Kleine Reise zum Chianti Classico

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) Badia a Coltibuono

recht leicht, aber auch unreif wirkend. Die Säure wirkt grün und nicht eingebunden, grasige, kräuterige Notgen, dabei eine unangenehme Schärfe entwickelnd… alles andere als ein Schmeichler, kein Trinkfluss, 85 WSP (=Weinschmeckerpunkte)

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) Rocca di Montegrossi

expressive Frucht am Gaumen, deutliche Tannine, dabei eine recht hart wirkende Säure. Dennoch unverkennbar Sangiovese. Wirkt noch recht verschlossen, geht aber leicht ins marmeladige über, was einem harmonischen Eindruck abträglich ist, 88 WSP

2016 Chianti Classico DOCG Castello di Fonterutoli

ebenfalls viel Frucht, aber mehr Sauerkirsche, auch ein bisserle Pferdedecke, was leichte Erinnerungen an Bordeaux weckt, ebenfalls noch recht verschlossen, braucht viel Luft, entwickelt mit seine Dichte und Konzentration aber durchaus Trinkfreude, 89 WSP

2016 Rocca Guicciarda“ DOCG Barone Ricasoli | Castello di Brolio

ein echtes Highlight! intensives, rebsortentypisches Bukett. Gute Säure, deutliche, aber nicht unangenehme Tannine, wirkt sehr direkt und straff, entfaltet angenehmen Druck, ein wenig Leder, Akazie, Lakritz und auch Veilchen, gute Länge, enormer Trinkfluss, macht Spass, 92+ WSP

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) San Giusto a Rentennano

noch deutlich zu jung, recht ruppig und ungestüm, dabei aber gute Struktur und eine belebende, markante Säure. Gute Konzentration und Fülle, deutlich vom Barrique geprägt, aber für meinen Geschmack noch mehr als tolerabel, ein Wein mit Ecken und Kanten, lecker, 91 WSP

2016 Chianti Classico DOCG (BIO) Agricola Querciabella

eine leicht süßliche Note fällt gleich unangenehm auf, sehr voll, sehr alkoholstark, fast ein wenig parfümiert wirkend… hat im direkten Vergleich mit seinen Nachbarn keine Chance auf Wohlwollen, 89 WSP

2016 Antinori Peppoli Chianti Classico DOCG

sehr feine Frucht, sehr gut integrierte Säure, ein perfekt balancierter und gut gemachter Chianti mit feinen Aromen von Kirsche und Pflaume, dazu Lakritz und Leder. Hoher Trinkspass… ein Roter, der in jeder Runde schnell everybodies Darling ist… diese Flasche war am schnellsten geleert, ich war daran nicht ganz unbeteiligt. Kaufempfehlung! 93 WSP

2016 Chianti Classico Berardenga (Bio) Fattoria di Felsina

Der Bessere ist der Feind des Guten, darunter leidet dieser eigentlich feine Chianti, der es in seinem Flight unverdient schwer hatte und deshalb abgestraft wurde. Markante Säure, sehr elegant, prägnanter Holzeinsatz, dabei dennoch guter Zug am Gaumen, 90 WSP

2016 „Ama“ Chianti Classico DOCG Castello di Ama

zunächst sehr verhalten, unter Lufteinfluss zunehmend an Stärke gewinnend. Ein Wein mit großem Potential, dem noch einige Zeit im Keller gegönnt sei. Die Anlagen sind aber mehr als vielversprechend, denn der Wein ist toll strukturiert und balanciert, innere Festigkeit und feine Würze, das wird ein Langläufer. Wer Platz im Keller hat, sollte kaufen! 91+ WSP

Weinwoche-Impressionen

Ein paar Impressionen von der 44. Rheingauer Weinwoche in Wiesbaden: 10 Tage, 97 Weingüter, geschätzt 1200 verschiedene Weine, 3 Bühnen, 49 Live-Bands, 22 Imbiss-Stände, 1 Wasserstand, gute Stimmung, das ist das wohl schönste Weinfest überhaupt…. und was fiel mir im Glas auf? Weingut Ott, 2018 Riesling Kabinett trocken… natürlich erstmal ein süffiger Wiesbadener Schoppen zum Empfang. Es gab aber auch vom türkische Weingut Sulva einen 2017er Sauvignon Blanc-Semillion und einen 2017er „Blush Karasakizi Rosé… das war leider verzichtbar! Ja, der Jahrgang 2018 steht auf diesem Fest natürlich im Mittelpunkt (mein erster Festwein nach dem Empfang war die süffige 2018er Eltviller Sonnenberg Riesling-Spätlese trocken vom Martinsthaler Weingut Keßler, eine Empfehlung!), aber auch die 2016er machen richtig Spaß. Beispielsweise der Vergleich 2016 Bodental-Steinberg alte Reben trocken von Altenkirch mit 2016 Kapellenberg von Wurm.

Der Hit: Happy Hour bei Kaufmann bis 16 Uhr: also 2018 „Tell“ Riesling und 2009 Wisselbrunnen Große Lage trocken (by Hans Lang) für jeweils 2,50 Euro das Glas! Toptop! Die Georg Müller-Stiftung hatte ihren 2018 Viognier als Premierenwein dabei, aber ich bin zugegeben überhaupt kein Freund reinsortiger Viogniers. Dafür war der 2016 Schützenhaus Riesling trocken aller Ehren wert. Weinfest-Newcomer Joachim Flick hatte glücklicherweise den 2018er Wickerer Nonnberg und den 2018er Hochheimer Königin Victoriaberg dabei. Tolles Paar, für Prinz Charles viel zu schade!

Wer „alte Kameraden“ mag, sollte immer einen Abstecher bei Familie Odernheimer und dem Johannisberger Abteihof (Stand 108) einplanen. Claus Odernheimer hat diesmal einen 1986 Riesling Kabinett und – unter der Theke – noch eine halbtrockene 1997er Spätlese aus der Lage Geisenheimer Kilzberg dabei. Beide wunderbar gereift. Dann wieder ganz jung bei Jung: 2017 und 2018 Steinmorgen trocken und halbtrocken, sind eine absolute Trinkempfehlung. Saftig, mineralisch, trinkig! Ein Rundgang mit Umweltministerin Priska Hinz zum Thema Klimawandel und Weinbau (siehe meinen Bericht in der FAZ vom 15.8.) führte von Schreiber (guter Sekt!) über Corvers (Rüdesheimer Roseneck Spätlese trocken, ein Traum) zum Staatsweingut (2018 Steinberger, süffig).

Riesling trocken, furztrocken gefällig? Die 2016 Steillage (0,4g RZ) bei Lamm-Jung ist ein Riesling für Hardcore-Fans, aber ich mag es. Bei Freimuth gefielen der 2018er Rote Riesling (nicht so süßlich wie anderorts) und das 2017 Unterer Bischofsberg Riesling Großes Gewächs… zum Abschluss noch in Pinot bei Koegler, immer eine Bank!

Reizvoll ist es zudem, sich nicht einfach treiben zu lassen, sondern den Weinwochen-Besuch mit Freunden unter ein Motto zu stellen! Diesmal 4 gegen 4,  Johannisberg gegen Lorch, Trenz, Goldatzel, Prinz von Hessen und Schloss Johannisberg vs. Laquai, Mohr, Wurm und Altenkirch.… Am Ende hatte Team Johannisberg auch dank eines bärenstarken Schlosses die Nase vor… wenn auch nur knapp…

Finale: 2013 Pinot Ultra brut nature by Barth: Anders geht immer, besser nicht!

Die Kunst der Cuvée

Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petite Verdot, Sangiovese, Malbec… großartige Rebsorten, aus denen exquisite Weine gekeltert werden können. Die Kunst aber ist die Cuvée, wenn sich die Summe des großen Ganzen zu einem Weinkunstwerk verdichtet. In meiner Verkostungsrunde haben wir kürzlich einige Meisterstücke dazu verkostet…

De Toren: 2015 Fusion V. – ich habe das Weingut vor knapp 20 Jahre das erste Mal nahe Stellenbosch besucht, und war seinerzeit schon begeistert. Allerdings: die breiten Schultern und der muskulöse Körper hemmen den Trinkfluss… es fehlt an Eleganz… zum Flanksteak aber ein würzig-aromatischer Begleiter

Tignanello 2014: ist das vielleicht der tollste „Fabrikwein“ der Welt? Es soll jährlich mehr als eine Million Flaschen geben, deren Handelspreis derzeit wieder bei knapp 100 Euro liegt! Ein eher weicher, geschmeidiger Wein, üppige Kirsche, dezente Paprika, feine Tannine, deutlich schmeckbare Prägung durch den hohe Sangiovese-Anteil, so kann, so darf Toskana schmecken!

Sassicaia 2008: deutlicher kerniger als der Tignanello, Bordeaux als deutlich schmeckbares Vorbild. Sehr würzig, dezentes Leder und Veilchen, viel Sauerkirsche, präsente, feine Säure, guter Trinkfluss, lecker!

Granja Remelluri 2010 Gran Reserva: etwas verschlossen, dennoch mit viel Kraft und hoher Opulenz, deutlich von Tempranillo geprägt, dichter und konzentrierter Rioja-Vertreter, mehr Eleganz und Finesse wäre schön

Vega-Sicilia Unico 2006: mein Wein des Abends, die am schnellsten geleerte Flasche in der Verkostungsrunde. Eine Weinmajestät: präzise, vielschichtig, Pflaume und Minze, große Länge, immenses Potential, absolut fein und mit hohem Trinkfluss – wenn man sich diesen nur leisten könnte!

Perrin Family Chateau de Beaucastel 2016 Chateauneuf-du-Pape… fällt in der Reihe durch seine vermeintlich sehr geringe Säure auf… auch der Eindruck einer leicht marmeladigen Süße gefiel nicht jedem (mich inklusive), roter Früchtekorb am Gaumen, sehr würzig, sehr jung, viel Tannin, auf mich eher fett als filigran wirkend, aber gut

Chateau Palmer 2008, Margaux: wirkt unglaublich jung mit zunächst strengem Säuregerüst, entwickelt sich im Glas zügig positiv unter Lufteinfluss, sehr klar, sehr präzise gearbeitet… bestätigt, warum Palmer zu meinen Lieblingserzeugern gehört (da denke ich an den phänomenalen 1989er zurück…)

Chateau Pichon-Longueville 2000, Pauillac: typisch Bordeaux unter starkem Cabernet-Einfluss, kühle Salzigkeit, Finesse, feine Frucht mit langem Nachhall, sehr geschmeidig und fein, hohe Eleganz, ein Wein zum Verlieben!

Vérité La Muse und Vérité La Joie, jeweils 2005… die Überraschung des Abends aus dem kalifornischem Sonoma Valley… beide mit einer sehr üppigen, opulenten Textur, geprägt von der Kraft des Cabernet Sauvignon (La Joie) oder Merlot (La Muse). Beide mit dunkler, rubinroter Farbe. Sehr würzig, roter Früchtekorb, wirkt „wärmer“ als die Bordeaux-Vertreter, dabei fast noch komplexer, dichter, länger und auch mit größer Opulenz. Im direkten Vergleich hat „La Joie“ trotz seiner reif wirkenden Rumtopf-Aromen, der intensiven Pflaume und der schmeckbaren Reife die Nase vorn vor dem „La Muse“. Sehr stoffig, sehr dicht, sehr konzentriert und straff. Aber auch ein Tick zu viel Alkohol (14,5). Motto: Unsere Weine verkörpern die zeitlosen Traditionen Frankreichs und die grenzenlosen Möglichkeiten Kaliforniens. Wohl wahr!

Kaisersteinfels!

313 Meter über dem Meeresspiegel schaue ich hinunter auf den Kaisersteinfels. Ein erhabener Platz. Hinter mir verläuft der heute einsame Rheinsteig, gegenüber mündet die Nahe in den Rhein. Der Blick geht weiter über den Binger Scharlachberg hinaus bis zum fernen Donnersberg. Und doch gilt die Aufmerksamkeit dem Zalto-Glas in der Hand. Denn nirgendwo lässt sich Wein besser verkosten als an seinem Geburtsort.

Kaisersteinfels. Hier soll der namensgebende Kaiser Karl der Große früh das Potential für den Weinbau erkannt und Orleans angebaut haben. Der Kaisersteinfels bildet mit Rottland, Roseneck und Schlossberg den Rüdesheimer Berg. Eine meiner absoluten Lieblingsherkünfte für terroir-geprägte, mineralische Rieslinge von Rasse und Eleganz. Stein, Schiefer und Fels prägen hier den Boden. Hier müssen sich die Reben in den zunehmend trockenen und heißen Klimaphasen besonders anstrengen, und sie tun es. Die knapp acht Hektar dieser Südwestlage sind heute überwiegend im Besitz von Johannes Leitz, dessen Familie Weinberge seit 1744 ihr eigen nennt. Über die Erfolgsgeschichte von Leitz und sei Aldi-Projekt habe ich an anderer Stelle (s.u.) schon ausführlicher berichtet. Heute geht es um die Spitze der Qualitätspyramide.

Kaisersteinfels. Riesling Großes Gewächs. Vier Jahrgänge im Vergleich direkt am Weinberg. Eine Offenbarung.

2014 – ein in der Weinkritik zuletzt etwas vernachlässigter Jahrgang, der nach einer interessanten Phase der Verschlossenheit und Zurückgezogenheit langsam seine Stärke zeigt. Wer 2014 noch immer Keller hat, darf nun bald die ersten Flaschen öffnen. Nun zeigt der 2014er langsam, was er kann. Ein mineralischer, würzger Wein mit gutem Zug, dabei bestens strukturiert, fest am Gaumen, druckvoll ohne auch nur ansatzweise breit zu wirken. Ein Genuß.

2013 – der Kaisersteinfels schert aus der Masse aus und brät sich in diesem Jahrgang eine Extrawurst. Sattes Gelb wie eine Spätlese aus den Neunzigern. Die Nase erreichen satte Reifetöne, Ananas, getrocknete gelbe Früchte mit viel Mirabelle, in der Reife erstaunlich weit fortgeschritten, und das trotz der merklichen Säure. Hat den Schritt vom Solo-Vergnügen zum perfekten Essensbegleiter schon vollzogen

2010 – sehr frisch, mit belebender Säure. Eleganz am Gaumen, Finesse, wirkt erstaunlicherweise jünger als 2013, unverändert hohe Reifepotential, aber der Spassfaktor ist schon jetzt hoch…

2009 – unglaublich wie hell in der Farbe und frisch im Geschmack, dabei sehr würzig, komplex verwobene Aromen, ein Wein mit Tiefgang und vermutlich auf dem Höhepunkt seine Entwicklung. Wohl dem, der davon noch etwas im Keller hat!

Seitensprung in Sachsenhausen

Endlich mal wieder in Sachsenhausen, und dann dank guter Freunde eine Einladung zur professionellen Ebbelwoi-Tour mit humorvollem Führer in schönstem Frankfurterisch… klasse. Natürlich weiß jeder erfahrene Fan von „Ebbelwoi“-Gottvater Andreas Schneider und seinem Obsthof schon, welch weites Feld das Traditionsgetränk bietet, vom kernigen Basis-Schoppe im Bembel hin zum Edelgetränk im Zalto-Weinglas. Diese Spanne bot sich in etwa auch in Sachsenhausen, wo Dauth-Schneider zu einem deftigem Imbiss für ein typisches Basis-Stöffche sorgte, während im Apfelwein-Kontor die sortenreinen Jahrgangs-Apfelweine aus Bohnapfel und Braeburn (mein Favorit) von Herberth für ein Aha-Erlebnis sorgten. Da muss ich noch kaufen! Kurze Aufwartung bei „Frau Rauscher! und beim „Ebbelwoi Unser“ und dann ab zur Pilgerstätte schlechthin in der Rittergasse: „Daheim“ im „Lorsbacher Thal“: eine Karte mit mehr als 300 Apfelweinen und Ciders, genial gut und jede Versuchung wert: Beispielsweise JB´s „2015 Streuobst“ mit feiner Frucht und edlen Reifenoten. Noch besser aber aus Jörg Geigers Manufaktur die 2015 Gewürzluike und Oberösterreicher Weinbirne… da kam Freude am Gaumen auf… Besonders lecker zudem der amerikanische Apfelschaumwein „Understood in motion No.1“ von ANGRY ORCHARD…, so, jetzt muss ich nur noch 297 Positionen aus vier Kontinenten und 25 Ländern auf der Flaschen-Apfelweinkarte testen…. Wer kommt mit?

