinadels das Weingesetz von 1971, das über den Bedeutungsverlust von Einzellagen und die Gleichmacherei der Mostgewichte zu einer „Sozialisierung des Weinbaus“ beigetragen habe. Der Vorteil der großen Adelsgüter, Spezialisten beschäftigen zu können, schwand, je mehr Winzer in Geisenheim studiert hatten.

Graf Schönborn will sich nun ganz auf das fränkische Schwesterweingut Schloss Hallburg unweit des Stammsitzes der Familie konzentrieren. Ganz ähnlich waren die Fürsten Löwenstein verfahren. Sie hatten nach der Übernahme von Schloss Vollrads durch die Nassauische Sparkasse 1997 ihre Weinberge rund um Hallgarten, zuvor knapp zwei Jahrzehnte an den Grafen Matuschka-Greiffenclau verpachtet, wieder in eigene Obhut genommen. Ein Erfolg wurde es nie. 2008 entschied der Erbprinz, sich ganz auf den Standort in Franken zu konzentrieren.

„Es sortiert sich alles neu“, sagt der Kiedricher Spitzenwinzer Wilhelm Weil. Nach zwei Jahrzehnten stabiler Verhältnisse sieht er einen beschleunigten Transformationsprozess. Das sei kein Grund zur Klage und auch nicht dem Adel anzulasten. Weil freut sich über „neue Dynamik“ und eine Aufbruchstimmung in der Region. Wie schon bei der Auflösung adeliger Weingüter in früheren Fällen fällt auch durch den Rückzug von Schönborn kein Weinberg brach. Vielmehr ergeben sich Chancen, die in einem bürgerlichen Winzerleben nur einmal kommen. Beispielsweise auf ein Filetstück im Marcobrunn.

Gunter Künstler hat zugegriffen. Zwölf Hektar Rebfläche hat der Hochheimer Winzer vom Grafen Schönborn für die Dauer von 30 Jahren übernommen. Neben dem Marcobrunn auch die fünf Hektar große Monopollage Pfaffenberg. „Weltklasse-Weinberge haben mich immer gereizt“, sagt Künstler: „Ein guter Weinberg macht so viel Arbeit wie ein schlechter.“ Künstler ist bereit, in gute Weinberge viel Leidenschaft und Engagement zu stecken: „Qualität kommt von Qual.“

Für Künstler gilt der Marcobrunn als „der Montrachet des Rheingaus“, auch wenn einige seiner Kollegen dieser tiefgelegenen und warmen Lage wegen des Klimawandels langfristig nicht das beste Potential für Spitzenweine zubilligen. Für Künstler überwältigt der Marcobrunner „mit Saftigkeit, Finesse und barocker Opulenz“. Neben Künstler haben vier weitere Winzer ehemals „adelige“ Flächen in Pacht oder als Eigentum übernommen.

Der Wandel geht aber weit über die Adelsgüter hinaus. Das renommierte Weingut Georg Breuer (Rüdesheim) hat vor wenigen Jahren die Kernlagen des Lorcher Weinguts Altenkirch übernommen. Der Wiesbadener Verleger und Publizist Ralf Frenzel hat in eine Mehrheitsbeteiligung der Weingüter Wegeler mit Standorten im Rheingau und an der Mosel investiert. Das sind nur zwei Beispiele für eine neue Dynamik. Für Wilhelm Weil überwiegen die positiven Seiten dieser Entwicklung: „Das Interesse am Rheingau von innen und außen ist groß.“

Nur für ausländisches Kapital ist der Rheingau bislang weitgehend uninteressant. Dieser Befund geht über die Region hinaus. Deutscher Wein hat zu wenig Reputation und kein klares Profil, und die Nische für Riesling ist im globalen Maßstab verschwindend klein. Von einem Statussymbol ist er weit entfernt. Da werden Investoren selbst wegen des Angebots von 30 Hektar Spitzenlagen im Rheingau nicht hellhörig. Die Branche rechnet dennoch mit der Veräußerung weiterer Weingüter, auch solcher mit großen Namen.

Mit der Corona-Krise hat das unmittelbar wenig zu tun, aber Wilhelm Weil sieht in der Pandemie dennoch einen Katalysator, der Veränderungsprozesse beschleunigt. Nicht nur, aber eben auch in der Weinwirtschaft. Die Schwierigkeiten mancher Adelsgüter seien die Schwierigkeiten der gesamten Branche, sagt er. Es werde neue Mitspieler im Markt geben und weitere Veränderungen selbst bei etablierten Gütern. Für Weil ist das ein Anzeichen für einen „positiven Umbruch“. Wer Erfolg haben wolle, müsse sich der digitalisierten Welt anpassen und sie mit der analogen Weinwelt verzahnen. Das gelinge nicht jedem.

Vermutlich wird sich der Strukturwandel noch beschleunigen. Die Tendenz geht nur in eine Richtung: Immer weniger Weingüter bewirtschaften immer mehr Fläche. Gute Weinberge sind gesucht, die Pachtpreise steigen. Nach einem Befund der Hochschule Geisenheim lässt das betriebswirtschaftliche Knowhow vielerorts aber noch immer zu wünschen übrig. Viele Güter kennten noch nicht einmal ihre Produktionskosten, lautete kürzlich eine niederschmetternde Analyse der Betriebswirtschaftlerin Simone Loose. Vor zehn Jahren registrierte das Eltviller Weinbauamt noch 850 Betriebe in der Region. Heute sind es weniger als 600. Knapp zehn Prozent von ihnen bewirtschaften schon mehr als die Hälfte der 3200 Hektar Rebfläche. (aus der FAZ vom 15.5.2021)

Schafft die Spätlese ab!

Profilierung bedeutet Verzicht, und mit dieser These ist schon ein Teil der Misere des deutschen Weinbaus beschrieben. Zwar ist es weitgehend Konsens in der Branche, dass das deutsche Weinbezeichnungsrecht zu kompliziert ist und dass gegenüber dem Verbraucher mehr Klarheit und Wahrheit nötig wäre. Doch in der Praxis folgen daraus nach der Novellierung des Weingesetzes keine nachvollziehbaren Konsequenzen. Verzichten fällt eben schwer. Die dem neuen Weingesetz zugrundeliegende Absicht, der Herkunft des Weines mehr Bedeutung zu geben als dem Mostgewicht, ist allerdings richtig und nach drei Jahrzehnten Weinbau unter den spürbaren Auswirkungen des Klimawandels längst überfällig.

Wer neben dem Winzer den Weinberg als Produktionsort der Trauben und nicht die Öchslegrade als entscheidend für die Weinqualität hält, der muss das Weingesetz entsprechend umgestalten. Dass in den seit alters her bekannten besten Weinbergen, den Großen Lagen, geerntete trockene Weine nun bundesweit „Große Gewächse“ genannt werden dürfen und dass solche aus kaum wenig von der Natur begünstigten Ersten Lagen bald „Erste Gewächse“ heißen, ist folgerichtig. Auch wenn der Kampf um die Details erst noch entbrennen dürfte. Gleichzeitig hätte der Gesetzgeber jedoch für trockene Weine die alte Qualitätspyramide aus Kabinett, Spätlese und Auslese abschaffen müsse. Nun tritt das neue System für trockene Spitzenweine neben das alte und schafft noch mehr Verwirrung.

Nicht minder ärgerlich ist, dass die Verbrauchertäuschung namens Großlage nicht gänzlich aus dem Bezeichnungsrecht getilgt, sondern allenfalls abgeschwächt wurde. Künftig wird aus dem „Rauenthaler Steinmächer“ auf dem Etikett die „Region Steinmächer“. Für den so bezeichneten Tropfen dürfen unverändert Weinpartien aus bis zu 27 verschiedenen Einzellagen im gesamten vorderen Rheingau zusammengemixt werden. Zudem gilt für die Erzeuger eine großzügige Übergangsfrist bis 2025. Ein großer Wurf ist das novellierte Weingesetz trotz einiger Verbesserungen also nicht. Dabei war im Gesetzentwurf die Ausgangslage in erfreulicher Klarheit beschrieben worden: „Deutscher Wein verliert im internationalen Vergleich seit Jahren kontinuierlich Marktanteile.“

Gefragt waren daher „Maßnahmen zur Marktstabilisierung sowie Möglichkeiten zur Absatzsteigerung und Wertschöpfung“. Daran gemessen, geht der Gesetzgeber nur sehr kleine Schritte und nimmt dabei zu viel Rücksicht auf Genossenschaften und Kellereien. Der Rheingau immerhin hat sich in die Weinbaugeschichte eingetragen: Er hat dem deutschen Weinbau das „Erste Gewächs“ geschenkt.  (aus der FAZ vom 15. April 2021)

Anstoßen wie der Bundespräsident

Schon Karl Carstens mochte diesen Lorcher Wein, und Richard von Weizsäcker bestellte den Sekt. Das Bundespräsidialamt war und ist ein treuer Kunde von Jochen Neher. Der Winzer wüsste zwar gern mehr darüber, in welch illustrem Kreis sein Schaumwein regelmäßig ausgeschenkt wird, doch dieses Geheimnis wird in Schloss Bellevue sorgsam gehütet. Von dem einen oder anderen gekrönten Haupt weiß Neher aber dennoch, dass es seinen Sekt schon im Glas hatte. Die schwedische Königin gehört dazu.

Dabei erzeugt Neher seinen Sekt nicht einmal selbst. Denn Schaumweinproduzenten benötigen viel Platz und große Keller, und beides hat das Familienweingut in beengter Lage von Lorch nicht. Zudem überlässt Neher die Veredelung seiner sorgsam ausgewählten Grundweine lieber Spezialisten, deren Alltagsgeschäft die zweite Vergärung ist. Dazu zählt das Sekthaus Reuter und Sturm in Walluf, dem viele ambitionierte Winzer nicht nur aus dem Rheingau die Versektung anvertrauen. Diese Spezialisierung ist im Rheingau die Regel. Sekt gehört zwar zur Abrundung des Sortiments jedes Weinguts zwingend dazu, aber nur sehr wenige Winzer haben ihr Weingut zum Sektgut erweitert und in den entsprechenden Maschinenpark investiert.

Dennoch hat Neher eine besondere Beziehung zum Sekt. Nicht nur, weil er mit seiner türkischstämmigen Frau Saynur gerne eine Flasche köpft und Schaumweine auch als Essensbegleiter nicht nur zur orientalischen Küche schätzt. Sondern auch, weil er sich während seines Studiums zur Traubenernte auf dem kalifornischen Weingut Domaine Carneros aufhielt. Ein Sektgut, das der französische Champagner-Produzent Claude Taittinger gegründet hatte, um im südlichen Zipfel von Napa und Sonoma County Schaumweine zu keltern.

Zurück in Geisenheim belegte Neher an der weltweit renommierten Weinbau-Hochschule auch das Fach „Sekt“. Für seine ersten 100 Liter Riesling- und Pinot-Noir-Sekt aus dem Lesegut des heute zehn Hektar großen Familienweingutes gab es viel Lob. Das setzt sich bis heute fort. Vier Sekte hat Neher ständig im Angebot. Das Spitzenprodukt ist die „Grande Réserve“. Gekeltert aus Trauben der Spitzenlage Lorcher Krone, fünf Jahre in der Flasche auf der Hefe gereift, handgerüttelt, abgefüllt in eine Designerflasche und mit einem noblen Zinnetikett versehen.

Das ist ein auf nur 800 Flaschen limitierter Sekt, der nicht in jedem Weinjahr möglich ist und der mit 30 Euro auch seinen Preis hat. 2018 und 2019 war es nach Ansicht Nehers zu warm für die Erzeugung des passenden Grundweins. Aktuell wird der Jahrgang 2015 verkauft, sein Nachfolger aus dem Jahr 2017 wird vielleicht 2022 degorgiert. Etwa sechs Monate nach dem Entfernen der Hefe, dem Degorgieren, schmeckt er am besten, sagt Neher, und dann bleibt der Sekt sicherlich für zwei Jahre auf seinem Höhepunkt. Es ist ein Sekt, der wie große Weine ein wenig Luft im Glas schnuppern muss, um seine animierenden Fruchtaromen zu entfalten und alle seine Facetten zu zeigen. Für Neher passt er besonders gut zu Sushi und Sashimi. Ein Sekt für Schaumweinfreaks und die gehobene Gastronomie, aber auch für neugierige und treue Stammkunden, die in Pandemiezeiten jedem Weingut im Überlebenskampf helfen.

Inzwischen fragen aber auch zunehmend Kunden danach, die auf nachhaltige und ökologische Erzeugung Wert legen. Neher, der das 1875 von Wilhelm Mohr gegründete Weingut in vierter Generation führt, bedient sie aus Überzeugung, weil er seit vielen Jahren auch für seine Familie Bioprodukte bevorzugt. Die Konsequenz daraus war schon vor zehn Jahren, das Weingut auf zertifizierte ökologische Bewirtschaftung umzustellen. Dies gibt ihm „ein besseres Gefühl“ bei der vorwiegend manuellen Arbeit in den steilen und steinigen Lorcher Weinbergen, auch im Hinblick auf seine eigene Gesundheit, wie er sagt. Der Weg zurück in die konventionelle Bewirtschaftung ist für ihn kein Thema: „Du weißt einfach nicht, was genau du da in den Weinberg ausbringst.“ Und die Weinberge sind die Basis jedes Weinguts. Neher bewirtschaftet in Lorch eine Parzelle, in der sogar die ältesten Rebstöcke des Rheingaus stehen – Pflanzjahr 1934.

