• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Weinwoche Wiesbaden

93 Winzer und Weingüter, mehr als 1000 Weine und Sekte, 16 Essenstände, drei Bühnen, 50 Live-Bands, das ist die 43. Rheingauer Weinwoche in der Wiesbadener City, die längste Weintheke Deutschlands (vielleicht), in jedem Fall ein Muss… wir schlendern etwa jeden zweiten Tag drüber, und entdecken immer wieder Neues und Bewährtes…. Wie zum Beispiel:

Mohr, Lorch

2017 Rheingau Riesling trocken …. der Schoppentrophy-Sieger 2018, wird immer besser…., das hat die Jury gut gewählt!

Wurm, Lorch

2016 Lorcher Riesling+ … sehr trocken, sehr präsent, sehr gut

Goldatzel, Johannisberg

wie nicht anders zu erwarten alles blitzsauber, geschliffen, geradlinig, beispielsweise 2017 Vogelsang Alte Reben Riesling feinherb! Aber auch das 2017er Beste Fass absolut begeisternd!

Schönleber-Blümlein, Winkel

2017 Hasensprung Kabinett trocken – immer ein verlässlicher, leckerer Riesling, die Visitenkarte von Frank Schönleber

Kaufmann, Hattenheim

Urban Kaufmann hat nicht nur leichtgängige Trinkweine wie den saftigen 2017er Riesling trocken (und natürlich meinen Favoriten, den 2017er „Tell“) mit gebracht, sondern auch zwei Schätzchen: 2009 und 2014 Wisselbrunnen Große Lage: Wow, allerdings zeigt sich auch, wie schnell die 2014er reifen, und wie sehr auf dem Höhepunkt 2009 jetzt sein kann, großartig, solche Weine gehören stets auch auf die Weinwoche!

Trenz, Johannisberg

2017 Riesling Alte Reben trocken – ein Obstkorb auf hohem Niveau, sehr fruchtig, sehr nachhaltig, Trinkfluss!

Lamm-Jung, Erbach

2016 Riesling Premium*** - der weitgehend durchgegorene Wein begeistert mich bei jedem Aufeinandertreffen mehr…

Diefenhardt, Martinsthal

2016 Riesling Alte Reben und 2015 „Wildes Holz“, der erstere sehr gut, feinfruchtig, elegant, gutes Säuregerüst, der zweite… tja, ich muss unbedingt mal eine Blindverkostung „Riesling meets Barrique“ organisieren, Koeglers Johannes G, Dillmanns Käuserweg Reserve, Barths Singularis, das wären schon mal weitere Kandidaten… wer kennt mehr?

Corvers-Kauter, Mittelheim

2016 Rüdesheimer Drachenstein Riesling Spätlese trocken – der Begriff „Spätlese“ ist hier zwar völlig überflüssig, denn der Wein ist auch so als großartig zu erkennen, aber gut: typischer Vertreter Rüdesheims, guter Trinkfluss, dabei aber mit großer Komplexität und Finesse, top!

Jakob Jung, Erbach

2016 Hohenrain Riesling GG – mal so zwischendurch ein GG von Jung, immer verlässlich, immer präsent, guter Druck am Gaumen, dabei dennoch spielerische Klasse zeigend, fein.

Allendorf, Winkel

2015 Jesuitengarten Riesling GG - also das ist außerordentlich gut und entwickelt sich wirklich prächtig, und wer in der Hitze etwas leichtes, erfrischendes sucht, der greife zum fruchtsüßen 2017 Allendorf Kabinett, ein trinkfreudiges Gewächs mit Spaßfaktor!

Barth, Hattenheim

bei Barth lohnt mal wieder ein längerer Aufenthalt, denn einerseits sind großartige Weine im Gepäck (bei mir hatte das 2015 Hassel GG die Nase leicht vorn vor dem 2016er Wisselbrunnen), und darüber hinaus nicht weniger als 6 Sekte... 2013 Schützenhaus brut nature ist (vermutlich) der beste Sekt, der auf Weinwoche insgesamt verkostet werden kann, allen Gegenvorschlägen gehe ich gerne nach. Das ist großes Perlen-Kino, gigantisch.... und weil der Bessere leider der Feind des sehr guten ist, muss sich der 2011 Ultra Pinot brut nature mit dem zweiten Platz begnügen... Was soll ich hier weiter viele Worte verlieren, selbst probieren!

