Zäsur beim VDP Rheingau

Ende einer Ära und Wechsel in der Führung der Rheingauer Prädikatsweingüter (VDP): Der Kiedricher Winzer Wilhelm Weil hat nach 27 Jahren an der Spitze des mitgliederstärksten deutschen Regionalverbandes auf eine abermalige Kandidatur verzichtet. Zu seinem Nachfolger hat die Mitgliederversammlung einstimmig Mark Barth vom Hattenheimer Wein- und Sektgut Barth gewählt.

Weil bleibt jedoch Vizepräsident des VDP-Bundesverbandes. Ein Amt, in das er 2007 erstmals gewählt worden war. Für sein langjähriges Engagement wurde Weil zum Ehrenvorsitzenden des VDP-Rheingau ernannt. Die Mitglieder zeichneten ihn zudem mit der neu geschaffenen Auszeichnung „Charta-Bogen“ in Gold aus. Damit sollen künftig Winzer des VDP für ein besonderes Engagement im Verband und für authentischen Spitzenwein geehrt werden.

In die Amtszeit von Weil fallen bedeutsame weinbaupolitische Entscheidungen. Sein Amtsantritt im März 1999 war verbunden mit der Fusion des Rheingauer VDP mit der Vereinigung der Charta-Weingüter. Weil setzte sich vor allem für eine durchdachte und stringente Klassifizierung der besten Rheingauer und deutschen Weinberge im Sinne einer konsequenten Qualitätsphilosophie ein und ebenso für die klarere Profilierung der von den VDP-Winzern erzeugten Weine.

Weil initiierte 2010 die Premiere des Internationalen Riesling Symposiums, engagierte sich für die Weiterentwicklung der Riesling Gala im Kloster Eberbach, für die Präsentation der „Großen Gewächse“ im Kurhaus Wiesbaden und für die zeitgemäße Weiterentwicklung der jährlichen Weinversteigerung im Kloster Eberbach.

Mit Weil zog sich der ebenfalls mit dem Charta-Bogen geehrte und langjährige VDP-Geschäftsführer Matthias Ganswohl zurück, der Geschäfte des VDP 13 Jahre lang geführt hatte. Neuer Geschäftsführer ist Dieter Salomon, der lange Jahre für Schloss Johannisberg gearbeitet hatte.

Barth kündigt an, den Rheingau als „Referenzregion für herausragende Cool-Climate-Weine“ positionieren zu wollen. Er setze auf neue Zielgruppen, starke Kooperationen mit Gastronomie und Kultur sowie eine „emotionalere Ansprache“ rund um Genuss und Lebensfreude. Stellvertreter von Barth sind – neu – die Mitinhaberin des Weinguts Diefenhardt in Martinsthal, Julia Seyffardt, und weiterhin Johannes Eser vom „Johannishof“ in Geisenheim-Johannisberg.