Sektglas statt Säbel

Der Jahreswechsel rückt näher, und in vielen Haushalten liegen Champagner, Sekt oder Crémant schon für die festlichen Momente gut gekühlt bereit. Wie aber öffnen wir die ausgewählte Flasche möglichst spektakulär und damit angemessen für den Start in ein Jahr, das uns endlich das Ende der Pandemie bescheren soll? Den häufig festsitzenden Naturkorken von Hand mühsam zu lockern, das ist alles andere als stilvoll.

Dieser Ansicht waren zu Beginn des 19. Jahrhundert auch die Offiziere in Napoleons Armee. Sie zückten ihren blanken Säbel, um die Schaumwein-Flasche zu köpfen. Eine Legende besagt, dass Husaren die napoleonischen Siege in ganz Europa auf diese Weise gefeiert haben. Eine andere, dass Napoleons Offiziere die junge und attraktive Champagnerhaus-Erbin Madame Clicquot beeindrucken wollten.

Diese Methode wird als „Sabrieren“ bezeichnet. Doch eine passende Hieb- und Stichwaffe liegt in den wenigsten Haushalten griffbereit.

Spektakulärer und obendrein praktischer ist es, zum hübschen Sektglas statt zum martialischen Säbel zugreifen. In dieses Glas kann aus der derart geöffneten Flasche dann gleich der erste Schluck Schaumwein fließen. Dazu machen wir uns die Schwachstelle jeder industriell hergestellten Sektflasche zu Nutze: Der Glaskörper weist an Vorder- und Rückseite eine deutlich fühlbare Längsnaht auf. Wo diese Naht auf den Wulst des Flaschenhalses trifft, liegt die Sollbruchstelle.

Wer in der Wohnung statt im Freien sabrieren will, sichere die Agraffe, so heißt das dünne Drahtgestell des Korkens, mit einer kleinen Kordel, deren Ende wir beim Sabrieren fest in der Hand behalten. Die Agraffe wird zuvor vom Flaschenhals gelöst und über den ersten Wulstring geschoben und wieder befestigt. Wir halten dann die Flasche etwa im 45-Grad-Winkel nach oben, fahren mit dem Glasfuss mit mäßigem Schwung den Flaschenkörper entlang und stoßen mit einem Streich direkt auf den Wulst. Dieser gibt dank des hohen Drucks in der Flasche nach. Agraffe, Korken und Glashals fliegen gemeinsam davon. Sie werden ihn ihrem Flug aber von der Kordel jäh gestoppt, so dass niemand getroffen und verletzt werden kann. Und keine Sorge beim Trinken: Der Flaschendruck sorgt dafür, dass keine winzigen Glassplitter in die Flasche zurückfallen, sondern weggepustet werden. Auf ein erfolgreiches Jahr 2022!  

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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