Seine Weine und Sekte tragen seit 2011 das Ökolabel, und nicht nur das: Sie sind auch zertifiziert vegan, weil Neher keine tierischen Erzeugnisse wie Gelatine, sondern Erbsenprotein bei der Weinbehandlung verwendet. Das Verlangen nach veganen Weinen wird größer, auch wenn es nach Nehers Beobachtung auf Auslandsmärkten wie Dänemark viel stärker ausgeprägt ist als in Deutschland: „Der Deutsche gibt nicht mehr Geld für Bioware aus.“ Für Neher zahlt sich seine Wirtschaftsweise gleichwohl aus. „Bio“ sei langfristig der richtige Weg, und er fühlt sich gerade erst durch die Verkoster der Fachzeitschrift „Selection“ bestätigt: Die halten „Mohr“ in Lorch für das aktuell beste Bioweingut in Deutschland.  (aus der FAZ vom 29.12.2020)

Im Wingert

Kleiner Geschenk-Tipp: Da ist es, mein erstes F.A.Z.-Hörbuch:

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (F.A.Z.) bietet mit dem neuen Hörbuch „Im Wingert. Weinbau in Deutschland“ ausgewählte Beiträge rund um den deutschen Weinbau.

Das neue F.A.Z.-Hörbuch „Im Wingert. Weinbau in Deutschland“ mit insgesamt zwölf erlesenen Beiträgen nimmt den Hörer mit auf eine Reise in verschiedene Weinregionen Deutschlands. Deutscher Wein ist längst viel besser als sein Ruf – und das liegt nicht nur am berühmten Riesling. Auf etwas mehr als 100 000 Hektar wird in Deutschland Wein angebaut. Auf unterhaltsame Weise widmen sich die F.A.Z.-Redakteure Methoden, Lagen, Anbaugebieten und dem Winzergeschick und berichten über Bedeutendes und Kurioses bei der Weinherstellung. Zusammengestellt sind die Beiträge von F.A.Z.-Redakteur und Weinkenner Oliver Bock, der als bekennender Badener und Rheingauer aus Leidenschaft aus dem Rheingau-Taunus-Kreis und der Landeshauptstadt Wiesbaden berichtet.

„Im Wingert. Weinbau in Deutschland“ wendet sich sowohl an Weinkenner, an solche, die es gerne werden möchten, als auch an jene, die bei der Weinprobe gerne mit fachkundigen Kommentaren glänzen. Es hat eine Spieldauer von 2 Stunden und 23 Minuten auf zwei Audio-CDs und ist zum Preis von 19,90 Euro unter www.faz-archiv-shop.de, telefonisch unter 0 69/7591 1010 oder im Buchhandel erhältlich. Den Hörbuch-Download gibt es in vielen Online-Shops und auf Spotify. Eine Hörprobe ist unter www.faz-podcast.de abrufbar.

Lockdown „light“, 2. Welle

So, da sind wir also angekommen, in der zu erwartenden zweiten Corona-Welle: Restaurants wieder zu, Glorreiche Rheingau Tage „light“ abgesagt, diverse Verkostungen auch, das ist alles nicht schön und für alle belastend. Ich nehme daher mein im Frühjahr gestartetes Corona-Weintagebuch auf Facebook wieder auf und stelle bis zur Wiedereröffnung der Weinschänken jeden Tag einen anderen Wein vor, der mir gefällt oder auf andere Art bemerkenswert ist. Also wer an weiteren Weinschmecker-Infos informiert ist, der weiche auf das soziale Netzwerk aus. Im Übrigen planen wir, im Jahr 2021 eine Neuauflage des Rheingauer Weinschmeckers herauszubringen! Wer dazu Anregungen oder Empfehlungen hat, der möge sich gerne direkt an mich wenden! Ansonsten gilt: Trinken wir eben zu Hause oder im intimen Freundeskreis gute Weine – und bleiben wir gesund!

Euer Rheingauer Weinschmecker

Oliver Bock

150 Jahre Weingut Ress

Das größte Ökoweingut in Hessen ist 150 Jahre alt. Eine bemerkenswerte Familiengeschichte kreativer Weinunternehmer im Rheingau.

Wein war nie alles, ohne Wein wäre alles nichts. So lässt sich eine Ur-Rheingauer Familiengeschichte verkürzen, deren bekannte Wurzeln ins frühe 17. Jahrhundert zurückreichen. Eine Familie von Metzgern, nicht von Winzern, und zugleich eine Familie einfallsreicher Weinunternehmer, die früh jene kluge Strategie erfolgreicher Firmen beherzigt hatte, die als Diversifikation noch unbekannt war. Obwohl hinreichend belegt ist, dass ein gewisser Jacob Ress schon 1840 in Hattenheim ein zweistöckiges Haus mit Stallungen und Kelterhaus erwarb, um eine Metzgerei und eine Weinwirtschaft zu eröffnen, gilt erst das Jahr 1870 als Gründungsdatum des Familienunternehmens. Dieses Gründungsjahr ist heute Teil der eingetragenen Marke „Balthasar Ress“ und war erst vor wenigen Jahren über einen Vertrag zur Einquartierung von Soldaten im damaligen Gasthaus Ress während des Deutsch-Französischen Krieges belegt worden.

Balthasar Ress trug – wie schon sein Vater, wie seine Geschwister und seine Nachfahren – das Unternehmergen in sich. Ress machte sich als Gastwirt und Hotelier selbständig, engagierte sich vielfältig ehrenamtlich und als Gemeinderat auch für Hattenheim. Seine vielfältigen unternehmerischen Aktivitäten erstreckten sich auf die Gastronomie von Kloster Eberbach und den Betrieb einer Buslinie. Wie bei so vielen Rheingauer Familien gehörte ein kleiner Weinbergsbesitz dazu. Diese Parzellen im Oestricher Doosberg und Hattenheimer Kilb gelten heute als Keimzelle des Weinguts. Die Söhne Carl und Paul setzten die unternehmerische Tradition mit Geschick fort. Auch der Weinhandel sollte frühzeitig als Geschäftsfeld hinzukommen.

Es war aber Balthasar Ress, der 1896 das Haus in der Rheinallee 1 erwarb und dort das „Hotel- und Weinhaus“ Ress etablierte. Ein Wagnis, das sein Urenkel Stefan Ress als besonders kluge Entscheidung lobt. Denn sie legte die Basis einer weiteren Expansion. Das Hotel blieb bis 1979 im Familienbesitz und ist bis heute als „Kronenschlösschen“ eines der Vorzeigehotels des Rheingaus. Die Silhouette ist inzwischen Teil des Ress’schen Familienwappens.

Das Weingut war immer nur ein Teil des Geschäfts, aber es steht bis heute für die Seele des Unternehmens. „Eine Konstante der Familiengeschichte“, sagt Stefan Ress, der 1970 in die Geschäftsführung eintrat, 1980 die alleinige Verantwortung übernahm und das Unternehmen auch durch diverse Erbauseinandersetzungen führte. Die Gastronomie sei immer ein Teil der Familien-DNA gewesen, sagt er.

Das Weingut, das nach dem Zweiten Weltkrieg noch bescheidene drei Hektar groß war, hatte damals schon auf mehr als 15 Hektar Rebfläche zugelegt. Unter der Führung von Stefan Ress trat das Weingut 1984 der Vereinigung der Charta-Weingüter und 1989 dem VDP Rheingau bei. Ress gehörte zu jener Gruppe qualitätsorientierter Winzer um seinen Vetter Bernhard Breuer und Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau, die in jenen Jahren der Weinbaupolitik wichtige Impulse gaben und der Klassifikation der Weinberge den Weg bereiteten. Ein Modell, das sich heute weitgehend durchzusetzen scheint. „Das waren weinbaupolitisch aufregende Zeiten“, erinnert sich Ress an hitzigen Streit und heftige Diskussionen. Im eigenen Unternehmen legte Ress mit dem Erwerb der ehemaligen Hattenheimer Winzergenossenschaft den Grundstein für weitere Expansion.

Sohn Christian stieg 1999 in das Unternehmen ein und wurde 2004 Miteigentümer. Fortan sorgte das Weingut für ungewöhnliche Schlagzeilen. Beispielsweise 2009 durch die Anlage des nördlichsten deutschen Weinbergs auf Sylt, dessen Ernte heute in Sekt verwandelt wird, und durch die Eröffnung der Winebank in einem bis dahin ungenutzten Teil des Gewölbes unter dem Stammhaus an der Rheinallee. Ress versenkte publicityträchtig mit feinen Tropfen gefüllte Großflaschen zur idealen Reifelagerung im Diezer See und ließ einen VW-Bus aus seinem Geburtsjahr 1973 zur mobilen Ausschanktheke umbauen. Er stellte die Produktion vom Korken auf Schraubverschluss um, und er startete 2016 die Umstellung auf ökologischen Weinbau. Auf Glyphosat verzichtet Ress schon seit zehn Jahren. Heute ist Balthasar Ress mit 50 Hektar Rebfläche das größte Ökoweingut Hessens.

Zur Expansion gehörte 2013 die Eröffnung einer Weinbar und Vinothek in Wiesbaden und 2018 in der neuen Altstadt in Frankfurt. Ein Ress-Gästehaus und eine Ress-Suite knüpfen inzwischen im Rheingau an die alte Beherbergungstradition der Familie an. Aus der zum exklusiven Weinclub fortentwickelten Winebank macht Ress mit Partnern gerade ein auf Expansion ausgerichtetes Franchise-Unternehmen mit inzwischen acht Standorten weltweit. Auch dort soll das Familienmotto aus den 1920er Jahren, „Fein sei der Wein“, gelten.

Der 46 Jahre alte Christian Ress ist kein Winzer. Der Betriebswirt sieht sich in der fünften Generation als Unternehmer im Weinbau mit Leidenschaft für Riesling und Spätburgunder. Zur Unternehmensgruppe gehören heute eine Weinkellerei und die Weinvertriebs- und Weinhandelsgruppe Veritable, die den Lebensmitteleinzelhandel bedient und laut Ress zu den großen Playern in Deutschland zählt. Inzwischen ist Ress Arbeitgeber für mehr als 100 Mitarbeiter. Die Diversifikation, die schon zur Gründung ein Markenzeichen der Familie war, hat „Balthasar Ress“ geholfen, die Pandemie einigermaßen glimpflich zu überstehen, auch wenn es hier und da Einbrüche gab. Vor allem in den Luxusresorts weltweit, in denen Ress eigentlich wichtige Absatzmärkte für seine Weine sieht. Aber wenn am Flughafen in Dubai kaum noch Verkehr abgewickelt wird, dann erwirbt auch kaum jemand Ress-Weine im Duty-free-Shop. Doch den Unternehmergeist von Ress beflügelt das höchstens. Es müsse nicht bei zwei Ress-Weinbars in der Rhein-Main-Region bleiben und keinesfalls werde er interessante Optionen am Wegesrand liegenlassen, sagt Ress: „Ich hatte schon immer mehr Ideen als Zeit und Geld.“  (aus der FAZ vom 12.10.2020)

Aus dem Verkostungstagebuch

Frauenpower

16 Weine von deutschen Winzerfrauen, mal was ganz Neues in der Reihe der Blindverkostungen der Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau. Um eines vorwegzunehmen: In jedem der vier Flights war ich anderer Meinung als die Mehrheit… das ging schon bei Thema Sauvignon blanc so. Ich mochte den 2019er Wein von Karoline & Dorothee Gaul einen kleinen Hauch stärker (weil frischer?) als den 2018er von Gesine Roll während die Mehrheit für Tatjana Schmidts 2019 SB vom Weingut Russler stimmte. Grauburgunder ist nicht mein Fall, aber dass sich mein Favorit, nämlich Caroline Diels Gris Reserve 2016 nicht durchsetzte, blieb mir ein Rätsel (zuviel Holz?). Juliane Ellers 2019 „Juwel“ lag bei mir noch vor Theresa Breuers 2018 Gris. Bei den trockenen Rieslingen dann lag bei mir Breuer (Terra Montosa) vor Diel (Dorsheimer Eierfels), wobei ich Carolin Spanier-Gillots Niersteiner Riesling gut fand (ohne den Niersteiner Charakter so richtig herauszustellen). Bei den Edelsüßen Hut ab vor dem, was Katharina Prüm und Carmen Ziliken so abfüllen, sehr schwach dagegen Eva Frickes Schlossberg Spätlese, die so gar nicht den Lorcher Charakter zeigt. Viel besser als Fricke die Spätlese aus der Trittenheimer Apotheke von Catherina Grans.

Robert König, Assmannshausen

Sehr schön, dass das Weingut im Herbst an den Wochenenden öffnete, Platz gibt es ja genug, und guten Wein obendrein!

2017 Drachenstein Spätburgunder Zenit – elegant, fein, tiefgründig

2018 Weißburgunder Signatur – absolut einer der besseren Weißburgunder des Rheingaus

Allendorf, Winkel

Kleine GG-Probe am Nachmittag: 2018 Jesuitengarten versus Hasensprung versus Berg Roseneck – und was soll ich sagen: für mich unerwartet ließ der Jesuitengarten ob seiner feinen Mineralität und Finesse die Kollegen hinter sich…

Weingut Weiler, Lorch

Es ist immer eine Freude, Weiler-Weine zu verkosten. Persönlich bin ich ein Fan des trockenen 2019er Bodenthal-Steinberg Riesling und der Krone S. (der Zusatz Spätlese kann entfallen..) Mir gefällt die Mineralität und der kompakte Zug der Weine. Die Finesse und Klarheit sind ja ohnehin Wesenszüge der Weiler-Weine. Allerdings gebe ich zu, dass mir persönlich bei den trockenen Spitzenweinen der Restzucker ein wenig zu hoch ausgefallen ist. Noch immer tasten sich zu viele Winzer zu nahe an die 9 bzw. 10g/ RZ/l –Grenze heran. Das geht trockener und besser. Der Trend geht auch bei den Großen Gewächsen nicht ohne Grund eher in Richtung 5 bis 6g RZ oder sogar weniger. „Quarzit“ und „Schiefer“ sind schöne Einstiegsweine zum Preis von 8 Euro… das ist ein Top PLV! Und ich warte gespannt, bis der neue trockene Steillagenriesling tatsächlich in der Flasche ist… die erste Probe war verheißungsvoll….

