Rheingauer Schlemmerwoche

Das Jahr 817 hat für den Rheingau eine besondere Bedeutung: Damals tauschte Kaiser Ludwig der Fromme die Weinberge am Elsterbach in Johannisberg mit dem Abt von Fulda. „817“ heißt deshalb das Brot zum Wein, das sechs Rheingauer Bäcker anlässlich der 33. Rheingauer Schlemmerwoche kreiert haben. Ein Backwerk aus Dinkel, dem Lieblingsgetreide der Hildegard von Bingen, und aus Roggen, verfeinert mit Weinbergskräutern. Recht lecker, vor allem von Stalter und Dries. Dennoch, wir gehen wegen des Weins in die Güter, und das sind einige unserer Geschmackserlebnisse.

Robert Weil: Jaaaaa! Weil hat erstmals „richtig“ geöffnet und bietet Ausschank mit kleinen Catering-Speisen. Currywurst zu. 2017er Turmberg und zum 2017er Gräfenberg GG, davor 2018 Gutswein und 2018 Kiedricher, da hat im traumhaften Ambiente was… bitte Fortsetzung auch im nächsten Jahr!

Koegler: Sonderkarte mit russischen Spezialitäten, dazu 2015 Riesling Erstes Gewächs und 2018 „Weiß aus Rot“, was heißt „Himmel auf Erden“ eigentlich auf russisch? Zum VIP-Rundgang gab es übrigens 2014 Rubeus Spätburgunder. Great! Der Weinhammer des Tages !

F.B. Schönleber: Insgesamt eine klasse 2018er Kollektion zur Schlemmerwoche, 2018 „Franz Bernhard“ VDP-Ortswein sehr gut, aber das 2018 „Beste Fass“ (Edelmann) ist nun einmal das BESTE Fass, genial gut. Zum Niederknien: 2012 Lenchen Riesling Sekt brut

Bibo-Runge: ein Stopp am Revoluzzer-Häuschen lohnt immer… beispielsweise zum 2018 Debütant und zum 2016 Revoluzzer. Die 2017er dazwischen tun sich dagegen etwas schwer…

Theo Kreis: Das sympathische Familienweingut in der ehemaligen WZG der „Engländer“ hat die vielleicht schönste Terrasse während der Schlemmerwoche. 2018 Kabinett trocken recht ordentlich, doch scheint mir beim bislang flüchtigen Probieren das Jahrgangspotential nicht ausgeschöpft….

Ferdinand Abel, Oestrich: Wie immer verlässlich, ordentlich, solide… aber das einst zu den führenden Erzeuger von Oestrich gezählte Familienweingut wurde in den zurückliegenden 10 Jahren durchaus auch links und rechts überholt, wenn es um Top-Qualitäten aus dem mittleren Rheingau geht… da geht doch mehr, oder ?!

Steinmacher, Kiedrich: die Sonnenterrasse ist das „Pfund“ beim „Wibbes“, das Essen sehr gut, die 2016 „Alte Reben“ sind mein Favorit, aber die ersten 2018er schmecken sehr vielversprechend…da muss nochmal nachprobiert werden…

Wegeler: Phänomenal was Familie Drieseberg in der Probierstube während der Schlemmerwoche zeigt: Beispielsweise eine Geheimrat J-Vertikale von 2011 bis 2016… das hat unsere Fünfer-Gruppe schwer beeindruckt… für mich waren 2013 und 2016 die Topps, aber das ist schon eine fast unfaire Bewertung für echte Spitzenweine!

Lamm-Jung: sehr erfreulich, wie sich das alles so entwickelt… noch keine 2018er, aber 2016 Premium und 2016 Steillage, yes!!!!!!!!!!!! Mehr davon, unbedingt!

Jakob Jung: Immer eine Bank, immer fein, immer gut! Hier bin ich nie nur einmal während der Schlemmerwoche… bsp. wegen des 2018 Erbacher Ortsweins…

Heinz Nikolai: gehört zu jeder Schlemmerwochen-Erbach-Runde dazu… 2018 Placidus u.a., wie gewohnt verlässlich hohe Qualität

Winzer von Erbach: zum Abschluss der ersten Erbach-Runde dann eine Buddel 2017 Riesling Alte Reben Erbacher Honigberg.. davon dürfte es in der Kollektion noch mehr Vergleichbares geben…

Peter Jakob Kühn: Auch das immer ein Muss zur Schlemmerwoche! 2018 Quarzit und 2018 Rheinschiefer überzeugen ebenso wie der 2018 Jacobus. 2017 Hendelberg ein wirklich sehr guter Vertreter des Jahrgangs, aber 2016 Doosberg und noch viel mehr 2016 St. Nikolaus strahlen am Weinhimmelfirmament. Groß!

Hans Bausch: Auch das erlebt man zur Schlemmerwoche. Auf eine Absacker zu Bausch, und dann Blasmusik vom Feinsten… Dazu gab es 2017 Schützenhaus Riesling Erstes Gewächs… Passt!

Offenstein–Erben: es gab ein „Bestes Fass“ zur VIP-Eröffnung der Schlemmerwoche, das war sehr ok…

H.J. Ernst: Wie immer ein Muss allein wegen Gosch und seinen Fischspezialitäten: In meinem Fall Shrimps mit Asia-Sauce und dazu den 2018 Blanc de Noir… lecker

Schreiber, Hochheim: Doll Ding, was die Familie als neue Vinothek da auf die Beine gestellt hat. Modern, viel Glas, schöner Blick auf die Weinberge, gut organisierte Straußwirtschaft mit Caterer. Im Glas 2018 Hochheimer Hölle trocken und 2018 Reichestal Alte Reben trocken. IM Großen und Ganzen ordentlich. Punkt.

Reuter & Sturm: Tolles Ambiente, freundlicher Service, großartige Sekte. 2016 Opus brut und 2016 Cuvée R+S umwerfend gut, aber auch der Rote Riesling ist wirklich nicht zu verachten… ein Muss zur Schlemmerwoche !

Trinks Trinks am Bischof-Blum-Platz Geisenheim ist ein Erlebnis der besonderen Art. Muss man gesehen haben. 2016 Mitanand Riesling 2017 Im Schorchen, dazu 2016 und 2017 „In allen Ehren“ sehr gut, mein Favorit 2016 In allen Ehren trocken Sohns war wie immer ein Muss in Geisenheim. Was von 2018 schon gefüllt ist, schmeckt sehr vielversprechend… da sind wir schon jetzt auf die Lagenweine gespannt.

Dillmann entwickelt sich qualitativ stetig nach oben, und dank der längeren Straußwirtschaftszeiten ist der Betrieb jetzt ein echter Weinschmecker-Kandidat. 2016 Kläuserweg Réserve ist ein echter Knaller, wenn auch ein polarisierender Wein. Wein des Tages war aber die „Wundertüte“, ein Gelber Muskateller aus dem Jahr 2018 mit Zug und Kraft.

Wurm ist immer der Auftakt unserer Lorch-Tour, aus dem Keller gab nen Knaller: 2015 Lorcher Schlossberg Riesling trocken Weiler: gewohnt gut, die trockene Spätlese „S“ liegt nicht ohne Grund schon in unserem Keller

Kanitz zeigte diesmal zur Schlemmerwoche noch keine 2018er, dafür spannende Jahrgangsvergleiche verschiedener Qualitätsstufen

Mohr gewohnt gut, die bislang gefüllten 2018er erfüllen durchweg meine stets hohen Erwartungen, und 2018 Alte Reben ist saftig-süffig-lecker

Ball des Weines

Der Ball des Weines im Kurhaus Wiesbaden ist das gesellschaftliche Ereignis des Jahres für alle Weingenießer in Rhein-Main – neben der Riesling Gala in Kloster Eberbach natürlich. „Hollywood Moments“ war das Ereignis diesmal überschrieben.

Der legendäre DeLorean DMC-12 stand im Foyer bereit, und die majestätischen Flügeltüren des silbernen Sportwagens waren einladend geöffnet. Doch nach dem magischen Fluxkompensator im Cockpit musste niemand suchen, um die Reise „Zurück in die Zukunft“ zu wagen. Denn der gesamte Friedrich-von-Thiersch-Saal wurde zur Zeitmaschine, die ihre 1700 Passagiere in die glorreiche Ära Hollywoods beförderte… zu einer Begegnung mit drei der Großen jener Zeit.

Mit Marilyn Monroe, die trotz eines atemberaubenden roten Glitzerkleids aber ein wenig blutleer wirkte. Mit einem stimmlich bestens aufgelegten Louis Armstrong, für den die Trompete im Arm aber offenkundig eher Requisite als Instrument war. Und mit den Blues Brothers, die so mitreißend von den Kanadiern Chris und Geoff Dahl verkörpert wurden, dass der Saal von Rhythmen mitgerissen wurde und dass Weinbauministerin Priska Hinz (Die Grünen) unter den ersten Gästen war, die es nicht mehr auf den Stühlen hielt.

Die Gäste taten ihr Möglichstes, sich durch die 13 deutschen Anbaugebiete zu kosten. Zuvor zeigte der Gastronomie-Betrieb Kuffler im Ballsaal, wie das Kunststück gelingen kann, 1700 Gäste mit einem feinen und auf den Punkt zubereiteten Menü zu bewirten. Angebratenes Tatar mit Wachtelspiegelei, Carpaccio vom Schwertfisch, Rinderfilet und gebratene Gamba, Lemon-Pie und Brownie-Würfel boten auch den Spitzenweinen deutscher Herkunft angemessen Paroli.

Beispielsweise einem Großen Gewächs der Mosel-Lage Trittenheimer Apotheke und einer 2011er Auslese der Hessischen Staatsweingüter. Mit einer 1969er Hochheimer Falkenberg Beerenauslese hatten die Staatsweingüter zudem die Weinrarität des Abends im Gepäck. Wohl dem Weingut, das eine so gut sortierte und bestückte Schatzkammer sein Eigen nennen kann. Nach dem Galadiner begann der vinologische „Walk of Fame“ unter dem Motto „Sehen und gesehen werden“ durch die Nebensäle des Kurhauses, die von der Edelschokolade bis zur Zigarre weitere Versuchungen bereithielten.

Mir war vor allem an Wein gelegen, beispielsweise dem 2016 Stein-Harfe Silvaner GG vom Bürgerspital Würzburg, dem 2017er Chardonnay Ihringer Fohrenberg von Stigler und dem 2012 Barth Sekt brut Nature aus der Magnum Flasche. Genial gut.

Großes statt Erstes Gewächs

Aus den Ersten Gewächs wird bald ein Großes Gewächse. Die Hürden sind genommen, das RGG-Logo steht. 20 Jahre nach dem ersten Jahrgang 1999 tauft der Rheingauer Weinbauverband seine trockenen Spitzenweine, die Ersten Gewächse, in Rheingau Große Gewächse (RGG) um. Unter dieser Bezeichnung werden die herausragenden Rieslinge und Spätburgunder des Jahrgangs 2018 am 1. September erstmals auf den Markt kommen. Dieser Schritt des Weinbauverbands und der etwa zwei Dutzend Winzer, die regelmäßig solche Weine erzeugen, ist eine Anerkennung der Marktmacht und -präsenz der bundesweit 200 Mitglieder des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP), die ihre Top-Weine schon seit vielen Jahren als „VDP.Großes Gewächs“ vermarkten.

Erste Gewächse gibt es nur im Rheingau seit 1999 auf Basis einer Gütekarte der besten Weinbergslagen. Jene Rheingauer Winzer, die zugleich Mitglied im VDP sind, hatten in den Anfangsjahren ebenfalls Erste Gewächse verkauft, waren später dann aber schon zu Großen Gewächsen der VDP-Kollegen gewechselt. Damit war die Marktbedeutung Erster Gewächse noch überschaubarer geworden. Oder ehrlich gesagt: nahe null.

Allein das Weingut Robert Weil erzeugt mit rund 30.000 Litern mehr GG als alle anderen Nicht-VDP-Winzer an Erstem Gewächs. Was ich schon vor sechs Jahren empfohlen hatte, wird endlich Realität: Nun ziehen die Rheingauer Winzer, die nicht VDP-Mitglieder sind, mit dem „Rheingau. Großes Gewächs (RGG)“ nach. Nicht nur bei der Bezeichnung, sondern auch bei einigen Kriterien. So werden endlich nur noch Weine als Große Gewächse zugelassen, die die gesetzlichen Anforderungen an trockene Tropfen erfüllen. Das bedeutet bis zu neun Gramm Restzucker je Liter nach der Vergärung und nicht bis zu 13 Gramm.

Bei anderen Bestimmungen weichen die Rheingauer weiterhin von den VDP-Kollegen ab, etwa wenn es um die Exklusivität bestimmter Weinlagen-Bezeichnungen nur für Große Gewächse geht. Die ausschließliche Nutzung einer Herkunftsbezeichnung nur für ein Großes Gewächs sei im Rheingau nicht durchsetzbar, sagt der kürzlich für weitere drei Jahre im Amt bestätigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt. Dennoch will der Weinbauverband die aktuelle Änderung der Weingesetzgebung nutzen, die Einzellagen als Ursprung guter Weine hervorzuheben.

Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität, lautet eine Maxime, die Seyffardt verwirklicht sehen möchte. Noch allerdings ist weinrechtlich einiges im Fluss. Seyffardt hofft, dass ein Vorschlag aus dem Rheingau Gehör findet, die Verwendung von Großlagen einzuschränken, um eine Verwechslungsgefahr mit den wertvollen Einzellagen zu bannen. Bislang gilt, dass sich ein Wein mit der Großlagen-Bezeichnung „Rauenthaler Steinmächer“ aus Weinen von bis zu 27 Einzellagen zusammensetzen darf, es muss aber kein Tropfen aus Rauenthal in der Cuvée sein, obwohl sie den Namen des Weindorfs trägt. Wahnsinn oder Verbrauchertäuschung? Beides! Geht es nach Seyffardt, darf der Wein künftig nur noch als „Rheingauer Steinmächer“, also ohne die Bezeichnung „Rauenthal“, verkauft werden. Das wäre immerhin ein Fortschritt. Ein kleiner für die Weintrinker, ein großer für die Winzer!

5x der neue Jahrgang

 Nach der Prowein und der Mainzer Weinbörse stellen die Winzer den neuen Jahrgang, das war mit dem üppigen und guten 2018er nicht anders. Die Jahrgangsverkostungen in den Gütern, die mich dazu einladen, sind eines der schönsten Rituale des Frühlings. Mancher verbindet die Verkostungen mit Rheingauer Schlemmerwoche, was zusätzliche Reize bietet.

Ich greife hier mal nicht repräsentativ heraus, was mich besonders begeistert hat, und gebe 5 Beispiele, die uneingeschränkte Kaufempfehlungen sind!

Dillmann, Geisenheim

Hier zeigt die Qualitätskurve eindeutig nach oben. Weißburgunder und Sauvignon blanc sind gute Visitenkarten des kleinen Familienbetriebs. Ganz besonders angetan hatte es mir der 2018 Gelbe Muskateller, eine Rarität im Rheingau, die als Speisenbegleiter multifunktional ist. Hut ab vor den Reserve-Weinen, vor allem dem 2016er Riesling natur

F.B. Schönleber, Winkel

Auch hier zeigt die Kurve nach oben. Der trockene 2018er „Franz Bernhard“ Ortswein ist hervorragend als Gutswein, aber das „Beste Fass“ aus der Lage Edelmann hat mich völlig überzeugt. Nicht minder gut: Alte Reben Riesling aus dem Klosterberg von Oestrich. Und die Großen Gewächse aus dem Jesuitengarten reifen sehr gut, 2016 ist gerade mein Favorit.

Jakob Jung, Erbach

Immer verlässlich, immer eine Bank, spielt immer vorne mit. Die ersten Basisweine lassen Großes für 2018 erahnen. Aktuell gefällt mir die Chardonnay-Weißburgunder-Cuvée schon sehr, sehr gut, ebenso der süffige Kabinett aus der Lage Michelmark

Peter Jakob Kühn

… der Winzerstar aus Oestrich. Aus 2018 gibt es schon Jakobus Riesling, die Ortsweine aus Oestrich und Hallgarten zu verkosten. Die Weine aus Erster Lage kommen erst im September, die GGs erst nächstes Jahr! Für Kühn war es ein phänomenal guter Jahrgang. Stoffige Weine mit Finesse, Komplexität und Tiefgang. Und Trinkfluss!