Aus dem Verkostungstagebuch

Neues von Eltz

Während sich im verwaisten Langwerther Hof noch keine Anzeichen erkennen lassen, wohin die Reise der Käufer Jökel-Brüder geht und bei der Ruine der alten Staatsweingüterkellerei immerhin Gerüste von neuem Schwung beim Umbau zum Hotel zeugen, geht es auch bei Eltz langsam voran. Das einst führende Rheingauer Weingut saniert den sogenannten Viktorbau und das angrenzende Gebäude zu einem Wohnhaus mit fünf sicherlich interessanten Mietwohnungen im Herzen der Altstadt. Vor 2022 wird aber kaum jemand einziehen können. Bei der Vorstellung des Bauprojektes bekam ich endlich mal wieder jungen Eltz-Wein zu verkosten, einen Eltz 2017er Eltviller Langenstück Riesling Kabinett trocken. Natürlich gibt es das Weingut eigentlich nicht mehr, aber den Haustrunk mit dem eigenen Etikett schon. Der Wein stammte 2017 noch von Langwerth, wird im 2018er Jahrgang von Corvers-Kauter sein (der die meisten Langwerth-Lagen gepachtet hat) und ab 2019 von – das hat mir der Graf verraten – von Eva Fricke. Spannend. Es ist nur so verdammt schwer, an diese Weine ranzukommen…

Schamari-Mühle

Die beiden Seiteneinsteiger Peter & Werner Reck haben das Kleinod erworben, und dass die Schänke nun wieder geöffnet hat, ist ein Glücksfall für den Rheingau. Es gibt viele gastliche Mühlen in der Region, aber diese ist etwas Besonderes. Nirgendwo baumelt jedenfalls meine Seele so entspannt wie hier. Mein Lieblings-Riesling ist der 2018er aus dem Kläuserweg. Dass auf dem Etikett „Spätlese“ steht ist zwar genauso eine Verirrung wie die Nutzung der verdammenswerten Großlagen (Erntebringer!), doch der Wein ist klasse. Lecker auch der 2018er barriquebetonte Chardonnay (leider mit Lagenbezeichnung, obwohl das Holz jeden Terroir-Eindruck übertüncht), der Grauburgunder dagegen ohne Lage. Wer soll das verstehen? Die Pinot Noirs sind ohnehin eine Versuchung wert. Ich hatte das Vergnügen, auch 2013 Hölle La Déesse verkosten zu dürfen. Eine wohlige Offenbarung!

F.B. Schönleber

Immer eine Bank, immer Weine ohne Fehl und Tadel. Ein Sonderlob aber ist heute fällig für den 2018 Franz Bernhard Mittelheimer Ortswein und das 2018er „Beste Fass“ aus dem Mittelheimer Edelmann. Trinkfluss vom Feinsten! top!

Schumann-Nägler

Russische Eier und angebratenes russisches Tatar, das gibt es nur hier! Dazu unbedingt den 2015er Geisenheimer Rothenberg Riesling Erstes Gewächs trinken. Ein stoffiger, komplexer, außergewöhnlicher Wein mit markanter Aromatik.

Geisenheimer Lindenfest

ein wirklich schönes Fest, und dazu die Chance, die Weine von Dillmann, Sohns, Schumann-Nägler und der Hochschule Geisenheim direkt miteinander zu vergleichen. Ich habe es ausführlich getan, und kann mich schwer entscheiden. Am Ende hat Sohns jedenfalls die geschlossenste Kollektion, und die 2018er Lagenweine sind phänomenal gut geraten.

Öko-Weingut Hamm

In diesem Jahr feiern wir 30 Jahre Mauerfall, und vinologisch habe ich diese aufregende Zeit schon gewürdigt: Mit einem 1989er Winkeler Dachsberg Spätlese und einer 1990er Riesling Auslese aus der gleichen Lage… phänomenal. Weine mit Würde, Schmelz, Würze und Saftigkeit.

Staatsweingüter promillefrei

2018 VDP Sparkling – jetzt wagen sich auch die Staatsweingüter in den promillefreien Markt und stellen einen alkoholfreien Sekt vor. Die Grundweine in Spätlesequalität stammen aus Weinbergen rund um Eltville. Der Jahrgangs-Sekt ist somit eine Erzeugerabfüllung, hergestellt am Eltviller Standort der Sektkellereien Rotkäppchen-Mumm, die vor zwei Jahren in eine supermoderne Entalkoholisierungsanlage investiert haben. Eigentlich werden in diesem Blog nur Weine besprochen, die ich auch getrunken habe. Diesmal jedoch eine Ausnahme, denn es gab nur eine Pressemitteilung und (noch) keine Probeflasche. Zudem trinke ich nicht soooo gerne reinen Riesling-Sekt, und wenn, dann muss er brut, extra brut oder am besten brut nature sein und nicht 35g Restzucker haben! Und alle bisherigen Geschmackstests von alkoholfreien Sekten anderer Hersteller verliefen enttäuschend. Aber wenn ich den Stoff mal auf die Zunge bekomme, dann gibt es hier einen Nachtrag… versprochen!

Keine Schoppentrophy 2019?

Wegen der häufigen Nachfragen von Lesern sei an dieser Stelle nochmal klargestellt, dass es in diesem Jahr keine Schoppentrophy des Rheingauer Weinschmeckers um den besten „2018 Rheingau Riesling trocken“ geben wird. Meine Umfrage unter den Winzern im vergangenen Jahr hat leider ein weitgehendes Desinteresse offenbart. Von knapp 40 befragten Weingütern haben nur 20 Prozent überhaupt geantwortet – und die keineswegs immer nur positiv im Hinblick auf die Zukunft dieses bundesweit einzigartigen und für die Weingüter kostenlosen Wettbewerbs. Sollte sich diese Einstellung wieder ändern, könnte es aber durchaus eine Neuauflage geben.

Weintagebuch

Wein-Berg-Haus

Das putzige Weinberghäuschen von Diefenhardt am Waldrand oberhalb von Martinsthal habe ich von der B42 schon oft gesehen, war aber nie dort zu den raren Gelegenheiten, wenn es mal geöffnet war. Nun ist es an den Wochenenden regelmäßig bewirtschaftet! Augen auf, ob die Fahne davor weht… dann ist offen, also nichts wie hin. Ein schöner Aufstieg auf 250 Meter N.N. lockt mit dem Vorzug eines großartigen Blicks auf den vorderen Rheingau. Ein Hauch von alpinem Flair. Und nach dem lohnenswerten Aufstieg schmeckt der Diefenhardt 2018 Blanc de Noir trocken wunderbar süffig. Eine Bereicherung für den Rheingau, also hingehen!

Ein Hoch auf Hochheim

Das Hochheimer Weinfest feierte schon seinen 70. Geburtstag, und es scheint mit seinen 7 Bühnen und den vielen Weinständen noch immer quicklebendig. Sein Vorzug: In Hochheim beteiligt sich alles, was Rang und Namen hat, also auch die Weinschmecker-Betriebe Dorotheenhof und Mitter-Velten, aufstrebende Newcomer wie das Weinegg, sogar Schönborn hat seinen Hochheimer Hof geöffnet, dazu die VDP-Betriebe Domdechant Werner und Künstler. Ein ausgedehnter Gang durch Altstadt und Weinberg kann also anstrengend sein. Mein „Festwein“ fand sich aber schnell: Künstlers 2018 Hochheimer Stielweg Alte Reben trocken VDP.1. Lage: Stoffig, mineralisch elegant, guter Zug, Trinkfluss!

Weinelite beim Billigheimer

…so hatte ich meinen vielfach in sozialen Netzwerken geteilten Kommentar in der FAZ überschrieben, und die Reaktionen auf den Vertrieb eines vom Rüdesheimer VDP-Weingut Leitz erzeugten süffigen Rheingauer Alltagsweins zum Preis von 6,99 bei Aldi Süd zeigte wieder einmal allerlei Aufgeregtheiten. Weder habe ich Verständnis dafür, dass einem Winzer wie Leitz gewissermaßen Betrug unterstellt wird (durch Zweifel an der Erzeugerabfüllung) noch für jene Weinsektierer, nach deren fundamentalistischer Ansicht es ohnehin nur handgemachte Weine kleinster Manufakturen mit 0,1 Gramm Restzucker, am besten natural, orange, bio, öko und was sonst noch geben dürfte. In jedem Fall keine Weine für unbeschwerten Weingenuss…

Aber für alle, die diesen Blog den sozialen Netzwerken vorziehen, hier nochmal der Text aus der F.A.Z.

Weinelite bei Billigheimer

Die seit einiger Zeit zu beobachtende Aufrüstung der Weinregale im deutschen Lebensmittel-Einzelhandel spiegelt die wachsende Bedeutung des Marktes wider. Beim Wettbewerb mit dem Lifestyle-Produkt Wein will kein Händler zurückstehen, denn es bietet die Chance der Profilierung und Abgrenzung. Manche Weinabteilung bei Rewe stellt nach Auswahl und Qualität inzwischen sogar spezialisierte Fachhandelsgeschäfte in den Schatten. Der bedeutendste Weinhändler aber ist Aldi, über dessen Theke in Deutschland jede vierte Flasche Wein geht. Aldi bleibt dabei seiner Strategie treu, größtmögliche Qualität zum niedrigstmöglichen Preis anzubieten. Die Kooperation mit dem Rüdesheimer Johannes Leitz ist vor diesem Hintergrund ein gelungener Coup. Rund sieben Euro für einen Rheingauer Riesling, hinter dem nicht – wie bei Günter Jauch – nur ein imageträchtiger Name steht, sondern das uneingeschränkte Qualitätsversprechen eines deutschen Spitzenwinzers, das ist neu. Und es ist ein für beide Seiten lukratives Geschäft. Dass damit auch der VDP-Adler, das geflügelte Qualitätssignet der selbsternannten deutschen Weinelite, im Aldi-Regal gelandet ist, findet nicht jeder Leitz-Kollege und Prädikatswinzer gut. Der VDP sähe es lieber, wenn diese Weine zu höheren Preisen in Verkaufsstätten offeriert würden, die nicht das Image des Billigheimers haben. Doch Preisvorgaben eines Verbandes verbietet schon das Kartellrecht. Und Aldi ist für Leitz ein verlässlicher Partner. Ärgern werden sich vielleicht auch jene kleinen Familienbetriebe im Rheingau und darüber hinaus, die mühsam um jede kleine Preiserhöhung für ihren Wein gegenüber den kritischen Privatkunden kämpfen. Diese Kunden können nun auf den VDP-Wein eines Spitzenwinzers zum Kampfpreis verweisen. Doch das ist nur die halbe Wahrheit. Wenn Aldi Süd in den Filialen die Masse seiner Weine für unter drei Euro je Flasche losschlägt, dann ist ein mehr als doppelt so teurer Rheingauer Riesling ein Signal an die Masse der Aldi-Kunden, dass Riesling aus deutschen Landen etwas Besonderes ist. Aldi senkt zudem die Hemmschwelle für jene, die immer noch meinen, auf einem Weinetikett müsse vorzugsweise „Chateau XY“ oder „Pinot Grigio“ stehen, damit man ihn ohne die Gefahr einer Blamage selbstbewusst vor Freunden öffnen darf. Vielleicht gewinnt der deutsche Wein auch auf diesem Weg in den zurückliegenden Jahren verlorene Regalplätze bei Discountern und im Lebensmittelhandel zurück. Ein Wein über fünf Euro ist für Aldi-Käufer schon ein Premiumprodukt. Wenn er mit dem Kauf eines Leitz-Weines lernt, dass nicht nur ein Brunello in diesen Preisregionen sein Geld wert ist, dann ist das zumindest für den Rheingauer Riesling insgesamt ein Gewinn. (F.A.Z. vom 12.Juli)

Verkostungsnotizen

Ristorante von Oetinger

Ja, Italiener haben die Gastgeberrolle einfach drauf, und Familie Contino macht da im gepachteten Restaurant des VDP-Weinguts Von Oetinger keine Ausnahme. Und wenn der Chef auf zarte Nachfrage des Kunden mal schnell in den Keller geht und eine gut gekühlte Flasche Riesling Großes Gewächs aus dem Jahrgang 2012 aus dem Hut zaubert, dann ist das Glück im Hof an einem lauen Sommerabend vollkommen. Ein fein gereifter Tropfen, zarte Cremigkeit, perfekt balancierte Säure, Aromen gelber Früchte wie Birne und Marille, guter Trinkfluss. Klasse, und der Schwertfisch vom Grill dazu war von allererster Güte.

Anleger 511

… am Eltviller Rheinufer immer einer meiner Lieblingsplätze. Und es lohnt ein tiefer Blick in fair kalkulierte Flaschenweinkarte. Wegeler 2015 Jesuitengarten Riesling Großes Gewächs beispielsweise, ein Wein mit Schmelz und beginnender Reife, sehr voll, tiefgründig, feine Mineralität mit gutem Zug. Aber es geht sogar noch besser: P.J. Kühn, 2015 Oestricher Doosberg Großes Gewächs, ein Wein wie ein Samurai-Schwert: präzise, kühl, klar, messerscharf, dabei großartiger Trinkfluss. Genial gut.

Schloss Vaux Reserve brut und Sauvignon blanc brut

Neben dem Weinstand von Koegler (2014 Pinot Noir!) war der Sektstand von Schloss Vaux wieder das Highlight des Eltviller Sekt- und Wein-Festes am Rheinufer… einmal mehr hat der Fest-Besucher das Hinscheiden von Langwerth von Simmern vermisst. Weingut tot, Hof geschlossen, ein Jammer! Aber der Sekt von Vaux ist einfach eine Bank…

Staatsweinkellerei Eberbach

2018 Spätburgunder Rosé – 3 l Bag in Box ! Vielleicht muss das (auch außerhalb Skandinaviens) heutzutage wirklich unbedingt sein, aber trotzdem: Für mich ist vor allem der Inhalt eine Beleidigung des preußischen Adlers, der als Werbefigur auf farblich merkwürdig gestalteten Box seine Schwingen breitet… War der Adler nicht schon mal als Verkaufshemmnis identifiziert und von den Flaschen nahezu getilgt und durch die Eberbach-Skyline ersetzt worden? Und nun taucht er als Phoenix aus der Plörre auf? Sorry, aber das geht gar nicht. Nix gegen Kellerei-Weine für preissensible Gelegenheitstrinker! Aber der Adler darf dafür nicht verheizt werden. Auf diesem Karton hat er jedenfalls nix verloren, der Rest kann so bleiben…

Das Wunder von der Saar

Roman Niewodniczanski habe ist das erste Mal 2004 kennengelernt. Einen Mann mit einem Redefluss wie ein Wasserfall. Ein Besessener und ein Missionar des Saarweins. Ein Getriebener in Sachen Qualität.

Ich habe damals ein paar Flaschen aus der 2003er Kollektion gekauft, nach er vollmundig eine „Zehn-Jahres-Garantie“ abgegeben hatte. Einlösen musste er sie nicht, der Wein war top auch noch nach Jahren.

20 Jahre nach dem Kauf von Van Volxem hat der Spross aus der Bitburger-Dynastie jetzt auf dem Wiltinger Schlossberg seine Kathedrale für den Saar-Riesling offiziell eröffnet. Hinfahren und staunen! Sehr imposant, sehr durchdacht, typisch Niewodniczanski, würde ich mal sagen. Der Standort ist top gewählt, Rheingauer Kulturlandschaftsschützer würden aber unter Schreikrämpfen leiden. Aber der Bau ist ein Gewinn für die Saar und für den deutschen Wein. Mehr davon in deutschen Landen wäre wünschenswert!

Der Eröffnungstag war natürlich völlig überlaufen, ich schätze mal 1500 Besucher, die durch den neuen Fasskeller, der sich erst allmählich füllen wird, gestolpert sind. Das Weingut ist inzwischen auf 90 Hektar gewachsen, „Niewo“ scheint mir mit den Jahren etwas abgeklärter und ruhiger geworden zu sein, auch wenn ich seine hitzige Aufregung schätze, mit der er mir gegenüber beim letzten Riesling Symposium im Rheingau über die These der Geisenheimer Wissenschaftler ätzte, „Alte Reben“ seien nix Besonderes… Da war der Blutdruck ganz oben…. Leider gab es zur Eröffnung seines Weinguts nur eine sehr, sehr eingeschränkte Auswahl zu kosten, das war sehr schade. Immerhin, der 2018er Wiltinger Ortswein und der 2018 „Van Volxem Alte Reben“ gaben einen Hinweis, dass ich unbedingt mal die ganze Range verkosten sollte. Auf ein Wiedersehen an der Saar!