Abteihof, Johannisberg

1985 Vogelsang Riesling Kabinett - Claus Odernheimer hat immer auch einen "Bückwein" für Fans gereifter Weine dabei, und diesen Kabinett hätte ich eigentlich 7-8 Jahre jünger geschätzt... sehr saftig, sehr klar, gute Säurestruktur... wer es jünger mag: der 2017er Riesling Kabinett trocken aus der Johannisberger Hölle ist ein leckerer Schoppen...

… WIRD FORTGESETZT…

Im Sektgut Bardong

Sektgut Bardong, Geisenheim

Norbert Bardong ist ein Sektkünstler. Und er will genau das, was die Sektindustrie scheut wie den Teufel das Weihwasser: Herkunft und Jahrgang eines (hervorragenden) Grundweins müssen im Sekt schmeckbar sein. Auch noch nach 36 oder mehr Monaten Hefelager. Gereife Weine exzellent veredelt und frisch degorgiert, das ist ein Erlebnis, dass Familie Bardong in ihrem schönen Keller nördlich des Geisenheimer Bahnhofs bietet. Hier liegen mehr als 200.000 Flaschen, rund drei Dutzend Winzer vertrauen ihre Weine Familie Bardong nicht ohne Grund zur Lohnversektung an. Wir haben uns nach längerer Zeit mal wieder durch die Kollektion getrunken, und waren wieder begeistert von Finesse und Eleganz… den nachhaltigste Eindruck haben die hinterlassen:

2014 und 2007 Chardonnay brut – feine Cremigkeit, guter Trinkfluss, langer Nachhall, feine Perlage, ein Genuss

2010 Erbacher Honigberg und 2010 Deidesheimer Hofstück brut – zeigt, welch großartiger Jahrgang 2010 für die Basis herausragender Sekte war, der Deidesheimer ist für einen „Pfälzer“ höchst ungewöhnlich, aber hochlecker.

2009 Assmannshäuser Hinterkirch extra brut – was ein großartiger Rotsekt. Das ist zwar nur was für Spezialisten, aber ideal auch als Essensbegleiter zu einem Sektmenü…eine Rarität im Rheingau, die jede Sünde wert ist…

1998 Bardong Reserve brut – ein Sekt zum Niederknien. Wirkt sehr frisch, feine Cremigkeit, dezente, noble Reife, feiner Duft, langer Nachhall… so was gibt’s nur hier! Hut ab! 

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Dillmann, Geisenheim

2016 Kläuserweg Riesling Reserve Barrique**** - „Gut Ding will Weine haben“, lautet das charmante Motto von Dillmann in Geisenheim, der mal wieder seine Straußwirtschaft geöffnet hat. Das Familienweingut, das in kurzer Zeit von 3 auf 8,5 Hektar erweitert wurde, scheint auf einem gutem Weg, nicht nur wegen des stets großen Publikumsandrangs. Gerade ist ein neuer Keller im Bau… das könnte der Qualität nochmal einen Schub geben. Riesling & Barrique ist eine Verbindung, der wir sehr zurückhaltend gegenüber stehen. Doch dieser Kläuserweg – die Spitze der Qualitätspyramide – ist gut, sehr gut gelungen, übrigens auch der Drei-Sterne-Lagenwein mit seiner Frische und Eleganz… Hut ab.       