Johannishof, Johannisberg

Herausragend gut die Kollektion bei Eser. Großartig war, dass er bei verschiedenen Weine die Vertikale 2015, 2016, 2017, 2018 ermöglicht hat am Probentisch. Das zeigt, wie gut jetzt 2016 ist, wie viel 2018 erreichen kann und wie viel Schmelz jetzt die 2015er haben. Und dass 2017 gerade ein wenig eine Baisse durchlebt…. Gekauft habe ich 2017 Alte Reben aus dem Jesuitengarten! Hammerwein mit Zukunft. Und ich empfehle jedem den 2018er Ramstein!

PS. Allendorf in Winkel:

Was schon in der Flasche ist, das ist sehr verheißungsvoll! Beispielsweise der 2018er Winkeler Ortswein mit feiner Säure, gute Frucht, Finesse und Länge am Gaumen.

Assmannshausen

Kurzer Trip nach Assmannshausen Endlich, die legendäre „Krone“ ist nach dem jüngster Besitzerwechsel an einen arabischen Geschäftsmann wieder geöffnet. Ob das gegenwärtige kulinarische Konzept auf Dauer so funktionieren wird, ist noch völlig ungewiss. Auch bei der Schulung des Personals besteht noch Bedarf. Doch auf der Krone-Terrasse zu sitzen, den Blick auf den Rhein und das Schweizer Haus am Gegenhang zu genießen und eine Flasche 2014 Rüdesheimer Riesling von August Kesseler (war zwar nicht auf der Karte, aber fand sich irgendwo…) zu trinken, das ist großartig.

Weiter ins Weingut Krone, dessen völlig unverständliche Abtrennung vom Hotel dessen früherer Schwelmer Besitzer zu verantworten hat. Ein Glück hat jetzt hier das Weingut Wegeler das Sagen, und Peter Perabo und Michael Burgdorf wirken mit dass hier eine großartige Kollektion bereitsteht, vom 2015er Riesling Alte Reben (süffiger Trinkfluss) über den 2014er Weißburgunder (klasse!) und den etwas zu sehr weichgespülten 2015 Blanc de Noir bis zum markanten 2015 Krone Spätburgunder. Ein Rotwein-Juwel ist der 2012 Spätburgunder „Juwel“… derzeit mit Sicherheit einer der stärksten seiner Art im Rheingau. Hut ab. Eine geschmackliche Offenbarung war zudem der 2013er Rothenberg Riesling Sekt brut … ein großer Sekt aus VDP.Großer Lage.

Den Weißburgunder haben wir mitgenommen und nach der Seilbahnfahrt hoch zum Jagdschloss Niederwald im „Rittersaal“ des Osteinschen Parks bei prächtiger Sicht ins Mittelrheintal geleert. Zur Fuß zurück in den Ort und ab die „Alte Bauernschänke“. Essen, Service und Wein gut… im Weingut Konrad Berg tut sich was…. die 2015 Riesling Spätlese aus dem Lorcher Pfaffenwies war jedenfalls exzellent, und mit dem formidablen Rumpsteak harmonierte der 2015 Höllenberg Spätburgunder „S“ aus dem Barrique sehr gut. Ein Hoch aus Assmannshausen und seinen Höllenberg.

Pilgerfahrt nach Bordeaux

Kleine Pilgerfahrt nach Bordeaux Es sind schon viel zu lange her, dass ich als „Wein-Entertainer“ und Weinautor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes einmal die Weinküsten Europas entlangfuhr und dabei auch in Bordeaux einen Stopp einlegte, um die Kreuzfahrer zu einigen Weingütern zu begleiten. Jetzt war endlich mal Zeit und Muße für einen intensiven Kurztrip in die Weinhauptstadt der Welt. Die Stadt hat sich seither wirklich sehr verändert… und sehr zu Ihrem Vorteil.

Wer nach der Ankunft zum Dinner das „La Brasserie Bordelaise“ aufsucht, hat schon viel richtiggemacht. Das Essen ist phänomenal, ebenso die Weinauswahl. Es lohnt sich dabei durchaus, als Aperitif auch mal einen weißen 2017 Semilion-Sauvignon blanc wie von Chateau Thieuley zu trinken. Der guten Brasserien gibt es viele, und viele sind auch sehr empfehlenswert, so auch „La Petite Gironde“ am rechten Ufer, oder „La Plana“ am Siegesplatz.

Der Schatz Bordeauxs aber sind die vielen Weinbars, die alle abzuklappern jeden Besucher überfordert. Ein Muss aber ist die „Bar a Vin“ an der Straße des 30. Juli, NACHDEM man zuvor die Wendeltreppe des Weinhauses „L ´Intendant“ hochgestiegen ist, um die dort gemachten Erfahrungen zu verarbeiten…. Danach am besten zum „Millesime“ mit besonders feinen Tapas. Ebenfalls nicht zu verachten sind „Au 4 Coins du Vin“ und die „Max Bordeaux Wine Gallery.“ Besonders gut gefallen hat mir auch „Le Wine Bar“ (Fois Gras und Rosé) und noch drei Häuser weiter an der Rue Bahutiers das „Vins Urbains“ (Sardinen und Weißwein).

Das alles sind gute Vorbereitungen in Bordeaux auf DIE Pilgerstätte für den Weinenthusiasten, die Cité du Vin am Ufer der Gironde… Das ist eine schwer zu beschreibende Mischung zwischen imposanten Weinmuseum, Weinshop, Weinbar, Weinrestaurant, Aussichtsturm, Degustationshalle (8. Stock) und Andenkenladen. Go and see! – den passenden Imbiss am besten danach in der „Markthalle“ gegenüber. Und der richtige Platz zum den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen ist die „Rooftop Bar“ im Hotel Mama Shelter….

Hochheim-Trip

Ein Hoch auf Hochheim So ein Sonntagnachmittag in Hochheim kann höchst vergnüglich sein, vor allem wenn Himmel, pardon Peter Flick, geöffnet hat. Der Übergang ist vollzogen, in der Holger-Crafoord-Straße weht ein neuer Wind. Noch allerdings gibt es – wie jetzt beim Hoffest – auch phänomenale Himmel-Weine wie 2017 Weiß Erd und 2017 Hölle Riesling trocken… auch das 2017 Erste Gewächs ist sehr gut. Ich rate, sich nicht nur aus sentimentalen Gründen mit Himmel einzudecken, das sind Weine mit Potential und Zukunft.

Für den jungen Peter Flick beginnt nun die Herausforderung, wir sind hoch gespannt… 2017 „Verflickst“ Riesling trocken ist schon mal ein Anfang…. Über die Anfänge weit hinaus ist Fabian Schmidt im Weingut „Im Weinegg“ in der Kirchstraße. Die Jahrgangsverkostung, in die wir eher zufällig reingeschneit sind, war eine Offenbarung. Hier zeigt die Tendenz steil nach oben, 2017 hat uns außerordentlich gut gefallen, sogar der „Summer Jam“ und ein Secco Rosé.

Gekauft haben wird 2017 Domdechaney Spätlese trocken und den 2014 Riesling aus dem Barrique mit dem etwas befremdlichen Namen „Perle Blanche“. Aber auch die Alten Reben aus der Hölle überzeugten! Kompliment! Weiter zu Künstler mit Jahrgangsverkostung, dazu Knipser (2014 Kalkmergel Spätburgunder!) und Heymann-Löweinstein (2017 Uhlen Große Lage!) zu Gast…. lost in paradies! Was soll ich sagen…, ich mach es ganz und unverdient kurz: Neun Große Gewächse von Künstler im Angebot, eines besser als das andere….

Danach erstmal was Deftiges: Hacksteak und Schnitzel bei Dienst im Dorotheenhof. Immer eine Bank, immer lecker, und dazu dann natürlich den 2015er Pinot aus dem Barrique, den Vize-Sieger des diesjährigen Pinot-Cups sowie ein fein gereiftes Erstes Gewächs aus dem phänomenalen Jahrgang 2013 und der Hochheimer Hölle. Made my day!!!

Südafrika- Nachmittag

La Motte 2016 Chardonnay, Bouchard-Finlayson 2015 Chardonnay Crocodiles Lair und Dornier 2016 Chenin Blanc Bush Vine haben gute Freunde für uns geöffnet, und das war ein herrlicher Kurzurlaub mit dem Gaumen und bedeutete ein Schwelgen in Erinnerungen. Drei wirklich gute Weine, wobei der Chenin Blanc einen Trinkfluss entfaltete, der ihn am Ende den Sieg bescherte. Schmeckt nach mehr, nach viele mehr!

Steillagenweinbau quo vadis

 Steile Weinberge geben dem Landschaftsbild einen unverwechselbaren Charakter. Sie prägen Kulturlandschaften wie die Mosel und den Rheingau in besonderen Maße und spiegeln die traditionelle Landnutzung über Jahrhunderte wider. In heutiger Zeit allerdings führen die hohen Kosten der Bewirtschaftung steiler Weinberge zu einem Wettbewerbsnachteil.

Auf dem Weinmarkt können höhere Preise nicht allein deshalb durchgesetzt werden, weil die Bewirtschaftung für die Erzeuger teuer ist. Besonders im Mittelrheintal und an der Mosel sind die Folgen für das Landschaftsbild gravierend, denn immer mehr Flächen fallen brach. Der untere Rheingau ist von dieser Entwicklung ebenfalls nicht verschont geblieben, wie das Beispiel Lorchhausen und die Hänge zwischen Rüdesheim und Lorch zeigen. In den steilen Hängen über dem Weindorf ist die Rebfläche im Lauf der zurückliegenden Jahrzehnte stark zurückgegangen.

Auch wenn manche Flächen aus Sicht des Naturschutzes an Wert gewinnen, wenn die Monokultur Weinbau zurückweicht, ist es das Ziel der Politik und des Weinbaus, dass nicht weitere Weinberge verlorengehen. Vor allem die Staatsweingüter suchen nach Methoden, um dem Anbau in Steillagen seine ökonomischen Nachteile zu nehmen. „Das kostet mich jedes Jahr eine Million Euro Gewinn“, bezifferte Geschäftsführer Dieter Greiner im vergangenen Jahr die Folge der aufwendigen Bewirtschaftung von Steilhängen wie beispielsweise dem Rüdesheimer Berg.

Insgesamt pflegen die Staatsweingüter rund 90 Hektar Steillagen. Die Mechanisierung der Bewirtschaftung ist eine Möglichkeit zu sparen, beispielsweise durch den Einsatz zu entwickelnder Vollerntemaschinen für Steillagen. Auch der sogenannte Minimalschnitt bei der Pflege der Weinberge gehört dazu, der weniger arbeitsaufwendig ist als die konventionelle Bearbeitung. Vielleicht übernehmen zudem schon bald Drohnen den Pflanzenschutz.

Und die Bewässerung der Rebstöcke kann helfen, dass die Erträge in trockenen und heißen Jahren nicht so stark hinter denen in flacheren Gefilden zurückbleiben. Das Land fördert zudem den Weinbau in steilen Lagen von einer Neigung von 30 Prozent an auch finanziell, um die wirtschaftlichen Nachteile ansatzweise auszugleichen. Die Förderung erreicht dabei bis zu 2300 Euro je Hektar in Lagen mit mehr als 45 Prozent Hangneigung.

Eine weitere Methode liegt in der Querterrassierung. Die Rebzeilen verlaufen dann nicht mehr steil zum Rhein hinab, sondern quer im Hang und mit so großen Abständen, dass eine maschinelle Bewirtschaftung mit Traktoren möglich ist. Zwar haben dann auf einem Hektar deutlich weniger Rebstöcke Platz, doch die ökonomischen Vorteile überwiegen. Vorreiter im Rheingau waren die Winzerbrüder Laquai in Lorch, und auch die Staatsweingüter haben inzwischen die Querterrassierung als Chance zur Senkung der Arbeitskosten erkannt.

Die Wissenschaft steht den Betrieben zur Seite. Die Hochschule Geisenheim hat jetzt das Forschungs- und Praxisprojekt „Bio-QuiS“ begonnen. Dieses Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit knapp 400.000 Euro gefördert. Die Rebzeilen und Gassen zur Bewirtschaftung werden dabei hangparallel angeordnet. „Neben der arbeitssparenden Bewirtschaftung mit normalen Schmalspurschleppern haben Querterrassen-Weinberge auch einen ökologischen Vorteil.

Ein Teil des Weinbergs besteht aus Böschungen, die der direkten Bewirtschaftung entzogen sind und ein großes Potential für den Naturschutz haben“, meint Projektleiterin Ilona Leyer vom Institut für angewandte Ökologie. Es gebe aber noch zahlreiche offene Fragen im Hinblick auf die Begründung der Gassen, den Erosionsschutz, die Böschungspflege sowie die Folgen für die Artenvielfalt. Auch rechtliche Fragen müssen noch beantwortet werden, ehe die Querterrassierung den Winzern als attraktive Alternative zur Bewirtschaftung in Falllinie empfohlen werden könne. Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau sieht noch andere Untersuchungsfelder: Die neue Zeilenorientierung und die in Querterrassen geringere Dichte der Rebpflanzen beeinflusse das Mikroklima und die Wasserversorgung.

Dies könne Auswirkungen auf den Ertrag, auf die Bildung der Aroma- und Inhaltsstoffe sowie auf die Rebengesundheit haben. Die Wechselwirkungen zwischen Rebe und Umwelt sollen daher vergleichend für Falllinien- und Querterrassen-Weinberge untersucht werden. Drei Weingüter legen als Projektpartner der Hochschule in diesem Frühjahr neue Querterrassen-Weinberge im Mittelrheintal an, um unterschiedliche Begrünungsmischungen und Ansaat-Techniken zu erproben. Diese Partner sind die Hessischen Staatsweingüter und das Lorcher Weingut Laquai auf hessischer Seite sowie das Bacharacher Weingut Ratzenberger in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig sollen schon bestehende Querterrassen-Weinberge näher unter die Lupe genommen werden, um deren Bedeutung für die biologische Vielfalt zu bewerten und um unterschiedliche Pflegevarianten einschließlich der Beweidung durch Schafe zu testen. Die Ergebnisse sollen in einen Praxisleitfaden münden, der Weinbau, Naturschutz und Politik das notwendige Wissen zur Verfügung stellt, um den Steillagenweinbau als landschaftsprägendes Element dauerhaft zu erhalten

Verkostungstagebuch

Steinmacher & Sohn,

Kiedrich Riesling Sekt brut …genau das richtige, um anlässlich des Kiedricher Weinsteigs (dritter Sonntag im März) das Erklimmen des Scharfensteins zu feiern… leider verdarb der Wintereinbruch diesmal die frohen Erwartungen der Kiedricher Winzer. Wer trotzdem kam und ordentlich gekleidet wara, wurde nicht enttäuscht… neben den anderen Weinwanderungen wie bsp. „Natur pur“, Bubenhäuser Weinrunde, Eibinger Weinwanderung u.a. ein guter Start in die Saison…

Trip to Auli

Über Aulhausen, das Rheingauer Weindorf ohne eigene Weinberge, habe ich mich schon bei anderer Gelegenheit auf diesem Blog ausführlich ausgelassen. „Auli“ ist aber immer einen Trip wert, auch im März. Dann stellt z.B. Friesenhahn schon den aktuellen Jahrgang vor, bei Strieth sind die ersten 2017er gefüllt, und bei Klaus Schön isses ohnehin immer schön…

Weingut Michael Schön: 2011/ 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken. Ja, solche dicken Späbus mit 14% Alki sind nicht jedermanns Sache, doch ein Geschmackserlebnis sind sie mit ihrer Wucht, ihrem Tiefgang, ihrer Frucht und ihrer Substanz allemal…

Friesenhahn: der 2016er Rüdesheimer Riesling A hat mich diesmal an erster Stelle überzeugt. Nur 1,3 g Zucker, somit knochentrocken, aber denn mit viel Mineralität und Finesse, klasse. Der 2016 Katerloch Riesling Spätlese Alte Reben ist deutlich gefälliger. Weichgespült wäre aber bei einem solchen Wein das ganz falsche Wort. Finesse und Eleganz, gepaart mit Frucht und Saftigkeit, gut. Weiter probiert: 2016 FrieSteil (Freestyle!) feinherb, ein Wein zu Wegsaufen gut. 2016 Leingiebel Spätlese deutlich süßer, feiner Essensbegleiter. 2017 Rüdesheimer Weißherbst trocken und feinherb (letzter viel zu süß für mich), 2017 Grauburgunder trocken – gut, aber den Hype um die Rebsorte kann ich einfach nicht nachvollziehen… da greife ich lieber zum Chardonnay. Oder bei Friesenhahn zum dichten, starken 2015 Spätburgunder trocken!