Verkostungsnotizen

Weingut Manz, Weinolsheim

2017 Silvaner Alte Reben trocken – ein guter Wein mit Trinkfluss. Das Weingut habe ich immer auf dem Radar, wenn ich Weine in Rheinhessen trinke. Diesmal allerdings in Limburg! Eine kleine Tour an die Lahn führte auch in die Bischofsstadt, wo alte „Bekannte“ das „Tafelspitz“ führen: Familie Held, die lange Jahre mit großem Elan Fendels Gutsschänke in Rüdesheim führten und zu einem kulinarischen Magneten entwickelten, haben dort ein kleines Hotel mit Restaurant direkt am Rand der Altstadt gepachtet. Das ist durchweg mit seiner saisonalen Küche und seinem freundlichen Service zu empfehlen. Und der Silvaner von Manz mit dem Duft reifer Äpfel und Aromen von Birne und Pfirsich passte hervorragend zum Cordon Bleu von der Eifler Wutz.

Schloss Johannisberg,  Johannisberg

2018 Riesling „Gelblack“ trocken – sozusagen der fruchtig-trockene Hauswein des diesjährigen Sommerfestes des Rheingau Musik Festivals, das 2019 unter dem Motto „Woodstock“ stand. Schließlich wurde das legendäre Festival vor 50 Jahren gefeiert, wenn auch nicht in Woodstock, sondern im 70 Kilometer entfernten Bethel. Hoch „Vera“ heizte allen 2300 Gästen tüchtig ein, der fruchtig-frische „Gelblack“, den das Schloss ungewöhnlich früh im Jahr schon als 2018er abgefüllt und ins Verkaufsregal gestellt hat, wurde im Glas schneller warm, als wir ihn vernünftigerweise hätten trinken sollen.

Dennoch ein schöner Abend, und Kompliment an Hessenlotto: Der Vorempfang im Garten des Schlosses hatte Stil!

Schloss Schönborn, Hattenheim

Bahnt sich mit dem Jahrgang 2018 bei Schönborn ein Stilwechsel an? Das Sommerfest im Weingut bot jedenfalls die Gelegenheit zur Jahrgangsprobe, und die bot durchaus erfreuliche Überraschungen. Die Weine erschienen mir präziser, klarer, feinfruchtiger als in den Vorjahren… Das könnte ein erfreuliches Vorzeichen sein, dass Schönborn wieder an Stärke gewinnt, aber warten wir ab. Besonders gut haben mir die 2018er Lagenweine aus der Hochheimer Hölle, dem Geisenheimer Kläuserweg und dem Rüdesheimer Rottland gefallen. Das verspricht Spannung, wenn Ende August die Großen Gewächse vorgestellt und ab September verkauft werden. Nach der Vorankündigung könnte es im Herbst sogar deren 5 (!) geben: Domdechaney, Marcobrunn, Pfaffenberg, Hasensprung und Schlossberg.  Die Folge des Füllhorns bester Lagen im Rheingau.

Langwerths Erben

Das Weingut Langwerth von Simmern ist Geschichte, die Umgestaltung des Langwerthers Hofes in der Eltviller Altstadt nimmt planerisch Konturen an. Mit dem Wein geht die Veränderung schneller. Die Weingüter Höhn und Corvers-Kauter sind gewissermaßen die Erben Langwerths, und was sie bislang aus den Spitzenlagen des Traditionsweinguts, das ausgerechnet den 555. Jahrgang nicht mehr erlebt hat, produziert haben, verdient Anerkennung. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn, jeweils Riesling trocken, von Höhn, das sind zwei Weine, die erst kürzlich verkostet habe und die ich in dieser Güte von Langwerth nicht in Erinnerung habe. Und der 2018er Baiken von Matthias Corvers ist ein Weine voller Komplexität und Finesse bei gleichzeitig großem Trinkfluss. Das gilt auch für den Nussbrunnen und andere Weine aus ehemals Langwerther Lagen, die Corvers gepachtet und die Höhn gekauft hat. So kann es weitergehen! Eine Verlust für die deutsche Weinkultur bleibt es trotzdem!

Rheingau Update: Kometen & Sterne

Für alle die, die mein beliebtes Update in der RMF-Beilage der FAZ-Sonntagszeitung verpasst haben, hier nochmal die Tipps: Gastronomisch liegt hinter dem Rheingau wieder ein aufregendes Jahr. In Kiedrich ging sogar ein Stern nieder. Neue Weinbars erschienen wie Kometen am vinologischen Firmament der Weinregion und erwiesen sich doch nur als kurzlebige Sternschnuppen. Beliebte Weinschänken wurden geschlossen, andernorts wurden sie grundlegend renoviert und mit erfreulichem Elan neu eröffnet Für die Festivalbesucher gibt es wieder vielfältige Chancen, Neues zu entdeckten oder Bewährtem zu vertrauen.

Weinbar im Draiser Hof Zugegeben, mancher Gast fremdelt ein wenig mit der modernen Architektur der neuen Vinothek auf dem Draiser Hof des Traditionsweinguts Baron Knyphausen. Doch dass der Vinothek eine Weinbar angegliedert wurde, ist eine Bereicherung und tröstet ein wenig über den Verlust des mit großen Hoffnungen eröffneten und allzu früh wieder geschlossenen „Heinrichs“ in Eltville hinweg. Die Weinbar 1818 hat zudem den Vorteil eines großzügigen Parkplatzangebots und nicht den Nachteil allzu ruhebedürftiger Nachbarn. Die Küche offeriert kleine Köstlichkeiten im Tapas-Stil, dazu eine reiche Auswahl aus dem Sortiment des VDP-Weingutes. Darunter seien der Erbach Ortswein und der „„Gemischte Satz“ als vinologische Besonderheit empfohlen. „Weinbar 1818“ im Weingut Knyphausen, Erbacher Straße 28 in Eltville-Erbach, www.baron-knyphausen.de, geöffnet am Montag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag ab 17 Uhr, samstags und sonntags ab 12.30 Uhr

Alles neu bei Keßler Jede Generation verwirklicht ihre eigenen Ideen und findet ihren eigenen Stil. Im Martinsthaler Familienweingut Keßler geben jetzt Tina und Stefan Keßler den Ton an. Sie haben die traditionelle Schänke behutsam, aber grundlegend und sehr ansprechend modernisiert. Die kulinarische Linie wurde gewandelten Ansprüchen angepasst und paart sich bestens mit den fruchtigen Riesling und den tiefgründigen Spätburgundern. Zudem zeigt die Qualitätskurve bei der Güte der Weine deutlich nach oben. Die trockene Riesling Spätlese und der neue Sauvignon blanc aus dem herausragenden Jahrgang 2018 sind dafür zwei sehr gute Beispiele. Der große Publikumszuspruch bestätigt das Konzept. Eine Reservierung vorab ist dringend zu empfehlen, denn Martinsthal hat einen neuen Anziehungspunkt. „Keßler Wein & Genuss“, Heimatstraße 18 in Martinsthal, geöffnet dienstags bis samstags ab 16 Uhr, www.weingut-kessler.de

Burger im Zehntenhof Manchmal muss es einfach herzhaft sein. Der schöne Zehntenhof in Winkel gehört zu den imposanten Winzerhäusern entlang der engen Hauptstraße. Hier liegt das Weingut Johannes Ohlig, das für seine geradlinigen und fruchtbetonten Rieslinge bekannt ist. Winzer Johannes Ohlig sieht sich nicht in der Rolle des Gastronomen, weshalb die schöne Gaststube nebst dem urigen, windgeschützten Innenhof verpachtet ist. Hier führt seit gut einem Jahr Filippo Contino Regie, Spross einer italienischen Gastronomiefamilie, die Rheingau-Kennern aus dem „Oetinger“ in Erbach schon bekannt ist. Der Geheimtipp in Winkel sind Burger, die von Erzeugnissen amerikanischer Fast-food-Ketten genauso weit entfernt sind wie Ohligs feiner Riesling von einem Pinot Grigio von der Resterampe. Filis´s im Zehntenhof, Hauptstraße 68 in Oestrich-Winkel, geöffnet Montag bis Freitag von 12 bis 14.30 und von 17.30 bis 23 Uhr, samstags von 17.30 bis 23 Uhr, sonntags von 12 bis 22 Uhr, www.filis-restaurant.de

Feiner Pinot in der Mühle Eine malerische alte Mühle, umgeben von Wiesen und Weiden, an einem plätschernden Bach. Es ist ein kleines Rheingauer Paradies, das vor zwei Jahren Werner und Peter Reck übernommen haben. Zwei Seiteneinsteiger, die viel Leidenschaft für Riesling und Spätburgunder mitbringen. Die gute Stube nimmt den Gast auf eine Zeitreise einige Jahrzehnte in die Vergangenheit mit. Besonders schön sitzt es sich allerdings im idyllischen Garten, um die Seele baumeln zu lassen. Schamari-Mühle, Grund 65 in Geisenheim, www.schamari.de, geöffnet am Donnerstag, Freitag und Montag ab 17 Uhr, samstags und sonntags schon ab 15 Uhr

Slow Food in Mittelheim Nicht mehr nur Edelmann und Doosberg, sondern jetzt auch Baiken und Nussbrunnen. Im vergangenen Jahr hat das Mittelheimer Weingut Corvers-Kauter den größten Teil der Weinberge des Weinguts Langwerth von Simmern gepachtet, dessen adelige Eigentümer den Weinbau nach 554 Jahren in Familienhand zum Jahresende aufgeben haben. Das Weingut ist verkauft und wird bald grundlegend umgestaltet. Corvers-Kauter zählt jetzt mit mehr als 30 Hektar Rebfläche zu den großen Familienbetrieben der Region. Die neue Weinkollektion ist überzeugend. Am beste verkosten sie sich in der Schänke von Brigitte Corvers mit ihrer abwechslungsreiche saisonale, regionalen und der Slow Food-Philosophie folgenden Küche. Weingut Corvers-Kauter, Rheingaustraße 129 in Mittelheim, geöffnet Mittwoch bis Freitag von 17 Uhr, Samstag und Sonntag ab 15 Uhr, www.corvers-kauter.de

Groenesteyn mit einem Stern Das ging kometenhaft schnell. Mancher ehemalige Stammgast der viel zu lange geschlossenen Weinschänke Schloss Groenesteyn hatte nach der Wiedereröffnung noch gar keine Gelegenheit zu einem ersten Besuch, da waren die anspruchsvollen Tester des Guide Michelin schon wieder weg und hatten einen Stern vergeben. Es ist eine schnelle, aber verdiente Ehrung für Amila Begic und vor allem für Küchenchef Dirk Schröer, der nach dem Engagement auf Burg Schwarzenstein und nach einer Stippvisite in der Schlossschänke Johannisberg nun in Kiedrich heimisch geworden ist. Die Kombination aus qualitätsbewusster, ungekünstelter, regionaler, gehobener Küche überzeugt, zumal die Gerichte von besten Weinen aus dem Rheingau begleitet werden können. Weinschänke Schloss Groenesteyn, Esskultur + Wein. Oberstraße 36/37 in Kiedrich, Telefon 06123/ 1533, www.weinschaenke-schlossgroenesteyn.de

Von der Weinbar zur Weinschänke Das „Y“ steht bei Deutschlands einzigem türkischen Weinmacher und Sommelier für guten Wein. Ahmet Yildirim, lange Jahre Sommelier im Johannisberger Weingut Trenz, ist mit seiner Weinmarke auf Erfolgskurs. Der provisorische, aber reizvolle Y-Store wurde in diesem Jahr grundlegend saniert. Aus der kleinen Vinothek mit Weinbar wurde ein schickes kleines Restaurant mit feiner, anspruchsvoller Küche. Nur gut, das es auch Klassiker wie die Schinkenplatte und den Käseteller gibt, um die Y-Weine und die der mit Yildirim kooperierenden Winzer zu verkosten. Oder man verlasse sich ganz auf die Empfehlungen von Gastgeberin Simone Schiller. „Y Wine & Kitchen“, Rheingauer Straße 22 in Eltville, geöffnet Dienstag bis Samstag von 17.30 bis 24 Uhr, www.y-sommelier.de

Wisperforelle zum Riesling Lorch ist manchem Weinfreund aus Taunus, Wiesbaden und Frankfurt einfach zu weit, obwohl die Bahn einen stündlichen Service bietet. Dabei hat Lorch eine hohe Dichte herausragend guter Weingüter zu bieten. Und obwohl die Schänke des Weinguts Altenkirch nach der Übernahme durch das Rüdesheimer Weingut Breuer jetzt geschlossen ist, gibt es weiterhin einen besonders lohnenswerten Anlaufpunkt: Die „Weinwirtschaft“ der Winzerbrüder Laquai. Ein anmutiges Fachwerkhaus und ein kleiner lauschiger Garten bilden eine perfekte Riesling-Tankstelle im westlichsten Zipfel Hessens. Besonders empfehlenswert: Die Forellen aus dem Wisperbach und Variationen von Wild, erlegt in den umliegenden Wäldern. Die mineralischen Rieslinge spiegeln die herausragende Güte der Lorcher Lagen wider, und der Spätburgunder zählt zu den Besten der Region. Weinwirtschaft Laquai, Schwalbacher Straße 20-22 in Lorch, www.weingut-laquai.de, geöffnet Mittwoch bis Freitag ab 17 Uhr, Samstag ab 15 Uhr

Bronzelack am Goetheblick Auf Schloss Johannisberg hat sich viel getan in jüngerer Vergangenheit. Unter neuer Leitung wurden die Rebfläche arrondiert, das lange zugehörige Weingut G.H. von Mumm quasi abgewickelt, ein neuer Keller unter dem Schloss und eine neue Kelterhalle am Cuvéehof gebaut. Das Weinsortiment wurde gestrafft und um einen „Bronzelack“-Riesling bereichert, der zwischen Gelb- und Silberlack das Potential des Schlosses zeigt. Etabliert hat sich im zweiten Jahr der Goetheblick als Treffpunkt der Rieslingfreunde. Der Ausschank wurde auf die andere Seite des Weges verlegt, was eine gute Idee war und den Charme eines der schönsten Aussichtspunkte noch einmal erhöht hat. Mit einem „Bronzelack“ in der Hand den atemberaubenden Blick ins Tal genießen, mehr Glückseligkeit ist an einem schönen Tag nur schwer vorstellbar. Ausschank „Goetheblick“ am Schloss Johannisberg in Geisenheim-Johannisberg, geöffnet bei gutem Wetter nur am Wochenende, www.schloss-johannisberg.de

Sauvignon beim „Wibbes“ Es gibt sie noch, die urigen Gaststuben mit traditionellem Ambiente, die das Bild der Rheingauer Schänken über Jahrzehnte geprägt haben. Doch auch an ihnen geht die Zeit nicht spurlos vorüber. „Wibbes“ ist der Spitzname des Kiedricher Bürgermeister Winfried Steinmacher, und in seiner Freizeit führt er ein typisches Rheingauer Familienweingut. Die Schänke „Zum Wibbes“ ist bei Einheimischen wie Gästen gleichermaßen beliebt, was im Rheingau immer ein gutes Zeichen ist. Die Küche ist regional, eher deftig und gut auf die Weine von Steinmacher abgestimmt, deren Güte in den zurückliegenden Jahr schmeckbar zugelegt hat. Der Riesling aus „Alten Reben“ ist immer eine Bank, und der neu gepflanzte Sauvignon blanc ist der Stolz des Winzers. Gutsschänke „Zum Wibbes“ im Weingut Jakob Steinmacher & Sohn, Eltviller Straße 39 in Kiedrich, Telefon 06123-9829398, www.www.gutsausschank-zum-wibbes.de, geöffnet dienstags bis samstags ab 16 Uhr, sonntags ab 12 Uhr

Mit historischem Flair und Ambiente In einem besonders schönen Fachwerk in Eltville-Erbach residiert seit einigen Jahren das Weingut Crass. Hier herrscht Rheingauer Gemütlichkeit mit Stil und Flair. Wer liebevoll hergerichtete, historische Gemäuer mag, ist hier richtig. Jeder Balken und jeder Stein vermittelt ein Stück Rheingauer Geschichte. Die gehobene Schänke bietet eine schöne Auswahl aus dem Sortiment von Crass, dessen Weine perfekt zur regional und saisonal ausgerichteten Küche mit Anspruch passen. Hier wird frisch gekocht, weshalb der Gast der Küche auch die nötige Zeit zugestehen sollte. Eine Erstes Gewächs aus dem Erbacher Siegelsberg wäre der perfekt Zeitvertreiber. Weingut Crass, Taunusstraße 2 in Eltville-Erbach, Telefon 06123-9348960, www.weingut-crass.de, geöffnet Montag und Donnerstag bis Samstag ab 17 Uhr, am Sonntag ab 11.30 Uhr