Reuter & Sturm, Walluf

Das Wallufer Weinfest hat leider das traurigste Ambiente aller Rheingauer Weinfeste… ein Parkplatz, der immer aussieht wie ein schlimmer Parkplatz, dazu Kräne, rostende Schiffe und Materialien am Ufer… Idylle sieht anders aus. Das Beharren der Winzer auf diesem Standort ist völlig unverständlich…. Mehr als eine kurze Stippvisite und einen Sekt muten wir uns hier nicht zu…

Roter Riesling Sekt brut sowie R+S Sekt brut – zwei sehr feinperlige Schaumweine aus dem Hause Reuter & Sturm, sehr cremig, elegant, guter Nachhall, Trinkfreude!

Schloss Johannisberg, Johannisberg

2017 Gelblack trocken – diesmal ist der Gutswein meines Erachtens herausragend gut gelungen, und am besten schmeckt er am neuen Weinprobierstand am „Goetheblick“, dem beliebten Aussichtspunkt östlich der Kirche. Dort einen Ausschank einzurichten, das war eine sehr gute Idee…. Top!

Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

Mit der Weinloge der Kranenmeister gab es einen interessanten Dialog und Austausch, und dazu eine Reihe herausragender Weine, die das Potential gut widerspiegeln:

Höllenberg Spätburgunder GG 2013, 2014, 2015.. für mich hatte 2015 die Nase vorn, zumal 2014 schon recht stark gereift wirkt, aber dieser Ansicht war längst nicht jeder Verkoster….

2017 Crescentia trocken –Linie Neroberg, Baiken, Steinberger

Ja, Frucht oder Mineralität ist hier die Frage? Den Neroberger habe ich sofort erkannt, doch plädierte mein Gaumen eindeutig für den Steinberger, der Baiken stand irgendwie dazwischen…

Erbacher Marcobrunn Riesling GG, 2009, 2013, 2016… der Hammer, wie gut und frisch 2009 sich präsentierte… und wie befremdlich 2013, aber 2016 gewann die meisten Stimmen (nicht meine) für Süffigkeit und Komplexität….

Steinberger, 2017 Spätlese, 2015 Mauerwein, 1995 Spätlese – ein hochinteressantes Trio, wobei der Charme der Jugend einfach überwältigend war…

Griff in die Schatzkammer

1963 Erbacher Marcobrunn – so ein Mist, Kork!

1959 Steinberger Spätlese – aristokratisch, fein, elegant

1959 Höllenberg Spätburgunder Natur Cabinet – der Wein des Abends, ein Hut-ab-Wein bzw. eine Weinmajestät, vor der man sich verneigt. Wohl dem, der so eine Schatzkammer und so ein Lagenportfolio hat… aber da geht noch mehr…. !

Ott

 

2016 Grüner Veltliner Ried Feuersbrunner Rosenberg (Magnum) - Wow, ich muss endlich mal auf ein Veltliner und Sauvignon Gelage nach Österreich! 

Henkell schluckt Freixenet

Im Sekttrinken sind wir Deutschen ungeschlagene Weltmeister, köpften wir im vergangenen Jahr doch mehr als 400 Millionen Flaschen Schaumwein. Damit rinnen - statistisch gesehen - jedem Bundesbürger immerhin 3,8 Liter die Kehle hinunter. Das ist ein großer Schluck aus der Sektpulle, und den darf sich jetzt auch Henkell & Co. gönnen. Denn die Europäische Kommission hat der Übernahme des spanischen Konkurrenten Freixenet zugestimmt. Über den Preis kann – wie in solchen Fällen üblich - nur spekuliert werden, denn die Beteiligten hüllen sich in Schweigen. Nach Berichten von Branchenkennern war Freixenet zuletzt mit rund 440 Millionen Euro bewertet worden. Demnach haben die Wiesbadener, die 2017 auf einen Jahresumsatz von knapp 530 Millionen Euro kamen, etwa 220 Millionen Euro für 50,67 Prozent der Aktien auf den Tisch gelegt. Für die durstigen deutschen Sektliebhaber ändert sich dadurch wohl nichts. Für die Branche allerdings schon. Galt bislang stets das Prinzip, dass die Großen die Kleinen schlucken und dadurch noch größer werden, so hat es mit Freixenet nun ein traditionsreiches Schwergewicht der Schaumweinbranche getroffen. Doch die Spanier drückten dem Vernehmen nach schon länger nicht geringe wirtschaftliche Sorgen, während Henkell aus dem finanziell höchst potenten Haus Oetker offenbar auf eine gut gefüllte Kriegskasse zurückgreifen kann, wenn sich marktstrategisch bedeutsame Chancen eröffnen. Und eine solche ist der Kauf von Spaniens größtem Getränke-Exporteur und weltweit führendem Cava-Hersteller allemal. Freixenet hat Dependancen in 19 Ländern weltweit, darunter die Vereinigten Staaten, Argentinien, China und Australien. Seine Erzeugnisse werden in 109 Länder exportiert. Und mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 535 Millionen Euro lagen die Spanier sogar ganz knapp vor Henkell, der alles andere als ein Leichtgewicht ist. Henkell hat Tochtergesellschaften in 22 Ländern, die ebenfalls in mehr als 100 Länder rund um den Globus exportieren. Mit Sekt, Wein, Prosecco und Spirituosen ist Henkell Marktführer.