Strieth

Hier stehen alle Zeichen auf einer bärenstarken 2017er Kollektion! Zum Beispiel der 2017er „Jungspund“ Riesling feinherb, der eine Allzweckwaffe ist und über den Sommer hinweg ein perfekter Trinkwein ist. Wir waren mal ab, ob irgendwann ein „Alter Sack“ den Weg ins Sortiment findet. Ganz stark der „Frenz“ aus dem Berg Kaisersteinfels. Derzeit noch mit viel Primäraromen, aber die Klasse deutet sich schon auf dem Gaumen und im Abgang an. Mein Liebling aber ist der spontanvergorene 2016 Schlossberg „Alte Reben“ Riesling, das ist großartig! Dass Strieth ein Händchen für Blanc de Noir hat, muss nicht eigens erwähnt werden. Das setzt sich auch mit dem 2017er nahtlos fort. Eine Bank für sich ist der 2015er Höllenberg Spätburgunder mit feinem Cassis, ein wenig Vanille, feine Frucht roter Beeren, Kraftvoll, aber nicht zu aufdringlich, sehr gut. Und dann hatten wir noch die Chance, ältere Pinots zu probieren… aber das ist eine andere Geschichte…

J.B. Becker, Walluf

2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben 2013 Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese Alte Reben

Schloss Reinhartshausen, Erbach

2016 Sauvignon blanc Inselwein trocken … ich war schon viel lange nicht mehr in der Schlupp in Walluf, Schande über mein Haupt. Gutes Essen, freundlicher Service, feines Ambiente, dazu feine Weine wie die von Becker in Walluf. Becker-Weine reifen einfach großartig, wie die beiden Walkenberg-Weine aus 2008 und 2013 zeigen, top. Und der Sauvignon blanc von der Rheininsel Mariannenaue hat zwar sehr viel Säure, aber insgesamt ganz ordentlich gelungen…

Sohns, Geisenheim

2015 Mäuerchen Spätburgunder M – eher auf der dichten, wuchtigen denn auf der komplexen Seite, aber durchaus fein und gut, braucht in jedem Fall noch 2-4 Jahre Zeit, um seinen Charakter zu entfalten

F. B. Schönleber, Winkel

2014/2016 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG 2015/ 2016 Winkel Jesuitengarten Riesling GG einfach schön, wenn man in einer Rheingauer Schänke vier GGs aus drei Jahren und zwei Lagen trinken kann. An unserem Tisch gingen die Meinungen auseinander, so dass ich mich mit dem 15er Jesuitengarten nicht mehrheitlich durchsetzen konnte… (ist aber trotzdem der aktuell Beste…!)

Weingut Abel, Oestrich

2015 Lenchen Riesling Erstes Gewächs – zeigt schon Reifenoten, aber von der angenehmen Sorte, stoffig, voll, dicht!

Finale Gourmet Festival

 Wie gewohnt ging das Festival mit einer Abschiedsparty im Kronenschlösschen zu Ende. Mit dabei ein Fülle guter Winzer mit ordentlichen Tropfen. Und diese sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Weingut Klumpp 2016 Weißburgunder und 2016 Grauburgunder Magnum – dicht, komplex, voll! Weingut Urban Kaufmann, 2014 Wisselbrunnen GG – Finesse, Eleganz Weingut Crass 2015 Siegelberg Riesling Alte Reben Magnum Wein- und Sektgut Barth 2011 Ultra Pinot brut Nature – großartig! Markgraf von Baden 2016 Durbacher Schlossberg Chardonnay trocken Weingut F.B. Schönleber 2016 Franz Bernhard Riesling und trocken UND Obsthof Schneider: 2014 Goldparmäne Alte Bäume und 2016 Ananasrenette – das ist ein Stöffchen zum Niederknien!

Salmanazar & Balthasar

Salmanazar und Balthazar hießen heute kaum mehr bekannte Assyrekönige. Für Champagner- und Weinfreunde sind das allerdings bis heute klingende Namen, denn sie stehen für Großflaschen, in denen schon allein wegen der beachtlichen Glaskosten nur ausgewählte Weine abgefüllt werden. Zwei dieser mundgeblasenen Giganten sorgten für die Höhepunkte auf der Weinversteigerung der Prädikatsweingüter und der Hessischen Staatsweingüter.

Eine zwölf Liter fassende „Balthazar“ des Weinguts Allendorf mit einem „2016er Goethewein aus dem Brentanohaus“ war einem Weinfreund 2400 Euro wert. Und 1650 Euro ließ sich ein Bieter die Neun-Liter-Flasche (Salmanazar) aus dem Kiedricher Weingut Robert Weil kosten, die mit einem Ersten Gewächs des Jahrgangs 2004 gefüllt war – dem meiner Meinung nach aktuell besten trockenen Wein von Weil (siehe auch meinen Blog zu Vertikalproben bei Weil)

„Methusalem“ ist der schmächtigere Bruder von Salmanazar und Balthazar mit „nur“ sechs Liter Inhalt. Für eine kleine Familienfeier dürfte das aber immer noch genug sein. 1100 Euro wurden für ein „Berg Rottland Riesling Großes Gewächs“ des Jahrgangs 2016 aus dem Weingut Ress in dieser Großflasche gezahlt, und sogar 1350 Euro gab es für eine 2016er Auslese von Schloss Johannisberg.

Zu welchem Anlass diese imposanten Großflaschen geöffnet werden und wer sie ersteigerte, das blieb den 480 Gästen der Auktion im Kloster Eberbach verborgen, denn Gebote durften im Auftrag ihrer Kunden nur die zehn zugelassenen Kommissionäre abgeben. Daher liegt auch der Mantel der Diskretion über jenen beiden finanzkräftigen Weinfreunden, die 4000 Euro für eine Einzelflasche Berg Rottland Riesling Trockenbeerenauslese und sogar 4150 Euro für einen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur zahlten, beide aus dem besonders raren Jahrgang 1938 und beide aus der Schatzkammer der Hessischen Staatsweingüter.

Das waren die Höhepunkte einer Auktion, die zugleich einen Neustart für diese Weinveranstaltung im Rheingau markieren sollte. Denn wegen geänderter Vertriebswege und Marktbedingungen war deren Bedeutung in den zurückliegenden Jahren stark gesunken.

Trotz der langen Tradition. Mit einer herrschaftlichen Weinversteigerung war schon im Jahr 1806 in der alten Zisterzienserabtei begonnen worden, auch wenn es damals noch um ganze Fässer und nicht um Flaschen ging. 1897 hatte sich die „Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer“ gegründet, die Vorläuferin des heutigen Verbands der Prädikatsweingüter. Die Versteigerungen sind somit ein bedeutender Teil der Rheingauer Weinkultur.

Ökonomisch betrachtet, wäre der Aufwand heute verzichtbar. Mit einer Frühjahrs- und einer Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter, einer VDP-Versteigerung im September und einer Raritätenauktion in Zusammenarbeit mit einem Londoner Auktionshaus hatte es vor 20 Jahren im Rheingau sogar noch vier Auktionen gegeben. Nun konzentriert sich alles auf eine einzige im März, nachdem der VDP im vergangenen Jahr seine Herbstauktion abgesagt hatte.

Das Rheingau Gourmet- und Wein-Festival scheint zudem das richtige Umfeld für die Revitalisierung. Neu waren in diesem Jahr die sieben „VDP. Auktion Réserve-Weine“, die exklusiv nur für die Versteigerung gefüllt wurden. Bei ihrer Vorstellung im vergangenen Jahr sprach Wilhelm Weil von „preiswürdigen und erschwinglichen“ Weinen von geprüfter Qualität und „mit hohem Trinkfluss“. Dieses Experiment scheint gelungen. Die erzielten Preisen für die jeweils 300 Flaschen umfassenden Riesling-Partien waren durchaus ordentlich.

Weils eigener Réserve-Wein wurde für zwölf Euro aufgerufen und für 27,50 Euro zugeschlagen. Ein Réserve-Sekt des Weinguts Barth wurde von 16 auf 42 Euro je Flasche gesteigert. Erstmals wurde eine VDP-Weinauktion live im Internet übertragen. Bis zu 100 Zuschauer sahen sich zumindest phasenweise die Auktion an. Ein Dutzend potentieller Käufer hatte sich vorab registrieren lassen, um online mitzusteigern. Und das nach Angaben von Dirk Würtz, der das Projekt betreut hatte, mit Erfolg. Die Online-Gebote hätten sich auf einen fünfstelligen Betrag summiert. Vor allem ein norwegischer Weinfreund habe ordentlich eingekauft.Würtz spricht von einem „guten Impuls“ für die Traditionsveranstaltung. Das sei ein erfolgreicher Auftakt gewesen, die Mühe habe sich gelohnt. „Ich bin extrem zufrieden“, sagt Würtz, und der Erfolg sei greifbar: „Die Weinversteigerung lebt wieder“.

Ähnlich positiv äußerte sich der Geschäftsführer der Staatsweingüter, Dieter Greiner: „das hat Spaß gemacht.“ Viele der Versteigerungslose seien überzeichnet gewesen, so dass die Winzer zusätzliche Flaschen bereitstellen mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden. Tatsächlich waren laut Katalog gut 4400 Flaschen im Angebot, versteigert wurden aber im Lauf von insgesamt vier Stunden nach der Bilanz von VDP-Geschäftsführer Mathias Ganswohl mehr als 5700 Flaschen zum Nettopreis von zusammen 225 000 Euro.

Es scheint, dass die Winzer einen Weg gefunden haben, die Tradition zu wahren und sich der Online-Zukunft zu öffnen. (aus der FAZ)

Gourmet und Wein Festival im Rheingau

Auf zum Rheingau Gourmet und Wein Festival Die Rückkehr aus Südafrika im Februar wird meist dadurch erträglich, dass das Rheingau Gourmet und Wein Festival beginnt – Fastenzeit hin, Fastenzeit her.

Also erstmals was Perlendes ins Glas: „Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe.“

So beschrieb Lilly Bollinger anlässlich der Vorstellung des Jahrgangs 1955 die Faszination von Champagner. Das älteste Champagnerhaus ist Bollinger jedoch nicht. Diese Ehre fällt Gosset zu, das schon 1584 gegründet wurde und Hoflieferant der französischen Könige war. Rund 1,2 Millionen Flaschen verlassen heute das Stammhaus in Epernay, und einige der besten wurden am Eröffnungswochenende des 22. Rheingau Gourmet und Wein Festivals geöffnet.

Beispielsweise die „Celebris Vintage 2004 extra brut“ und die „15 ans de cave a minima brut“ aus Grundweinen, die sämtlich vor 1999 geerntet wurden und ein besonders langes Hefelager in den kühlen Gewölbekellern hinter sich haben. Proben wie die mit dem Champagnerhaus Gosset sind neben den Galadiners und Themen-Lunches die Kernelemente des Festivals, das seit 1996 in jedem Jahr herausragende Köche und Winzer in den Rheingau bittet.

Mehr als 200 Winzer sind es in diesem Jahr, begleitet von einer starken Riege nationaler und internationaler Sterneköche. 18 Tage lang tischen sie 6500 Wein- und Feinschmeckern aus aller Welt ihre Kreationen auf. Das kommt an, wie die gute Buchungslage mit mehr als 90 Prozent verkaufter Tickets zeigt.

Und das Festival bringt Tausende zahlungskräftige Gäste zu einem Zeitpunkt in die Weinregion, in der üblicherweise der Besucherstrom noch einem Rinnsal gleicht. Eröffnet wurde das Festival wie gewohnt mit einer großen Eröffnungsparty im Kloster Eberbach, bei der 500 Gäste zu Live-Musik von Winzer zu Winzer und von Koch zu Koch flanierten.

Umlagert waren vor allem die Kochplätze der ausländischen Stars wie die des in London lebenden Inders Vineet Bhatia, des Südafrikaners Reuben Riffel und des Sansibar-Kochs Anuraag Ramkalawon, die mit Leckereien wie Hühnchen in Curry und Rind mit Limonen-Relish bei vielen Gästen den Appetit auf ihre abendlichen Dinner und Mittagessen weckten.

Meine Lieblingsweine dazu: 2016 Turmberg von Weil, 2016 Oestricher Klosterberg von PJ Kühn, 2016 Alten Reben von Mohr in Lorch und der 2016 Hallgartener Ortswein von Prinz. Sansibar, die halbautonome Inselgruppe vor den Küsten von Tansania in Ostafrika, ist die Heimat von Ramkalawon, der erstmals im Rheingau zu Gast war und deshalb auch gleich eine der beliebten Kochdemonstrationen gab. Ramkalawon bereitete dabei das zu, was nicht nur in den Nobelhotels der Insel gekocht wird, sondern auch in den Hütten der rund 1,2 Millionen Einwohner: eine einfache, aber sehr aromatische Küche.

Dazu zählt das Pilaw, ein traditionsreiches Reisgericht mit Huhn, das laut Ramkalawon auf Sansibar seit Jahrhunderten gekocht und immer wieder verfeinert wird. Aber auch einen Reispfannkuchen mit Kokosmilch. Die Zutaten wachsen vor der Haustür, denn Sansibar ist als Gewürzinsel bekannt, auf der Vanille, Pfeffer, Kardamom, Nelken und Muskatnüsse und viele andere Gewürze wachsen. Sein Koffer sei nicht groß genug gewesen, eine Probe aller Gewürze mitzubringen, entschuldigte sich Ramkalawon. Dass es nicht immer nur einfach und traditionell geht, sondern auch fein und anspruchsvoll, das zeigte er bei einem LLunch mit einer Königskrabbe mit roten Bohnen und Kokosnuss-Sauce und einem Loup de Mer mit süßer Chili-Sauce. Perfekt dazu die GGs von Gunderloch (2016 Rothenberg), Dönnhoff (2016 Felsenberg) und Vollrads (2013 Schlossberg) Das Festival lüftet aber nicht nur die aromatischen Küchengeheimnisse exotischer Länder, sondern beantwortet auch andere Fragen wie die nach der Zahl der perlenden Bläschen in einer einzigen Flasche Gosset-Champagner. „Damit beschäftigen sich in der Champagne sogar Wissenschaftler“, wusste die deutsche Champagner-Botschafterin Yvonne Heistermann – und sie hatte eine Zahl parat, die in der Verkostungsrunde ungläubiges Staunen provozierte: bis zu 20 Millionen. Bei der traditioneller VDP-Präsentation im Kloster war diesmal Portugal zu Gast. Natürlich mit vielen feinen Rotweinen, aber ich habe mir diesmal vor allem die Weißen vorgenommen (nicht Vinho Verde!). Feine Cuvées… teils mit überraschend präsenter Säure

Bei den VDP-Winzern ergibt sich an diesem Tag stets die gute Gelegenheit, die trockenen GGs wieder einmal einer kleinen Nachprüfung zu unterziehen. An diesem Nachmittag besonders lecker: Weil 2015 und 2016 Gräfenberg, Allendorf 2016 Jesuitengarten, Barth 2015 Hassel, Johannishof 2016 Rottland, Toni Jost 2015 Walkenberg, Kanitz 2016 Kapellenberg, Kaufmann 2016 Wisselbrunnen und Kühn 2015 Doosberg sowie Prinz´ 2016 Jungfer GG.

Großer Sekt aus Großer Lage

Mark Barth und ich mögen es trocken. Staubtrocken. Ehrlich. Authentisch. Gerade heraus. Eben „extra brut“ oder vielleicht sogar „brut nature“. Das schmeckt dann weder dünn noch säuerlich, wie mancher unken mag, sondern nach glasklarer Frucht, nach Rasse und Finesse. Und immer mehr Kunden ziehen mit. Der Riesling-Sekt „extra brut“ ist der Verkaufsschlager im Sortiment. Richtig trocken liegt also wieder im Trend, Rosé im Sommer sowieso, und die Bedeutung der Jahrgangsangabe auf dem Etikett nimmt zu. Das allerdings hat seinen Preis.

Bei Barth beginnt das mit 14 Euro je Flasche. Und nicht weniger als 65 Euro kostet der Premium-Sekt aus dem Spitzenweinberg Hattenheimer Hassel. Dort erzeugt das VDP-Gut seine Großes Gewächs-Weine. Mit dem Unterschied, dass der in dieser Lage gewonnene Sekt nach Ernte im Keller noch fünf Jahre mit der Hefe in der Flasche reift. „Für diesen Aufwand ist der Sekt günstig“, sagt Barth und hat völlig recht. Barth gehört zu der Handvoll Rheingauer Weingüter, die ihre Sekte von kleineren oder größeren Kellereien herstellen lassen, sondern die gesamte Produktionskette in der eigenen Hand behalten.