1917!

So, aus gegebenem Anlass jetzt noch einmal Weil in diesem Blog. Diese Häufung in diesen Tagen hat ihren guten Grund, und dieser ist außergewöhnlich. Anlässlich der Vorstellung des neuen Superpremium-Weins „2018 Monte Vacano“ (siehe im Blog weiter unten!) und einer Vertikale der Gräfenberg GGs von 2007 bis 2019 hat Wilhelm Weil auch einen tiefen Griff in die Schatzkammer getan und TROCKENE (ca. 8-12 g RZ/l) Gräfenberg Cabinet-Weine der Jahrgänge 1949, 1949, 1937, 1934, 1921 und 1917 entkorkt. (Cabinet-Weine gibt es bei Weil übrigens nur bis zum Jahrgang 1953, und Trockenbeerenauslesen ab dem Jahrgang 1959).

Sowas bekommt man nicht alle Tage auf die Zunge, und der Erlebniswert war gewaltig und keineswegs nur der Ehrfurcht dieser Jahreszahlen geschuldet. Mit gefielen vor allem der geschmeidige, fruchtige 47er mit seiner betörenden Länge und der hochdelikate 1937 besonders gut. 1921 mit betörender Nase, 1917 anfangs in der Nase eher verhalten, doch am Gaumen 1917 eine zeitlose Majestät, die wohl niemand blind jahrgangsmäßig auch nur annähernd richtig einordnen würde. Auch 1921 herausragend mit schönen Apfel- und Rosinennoten, ohne dabei oxydativ oder gar „alt“ zur wirken. 100 und mehr Jahre alte, trockene Riesling in dieser guten Konstitution sind ein Ritterschlag für die damalige Weil-Generation! Konsequenterweise erhoben sich die Verkoster! Einen Hut abnehmen hätte nur ich können…

2019 GG s

VDP.Großes Gewächs in Wiesbaden

477 Weine der Jahrgänge 2015-2019 in 89 Flights an 3 Tagen, verkostet von 160 Experten aus dem In-und Ausland, das ist die VDP.GG-Präsentation in Wiesbaden. Wie immer mustergültig organisiert, so dass der 3. Tag sogar trotz der Verschärfung der Corona-Beschränkungen in Wiesbaden ablaufen konnte. Ich habe natürlich nicht alles verkostet, sondern mich immer auf einige Teilaspekte fokussiert. Diesmal ging es mir nicht um einzelne Regionen, sondern um den Charakter des Terroir wider die Handschrift des Winzers. Dazu muss man Flights ordern aus Lagen, in denen mehrere gute Winzer begütert sind, und dazu ist das die ideale Gelegenheit.

Einige Beispiele von meinem Verkostungstisch, alles VDP.GG 2019 Riesling trocken.

Rheingau: Hattenheimer Wisselbrunnen

Die Spitzenlage Wisselbrunnen in allen vier Weinen gut erkennbar, die Stilistik ändert daran nichts. Ich mochte den geschliffenen Spreitzer am liebsten und sah den finessenreichen Kaufmann auf dem zweiten Platz, den dritten teilten sich einen Wimpernschlag dahinter Barth und die Georg-Müller-Stiftung

Rheingau: Berg Schlossberg und Kaisersteinfels

Künstler hatte bei mir die Nase vorn, dicht gefolgt von Leitz (2018), der wiederum knapp vor Wegeler. Insgesamt deutlich heterogener im Ausbau als der Wisselbrunnen. Wie gut ein Jahr mehr Reife tut, zeigte auch der 2018er Rosengarten von Leitz, phänomenal gut.  

Nahe: Schloss Böckelheimer Felsenberg

Alle 4 durchaus eng beisammen, was für die Lage spricht. Schäfer-Fröhlich und Dönnhoff… da konnte ich mich einfach nicht entscheiden, auch zwischen Gut Hermannsberg (3.) und Dr. Crusius ging es ganz knapp zu.

Wenden wir uns Rheinhessen zu: Niersteiner Pettenthal

Gunderloch und Kühling-Gillot machen das fantastisch, Wein mit Grip, Zug und Finesse. Schätzel eher verhalten, für St. Antony kam die Verkostung auch noch ein bisserl früh, ist aber mit Sicherheit ein großartiger Langläufer.

Pfalz, natürlich Forster Pechstein, und gleich 5 Winzer! Bürklin-Wolf, Buhl, Bassermann-Jordan, Acham-Magin und Mosbacher. Was für eine Reihe, was für klingende Namen. Und das Schönste: Alle GGs auf Top-Niveau. Aber weil der Bessere der Feind des sehr Guten ist, gehören Buhl und Bassermann die Kronen dieses Flights.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass 2019 wirklich großartige Spitzen hervorgebracht hat, und manche Weingüter haben die ebenfalls sehr guten 2018er mit ihrem 2019 noch übertrumpft. Übrigens. Die 2020er GGs wird der Rheingau erst 2022 zeigen, also nach zwei Jahren Lager- und Reifezeit, um den Weinen mehr Entwicklung zu geben. Das machen vereinzelt ja schon Winzer aus vielen Regionen (im Rheingau bsp. PJ Kühn), aber nun ist es im Rheingau die Regel, und vermutlich wird der eine oder andere VDP-Regionalverband noch folgen. 2021 gibt es dennoch eine GG-Präsentation, aber wird aus dem Rheingau eben noch einmal 2019 gezeigt. Angesichts der Güte der Weine ist das eher eine Verheißung als die Androhung von Langeweile!

2018 Monte Vacano

wie bitte? Doch! Vacano, Monte. Genauso heißt der neue Ultrapremium-Riesling von Weingut Robert Weil. Die Trauben stammen von einer 0,5 Hektar großen Parzelle der Spitzenlage Gräfenberg, aus der Weil jährlich 30.000 bis 40.000 Flaschen Großes Gewächs erzeugt. Bis 1921 ist verbrieft, dass Familie Weil auf dieser Parzelle mit ihrem hohen Phyllitschiefer-Anteil einen „Monte Vacano“-Wein erzeugt hat, der allerdings nicht verkauft wurde, sondern in der Familie blieb. Wein und Parzelle haben deshalb auch eine emotionale Bedeutung für Wilhelm Weil. Vor allem aber auch eine weinhistorische. Nun sollen jährlich zwei aufgearbeitete, traditionelle Stückfässer (1200l) aus bewährter Hunsrück-Eiche mit dem spontan vergorenen Wein gefüllt werden, um zwei Jahre auf der Feinhefe zu reifen. Das Erstlingswerk ist gefüllt und wird allen Erwartungen an einen großen trockenen (2g RZ) Weißwein gerecht. Die 1200 0,75er Flaschen können für 105 Euro vorreserviert werden und sollen ab April 2021 für 130 Euro verkauft werden. Wetten, dass dann keine Flasche mehr in den freien Verkauf geht??? In Magnum-Flaschen geht der Wein auf die Versteigerung, auch eine einzelne 12 l-Flasche, für die mir leider das Kleingeld fehlt. Der Wein hat unheimlich viel Grip, Länge und einen sehr „traubigen“ Charakter, eine besondere Würzigkeit, hohe Dichte und Komplexität, ohne dabei an Trinkfluss (13%) einzubüßen.  

Keine Sorge, der Gräfenberg bleibt die VDP.Große Lage, weshalb „Monte Vacano“ auch nicht für ein neues Gewann im Gräfenberg steht, sondern nur für die Herkunft aus dem Gräfenberg. Warum Vacano?  So hieß eine lombardische Familie, und Emilie Vacano war es, die 1875 den Sprachwissenschaftler und Winzer-Seiteneinsteiger Robert Weil heiratete. Im gleichen Jahr kaufte Weil den Suttonschen Landsitz in Kiedrich und formte durch Zukäufe ein Weingut. Darunter auch die Lay genannte Parzelle, für die Weil die Mitgift seiner Frau einsetzte. Fortan heiß die Parzelle Monte Vacano. Der Rest ist bekannt, der Wein ist neu. Wie Phoenix aus der Asche. Formidabel!   

Dem 2019er auf der Spur…

Jahrgangsverkostung Robert Weil, Kiedrich

… später als sonst im Jahr habe ich die 2019er von Robert Weil verkostet, und das Fazit ist: Sie knüpfen unmittelbar an die hohe Qualität und Finesse der 2018er und 2016er an. Für das Weingut war es ein anspruchsvoller Jahrgang nach einem „neidischen Herbst“, der auf einen abermals trockenen und heißen Sommer gefolgt war.

2019 Rheingau Riesling trocken – von den Freaks oft gescholten wegen seines angeblich schwierigen Preis-Leistungs-Verhältnisses gefällt mir diese trockene Visitenkarte des Weinguts außerordentlich gut. Ein Wein mit Schmackes (Wumms, sagt man wohl neuerdings), der mit einer gut integrierten Säure dennoch den Trinkfluss entfaltet, denn ein QbA haben muss.

2019 Kiedricher Riesling trocken – mehr als nur ein schnöder Ortswein… vielmehr ein Charakterwein und ein Abbild der Kiedricher Berglagen mit viel Grazie, Finesse und Eleganz, ohne dabei die fruchtige Leichtigkeit missen zu lassen. Vielleicht sogar der beste Kiedricher der zurückliegenden Jahre…

2019 Klosterberg Riesling trocken – die Wein-Bazooka von Weil: leicht würziger Charakter, stämmig, ein „Maul voll Wein“ und mit Sicherheit ein guter Essensbegleiter. Jahr für Jahr zeigt der Klosterberg ein wenig mehr Klasse und Finesse, ohne sich Turmberg und Gräfenberg aber entscheidend nähern zu können.

2019 Turmberg Riesling trocken – same note as every year: zu diesem Zeitpunkt immer der zugänglichste, imposantes, überwältigende Terroir-Wein. Bärenstark und doch hochelegant, Genuss pur.

2019 Gräfenberg Riesling trocken – das GG, das in wenigen Tagen verkauft werden darf, und die Botschaft lautet: Greift zu! Eine in weiten Teilen noch verschlossene Majestät, die aber zu diesem Zeitpunkt eine für mich ungewohnte Würzigkeit (fast ein bisserl Feuerstein) zeigt. Ob das an den teils aufgearbeiteten großen Holzfässern liegt sei dahingestellt, aber ich muss dringend mal 2019 GG mit 2018 und 2016 vergleichen, um meine Sinne auf den Prüfstand zu stellen…

2019 Riesling Tradition … vielleicht der Saufwein in der Weil-Kollektion, perfekter Trinkfluss mit 25g Restzucker, idealer Asian- und Indian-Food-Begleiter, aber auch einfach so in der Sommerhitze eisgekühlt… great… einfach der viel bessere Rosé…

2019 Riesling Kabinett …. der „Kabi“ erlebt ja mit dieser liebevoll gemeinten Abkürzung unter den Freaks eine kleine Renaissance, bei Weil schmeckt er so lecker-erfrischend wie kaltes Gebirgsquellwasser, doch ich ziehe den Tradition vor!

2019 EDELSÜSS… ok, ich hatte den Genuss, auch die gesamte edelsüße Kollektion verkosten zu dürfen bis hin zu den Goldkapsel Auslesen und Beerenauslesen sowie 2019 Turmberg und 2019 Gräfenberg TBA, aber mir fehlen ein wenig die Worte, die diesen Weinmajestäten gerecht werden, und ich will auch nicht ständig nur mit Begriffen wie Honig, Karamell, Rosinen, Aprikosenschale, reifer Orange, Trockenfrüchte um mich werfen… um nur einige der Aromen-Eindrücke von mir zu geben. Sagen wir mal so: alle zwischen 94 und 99 Weinschmecker-Punkte und wer es sich leisten kann, sollte zugreifen! Sofort!

Jahrgangsverkostung F.B. Schönleber, Mittelheim

…. unter Corona-Bedingungen ein wenig ungewohnt aber gut gelöst im Weingut. Noch hat das VDP-Weingut nicht alle Tropfen in die Flasche gefüllt, und die Großen Gewächse durfte ich leider auch noch nicht probieren (obwohl der 1.9. doch nur für den Verkauf gilt), dafür gab es

2019 Franz Bernhard – der Mittelheimer Ortswein gefiel mir schon als 2018er außerordentlich gut mit seiner klaren Frische, seiner Geradlinigkeit und seiner markanten, aber nicht harten Säure. Ich habe noch drei Kisten aus den Restbeständen erstanden… und das sagt an dieser Stelle vielleicht alles. 2019 aber nicht minder gut. Unter den 3 VDP.Erste Lage-Weinen (Edelmann, Steinmorgen, Klosterberg) ragte für mich diesmal der trockene 2019er Steinmorgen mit seiner Finesse und Spritzigkeit klar hervor… in diesem Stadium gefiel er mir sogar besser als das Beste Fass (Edelmann), das vielleicht einfach noch ein wenig Zeit braucht. Und wenn Ihr einen Sekt braucht: der neue Brut nature ist für 14 Euro ein Mega-Schnapper!  

Große Gewächse – GGs aus 2018

Die Verkostung der besten trocken deutschen Rieslinge (GGs) des jeweils noch aktuellen Jahrgangs gehört zum festen Programm der Weinloge „Die Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau“, und diesmal kamen die 18 Weine – sämtlich Jahrgang 2018 – aus sechs deutschen Anbaugebieten.