Eine Übernahme auf Augenhöhe bedarf bisweilen eines langen Atems. Schon im Frühjahr 2016 war die Übernahmeofferte an die Katalanen bekannt geworden. Die spanische Wirtschaftspresse berichtete seinerzeit zuerst von dem Gebot aus Hessen für den Mehrheitsanteil an Freixenet. Danach hieß es offenbar Abwarten und Tee trinken. Dass erst im März dieses Jahres der Kaufvertrag unterzeichnet wurde, soll unter anderem am anfänglich heftigen Widerstand einer der Eigentümerfamilien, am plötzlichen Tod eines Mitgesellschafters und an den Auswirkungen des katalanischen Freiheitskampfs gelegen haben. Denn der Stammsitz von Freixenet ist Sant Sadurní d’Anoia, und das liegt gar nicht weit von Barcelona. Das Unternehmen soll sogar eine Verlagerung des Firmensitzes erwogen haben, um wirtschaftlich nicht in den Strudel des politischen Ringens um Unabhängigkeit zu geraten.

Doch die Geduld von Henkell hat sich am Ende ausgezahlt. Die Spanier werden von Henkell auch nicht nur einfach geschluckt und ihre Marken ins Sortiment eingereiht, wie es deutlich kleineren Mitbewerbern in der Vergangenheit ergangen ist. Vielmehr ist von einer „strategischen Partnerschaft“ die Rede. Nach einer Kapitalerhöhung durch den Ehrenpräsidenten von Freixenet, José Ferrer Sala, werden ihm und José Luis Bonet Ferrer zusammen 50 Prozent des Aktienkapitals an Freixenet gehören, Henkell die anderen 50 Prozent. Nicht beantwortet wurde offiziell die Frage, wo im Fall der Fälle die letzte Entscheidung getroffen wird. Alles spricht für Wiesbaden.

Henkell sieht im Ergebnis der Transaktion einen guten Grund, die Korken knallen zu lassen, denn die neu entstandene, „weltweit führende Schaumweingruppe“ ermögliche den Zugang zu neuen Märkten und Vertriebskanälen. Tatsächlich ergänzen sich die beiden Unternehmen vor allem im Hinblick auf ihre Exportanstrengungen auf verschiedenen Kontinenten recht gut. Mit Spannung wird zu beobachten sein, ob Freixenet seine bisweilen offensiven und auch preisaggressiven Anstrengungen, sich ein möglichst großes Stück am lukrativen deutschen Sektmarkt zu sichern, einfach so fortsetzen wird.