Fast 30 Jahre ist es her, dass Barths Schwiegervater Norbert der Sekterzeugung besondere Aufmerksamkeit schenkte und die Marktchancen hochwertiger Winzersekte erkannte. Mit seinem „Ultra“-Sekt aus weiß gekeltertem Spätburgunder stieß Barth schon in einer Zeit in ein Preissegment vor, in das sich die wenigsten seiner Kollegen getraut hätten. Seither ist die Sektproduktion sukzessive immer wichtiger geworden, wichtiger als in fast allen anderen Rheingauer Weingütern. Rund ein Drittel der Traubenernte auf einer Rebfläche von immerhin 20 Hektar wird heute zu Sekt verarbeitet. Während das Gesetz eine Reifezeit von neun Monaten vorschreibt, lässt Barth seinen Sekten mindestens zwei Jahre Zeit. Manche wie der überaus seltene, ebenfalls staubtrockene Rotsekt aus Spätburgundertrauben, dürfen fünf Jahre reifen, ehe sie in den Verkauf kommen.

„Wer Sekt machen will, braucht viel Geduld und viel Platz“, sagt Barth zwischen den langen Reihen der Rüttelpulte. Vor drei Jahren hat die Familie Geld in die Hand genommen, um den Keller zu erweitern und einen dem eigenen Anspruch entsprechenden, standesgemäßen Verkostungs- und Verkaufsraum zu bauen. Für ein Wein- und Sektgut mit einem hohen Anteil an Privatkunden ist ein repräsentativer Auftritt von besonderer Bedeutung. Rund die Hälfte des Weins geht direkt ab Hof an die Kundschaft, beim Sekt steigt dieser Anteil sogar auf 70 Prozent. Und Sekt ist nach wie vor ein Saisongeschäft.

Barth schätzt, dass etwa ein Drittel des Absatzes auf die letzten sechs Wochen des Jahres entfällt. Ein feiner Sekt ist für Barth „belebend und erfrischend“ und damit das Gegenteil von einem ermüdenden Getränk. Zwar dürfe Sekt auch komplex und fordernd sein, aber stets müsse die Freude am Genuss überwiegen. Das beginnt für Barth bei der Güte des Grundweins. Er ist für ihn „der Rohdiamant, der durch den Schliff seine finale Form erhält“. Sektspezialisten wie Barth wählen deshalb die Weinberge für die Sektproduktion gezielt aus, steuern die Erträge am Rebstock und wählen vor allem einen vergleichsweise frühen Zeitpunkt für die Ernte, weil nicht das Mostgewicht entscheidend ist, sondern die Gesundheit der Trauben und ihr Säuregehalt. Sekterzeugung beginnt im Kopf und wird im Weinberg lange vor der Lese vorbereitet.

Das kann dazu führen, dass schwierige und fäulnisreiche Jahre wie 2016 und 2017 für die Sektproduktion nur bedingt in Frage kommen. Seit vier Jahren ist das Weingut als ökologisch wirtschaftender Erzeuger zertifiziert. Die Kunden allerdings interessiert vor allem die Güte des Flascheninhalts. Dass es für den Preis seiner Spitzensekte auch schon Champagner zu kaufen gibt, stört Barth nicht. Er sieht die Schaumweine aus Frankreich nicht als direkte Konkurrenz, sondern als „andere Kategorie“. Sie sind für ihn daher auch kein Leitbild. „Wie wollen das Beste aus dem rausholen, was wir haben“, sagt Barth, und das sind im Rheingau nun einmal viel Riesling, ein wenig Spätburgunder und etwas Weißburgunder. Die Konzentration auf die Traditionsrebsorten des Rheingaus kommt gut an und ist authentisch. In den aktuellen Weinführern ist Barth durchweg gut bewertet, und die Sekte tragen zum besonderen Profil bei. Mancher ausgewiesene Sektfreund ist beim ersten Besuch des Gutes in Hattenheim sogar erstaunt: „Oh, Sie haben ja auch Wein“

Gerade erst hat FAZ-Kolumnist Stuart Pigott den 2013er Schützenhaus Sekt brut nature zum „Schaumwein des Jahres“ gekürt. Barth könnte also rundum zufrieden sein. Nur dass Sekt immer noch häufig auf die Rolle eines Aperitifs reduziert wird, das kann er nicht verstehen. Barth ist überzeugt dass seine Sekte ein komplettes Menü adäquat begleiten können. Ich auch.

Verkostung

Riesling Sekt brut & extra brut – die doppelte Basis und zweifache Visitenkarte des Sektguts. Feinperlig, gute Frucht, erfrischende Säure, im direkten Vergleich wirkt der extra brut präziser, mehr auf dem Punkt. Pinot Blanc brut – viel Schmelz, bringt die Finesse und Aromatik des Weißburgunders sehr gut zum Ausdruck, elegant, guter Essensbegleiter Pinot Rose brut – perfektes Lachsrosa, typische rote Früchte prägen das Aroma, langer Nachhall, der Sommersekt, aber nicht nur….! Pinot Noir Rotsekt – eine Rarität für Kenner, ich liebe diese Sekte, wenn sie richtig „brut“ sind, leicht rauchige Note, sehr komplex, großartig 2011 Ultra Pinot brut nature – seit vielen Jahren eines der Flaggschiffe deutschen Winzersektes. Immer noch ein Erlebnis am Gaumen. 2013 Schützenhaus Riesling brut nature – ich kann die Schwärmerei von Stuart Pigott gut verstehen. Könnte auch mein Schaumwein des Jahres sein dank seiner Finesse und Komplexität, aber auch wegen seiner feinfruchtigen Frische und vor allem seines trinkanimierenden Charakters! Nächste Flasche! 2011 Hassel Riesling brut – Großes Sekt-Kino aus VDP-Großer Lage. Nach fünf Jahren auf der Hefe komplex und tiefgründig, verbindet Eleganz mit Kraft und Finesse. Groß.

Zurück in Südafrika

Back in paradies – Südafrika 2018

Wer den Überblick über die Zahl seiner Südafrika-Reisen verloren hat und (fast) das ganze Land einschließlich der großen Städte, der Natur- und Tierparks schon erkundet hat, der konzentriert sich mit Freuden auf das Wesentliche: Franschhoek und Hermanus, Paradiese für Weinfreaks und Genießer.

Stellenbosch/ Franschhoek

Daher ging es auch diesmal wieder in Franschhoek los. Der kleine, im 17. Jahrhundert von aus Europa geflüchteten Hugenotten gegründete Ort ist die eigentliche Wein- und Gourmet“hauptstadt“ am Kap. Eine Fülle großartiger Weingüter (meine Lieblinge: La Motte, Moreson, Mullineux & Leeu, Grande Provence, Boschendal sowie Colmant für ausgezeichnete Sekte) und stylisher Top- Restaurants, wobei sich die Szene stetig wandelt. Fest etabliert hat sich inzwischen Foliage an der Main Street unweit des Hugenotten-Denkmals mit einer fordernden und zugleich begeisternden Aromaküche (auch dank des schon früh am Morgen rauchenden Smokers vor dem Haus), großartige Variationen von Forelle und Rind, dazu passte sehr gut der 2015 Chenin Organic von Reyneke). Stellenbosch ist keine 30 Autominuten entfernt, eine quirlige, lärmende, laute, zunehmend verkehrsgeplagte Uni-Stadt mit einem überschaubar-kleinen Zentrum. Wer das liebt, luncht im Wijnhuis mit seiner großartigen Weinauswahl. Wer nicht, der fährt ins Grüne, bsp. zu Simonsig. Schöne Terrasse, guter Service, nur die Bestuhlung des Gutsrestaurants ist ein Graus. Der 2017er Chardonnay und ein 2016 Chenin en Chevre harmonieren hervorragend mit Kudu-Carpaccio und Filetsteak. Noch besser allerdings gefällt es uns bei Dornier, zumal die Weine immer besser werden. Diese Terrasse ist ein Paradies, und der neue 2017 Chenin blanc Moordenaarskloof hat uns sogar noch besser gefallen als der 2017 Bush Vine Chenin!

Doch zurück nach Franschhoek.

„Reubens“ residiert jetzt an neuer Stelle in einem umgebauten, historischen Lagerhaus und ist ein Muss mit seiner feinen Küche. Meinen Springbok begleitete der 2017 Chenin blanc von Holden Manz perfekt. Für einen Sekt-Frühschoppen empfiehlt sich Haut Cabriere (Pierre Jourdan Belle Rose brut und Weiß brut) schon wegen der phänomenalen Aussicht ins Franschhoek-Tal, allerdings sind die Sekte von Colmant (Brut Reserve) eine Klasse besser und deutlich ausdrucksstärker. Mein Lieblingsplatz ist allerdings der Innenhof von La Motte (2017 Sauvignon blanc und 2016 Chardonnay), wo der Wein noch besser schmeckt, wenn man zuvor die schweißtreibende 6 km-Tour auf dem hauseigenen Wanderweg bewältigt hat!). Wer sich mit solider Küchenleistung begnügen will, ist im French Connection genau richtig. Doch der noch immer günstige Rand-Kurs erlaubt auch zwei außergewöhnliche Gourmet-Erlebnisse: Grand Provence ist ein wunderschön gelegenes Weingut und den besten Wein zu abendlichen 4-Gang-Menü wählt man am besten zuvor bei einer Probe in der stilvollen Vinothek aus: (2017 Sauvignon blanc, 2017 Chenin blanc, 2017 Chardonnay sowie 2015 Viognier-Chenin, 2016 Amphora) Ein kleiner Ausflug führt zu Babylonstoren, dem „Mechthildshausen“ von Südafrika, mit ausgedehnten Gärten, die erkundet werden sollen. Eine weitläufige, top-gepflegte Öko-Farm mit schönem Hofladen und absolut sehenswert. Die Weine allerdings – nun ja – haben noch gaaaaaanz viel Luft nach oben. Die Rotweine sind sämtlich zu süß geraten und ohne Charakter, selbst der Top-Wein 2015 „Nebukandnesar“. Ganz gut ist der knochentrockene Sekt „Sparkel“, allerdings wird er zu einem lächerlich-futuristischen Preis von umgerechnet 40 Euro je Flasche angeboten. Das ist nicht einmal witzig. Ja, man kann im hofeigenen Restaurant Babel gut essen und vielleicht den Chardonnay trinken (auch der zu teuer!), fahre aber besser zum „Nachbarn“ Glen Carlou und genieße zu einem feinen Fisch den drei dort angebotenen Chardonnay im Vergleich… alle gut, vor allem der neue 2015 Curators Collection. Noch stärker aber ist der 2016 Quartz Stone Chardonnay, einer meiner Favoriten. Seit diesem Jahr steht für mich fest, dass man den Abend in Franschhoek, am besten bei Le Coin francais ausklingen lässt, dem neuen Restaurant von Adi Badenhorst, dem früheren Chefkoch von Grande Provence. Das ist Küche auf Sterneniveau ohne zu viel Chichi…. klasse!

Hermanus

Es gibt einen neuen Stern in der Restaurantszene an der Walker Bay: das Heritage Cottage ist ein wirklich gemütliches Restaurant am Marine Drive, guter Service, kleine, aber feine Karte und gute Weinauswahl der Region. Hier den 2012 Maritimus von Sumaridge trinken zu können gab letztlich den Ausschlag, das Weingut mal wieder zu besuchen und dort einen phänomenalen kleinen Lunch auf dem Balkon mit Blick ins Tal und einer begleitenden Weinprobe (Top der 2014 Chardonnay, schwach der Sekt) zu genießen. Das ist nur schwer zu toppen, geht aber am Ende einer Route durch das Hemel-en-Aarde-Valley, meiner Lieblingsweinroute in Südafrika, wo ein Top-Weingut neben dem anderen liegt, von Hamilton Russel über Bouchard-Finlayson bis zu Ataraxia. Fast am Ende lockt Creation, und der Sieben-Gang-Tapas-Lunch mit begleitenden Weinen ist vielleicht das Beste, was sich im Tal anstellen lässt…. (das stimmt natürlich nur für Weinfreaks, denn das Beste an Hermanus ist der 11 km lange, naturnahe Uferpfad zwischen Grotto Beach und dem neuen Hafen…. Neben dem Heritage Cottage gibt es mit der Char´d Grill und Wine Bar im Zentrum noch ein besuchenswertes neues Lokal, hier sind Steaks Trumpf. Erstmals hatten wir genügend Zeit, mal wieder einen Abstecher nach Stanford und Gansbaai zu machen, beides nicht unbedingt sehenswert. Die idyllisch gelegene Springfontein Wine Estate außerhalb von Stanford mit Gastgeberin Susanne Schneider sollte sich allerdings niemand entgehen lassen. Location sehenswert, Essen superb, Weine sehr gut und endlich mal etwas gereift. Das beste Dinner freilich gibt es nach wie vor im Harbour Rock Restaurant, hier ist der Kingclip eine Offenbarung und die Weinauswahl aus dem Tal sehr gut.

Swartland

Das Markenzeichen des Swartland eine Autostunde nördlich von Kapstadt sind die Bush-Weine… einfach großartig, welche finessenreichen, komplexen und eleganten Weine mit moderatem Alkoholgehalt die besten Winzer hier der Natur unter klimatisch schwierigen Bedingungen ohne Bewässerung abringen… Hut ab, Korkenzieher raus! Hier ist alles ein wenig einfacher, trockener, heißer, gemächlicher, beschaulicher, ursprünglicher, authentischer und touristenärmer… lohnt sich also in jedem Fall, und Riebeek-Kasteel ist genau der richtige Ausgangspunkt! Wir haben uns viel Zeit genommen, einen Eindruck zu verschaffen und zu ergründen, warum der Ruf der Weine so herausragend ist. Dazu schaut man sich am besten erstmals die Niederungen, die Basis an: Riebeek Cellars beispielsweise, eine Art Genossenschaftskellerei mit großer Auswahl (Preise ab 2,50 Euro je Flasche, in der Spitze aber immerhin 10 Euro). Unter den Spitzenweinen der Kasteelberg-Range fällt der 2015 Chardonnay als vorzeigbar auf, während der 2015 Pinotage eher süß und plump wirkt. Noch nüchterner fällt die Bilanz bei der Swartland Winery nahe Malmesbury aus. Auch der Spitzen-Weißwein, ein 2015 Chenin Blanc aus der Bush Vine-Range (immerhin 4,50 Euro!) ist eher zu vernachlässigen. Betrachten wir also den Mittelbau: Klovenburg beispielsweise, ein 84 Hektar-Wein- und Oliven-Gut in Riebeek, dessen Sauvignon blanc durch seine klare, schöne Frucht gut gefällt. Der Chardonnay aus dem Holzfass ist ebenfalls ordentlich gelungen, wenn auch kein Straßenfeger. Sehr schön hingegen der „Eight Feet White“, eine Chenin-getragene Cuvée mit Schmelz und Charakter, die ich später auch nochmal in einem Restaurant bestellt habe. Oder auch Pulpit Rock Wines – ein 500 Hektar-Weingut… seit 2003 von Familie Brink gewissermaßen aus dem Swartland-Boden gestampft… klar, dass nur der kleinste Teil selbst in Flaschen gefüllt wird, die Reserve-Weine (2015 Chardonnay und 2017 Sauvignon blanc) können sich aber schmecken lassen… und auch hier etwas Bemerkenswertes: der 2013er Louisa-Blend aus Pinotage, Shiraz und Cabernet Sauvignon hat den auf die Flasche aufgeklebten Medaillenregen tatsächlich verdient… fein, rund, komplex, strukturiert, top! Bleiben die Top-Betriebe, die wie überall mit Qualität und Anspruch (und Preisen!) vorangehen und dem Rest den Weg bereiten: Wir haben viel Badenhorst und auch Sadie Familiy Wines getrunken und uns Allesverloren, Mullineux und David und Nadia näher angesehen und ausgiebig verkostet. Dabei hat uns vor allem die Finesse und Komplexität der Weine überzeugt, und das alles bei moderatem Alkoholgehalt! Bei Allesverloren stachen für mich 2016 Shiraz (!!!), 2015 Tinta Barocca und 2016 Touriga Nacional heraus, aber auch der 2015 Cabernet Sauvignon und der 2017 Chenin blanc (einziger Weißwein des Guts) waren überzeugend. Ein Erlebnis der Besuch auf der Roundstone Farm von Mullineux und Dank an Nicola Tipping für die Probe. Schon die Kloof-Street-Range (2017 Chenin und Rouge) ist absolut überzeugend geraten und wäre in Südafrika wohl mein Brot- und Butter-Wein. Einer der besten Shiraz dieser Reise war der 2015 Syrah, nur getoppt von seinem wirklichen großen Bruder, dem 2015 Schist Syrah, dem wohl besten aller verkosteten Rotweine. Da konnte sogar der Zwilling 2015 Syrah Iron nicht ganz mithalten. Leider waren die beiden Chenins Granite und Quartz nicht auf Roundstone zu verkosten, das heben wir uns für 2019 auf! Nicht minder spannend als bei Mullineux war die Probe bei David und Nadia in Malmesbury: 2016 Chenin blanc, 2016 Aristargos, 2016 Grenache und der absolut ungewöhnlich, außergewöhnliche Pinotage, der eine völlig neue Interpretation dieser Rebsorte darstellt. Das ist in diesem ungemein sympathischen, authentischen Weingut so ganz anders als bsp. Kanonkop und dennoch so außergewöhnlich gut, dass diesem erst wenige Jahre alten Weingut noch eine große Zukunft bevorsteht. Die Erfolgsgeschichte des Swartland als Weinregion scheint noch lange nicht zu Ende geschrieben, und es gibt immer neue Entwicklungen wie bsp. das Weingut Meerhof, das erst im November aus Antebellum und Redelinghuys Familiy Vineyards hervorgegangen ist. Noch ist die Weinauswahl klein und die Qualität ausbaufähig, aber das Potential an diesem Berg ist gewaltig. Das werden wir uns dann in einigen Jahren noch einmal ansehen… zumindest ist diese Absicht mit dem diesjährigen Abschiedstrunk (Asara 2017 Chenin blanc Vineyard Selection) bekräftigt worden.