Das wichtigste vorweg: Die Nahe brillierte mit Schlossgut Diel, Gut Hermannsberg und Dönnhoff, wobei Hermannsberg in dem Trio klar die Nase vorn hatte: Präzise, geschliffen, komplex, feinwürzig, dennoch mit Trinkfluss vom Allerfeinsten.

Der teuerste Flight war der Rheingau mit Schloss Johannisberg, Gräfenberg (Weil) und Wegelers Geisenheimer Rothenberg (alle über 40 Euro). Während ich Weil bevorzugte, votierte eine knappe Mehrheit für den Rothenberg, den ich ebenfalls klasse fand. Johannisberg schien mir in ein kleines Loch abgetaucht, doch der kommt wieder, sicher!

Die teuerste Einzelflasche war das Königsbacher Idig GG von Christmann (58 Euro), während Knipsers Laumersheimer Steinbuckel (27 Euro) weniger als die Hälfte kostete! Erstaunlicherweise ließ bei der Pfalz-Blindverkostung Von Winnings „Forster Ungeheuer) beide mit klarem Abstand hinter sich!

Unter den fränkischen GGs stach der Pfülben (nur 26,50 Euro) von Schmitts Kinder klar hervor und ließ – für mich erstaunlich – das Bürgerspital (Würzburger Stein) und auch Fürsts Centgrafenberg deutlich hinter sich, die beide für knapp 40 Euro angeboten werden. Und wenn wir schon bei Preis sind: der war bei den Württemberger Güter an niedrigsten, wobei die Meinungen hier weit auseinandergingen. Ich selbst plädierte für Wöhrwags „Untertürkheimer Herzogenberg“ und muss sagen: Phänomenal gutes Preis-Leistungsverhältnis (23 Euro! das war das preiswerteste GG des Abends!) Dautel und Graf Adelmann konnten hier nicht mithalten. Zum Schluss noch ein Blick an die Mosel: Ich mochte Van Volxems Kanzemer Altenberg sehr, doch die Mehrheit votierte für Fritz Haags Brauneberger Juffer Sonnenuhr, abgeschlagen: Dr. Loosen mit der Wehlener Sonnenuhr. Alles in allem aber waren die GGs ein Beleg für die hohe Güte des 2018er Jahrgangs, der wirklich zu den sehr guten gehört! Top! In Kürze werde ich die 2019er GGs in Wiesbaden probieren und bin schon jetzt gespannt… mehr dann wieder hier im Blog.

Aus dem Verkostungstagebuch

Hier mal wieder als Update ein paar nicht repräsentative Eindrücke der vergangenen Tage…

Peter Jakob Kühn, Oestrich

2015 Spätburgunder trocken – persönlich mag ich die Riesling, vor allem die Ortsweine, aber auch immer den St. Nikolaus lieber als die Roten. Dieser ist gleichwohl ein guter Vertreter des recht üppigen Jahrgangs 2015, in der Struktur recht fest, gute Säure

Kloster Eberbach/ Staatsweingüter

2010 Pinot Noir trocken – sehr klassisch aus einem eher „kleinen“ Pinotjahr, dafür mit unverändert hoher Eleganz bei lebendiger Säure, ein Florett, kein Säbel und schon gar kein Schwert, wirklich gut

Delaire Graff, Stellenbosch

2018 The View White Blend – eine von Sauvignon blanc getragene Cuvée mit gutem Zug und viel Finesse, schöner Trinkfluss, reife Früchte, Zitrus, ein wenig Paprika, dabei immer fein und ziseliert, gut, der richtige Soli-Schluck angesichts der tiefen Krise, in der südafrikanischen Winzer nach dem zweiten Lockdown mit zweitem Alkoholverbot leiden…

Pfeffingen, Pfalz

2018 Roter Riesling –SP- zugegeben, ich bin selten ein Enthusiast des Roten Riesling, der mir oft zu süßlich, zu sehr Feuerstein schmeckt… aber es gibt fulminante Ausnahmen, und das ist eine davon, die ich das allererste Mal getrunken habe und meinen guten Eindruck bestätigt, wann immer ich Pfeffingen-Weine getrunken habe.

Peter Lauer, Saar

2018 „Faß 25“ Alter Riesling trocken VDP.Ortswein – im Weingut war ich begeistert, zuhause zeigt er Weine eine ungewohnte Reife für einen 2018er… meinem Gegenüber im der Blindverkostung kam der Wein schon mehrere Jahre alt vor… ich muss unbedingt in Kürze eine Konterflasche öffnen…

Künstler, Hochheim

2015 Rüdesheim Berg Rottland GG – ein Hammer. Ungemein frisch, mit hoher Präzision und Finesse, ein Wein voller Trinkfluss, charmant und elegant, love it! Dummerweise ein Einzelstück im Keller…

Carl Ehrhard, Rüdesheim

2018 Berg Rottland Urstück Rottland – hammergut, wie sich die 2018er Urstücke jetzt präsentierten, und dieses hier ist mein Liebling. Kleine Anmerkung für Rosé-Freunde: der 2019er Rosé ist der bislang beste, den ich im Rheingau getrunken habe. Taste it!

Eva Fricke, Eltville

2009 Seligmacher – Nur zu gerne würde ich jetzt über diesen Wein und jüngere Jahrgänge desselben ausführlich schreiben. Aber das ist brandgefährlich, weil jeder Weinblogger und Weinjournalist Gefahr läuft, den Wein nicht genug in den Himmel zu loben oder gar andere Weine besser zu finden. Die Winzerin mit Elefantengedächtnis versteht da keinen Spaß, und wer nicht mit einem bösen Zauber, einem Bann oder gar der Höchststrafe, einem Kaufverbot (!), belegt werden will, weil er der Fricke-Weine einfach nicht würdig ist (jedenfalls nicht ab Weingut), der sollte sich tunlichst ganz zurückhalten. Daher hier mein unangreifbares und abschließendes Urteil zu diesem Tropfen: Es ist Wein.

(Keine Sorge, bei nächsten Mal dann wieder das volle Programm!)

Nahe am Rhein

… so heißt eine neue wein-touristische Initiative zwischen Bingen und Kreuznach, die Aufmerksamkeit verdient. Ich bin bei einer kleinen Tour an die Nahe darauf gestoßen, bei der ich unter anderem die wunderbaren Wanderrouten rund um Bad Kreuznach erkundet habe. Und endlich mal wieder eine Stippvisite bei Martin Tesch in Langenlonsheim.

Kompliment für die 2019er, bei denen die Lagencharakteristik wie schon 2018 sehr gut herausgearbeitet worden ist. Die „Lagenkiste“ (nur 77 Euro!) ist eine echte Empfehlung… eine Art flüssiges Lehrbuch über die Böden und die geschmackliche Ausprägung im Wein. Mit dem Jahrgang 2019 waren der St. Remigiusberg und der Karthäuser meine absoluten Favoriten, wobei die Krone auch immer eine Bank ist. Wie gut die Weine reifen, zeigte mir Tesch mit einem 2009 Karthäuser: Stoffige Eleganz mit prägnantem Zug, fein!

Natürlich habe ich auch ein wenig Dönnhoff, Korrell, Emrich-Schönleber und Diel getrunken (die Nahewein-Vinothek in Bad Kreuznach ist in dieser Hinsicht jedenfalls ein Muss!). Zu einer Nahe-Visite gehört aber auch ein Besuch bei Kruger-Rumpf, wo die 2019er ebenfalls außerordentlich gut geraten sind. Schon der Binger (Quarzit!) und der Münster (Schiefer!)-Ortswein sind jeweils ganz feine, filigrane Visitenkarten des Weinguts mit großem Trinkfluss aus zwei Anbaugebieten. Ein echtes Aha-Erlebnis bietet am Gaumen die neue „Bingerbrücker-Abtei“ in der Variante „Abtei 1937“. Ein präziser Hammerwein! Wobei der Münsterer Kapellenberg aus VDP.Erster Lage ein großartiges Preis-Leistungsverhältnis bietet. Übrigens hat sich Kruger-Rumpf jetzt auf dem Weg zum Öko-Weingut begeben… der 2020 wird der erste Umstellungsjahrgang. Bei den Großen Lagen ist es fast immer der Binger Scharlachberg, der mein Favorit ist. So auch mit dem Jahrgang 2018. Ein rheinhessischer Diamant, geschliffen an der Nahe! Und dann zwei Schätzchen aus der Schatzkammer: 2004 Scharlachberg Riesling GG. Wow! Und eine Majestät: 1992 Münsterer Dautenpflänzer Riesling Spätlese trocken – fantastisch gereift, und noch lange nicht am Lebensende angekommen.

Privatkunden retten die Winzer

In der Weinbranche wird die Corona-Krise nachhaltige Veränderungen zur Folge haben. Der Strukturwandel, der die Konzentration von immer mehr Weinbaufläche bei immer weniger Erzeugern beschreibt, wird sich noch einmal beschleunigen. Die Rebfläche in Deutschland von derzeit rund 100.000 Hektar könnte gleichwohl in wenigen Jahren deutlich zurückgehen. Und viele Erzeuger müssen sich wohl zu Produktions- und Vermarktungsallianzen zusammenschließen, wenn sie nicht zum Spielball des großen Lebensmitteleinzelhandels werden wollen.

Das sind einige der Einschätzungen aus dem ersten Online-Seminar, das der Bund Deutscher Önologen organisiert und das Simone Loose, die Geisenheimer Institutsleiterin für Wein- und Getränkewirtschaft, am Bildschirm moderiert hat. Loose hatte schon im April eine erste Umfrage zu den Corona-Folgen für die deutschen Weinproduzenten veröffentlicht. Daran hatten sich rund 850 Weingüter, Genossenschaften und Kellereien beteiligt.  

Demnach hatte es im März zunächst eine klare Verschiebung des Weinabsatzes hin zu Supermärkten und Discountern sowie zu Onlinehändlern gegeben, während der Absatz über die Gastronomie, den Export und den Fachhandel regelrecht eingebrochen ist. Die Folge: mehr als jeder zweite Erzeuger strich oder verschob geplante Investitionen. Nahezu jeder zweite Betrieb beantragte die staatliche Soforthilfe für selbständige und kleine Unternehmen. Für den Sommer zeichneten sich für vier von zehn Betrieben schwerwiegende Liquiditätsengpässe ab. Eine weitere Folge der Krise ist die starke Zunahme des Online-Geschäfts. Dirk Würtz, viele Jahre Betriebsleiter des Hattenheimer Weinguts Ress und jetzt Geschäftsführer bei St. Antony in Nierstein, hatte auf die Krise unmittelbar mit kreativen Online-Angeboten reagiert. Der Absatz sei daraufhin „unfassbar gestiegen“, beschreibt Würtz seine Erfahrungen mit dem eigenen Onlinehandel. Besonders bemerkenswert: Auch nach den zwischenzeitlichen Lockerungen und der Wiedereröffnung von Restaurants liegt der Onlineverkauf stabil etwa vier bis fünf Mal höher als noch vor der Krise.

: „Endlich scheint Wein im Online-Handel angekommen zu sein“, meint Würtz und lobt die Weingenießer: „Die Privatkunden haben uns gerettet“.

Kellereien und Große Winzergenossenschaften hatten wiederum das Glück, dass die Kunden ihren Wein vermehrt im Lebensmittelhandel kauften, um sich wenigsten zuhause gutes Glas zu gönnen. Die Lauffener Weingärtner, eine große württembergische Genossenschaft mit 1200 Mitgliedern und fast 900 Hektar Rebfläche, musste in der Krise zunächst damit kämpfen, dass die Lagerflächen in den Einkaufsmärkten für „systemrelevante“ Produkte reserviert waren und Wein es nur mit Hürden ins Regal schaffte. Weingärtner-Geschäftsführer Marion Kopp machte zu Beginn der Krise zwei interessante Erfahrungen. Außerhalb der deutschen Weinanbaugebiete ging Wein zu Preisen von weniger als zwei Euro je Flasche „ab wie Feuerwehr“. Je näher die Verbraucher allerdings an einem Weinbaugebiet wohnen, desto eher waren sie geneigt, sich etwas Gutes zu gönnen und auch bei Weinen jenseits der Preisschwelle von sieben Euro zuzugreifen. Der Konsument habe in der Krise gelernt, höherwertige Weine zu kaufen, freut sich Kopp und hofft, dass dies nun zur Gewohnheit geworden ist.

Das gibt Hoffnung auf Zukunft, zumal sich die Winzer neue Absatzchancen ausrechnen, wenn viele Bürger in diesem Sommer ihren Urlaub in Deutschland verbringen. Dann ist auch die Chance größer, dass sie zu deutschem Wein greifen. Laut Kopp stellen sich seine Handelspartner schon auf diese Entwicklung ein.

Doch neben diesen positiven Signalen gibt es viele negative Entwicklungen, die nachdenklich stimmen. Winzer Würtz hat beobachtet, dass manches Weingut in der Krise an seinen langjährigen Fachhändlern vorbei Wein über Schnäppchenangebote zu verkaufen suchte. Diesen „Sündenfall“ werde der jeweilige Händler über die Streichung aus der Lieferantenliste ahnden. Mit langfristig schwerwiegenden Folgen für den Erzeuger. Mancher Winzer habe zudem aus purer Not Weine direkt im Fass verkauft, anstatt sie in Flaschen zu füllen, und das Preisen von 90 Cent je Liter, und das für ordentliche Ware. Das ist jenseits der Kostendeckung. Und wer nur wegen der Krise jetzt auf die Schnelle einen Onlineshop aufgebaut habe, der dürfe nicht erwarten, dass nun die Bestellungen nur so eintrudelten.