Die Vielfalt dieses Marktes ist auch im internationalen Maßstab sehr groß, die Zahl der Erzeuger dagegen überschaubar klein. Denn der größte Sektmarkt der Welt wird nun noch von drei Riesen beherrscht. Am Regal im Einkaufsmarkt ist das nicht zu erkennen, denn die vermeintliche Markenvielfalt vermittelt dem unbedarften Sektkäufer ein völlig falsches Bild. Kupferberg und Deinhard, Fürst von Metternich und Söhnlein Brillant, Schloss Rheinberg und Carstens SC, Menger-Krug und jetzt auch Freixenet, das alles sind Sekte im Portfolio von Henkell und Co. Der schärfste Konkurrent, Rotkäppchen-Mumm in Freyburg und Eltville, bietet neben Mumm und Rotkäppchen auch Jules Mumm und „MM extra“ sowie die Nobelmarke Geldermann an. Und Schloss Wachenheim konkurriert unter anderem mit Faber und Feist, Belmont und Hanse Sekt und die Gunst der Freunde des Perlenspiels im Glas. 

Die Lage, die Lage, die Lage

Das neue Prinzip der deutschen Wein-Hierarchie soll simpel und einleuchtend sein: Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität. Auf einem Weinetikett stünde demnach die Bezeichnung „Rheingau Riesling trocken“ für die Basisqualität im Sortiment eines Rheingauer Winzers. Qualitativ und preislich eine Stufe darüber stünden Ortsweine wie ein „Kiedricher Riesling“ oder ein „Rüdesheimer Riesling“. Die Weine werden aus der Ernte von Parzellen zusammengestellt, die ausschließlich aus Weinbergen eines einzigen Ortes stammen. Die Spitze der Qualitätspyramide bilden Weine aus Einzellagen, mithin ein „Kiedricher Klosterberg“ oder ein „Rüdesheimer Burgweg“. Und aus weltweit bekannten, besonderen Spitzenlagen wie dem „Kiedricher Gräfenberg“ oder dem“ Rüdesheimer Berg Schlossberg“ könnte als Qualitätsspitze ein besonders guter und teurer Premiumwein stehen.

So ähnlich sieht seit einigen Jahren schon die Qualitätspyramide des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP) mit seinen 200 Mitgliedern. Es ist eine Abkehr vom Mostgewicht als bestimmenden Qualitätsmerkmal hin zum Boden, zum Terroir. Ein Wandel, der schon in diesem vergleichsweise überschaubaren und homogenen kleinen Erzeugerverband für Eruptionen sorgte und Widerstand provozierte. Im deutschen Weinbauverband, in dem neben den vielen Familienweingütern vor allem große Genossenschaften und Kellereien eine bedeutsame Rolle spielen, tut sich die Verbandsspitze noch deutlich schwerer, vergleichbare Veränderungen durchzusetzen. Doch an der Notwendigkeit, das bisherige System zu verändern, besteht eigentlich kein Zweifel. Zumindest nicht unter den Weinfunktionären.

„Derzeit ist die Weinlage kein Garant für Qualität“, bedauerte der deutsche Weinbaupräsident Klaus Schneider in diesem Frühjahr in Mainz bei der Eröffnung der VDP Weinbörse. Die Nennung einer Weinbergslage auf dem Etikett soll seiner Ansicht künftig „nicht nur ein Hinweis auf die Herkunft, sondern ein Qualitätsversprechen“ sein. Je kleiner der Herkunftsort, desto höher die Qualität - das soll das Prinzip der Zukunft sein.

Für solche Überlegungen gibt es den Beifall des VDP. Dessen Präsident, der Pfälzer Winzer Steffen Christmann, hält es für unstrittig und seit langem „überfällig“, dass das Weingesetz von 1971 reformiert werden muss. In Deutschland sind seiner Ansicht nach die Voraussetzungen für die Hervorhebung der Weinlagen auf dem Etikett und im Marketing besonders gut, weil kaum ein Land so gut über seine Weinbergsböden und deren – unterschiedliche – Güte Bescheid weiß. Zudem wäre es ein Zurück zu den Wurzeln, denn in der Zeit um 1900, als einige deutschen Weine teurer als die besten Tropfen aus dem Bordeaux waren, zählten nun Weinberg und Erzeuger als Qualitätsausweis. Kabinettweine waren unbekannt. Es gab allenfalls die auf Schloss Vollrads im Jahr 1716 „erfundenen“ Cabinet-Weine, womit später die besten Tropfen aus den Schatzkammern renommierter Güter bezeichnet wurden. Heute scheint es, als seien sich die VDP-Winzer mit Immobilienmaklern einig, dass es in ihrem Gewerbe immer nur auf drei Dinge ankomme: die Lage, die Lage, die Lage.