Sehr viel, sehr gut

Mein erster Leitartikel in der FAZ! Seite 1 Das will ich Euch nicht vorenthalten

Seite 1!  Das will ich Euch nicht vorenthalten

Der 2018er lässt deutsche Winzer strahlen. Ob die Deutschen dadurch zu Weinpatrioten werden?

Die Natur hat es mit den deutschen Winzern in diesem Jahr besonders gut gemeint und ihren Wunschzettel vollständig abgearbeitet: eine frühe und schnelle Blüte, keine Spätfröste, kaum Ärger mit Schädlingen und Pflanzenkrankheiten, viel Wärme, viel Sonne, kaum Regen. Es ist ein Ausnahmejahrgang nach dem frühesten Start der Weinlese seit Beginn der Aufzeichnungen. Nun sind die Keller voll. So voll, dass in einigen Weingütern die Tanks und Fässer die Erntemenge kaum zu fassen vermochten. In diesem Herbst haben die deutschen Winzer fast ein Viertel mehr als im Mittel der zurückliegenden zehn Jahre geerntet.

Es ist der üppigste Jahrgang seit 1999. Vielleicht sogar der beste. Denn die Qualität der Trauben ist dank ausbleibender Fäulnis und dank des hohen Zuckergehalts in den Beeren herausragend. Nun sind die Kellermeister am Zug. Ob der zurückliegende Jahrhundertsommer auch Jahrhundertweine hervorgebracht hat, wird sich im Frühjahr zeigen. Vielleicht sogar erst im Herbst, wenn die trockenen Spitzenweine auf den Markt kommen. Hohe Mostgewichte sind in Zeiten des Klimawandels längst kein Ausweis besonderer Qualität. Der Trend in der Spitze geht zu finessenreichen Weinen, die bei moderatem Alkoholgehalt ein flüssiger Fingerabdruck ihrer Herkunft sind. Ob die 2018er das zum Ausdruck bringen, das wird sich erst erweisen, wenn sie im Glas sind. Längst zählen der Weinberg als Ursprung und der Erzeuger als Marke mehr als hohe Öchslegrade. Ein Qualitätsversprechen für trockene Weine soll künftig der Name von Einzellagen auf dem Flaschenetikett sein, nicht mehr ein am Mostgewicht orientiertes Weinprädikat wie Kabinett oder Spätlese.

Das ist Teil einer überfälligen Abwendung vom Weingesetz der siebziger Jahre, das Winzer wie Weintrinker auf den Zuckergehalt in der Beere fixiert und irritierende Verbrauchertäuschungen wie die Großlagen möglich gemacht hat. Doch ein Übermaß an Sonne und Wärme allein sind noch kein Qualitätsausweis: Die meisten der trockenen Weine des Jahrgangs 2003, der viele Klimarekorde hält, sind längst vergessen. Dennoch: Der Jahrgang 2018 lässt die Winzer strahlen und weckt bei den Kunden hohe Erwartungen. Sehr viel und sehr gut, das ist selten. Den deutschen Weinmarkt wird das aber kaum nachhaltig beeinflussen. Dort herrscht bei annähernd konstantem Konsum seit Jahrzehnten ein harter Verdrängungswettbewerb, der dadurch befeuert wird, dass die Deutschen – ganz im Gegensatz zu ihren Nachbarn in Frankreich und Italien – beim Weinkauf keinen ausgeprägten Patriotismus zeigen. Weniger als die Hälfte der in Deutschland gekauften Weinmenge entfällt auf die heimischen Erzeuger. Für den Kunden zählt hierzulande weniger die Qualität denn der Preis. Vier von fünf Flaschen deutschen Weins werden im Lebensmittelhandel einschließlich der Discounter gekauft. Etwa 2,60 Euro gibt der Deutsche für eine Flasche Wein aus heimischer Erzeugung aus. Das sind zwar ein paar Cent mehr als für Billigweine ausländischer Provenienz. Es ist aber nicht jenes Preissegment, das den deutschen Winzern langfristigen Erfolg verspricht. Wer nur 1,3 Prozent von weltweit mehr als 7,5 Millionen Hektar Rebfläche bewirtschaftet, dem sollte die Profilierung eigentlich leichtfallen. Zumal mit dem vergleichsweise exotischen Riesling als Leitrebsorte.

Dessen markante Säure und seine bisweilen verwirrende Geschmacksvielfalt beschränken ihn auf eine Nische, in der sich gut wirtschaften lassen könnte. Doch die Spanne reicht von den Höhen kostbarer Weltklasse-Weine bis in die Tiefen billiger Massenproduktion. Und im Einkaufsmarkt wird vor allem dann zu Riesling gegriffen, wenn er halbtrocken oder feinherb schmeckt und die Säure von Süße überdeckt wird. Nicht selten wählen die Kunden lieber gleich den Grauburgunder. Wohl dem Weingut, das seine auskömmliche Nische gefunden hat und nicht in den Konkurrenzkampf am Weinregal eintreten muss. Der Handel ist auf die in jüngerer Zeit deutlich gestiegene Qualität deutscher Weine immerhin aufmerksam geworden und stellt sie häufiger ins Regal.

Für eine zunehmende Zahl jüngerer Konsumenten ist Wein ein Lifestyle-Produkt. Etwa jeder dritte Deutsche gibt sich in Umfragen als regelmäßiger Weintrinker zu erkennen. Das Ansehen deutschen Weins hat im Hinblick auf Image und Qualität deutlich zugelegt, auch wenn die Zeiten nicht mehr zurückkehren werden, als ein Schloss Johannisberger Riesling das Mehrfache eines Chateau Margaux kostete. Dass deutscher Wein aber qualitativ die Konkurrenz nicht zu fürchten hat, das haben inzwischen auch Gelegenheitsgenießer begriffen.

Doch während die jüngeren Konsumenten am Weinregal häufiger zugreifen, gehen die Weineinkäufe der Senioren zurück. Das führte in Verbindung mit kleinen Ernten und hohen Preisen dazu, dass die deutschen Winzer zuletzt in einem zwar robusten, aber gesättigten Weinmarkt wieder an Boden verloren haben. Die hohe Qualität des aktuellen Jahrgangs wird nicht dazu führen, dass die Preise steigen. Im besten Fall könnte die reichhaltige Menge guter Tropfen helfen, den einen oder anderen Regalmeter im Supermarkt für deutschen Wein zurückzugewinnen.

Erste Gewächse 2017

 2017 könnte der letzte Jahrgang der Ersten Gewächse gewesen sein, 2018 soll es ein „Rheingau.Großes Gewächs“ nach Vorbild der GGs aus „VDP.Großer Lage“ geben. Das kündigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt am Rande der Ersten Gewächs-Präsentation im Festsaal des Rathauses Wiesbaden an, während direkt vor dem Rathaus die 43. Rheingauer Weinwoche ausklang. Doch bis zum „GG für alle“ sind noch einige rechtliche Fragen zu klären (und bitte mit einem Beschluss zur Abschaffung der 13g Zucker-Obergrenze, schon 9 Gramm sind häufig zu viel!)

Der diesjährige Termin mit einer Woche Abstand zur VDP-GG-Verkostung im Kurhaus kann auch als Eingeständnis gewertet werden, dass die direkt zeitliche und räumliche Nähe nicht die erhoffte Aufmerksamkeit der Weinfachjournalisten gebracht hat, die ohnehin nach Wiesbaden zur VDP-Probe anreisen. Insgesamt wurden von 24 Erzeugern 27 Rieslinge und ein einziger Spätburgunder vorgestellt. Das zeigt auch, dass für Pinot Noir diese EG-Kategorie von den Winzern selbst als überflüssig erachtet wird. Hier sind hohe Preise und guter Absatz auch ganz ohne Gütesiegel erzielbar. Abschaffen und volle Konzentration auf Riesling wäre die richtige Konsequenz. Aber vermutlich ist es wahrscheinlicher, dass irgendwann auch alle Burgunder-Sorten GG-tauglich sein sollen…, siehe die unglückseligen Beschlüsse zur Ausweitung der Landesweinprämierung… Doch zum Riesling.

Ich habe die Probe etwas homogener als in den Vorjahren erlebt. Es war weniger die grundsätzliche Qualität als die Stilistik, die teils sehr weit auseinander driftete und auch Fragen aufwarf. Ein Beispiel ist der holzbetonte Bischofsberg (86 Punkt) des Weinguts George. Das kann man genial finden, muss man aber nicht. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Mehrzahl der Weine 8 bis 9 Gramm Restzucker aufwiesen, was zwar zulässig, aber nicht immer empfehlenswert ist. Die größte Strahlkraft wiesen eindeutig jene EGs zwischen 4 und 6,5 Gramm Restzucker auf. Dort paarte sich Straffheit mit gutem Zug und Druck am Gaumen, feiner Frucht, guter Struktur, Nachhall und Präsenz. Mehrere Winzer hätten selbst gern trockenere Weine vorgestellt, doch die Natur wollte nicht so…. die Weine blieben stehen. Dann ist es allerdings richtig, der Natur ihren Lauf zu lassen und nicht mit der kellerwirtschaftlichen Peitsche die Gärung voranzutreiben.

Zwei „Extremisten“ hatte wieder der Hattenheimer Stefan Gerhard mit Wisselbrunnen (89) und Schützenhaus (88) vorgestellt. Beide fast durchgegoren, beide um die 14 Prozent Alkohol – fast ein bisschen zu viel der Ecken und Kanten im Mund, aber im positiven Sinne interessant. Die Frage der Lagerfähigkeit ist für mich noch nicht beantwortet… Die von mir organisierte Schoppentrophy ist in vielen Jahren übrigens schon fast ein Gradmesser für die Ersten Gewächse. Wenn den Lorcher Steillagen ein Jahrgang entgegenkommt, dann sind nicht nur schon im Frühjahr die Basisweine exzellent, sondern auch die Top-Weine im Spätsommer. Entsprechend rangierten daher auch hier Altenkirch und Mohr unter den Besten: dem Pfaffenwies von Jasper Bruysten (92) kommt zugute, dass die Weine aus dem Quarzit-Boden sich schneller zugänglich zeigen als der Schiefer-durchsetzte Bodental-Steinberg von Jochen Neher, Mohr, (91+), der in der Jugend nur schwer in die Gänge kommt, dann aber fast immer großes Potential entfaltet. Auch der Schlossberg von Laquai (90) gefiel mir gut, zeigt sich aber noch recht verhalten und verschlossen. Kläuserweg und Rothenberg sind zwei Geisenheimer Lagen, die nicht ausreichend geschätzt werden, obwohl sie ein sehr gutes Terroir für große Weine darstellen. Der Kläuserweg von Sohns (88+) kommt diesmal in der Jugend noch nicht an den Kläuserweg von Goldatzel (90) heran. Und weil der Bessere immer der Feind des sehr guten ist, muss sich der Kläuserweg von Groß dem Hasensprung aus dem eigenen Stall beugen (92+), das bedeutet den Fotofinish-Sieg von Goldatzel vor Altenkirch. Fast doppelt so viel Restzucker (11,2) hat der Hasensprung von Trenz (88), was der Präzision und Eleganz durchaus etwas abträglich war. Trenz selbst sieht den Wein als Langläufer und den Zucker als notwendigen Treibstoff. Wir hoffen, den Wein im Auge – am Gaumen – behalten zu können. Sehr eigenständig wie im Vorjahr wieder der geschliffene, markante Rothenberg von Schumann-Nägler… (90+), auch wenn sich hier die Geister im Rathaus schieden… ich fand ihn klasse.

Erfreulich, dass Schloss Schönborn diesmal deutlich stärkere Weine als im Vorjahr vorgestellt hat, der Nussbrunnen (89) zählt sicherlich zur erweiterten Spitze, ebenso der Siegelsberg von Crass (88+). Insgesamt taten sich die Güter 2017 im unteren Rheingau offenbar einfacher, Top-EG zu erzeugen als zwischen Hochheim und Winkel. Gewohnt solide zeigten sich Bausch, Himmel und Nikolai. Mit mehr Mut und weniger Restzucker wäre noch mehr drin… das trockene Jahr 2018 könnte die Verhältnisse im Rheingau vielleicht umdrehen, wenn wir 2019 die vielleicht ersten „Rheingau.Große Gewächse“ kosten. Persönlich bin ich im Hinblick auf den Jahrgang durchaus skeptisch… derart warme Jahre spiele dem Riesling eigentlich nicht in die Hände…

Bodensee-Weine

3 Tage Bodensee, da lechzt die Seele des Weintrinkers natürlich nach den badischen Weinen der Region… Aufricht, Staatsweingut Meersburg, Markgraf von Baden, Kress, da geht doch was….?!? Ja, aber, lautet das Fazit. Es gibt leckere Weine, vor allem als Schoppen und in der Mittelklasse… nach oben hin wird die Luft dünn… Aufricht: unser Favorit! Schön über dem Bodensee gelegenes Weingut, freundliches Personal, am Ende ein Sekt auf Kosten des Hauses auf der Terrasse mit Blick über den See… sehr schön.

Wir haben fast ausschließlich die Lilien- (= Premium-) Weine verkostet und war meist angetan. Der 2016 Chardonny (1 Lilie, kaufen!) und der 2017 3 Lilien-Riesling haben am besten gefallen, gut auch die Sauvignons. Allerdings zeigten die Spätburgunder en hohe Maße an fortgeschrittener Reife und Rumtopf-Aromen, die uns eher missfallen haben. Staatsweingut Meersburg: Top Ensemble am Wasser, aber das Personal unfreundlich bis ungebildet (im Hinblick auf Wein), und das Verhältnis zum Pächter (?) der Gutsschänke scheint auch eher zerrüttet…. sehr seltsam.

Die Vinothek strahlt das Ambiente einer Genossenschaft aus, die Mittelklasse-Weine (sämtlich um 10 Euro) enttäuschten auf breiter Front. Recht gut gefiel der 2016er ***Chardonnay aus der Chorrherrnhalde. Dass uns vom Kauf der Restflaschen des genauso teuren (17,50 Euro) 2014 ***Chardonnay abgeraten wurde („hat schon einen Alterston“) hat uns bei einem Barriquewein irgendwie doch sehr irritiert… wir haben uns vom Kauf nicht abhalten lassen….Hohentwieler und Meersburger Riesling sowie Weißburgunder vom Jungfernstieg waren grundsolide, aber nicht animierend. Irgendwie waren wir doch enttäuscht, wie das Land seine Rolle interpretiert…

Ansonsten habe wir vieles getrunken, was uns mehr (2017 Müller-Thurgau und 2016 Auxerrois von Kress) oder weniger (2016 Birnauer und Bermatinger Spätburgunder vom Markgrafen) gefallen hat… leider hat die Gastronomie selbst nicht immer das große Zutrauen zu den Weinen der Region, wie die Weinkarten bsp. in Überlingen zeigen…

Marcobrunn & Co.