Ganz allmählich geht es aber auch wieder aufwärts, bestätigte die Rüdesheimer Winzerin Theresa Breuer, die von der Krise mitten in einer baulichen Neuordnung des Betriebsgeländes erwischt wurde. Im Export und in der Gastronomie rühre sich langsam wieder etwas, sagte Breuer, die jetzt vor allem Flexibilität zeigen will, auch wenn die Gastronomen nur sehr kleine Mengen ordern oder Importeure und Händler nicht die gesamte reservierte Ware auf einmal abrufen. Aber auch Breuer hat beobachtet, dass Kollegen Wein tankweise zu Niedrigpreisen verkaufen, weil im September schon die nächste Ernte ansteht und Platz gebraucht wird. „Mancher Keller wird geradezu verramscht“, bedauerte Würtz. Ob die Rebfläche in Deutschland nach einer absehbaren Bereinigung in der Branche zurückgeht (Würtz), ob die Pachtpreise wirklich sinken (Kopp) und ob die jetzt schon großen Erzeuger in der Folge der Krise noch einmal größer werden (Breuer), blieb Spekulation.

Realität ist hingegen die Mehrwertsteuersenkung, die von der Branche skeptisch bis ablehnend gesehen wird, weil dadurch die Durchschnittspreise für deutschen Wein noch weiter sinken und weil danach schnelle Preiserhöhungen wohl Illusion sein werden. Für Würtz und Breuer führt aber kein Weg daran vorbei, die drei Prozent Steuersenkung an die Kunden weiterzugeben, während sich Kopp kämpferisch gab: „Wir senken die Preise nicht“.

Unter dem Strich hat für Würtz die Krise offengelegt, „wie wenig professionell unsere Branche ist“ und wie sehr Entscheidungen nach Gefühl und auch dem Bauch heraus getroffen würden. Ein Business-Plan für eine auskömmliche betriebswirtschaftliche Entwicklung sei in vielen Weingütern bis heute ein Fremdwort. Das bestätigen auch die Erfahrungen von Loose: Viele Güter kennen noch nicht einmal ihre Produktionskosten.

Entnommen aus meinem TEXT für die F.A.Z. vom 24.06.2020

Buchvorstellung!

Kommt, und ich signiere gerne! Hier der Einladungstext von Hubert Allert

RHEINGAUER UNTERWELTEN… das neue Buch von Oliver Bock stellt 36 Weingewölbe der Region in Wort und Bild vor und bietet tiefe Einblicke in die Wirkungsstätten Rheingauer Wein-Macher.

PRÄSENTATION DES „KELLER-BUCHES“ AM 19. JUNI im Keller & Kunst Kontor durch den Autor Oliver Bock mit flankierender 6-er Probe Rheingauer Spitzenweine.
Anschließend bietet sich direkt nebenan die seltene Möglichkeit, im Weingut der Familie Georg Sohlbach ein eher unbekanntes Gewölbe-Juwel aus dem 16. Jahrhundert zu entdecken.

Limitierte Teilnehmerzahl in Corona-Zeiten !! Wir bieten daher zwei „Zeitfenster“ für die Teilnahme an.
Um 17.00 Uhr im Keller & Kunst Kontor
Um 18.30 Uhr im Keller & Kunst Kontor
Kostenbeitrag € 15,- pp / Mit Probe ca. 1 Stunde

RESERVIEREN SIE BITTE VORAB und nennen Sie uns Ihre Kontaktdaten
Per SMS :: 0173 – 63 585 66
Per Mail :: kontor@kellerundkunst.de

Das Keller & Kunst Kontor fühlt sich den Rheingauer Unterwelten seit jeher verbunden und wir haben zu diesem besonderen Anlass zwei attraktive „Buch-Wein-Pakete“ geschnürt.
Nr. 1 mit dem Kellerbuch und 3 Weinen vom Weingut Robert Weil Weingut Jakob Jung und J. B. Becker Weinbau Weinhandel
Nr. 2 mit dem Kellerbuch und 3 Weinen vom Weingut KünstlerWeingut Georg Sohlbach und der Domäne Assmannshausen

RHEINGAUER WEINKULTUR…. MIT ABSTAND AM BESTEN !

Unser Hygienepartner ist die Eltviller Firma Emil Otto Flux- u. Oberflächentechnik GmbH…. dort produziert man das derzeit vielleicht angesagteste alkoholische Produkt der Region mit 90 % Ethanol und „einem Hauch“ von Glyzerin… probieren Sie es bei uns gerne mal aus !

HERZLICH WILLKOMMEN IM KELLER & KUNST KONTOR

Oberstrasse 14 in 65399 Kiedrich

Ress, gereift

Es gibt kaum ein größeres Vergnügen, als gereifte Rieslinge ambitionierter Erzeuger zu verkosten. Ganz überraschend kam mir eine kleine Phalanx edelsüßer Tropfen aus dem Hause Balthasar Ress auf den Tisch, mit einigen handfesten Überraschungen.

Rüdesheim Berg Schlossberg

Über meinen Rheingauer Lieblingsweinberg habe ich schon einige Mal in diesem Blog etwas ausführlicher geschrieben, daher erspare ich mir hier ein Weinbergsporträt. Wie gut die Weine reifen zeigt der 1978 Berg Schlossberg Riesling Kabinett.  Ein Kabinett, der ein „C“ am Anfang und nur ein „t“ am Ende verdient. Ein Wein in der Cabinet-Tradition. Wunderbar gereift mit einer betörend saftigen Würze, Aromen von Dörrobst. Sehr voll, gute Länge, für sein Alter phänomenal vital mit besten Zukunftsaussichten! 1982 Berg Schlossberg Riesling Kabinett Ach ja, die 80er! Viele Enttäuschungen (vor allem 80 und 84), und bislang war ich nur bei 1983 recht erwartungsfroh, die sich über die Jahr gut gehalten haben. Dieser 1982er aber nötigt großen Respekt ab. 8 Prozent Alkohol, feine Süße, gepaart mit einer sehr prägnanten, aber nicht störende Säure, die seine Jugendlichkeit bewahren hilft. Anklänge von Rosinen, Karamell und Reneclauden, Chapeau! 2013 Rüdesheim Berg Schlossberg Auslese Rückblickend ein gigantischer Jahrgang für trocken UND für süß… mit dem nötigen Abstand vielleicht der beste Rheingauer Rieslingjahrgang seit 2004 und 2008! Rassig, gut eingebundene Säure, perfekte Balance mit nobler Süße, dabei echter Trinfluss! Ein Wow-Wein! 2007 Rüdesheim Berg Rottland TBA ein Gigant. Unzerstörbar. Unsterblich. Dunkler Bernstein, aber nahe keine schmeckbaren Altersnoten. Viel Karamell, gepaart mit Früchtebrot und Rosinen. Mächtige Süße, langer Nachhall 2011 Rüdesheim Berg Rottland Riesling Auslese Das war nur wirklich kein einfaches Jahr, und das schmeckt man auch. Der Wein tut sich im Umfeld von Riesling-Majestäten ein wenig schwer, verdient aber löbliches Urteil.

NUSSBRUNNEN

Eine der Hattenheimer Brunnenlagen, und in manchen Jahren mein Hattenheimer Favorit 2012 Nussbrunnen Eiswein Genau so muss Eiswein schmecken, konzentrierte Süße, typische Eiswein-Aromatik, sehr saftig, würzig, karamellig, dick 2012 Nussbrunnen Auslese Während der oben erwähnte Eiswein nur in kleinen Dosen genossen werden will, verlangt diese Auslese nach einem großen Glas. Eine Auslese, die eher auf der feinen als auf der üppigen Seite steht mit einer sehr feinen Säure. Gute Balance und Struktur, gefällt mir gut! 2007 Nussbrunnen Auslese Trotz mächtiger Süße typisch Nussbrunnen, allerdings aus einem warmen Jahr, was zu Lasten der Säure geht. Sehr saftig, getrocknete gelbe Früchte und Obst, vor allem Pfirsich und Marille, ein Wein mit Bums, der nach einer Gänseleber mit Brioche verlangt. War leider nicht im Kühlschrank. Sorry, ich muss jetzt hier aufhören und mal schnell zum Delikatesshändler…

Aus dem Verkostungstagebuch

Joh.Jos Prüm 2009

Bernkasteler Badstube Spätlese – ein Monument aus der üppigen Weinkarte des „Hirschen“ in Freiburg-Lehen, dazu ein Cordon bleu vom Allerfeinsten. Wer immer den Kaiserstuhl besuchen will, der ist bei Familie Baumgartner als Augangspunkt genau richtig… und natürlich gibt es auch eine reiche Auswahl an Weinen von Joachim Heger, bsp. den Chardonnay aus VDP.1.Lage, ein Hochgenuss

Zwölberich

2019 Auxerrois trocken – Das Langenlonsheimer Weingut im Zwölberich ist ein Familienbetrieb mit Tradition seit 1711. Seit mehr als 25 Jahren wird hier nach biologisch-dynamischen Weinbau und nach Demeter-Richtlinien gewirtschaftet. Ob bei 8000 Flaschen jede einzeln nummeriert sein sollte, lasse ich mal dahingestellt. Aber gut war der Wein allemal, und das Weingut kannte ich bislang gar nicht… muss ich unbedingt mal mehr kosten!

Graf von Schönborn, Franken

2018 Hallburger Silvaner trocken, im direkten Vergleich mit Höfler 2018 Michelbach Silvaner trocken… beide zeigen sehr schön die Stärke der Rebsorte, wobei am Ende der Michelbacher Ortswein bei mir knapp die Nase vorn hatte ob seiner Finesse und seiner rassigen Würze

Sohns, Geisenheim

2019 Rosa Chardonnay – eine neue Kreation aus dem Hause Sohns… weniger ein komplexer Überflieger im Hochpreissegment als ein süffiger Trinkwein. Gut, reintönig, läuft… der Chardonnay ist aber „blind“ gar nicht so leicht zu erkennen….

Georg Breuer, Rüdesheim

2019 Lorch Estate – lange habe ich auf diesen Wein warten müssen, dann wurde er mir im Rüdesheimer Schloss kredenzt. Vorfreude war diesmal NICHT die schönste Freude, sondern das Trinken. Ein wirklich feiner Ortswein, der gut die Lorcher Lagentypizität spiegelt… den Lorcher Estate habe nicht zum letzten Mal bestellt…

Gres, Rheinhessen

2017 Chardonnay vom Korallenriff – genau so mag ich das… gut schmeckbares, aber nicht dominierendes Holz, Länge, Dichte, Komplexität, ohne zu dick zu sein. Gut.

Künstler, Hochheim

2018 Chardonnay Kalkstein trocken – im Prinzip widerhole ich meine Meinung zu Gres, doch Künstler legt noch einmal eine gute Schippe drauf! Allendorf, Winkel 2017 Berg Roseneck Riesling trocken – auch wenn ich die 2017 nicht so mag wie 2016 und 2018, so ist das ganz wunderbar!

Kellerei Terlan, Südtirol

2019 Winkel und 2018 Quarz Sauvignon blanc – die Genossen haben es einfach drauf! Saugut.

Prinz Salm

2016 Scharlachberg Riesling GG – eine der besten GGs von der anderen Rheinseite, die ich in jüngerer Zeit getrunken habe… ohnehin habe ich Prinz Salm ein wenig aus den Augen verloren. Corona sei Dank gab es ein Probierpaket mit einer schönen Auswahl. Und da war ich wirklich in jeder Hinsicht sehr angetan…

„Rheingauer Unterwelten“

Endlich ist es soweit, mein neues Werk ist da! Für 20 Euro (Schnapper!) über alle gängigen Vertriebswege von Amazon bis zum stationären Buchladen erhältlich. Und so wirbt der Frankfurter Societätsverlag für das mehr als 200 Seiten starke Werk:

Guter Wein und guter Sekt werden im Weinberg, nicht im Keller gemacht. Doch die Weinkeller der Region sind zentrale Stätten der Rheingauer Weinkultur. In seinem ersten „Kellerbuch“ porträtiert FAZ-Autor und Weinblogger Oliver Bock (www.rheingauer-weinschmecker.de) weinbaulich interessante, historisch bedeutsame und architektonisch bemerkenswerte Weinkeller. Bock beleuchtet in prägnanter Kürze die Entstehungsgeschichte der Weingewölbe, schaut sich in den Schatzkammern der jeweiligen Keller nach besonderen Gewächsen um, skizziert die Nutzung über die Jahrhunderte hinweg, gibt Anekdoten wider und beschreibt die aktuelle Bedeutung für das jeweilige Weingut und ihre Ausbaumethoden im Keller. Informationen und Daten sowie Tipps, wann die Keller besichtigt werden können und worauf zu achten ist, sowie eine kleine Kulturgeschichte des Weinkellers, runden den repräsentativ ausgestatteten Band ab, den Fotograf Hermann Heibel optisch in Szene setzt.

Mitten in der Coronakrise – Update

 Die Krise scheint kein Ende zu nehmen. Wir stecken alle ganz schön in der Krise. Jetzt sogar mit Maskenpflicht in Hessen. Die Düsseldorfer Weinmesse „Prowein“ fiel aus, die „Mainzer Weinbörse“ des VDP ebenso. Der „Ball des Weines“ im Wiesbadener Kurhaus wurde auf den 8. Mai 2021 verlegt. Die Frühjahrsproben der Weingüter sind gestrichen, die „Rheingauer Schlemmerwoche“ wurde mit den „Tagen der offenen Weinkeller im September“ fusioniert, das Internationale Riesling-Symposium auf 2021 vertagt… Sogar die Rheingauer Weinwoche in Wiesbaden wurde abgesagt, das Aus für das Münchner Oktoberfest kann ich persönlich noch verschmerzen… Aber die Verluste sind immens! Das ist alles wenig erfreulich und sogar bedrückend. Für die Winzer sind harte Zeiten angebrochen, zumal ganze Vertriebswege (Restaurants, Fluglinien, Duty-Free-Shops, Export, Messen) weggebrochen sind und Reisen zur Exportunterstützung nicht möglich sind. Da helfen wohl auch heimische Drive-in-Abholstationen und Online-Weinproben am PC nur wenig. Aber sie sind ein gutes Lebenszeichen, das in jedem Fall Unterstützung verdient.