Gaja

Gaja 4 Buchstaben, 3 Weingüter, 250 Hektar Weinberge in Langhe, Bolgheri und Montalcino, 1 Legende. Gaja wird oft in einem Atemzug mit anderen Legenden der Weinwelt genannt, egal ob Krug in der Champagne oder DRC im Burgund. Es zeichnet das Rheingau Gourmet und Wein-Festival aus, dass es HB Ullrich immer gelingt, Weine solcher Giganten zu Tastings auszuschenken. Diesem Erfolg verdanke ich einige schöne und imposante Erlebnisse. Diesmal also Gaia, und Gaia Gaja aus dem Familenunternehmen ließ nicht nur die Weine für sich sprechen, sondern erläuterte fast 90 Minuten lang Geschichte, Philosophie und Anbau von Gaja bis hin zum Wassermanagement in den Weinbergen im Zeichen des Klimawandels und zur Rolle der Bienen in der Natur. Eingeschenkt wurden sieben Weine darunter zwei Weiße, die allerdings keinen nachhaltigen Eindruck hinterlassen haben: Der 2017er Rossj-Bass Langhe DOP, eine Cuvée aus Chardonnay und Sauvignon blanc, fiel durch eine sehr intensive, kräuterige und würzige Aromatik auf, reiche florale Noten, im Abgang allerdings sehr kurz. Insgesamt mäßiger Trinkfkluss, für meinen Geschmack liegt der Sauvignon-Anteil zu hoch. 2017 Vistamare Toscana IGP ist eine Cuvée aus Vermentino und (für mich viel zu viel) Viognier. Recht opulent, expressiv und „laut“, florale bis leicht parfümige Noten, ein sicherlich guter Essensbegleiter, der „solo“ für mich keine Option wäre. Aber gekommen sind wir ja wegen der Roten (alle 2014, alle 100% aus der Nebbiolo-Traube!): der „Barbaresco“ sehr gewürzig, viel Waldfrucht, deutliche Tanine, wirkt noch sehr jung und sehr kantig und hart, schöner Nachhall. Deutlich stärker der Sori Tildin Barbaresco DOP mit mineralischen Anklängen, guter Säure, straff, entfaltet guten Druck am Gaumen, kein Charmeur. Noch weniger der Costa Russi Barbaresco DOP, der für meine Geschmack viel zu säurebetont daherkommt, mit einer reichhaltigen samtigen Frucht, die jedoch alle Komplexität überdeckt. Mein Favorit an diesem Nachmittag ist der Sori San Lorenzo Barbaresco DOP dank seiner Eleganz, seinen feinen Taninen, einem guten Trinkfluss, der erdige Noten mit Spuren von Tabak und Lakritz offenbart, dabei weich und würzig, ohne an Straffheit und Präzision zu verlieren. Großer Wein. Die Favoritenrolle hätte ich eigentlich dem Sperss Barolo DOP zugebilligt, der mit seiner weichen, sehr fruchtbetonten Art (viel Lakritz, Teer und Tabak sowie Kirsche) und seinem langen Nachhall gut gefällt, aber nicht die Präzision des Sori San Lorenzo zeigt. auch der „Conteisa“ Barolo DOP“ kann sich trotz einer gewissen Sinnlichkeit, trotz betörender Kirsche, seinen floralen Noten und kräuterigen Akzenten nicht an die Spitze setzen. Unter dem Strich viel zu junge Weine, die (noch) nicht ihre Klasse zeigen konnten. Schöner wäre eine Vertikalprobe beispielsweise des Sperss oder des Sori San Lorenzo gewesen, die nachdrücklich das von Gaja in den Vordergrund gestellte Alterungspotential nachvollziehbar bewiesen hätte. So blieb bei mir am Ende ein zwiespältiger Eindruck und die Frage offen, ob Gaja jenseits des Mythos sein Geld von 400 und mehr Euro je Flasche wert ist, sofern man Geduld und den richtigen Keller dafür hat.

Weingut Robert Weil

Weingut Robert Weil Die Jahrgangsprobe auf Weingut Robert Weil ist immer spannungsgeladen, und nach einem Jahrhundertsommer lag vor allem die Frage auf dem Verkostungstisch, wie die Kiedricher Berglagen die wärmste Vegetationsperiode seit Beginn der Aufzeichnungen überstanden haben. Jetzt ist klar: Der Kiedricher Berg kann auch mediterran. Wie immer, so heißt es im Jahrgangsbericht, gehörte Weil zu den ersten Erzeugern, die mit der Lese begannen, und gehörte zu den letzten, die damit aufhörten. Am Ende wurden alle Qualitätsstufen bis zur TBA mit 274 Oechsle geerntet, und das bei einer guten Erntemenge, die Defizite der kleinen Vorjahresernten kompensierte. Ran an die Gläser: Die Visitenkarte sind immer die beiden QbAs, in der Literflasche und in der 0,75er. Sofort fällt auf, welche extrem klare Frucht die 2018er aufweisen und wie fein und elegant sich die Säure einbindet. Erstaunlich auch, und keine Weil-Besonderheit: die 2018er schmecken durchweg sensorisch süßer, als sie analytisch daherkommen. Da habe ich mich schon einige Mal schwer verschätzt. Ein idealer Jahrgang also, um furztrockene Weine zu erzeugen, die nicht so schmecken… Leider hat nicht jeder Winzer diese Chance erkannt oder genutzt. Weil schon. Der 2018er Kiedricher ist ein hervorstechend rassiger Wein mit hoher Finesse und von großer Strahlkraft. Ein Ortswein wie er sein soll mit phänomenalem Preis-Leistungs-Verhältnis. Sehr geschliffen, feinfruchtig, elegant, und doch gutem Zug am Gaumen. Vor allem auch Trinkfluss! Dann die drei Berglagen: 2018 Klosterberg, Turmberg, Gräfenberg. Nach inzwischen zehn Jahren hat Weil den Klosterberg voll im Griff, und der Wein ist jetzt ein Vollmitglied im Trio der Berglagen und kein Ausnahmetalent mehr. Wie gewohnt zeigt der Klosterberg aber wegen seines Terroirs mit Löß und Lehm mehr erdige, würzige Noten als der Turmberg, der im Frühjahr jeden Jahres wegen seiner Finesse und fortgeschrittenen Zugänglichkeit für mich immer der strahlendste trockene Weine. Ein Wein voller geschliffener Eleganz mit kühlem Zug am Gaumen, großer Trinkfluss! Spitze! Gräfenberg hingegen die verschlossene Majestät, in sich ruhend, noch wenig nach außen zeigend außer Substanz, Dichte und Komplexität, die sich erst entfallen müssen. 2018 Tradition: ein Saufwein wie er im Buche steht, saftig, süffig, unendlicher Trinkfluss an einem Sommertag auf der Terrasse im Gespräch mit guten Freunden. Für mich hat der „Tradition“ eindeutig den Vorzug vor dem noch süßeren Kabinett, der aber vielleicht auf lange Sicht mehr Eleganz verspricht. Wer weiß? Dann die Spätlesen, Turmberg und Gräfenberg als süße Wucht auf der Zunge, klar wie Quellwasser, ein Früchte zum Reinbeißen, so dass der Saft die Mundwinkel runterläuft. Klasse. Jetzt trinken oder 10 Jahre liegen lassen, eher Turmberg als Gräfenberg… wegen der Süße… Über die Auslesen, die Gräfenberg BA und TBA will ich hier keine weiteren Worte verlieren. Typisch Weil, unsterbliche Edelsüße voller Honig, Karamell, feiner Würze, Akazie… Würde sie gern in eine Zeitmaschine schicken und 20 -30 Jahre gereift trinken. Ganz sicher dann Weine zum Niederknien.

VDP-Weinbörse Mainz

Das Weintrinken am zeitigen Vormittag mag nicht jedermanns Sache sei. Für mich und die übrigen die 2500 Fachbesucher der traditionsreichen Mainzer Weinbörse gehört die Verkostung einer möglichst großen Zahl der 1630 vorgestellten Weine hingegen zum Alltag. Schließlich gilt es für Weinhändler, Gastronomen und Fachjournalisten, sich an den beiden Messetagen einen ersten Überblick über den als herausragend bewerteten deutschen Weinjahrgang 2018 zu verschaffen. Die Börse ist zudem eine Art Konjunktur- und Trendbarometer Erste Erkenntnis: Immer mehr der führenden deutschen Weinerzeuger, die sich im VDP organisiert haben, stellen auf eine ökologische Wirtschaftsweise um. Anlässlich der Weinbörse in der Rheingoldhalle gab der VDP bekannt, dass sich schon rund ein Viertel der 200 Mitgliedsbetriebe dem biologischen Weinbau verschrieben haben. Nach der Prowein in Düsseldorf ist die Mainzer Weinbörse ein wichtiger Gradmesser für den neuen Jahrgang. Vor den Urteilen der Weinkritik muss den Winzern aber nicht bange sein. Viel und gut, so lautete das Fazit der Winzer nach einem Bilderbuchsommer und einem goldenen Herbst. Einer meiner rheinhessischen Favoriten, Fritz Groebe aus Westhofen beispielsweise, spricht von einem animierenden Jahrgang „mit Zug, Finesse, und Kraft“. Sein Westhofener Riesling ist dafür ein gutes Beispiel. Ähnlich trinkfreudig präsentiert sich der „Rotschiefer“ Riesling am gegenüberliegenden Stand des Weinguts St. Antony, wo erstmals Dirk Würtz die Fahne hochhielt und das neue Etikett präsentierte. Steffen Christmann, Präsident des VDP, hat für das Weinjahr 2018 einmal mehr die „Bedeutung des optimalen Lesetages“ in den Vordergrund gerückt. Das richtige Fingerspitzengefühl bei der Wahl des Lesezeitpunktes habe zu „präzisen, frischen“ Weinen geführt. Vor allem aber: Nach den bescheidenen Mengen des Jahrgangs 2017 füllte der 2018er endlich wieder einmal Tanks und Fässer. Mehr als die Hälfte der VDP-Winzer berichteten dem Verband von gestiegenen Umsätzen, ein weiteres Drittel blickt auf stabile Verkaufszahlen zurück. Insgesamt haben die VDP-Betriebe laut Verband ein Umsatzplus von vier Prozent erreicht. Auf der Weinbörse zeigten 186 der 196 Weingüter erstmals das gesamte Portfolio des schon jetzt hochgelobten Jahrgangs mit Ausnahme der „Großen Gewächse“. Die trockenen Spitzenweine reifen noch in Fass oder Flasche und dürfen erst von September an gezeigt und verkauft werden. Ich habe dennoch schon das eine oder andere vorverkosten dürfen: sieht gut aus! Durchschnittlich 32,50 Euro geben die Freunde der GGs je Flasche aus. Laut Verband erwirtschaften die VDP-Winzer drei Viertel ihres Umsatzes im Inland. Vor allem der Vertrieb über die Gastronomie und den Fachhandel ist dabei von Bedeutung. Immer rund 35 Prozent des Umsatzes entfällt auf die Direktvermarktung ab Weingut. Fach- und Einzelhandel tragen zusammen rund ein Viertel zum Umsatz bei, die Gastronomie liegt mit rund einem Fünftel auf dem dritten Platz. Die Winzer berichteten im Vorfeld der Börse auch von steigenden Umsätzen im Online-Handel. Besonders erfreulich sei der Trend zu professionell gemanagten Weinabteilungen – ich sage nur EDEKA! – mit regionalen Angeboten und Weingütern im gehobenen Lebensmitteleinzelhandel. Nach Ansicht 80 Prozent der VDP-Weingüter wächst das Exportgeschäft, das für ein Viertel der verkauften Weine mit dem VDP-Adler auf der Flaschenkapsel steht. Der Umsatz im Auslandsgeschäft habe durchschnittlich um sechs Prozent zugelegt. Wichtigste Auslandmärkte sind die Vereinigten Staaten vor den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. Leicht rückläufige Exportzahlen werden für Belgien und – wegen der Marktunsicherheiten durch den Brexit – für Großbritannien – vermeldet. Ein Viertel der VDP-Betriebe ist inzwischen ökozertifiziert. Das liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund acht Prozent. Knapp die Hälfte der ökologisch arbeitenden VDP-Winzer ist zudem Mitglied einer Öko-Vereinigung wie Ecovin, Naturland oder Demeter. Hauptmotiv ist dabei die Verbesserung der Weinqualität. Zunehmende Bedeutung hat auch das Thema Sekt. Fast 80 Prozent der Weingüter erzeugen ihren eigenen Sekt. Übrigens: Zur Eröffnung der Börse wurde mein FAZ-Kollege Daniel Deckers mit der Silbernen VDP-Ehrennadel ausgezeichnet, vor allem für seine weinhistorische Ausarbeitungen. Leider war mein Verkostungszeitbudget diesmal eng limitiert… dennoch seien hier gänzlich unrepräsentativ und völlig willkürlich, aus ausdrücklich schwärmerisch erwähnt: Schloss Proschwitz 2017 Weißburgunder GG (-nur- so liebe ich diese Rebsorte tatsächlich), Zimmerlings 2017 Königlicher Weinberg Weißburgunder GG kommt da nicht ganz mit!); Ratzenberger 2018 St. Jost (+) sehr süffig; Matthias Müller 2018 Mandelstein schlägt ganz klar Feuerlay; Lanius-Knabs 2018 Engenhöller Bernstein ist ein Schmuckstück,; Toni Jost zeigt mit 2018 Bacharacher Hahn Riesling trocken meinen Liebling aus 2018 vom Mittelrheintal, doch einen wahnsinnigen Trinkfluss hat auch Bastians 2016 Heyles´en Werth feinherb, Maul voll Wein! Der 2018 Rotschiefer von St. Anthony läuft wie Wasser die Kehle runter… oder besser! Phänomenal gut 2018 Westhofen Alte Reben von Groebe; Anders, aber nicht minder lecker der Westhofener von Wittmann. Lassen wir es für jetzt dabei… die Rheingauer Schlemmerwoche ruft!

Rheingauer Schlemmerwoche

Das Jahr 817 hat für den Rheingau eine besondere Bedeutung: Damals tauschte Kaiser Ludwig der Fromme die Weinberge am Elsterbach in Johannisberg mit dem Abt von Fulda. „817“ heißt deshalb das Brot zum Wein, das sechs Rheingauer Bäcker anlässlich der 33. Rheingauer Schlemmerwoche kreiert haben. Ein Backwerk aus Dinkel, dem Lieblingsgetreide der Hildegard von Bingen, und aus Roggen, verfeinert mit Weinbergskräutern. Recht lecker, vor allem von Stalter und Dries. Dennoch, wir gehen wegen des Weins in die Güter, und das sind einige unserer Geschmackserlebnisse.

Robert Weil: Jaaaaa! Weil hat erstmals „richtig“ geöffnet und bietet Ausschank mit kleinen Catering-Speisen. Currywurst zu. 2017er Turmberg und zum 2017er Gräfenberg GG, davor 2018 Gutswein und 2018 Kiedricher, da hat im traumhaften Ambiente was… bitte Fortsetzung auch im nächsten Jahr!

Koegler: Sonderkarte mit russischen Spezialitäten, dazu 2015 Riesling Erstes Gewächs und 2018 „Weiß aus Rot“, was heißt „Himmel auf Erden“ eigentlich auf russisch? Zum VIP-Rundgang gab es übrigens 2014 Rubeus Spätburgunder. Great! Der Weinhammer des Tages !

F.B. Schönleber: Insgesamt eine klasse 2018er Kollektion zur Schlemmerwoche, 2018 „Franz Bernhard“ VDP-Ortswein sehr gut, aber das 2018 „Beste Fass“ (Edelmann) ist nun einmal das BESTE Fass, genial gut. Zum Niederknien: 2012 Lenchen Riesling Sekt brut

Bibo-Runge: ein Stopp am Revoluzzer-Häuschen lohnt immer… beispielsweise zum 2018 Debütant und zum 2016 Revoluzzer. Die 2017er dazwischen tun sich dagegen etwas schwer…

Theo Kreis: Das sympathische Familienweingut in der ehemaligen WZG der „Engländer“ hat die vielleicht schönste Terrasse während der Schlemmerwoche. 2018 Kabinett trocken recht ordentlich, doch scheint mir beim bislang flüchtigen Probieren das Jahrgangspotential nicht ausgeschöpft….