Marcobrunn und Mannberg …zwei klingende Namen unter den Rheingauer Weinbergslagen. Zwei Terroir-Nachbarn zwischen Erbach und Hattenheim, beide prädestiniert für große Weine. Das Weingut Langwerth von Simmern hat neben den Staatsweingütern als einzige das Glück, in beiden Weinbergen begütert zu sein. Nun ist es auch das Weingut Höhn in Wiesbaden, denn Jürgen Höhn ist es gelungen, fünf Hektar Weinberge aus dem Portfolio von Langwerth von Simmern zu kaufen, darunter übrigens auch Nussbrunnen (der im ersten Jahr als saftige süße Spätlese auf den Markt kommt). Während über die Immobilie von Langwerth inzwischen Klarheit herrscht (Verkauft an Bauunternehmer Jökel aus Schlüchtern) gilt das für die verbliebenen 18 Hektar Rebfläche – zum heutigen Zeitpunkt – noch immer nicht. Während wir grübeln, wer wohl den Zuschlag erhält – die Ernte kommt früh 2018! – stellte Höhn bei seiner Jahrgangspräsentation die ersten der neuen Lagenweine vor. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn Spätlese werden dabei preislich knapp über das Erste Gewächs aus der Schiersteiner Hölle gestellt, da ist ein guter Ansatz! Auch wenn beim Restzucker für meinen Geschmack bei beiden ein wenig zu hoch gegriffen wurde, so zeigt der Marcobrunn doch gut seinen festen, druckvollen, zu diesem Zeitpunkt aber noch stets recht verschlossenen Charakter, während der Mannberg schon zugänglicher und eleganter wirkt mit guter Mineralität und feiner Säure. Beide Weine brauchen noch Zeit, und ich auch zum Nachverkosten, das finale Urteil zu gegebener Zeit dann hier….

Auf dem Rhein

Mit der „Boppard“ von Eltville nach Oberwesel, mit der „Godesburg“ von Bacharach nach Rüdesheim, das macht an einem Sommer-Sonntag Laune. Was man auf den beiden Schiffen der KD-Flotte so erlebt, dazu mehr in der FAZ. Die erfreuliche Nachricht für diesen Blog lautet: Es gibt mehr als nur trinkbare Weine auf den Schiffen…! Wir haben die Mittelrhein-Burgen gezählt und dabei Matthias Müller 2017 Bopparder Hamm Riesling feinherb getrunken sowie Weingut Karl Heidrich 2016 Riesling trocken… das war ganz ordentlich, es hätte sogar 2016 Rüdesheim Estate von Breuer gegeben, aber da der Ausklang ohnehin im Rüdesheimer Schloss stattfand… wo übrigens der brandneue, straffe „2017 Blanc Weisser Burgunder“ großen Trinkfluss entfaltete. Eine echte Empfehlung!

Verkostungstagebuch

Steinmacher & Sohn, Kiedrich Endlich hat auch Bürgermeister und Winzer und Tausendsassa Winfried Steinmacher wieder einen Pächter für seine Schänke „Zum Wibbes“. Die früheren Betreiber des Rheingauer Hofs in Eltville haben hier ihre neue Aufgabe gefunden. Die Küche ist deftig-rustikal und wohl auch deshalb haben die eigensinnigen Kiedricher die Schänke ordentlich angenommen. Die Wein von Steinmacher haben in den vergangenen Jahren deutlich an Qualität zugelegt, das ist erfreulich. Aus der aktuellen Kollektion nebem dem „Klosterberg“ besonders empfehlenswert: 2017 Kiedricher Wasseros Edition Johannes Riesling trocken 2016 Kiedricher Sandgrub „Riesling Terroir“

Hessische Staatsweingüter 1971 Heppenheimer Centgericht Riesling Spätlese … wie gut dass Niko Kovac Jahrgang 1971 ist und jetzt die Bayern trainiert… diese Flasche war der Wett-Verlust eines überzeugten Eintrachtlers, der noch immer unter dieser Niedertracht leidet… für mich als Bayern-Fan seit den 1970ern war diese diese filigrane Spätlese umso mehr ein Genuss… und jetzt muss Kovac nur noch liefern….

Sterne aus Assmannshausen Weingut Krone 2013 Spätburgunder Juwel Weingut August Kesseler 1993 Höllenberg Spätlese trocken** Weingut August Kesseler 2013 Cuvée Max Pinot Noir Wer an der Güte der Assmannshäuser Roten je zweifelte, wurde an diesem Abend bekehrt… ein Fest des feinen Cassis und aller Stärken, die ein Top-Späbu zeigen kann…

Weedenborn, Rheinhessen 2017 Sauvignon blanc 2017 Westhofen Terra Rossa Sauvignon blanc 2016 Reserve Sauvignon blanc Die Queen of Sauvignon, Gesine Roll, zeigt was sie kann: Sauvignon vom Feinsten, eine Benchmark. Wer mit dieser Rebsorten wirklich Ambitionen hat, findet hier den Maßstab, an dem es sich zu messen gilt… wer meint es geschafft zu haben, der lasse mich kosten!

Gronesteyn, Kiedrich Nicht nur Steinmacher hat in Kiedrich wieder geöffnet, auch die Weinschänke Schloss Groenesteyn hat mit Dirk Schroer gemeinsam mit Amila Begic neue Pächter nach drei Jahren Stillstand (in denen Eric Elbert den „Esskork“ in Eltville startete…) Nach drei Besuchen können wir konstatieren: das wird was! Und unser Alleskönner zu den Gerichten von Schroer lautet vorerst Chat Sauvage 2016 Chardonnay … ansonsten hoffen wir, dass Ritter Groenesteyn seinen Keller öffnet und auch einige ältere Groenesteyn-Schätzchen auf der Weinkarte als Raritäten auftauchen…

Bürgerspital, Würzburg Würzburger Stein 2015 Silvaner trocken und 2013 Riesling trocken VDP.Erste Lage – sehr lecker, mein klarer Favorit derzeit in Würzburg unter den „großen 3“ Glaser-Himmelstoss, Nordheim 2016 Spätburgunder Blanc de Noir trocken VDP.Gutswein – leckerer Sommerwein, easy drinking zum fairen Preis. Aus dem Verkostungstagebuch Markus Schneider, Ellerstadt 2017 Ginster „Kabinett“ trocken – das neue Projekt von Tausendsassa Markus Schneider… ein Pfälzer goes Mosel… herausgekommen ist ein noch blutjunger, von Schiefer-Steilhängen geprägter Riesling mit saftiger Süße, der unbedingt sofort getrunken oder zehn Jahre reifen sollte…

S.A. Prüm, Wehlen 2008 Sonnenuhr Kabinett …. vielleicht schmeckt der Schneider (s.o.) dann tatsächlich etwa so wieder dieser Prüm und zeigt, welch großartiges Jahr 2017 Jahr – 2008 war ohnehin spitze für Riesling Ball des Weines Wiesbaden … wieder mal ein rauschendes Fest mit Lebenslust und Trinkfreude… im Saal gabe es zum Dinner unter anderem einen großartigen Silvaner von Johann Ruck (2016 Kronsberg), gefolgt vom Grauburgunder GG der Staatsweingüter, dem einzigen GG von der Hessischen Bergstraße übrigens… und einem 2013 Eichberg-Spätburgunder GG von Franz Keller. Sehr schön auch das 2014 Lemberger GG von Kistenmacher-Hengerer. Wegeler, Oestrich 2013 Rothenberg Riesling GG – fulminant, großer Trinkfluss, spitze!

Weingut Jakob Jung, Erbach 2007 Hohenrain Erstes Gewächs, 2011 Siegelsberg Erstes Gewächs, 2005 Siegelsberg Erstes Gewächs – was für eine imposante Vertikale, und bei den Jahrgängen haben wir uns jeweils schwer verschätzt…. also die Weine waren jeweils älter, als wir vermutet haben… ein schönes Trio, das auch die Qualitätskonstanz im Hause Jung zeigt… wir sind beeindruckt Hans Bausch, Hattenheim 2012, 2014, 2015, 2016 Engelmannsberg Erstes Gewächs …. und noch eine EG-Vertikale… zeigt sehr schön die Jahrgunterschiede und das Potential, auch meine Riesling-Runde geteilter Meinung beim Favoriten war… für mich war 2015 groß und 2016 noch zu verschlossen und jung, aber da sah nicht jeder so… leider hat 2013 gefehlt… ich vermute mal, das wäre der Kracher gewesen… Bibo-Runge Romantiker Rheingau Riesling & Revoluzzer Rheingau Riesling… lecker Paar mit klarem Vorsprung für den Revoluzzer, der ein echter Charakterwein mit Ecken und Kanten ist…. Mitter-Velten, Hochheim Nicht nur das Etikett ist neu (und schön), auch die – neuerdings Öko- – Weine gewinnen an Statur, wie ein Querschnitt der 2017er (Grauburgunder, Hölle Kabinett, Herrnberg) ergab. Läuft… GGs und EGs Private Feiern fördern bisweilen Schätze aus privaten Kellern zutage… erst kürzlich gab das Gelegenheit, die EGs/ GGS von Weil (2011), Barth Schönhell (2015 & 2016), Sohns (2013), Spreitzer (2011 Lenchen) und Allendorf (2013 Jesuitengarten) quer und durcheinander zu trinken…, dazu Breuers 2015 Schlossberg, Alte Reben von Van Volxem (2016)… Herz, was willst Du mehr… und wieder zeigte sich, dass 2013 einfach ein grandioser Jahrgang ist und dass Weil-Weine superb reifen… 2011?! Kaum zu glauben!

 Jahrgangsverkostung Robert Weil, Kiedrich Auch für Weil war 2017 wegen Hagel, Spätfrösten und Fäulnis nicht eben einfach, aber dieser Jahrgang ist abermals ein Beleg dafür, dass es (seit 1988?) keine guten und schlechten Weinjahre mehr gibt, sondern nur noch Winzer, die der jeweiligen Herausforderung besser oder schlechter gerecht werden. Und (nicht nur) Weil hat den Bogen raus! Hier werden Jahr für Jahr beachtliche Kollektionen auf die Beine gestellt in einer qualitativen Konstanz, mit der deutschlandweit nur wenige konkurrieren können. 2017 Weil Rheingau Riesling trocken … diesen Wein gibt es immer 2x, als Liter und in der 0,75er, aber selten habe ich den Unterschied zwischen diesen beiden Füllungen so groß gesehen. Der Liter ist wie immer lecker, fruchtig, easy drinking, aber die Variante in der braunen Schlegelfasche ist ein Hammer. Großartige Fülle, zweifellos hohe Extraktwerte, druckvoll am Gaumen, Fruchtbombe, vielleicht einer der stärksten 0,75 l in jüngerer Zeit…. 2017 Kiedricher – so viel Weil für vergleichsweise so wenig Geld, da kommt Freude auf. Viel Finesse, sehr mineralisch, expressiv am Gaumen, guter Nachhall, reintönige Eleganz, top 2017 Klosterberg – es scheint, dass Weil diesen Weinberg immer besser in den Griff bekommt, denn der Unterschied zum Turmberg wird – bei aller Differenzierung im Terroir – immer geringer. Sehr dicht, komplex, gute Länge und Finesse 2017 Turmberg – wie immer zu diesem Zeitpunkt meiner Favoriten, genial gut, hält den Klosterberg noch gut auf Distanz, schon jetzt recht trinkreif aber mit großem Potential für eine lange Lagerung 2017 Gräfenberg – jetzt noch schwer einschätzbar, sehr verschlossen, aber mit großartigen Anlagen und der typisch tänzerischen Feinheit, das wird wohl ziemlich, ziemlich gut werden… wenn es erstmal trinkreif ist… 2017 Tradition – relativ neu im Sortiment, sehr feinherb, mir einen Tick zu süß, aber zum Essen sicherlich ein guter Begleiter in der guten Tradition der Rheingauer Rieslinge, die wohl in der Vergangenheit nie richtig trocken und auch nie richtig süß waren… aber 20 statt 24 g RZ hätten wohl auch gereicht für noch mehr Trinkfluss 2017 Kabinett – fruchtsüßer Spasswein, läuft, saftig, Maul voll Wein, Durstlöscher am Grill! … und dann natürlich die Süßen: Turmberg und Gräfenberg als Spätlesen und Auslesen, der Gräfenberg immer etwas süßer… aber noch viel zu jung. Mit zunehmender Süße ebnen sich die Lagenunterschiede weiter ein. Und dann natürlich die Giganten: 2017 Gräfenberg Beerenauslese und Trockenbeerenauslese… der Kenner genießt und schweigt

Trenz, Johannisberg … im verlässlich, immer konstant, und schon der Basic ist immer eine gute Visitenkarte des Weinguts. Die 2017er sind vielversprechend, beim jüngsten Besuch war es vor allem der „Steinhaus“ Riesling, der mich überzeugte. Eine schöne Überraschung war allerdings der 2012 Trenz two aus der 5-Liter-Flasche… perfekte Trinkreife !