Apropos… Noch sind meine eigenen Weinvorräte ziemlich „ok“, und jeden Tage zeige ich auf Facebook meinen „Corona-Wein des Tages“. Also wenn Ihr Lust habt, einfach mal reinschauen auf meiner Profilseite. Mein persönlicher Lichtblick in dieser Zeit: Mein erstes Weinkellerbuch „Rheingauer Unterwelten“ mit den schönsten Weingewölben und ihren Schätzen geht jetzt in die Korrektur und dann unmittelbar in den Druck. Dem Societätsverlag sei Dank. Mitte Mai wird es im Buchhandel erhältlich sein.

California Dreaming

Finale beim Rheingau Gourmet und Wein Festival. Ich habe das Ende mit kalifornischen Weinen begossen… genauer: mit einer recht aufschlussreichen Probe mit dem Master of Wine Konstantin Baum, ein Badener wie ich… Natürlich ist die Wein-Vielfalt eines Bundesstaats mit 200.000 Hektar Weinbau (= 2x Deutschland) nicht in einem solchen Tasting zu ermessen, aber manchmal genügt ja auch eine Art Stichprobe.

Die umfasste auch 4x Chardonnay: Zuerst einen sehr cremigen, tatsächlich sehr an Champagner erinnernden und finessenreichen 2016 Blanc de Blanc brut von Schramsberg, der mir sehr, sehr gut gefiel. Da müssen sich die Franzosen warm anziehen. Danach 3x Chardonnay aus dem Jahrgang 2016: Grgich Hills Commemorative, Ramey Ritchie Vineyard und Paul Hobbs Russian River Valley. Das bestätigte mich einmal mehr in meiner bisherigen Erfahrung, dass mir die Sonoma-Weine im direkten Vergleich fast immer besser gefallen als die aus dem Napa Valley. In diesem Fall Hobbs (sehr harmonisch und perfekt balancierte Fülle) und Ramey (elegant, Zitrus, Frische, sehr eigenständig) klar vor Grgich. Aber: Alle drei Weine liegen zwischen 70 und 100 Euro die Flasche. Da wird die Luft dünn, nicht nur in meinem Geldbeutel. Würde ich bestellen? …. Äh… Nein.

Wechsel zu den Rotweinen. Ja, ich identifiziere mich mit dem Helden von „Sideways“, dem vielleicht besten Wein-Movie ever. Ich liebe Pinot Noir und mag (meistens) keinen Merlot. Also war der marmeladige 2017 Bucella Merlot aus dem Napa auch nix für meinen Gaumen, umso mehr der 2018 Black Stallion Pinot Noir Los Carneros. Viel Pfeffer und Lakritz, aber auch Brombeere, Leder und Schwarzkirsche. Top Pinot, und überdies für 30 Euro fair bezahlt!

Einen Tick stärker (auch weil zwei Jahre länger gereift), aber auch schon doppelt so teuer, der 2016er Goldeneye Pinot Noir aus dem Anderson Valley. Top. Pinot Noir macht einfach so viel mehr Spaß … das gilt auch nach der Verkostung der beiden Premium-Cabernet Sauvignons: 2017 Stag´s Leap Artemis und 2015 Silver Oak aus dem Alexander Valley. Beide so um die 80 Euro, beide sehr gut, aber für das gleiche Geld zöge ich wohl einen Spitzen-Burgunder vor…

Zum Schluss dann 2015 Seghesio Old Vine Zinfandel, wieder aus dem Sonoma Valley. Eigentlich mag ich Zinfandel so sehr wie Pinotage aus Südafrika. Gehört einfach dahin und dazu! Hier ein dichter, fetter Zeitgenosse, wiewohl das Thema Alkoholmanagement und Alkoholreduzierung auch bei der neuen Generation amerikanischer Winzer allenfalls eine untergeordnete Rolle spielt. Die Chardonnays schmecken zwar nicht mehr so opulent-holzig, cremig-buttrig, vanillig-fett wie ehemals, aber 14,5 Alkohol haben sie dennoch allemal. Der richtige Trinkfluss will sich nach dem ersten Glas einfach nicht einstellen… den Hobbs Chardonnay und den Black Stallion Pinot nehme ich hier einmal aus… da kam wirklich Freude auf. Ein wenig California dreaming…

Südtirol im Rheingau und Rekord für Pinot

Bei der großen VDP-Weinpräsentation anlässlich des 24. Rheingau Gourmet und Wein Festivals waren diesmal auch fast 30 Erzeuger aus Südtirol dabei. Eine großartige Gelegenheit für eine Querschnittsverkostung durch Weißburgunder und Sauvignon blanc. Zu meinen Favoriten zählten die beiden 2017er Sauvignons von der Kellerei Girlan (DOC Flora) und der Kellerei Kaltern (Quintessenz). Bei den Weißburgundern setzte mich die Kellerei Meran mit dem 2012 (!) Riserva DOC V sehr, sehr positiv in Erstaunen, und ganz großartig auch der 2018er DOC von Nals Margreid aus der Monopollage Sirmian. Wie gewohnt ganz vorne mit dabei die Kellerei Terlan mit dem 2017 Vorberg Weißburgunder Riserva DOC und dem Sauvignon blanc Quarz 2018. Der ist immer eine Bank, und ich widerspreche jenen „Experten“ nicht, die in den Terlanern einen der besten Weißweinerzeuger Italiens sehen.

Eine Bank ist auch der 2018 Chardonnay Lafoa von Schreckbichl, und apropos Chardonnay: 2017 Riserva Freienfeld von der Kellerei Kurtatsch fand ich zwar noch sehr holzig, aber trotzdem sehr gut. Ein Langläufer.

Kleiner Seitenblick nach Deutschland: Sehr gut Dautels 2018 Steingrüben Riesling GG aus Großer Lage und Luckerts 2018 Maustal Silvaner GG (typisch Muschelkalk-Silvaner, love it!) auf Augenhöhe mit dem 2018 Pfülben Sivlaner GG von Schmitts Kinder. In fantastischer Form jetzt aber das 2015 Wallufer Walkenberg Riesling GG von Toni Jost, ein Wein, zum darin Baden! Happy sunday!

Rekordpreis für deutschen Spätburgunder ! 

Das Publikum applaudierte stehend: 18.000 Euro war bei der Weinversteigerung in Kloster Eberbach einem unbekannten Weinfreund die 1920er Riesling Trockenbeerenauslese von Schloss Johannisberg wert. Ein solch hohes Gebot hatte es bei den Versteigerungen im Laiendormitorium des Klosters schon viele Jahre nicht mehr gegeben. Entsprechend euphorisch war die Stimmung am Ende einer vierstündigen Auktion, die in vielerlei Hinsicht bemerkenswert war. Nicht nur wegen des 100 Jahre alten Weinunikats aus der Schloss Johannisberger Schatzkammer, die Ende Januar vorsorglich noch einmal verkostet und neu verkorkt worden war. „Bernsteinfarben mit goldenen Reflexen. Intensive Nase mit ausgeprägten Aromen, die an Orangenmarmelade, getrocknete Aprikose und Feige erinnern“, notierte bei dieser Gelegenheit Stefan Doktor. Für den Schloss-Geschäftsführer war das Ergebnis ein schöner Erfolg auch im Hinblick auf das Jubiläum „300 Jahre exklusiver Riesling-Anbau“.

Insgesamt wurden 5069 Flaschen (Vorjahr 6105) Wein versteigert, ein paar hundert davon gingen über das Internet weg, was eine schöne Entwicklung ist. Der kumulierte Startpreis lag bei 78.000 Euro, der Versteigerungserlös insgesamt bei fast 195.000 Euro (Vorjahr 189.000).

Eigentlich hätte Leo Gros an diesem Tag das 25. Jahr als Auktionator feiern können. Doch wegen eines häuslichen Unfalls von Gros sprang VDP-Ehrenpräsident Michael Prinz zu Salm-Salm, und er machte es gut. Im ehemaligen Schlafsaal der Laienbrüder hatte Bacchus Corona getrotzt. Das Dormitorium war mit rund 500 Weinbegeisterten bis auf den letzten Platz besetzt. Es hatte im Vorfeld sogar eine Warteliste gegeben. Salm-Salm zelebrierte eine Auktion, wie sie das Kloster schon lange nicht mehr erlebt hatte. Vor allem für reife Weine und für Weine in Großflaschen wurden beträchtliche Preise gezahlt.

Das Weingut Allendorf hatte seinen „2018 Goethewein aus dem Brentanohaus“ in eine Zwölfliterflasche gefüllt und erzielte dafür 4500 Euro. Im vergangenen Jahr lag das Spitzengebot für den 2017er in der Großflasche bei 3300 Euro. Das Weingut Balthasar Ress bot eine mit 26 Litern Rüdesheimer Spitzenwein gefüllte „Sovereign“-Flasche mit Apitz-Künstleretikett an und strich dafür 6000 Euro ein. Dagegen wirkte die Sechsliterflasche mit einem Großen Riesling-Gewächs von Schloss Johannisberg fast winzig, obwohl der Preis von 1400 Euro durchaus beachtlich war.

Für 1000 Euro wurden jeweils zwei Dreiliterflaschen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder aus dem sehr guten Jahrgang 2009 versteigert. Zwei Flaschen Riesling Auslese des Jahrgangs 1970 wurden vom Weingut August Eser für 50 Euro angeboten und für jeweils 450 Euro verkauft. Zweiter Höhepunkt war aber neben dem 100 Jahre alten Johannisberger ein „Assmannshäuser Höllenberger Spätburgunder Natur“ aus dem phänomenalen und seltenen Jahrgang 1945. Greiner hatte für den Benefizwein zugunsten des Hospiz Bergstraße auf mindestens 3000 Euro gehofft und von bis zu 8000 Euro geträumt. Am Ende erhielt ein Weinfreund nach einem heftigen Bietgefecht den Zuschlag erst bei 12.600 Euro!!! Auktionator Salm-Salm setzte ehrfurchtsvoll seinen Zylinder auf und sprach von einem historischen Augenblick. Es ist allem Anschein nach der höchste Preis, der je für einen deutschen Spätburgunder gezahlt wurde. Ein magischer Weinmoment im Kloster. (Angelehnt an meinem Bericht für die FAZ vom 2. März 2020)

Phélan Ségur Vertikale

Nein, es müssen nicht immer die großen Namen und die Premier Crus (s.u.!) sein. Guter Bordeaux muss nicht bösartig teuer sein, und manches Gut aus einer der hinteren Reihen begegnet den Spitzenerzeugern in gewissen Jahren sogar fast auf Augenhöhe. Ein verlässlicher Name ist Phélan Ségur aus Saint-Estéphe, also dem linken Ufer der Gironde, dessen Terroir von Kiesel, Lehm und Ton bestimmt wird. Das 70 Hektar große Weingut wurde 1810 gegründet und hat nach den Familie Delon (ab 1925) und Guardinier (ab 1985) seit 2018 mit Van de Vyver neue Eigentümer. Das Weingut setzt vor allem auf Cabernet-Sauvignon und Merlot, deren Cuvées 18 Monate im Holzfass (50% neue Barriques) reifen, um das Ziel zu erreichen: Bordeaux im klassischen Stil mit Finesse, Eleganz und Balance. Mit Frank Phélan gibt es übrigens auch einen Zweitwein (14 Monate im Holzfass).

Die Vertikalprobe umfasste alle Jahrgänge zwischen 2008 und 2016 mit Ausnahme des 2013er. Dabei waren die Jahrgangsunterschiede durchaus prägnant, beispielsweise der präzise, puristische, zupackende, wenngleich noch verschlossene 2016er und der elegantere, fast weiche, cremig-würzige 2015er. 2016 gehörte zu meinen drei Favoriten, daneben der opulente, volle, extrem nachhaltige und würzige 2009er und der sich im Glas phänomenal entwickelnde 2011 mit seiner zupackenden Fülle und seiner geschmeidigen Eleganz. Ganz so „preis-wert“ wie noch vor einigen Jahren ist allerdings auch Phélan Ségur nicht mehr: Je nach Jahrgang werden in der Regel 40 bis 50 Euro fällig… also ich greife zu diesem Preis dann doch fast eher zum spannungsgeladeneren  Pinot Noir…

Wein-Momente, Wein-Monumente !

Chateau Mouton Rothschild! Eine Legende. 118 Jahre hatte das Weingut warten müssen, bis der „Fehler“ der Klassifikation von 1855 endlich behoben wurde und es 1973 in den Kreis der (dann fünf) Premier-Cru-Weingüter des Bordeaux aufgenommen wurde. Dabei hatte das Weingut immer wieder bewiesen, dass es in die erste Reihe gehört, und der 1945er Mouton gilt manchem Bordeaux-Fan als der allerbeste überhaupt.

Ein Wein, nicht von diesem Planeten. Punkt. Nun, dieser 1945er Mouton – zeitweise übrigens der teuerste Wein der Welt – war mir bislang noch nicht vergönnt, aber aus dem Kronenschlösschen-Keller gab es bei der diesjährigen Probe immerhin fünf Moutons auf fünf Jahrzehnten: 1966, 1976, 1986, 1995, 2006 Dabei war die Weingut-Stilistik und die Prägung durch den Cabernet Sauvignon mit dem ihm typischen Aromenspiel gut erkennbar. Gemessen am Jahrgang hätte eigentlich der von der Weinkritik hochgelobte 1986er die Nase vorn haben müssen. Das hatte ich so erwartet. Tatsächlich gab es eine Überraschung, denn – nicht nur – mich überzeugte der 1976er mit samtigen Schmelz, schöner Präsenz, langem Nachhall. Schwarze Johannisbeere, Röstaromen, Tabak, ein wenig Zedernholz, Minze, eine Spur Leder, auch ein paar kräuterige Noten.