Ferdinand Abel, Oestrich: Wie immer verlässlich, ordentlich, solide… aber das einst zu den führenden Erzeuger von Oestrich gezählte Familienweingut wurde in den zurückliegenden 10 Jahren durchaus auch links und rechts überholt, wenn es um Top-Qualitäten aus dem mittleren Rheingau geht… da geht doch mehr, oder ?!

Steinmacher, Kiedrich: die Sonnenterrasse ist das „Pfund“ beim „Wibbes“, das Essen sehr gut, die 2016 „Alte Reben“ sind mein Favorit, aber die ersten 2018er schmecken sehr vielversprechend…da muss nochmal nachprobiert werden…

Wegeler: Phänomenal was Familie Drieseberg in der Probierstube während der Schlemmerwoche zeigt: Beispielsweise eine Geheimrat J-Vertikale von 2011 bis 2016… das hat unsere Fünfer-Gruppe schwer beeindruckt… für mich waren 2013 und 2016 die Topps, aber das ist schon eine fast unfaire Bewertung für echte Spitzenweine!

Lamm-Jung: sehr erfreulich, wie sich das alles so entwickelt… noch keine 2018er, aber 2016 Premium und 2016 Steillage, yes!!!!!!!!!!!! Mehr davon, unbedingt!

Jakob Jung: Immer eine Bank, immer fein, immer gut! Hier bin ich nie nur einmal während der Schlemmerwoche… bsp. wegen des 2018 Erbacher Ortsweins…

Heinz Nikolai: gehört zu jeder Schlemmerwochen-Erbach-Runde dazu… 2018 Placidus u.a., wie gewohnt verlässlich hohe Qualität

Winzer von Erbach: zum Abschluss der ersten Erbach-Runde dann eine Buddel 2017 Riesling Alte Reben Erbacher Honigberg.. davon dürfte es in der Kollektion noch mehr Vergleichbares geben…

Peter Jakob Kühn: Auch das immer ein Muss zur Schlemmerwoche! 2018 Quarzit und 2018 Rheinschiefer überzeugen ebenso wie der 2018 Jacobus. 2017 Hendelberg ein wirklich sehr guter Vertreter des Jahrgangs, aber 2016 Doosberg und noch viel mehr 2016 St. Nikolaus strahlen am Weinhimmelfirmament. Groß!

Hans Bausch: Auch das erlebt man zur Schlemmerwoche. Auf eine Absacker zu Bausch, und dann Blasmusik vom Feinsten… Dazu gab es 2017 Schützenhaus Riesling Erstes Gewächs… Passt!

Offenstein–Erben: es gab ein „Bestes Fass“ zur VIP-Eröffnung der Schlemmerwoche, das war sehr ok…

H.J. Ernst: Wie immer ein Muss allein wegen Gosch und seinen Fischspezialitäten: In meinem Fall Shrimps mit Asia-Sauce und dazu den 2018 Blanc de Noir… lecker

Schreiber, Hochheim: Doll Ding, was die Familie als neue Vinothek da auf die Beine gestellt hat. Modern, viel Glas, schöner Blick auf die Weinberge, gut organisierte Straußwirtschaft mit Caterer. Im Glas 2018 Hochheimer Hölle trocken und 2018 Reichestal Alte Reben trocken. IM Großen und Ganzen ordentlich. Punkt.

Reuter & Sturm: Tolles Ambiente, freundlicher Service, großartige Sekte. 2016 Opus brut und 2016 Cuvée R+S umwerfend gut, aber auch der Rote Riesling ist wirklich nicht zu verachten… ein Muss zur Schlemmerwoche !

Trinks Trinks am Bischof-Blum-Platz Geisenheim ist ein Erlebnis der besonderen Art. Muss man gesehen haben. 2016 Mitanand Riesling 2017 Im Schorchen, dazu 2016 und 2017 „In allen Ehren“ sehr gut, mein Favorit 2016 In allen Ehren trocken Sohns war wie immer ein Muss in Geisenheim. Was von 2018 schon gefüllt ist, schmeckt sehr vielversprechend… da sind wir schon jetzt auf die Lagenweine gespannt.

Dillmann entwickelt sich qualitativ stetig nach oben, und dank der längeren Straußwirtschaftszeiten ist der Betrieb jetzt ein echter Weinschmecker-Kandidat. 2016 Kläuserweg Réserve ist ein echter Knaller, wenn auch ein polarisierender Wein. Wein des Tages war aber die „Wundertüte“, ein Gelber Muskateller aus dem Jahr 2018 mit Zug und Kraft.

Wurm ist immer der Auftakt unserer Lorch-Tour, aus dem Keller gab nen Knaller: 2015 Lorcher Schlossberg Riesling trocken Weiler: gewohnt gut, die trockene Spätlese „S“ liegt nicht ohne Grund schon in unserem Keller

Kanitz zeigte diesmal zur Schlemmerwoche noch keine 2018er, dafür spannende Jahrgangsvergleiche verschiedener Qualitätsstufen

Mohr gewohnt gut, die bislang gefüllten 2018er erfüllen durchweg meine stets hohen Erwartungen, und 2018 Alte Reben ist saftig-süffig-lecker

Ball des Weines

Der Ball des Weines im Kurhaus Wiesbaden ist das gesellschaftliche Ereignis des Jahres für alle Weingenießer in Rhein-Main – neben der Riesling Gala in Kloster Eberbach natürlich. „Hollywood Moments“ war das Ereignis diesmal überschrieben.

Der legendäre DeLorean DMC-12 stand im Foyer bereit, und die majestätischen Flügeltüren des silbernen Sportwagens waren einladend geöffnet. Doch nach dem magischen Fluxkompensator im Cockpit musste niemand suchen, um die Reise „Zurück in die Zukunft“ zu wagen. Denn der gesamte Friedrich-von-Thiersch-Saal wurde zur Zeitmaschine, die ihre 1700 Passagiere in die glorreiche Ära Hollywoods beförderte… zu einer Begegnung mit drei der Großen jener Zeit.

Mit Marilyn Monroe, die trotz eines atemberaubenden roten Glitzerkleids aber ein wenig blutleer wirkte. Mit einem stimmlich bestens aufgelegten Louis Armstrong, für den die Trompete im Arm aber offenkundig eher Requisite als Instrument war. Und mit den Blues Brothers, die so mitreißend von den Kanadiern Chris und Geoff Dahl verkörpert wurden, dass der Saal von Rhythmen mitgerissen wurde und dass Weinbauministerin Priska Hinz (Die Grünen) unter den ersten Gästen war, die es nicht mehr auf den Stühlen hielt.

Die Gäste taten ihr Möglichstes, sich durch die 13 deutschen Anbaugebiete zu kosten. Zuvor zeigte der Gastronomie-Betrieb Kuffler im Ballsaal, wie das Kunststück gelingen kann, 1700 Gäste mit einem feinen und auf den Punkt zubereiteten Menü zu bewirten. Angebratenes Tatar mit Wachtelspiegelei, Carpaccio vom Schwertfisch, Rinderfilet und gebratene Gamba, Lemon-Pie und Brownie-Würfel boten auch den Spitzenweinen deutscher Herkunft angemessen Paroli.

Beispielsweise einem Großen Gewächs der Mosel-Lage Trittenheimer Apotheke und einer 2011er Auslese der Hessischen Staatsweingüter. Mit einer 1969er Hochheimer Falkenberg Beerenauslese hatten die Staatsweingüter zudem die Weinrarität des Abends im Gepäck. Wohl dem Weingut, das eine so gut sortierte und bestückte Schatzkammer sein Eigen nennen kann. Nach dem Galadiner begann der vinologische „Walk of Fame“ unter dem Motto „Sehen und gesehen werden“ durch die Nebensäle des Kurhauses, die von der Edelschokolade bis zur Zigarre weitere Versuchungen bereithielten.

Mir war vor allem an Wein gelegen, beispielsweise dem 2016 Stein-Harfe Silvaner GG vom Bürgerspital Würzburg, dem 2017er Chardonnay Ihringer Fohrenberg von Stigler und dem 2012 Barth Sekt brut Nature aus der Magnum Flasche. Genial gut.

Großes statt Erstes Gewächs

Aus den Ersten Gewächs wird bald ein Großes Gewächse. Die Hürden sind genommen, das RGG-Logo steht. 20 Jahre nach dem ersten Jahrgang 1999 tauft der Rheingauer Weinbauverband seine trockenen Spitzenweine, die Ersten Gewächse, in Rheingau Große Gewächse (RGG) um. Unter dieser Bezeichnung werden die herausragenden Rieslinge und Spätburgunder des Jahrgangs 2018 am 1. September erstmals auf den Markt kommen. Dieser Schritt des Weinbauverbands und der etwa zwei Dutzend Winzer, die regelmäßig solche Weine erzeugen, ist eine Anerkennung der Marktmacht und -präsenz der bundesweit 200 Mitglieder des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP), die ihre Top-Weine schon seit vielen Jahren als „VDP.Großes Gewächs“ vermarkten.

Erste Gewächse gibt es nur im Rheingau seit 1999 auf Basis einer Gütekarte der besten Weinbergslagen. Jene Rheingauer Winzer, die zugleich Mitglied im VDP sind, hatten in den Anfangsjahren ebenfalls Erste Gewächse verkauft, waren später dann aber schon zu Großen Gewächsen der VDP-Kollegen gewechselt. Damit war die Marktbedeutung Erster Gewächse noch überschaubarer geworden. Oder ehrlich gesagt: nahe null.

Allein das Weingut Robert Weil erzeugt mit rund 30.000 Litern mehr GG als alle anderen Nicht-VDP-Winzer an Erstem Gewächs. Was ich schon vor sechs Jahren empfohlen hatte, wird endlich Realität: Nun ziehen die Rheingauer Winzer, die nicht VDP-Mitglieder sind, mit dem „Rheingau. Großes Gewächs (RGG)“ nach. Nicht nur bei der Bezeichnung, sondern auch bei einigen Kriterien. So werden endlich nur noch Weine als Große Gewächse zugelassen, die die gesetzlichen Anforderungen an trockene Tropfen erfüllen. Das bedeutet bis zu neun Gramm Restzucker je Liter nach der Vergärung und nicht bis zu 13 Gramm.

Bei anderen Bestimmungen weichen die Rheingauer weiterhin von den VDP-Kollegen ab, etwa wenn es um die Exklusivität bestimmter Weinlagen-Bezeichnungen nur für Große Gewächse geht. Die ausschließliche Nutzung einer Herkunftsbezeichnung nur für ein Großes Gewächs sei im Rheingau nicht durchsetzbar, sagt der kürzlich für weitere drei Jahre im Amt bestätigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt. Dennoch will der Weinbauverband die aktuelle Änderung der Weingesetzgebung nutzen, die Einzellagen als Ursprung guter Weine hervorzuheben.

Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität, lautet eine Maxime, die Seyffardt verwirklicht sehen möchte. Noch allerdings ist weinrechtlich einiges im Fluss. Seyffardt hofft, dass ein Vorschlag aus dem Rheingau Gehör findet, die Verwendung von Großlagen einzuschränken, um eine Verwechslungsgefahr mit den wertvollen Einzellagen zu bannen. Bislang gilt, dass sich ein Wein mit der Großlagen-Bezeichnung „Rauenthaler Steinmächer“ aus Weinen von bis zu 27 Einzellagen zusammensetzen darf, es muss aber kein Tropfen aus Rauenthal in der Cuvée sein, obwohl sie den Namen des Weindorfs trägt. Wahnsinn oder Verbrauchertäuschung? Beides! Geht es nach Seyffardt, darf der Wein künftig nur noch als „Rheingauer Steinmächer“, also ohne die Bezeichnung „Rauenthal“, verkauft werden. Das wäre immerhin ein Fortschritt. Ein kleiner für die Weintrinker, ein großer für die Winzer!

5x der neue Jahrgang

 Nach der Prowein und der Mainzer Weinbörse stellen die Winzer den neuen Jahrgang, das war mit dem üppigen und guten 2018er nicht anders. Die Jahrgangsverkostungen in den Gütern, die mich dazu einladen, sind eines der schönsten Rituale des Frühlings. Mancher verbindet die Verkostungen mit Rheingauer Schlemmerwoche, was zusätzliche Reize bietet.

Ich greife hier mal nicht repräsentativ heraus, was mich besonders begeistert hat, und gebe 5 Beispiele, die uneingeschränkte Kaufempfehlungen sind!

Dillmann, Geisenheim

Hier zeigt die Qualitätskurve eindeutig nach oben. Weißburgunder und Sauvignon blanc sind gute Visitenkarten des kleinen Familienbetriebs. Ganz besonders angetan hatte es mir der 2018 Gelbe Muskateller, eine Rarität im Rheingau, die als Speisenbegleiter multifunktional ist. Hut ab vor den Reserve-Weinen, vor allem dem 2016er Riesling natur

F.B. Schönleber, Winkel

Auch hier zeigt die Kurve nach oben. Der trockene 2018er „Franz Bernhard“ Ortswein ist hervorragend als Gutswein, aber das „Beste Fass“ aus der Lage Edelmann hat mich völlig überzeugt. Nicht minder gut: Alte Reben Riesling aus dem Klosterberg von Oestrich. Und die Großen Gewächse aus dem Jesuitengarten reifen sehr gut, 2016 ist gerade mein Favorit.

Jakob Jung, Erbach

Immer verlässlich, immer eine Bank, spielt immer vorne mit. Die ersten Basisweine lassen Großes für 2018 erahnen. Aktuell gefällt mir die Chardonnay-Weißburgunder-Cuvée schon sehr, sehr gut, ebenso der süffige Kabinett aus der Lage Michelmark

Peter Jakob Kühn

… der Winzerstar aus Oestrich. Aus 2018 gibt es schon Jakobus Riesling, die Ortsweine aus Oestrich und Hallgarten zu verkosten. Die Weine aus Erster Lage kommen erst im September, die GGs erst nächstes Jahr! Für Kühn war es ein phänomenal guter Jahrgang. Stoffige Weine mit Finesse, Komplexität und Tiefgang. Und Trinkfluss!

Johannishof, Johannisberg

Herausragend gut die Kollektion bei Eser. Großartig war, dass er bei verschiedenen Weine die Vertikale 2015, 2016, 2017, 2018 ermöglicht hat am Probentisch. Das zeigt, wie gut jetzt 2016 ist, wie viel 2018 erreichen kann und wie viel Schmelz jetzt die 2015er haben. Und dass 2017 gerade ein wenig eine Baisse durchlebt…. Gekauft habe ich 2017 Alte Reben aus dem Jesuitengarten! Hammerwein mit Zukunft. Und ich empfehle jedem den 2018er Ramstein!

PS. Allendorf in Winkel:

Was schon in der Flasche ist, das ist sehr verheißungsvoll! Beispielsweise der 2018er Winkeler Ortswein mit feiner Säure, gute Frucht, Finesse und Länge am Gaumen.

Assmannshausen

Kurzer Trip nach Assmannshausen Endlich, die legendäre „Krone“ ist nach dem jüngster Besitzerwechsel an einen arabischen Geschäftsmann wieder geöffnet. Ob das gegenwärtige kulinarische Konzept auf Dauer so funktionieren wird, ist noch völlig ungewiss. Auch bei der Schulung des Personals besteht noch Bedarf. Doch auf der Krone-Terrasse zu sitzen, den Blick auf den Rhein und das Schweizer Haus am Gegenhang zu genießen und eine Flasche 2014 Rüdesheimer Riesling von August Kesseler (war zwar nicht auf der Karte, aber fand sich irgendwo…) zu trinken, das ist großartig.

Weiter ins Weingut Krone, dessen völlig unverständliche Abtrennung vom Hotel dessen früherer Schwelmer Besitzer zu verantworten hat. Ein Glück hat jetzt hier das Weingut Wegeler das Sagen, und Peter Perabo und Michael Burgdorf wirken mit dass hier eine großartige Kollektion bereitsteht, vom 2015er Riesling Alte Reben (süffiger Trinkfluss) über den 2014er Weißburgunder (klasse!) und den etwas zu sehr weichgespülten 2015 Blanc de Noir bis zum markanten 2015 Krone Spätburgunder. Ein Rotwein-Juwel ist der 2012 Spätburgunder „Juwel“… derzeit mit Sicherheit einer der stärksten seiner Art im Rheingau. Hut ab. Eine geschmackliche Offenbarung war zudem der 2013er Rothenberg Riesling Sekt brut … ein großer Sekt aus VDP.Großer Lage.

