VDP GG Vorpremiere mit Wow-Effekt

Drei Tage, 150 Verkoster, 420 Große Gewächse aus ganz Deutschland, das sind in etwa die Eckdaten der GG-Vorpremiere, die wie immer bestens organisiert und Corona-konform in den Kurhaus-Kolonnaden von Wiesbaden stattfand. Wie immer konzentrierte ich mich auf einige Schlaglichter, zudem erschien am 31. August ein größerer FAZ-Artikel von mir dazu.  

Und hier ein paar Schlaglichter meiner leider knapp bemessenen Zeit im Proberaum:

Pfalz: 6x Forster Ungeheuer, und das war ungeheuer gut! Mein Favorit war der präzise, sehr geschliffene Weine, von vibrierender Säure geprägte Bassermann-Jordan, dicht gefolgt von Reichsrat von Buhl (2019), die beide Bürklin-Wolf auf Abstand hielten… ungeheuer spannende Erfahrung mit diesem Terroir!

Württemberg: 10 Rieslinge am Start, und Aldinger hatte mit dem „Lämmler“ die Nase vor. Schnaitmann gleich zwei Mal mit ordentlichem Stinker (Lämmler und – noch intensiver -Götzenberg) am Start, aber gut. Graf Neippergs Ruthe sehr schön, dicht fest, stoffig, und auch Haidles Pulvermächer gefiel sehr gut durch Struktur, Zuge, Dichte und Balance.

Baden: Burg Ravensburg mit 2019 Husarenkappe allein auf weiter Riesling-Flur. Gut, aber kein Überflieger.

Nahe: Ein Blick in Felsenberg und Kupfergrube, und keine Überraschung: Mein Favorit Schäfer-Fröhlich wurde seine Rolle gerecht, wobei Emrich-Schönlebers Halenberg und Dönnhoffs Felsenberg ebenfalls ausgezeichnete Weine sind. Toptop.

Roter Hang (Rheinhessen): Spannend und dicht beieinander die Güter im Pettenthal sowie im Rothenberg und Brudersberg. Gunderloch sehr, sehr stark mit Grip und Zug, kaufen würde ich auch Kühling-Gillot und St. Antony.

Mittelrhein: Mineralische Steillagenweine auf hohem Niveau. Ratzenbergers St. Jost wäre mein Favorit von „Im Hahn“ von Toni Jost und Lanius-Knab mit dem Oelsberg. Sehr würzige Weine mit gut eingebundener Säure, hohe Eleganz

Rheingau: Volle Konzentration auf den Rüdesheimer Berg: Leitz (Kaisersteinfels, aber nicht nur!) außergewöhnlich stark (Rottland), ebenso Künstler (Schlossberg) und Ress (Rottland).

Mosel: bin beim Schreiben noch ganz geplättet… Wehlener Sonnenuhr, zähl die heiteren Stunden nur, und die gab es zuhauf: Lieser mit charmantem Stinker, aber sehr viel Potential, ebenso Loosen (woher kam die Euklayptusnote, ein Hauch von Wick Medinight?), Nik Weis (Layet) straff und zupackend, S.A.Prüm nicht minder. Gott hab die Mosel selig!

Baden (2): 6x Chardonnay. Hammer. Heger vor Keller und Huber (Bienenberg, nicht Schlossberg). Sehr cremige, tiefgründige, elegante Chardonnay voller Finesse und Komplexität. Love it!

Ahr: Natürlich Ahr, nach dem ganzen Deaster! Natürlich Spätburgunder, natürlich Adeneuer, Meyer-Näkel, Stodden, Deutzerhof und die anderen. Begeistert von Adeneuers Alte Lay, von Meyer-Näkels Pfarrwingert und Deutzerhofs „Eck“. Wir müssen die Ahr wieder aufbauen. Komplett!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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