Doch in der Gegenwart ist die Generation der aktiven Winzer geprägt von einem knapp 50 Jahre alten Weingesetz, das den Winzern unter anderem die Fixierung auf das Mostgewicht als Qualitätskriterium und die Verwendung von Großlagen auf den Etiketten beschert hat. Dabei hat der Klimawandel einer Qualitätspyramide nach Mostgewicht (aufsteigend Qualitätswein, Kabinett, Spätlese, Auslese) bei den trockenen Weinen weitgehend den Boden entzogen, und die Großlagen sind ein Etikettenschwindel: ein Wein mit der Großlagen-Bezeichnung „Rauenthaler Steinmächer“ darf sich heute aus Weinen aus 27 Einzellagen in den Gemarkungen von Walluf, Martinsthal, Eltville, Frauenstein, Schierstein, Dotzheim und Rauenthal zusammensetzen. Es muss aber kein einziger Tropfen aus Rauenthal in dieser Cuvée sein, obwohl sie den Namen dieses Weindorfs trägt. Die Großlage macht vieles möglich, auch Unsinniges.

Gleichwohl gibt es Winzer, aber auch Genossenschaften und Kellereien, die an diesem System festhalten. Sei es aus Gewohnheit oder weil ein Wein mit einer bestimmten Bezeichnung auf dem Etikett schon lange im Sortiment ist und seine Stammkundschaft hat. Ein Beispiel ist Uwe Rußler in Rauenthal. Der bodenständige und ambitionierte Winzer hat etliche Weine unter der Bezeichnung der Rauenthaler Großlage im Angebot und verweist auf die Nachfrage: „Meine Gästen Fragen nach dem feinen Steinmächer“. Seinen Rotwein erntet er aus zwei großen Weinbergen in der Martinsthal und in Rauenthal und führt sie unter dem Großlangebegriff zu einem Wein zusammen. Und der „trockene Kabinettwein“ ist für den Winzer gelebte Weintradition. Er ist 1976 geboren und kennt es gar nicht anders.

Wirtschaftlichen Erfolg hat er mit seiner Strategie, sich an den tatsächlichen oder vermeintlichen Kundenwünschen zu orientieren, obendrein. Doch das erschwert den Wandel in einer Zeit, in der das gesamte europäische Bezeichnungsrecht vor einer Zäsur steht. Die deutschen Weinregionen erhalten künftig ein hohes Maß an Selbstverwaltung und Selbstbestimmung, solange sie sich im Rahmen des deutschen Weingesetzes bewegen. Um diese Spielräume zu nutzen, haben die Rheingauer Winzer kürzlich eine sogenannte Schutzgemeinschaft gegründet, deren Aufgabe es ist, die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ Rheingau mit Leben zu erfüllen. Denkbar ist – theoretisch – vieles, gar revolutionäres. Beispielsweise könnten die Winzer festlegen, dass nur noch Riesling und Spätburgunder unter der Herkunftsbezeichnung „Rheingau“ verkauft werden darf. Oder sie könnten für diese Weine die Handlese oder ein bestimmtes Mindestmostgewicht vorschreiben. Auch die Bannung der Großlagen und die Reservierung der Lagenbezeichnungen für Spitzenweine gehört dazu.

Doch das ist graue Theorie, und die viele Rheingauer Winzer sind konservative Vertreter ihrer Zunft. Schon die Bildung der Schutzgemeinschaft war in ihrer jetzt gewählten Zusammensetzung nicht unumstritten. Weinbaupräsident Seyffardt musste erkennen, dass ein Verzicht auf die althergebrachten Prädikate bei trockenen Weinen nicht durchsetzbar ist. Es wird von Rheingauer Winzern also weiterhin trockene Kabinettweine in Verbindung mit der Nennung einer Einzellage auf dem Etikett geben dürfen, ebenso trockene Spätlesen und sogar trockene Auslesen.