Aromen, die in unterschiedlicher Reihung und Prägung auch die anderen Jahrgänge bestimmten, doch 1976 war offenbar auch eine perfekte Flasche. 2006 eindeutig noch drei bis fünf Jahre zu jung, 1995 straff und gut, 1986 eher unruhig und nicht ganz so präzise und harmonisch wie erwartet. 1966 recht gut, obwohl der Füllstand nicht mehr ideal war, und die letzte 1966er-Flasche im Keller des Kronenschlösschens ist damit Geschichte!

Assmannshäuser Höllenberg

2009, 2010 und 2011 (jeweils Goldkapsel bzw. Cabinet), dazu 2005 als Mauerwein und vor allem 1945 Spätburgunder Natur

Über die jüngeren Jahrgänge ist schnell geschrieben: Der Sieger ist ganz klar 2011 mit seiner wahnsinnigen Geschmeidigkeit, seiner Eleganz, einer samtigen Würze, schönem Cassis. Dahinter blieb 2009 für mich überraschend deutlich zurück, und 2010 hatte für Spätburgunder einfach nicht das Potential wie 2009 und 2011. Bei Riesling ist das anders. Der 2005er Pinot Noir aus einem sehr warmen Jahr, „enttäuschte“ (wir kritteln auf höchstem Niveau!) insofern, als der Wein mit Blick auf das Mostgewicht offenbar ein paar Tage zu spät gelesen wurde. Die leichte Überreife der Beeren führte dann zu schöner Dichte und Konzentration, aber auch zu Rumtopf-Aromen, die ganz und gar nicht meine Sache sind.

Göttlich dagegen der 1945er Natur. Ein Monument. So gut wie keine Brauntöne! Fast jugendlich wirkend, sehr würzig und zugleich samtig, hohe Eleganz, Trinkfluss. Mit seiner Frische und Eleganz, seinen Aromen von Zedernholz, Tabak, Cassis, Himbeere, Veilchen und Räucherspeck war der Wein spannender als alle fünf Jahrgänge des ungleich teureren Kultweins „Chateau Mouton Rothschild“ (s.o.). Bin sehr gespannt, wie der Wein bei der Versteigerung am 29. Februar im Kloster Eberbach gehandelt wird!

Griff in die Schatzkammer!

Welches Weingut kann schon eine Riesling-Phalanx aus den 1940er Jahren auftischen? 1940, 1941, 1943 und 1947 Rauenthaler Gehrn Riesling trocken ! Trocken? Ja, trocken! Ein hochspannendes Quartett aus der Eberbacher Schatzkammer (siehe auch meinen Bericht in der FAZ vom 25. Februar 2020).

Von den drei Kriegsjahrgängen gefällt 1940 mit seinem Schmelz und der Fülle am besten. Vergleichsweise schwach hingegen 1941, der am Gaumen eine wenig erfreuliche Schärfe entfaltete und auch sonst vor allem sauer wirkte. Gut hingegen 1943, wenn auch der 1940er in allen Belangen jeweils einen Tick besser war. Herausragend und Flight-Sieger der 1947er mit samtigem Schmelz, guter Fülle, Nachhall. Das macht auch heute noch richtig Spaß, nicht nur wegen der Ehrfurcht. Applaus!

Das war längst nicht alles. Doch ich erspare mir jetzt, auf die vier Auslesen aus der Hochheimer Domdechaney näher einzugehen (1953 war übrigens der Hammer, weit vor 1967, 1979 und 1989), lobe stattdessen das 2010er Rüdesheimer Schlossberg Riesling GG (aus der Magnum! Ich liebe große Flaschen!) und verneige mich vor der 2015er Domdechaney Auslese Goldkapsel.

Doch der Star war natürlich die 1920er Rauenthaler Wieshell Riesling Trockenbeer-Auslese. Eine bernsteinfarbene Riesling-Majestät von nicht zu erwartender Vitalität dank belebender Säure. Sehr elegant, irgendwie zeitlos. Feine Noten von reifen Rosinen, ein wenig getrocknete Feige, dazu gebrannter Karamell, ein Hauch von Räucherspeck im Hintergrund, eine Prise Blutorange, Andeutungen von Fenchel, Räucherspeck… ein nachhaltiger, immer noch komplexer Charakter-Wein mit Tiefgang, über den man lange fachsimpeln, aber nicht streiten kann. Wow!  

Schluss mit dem Etikettenschwindel!

Im Wein liegt keineswegs nur Wahrheit. „Johannisberger Erntebringer“ ist ein gerne gepflegter Etikettenschwindel auf der Weinflasche. Denn der Tropfen muss nicht einmal aus Johannisberg stammen. Doch das muss endlich aufhören. Denn ein Rheingauer Riesling namens „Rauenthaler Steinmächer“ muss keinen einzigen Tropfen Wein auf dem zu Eltville gehörenden Weindorf Rauenthal enthalten. Vielmehr dürfen Weinpartien aus bis zu 27 Einzellagen im vorderen Rheingau unter diesem Namen vermarktet werden.

Gemäß Weingesetz ist die Verwendung dieser Großlagen völlig legal, obwohl sie nichts anderes als eine große Verbrauchertäuschung sind. Doch der Deutsche Weinbauverband, der die Interessen von Fassweinwinzern, Spitzenerzeugern und Genossenschaften unter einen Hut bringen muss, tut sich mit jeder Veränderung schwer. Doch an enier Reform des Weingesetzes führt kein Weg vorbei. Ziel ist die Vereinfachung des Bezeichnungsrechtes, um für den Verbraucher mehr Klarheit und Transparenz herzustellen. Und die Herkunft eines Weins soll endlich wichtiger sein als das Mostgewicht, um das sich in Zeiten des Klimawandels die wenigsten Winzer Sorgen machen müssen.

Es geht um eine neue Qualitätshierarchie nach dem Prinzip: Auf jedem Etikett soll die Herkunftsangabe zugleich ein Qualitätsversprechen sein. Und je enger diese Herkunft gefasst ist, desto höher diese Qualität.

Basisqualität im Rheingau für den alltäglichen Trinkgenuss wäre demnach ein „Rheingau Riesling trocken„. Qualitativ – und preislich – darüber stünde in der Hierarchie der Ortswein, beispielsweise ein „Rauenthaler Riesling“. Dieser Name wäre dann tatsächlich verpflichtend: Die dafür gekelterten Trauben dürften ausschließlich in Rauenthaler Weinbergen geerntet worden sein. An der Spitze der Qualitätspyramide stünden schließlich die Weine aus einer Einzellage wie dem „Rauenthaler Baiken“. Für den Großlagenwein „Rauenthaler Steinmächer“ wäre in dieser Hierarchie eigentlich kein Platz mehr. Doch nach dem üblen Kompromiss, den der Deutsche Weinbauverband nach zähem Ringen und gegen den erbitterten Widerstand vieler Genossenschaften gefunden hat, bleibt die Großlage als Qualitätsstufe zwischen Basiswein und Ortswein weiterhin erhalten.

Einziger Fortschritt: Nach einer Übergangsfrist von drei Jahren nur noch mit dem Zusatz „Region“. Ob ein Wein mit der Bezeichnung „Region Rauenthaler Steinmächer“ tatsächlich die notwendige Klarheit und Abgrenzung von den Einzellagen bringt, ist mehr als fraglich. Erst nach weiteren fünf Jahren soll geprüft werden, ob auf die Großlagen nicht doch ganz verzichtet werden kann, oder ob sie begrifflich nur noch als „Region Steinmächer“ verwandt wird – also ohne den Gemeindenamen Rauenthal.

Der Rheingauer Weinbaupräsident und Martinsthaler Winzer Peter Seyffardt hätte sich den völligen Verzicht auf die Großlagen gut vorstellen können. Zumal das vom Klimawandel längst ad absurdum geführte Qualitätssystem für trockene Weine mit den Stufen Kabinett, Spätlese und Auslese weiter erhalten bleiben soll. Ein Wahnsinn. Unabhängig von den politischen Festlegungen kann der Rheingau allerdings über die künftigen Vorgaben des Bundes hinausgehen und sich strengere Regeln geben. Das sollte er auch tun.

Seyffardt kündigt entsprechende Diskussionen und Vorschläge an. Dabei geht es auch die Zukunft der Kategorien „Großes Gewächs“ und „Erstes Gewächs“ für trockene Spitzenweine. Denkbar ist, dass das „Erste Gewächs“ künftig für Lagen verwendet werden kann, aus denen in den zurückliegenden fünf Jahren kein Großes Gewächs (bislang Erstes Gewächs) erzeugt worden war.

Der VDP ist unzufrieden. Den Kompromiss hält er für das „das absolute Minimum“. Für einen größeren Erfolg seien wesentlich weitergehende Einschränkungen notwendig: „Der vollständige Verzicht auf die Großlage würden Erfolg aller maßgeblich erleichtern“. Sollte der aus Sicht des VDP gefundene Minimalkompromiss keinen Bestand haben, beispielsweise, weil die Genossenschaften noch mit Erfolg politisch intervenieren, sieht der VDP eine Spaltung der deutschen Winzerschaft voraus: Dann „wird die Zukunft des deutschen Weinbaus in dem Beschreiten unterschiedlicher Wege liegen“, weil viele Winzer nicht bereit seien, sich auf „einen kleinsten Nenner, voller Verwässerungen und Parallelitäten“ einzulassen. Aus Sicht des VDP ist es Fünf vor Zwölf für Veränderungen. Der deutsche Weinbau stecke in einer strukturellen Krise. Der Inlandsanteil sei bei Verbrauch unter die 40 Prozent-Marke gesackt, der Export sei massiv eingebrochen. Das sind keine guten Nachrichten für die Branche, die das Deutsche Weininstitut gerade erst um die Botschaft ergänzte, dass der Weinabsatz 2019 über alle Verkaufskanäle um fast ein Prozent zurückging und der Pro-Kopf-Verbrauch auf 20,1 Liter absackte. (angelehnt an meinen Text in der FAZ vom 19.2.)

Südafrika 2020

 … das könnte ein längerer, ausufernder Essay über die Weine vom Kap überschrieben sein. Ein Blog allerdings beschränkt sich auf das Wesentliche, zumindest nach meinem Verständnis. Auch wenn dann die Weine von rund zwei Dutzend besuchten Weingütern nicht in der gebührenden – oder gebotenen – Ausführlichkeit besprochen werden können.

An der grundsätzlichen Misere des südafrikanischen Weinbaus hat sich indes wenig geändert. Es ist für viele Erzeuger schwer, Flaschenweine hoher Qualität zu exportieren, weil die Preise dann Schwellen überschreiten, die den Absatz hindern. Ein frischer Chenin blanc beispielsweise, der ab Weingut etwa sieben Euro (Rand-Kurs rund 1:16) kostet (und im guten Restaurant nur wenig mehr…) wird um 50 bis 100 Prozent teurer, bis er in Deutschland ist. Und dann wird die Luft in einem umkämpften Markt eng. Und wer kauft hier Pinotage zu Flaschenpreisen von 50 Euro und mehr…?!? Doch von Anfang an.

Es ist immer eine gute Idee, am Meer zu starten und das Hemel-en-Aarde-Valley hoch und runter abzugrasen.

Hier gibt es übrigens den vielleicht besten Chardonnay des Landes: Ataraxia. Ein Wein mit Trinkfluss ohne Limit, egal ob 2017 oder 2018. Nicht viel schlechter die Weine bei Bouchard-Finlayson, vor allem der Missionvale und der Kaaimansgat Chardonnay. Die kühle Atlantik-Brise lässt auch außerordentlichen Pinot Noir (2018 Galpin Peak) heranreifen.

Bei Sumaridge überzeugte so richtig nur der 2015 Chardonnay, ansonsten ist noch Luft nach oben, bsp. bei Wayfarer Pinot Noir Sekt. Eine Freude war es diesmal, die Weine von Newton Johnson zu verkosten, sowohl Chardonnay als auch Sauvignon blanc und Pinot Noir. Höhepunkt jeder Tour ist immer der von Wein begleitete Lunch bei Creation. Fast drei Stunden Dauergenuss in wunderschöne Landschaft, dazu ein 2019 Cool-climate Chenin blanc und ein 2018 Reserve Chardonnay. Mit dem „Ficks“ und dem „Wine Glass“ gibt es übrigens zwei neue Restaurants, die neben Harbour Rock und Char’d Grill die kulinarische Landschaft bereichern.

Diesmal hatte ich endlich Zeit, Botrivier zu erkunden und mir Gabrielskloof, Luddite, Beaumont und Benguela Cove für ein Tasting anzusehen. Bei dem 65 Hektar großen Weingut Gabrielskloof gefielen mir vor allen die Syrah on Sandstone und on Shale, bei Luddite der Chenin und bei Benguela Cove der Estate Chardonnay. Eine besondere Freude ist immer der Ausflug nach Stanford, um sich von Susanne Schneider auf Springfontein auf das Allerfeinste bewirten zu lassen und dazu Chenin blanc der Terroir Selection zu trinken. Geht anders, aber nicht besser!

Und sonst? Natürlich die Sauvignon blanc von Southern Right nicht vergessen und die Chenins von Beaumont, wo die Rebsortenvielfalt übrigens ihresgleichen sucht. Ist eine Besuch wert. Weiter nach Franschhoek, dem Place to be!