Den Weißburgunder haben wir mitgenommen und nach der Seilbahnfahrt hoch zum Jagdschloss Niederwald im „Rittersaal“ des Osteinschen Parks bei prächtiger Sicht ins Mittelrheintal geleert. Zur Fuß zurück in den Ort und ab die „Alte Bauernschänke“. Essen, Service und Wein gut… im Weingut Konrad Berg tut sich was…. die 2015 Riesling Spätlese aus dem Lorcher Pfaffenwies war jedenfalls exzellent, und mit dem formidablen Rumpsteak harmonierte der 2015 Höllenberg Spätburgunder „S“ aus dem Barrique sehr gut. Ein Hoch aus Assmannshausen und seinen Höllenberg.

Pilgerfahrt nach Bordeaux

Kleine Pilgerfahrt nach Bordeaux Es sind schon viel zu lange her, dass ich als „Wein-Entertainer“ und Weinautor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes einmal die Weinküsten Europas entlangfuhr und dabei auch in Bordeaux einen Stopp einlegte, um die Kreuzfahrer zu einigen Weingütern zu begleiten. Jetzt war endlich mal Zeit und Muße für einen intensiven Kurztrip in die Weinhauptstadt der Welt. Die Stadt hat sich seither wirklich sehr verändert… und sehr zu Ihrem Vorteil.

Wer nach der Ankunft zum Dinner das „La Brasserie Bordelaise“ aufsucht, hat schon viel richtiggemacht. Das Essen ist phänomenal, ebenso die Weinauswahl. Es lohnt sich dabei durchaus, als Aperitif auch mal einen weißen 2017 Semilion-Sauvignon blanc wie von Chateau Thieuley zu trinken. Der guten Brasserien gibt es viele, und viele sind auch sehr empfehlenswert, so auch „La Petite Gironde“ am rechten Ufer, oder „La Plana“ am Siegesplatz.

Der Schatz Bordeauxs aber sind die vielen Weinbars, die alle abzuklappern jeden Besucher überfordert. Ein Muss aber ist die „Bar a Vin“ an der Straße des 30. Juli, NACHDEM man zuvor die Wendeltreppe des Weinhauses „L ´Intendant“ hochgestiegen ist, um die dort gemachten Erfahrungen zu verarbeiten…. Danach am besten zum „Millesime“ mit besonders feinen Tapas. Ebenfalls nicht zu verachten sind „Au 4 Coins du Vin“ und die „Max Bordeaux Wine Gallery.“ Besonders gut gefallen hat mir auch „Le Wine Bar“ (Fois Gras und Rosé) und noch drei Häuser weiter an der Rue Bahutiers das „Vins Urbains“ (Sardinen und Weißwein).

Das alles sind gute Vorbereitungen in Bordeaux auf DIE Pilgerstätte für den Weinenthusiasten, die Cité du Vin am Ufer der Gironde… Das ist eine schwer zu beschreibende Mischung zwischen imposanten Weinmuseum, Weinshop, Weinbar, Weinrestaurant, Aussichtsturm, Degustationshalle (8. Stock) und Andenkenladen. Go and see! – den passenden Imbiss am besten danach in der „Markthalle“ gegenüber. Und der richtige Platz zum den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen ist die „Rooftop Bar“ im Hotel Mama Shelter….

Hochheim-Trip

Ein Hoch auf Hochheim So ein Sonntagnachmittag in Hochheim kann höchst vergnüglich sein, vor allem wenn Himmel, pardon Peter Flick, geöffnet hat. Der Übergang ist vollzogen, in der Holger-Crafoord-Straße weht ein neuer Wind. Noch allerdings gibt es – wie jetzt beim Hoffest – auch phänomenale Himmel-Weine wie 2017 Weiß Erd und 2017 Hölle Riesling trocken… auch das 2017 Erste Gewächs ist sehr gut. Ich rate, sich nicht nur aus sentimentalen Gründen mit Himmel einzudecken, das sind Weine mit Potential und Zukunft.

Für den jungen Peter Flick beginnt nun die Herausforderung, wir sind hoch gespannt… 2017 „Verflickst“ Riesling trocken ist schon mal ein Anfang…. Über die Anfänge weit hinaus ist Fabian Schmidt im Weingut „Im Weinegg“ in der Kirchstraße. Die Jahrgangsverkostung, in die wir eher zufällig reingeschneit sind, war eine Offenbarung. Hier zeigt die Tendenz steil nach oben, 2017 hat uns außerordentlich gut gefallen, sogar der „Summer Jam“ und ein Secco Rosé.

Gekauft haben wird 2017 Domdechaney Spätlese trocken und den 2014 Riesling aus dem Barrique mit dem etwas befremdlichen Namen „Perle Blanche“. Aber auch die Alten Reben aus der Hölle überzeugten! Kompliment! Weiter zu Künstler mit Jahrgangsverkostung, dazu Knipser (2014 Kalkmergel Spätburgunder!) und Heymann-Löweinstein (2017 Uhlen Große Lage!) zu Gast…. lost in paradies! Was soll ich sagen…, ich mach es ganz und unverdient kurz: Neun Große Gewächse von Künstler im Angebot, eines besser als das andere….

Danach erstmal was Deftiges: Hacksteak und Schnitzel bei Dienst im Dorotheenhof. Immer eine Bank, immer lecker, und dazu dann natürlich den 2015er Pinot aus dem Barrique, den Vize-Sieger des diesjährigen Pinot-Cups sowie ein fein gereiftes Erstes Gewächs aus dem phänomenalen Jahrgang 2013 und der Hochheimer Hölle. Made my day!!!

Südafrika- Nachmittag

La Motte 2016 Chardonnay, Bouchard-Finlayson 2015 Chardonnay Crocodiles Lair und Dornier 2016 Chenin Blanc Bush Vine haben gute Freunde für uns geöffnet, und das war ein herrlicher Kurzurlaub mit dem Gaumen und bedeutete ein Schwelgen in Erinnerungen. Drei wirklich gute Weine, wobei der Chenin Blanc einen Trinkfluss entfaltete, der ihn am Ende den Sieg bescherte. Schmeckt nach mehr, nach viele mehr!

Steillagenweinbau quo vadis

 Steile Weinberge geben dem Landschaftsbild einen unverwechselbaren Charakter. Sie prägen Kulturlandschaften wie die Mosel und den Rheingau in besonderen Maße und spiegeln die traditionelle Landnutzung über Jahrhunderte wider. In heutiger Zeit allerdings führen die hohen Kosten der Bewirtschaftung steiler Weinberge zu einem Wettbewerbsnachteil.

Auf dem Weinmarkt können höhere Preise nicht allein deshalb durchgesetzt werden, weil die Bewirtschaftung für die Erzeuger teuer ist. Besonders im Mittelrheintal und an der Mosel sind die Folgen für das Landschaftsbild gravierend, denn immer mehr Flächen fallen brach. Der untere Rheingau ist von dieser Entwicklung ebenfalls nicht verschont geblieben, wie das Beispiel Lorchhausen und die Hänge zwischen Rüdesheim und Lorch zeigen. In den steilen Hängen über dem Weindorf ist die Rebfläche im Lauf der zurückliegenden Jahrzehnte stark zurückgegangen.

Auch wenn manche Flächen aus Sicht des Naturschutzes an Wert gewinnen, wenn die Monokultur Weinbau zurückweicht, ist es das Ziel der Politik und des Weinbaus, dass nicht weitere Weinberge verlorengehen. Vor allem die Staatsweingüter suchen nach Methoden, um dem Anbau in Steillagen seine ökonomischen Nachteile zu nehmen. „Das kostet mich jedes Jahr eine Million Euro Gewinn“, bezifferte Geschäftsführer Dieter Greiner im vergangenen Jahr die Folge der aufwendigen Bewirtschaftung von Steilhängen wie beispielsweise dem Rüdesheimer Berg.

Insgesamt pflegen die Staatsweingüter rund 90 Hektar Steillagen. Die Mechanisierung der Bewirtschaftung ist eine Möglichkeit zu sparen, beispielsweise durch den Einsatz zu entwickelnder Vollerntemaschinen für Steillagen. Auch der sogenannte Minimalschnitt bei der Pflege der Weinberge gehört dazu, der weniger arbeitsaufwendig ist als die konventionelle Bearbeitung. Vielleicht übernehmen zudem schon bald Drohnen den Pflanzenschutz.

Und die Bewässerung der Rebstöcke kann helfen, dass die Erträge in trockenen und heißen Jahren nicht so stark hinter denen in flacheren Gefilden zurückbleiben. Das Land fördert zudem den Weinbau in steilen Lagen von einer Neigung von 30 Prozent an auch finanziell, um die wirtschaftlichen Nachteile ansatzweise auszugleichen. Die Förderung erreicht dabei bis zu 2300 Euro je Hektar in Lagen mit mehr als 45 Prozent Hangneigung.

Eine weitere Methode liegt in der Querterrassierung. Die Rebzeilen verlaufen dann nicht mehr steil zum Rhein hinab, sondern quer im Hang und mit so großen Abständen, dass eine maschinelle Bewirtschaftung mit Traktoren möglich ist. Zwar haben dann auf einem Hektar deutlich weniger Rebstöcke Platz, doch die ökonomischen Vorteile überwiegen. Vorreiter im Rheingau waren die Winzerbrüder Laquai in Lorch, und auch die Staatsweingüter haben inzwischen die Querterrassierung als Chance zur Senkung der Arbeitskosten erkannt.

Die Wissenschaft steht den Betrieben zur Seite. Die Hochschule Geisenheim hat jetzt das Forschungs- und Praxisprojekt „Bio-QuiS“ begonnen. Dieses Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit knapp 400.000 Euro gefördert. Die Rebzeilen und Gassen zur Bewirtschaftung werden dabei hangparallel angeordnet. „Neben der arbeitssparenden Bewirtschaftung mit normalen Schmalspurschleppern haben Querterrassen-Weinberge auch einen ökologischen Vorteil.

Ein Teil des Weinbergs besteht aus Böschungen, die der direkten Bewirtschaftung entzogen sind und ein großes Potential für den Naturschutz haben“, meint Projektleiterin Ilona Leyer vom Institut für angewandte Ökologie. Es gebe aber noch zahlreiche offene Fragen im Hinblick auf die Begründung der Gassen, den Erosionsschutz, die Böschungspflege sowie die Folgen für die Artenvielfalt. Auch rechtliche Fragen müssen noch beantwortet werden, ehe die Querterrassierung den Winzern als attraktive Alternative zur Bewirtschaftung in Falllinie empfohlen werden könne. Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau sieht noch andere Untersuchungsfelder: Die neue Zeilenorientierung und die in Querterrassen geringere Dichte der Rebpflanzen beeinflusse das Mikroklima und die Wasserversorgung.

Dies könne Auswirkungen auf den Ertrag, auf die Bildung der Aroma- und Inhaltsstoffe sowie auf die Rebengesundheit haben. Die Wechselwirkungen zwischen Rebe und Umwelt sollen daher vergleichend für Falllinien- und Querterrassen-Weinberge untersucht werden. Drei Weingüter legen als Projektpartner der Hochschule in diesem Frühjahr neue Querterrassen-Weinberge im Mittelrheintal an, um unterschiedliche Begrünungsmischungen und Ansaat-Techniken zu erproben. Diese Partner sind die Hessischen Staatsweingüter und das Lorcher Weingut Laquai auf hessischer Seite sowie das Bacharacher Weingut Ratzenberger in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig sollen schon bestehende Querterrassen-Weinberge näher unter die Lupe genommen werden, um deren Bedeutung für die biologische Vielfalt zu bewerten und um unterschiedliche Pflegevarianten einschließlich der Beweidung durch Schafe zu testen. Die Ergebnisse sollen in einen Praxisleitfaden münden, der Weinbau, Naturschutz und Politik das notwendige Wissen zur Verfügung stellt, um den Steillagenweinbau als landschaftsprägendes Element dauerhaft zu erhalten

Verkostungstagebuch

Steinmacher & Sohn,

Kiedrich Riesling Sekt brut …genau das richtige, um anlässlich des Kiedricher Weinsteigs (dritter Sonntag im März) das Erklimmen des Scharfensteins zu feiern… leider verdarb der Wintereinbruch diesmal die frohen Erwartungen der Kiedricher Winzer. Wer trotzdem kam und ordentlich gekleidet wara, wurde nicht enttäuscht… neben den anderen Weinwanderungen wie bsp. „Natur pur“, Bubenhäuser Weinrunde, Eibinger Weinwanderung u.a. ein guter Start in die Saison…

Trip to Auli

Über Aulhausen, das Rheingauer Weindorf ohne eigene Weinberge, habe ich mich schon bei anderer Gelegenheit auf diesem Blog ausführlich ausgelassen. „Auli“ ist aber immer einen Trip wert, auch im März. Dann stellt z.B. Friesenhahn schon den aktuellen Jahrgang vor, bei Strieth sind die ersten 2017er gefüllt, und bei Klaus Schön isses ohnehin immer schön…

Weingut Michael Schön: 2011/ 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken. Ja, solche dicken Späbus mit 14% Alki sind nicht jedermanns Sache, doch ein Geschmackserlebnis sind sie mit ihrer Wucht, ihrem Tiefgang, ihrer Frucht und ihrer Substanz allemal…

Friesenhahn: der 2016er Rüdesheimer Riesling A hat mich diesmal an erster Stelle überzeugt. Nur 1,3 g Zucker, somit knochentrocken, aber denn mit viel Mineralität und Finesse, klasse. Der 2016 Katerloch Riesling Spätlese Alte Reben ist deutlich gefälliger. Weichgespült wäre aber bei einem solchen Wein das ganz falsche Wort. Finesse und Eleganz, gepaart mit Frucht und Saftigkeit, gut. Weiter probiert: 2016 FrieSteil (Freestyle!) feinherb, ein Wein zu Wegsaufen gut. 2016 Leingiebel Spätlese deutlich süßer, feiner Essensbegleiter. 2017 Rüdesheimer Weißherbst trocken und feinherb (letzter viel zu süß für mich), 2017 Grauburgunder trocken – gut, aber den Hype um die Rebsorte kann ich einfach nicht nachvollziehen… da greife ich lieber zum Chardonnay. Oder bei Friesenhahn zum dichten, starken 2015 Spätburgunder trocken!

Strieth

Hier stehen alle Zeichen auf einer bärenstarken 2017er Kollektion! Zum Beispiel der 2017er „Jungspund“ Riesling feinherb, der eine Allzweckwaffe ist und über den Sommer hinweg ein perfekter Trinkwein ist. Wir waren mal ab, ob irgendwann ein „Alter Sack“ den Weg ins Sortiment findet. Ganz stark der „Frenz“ aus dem Berg Kaisersteinfels. Derzeit noch mit viel Primäraromen, aber die Klasse deutet sich schon auf dem Gaumen und im Abgang an. Mein Liebling aber ist der spontanvergorene 2016 Schlossberg „Alte Reben“ Riesling, das ist großartig! Dass Strieth ein Händchen für Blanc de Noir hat, muss nicht eigens erwähnt werden. Das setzt sich auch mit dem 2017er nahtlos fort. Eine Bank für sich ist der 2015er Höllenberg Spätburgunder mit feinem Cassis, ein wenig Vanille, feine Frucht roter Beeren, Kraftvoll, aber nicht zu aufdringlich, sehr gut. Und dann hatten wir noch die Chance, ältere Pinots zu probieren… aber das ist eine andere Geschichte…

J.B. Becker, Walluf

2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben 2013 Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese Alte Reben

Schloss Reinhartshausen, Erbach

2016 Sauvignon blanc Inselwein trocken … ich war schon viel lange nicht mehr in der Schlupp in Walluf, Schande über mein Haupt. Gutes Essen, freundlicher Service, feines Ambiente, dazu feine Weine wie die von Becker in Walluf. Becker-Weine reifen einfach großartig, wie die beiden Walkenberg-Weine aus 2008 und 2013 zeigen, top. Und der Sauvignon blanc von der Rheininsel Mariannenaue hat zwar sehr viel Säure, aber insgesamt ganz ordentlich gelungen…

Sohns, Geisenheim

2015 Mäuerchen Spätburgunder M – eher auf der dichten, wuchtigen denn auf der komplexen Seite, aber durchaus fein und gut, braucht in jedem Fall noch 2-4 Jahre Zeit, um seinen Charakter zu entfalten

F. B. Schönleber, Winkel

2014/2016 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG 2015/ 2016 Winkel Jesuitengarten Riesling GG einfach schön, wenn man in einer Rheingauer Schänke vier GGs aus drei Jahren und zwei Lagen trinken kann. An unserem Tisch gingen die Meinungen auseinander, so dass ich mich mit dem 15er Jesuitengarten nicht mehrheitlich durchsetzen konnte… (ist aber trotzdem der aktuell Beste…!)

