Uber testet im September erstmals in Deutschland ein „Weintaxi“ – die Winzer sind begeistert. Fahrgäste möglichst schnell und günstig von A nach B chauffieren zu lassen, das ist das Geschäftsfeld von Uber. Doch bisweilen geht das Vermittlungsunternehmen auch andere Wege. Erstmals in Deutschland bietet Uber Tagesausflüge für Weinfreunde an. Die Zielgruppe sind Frankfurter Großstädter, das Ziel ist der Rheingau. „Uber Weintaxi“ heißt die Aktion, die vorerst auf die vier Wochenenden im September begrenzt ist. Eingesetzt werden vier schicke Mercedes-Kleinbusse von Unternehmern der Taxi Frankfurt eG, die im Frühsommer vom deutschen Uber-Generalunternehmer, der Berliner SafeDriver Group, übernommen worden war.
Die Busse können über die Uber-App gebucht werden. Die Passagiere werden gegen 10 Uhr zu Hause abgeholt und in den Rheingau gefahren. Zuerst geht es zum Weingut Allendorf nach Winkel, wo eine Schlenderweinprobe mit Snacks ansteht. Anschließend geht es weiter: sonntags zum Weingut Georg Breuer nach Rüdesheim, samstags zum Wein- und Sektgut Barth nach Hattenheim. Um ihren Promillespiegel müssen sich die Teilnehmer an diesem Tag keine Gedanken machen.
Im Bus ist zudem genügend Platz für die eine oder andere Kiste Wein, ehe gegen 15 Uhr die Rückfahrt nach Frankfurt beginnt. Mit 200 Euro je Bus ist die Tour recht günstig: Schon eine Einzelfahrt aus der Main-Metropole in die Weinregion schlägt laut Uber mit durchschnittlich 60 Euro zu Buche. Uber-Sprecherin Maja Ruhbach ist zuversichtlich, dass das Angebot während der Weinlese gut angenommen wird. Mit vergleichbaren Aktionen hat Uber in Europa bereits gute Erfahrungen gemacht, etwa in Paris: Unter dem Motto „Uber Bubbles“ konnten Frankreichs Hauptstädter Ausflugsfahrten in die Champagne buchen.
Uber sieht im Rheingau ein wachsendes Interesse an der Vermittlung von Taxifahrten. Seit Mai sei in der Weinregion die App 17.000-mal aufgerufen worden, ein Plus von 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr, obwohl der Rheingau bislang keine offizielle Uber-Region ist. Mit der Aktion will Uber zudem den Frankfurtern das Taxi schmackhaft machen, um die Region zu erkunden. Zugleich soll die Expansion in den ländlichen Raum vorankommen.
Der Start im Rheingau erscheint günstig, weil die rechtsrheinische Bahnlinie hinter Wiesbaden saniert wird und deshalb noch bis 12. Dezember gesperrt ist. Sprecherin Ruhbach sieht beim „Uber Weintaxi“ nur Gewinner. Auch für die Taxiunternehmen sei das ein lukrativer Auftrag. Die Weingüter hat Uber ausgewählt, weil sie inhabergeführt seien und den Besuchern etwas zu bieten hätten – von der „Farberlebniswelt“ bei Allendorf bis zur Sektbereitung bei Barth. Die drei Weingüter sind laut Ruhbach „ein guter Mix“ und stellten einen Querschnitt der Region dar. Winzerin Theresa Breuer freut sich auf „besonders entspannte Gäste“, weil niemand den Zug- oder Busfahrplan oder den Promillespiegel des auserkorenen Fahrers im Blick behalten müsse.
Ebenso wie Breuer nutzt auch ihr Winzerkollege Mark Barth im In- und Ausland den Service Uber. Mit dem Weintaxi schaffe Uber „eine attraktive Möglichkeit, den Rheingau und seine Weinkultur entspannt und ohne eigenes Auto zu entdecken“. Dass im Kofferraum genügend Platz für die Lieblingsweine bleibe, „macht das Konzept umso charmanter“, sagt Barth und lobt die „innovative Idee“.
Vergleichbare Konzepte wünschen sich die Rheingauer Winzer schon seit Langem für Fluggäste, die am Frankfurter Flughafen ankommen, deren Weiterflug aber erst Stunden später oder gar am nächsten Tag beginnt. Der Weinbauverband würde diesen Fluggästen gern einen interessanten Zwischenstopp im Rheingau anbieten, statt sie am Flughafen warten zu lassen. Über Gedankenspiele hinaus ist das Vorhaben aber noch nicht näher präzisiert worden. (aus meinem Bericht für die FAZ).
