Hinter den Winzern liegt abermals ein außergewöhnliches Jahr in Weinberg und Keller. Nach den Aufzeichnungen des Eltviller Weinbauamtes ging 2025 als das Jahr mit dem frühesten Lesebeginn seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1955 in die Annalen ein. Der Austrieb war fünf Tage vor dem dreißigjährigem Mittel (1991 bis 2020) am 17. April verzeichnet worden, die Blüte des Rieslings sogar sechs Tage früher.
Der von warmen Wochen begünstigte Reifebeginn (Referenzwert 25 Grad Oechsle) erreichte mit dem Datum 5. August nach den Jahren 2011, 2018 und 2007 Rang vier auf der Liste der frühesten Termine. Im Vergleich zum Vorjahr war die Pflanzenschutzsaison 2025 für die Winzer weniger schwierig. Der Klimawandel führt dazu, dass bei den Pflanzenkrankheiten nun Oidium häufiger vorkommt als Peronospora.
Die Hauptlese beim Riesling begann im Rheingau am 10. September und war bei den meisten Betrieben noch vor dem Monatesende beendet. Damit, so die Bilanz des Weinbauamtes, war „die Lese des Jahrgangs 2025 schon beendet, bevor sie üblicherweise anfängt.“ Wegen des vielen Regen und der schnellen Ausbreitung von Fäulnis gab es eine rasante Lese. Die Qualität habe die Erwartungen „meist erfüllt“, heißt es. Die Erntemengen blieben jedoch unter den Erwartungen.
„Der Klimawandel zeigt deutliche Auswirkungen auf den Weinbau“, lautet die Bilanz. Die Bekämpfung von Schaderregern erfordert neue Strategien. Die phänologische Entwicklung der Rebe startete im Jahreslauf immer früher und werde in ihrem Verlauf beschleunigt, heißt es. Der Zeitraum vom Ende der Blüte bis zum Lesebeginn werde immer kürzer. Im Jahr 2025 waren das nur „kurze“ 91 Tage. Der Mittelwert seit 1955 liegt bei 108 Tagen. Der Rekord von 1961 liegt bei 128 Tagen.
Die Trauben reifen nicht mehr in einer vornehmlich in der kühleren Jahreszeit. Dadurch steigt nach starken Regenfällen die Gefahr von Fäulnis. Für eine entspannte Lese gesunder Trauben bleibt den Winzern immer weniger Zeit. Aus Sicht der Meteorologen war im Jahr 2025 – mit Ausnahme des Februar – jeder Monat wärmer als das dreißigjährige Mittel. Markant „zu warm“ war mit einer Abweichung von 2,6 Kelvin aber nur der Juni. Die dadurch beschleunigte Rebenentwicklung habe „ein neues Niveau“ erreicht. Im Winter reichten die frostigen Nächte für eine Eisweinlese meist nicht aus. Am kältesten war es am 14. Januar mit minus 6 Grad.
Danach kam wenig Regen. In der langen Geisenheimer Messreihe war es das viert-trockenste Frühjahr seit 1885 und der dritt-sonnigste März seit 1890. „Insgesamt verlief der Frühling viel zu trocken“, so die Bilanz. Die Frühlingstemperaturen lagen 1,1 Kelvin über dem Mittelwert von 1991 bis 2020. Gleichzeitig gab es einen Sonnenscheinbonus von 192 Stunden. Damit war es einer der sonnigsten Frühlinge im Rheingau. Und ein nasser September, der in Geisenheim mit 109 Litern je Quadratmeter Rang vier der seit 1884 geführten Bestenliste erreichte. Dank durchfeuchteter Böden kam der Wein im Weinbaujahr 2025 gut durch den ungewöhnlich trockenen Frühling. Die niederschlagsreichen Phasen verbesserten die Wasserversorgung, erhöhten allerdings den Krankheitsdruck. Größere Schäden durch Spätfrost und Hagel blieben aus. „Letztendlich war die Witterung wieder einmal eine Überraschungskiste“, so die Bilanz.
Bei der Ernte hatten Betriebe mit einer hohen Schlagkraft daher einen deutlichen Vorteil. „Wer rechtzeitig auf die Weinlese vorbereitet war und zügig ernten sowie eine rasche Traubenverarbeitung und Weinbereitung gewährleisten konnte, kann mit sehr guten Ergebnissen rechnen.“