Weingut Abel, Oestrich

2015 Lenchen Riesling Erstes Gewächs – zeigt schon Reifenoten, aber von der angenehmen Sorte, stoffig, voll, dicht!

Finale Gourmet Festival

 Wie gewohnt ging das Festival mit einer Abschiedsparty im Kronenschlösschen zu Ende. Mit dabei ein Fülle guter Winzer mit ordentlichen Tropfen. Und diese sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Weingut Klumpp 2016 Weißburgunder und 2016 Grauburgunder Magnum – dicht, komplex, voll! Weingut Urban Kaufmann, 2014 Wisselbrunnen GG – Finesse, Eleganz Weingut Crass 2015 Siegelberg Riesling Alte Reben Magnum Wein- und Sektgut Barth 2011 Ultra Pinot brut Nature – großartig! Markgraf von Baden 2016 Durbacher Schlossberg Chardonnay trocken Weingut F.B. Schönleber 2016 Franz Bernhard Riesling und trocken UND Obsthof Schneider: 2014 Goldparmäne Alte Bäume und 2016 Ananasrenette – das ist ein Stöffchen zum Niederknien!

Salmanazar & Balthasar

Salmanazar und Balthazar hießen heute kaum mehr bekannte Assyrekönige. Für Champagner- und Weinfreunde sind das allerdings bis heute klingende Namen, denn sie stehen für Großflaschen, in denen schon allein wegen der beachtlichen Glaskosten nur ausgewählte Weine abgefüllt werden. Zwei dieser mundgeblasenen Giganten sorgten für die Höhepunkte auf der Weinversteigerung der Prädikatsweingüter und der Hessischen Staatsweingüter.

Eine zwölf Liter fassende „Balthazar“ des Weinguts Allendorf mit einem „2016er Goethewein aus dem Brentanohaus“ war einem Weinfreund 2400 Euro wert. Und 1650 Euro ließ sich ein Bieter die Neun-Liter-Flasche (Salmanazar) aus dem Kiedricher Weingut Robert Weil kosten, die mit einem Ersten Gewächs des Jahrgangs 2004 gefüllt war – dem meiner Meinung nach aktuell besten trockenen Wein von Weil (siehe auch meinen Blog zu Vertikalproben bei Weil)

„Methusalem“ ist der schmächtigere Bruder von Salmanazar und Balthazar mit „nur“ sechs Liter Inhalt. Für eine kleine Familienfeier dürfte das aber immer noch genug sein. 1100 Euro wurden für ein „Berg Rottland Riesling Großes Gewächs“ des Jahrgangs 2016 aus dem Weingut Ress in dieser Großflasche gezahlt, und sogar 1350 Euro gab es für eine 2016er Auslese von Schloss Johannisberg.

Zu welchem Anlass diese imposanten Großflaschen geöffnet werden und wer sie ersteigerte, das blieb den 480 Gästen der Auktion im Kloster Eberbach verborgen, denn Gebote durften im Auftrag ihrer Kunden nur die zehn zugelassenen Kommissionäre abgeben. Daher liegt auch der Mantel der Diskretion über jenen beiden finanzkräftigen Weinfreunden, die 4000 Euro für eine Einzelflasche Berg Rottland Riesling Trockenbeerenauslese und sogar 4150 Euro für einen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur zahlten, beide aus dem besonders raren Jahrgang 1938 und beide aus der Schatzkammer der Hessischen Staatsweingüter.

Das waren die Höhepunkte einer Auktion, die zugleich einen Neustart für diese Weinveranstaltung im Rheingau markieren sollte. Denn wegen geänderter Vertriebswege und Marktbedingungen war deren Bedeutung in den zurückliegenden Jahren stark gesunken.

Trotz der langen Tradition. Mit einer herrschaftlichen Weinversteigerung war schon im Jahr 1806 in der alten Zisterzienserabtei begonnen worden, auch wenn es damals noch um ganze Fässer und nicht um Flaschen ging. 1897 hatte sich die „Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer“ gegründet, die Vorläuferin des heutigen Verbands der Prädikatsweingüter. Die Versteigerungen sind somit ein bedeutender Teil der Rheingauer Weinkultur.

Ökonomisch betrachtet, wäre der Aufwand heute verzichtbar. Mit einer Frühjahrs- und einer Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter, einer VDP-Versteigerung im September und einer Raritätenauktion in Zusammenarbeit mit einem Londoner Auktionshaus hatte es vor 20 Jahren im Rheingau sogar noch vier Auktionen gegeben. Nun konzentriert sich alles auf eine einzige im März, nachdem der VDP im vergangenen Jahr seine Herbstauktion abgesagt hatte.

Das Rheingau Gourmet- und Wein-Festival scheint zudem das richtige Umfeld für die Revitalisierung. Neu waren in diesem Jahr die sieben „VDP. Auktion Réserve-Weine“, die exklusiv nur für die Versteigerung gefüllt wurden. Bei ihrer Vorstellung im vergangenen Jahr sprach Wilhelm Weil von „preiswürdigen und erschwinglichen“ Weinen von geprüfter Qualität und „mit hohem Trinkfluss“. Dieses Experiment scheint gelungen. Die erzielten Preisen für die jeweils 300 Flaschen umfassenden Riesling-Partien waren durchaus ordentlich.

Weils eigener Réserve-Wein wurde für zwölf Euro aufgerufen und für 27,50 Euro zugeschlagen. Ein Réserve-Sekt des Weinguts Barth wurde von 16 auf 42 Euro je Flasche gesteigert. Erstmals wurde eine VDP-Weinauktion live im Internet übertragen. Bis zu 100 Zuschauer sahen sich zumindest phasenweise die Auktion an. Ein Dutzend potentieller Käufer hatte sich vorab registrieren lassen, um online mitzusteigern. Und das nach Angaben von Dirk Würtz, der das Projekt betreut hatte, mit Erfolg. Die Online-Gebote hätten sich auf einen fünfstelligen Betrag summiert. Vor allem ein norwegischer Weinfreund habe ordentlich eingekauft.Würtz spricht von einem „guten Impuls“ für die Traditionsveranstaltung. Das sei ein erfolgreicher Auftakt gewesen, die Mühe habe sich gelohnt. „Ich bin extrem zufrieden“, sagt Würtz, und der Erfolg sei greifbar: „Die Weinversteigerung lebt wieder“.

Ähnlich positiv äußerte sich der Geschäftsführer der Staatsweingüter, Dieter Greiner: „das hat Spaß gemacht.“ Viele der Versteigerungslose seien überzeichnet gewesen, so dass die Winzer zusätzliche Flaschen bereitstellen mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Tatsächlich waren laut Katalog gut 4400 Flaschen im Angebot, versteigert wurden aber im Lauf von insgesamt vier Stunden nach der Bilanz von VDP-Geschäftsführer Mathias Ganswohl mehr als 5700 Flaschen zum Nettopreis von zusammen 225 000 Euro.

Es scheint, dass die Winzer einen Weg gefunden haben, die Tradition zu wahren und sich der Online-Zukunft zu öffnen. (aus der FAZ)

Gourmet und Wein Festival im Rheingau

Auf zum Rheingau Gourmet und Wein Festival Die Rückkehr aus Südafrika im Februar wird meist dadurch erträglich, dass das Rheingau Gourmet und Wein Festival beginnt – Fastenzeit hin, Fastenzeit her.

Also erstmals was Perlendes ins Glas: „Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“

So beschrieb Lilly Bollinger anlässlich der Vorstellung des Jahrgangs 1955 die Faszination von Champagner. Das älteste Champagnerhaus ist Bollinger jedoch nicht. Diese Ehre fällt Gosset zu, das schon 1584 gegründet wurde und Hoflieferant der französischen Könige war. Rund 1,2 Millionen Flaschen verlassen heute das Stammhaus in Epernay, und einige der besten wurden am Eröffnungswochenende des 22. Rheingau Gourmet und Wein Festivals geöffnet.

Beispielsweise die „Celebris Vintage 2004 extra brut“ und die „15 ans de cave a minima brut“ aus Grundweinen, die sämtlich vor 1999 geerntet wurden und ein besonders langes Hefelager in den kühlen Gewölbekellern hinter sich haben. Proben wie die mit dem Champagnerhaus Gosset sind neben den Galadiners und Themen-Lunches die Kernelemente des Festivals, das seit 1996 in jedem Jahr herausragende Köche und Winzer in den Rheingau bittet.

Mehr als 200 Winzer sind es in diesem Jahr, begleitet von einer starken Riege nationaler und internationaler Sterneköche. 18 Tage lang tischen sie 6500 Wein- und Feinschmeckern aus aller Welt ihre Kreationen auf. Das kommt an, wie die gute Buchungslage mit mehr als 90 Prozent verkaufter Tickets zeigt.

Und das Festival bringt Tausende zahlungskräftige Gäste zu einem Zeitpunkt in die Weinregion, in der üblicherweise der Besucherstrom noch einem Rinnsal gleicht. Eröffnet wurde das Festival wie gewohnt mit einer großen Eröffnungsparty im Kloster Eberbach, bei der 500 Gäste zu Live-Musik von Winzer zu Winzer und von Koch zu Koch flanierten.

Umlagert waren vor allem die Kochplätze der ausländischen Stars wie die des in London lebenden Inders Vineet Bhatia, des Südafrikaners Reuben Riffel und des Sansibar-Kochs Anuraag Ramkalawon, die mit Leckereien wie Hühnchen in Curry und Rind mit Limonen-Relish bei vielen Gästen den Appetit auf ihre abendlichen Dinner und Mittagessen weckten.

Meine Lieblingsweine dazu: 2016 Turmberg von Weil, 2016 Oestricher Klosterberg von PJ Kühn, 2016 Alten Reben von Mohr in Lorch und der 2016 Hallgartener Ortswein von Prinz. Sansibar, die halbautonome Inselgruppe vor den Küsten von Tansania in Ostafrika, ist die Heimat von Ramkalawon, der erstmals im Rheingau zu Gast war und deshalb auch gleich eine der beliebten Kochdemonstrationen gab. Ramkalawon bereitete dabei das zu, was nicht nur in den Nobelhotels der Insel gekocht wird, sondern auch in den Hütten der rund 1,2 Millionen Einwohner: eine einfache, aber sehr aromatische Küche.

Dazu zählt das Pilaw, ein traditionsreiches Reisgericht mit Huhn, das laut Ramkalawon auf Sansibar seit Jahrhunderten gekocht und immer wieder verfeinert wird. Aber auch einen Reispfannkuchen mit Kokosmilch. Die Zutaten wachsen vor der Haustür, denn Sansibar ist als Gewürzinsel bekannt, auf der Vanille, Pfeffer, Kardamom, Nelken und Muskatnüsse und viele andere Gewürze wachsen. Sein Koffer sei nicht groß genug gewesen, eine Probe aller Gewürze mitzubringen, entschuldigte sich Ramkalawon. Dass es nicht immer nur einfach und traditionell geht, sondern auch fein und anspruchsvoll, das zeigte er bei einem LLunch mit einer Königskrabbe mit roten Bohnen und Kokosnuss-Sauce und einem Loup de Mer mit süßer Chili-Sauce. Perfekt dazu die GGs von Gunderloch (2016 Rothenberg), Dönnhoff (2016 Felsenberg) und Vollrads (2013 Schlossberg) Das Festival lüftet aber nicht nur die aromatischen Küchengeheimnisse exotischer Länder, sondern beantwortet auch andere Fragen wie die nach der Zahl der perlenden Bläschen in einer einzigen Flasche Gosset-Champagner. „Damit beschäftigen sich in der Champagne sogar Wissenschaftler“, wusste die deutsche Champagner-Botschafterin Yvonne Heistermann – und sie hatte eine Zahl parat, die in der Verkostungsrunde ungläubiges Staunen provozierte: bis zu 20 Millionen. Bei der traditioneller VDP-Präsentation im Kloster war diesmal Portugal zu Gast. Natürlich mit vielen feinen Rotweinen, aber ich habe mir diesmal vor allem die Weißen vorgenommen (nicht Vinho Verde!). Feine Cuvées… teils mit überraschend präsenter Säure

Bei den VDP-Winzern ergibt sich an diesem Tag stets die gute Gelegenheit, die trockenen GGs wieder einmal einer kleinen Nachprüfung zu unterziehen. An diesem Nachmittag besonders lecker: Weil 2015 und 2016 Gräfenberg, Allendorf 2016 Jesuitengarten, Barth 2015 Hassel, Johannishof 2016 Rottland, Toni Jost 2015 Walkenberg, Kanitz 2016 Kapellenberg, Kaufmann 2016 Wisselbrunnen und Kühn 2015 Doosberg sowie Prinz´ 2016 Jungfer GG.

Großer Sekt aus Großer Lage

Mark Barth und ich mögen es trocken. Staubtrocken. Ehrlich. Authentisch. Gerade heraus. Eben „extra brut“ oder vielleicht sogar „brut nature“. Das schmeckt dann weder dünn noch säuerlich, wie mancher unken mag, sondern nach glasklarer Frucht, nach Rasse und Finesse. Und immer mehr Kunden ziehen mit. Der Riesling-Sekt „extra brut“ ist der Verkaufsschlager im Sortiment. Richtig trocken liegt also wieder im Trend, Rosé im Sommer sowieso, und die Bedeutung der Jahrgangsangabe auf dem Etikett nimmt zu. Das allerdings hat seinen Preis.

Bei Barth beginnt das mit 14 Euro je Flasche. Und nicht weniger als 65 Euro kostet der Premium-Sekt aus dem Spitzenweinberg Hattenheimer Hassel. Dort erzeugt das VDP-Gut seine Großes Gewächs-Weine. Mit dem Unterschied, dass der in dieser Lage gewonnene Sekt nach Ernte im Keller noch fünf Jahre mit der Hefe in der Flasche reift. „Für diesen Aufwand ist der Sekt günstig“, sagt Barth und hat völlig recht. Barth gehört zu der Handvoll Rheingauer Weingüter, die ihre Sekte von kleineren oder größeren Kellereien herstellen lassen, sondern die gesamte Produktionskette in der eigenen Hand behalten.

Fast 30 Jahre ist es her, dass Barths Schwiegervater Norbert der Sekterzeugung besondere Aufmerksamkeit schenkte und die Marktchancen hochwertiger Winzersekte erkannte. Mit seinem „Ultra“-Sekt aus weiß gekeltertem Spätburgunder stieß Barth schon in einer Zeit in ein Preissegment vor, in das sich die wenigsten seiner Kollegen getraut hätten. Seither ist die Sektproduktion sukzessive immer wichtiger geworden, wichtiger als in fast allen anderen Rheingauer Weingütern. Rund ein Drittel der Traubenernte auf einer Rebfläche von immerhin 20 Hektar wird heute zu Sekt verarbeitet. Während das Gesetz eine Reifezeit von neun Monaten vorschreibt, lässt Barth seinen Sekten mindestens zwei Jahre Zeit. Manche wie der überaus seltene, ebenfalls staubtrockene Rotsekt aus Spätburgundertrauben, dürfen fünf Jahre reifen, ehe sie in den Verkauf kommen.

„Wer Sekt machen will, braucht viel Geduld und viel Platz“, sagt Barth zwischen den langen Reihen der Rüttelpulte. Vor drei Jahren hat die Familie Geld in die Hand genommen, um den Keller zu erweitern und einen dem eigenen Anspruch entsprechenden, standesgemäßen Verkostungs- und Verkaufsraum zu bauen. Für ein Wein- und Sektgut mit einem hohen Anteil an Privatkunden ist ein repräsentativer Auftritt von besonderer Bedeutung. Rund die Hälfte des Weins geht direkt ab Hof an die Kundschaft, beim Sekt steigt dieser Anteil sogar auf 70 Prozent. Und Sekt ist nach wie vor ein Saisongeschäft.