Balthasar Ress 2016 Nussbrunnen GG – großartiger Spitzenwein, legt eine sehr gute Entwicklung in der Flasche hin, einfach top! 2017 Rheingau Riesling trocken – wirklich schöne Aussichten auf den Weinjahrgang 2017 Weinkellerei Stefan B. Ress 2017 Liebfraumilch Forbidden Pleasure (Rheinhessen) – Revivial einer der Zerstörerinnen des Renommes deutschen Weins, „sweet & cheap“, das hier ist weder richtig süß noch richtig billig, aber sehr reintönig, fruchtbetont, stark reduktiv ausgebaut – ergibt im Ergebnis einen Sauwein, der die Kehle runterläuft… sofern man drauf steht… Diel, Nahe 2016 Riesling Goldloch GG – fein und groß, gut balanciert, läuft! HB Hughes Beguet 2014 So True Arbois – so ein überbezahlter Jura- Wein, vollodixiert, strange. Braucht das die Weinwelt? Eine kleine Minderheit steht drauf, ich weiß nicht warum. Forget it, Mantel des Schweigens. Grabesstille. Bischöfliches Weingut Rüdesheim 2016 Riesling trocken „Maischegärung“ – wenn es wirklich mal „orange“ sein muss, dann so. Nur so! Einzig und allein so! Ein großer Wurf, Peter Perabo, da müssen sich alle anderen der Orange-Szene mit ihrem oxidativen Kram warm anziehen. Graf von Schönborn 2016 Hattenheim Pfaffenberg Riesling Erstes Gewächs – das geht besser, viel besser…. Gramercy Cellars, Walla Walla Valley 2015 The Deuce Syrah – sehr schöne Frucht, Finesse, Eleganz, gut Hessische Staatsweingüter 2007 Höllenberg Spätburgunder – klasse gereift, kein bisschen Müdigkeit, läuft jetzt eher zu großer Form auf, Rheingauer Pinot vom Feinsten. Ein Lob auf Österreich Lackner-Tinnacher 2016 Sauvignon blanc Ried Steinbach 1. Lage – ein wenig hart und „unrund“, auch das Dekantieren erhöhte den Trinkfluss nicht wirklich… Neumeister, Steiermark 2015 Sauvignon blanc Ried Moarfeitl, Steiermark – deutlich stärker, gut strukturiert, Druck am Gaumen, gute Fülle Franz Hirtzberger 2015 Smaragd Honivogel Grüner Vetliner – sehr fest, hohe Glycerin-Süße, dickt, voll, konzentriert, eingeschränkter Trinkfluss … diese drei Weine wurden in der Hattenheimer Adlerwirtschaft nach der kulinarischen Neuaufstellung getrunken. Die Weinkarte verdient weiterhin im Rheingau das Lob „extraklasse“, mit dem neuen Speisenkonzept allerdings ist es ein „Kreuz“. Das hat keine Zukunft. Nun soll der Gast „Pakete“ mit 9 bis 18 Kreuzen für 36 bis 60 Euro kaufen und sie auf die Speisekarte verteilen… das bringt wenig Spaß und ist überdies teuer. Ein solides 180g-Filetsteak für 44 Euro …. nein danke. Versteigerungsweine …ausgewählte Weine der jüngsten VDP-Staatsweingüter-Auktion (siehe den ausführlichen Bericht weiter unten in diesem Blog) haben die Kranenmeister bei ihrer 105. Probe verkostet, darunter auch die 2017er Réserve-Weine von Ress, Weil, Johannishof und Georg-Müller-Stiftung. In der Blindverkostung überzeugten mich Weil und Johannishof mit Abstand am meisten. Aus dem Verkostungstagebuch Steinmacher & Sohn, Kiedrich Riesling Sekt brut …genau das richtige, um anlässlich des Kiedricher Weinsteigs (dritter Sonntag im März) das Erklimmen des Scharfensteins zu feiern… leider verdarb der Wintereinbruch diesmal die frohen Erwartungen der Kiedricher Winzer. Wer trotzdem kam und ordentlich gekleidet wara, wurde nicht enttäuscht… neben den anderen Weinwanderungen wie bsp. „Natur pur“, Bubenhäuser Weinrunde, Eibinger Weinwanderung u.a. ein guter Start in die Saison… My Trip to Auli Über Aulhausen, das Rheingauer Weindorf ohne eigene Weinberge, habe ich mich schon bei anderer Gelegenheit auf diesem Blog ausführlich ausgelassen. „Auli“ ist aber immer einen Trip wert, auch im März. Dann stellt z.B. Friesenhahn schon den aktuellen Jahrgang vor, bei Strieth sind die ersten 2017er gefüllt, und bei Klaus Schön isses ohnehin immer schön… Weingut Michael Schön: 2011/ 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken. Ja, solche dicken Späbus mit 14% Alki sind nicht jedermanns Sache, doch ein Geschmackserlebnis sind sie mit ihrer Wucht, ihrem Tiefgang, ihrer Frucht und ihrer Substanz allemal… Friesenhahn: der 2016er Rüdesheimer Riesling A hat mich diesmal an erster Stelle überzeugt. Nur 1,3 g Zucker, somit knochentrocken, aber denn mit viel Mineralität und Finesse, klasse. Der 2016 Katerloch Riesling Spätlese Alte Reben ist deutlich gefälliger. Weichgespült wäre aber bei einem solchen Wein das ganz falsche Wort. Finesse und Eleganz, gepaart mit Frucht und Saftigkeit, gut. Weiter probiert: 2016 FrieSteil (Freestyle!) feinherb, ein Wein zu Wegsaufen gut. 2016 Leingiebel Spätlese deutlich süßer, feiner Essensbegleiter. 2017 Rüdesheimer Weißherbst trocken und feinherb (letzter viel zu süß für mich), 2017 Grauburgunder trocken – gut, aber den Hype um die Rebsorte kann ich einfach nicht nachvollziehen… da greife ich lieber zum Chardonnay. Oder bei Friesenhahn zum dichten, starken 2015 Spätburgunder trocken! Strieth: da stehen alle Zeichen auf einer bärenstarken 2017er Kollektion! Zum Beispiel der 2017er „Jungspund“ Riesling feinherb, der eine Allzweckwaffe ist und über den Sommer hinweg ein perfekter Trinkwein ist. Wir waren mal ab, ob irgendwann ein „Alter Sack“ den Weg ins Sortiment findet. Ganz stark der „Frenz“ aus dem Berg Kaisersteinfels. Derzeit noch mit viel Primäraromen, aber die Klasse deutet sich schon auf dem Gaumen und im Abgang an. Mein Liebling aber ist der spontanvergorene 2016 Schlossberg „Alte Reben“ Riesling, das ist großartig! Dass Strieth ein Händchen für Blanc de Noir hat, muss nicht eigens erwähnt werden. Das setzt sich auch mit dem 2017er nahtlos fort. Eine Bank für sich ist der 2015er Höllenberg Spätburgunder mit feinem Cassis, ein wenig Vanille, feine Frucht roter Beeren, Kraftvoll, aber nicht zu aufdringlich, sehr gut. Und dann hatten wir noch die Chance, ältere Pinots zu probieren… aber das ist eine andere Geschichte… J.B. Becker, Walluf 2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben 2013 Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese Alte Reben Schloss Reinhartshausen, Erbach 2016 Sauvignon blanc Inselwein trocken … ich war schon viel lange nicht mehr in der Schlupp in Walluf, Schande über mein Haupt. Gutes Essen, freundlicher Service, feines Ambiente, dazu feine Weine wie die von Becker in Walluf. Becker-Weine reifen einfach großartig, wie die beiden Walkenberg-Weine aus 2008 und 2013 zeigen, top. Und der Sauvignon blanc von der Rheininsel Mariannenaue hat zwar sehr viel Säure, aber insgesamt ganz ordentlich gelungen… Sohns, Geisenheim 2015 Mäuerchen Spätburgunder M – eher auf der dichten, wuchtigen denn auf der komplexen Seite, aber durchaus fein und gut, braucht in jedem Fall noch 2-4 Jahre Zeit, um seinen Charakter zu entfalten F. B. Schönleber, Winkel 2014/2016 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG 2015/ 2016 Winkel Jesuitengarten Riesling GG einfach schön, wenn man in einer Rheingauer Schänke vier GGs aus drei Jahren und zwei Lagen trinken kann. An unserem Tisch gingen die Meinungen auseinander, so dass ich mich mit dem 15er Jesuitengarten nicht mehrheitlich durchsetzen konnte… (ist aber trotzdem der aktuell Beste…!) Weingut Abel, Oestrich 2015 Lenchen Riesling Erstes Gewächs – zeigt schon Reifenoten, aber von der angenehmen Sorte, stoffig, voll, dicht! Finale 22. Rheingau Gourmet und Wein Festival Wie gewohnt ging das Festival mit einer Abschiedsparty im Kronenschlösschen zu Ende. Mit dabei ein Fülle guter Winzer mit ordentlichen Tropfen. Und diese sind mir besonders in Erinnerung geblieben: Weingut Klumpp 2016 Weißburgunder und 2016 Grauburgunder Magnum – dicht, komplex, voll! Weingut Urban Kaufmann, 2014 Wisselbrunnen GG – Finesse, Eleganz Weingut Crass 2015 Siegelberg Riesling Alte Reben Magnum Wein- und Sektgut Barth 2011 Ultra Pinot brut Nature – großartig! Markgraf von Baden 2016 Durbacher Schlossberg Chardonnay trocken Weingut F.B. Schönleber 2016 Franz Bernhard Riesling und trocken UND Obsthof Schneider: 2014 Goldparmäne Alte Bäume und 2016 Ananasrenette – das ist ein Stöffchen zum Niederknien!

Reuter & Sturm

 Die kleine Sektkellerei am Wallufer Bahnhof hat es bisweilen nicht leicht, zwischen MM und Ohlig, zwischen Schloss Vaux, Bardong und Sekt-Güter wie Barth und F.B. Schönleber wahrgenommen zu werden, doch das ist ungerecht. Nach einer leider längeren Pause habe ich das Sortiment der flaschenvergorenen Sekte mal wieder verkostet… und sehe meine seinerzeit höchst positive Einschätzung bestätigt. Sehr gute Qualität zum phänomenalen Preis-Leistungsverhältnis, das zeichnet Reuter & Sturm aus. 2015 Weißer Burgunder Brut – eine cremig-feine Cuvée aus vornehmlich Hochheimer Lagenweinen von Spätlese-Qualität. Recht weich und samtig, ohne dabei charakterlos zu wirken, hoher Trinkfluss, sollte in großen Schlucken genossen werden, bei 11,80 Euro tut das auch nicht weh!

Eine echte Kaufempfehlung!

2015 Roter Riesling Rauenthaler Rothenberg brut – der Rote Riesling boomt in der Nische, und das gilt auch beim Sekt. Im Rheingau ist das eine Rarität, erzeugt aus vollreifem Lesegut. Sehr cremig, sehr voll, auch sehr kräftig, daher vornehmlich für eine Rolle als Essensbegleiter prädestiniert. Für mich einen Tick zu süss und einen Tick zu kräftig, was den Trinkfluss ein wenig hemmt, aber zu vielen Speisen sicherlich perfekt. 2014 Cuvée R+S brut – der Hammer und mein Liebling! Riesling und Spätburgunder zu einer perfekten Ehe vermählt.

Ein Sekt von hoher Präzision und Geschliffenheit, auf dem Punkt, Dichte und Eleganz fein verwoben, herausragend eingebundene Säure, Lebendigkeit, Finesse, Trinkanimation pur. 2013 Opus Riesling brut – Cuvée aus Riesling-Auslese, die Grundweine stammen vornehmlich aus Hochheim. Sehr voll, langer Nachhall, feinperlige Eleganz, eine Riesling-Sekt-Majestät

2013 Pinot Noir extra dry Rotsekt – noch so eine Rarität im Rheingau. Helmut Sturm hält wenig davon, Rotsekte zu trocken zu erzeugen. Er will Frucht und Trinkfluss bewahren, und dieser Pinot ist dafür ein gutes Beispiel, wenn auch nicht jedermanns Sache. Als Essensbegleiter ebenfalls sehr gut geeignet.

Sachsenweine

Eine geschmackvolle Stichprobe sächsischer Weine haben wir kürzlich in der Runde der „Kranenmeister zu Oestrich“ verkostet, und das Ergebnis an Zunge und Gaumen konnte sich sehen lassen und bestätigte die durchaus guten Erfahrungen meines ausgedehnten Trips nach Meißen, Radebeul und Dresden

Verkostet wurden in trauter Runde bei Chat Sauvage in Johannisberg: Zimmerling, Dresden: 2013 Pillnitzer Königlicher Weinberg Riesling, 2015 Weißburgunder und 2015 Gewürztraminer Königlicher Weinberg VDP.Große Lage Ingesamt hätte ich ein wenig mehr von Zimmerling erwartet, auch wenn er im Flight den besten Riesling stellt, zum Preis von 24 Euro je 0,5er-Flasche aber höchst anspruchsvoll.

Den Gewürztraminer fand ich sehr beachtlich, auch wenn es nicht unbedingt meine favorisierte Rebsorte ist. Schuh, Sörnewitz: 2015 Meissner Kapitelberg, 2015 Meissner Klausenberg Weißburgunder und 2016 Goldriesling sowie 2014 Dunkelfelder (!!!)

Bei Schuh gibt es in jedem Fall noch Luft nach oben, auch wenn der Goldriesling sehr gut und sehr rebsortentypisch ist und somit eine gute sächsische Visitenkarte. Besonders auffällig war der Dunkefelder… Hut ab, was ein guter Winzer aus einer solchen Verschnitt-Rebsorte zaubern kann, eine echte Überraschung.

Schloss Wackerbarth, Radebeul: 2015 Steinrücken Riesling und 2015 Blaufränkisch Beide Weine haben mir gut gefallen, ohne scheint mir das große Staatsweingut ein positive Entwicklung zu nehmen,, zwar habe ich aus dem Sortiment beim Besuch vor Ort schon bessere Weine als die beiden nun verkosteten getrunken, aber der Blaufränkisch ist wirklich nicht von schlechten Eltern!

Weingut Schloss Proschwitz: 2015 Weißburgunder Heilig Kreuz und 2015 Scheurebe sowie Spätburgunder VDP.Große Lage… ein Vorzeigebetrieb in Sachsen mit verlässlich guter Qualität. Der Spätburgunder zeigt, welches Potential auch in Sachsen geweckt werden kann, und der Weißburgunder hab mich mit seiner Finesse und seinem guten Trinkfluss überzeugt… auch wenn ich da im Weißburgunder-Flight in der Minderheit war, denn die Mehrheit votierte für Schuh.

Weingut Klumpp

Meine nordbadische Heimat ist mit Top-Winzern nicht gerade reich gesegnet, und das Kraichgau ist als Weinregion allenfalls mäßig bekannt. Im mäßig schönen Bruchsal allerdings, das eigentlich nur für seinen Spargel, seine Staus auf der A5 und sein Hochsicherheitsgefängnis bekannt ist, hat sich Erstaunliches getan. Vor zwei Jahren hat Familie Klumpp ihr erst 1983 gegründetes Weingut von Grund auf modernisiert und erweitert, und das mit Stil und Geschmack und (fast) ein wenig südafrikanischem Flair.

Hier werden auf immerhin 27 Hektar Rebfläche Weine erzeugt, deren Güte die gehobene deutsche Gastronomie schon lange für sich entdeckt hat. Meine Premiere im schon 1996 anerkannten Öko-Weingut war schon lange überfällig, vor allem in der Rückschau. Denn ich habe bislang etwas verpasst, was ich nach nur gelegentlicher Berührung mit einzelnen Weinen (zuletzt beim Gourmet Festival im Rheingau) schon länger geahnt habe: Hier gibt es badischen Wein vorzüglicher Qualität.

Schon der 2016er Basis-Riesling gefällt durch seine intensive Frucht, seine knackige Säure, sein reintönige Eleganz und Finesse. Der 2016er Riesling Himmelreich (Tonmergel-Boden mit viel Kalk) hingegen ist sehr speziell, mit einer aufregenden, leichten Petrol-Noten, leicht animalischen Anklängen… kein Wein zum einfach Runterschlucken, sondern Gesprächsstoff !

Das gilt auch für den 2016er Auxerrois mit seiner kräftig-würzig-kräuterigen Note, der eher schlank als opulent wirkt, sich aber dennoch als Essensbegleiter auch zu deftigen Speisen empfiehlt. Wer diesen Blog verfolgt, der weiß, dass ich mich mit Grauburgunder immer schwer tue, auch wenn der 2016er Basis-GB und der 2015er Rothenberg zweifellos zu den Besseren ihrer Art gehören. Ein Strahlemann ist hingegen der 2015er Kirchberg Weißburgunder, der dank Kalksandsteinboden mit Schmelz, langem Nachhall, enormer Frische und großer Klarheit überzeugen kann.

Der 2016er Chardonnay war leider noch nicht zu verkosten, aber eine Flasche habe ich jetzt im Keller. Bei den Roten (Rebsortenanteil rund 50 Prozent) musste ich auf den 2013er Rothenberg verzichten, der 2014er Weiherberg Pinot Noir wirkt jedoch wunderbar burgundisch. Kein fruchtbetonter Pinot, sondern absolut von Mineralität geprägt und Anklängen von Pfeffer, Paprika und diversen Gewürzen, geschmacklich eine Wucht, aber nicht wuchtig, sondern ganz auf der eleganten Seite. Das alles ergibt – in Kombination mit einer sehr angemessenen Architektur – ein badisches Vorzeigeweingut.

Auf nach Lissabon

Lissabon ist für alle Weinschmecker eine Reise wert. Eine architektonisch beachtenswerte Stadt, in Erinnerung bleibend durch den rührenden Fado-Gesang (immaterielles Weltkulturerbe), kunstvolle Wandkacheln an jeder Ecke, imposante Bodenfliesen unter den Füßen, Pudding-Törtchen an jeder Ecke, die nostalgische Straßenbahn, die Aufzüge… und natürlich den Wein.

Wir haben die Stadt erkundet und mit der Metro, dem Bus, dem Aufzug, der Fähre, dem Schiff und natürlich viel zu Fuß die besten Weinbars gesucht und zumindest einige gefunden. Meine Empfehlungen: BA Weine Bar do Bairo Alto … ist an erster Stelle zu nennen. 16 Sitzplätze, perfekte Beratung, Riesenauswahl, dazu nette kleine Gerichte. Gutes Konzept: Man entscheidet sich für eine Preisrage und bekommt 3 Weine zu verkosten, von denen man sich nur für einen entscheiden muss…. Hier wird portugiesischer Wein gelebt! Lisbon Winery … tolles Ambiente, aufmerksamer Service, gute Auswahl… hier verkostet und speist es sich formidabel, hingehen! The Old Pharmacy Wine Inn …. Eng, gemütlich, gute Weinauswahl, klasse Schinken- und Käseplatten… und erst die gegrillte Chorizia…. Tabuas Porto Wine Tavern … mitten in der Altstadt, sehr gemütlich, auf Portwein spezialisiert, aber auch sonst mit ein paar guten Tropfen! By the Wine – eine Art Gutsschänke von Foncesca… hier ist alles hip, trendy, lange Bar, der besten Platz für zwei ist am Tresen, die Weinauswahl ist limitierter als in den oben genannten, dafür die Speisenauswahl etwas größer… hier trifft sich das junge Lissabon auf ein Glas… reservieren! Instituto do Vinho do Porto ist natürlich ein Muss: Feine Auswahl von Portweinen unterschiedlicher Jahrgänge und Herkünfte, stilvolle Oase im sonst quirligen Viertel Bairo Alto … und ja, das ist natürlich noch längst nicht alles, was Lissabon in dieser Hinsicht zu bieten hat, für die Winebar do Castelo hat es leider nicht mehr gereicht, auch nicht für das Verkostungszentrum von Vini di Portugal direkt am Ufer und nicht für die Enoteca do Belém, da müssen wir wohl nochmal wiederkommen….

Weinwandern: Flötenweg

Rund 3000 Besucher oder mehr sprechen eine deutliche Sprache. Der Flötenwanderweg zwischen Hallgarten und Schloss Johannisberg ist als Wanderwegenetz beliebt, und das gut organisierte „Wandererlebnis Flötenweg“ haben neben „Natur pur“ in Hattenheim (3. Oktober), der „Bubenhäuser Weinrunde“ (Pfingstmontag) und der „Eibinger Weinwanderung“ (Seit 1989, 10 Winzer, 5 km, Anfang Juni) einen festen Platz im Kalender erobert.

Sein Nachteil ist natürlich, dass er kein Rundweg ist, sein Vorteil, dass bei rund zehn Kilometern das Gehen nicht zu kurz kommt. Wir haben diesmal nur einen kleinen Teil davon unter die Sohlen genommen, sind dafür vom Geisenheimer Bahnhof über den Johannisberger Weinprobierstand (schöner Platz mit schönem Blick!) auf den Johannisberg gewandert und in Höhe Mittelheim wieder talwärts abgebogen.

