Saffredi Vertikale

Zu den Besonderheiten des Rheingau Gourmet und Weinfestivals gehören die inzwischen „Masterclass“ genannten Weinproben, die eine nähere Beschäftigung mit einem Weingut erlauben. Da macht die 25. Jubiläumssaison keine Ausnahme. Ich habe mir die Saffredi -Vertikale gegönnt, und das hat sich gelohnt. Die 75 Hektar große Fattoria le Pupille liegt in Küstennähe in der Maremma. Den Saffredi (das ist kein Weinbergsname)-Cru aus einer heute 8,5 Hektar großen Einzellage gibt es seit 1987. Der in der Regel von der Rebsorte Cabernet-Sauvignon geführte Blend ist am Markt erfolgreich, Flaschenpreis ca. 80 Euro, und das waren die Jahrgänge:

2000 in  Würde gereift, durchaus schon oxydative Noten, auch Rumtopf mit medinischen Noten, Eukalyptus, auch Tabak, gepaart mit Frucht. Damals ergänzte Grenache (15%) noch Cabernet (50%) und Merlot (35%). Unter dem Strich das Trinkfenster schon überschritten. Einzelne Flaschen schon oxidiert.

2001 wirkt zehn Jahre jünger als 2000! Großer Jahrgang in der Maremma, komplex, dicht, Grip, aber mit einem unschönen fetten Depot, der den Genuss trübte.

2004 jetzt mit Syrah (10%) statt Grenache. Wirkt eher kühler, mineralischer als 2001, sehr kräuterig, gut

2008 steht für ein forderndes Jahr. Der einzige Jahrgang, bei dem Merlot (50%) den Blend mit Cabernet (45%) und Syrah (5%) prägte. Sehr gut strukturiert und balanciert, trinkreif, bei mir auf Platz 3

2012 war mein Favorit, zupackend, präzise, gute Tannine, braucht viel Luft, kommt dann aber mit Macht, hat Potential für die nächsten 5-7 Jahre, ist übrigens der erste Jahrgang, bei dem Petite Verdot den Syrah als 3. Verschnittpartner abgelöst hat. Klare Kaufempfehlung!

2014 steht 2021 nur wenig nach, obwohl das Jahr deutlich schwieriger war. Sehr feine Tannine, sehr elegant, ebenfalls mit Zug und Finesse, gewann die Abstimmung in größer Runde

2015 noch sehr verschlossen, fast schon mollig, wenig Ecken und Kanten, Zeit für die Entwicklung geben, aber die Ansätze sind sehr gut

2018 ist dieses Frühstadium überraschend zugänglich, aber auch dick (15 Alkohol) und fordern… ein Zeuge des Klimawandels auch in der Maremma, schmeckbarer Holzeinsatz, wird sich im Lauf der Jahre wohl in den Hintergrund verabschieden, da bin ich sehr auch die Alterung gespannt

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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