Barth schätzt, dass etwa ein Drittel des Absatzes auf die letzten sechs Wochen des Jahres entfällt. Ein feiner Sekt ist für Barth „belebend und erfrischend“ und damit das Gegenteil von einem ermüdenden Getränk. Zwar dürfe Sekt auch komplex und fordernd sein, aber stets müsse die Freude am Genuss überwiegen. Das beginnt für Barth bei der Güte des Grundweins. Er ist für ihn „der Rohdiamant, der durch den Schliff seine finale Form erhält“. Sektspezialisten wie Barth wählen deshalb die Weinberge für die Sektproduktion gezielt aus, steuern die Erträge am Rebstock und wählen vor allem einen vergleichsweise frühen Zeitpunkt für die Ernte, weil nicht das Mostgewicht entscheidend ist, sondern die Gesundheit der Trauben und ihr Säuregehalt. Sekterzeugung beginnt im Kopf und wird im Weinberg lange vor der Lese vorbereitet.

Das kann dazu führen, dass schwierige und fäulnisreiche Jahre wie 2016 und 2017 für die Sektproduktion nur bedingt in Frage kommen. Seit vier Jahren ist das Weingut als ökologisch wirtschaftender Erzeuger zertifiziert. Die Kunden allerdings interessiert vor allem die Güte des Flascheninhalts. Dass es für den Preis seiner Spitzensekte auch schon Champagner zu kaufen gibt, stört Barth nicht. Er sieht die Schaumweine aus Frankreich nicht als direkte Konkurrenz, sondern als „andere Kategorie“. Sie sind für ihn daher auch kein Leitbild. „Wie wollen das Beste aus dem rausholen, was wir haben“, sagt Barth, und das sind im Rheingau nun einmal viel Riesling, ein wenig Spätburgunder und etwas Weißburgunder. Die Konzentration auf die Traditionsrebsorten des Rheingaus kommt gut an und ist authentisch. In den aktuellen Weinführern ist Barth durchweg gut bewertet, und die Sekte tragen zum besonderen Profil bei. Mancher ausgewiesene Sektfreund ist beim ersten Besuch des Gutes in Hattenheim sogar erstaunt: „Oh, Sie haben ja auch Wein“

Gerade erst hat FAZ-Kolumnist Stuart Pigott den 2013er Schützenhaus Sekt brut nature zum „Schaumwein des Jahres“ gekürt. Barth könnte also rundum zufrieden sein. Nur dass Sekt immer noch häufig auf die Rolle eines Aperitifs reduziert wird, das kann er nicht verstehen. Barth ist überzeugt dass seine Sekte ein komplettes Menü adäquat begleiten können. Ich auch.

Verkostung

Riesling Sekt brut & extra brut – die doppelte Basis und zweifache Visitenkarte des Sektguts. Feinperlig, gute Frucht, erfrischende Säure, im direkten Vergleich wirkt der extra brut präziser, mehr auf dem Punkt. Pinot Blanc brut – viel Schmelz, bringt die Finesse und Aromatik des Weißburgunders sehr gut zum Ausdruck, elegant, guter Essensbegleiter Pinot Rose brut – perfektes Lachsrosa, typische rote Früchte prägen das Aroma, langer Nachhall, der Sommersekt, aber nicht nur….! Pinot Noir Rotsekt – eine Rarität für Kenner, ich liebe diese Sekte, wenn sie richtig „brut“ sind, leicht rauchige Note, sehr komplex, großartig 2011 Ultra Pinot brut nature – seit vielen Jahren eines der Flaggschiffe deutschen Winzersektes. Immer noch ein Erlebnis am Gaumen. 2013 Schützenhaus Riesling brut nature – ich kann die Schwärmerei von Stuart Pigott gut verstehen. Könnte auch mein Schaumwein des Jahres sein dank seiner Finesse und Komplexität, aber auch wegen seiner feinfruchtigen Frische und vor allem seines trinkanimierenden Charakters! Nächste Flasche! 2011 Hassel Riesling brut – Großes Sekt-Kino aus VDP-Großer Lage. Nach fünf Jahren auf der Hefe komplex und tiefgründig, verbindet Eleganz mit Kraft und Finesse. Groß.

Zurück in Südafrika

Back in paradies – Südafrika 2018

Wer den Überblick über die Zahl seiner Südafrika-Reisen verloren hat und (fast) das ganze Land einschließlich der großen Städte, der Natur- und Tierparks schon erkundet hat, der konzentriert sich mit Freuden auf das Wesentliche: Franschhoek und Hermanus, Paradiese für Weinfreaks und Genießer.

Stellenbosch/ Franschhoek

Daher ging es auch diesmal wieder in Franschhoek los. Der kleine, im 17. Jahrhundert von aus Europa geflüchteten Hugenotten gegründete Ort ist die eigentliche Wein- und Gourmet“hauptstadt“ am Kap. Eine Fülle großartiger Weingüter (meine Lieblinge: La Motte, Moreson, Mullineux & Leeu, Grande Provence, Boschendal sowie Colmant für ausgezeichnete Sekte) und stylisher Top- Restaurants, wobei sich die Szene stetig wandelt. Fest etabliert hat sich inzwischen Foliage an der Main Street unweit des Hugenotten-Denkmals mit einer fordernden und zugleich begeisternden Aromaküche (auch dank des schon früh am Morgen rauchenden Smokers vor dem Haus), großartige Variationen von Forelle und Rind, dazu passte sehr gut der 2015 Chenin Organic von Reyneke). Stellenbosch ist keine 30 Autominuten entfernt, eine quirlige, lärmende, laute, zunehmend verkehrsgeplagte Uni-Stadt mit einem überschaubar-kleinen Zentrum. Wer das liebt, luncht im Wijnhuis mit seiner großartigen Weinauswahl. Wer nicht, der fährt ins Grüne, bsp. zu Simonsig. Schöne Terrasse, guter Service, nur die Bestuhlung des Gutsrestaurants ist ein Graus. Der 2017er Chardonnay und ein 2016 Chenin en Chevre harmonieren hervorragend mit Kudu-Carpaccio und Filetsteak. Noch besser allerdings gefällt es uns bei Dornier, zumal die Weine immer besser werden. Diese Terrasse ist ein Paradies, und der neue 2017 Chenin blanc Moordenaarskloof hat uns sogar noch besser gefallen als der 2017 Bush Vine Chenin!

Doch zurück nach Franschhoek.

„Reubens“ residiert jetzt an neuer Stelle in einem umgebauten, historischen Lagerhaus und ist ein Muss mit seiner feinen Küche. Meinen Springbok begleitete der 2017 Chenin blanc von Holden Manz perfekt. Für einen Sekt-Frühschoppen empfiehlt sich Haut Cabriere (Pierre Jourdan Belle Rose brut und Weiß brut) schon wegen der phänomenalen Aussicht ins Franschhoek-Tal, allerdings sind die Sekte von Colmant (Brut Reserve) eine Klasse besser und deutlich ausdrucksstärker. Mein Lieblingsplatz ist allerdings der Innenhof von La Motte (2017 Sauvignon blanc und 2016 Chardonnay), wo der Wein noch besser schmeckt, wenn man zuvor die schweißtreibende 6 km-Tour auf dem hauseigenen Wanderweg bewältigt hat!). Wer sich mit solider Küchenleistung begnügen will, ist im French Connection genau richtig. Doch der noch immer günstige Rand-Kurs erlaubt auch zwei außergewöhnliche Gourmet-Erlebnisse: Grand Provence ist ein wunderschön gelegenes Weingut und den besten Wein zu abendlichen 4-Gang-Menü wählt man am besten zuvor bei einer Probe in der stilvollen Vinothek aus: (2017 Sauvignon blanc, 2017 Chenin blanc, 2017 Chardonnay sowie 2015 Viognier-Chenin, 2016 Amphora) Ein kleiner Ausflug führt zu Babylonstoren, dem „Mechthildshausen“ von Südafrika, mit ausgedehnten Gärten, die erkundet werden sollen. Eine weitläufige, top-gepflegte Öko-Farm mit schönem Hofladen und absolut sehenswert. Die Weine allerdings – nun ja – haben noch gaaaaaanz viel Luft nach oben. Die Rotweine sind sämtlich zu süß geraten und ohne Charakter, selbst der Top-Wein 2015 „Nebukandnesar“. Ganz gut ist der knochentrockene Sekt „Sparkel“, allerdings wird er zu einem lächerlich-futuristischen Preis von umgerechnet 40 Euro je Flasche angeboten. Das ist nicht einmal witzig. Ja, man kann im hofeigenen Restaurant Babel gut essen und vielleicht den Chardonnay trinken (auch der zu teuer!), fahre aber besser zum „Nachbarn“ Glen Carlou und genieße zu einem feinen Fisch den drei dort angebotenen Chardonnay im Vergleich… alle gut, vor allem der neue 2015 Curators Collection. Noch stärker aber ist der 2016 Quartz Stone Chardonnay, einer meiner Favoriten. Seit diesem Jahr steht für mich fest, dass man den Abend in Franschhoek, am besten bei Le Coin francais ausklingen lässt, dem neuen Restaurant von Adi Badenhorst, dem früheren Chefkoch von Grande Provence. Das ist Küche auf Sterneniveau ohne zu viel Chichi…. klasse!

Hermanus

Es gibt einen neuen Stern in der Restaurantszene an der Walker Bay: das Heritage Cottage ist ein wirklich gemütliches Restaurant am Marine Drive, guter Service, kleine, aber feine Karte und gute Weinauswahl der Region. Hier den 2012 Maritimus von Sumaridge trinken zu können gab letztlich den Ausschlag, das Weingut mal wieder zu besuchen und dort einen phänomenalen kleinen Lunch auf dem Balkon mit Blick ins Tal und einer begleitenden Weinprobe (Top der 2014 Chardonnay, schwach der Sekt) zu genießen. Das ist nur schwer zu toppen, geht aber am Ende einer Route durch das Hemel-en-Aarde-Valley, meiner Lieblingsweinroute in Südafrika, wo ein Top-Weingut neben dem anderen liegt, von Hamilton Russel über Bouchard-Finlayson bis zu Ataraxia. Fast am Ende lockt Creation, und der Sieben-Gang-Tapas-Lunch mit begleitenden Weinen ist vielleicht das Beste, was sich im Tal anstellen lässt…. (das stimmt natürlich nur für Weinfreaks, denn das Beste an Hermanus ist der 11 km lange, naturnahe Uferpfad zwischen Grotto Beach und dem neuen Hafen…. Neben dem Heritage Cottage gibt es mit der Char´d Grill und Wine Bar im Zentrum noch ein besuchenswertes neues Lokal, hier sind Steaks Trumpf. Erstmals hatten wir genügend Zeit, mal wieder einen Abstecher nach Stanford und Gansbaai zu machen, beides nicht unbedingt sehenswert. Die idyllisch gelegene Springfontein Wine Estate außerhalb von Stanford mit Gastgeberin Susanne Schneider sollte sich allerdings niemand entgehen lassen. Location sehenswert, Essen superb, Weine sehr gut und endlich mal etwas gereift. Das beste Dinner freilich gibt es nach wie vor im Harbour Rock Restaurant, hier ist der Kingclip eine Offenbarung und die Weinauswahl aus dem Tal sehr gut.

Swartland

Das Markenzeichen des Swartland eine Autostunde nördlich von Kapstadt sind die Bush-Weine… einfach großartig, welche finessenreichen, komplexen und eleganten Weine mit moderatem Alkoholgehalt die besten Winzer hier der Natur unter klimatisch schwierigen Bedingungen ohne Bewässerung abringen… Hut ab, Korkenzieher raus! Hier ist alles ein wenig einfacher, trockener, heißer, gemächlicher, beschaulicher, ursprünglicher, authentischer und touristenärmer… lohnt sich also in jedem Fall, und Riebeek-Kasteel ist genau der richtige Ausgangspunkt! Wir haben uns viel Zeit genommen, einen Eindruck zu verschaffen und zu ergründen, warum der Ruf der Weine so herausragend ist. Dazu schaut man sich am besten erstmals die Niederungen, die Basis an: Riebeek Cellars beispielsweise, eine Art Genossenschaftskellerei mit großer Auswahl (Preise ab 2,50 Euro je Flasche, in der Spitze aber immerhin 10 Euro). Unter den Spitzenweinen der Kasteelberg-Range fällt der 2015 Chardonnay als vorzeigbar auf, während der 2015 Pinotage eher süß und plump wirkt. Noch nüchterner fällt die Bilanz bei der Swartland Winery nahe Malmesbury aus. Auch der Spitzen-Weißwein, ein 2015 Chenin Blanc aus der Bush Vine-Range (immerhin 4,50 Euro!) ist eher zu vernachlässigen. Betrachten wir also den Mittelbau: Klovenburg beispielsweise, ein 84 Hektar-Wein- und Oliven-Gut in Riebeek, dessen Sauvignon blanc durch seine klare, schöne Frucht gut gefällt. Der Chardonnay aus dem Holzfass ist ebenfalls ordentlich gelungen, wenn auch kein Straßenfeger. Sehr schön hingegen der „Eight Feet White“, eine Chenin-getragene Cuvée mit Schmelz und Charakter, die ich später auch nochmal in einem Restaurant bestellt habe. Oder auch Pulpit Rock Wines – ein 500 Hektar-Weingut… seit 2003 von Familie Brink gewissermaßen aus dem Swartland-Boden gestampft… klar, dass nur der kleinste Teil selbst in Flaschen gefüllt wird, die Reserve-Weine (2015 Chardonnay und 2017 Sauvignon blanc) können sich aber schmecken lassen… und auch hier etwas Bemerkenswertes: der 2013er Louisa-Blend aus Pinotage, Shiraz und Cabernet Sauvignon hat den auf die Flasche aufgeklebten Medaillenregen tatsächlich verdient… fein, rund, komplex, strukturiert, top! Bleiben die Top-Betriebe, die wie überall mit Qualität und Anspruch (und Preisen!) vorangehen und dem Rest den Weg bereiten: Wir haben viel Badenhorst und auch Sadie Familiy Wines getrunken und uns Allesverloren, Mullineux und David und Nadia näher angesehen und ausgiebig verkostet. Dabei hat uns vor allem die Finesse und Komplexität der Weine überzeugt, und das alles bei moderatem Alkoholgehalt! Bei Allesverloren stachen für mich 2016 Shiraz (!!!), 2015 Tinta Barocca und 2016 Touriga Nacional heraus, aber auch der 2015 Cabernet Sauvignon und der 2017 Chenin blanc (einziger Weißwein des Guts) waren überzeugend. Ein Erlebnis der Besuch auf der Roundstone Farm von Mullineux und Dank an Nicola Tipping für die Probe. Schon die Kloof-Street-Range (2017 Chenin und Rouge) ist absolut überzeugend geraten und wäre in Südafrika wohl mein Brot- und Butter-Wein. Einer der besten Shiraz dieser Reise war der 2015 Syrah, nur getoppt von seinem wirklichen großen Bruder, dem 2015 Schist Syrah, dem wohl besten aller verkosteten Rotweine. Da konnte sogar der Zwilling 2015 Syrah Iron nicht ganz mithalten. Leider waren die beiden Chenins Granite und Quartz nicht auf Roundstone zu verkosten, das heben wir uns für 2019 auf! Nicht minder spannend als bei Mullineux war die Probe bei David und Nadia in Malmesbury: 2016 Chenin blanc, 2016 Aristargos, 2016 Grenache und der absolut ungewöhnlich, außergewöhnliche Pinotage, der eine völlig neue Interpretation dieser Rebsorte darstellt. Das ist in diesem ungemein sympathischen, authentischen Weingut so ganz anders als bsp. Kanonkop und dennoch so außergewöhnlich gut, dass diesem erst wenige Jahre alten Weingut noch eine große Zukunft bevorsteht. Die Erfolgsgeschichte des Swartland als Weinregion scheint noch lange nicht zu Ende geschrieben, und es gibt immer neue Entwicklungen wie bsp. das Weingut Meerhof, das erst im November aus Antebellum und Redelinghuys Familiy Vineyards hervorgegangen ist. Noch ist die Weinauswahl klein und die Qualität ausbaufähig, aber das Potential an diesem Berg ist gewaltig. Das werden wir uns dann in einigen Jahren noch einmal ansehen… zumindest ist diese Absicht mit dem diesjährigen Abschiedstrunk (Asara 2017 Chenin blanc Vineyard Selection) bekräftigt worden.