Am „Wegesrand“ fanden wir gleichwohl etliche gute Tropfen, beispielsweise 2015 Hölle Kabinett trocken und 2015 Kilzberg Spätlese „Alte Rebe“ vom Weingut Abteihof, ferner 2016 Gelblack Riesling trocken vom Schloss Johannisberg, das 2014er „Dachsfilet“ vom Prinz vom Hessen, die ganze Palette feiner Weine von F.B. Schönleber, vornehmlich 2016 Klosterberg Alte Reben trocken, und 2016 Edition Mittelheimer Edelmann feinherb, schließlich alle Charakterköpfe von Corvers-Kauter, darunter der 2015 Berg Schlossberg Riesling, ein animierender Riesling mit hohem Trinkfluss und Wow-Effekt, großartig!

Bordeaux preis-wert

Es müssen nicht immer nur die großen Namen aus dem berühmtesten Anbaugebiet der Welt sein. Leider ist es allerdings so, dass an meinem Gaumen der Trinkfluss bei Bordeaux erst dann groß ist, wenn die Weine ordentlich gereift sind. Sie sind dann aber in der Regel nicht mehr auf dem Markt oder nur zu sehr hohen Preisen erhältlich.

Die Zukunft eines jungen Bordeaux mit hoher Sicherheit voraus zu schmecken, das ist ein Experiment, das gelingen kann, das ich mir aber dennoch mangels ausreichend liquider Mittel erspare. Dennoch gibt es immer wieder bemerkenswerte unbekanntere Güter, die auch vergleichsweise junge Weine mit vergleichsweise guter Trinkreife offerieren.

Dazu gehört ohne Zweifel das mir bislang weitgehend unbekannte, 23 Hektar große Weingut Château Les Bouzigues, etwa 30 Kilometer südlich von St. Emilion und 20 Kilometer östlich von Sauternes im südlichsten Teil des Bordelais gelegen. Die Böden gleichen laut Weingut denen im Südhang von St. Emilion, die Preise für die 35.000 Flaschen Rotwein aus den Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc aber nicht.

Wir hatten die Chance, drei Reserve-Jahrgänge (2005, 2009, 2010) und den Topwein „2010 Cru“ blind gegen 2009 Chateau Lagrange und 2009 Chateau Phélan Ségur zu probieren. Château Les Bouzigues 2010 Reserve – sehr fruchtbetont, elegant mit gut integrierter, schmeckbarer Säure, leichte Anklänge von Pflaumenkompott, Aromen von Leder und Tabak, wirkt so jung wie er ist, noch leicht unfertig, aber mit guten Anlagen für ein langes Leben, 88P 2009 Reserve – sehr expressive, ausdrucksstarkes Bukett, opulente Frucht auch am Gaumen, unverkennbar aus einem warmen Jahrgang mit Schmelz und Kraft, fleischige Noten, schon sehr gefällig, weiche, feine Tannine, erstaunlich trinkreif, legt mit jeder Minute Luftkontakt an Klasse zu, einer der trinkanimierenden Topweine des Abends 91P 2005 Reserve –

Die erste Flasche leider fehlerhaft, die zweite tadellos. Kraft und Eleganz gut vereint, aber auch eine merkliche Schärfe im Abgang, kein Schmeichler, sondern eher derb am Gaumen, könnte mit den Jahren noch deutlich besser werden, muss aber nicht, 89P 2010 Cru – sehr saftig, fast mollig, zupackend, überwältigend viel Cassis, aber dick aufgetragen, hochkonzentriert und fett, für Starkweintrinker eine wahre Freude, ich nenne das „Bettkantenwein“, gibt nur 925 Flaschen dieses Powerweins, der aber auch schon leicht oxydative Noten im Hintergrund zeigte, es fehlt zudem die Eleganz eines Klassikers, ein inspirierender Tastingwein, macht aber schnell satt und müde, gähn, 90+P 2009 Chateau Phélan Ségur – sehr verhaltene Frucht, noch deutlich zu jung, rauh, hart, vielleicht hat auch das nicht perfekte Glas zu einem minderen Geschmackserlebnis beigetragen, legt bei längerem Luftkontakt deutlich zu, unter dem Strich aber geringer Trinkfluss, 87P 2009 Chateau Lagrange – klassisch-guter Bordeaux von hoher Strahlkraft, sehr fruchtgetrieben, fleischig auf die positive Art, aber mit großem Tiefgang, komplex, fein integriertes Holz, vielleicht ein wenig zu viel Alkohol, leicht animalisch-feurig, gute Würze, Leder, Tabak, kräuteriger Unteron, reife Tannine, top, 91+P

Kleine Moseltour

Endlich mal weiter Zeit für einen Kurztrip mit guten Freunden an die Mosel. Und bei Dr. Loosen in Bernkastel wie immer herzliche Aufnahme gefunden! Baulich hat sich das Weingut beeindruckend weiterentwickelt. Der Anbau mit seinen Verkostungsräumen ist stilistisch sehr gelungen. Das ist mit Worten schwer zu beschreiben, muss man gesehen haben! Und die Weine muss man getrunken haben, aber das ist vielleicht weniger überraschend. Beispiel 2016 Rotschiefer trocken. Ein fein balancierter VDP.Gutswein mit durchaus dichter, fein gewobener Mineralität. Kein Leichtgewicht, sondern ein fester, ernsthafter Riesling von großer Finesse. Nicht minder fein der VDP.Ortswein, der bei Dr. Loosen aus Graach kommt und den tiefgründigen Schieferboden sehr gut wiederspiegelt. Dezent kräuterige Noten im Hintergrund, saftige, gelbfruchte Aromen mit leicht erdigen Anklängen im Vordergrund, stoffig, gute Struktur und Balance. VDP.Erste Lage-Weine sucht der Weinfreund an der Mosel ja vergeben, denn hier herrscht die Dreistufigkeit vor. Bei Dr. Loosen wird das zur das Preisgefüge abgemildert, denn 17 Euro für das Bernkasteler Lay-GG aus VDP.Großer Lage sind eine Einladung zum Sofortkauf. Wir hatten das Vergnügen, das 2015 Würzgarten GG neben der 2012 Würzgarten GG Réserve verkosten zu dürfen und waren hin und weg. Die cremige Textur und schöne Reife der Réserve waren eine gut schmeckbare Steigerung des vom Vulkangestein geprägten, komplexen GGs, das voll exotisch-würziger Aromen daherkam, unter anderem mit Grapefruit, und Mirabelle. Und die Süßen? Ja, natürlich Lay Kabinett, Wehlener Sonnenuhr Spätlese, 2013 Beerenauslese, was soll ich sagen: Alles gut!

Wer anschließend durch Bernkastel spaziert, um seine Eindrücke zu sammeln, dem sei die Tresor-Weinbar (Gestade3b) empfohlen. Das ist fern der altbackenen Mosel-Litanei, auf die man noch an zu vielen Orten stößt (für meinen Geschmack übrigens auch in der Mosel-Vinothek am Weinmuseum, obwohl dort 140 Weine zu verkosten sind…), ein netter Ort zum Verweilen mit sehr freundlichem Personal. Top! Das 2014er Wegeler Bernkasteler Doctor GG erwies sich als idealer Nachmittagswein…

Die Weinstube des Reichsgrafen von Kesselstadt in Trier war am Folgetag ein ebenso schöner Stopp, zum kleinen Lunch ein 2016er Kasler Kabinett trocken, das passt. Wie fast immer übernachten wir an der Mosel im Gästehaus des Weinguts Clüsserath-Weiler in Trittenheim, vor Verena Clüsserath jetzt ganz für den Weinausbau zuständig ist. Eine Zäsur, die sich in einem neuen, ganz hübsch geratenen Etikett wiederspiegelt. Wer die Chance und die Muse hat, nutze den Abend, um sich von ihrem Mann Raphael Ianniello höchst professionell kulinarisch verwöhnen zu lassen, der unter anderem bei Johann Lafer gelernt hat und Großartiges auf den Teller zaubert.

Wir haben zuvor die 2016er trocken und halbtrocken verkostet (HC, Trittenheimer Apotheke pur, „Alte Reben“ und „Primus“ sowie Mehringer Zellerberg „Terra Rossa“) und neigen bei der Gesamt-Bewertung ausnahmsweise eher „Eichelmann“ als „Gault Millau“ zu. Der „HC“ ist wieder ein saftiger, fruchtbetonter, klar-frischer Gutswein mit Charme, die „einfache“ Apotheke ganz großartig geraten mit salziger-kühler Note und zurückhaltender Opulenz, die sollte man im Keller haben! Die „Alten Reben“ leider einen Tick zu süß ebenso der noch recht verschlossene „Primus“, der noch Zeit zur Entwicklung braucht. Und der „Fährfels“ aus bald 120 Jahre alten, wurzelechten Reben wieder einmal ein Monument der Mittelmosel.

Chat Sauvage Vertikale

Eine Freude, wenn uns Verena Schöttle auf der Liste hat, sobald es um eine Vertikale zurückliegender Jahrgänge der Johannisberger Rot.Wein.Gut-Gründung „Chat Sauvage“ von Günter Schulz geht. Insgesamt 13 Weine zwischen 2001 und 2015 hat die hoch sympathische Weinmacherin vor uns – und 3,8 Trillionen Fruchtfliegen – auf den Tisch gestellt, und die hochspannende Pinot-Noir-Reise ging von der Gegenwart in die Vergangenheit.

2015 „Rouge de Schulz Nr.1“ – megastarkes, neues Gewächs aus dem Lorcher Bodenthal-Steinberg, einer meiner absoluten Lieblingslagen. Sehr feine, rote Früchte, hochelegant, edel, finessenreich, kühler Zug, perfekte Säure, hohe Trinkanimation, schon jetzt erstaunlich zugänglich und charmant, absolut einer der besten Pinots der zurückliegenden Jahre… Rarität im Rheingau, wird womöglich versteigert, oder für anspruchsvolle 150 Euro verkauft. das klingt ambitioniert. 2014 Rüdesheim Drachenstein – recht verschlossen, abweisend, will und braucht noch Zeit, aber recht gut veranlagt, gute Struktur, fester Körper. 2013 Rüdesheim Drachenstein – einer meiner Favoriten, fein verwobene Säure, hohe Eleganz, großartiger Trinkfluss, Finesse, Grazie, wunderbar!

2012 Rüdesheim Drachenstein – mit deutlichen Reifenoten, Kuschelwein, strahlt wohlige Kamin-Wärme aus, ein bisserl mollig vielleicht, aber lecker mit allen vom Pinot gewohnten Aromen… fein. 2011 Lorch Schlossberg – das letzte 1. Gewächs, das Chat Sauvage in dieser Kategorie vorgestellt hat, eigentlich schade, aber auch irgendwie verständlich (s.u.), sehr tiefgründig mit langem Nachhall, unverkennbar für das Jahr 2011 und die zügige Reife, die Weine dieses Jahrgangs sehr häufig durchlaufen, hohe Präsenz am Gaumen, Schmeichler, gut.

2010 Assmannshausen Frankenthal – das war wirklich kein Rotwein-Jahrgang, dafür aber recht ordentlich. Sehr reife Cassis-Noten, viel Leder, Tabak, gute Säure, aber nicht sehr harmonisch 2009 Assmannshausen Höllenberg – noch ein 1. Gewächs, sehr typisch für 2009, voll, stoffig, präsent, komplex, kraftvoll, mit fester Struktur, langem Nachhall, typische Cassis-Noten des Höllenberg.

2009 Rüdesheim Drachenstein – zeigt dem Höllenberg seine Grenzen auf! kühler Zug, ätherisch, kräuterige Noten, feiner Zug, sehr animierend am Gaumen, macht richtig Spaß, mehr davon! Viel mehr!

2008 Rüdesheim Drachenstein – nicht mein Wein, wirkt recht hart, roher Geselle, Kompottnoten aus roten Früchten, wie ich sie nicht so sehr mag…

2007 Rüdesheim Drachenstein – typischer Pinot aus einem warmen Jahr im Rheingau, gute Konzentration, eher üppig als betont elegant, feine rote Beerenfrüchte, Leder, auch florale Noten und ein wenig Orangenschalenabrief, seht nach 10 Jahr sehr gut im Glas, top

2006 Johannisberg Hölle – aus einem schwierigen Jahr einen guten Pinot erzeugt! sehr komplex, hoher Spannungsgrad, vielschichtig, viele getrocknete Früchte, ein wenig Kompott, aber dezent, gut.

2005 Pinot Noir Schiefer – großartiger Wein, salzig-kühles Naturell, gute Säure, viel Schiefer im Maul wie ich es liebe, klarer Zug, klares Finish, rauchige Note, etwas Leder, Kreide, ungemein Frisch und klar, toptop!

2001 Pinot Noir Rheingau – ehrwürdiger Grande, hat die besten Zeiten hinter sich, nicht nur Kompott, sondern auch Rumtopf, hochreife, gezehrt, aber noch nicht todmüde, aller Ehren wert, Ruhe in Frieden!

Unter dem Strich ein eindrucksvolle Line-up, mit 2005, 2009 Drachenstein, 2013 und 2015 Rouge de Schulz als meinen klaren Favoriten, die ich nur zu gerne im Keller liegen hätte. Viel davon. Auf die Jahrgangsprobe im November bin ich schon jetzt gespannt. Nachspiel: Chardonnay Clos de Schulz 2015, 2011 und 2007 …sehr eindrucksvolle Reihe, klare Handschrift, sehr cremig, elegant, Finesse, Zitrus, dezentes, aber merkliches Holz (für mich sehr angenehm), 2015 schon erstaunlich zugänglich (da gab es schon andere, holzbetontere…), 2011 schon jetzt in Topform, 2007 mit erstaunlicher Frische, als Jahrgang nicht erkennbar, klasse!

Erste & Große Gewächse 2016

Erste und Große Gewächse, Jg. 2016 Alles Riesling, alles 2016, alles EG/ GG-Qualität… das war das Motto der 102. Probe der Weinloge „Die Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau“. Eine hochinteressante Probe vor dem Hintergrund, dass die Rheingauer VDP-Betriebe seit 2012 keine Ersten Gewächse, sondern nur noch Große Gewächse produzieren, und dass die Bedeutung der Ersten Gewächse immer weiter zurückgeht (siehe dazu weiter unten im Blog meine ausführlichen Kommentare um GG/EG-Jahrgang 2016). Weil der Markt für edelsüße Weine immer weniger Bedeutung hat fällt letztlich das Urteil über den aktuellen Jahrgang Ende August des Folgejahres mit der Vorstellung der trockenen Spitzen… Schlechte Jahrgänge gibt es ja schon seit 1988 nicht mehr, und ja, 2016 hat das Zeug dazu, vielleicht die Reihe der großartigen weil „mittleren“ Jahrgänge 2001, 2004, 2008, 2010, 2013 fortzusetzen. Das beurteilen braucht aber noch ein wenig Zeit, doch die Ansätze sind da, wie die Blindverkostung der nachfolgenden Flights gezeigt hat: Bergweine Robert Weil: 2016 Kiedrich Gräfenberg GG Fred Prinz: 2016 Hallgarten Jungfer GG Laquai: 2016 Lorcher Schlossberg EG Wagner-Stempel: 2016 Scharlachberg GG Brunnenlagen Ress: 2016 Wisselbrunnen GG Staatsweingüter: 2016 Erbach Marcobrunn GG Schloss Schönborn: 2016 Hattenheim Nussbrunnen EG Wittmann: 2016 Morstein GG Riesling-Schlösser Schloss Johannisberg: 2016 Silberlack GG Schloss Vollrads: 2016 Schloss Vollrads GG Schloss Schönborn: 2016 Hattenheimer Pfaffenberg EG Schlossgut Diel: 2016 Pittermännchen GG Rüdesheimer Berg Schloss Schönborn 2016 Rüdesheimer Berg Schlossberg EG Leitz 2016 Rüdesheim Rosengarten GG Allendorf 2016 Rüdesheim Roseneck GG Kühling-Gillot 2016 Nackenheim Rothenberg „wurzelecht“ GG Fazit: Laquai hat 2016 meines Erachtens tatsächlich das beste EG erzeugt, das es mit den GGs aufnehmen kann. In anderen Anbaugebieten außerhalb des Rheingaus erzeugen die Spitzenweingüter „extremere“ GGs mit wilderen Aromen, „Stinker“ und mehr, die die regionale Zuordnung erschweren und mehr Handschrift als Terroir zeigen. Weils Gräfenberg war wieder mal einer meiner Favoriten, aber in diesem Stadium nur unmerklich besser als Laquai (zum halben Preis, übrigens, Kaufen!) Unter den Schlössern hat Johannisberg klar die Nase vorn. Und Allendorf wird immer besser.