Burg Scharfensteiner

Burg Scharfensteiner, so heißt der brandneue, trockene, 2020er Riesling von Weingut Robert Weil. Es ist nach dem Monte Vacano (s. weiter unten im Blog), der schon als Kultwein gehandelt wird und als 2019er (2. Jahrgang) derzeit für 140 Euro subskribiert werden kann, die zweite Wein-Innovation binnen kurzer Zeit. Wie der Monte Vacano trägt der Burg Scharfeinsteiner ein historisches Etikett aus der Frühzeit des 1875 gegründeten Weinguts. Und so wie der Monte Vacano aus einer besonderen Parzelle (Lay) des Gräfenberg stammt, geschieht es auch mit dem Burg Scharfensteiner. Die Trauben werden aus der bis zu 60 Prozent steilen, rund einem Hektar großen Urparzelle des Kiedricher Turmberg gewonnen. Diese Monopollage mit ihrem steinig-grusigen Boden aus Phylliten ist rund 3,8 Hektar groß und zu 100 Prozent mit Riesling bestockt.

Der Turmberg gehört in jedem Jahr zu meinen absoluten Lieblingen des Weinguts dank seiner großen Mineralität, gepaart mit Finesse, Eleganz und tiefgründiger Komplexität. Ausgestattet mit gefährlich großem Trinkfluss und mit weniger als 30 Euro preis-würdig im allerbesten Sinne! Der Burg Scharfensteiner legt gewissermaßen – und in jeder Hinsicht – noch eine (kleine) Schippen obendrauf. 3000 Liter wurden vinifiziert und gefüllt, und durch den etwas intensiveren Holzeinsatz wirkt er noch eine Spur dichter und aromatisch-intensiver als der ohnehin großartige Turmberg. Der Scharfensteiner aber hat ohnehin eine andere Mission als der Turmberg: Er soll zu einem bedeutenden Teil im Weinarchiv verschwinden und nach acht bis zehn Jahren als „late release“ auf den Markt kommen, um das Reifepotential trockener Weine aus besten Kiedricher Lagen zu unterstreichen. Dass das gelingen wird, steht außer Frage! Kaufen!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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