Ich habe mich mal wieder zu einem Tasting bei Lepards Leap durchgerungen und war angenehm überrascht, dass auch dort die Qualitätskurve nach oben geht (beispielsweise der Chenin blanc aus der Culinaria Collection). Hut ab vor dem 2018 Grand Vin. Natürlich waren wir mal wieder kurz bei Reni Hildenbrand und haben dort der Rheingauer Praktikantin und Es-Weinkönigin Katharina Bausch die Hand geschüttelt, um dabei 2019 Chenin blanc und 2016 Chardonnay zu trinken.

Ein Lunch bei Grande Provence gehört in Franschhoek einfach dazu (grandioses Filetsteak!), ebenso der 2018 Chardonnay. Eindrucksvoll war die Kellertour und VIP-Verkostung bei Anthonij Rupert. Was für ein (Rotwein-) Keller (einer von vier!) ! Muss man gesehen haben.

Mein Lieblings-Lunch-Platz ist und bleibt La Motte. Punkt. Erstmals habe ich es zu Maison um die Ecke geschafft und die Kollektion probiert. „Chefs Warehouse“ habe ich mir für 2021 schon fest vorgenommen. Abends natürlich Reubens und Foliage!

Wer sehen will, wie es aussieht, wenn (ukrainische) Geld keine Rolle spielt, der gehe zu Quoin Rock. Imposant, und trotzdem schwer zu beschreiben. Wow. Wenn irgendwann noch Weinqualität und Architektur eine Einheit bilden, dann wird das kaum auszuhalten sein. Doch noch ist in der Flasche viel Luft nach oben (nicht aber bei den happigen Preisen….) Zum Pflichtprogramm für eine Wahl-Rheingauer gehört natürlich ein Besuch bei Paul Barth und „Kunjani“. Süffiger Chenin und Sauvignon.

Ein Wechsel zur Südseite des Tafelbergs. Erstmals habe ich Cape Point Vineyards besucht und war sehr positiv angetan, weinlich vor allem von der Isliedh-Cuvee, aber natürlich auch von Ausblick und Ambiente.

Fixpunkt im Reiseprogramm ist hingegen immer Dornier nahe Stellenbosch. Obwohl mir das Küchenprogramm jetzt nicht mehr zusagt, ist der Platz dank Wein und Terrasse ein überwältigend schön. Der Chenin „Moordenaarskloof“ war einer meiner Favoriten dieser Rebsorte. Eindrucksvoll auch Lanzerac, wo vom Brand 2017 nichts mehr zu sehen ist. Auferstanden aus Ruinen, und der Mrs. Englisch Chardonnay ist einfach lecker. Wer Pinotage liegt, schaue mal bei Aaldering im Devon Tal vorbei (nebenbei: die beste Unterkunft rund um Stellenbosch!): Hier gibt es gleich vier interessante Variationen: Pinotage weiß gekeltert, Pinotage rosé, Pinotage im Stahl ausgebaut und – mein Favorit – Pinotage Estate aus dem Holzfass.

Zu guter Letzt dieser unvollständigen, willkürlichen und holzschnittartigen Übersicht: Zevenwacht. Besser lassen sich nirgend die letzten Stunden vor am Rückflug verbringen (auch nicht bei Asara, was sonst immer eine sehr gute Idee ist…) Zevenwachts 2018 Tin Mine White Blend ist Spitze. DER Abschiedstrunk. See you 2021.

Ein 1920er! Wirklich!

 Gefühlt unendliche Male wurde an mich schon die Frage gerichtet, ob man diesen (alten) Wein denn noch trinken kann. Mit „alt“ meinten die vermeintlichen Weinfreunde dann alles, was länger als fünf Jahrgänge zurückliegt. Sie hatten das Wesen des Rieslings (und Spätburgunders) nicht verstanden. Natürlich sind die Zeiten lange vorbei, als diese Weine in den Rheingauer Gewölben durchschnittlich acht bis zwölf Jahre lagern mussten, ehe ihnen endlich Trinkreife bescheinigt wurde. Den 1811er genoss Goethe immerhin schon im Abstand von nur fünf Jahren bei seinem Besuch im Rheingau, auch wenn er ebenso lustvoll dem 1806er zusprach. Heute lieben wir die edelsüßen Rieslinge von 1953, 1971 oder 1976. Ich habe auch noch eine 1961 Gräfenberg Auslese im Keller. Aber ein 100 Jahre alter Wein? Das kommt auch mir nicht alle Tage auf die Zunge.

Das Verdienst gebührt Kathrin Puff, der seit knapp zwei Jahren verantwortlichen Önologin der Hessischen Staatsweingüter. Puff zwar zuvor lange Jahre in Thailand, aber jetzt lebt sie in Hallgarten. Und ihre Mission ist es, die Qualität der Weine im Steinbergkeller zu heben. Meine ordnungspolitischen Vorbehalte gegenüber staatlichen Weingütern im Allgemeinen sind allgemein bekannt und haben an dieser Stelle nichts verloren. Denn es geht um den Wein. Und der macht Freude. Ich hatte die Gelegenheit zu einem Streifzug durch den Keller, um einen ersten Eindruck von den größtenteils noch unfertigen 2019ern zu gewinnen, und die stimmen hoffnungsfroh. Der erste Jahrgang, den Puff von Anfang bis Ende verantwortet, erfreut mit Klarheit, Finesse und Tiefgang. Vor allem die Weine aus dem Neroberg, dem Steinberg, dem Marcobrunn und dem Roseneck lassen sich im Glas sehr, sehr vielversprechend an. Da kommt vielleicht Großes auf uns zu.

2018 hat sich unterdessen recht gut entwickelt. Im direkten Vergleich der beiden GGs Baikenkopf und Marcobrunn hat letzterer die Nase vorn mit seiner maskulinen Art, seiner Konzentration und Fülle ohne deshalb gleich zu breit zu wirken, und seinem langen Nachhall. Baikenkopf hingegen sehr auf der filigranen, eleganten Seite, aber mit einer für ein GG fast zu prägenden Säure. Die wird den Wein aber sicherlich zu einem Langläufer mit großer Kondition machen. Aktuell aber gefällt mir der würzige Baiken aus VDP. 1. Lage mit seiner zupackenden Würze deutlich besser.

Verkostet habe ich übrigens auch noch 2016 und 2017 Höllenberg Spätburgunder, und 2016 empfand ich als grandioser, typischer Vertreter des Höllenbergs mit feiner Cassis-Note und anderen roten Beerenfrüchten, ein wenig Tabak und Lakritz, dazu Leder im Hintergrund. Wow.

Doch halt, die Leser dieses Blogs interessiert vor allem der 1920er. Ein Spitzenjahrgang in Deutschland mit einer guten Erntemenge von 2,44 Millionen Hektolitern. Die Winzer strahlten über Menge und Güte, während die Bauern über die Maul- und Klauensuche fluchten, an der 12 Millionen Tiere erkrankten. Politisch war es aufregend. Der Kapp-Putsch gegen die Reichsregierung scheiterte am Generalstreik der Gewerkschaften. In Indien machte ein gewisser Mahatma Gandhi erstmals auf sich aufmerksam. Und der Staatliche Domänenweinbau erzeugte in Eltville eine 1920 Rauenthaler Wieshell Trockenbeer-Auslese, die ich verkosten durfte. Farblich übrigens keine dunkelbraune Coca-Cola, sondern mit rubinroten Reflexen und von eher zartem Rot-Braun. Am Gaumen dezent rauchige Noten, deutlich Sternanis und auch Fenchel, aber viel reife Rosinen. Kein unangenehme Firne, sondern sehr zurückhaltende, aber feine Reifenoten. Die Süße nach 100 Jahren nur noch recht verhalten, der Wein wirkt heute sogar eher feinherb denn süß. Im Gegensatz zu vielen älteren Weinen, die man nur der Hochachtung und aus Interesse auf die Zunge lässt, ein echter Genuss und sehr gut trinkbar. Ein Erlebnis. So, und damit der Neid vollkommen ist: Es gab auch noch 1953 Rauenthaler Baiken Riesling Trockenbeerenauslese Naturrein!!! Ein wirklich feiner, präsenter, fast jugendlich wirkender Süßwein von hoher Konzentration mit akzeptabler Säure. Ein Monument, um dessen Zukunft auch bei weiterer Lagerung niemand bange werden muss! Ciao aus dem Steinbergkeller!

Mein Kellerbuch kommt!

Guter Wein und guter Sekt werden im Weinberg, nicht im Keller gemacht. Doch die Weinkeller der Region sind zentrale Stätten der Rheingauer Weinkultur. In ,einem ersten „Kellerbuch“ porträtiere ich mehr als 30 weinbaulich interessante, historisch bedeutsame oder architektonisch bemerkenswerte Weinkeller. Ich beleuchte in prägnanter Kürze die Entstehungsgeschichte der Weingewölbe, schaue mich den Schatzkammern der jeweiligen Kellern nach besonderen Gewächsen um, skizziere die Nutzung über die Jahrhunderte hinweg und beschreibe die aktuelle Bedeutung für das jeweilige Weingut und ihre Ausbaumethoden im Keller. Informationen und Daten sowie Tipps, wann die Keller besichtigt werden können und worauf zu achten ist, runden den repräsentativ ausgestatteten Band ab, den Fotograf Hermann Heibel optisch in Szene setzt. Ein Buch für alle Freunde der „Rheingauer Unterwelten“, das dank des Societätsverlags Frankfurt ab Mai im Buchhandel erhältlich sein wird. Seid gespannt!  

Neues von der Verkostungsfront

Gaja 1999 Barbaresco DOCG – ein kleines Monument, verkostet in Wegelers Popup-Winebar, die ich jedem nur ans Herz legen kann!

St. Antony, Nierstein – Hipping 2014 & 2015 Riesling Großes Gewächs. Sehr schön, wenn sich die Jahrgangsunterschiede zwischen 2014 (graziler, rassiger, mehr Finesse) und 2015 (Opulenz, Cremigkeit, breite Schultern, Fülle, Dichte) so gut herausschmecken lassen. Kleines Lehrstück am Gaumen!

Schwedhelm, Pfalz: 2017 Weißburgunder. Schon lange keine Geheimtipp mehr, was in dieser entlegenen Ecke der Pfalz an herausragenden Weinen produziert wird. Dieser Weißburgunder hat Schmelz und Charakter. Für Fans der Rebsorte ein Pflichtprogramm.

Schloss Westerhaus, Ingelheim: 2018 Ingelheimer Chardonnay Y86 – holzgeprägt, gute Anlagen, cremig, Vanille, langer Nachall… viel zu jung

Genheimer-Kiltz, Gutenberg: 2013 Gutenberger Felseneck „Beste Lagen“ Pinot Noir trocken – sehr lecker, sehr jugendlich, gute Säure, Finesse, Tiefgang

Domdechant Werner, Hochheim: 2016 Domdechaney VDP. 1. Lage Riesling trocken – sehr dick, zäher Trinkfluss, Strunzwein oder zum Essen

Heinrich Spindler, Pfalz: 2017 Elster Riesling trocken – absolute Neuentdeckung für mich gut. Gut. Merken!

Wein-Freuden um den Jahreswechsel

Joh. Jos Prüm: 2009 Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese – unverkennbar Prüm, unverkennbar Mosel, unfassbar gut. Wow-Effekt zum Jahresausklang.

August Kessler, Lorch: 2018 Seligmacher Riesling GG – eines der besten im Rheingau, wenn man ein wenig Restsüße mag…

Chat Sauvage, Johannisberg: 2014 Pinot Noir Rosé – interessant gereift, guter Essensbegleiter

Weedenborn, Rheinhessen: 2018 Terra Rossa Sauvignon blanc – kaum zu glauben, dass das so gut in Deutschland möglich ist

Steilgut Weine, Mosel: 2018 Bremmer Calmont Südwand Riesling – fein, elegant, typisch Mosel

Künstler, Hochheim: 2017 Assmannshäuser Rosé brut nature – Spitzensekt, der zeigt, wie sehr gut „sehr trocken“ schmecken kann…

Allendorf, Winkel: 2016 Charta Riesling „Weihnachten 2018“ Magnum… letztes Jahr blieb diese Magnum versehentlich ungeöffnet, und das Jahr mehr Reife hat ihr wohl gutgetan…

Dornier, Stellenbosch: 2013 Donatus White … fast immer einer meiner favorisierten RSA-Weißwein-Cuvées, und nach 6 Jahren Reife nahezu perfekt

Weil, Kiedrich: 2015 Turmberg Riesling trocken – straff, präzise, cremige Finesse, top; noch besser 2013 Gräfenberg GG aus der Magnum… DER Wein am Silvesterabend….

Van Volxem, Saar: 2016 Scharzhofberger Riesling… markant, eigenständig, komplex, fordernd!

Georg Breuer, Rüdesheim: 2016 Schlossberg Riesling … monumental gut, straff, fein, gute Säure, Trinkfluss, Tiefgang, lecker!

Knipser, Pfalz: 2012 Kirschgarten Spätburgunder GG aus der Magnum… hochelegant, würzig, viel Tabak, Teer, Leder, Cassis… top in Form!

Lageder, Südtirol: 2016 Chardonnay Löwengang – sehr eleganter Chardonnay mit Zug und Grip, präzise auf dem Punkt, Benchmark!

Sohns, Geisenheim: 2014 Kläuserweg Riesling 1. Gewächs Magnum… sehr gut gereift. Ein weiteres Beispiel dafür, dass die 2014er Riesling jetzt aus dem Tal kommen und zu strahlen beginnen…

Altenkirch, Lorch: 1988 Lorcher Kapellenberg Riesling Kabinett Charta… mehr als 30 Jahre alt und leider trotz Magnum-Flasche schon dahingeschieden… ehrwürdig, aber tot.

Kaufmann, Hattenheim: Pinot Noir brut, eleganter Rot-Sekt mit Finesse und Zug, sehr weinig am Gaumen, Rarität und Spezialität für Kenner…