Das erschwert die Profilierung der Einzellagen. Wenn ein Winzer einen Rüdesheimer Burgweg Kabinett trocken, eine Rüdesheimer Burgweg Spätlese trocken und eine Rüdesheimer Burgweg Auslese trocken gleichzeitig im Sortiment haben darf, dann ist die Verwirrung beim Kunden groß. Auch Winzer Rußler hat einen Kabinett trocken und eine Spätlese trocken der Einzellage Rauenthaler Wülfen im Angebot. Geschmacklich, versichert er, seien das zwei ganz verschiedene Weine. Aber was heißt das dann für die geschmackliche Prägung der Lage Wülfen? Kein Wunder, dass Weinbaupräsident Seyffardt, politisch erfahren als früherer Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordneter, klug genug ist, um zu erkennen, dass die Widerstände unter seinen Berufskollegen zu groß sind, und er weiß, dass jede noch so bescheidene Reform davon abhängt, dass die 500 Mitglieder auch mitziehen.

Somit wird es bei den trockenen Prädikaten bleiben, auch wenn der Kabinettwein möglichst als „Leichtwein“ mit geringem Alkoholgehalt von 12 Prozent und weniger profiliert werden soll. Auch die Großlage soll nicht ersatzlos abgeschafft werden, sondern womöglich durch den Zusatz „Bereich“ oder „Region“ ergänzt werden. „Region Rauenthaler Steinmächer“ soll somit klar genug sein, um für den Verbraucher die Verwechslung mit einer Einzellage wie „Rauenthaler Baiken“ auszuschließen. Mutig sind diese zögerlichen Schritte nicht, weitreichend auch nicht. Und das Prinzip „je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“, wird allenfalls ansatzweise verwirklicht. Doch mehr ist unter den insgesamt noch 600 Rheingauer Winzern derzeit nicht durchsetzbar. Schade. (auszugsweise aus der FAZ am Sonntag vom 29.07.2018)

Aus dem Verkostungstagebuch

Marcobrunn und Mannberg

zwei klingende Namen unter den Rheingauer Weinbergslagen. Zwei Terroir-Nachbarn zwischen Erbach und Hattenheim, beide prädestiniert für große Weine. Das Weingut Langwerth von Simmern hat neben den Staatsweingütern als einzige das Glück, in beiden Weinbergen begütert zu sein. Nun ist es auch das Weingut Höhn in Wiesbaden, denn Jürgen Höhn ist es gelungen, fünf Hektar Weinberge aus dem Portfolio von Langwerth von Simmern zu kaufen, darunter übrigens auch Nussbrunnen (der im ersten Jahr als saftige süße Spätlese auf den Markt kommt). Während über die Immobilie von Langwerth inzwischen Klarheit herrscht (Verkauft an Bauunternehmer Jökel aus Schlüchtern) gilt das für die verbliebenen 18 Hektar Rebfläche – zum heutigen Zeitpunkt – noch immer nicht. Während wir grübeln, wer wohl den Zuschlag erhält – die Ernte kommt früh 2018! – stellte Höhn bei seiner Jahrgangspräsentation die ersten der neuen Lagenweine vor. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn Spätlese werden dabei preislich knapp über das Erste Gewächs aus der Schiersteiner Hölle gestellt, da ist ein guter Ansatz! Auch wenn beim Restzucker für meinen Geschmack bei beiden ein wenig zu hoch gegriffen wurde, so zeigt der Marcobrunn doch gut seinen festen, druckvollen, zu diesem Zeitpunkt aber noch stets recht verschlossenen Charakter, während der Mannberg schon zugänglicher und eleganter wirkt mit guter Mineralität und feiner Säure. Beide Weine brauchen noch Zeit, und ich auch zum Nachverkosten, das finale Urteil zu gegebener Zeit dann hier….

Auf dem Rhein

Mit der „Boppard“ von Eltville nach Oberwesel, mit der „Godesburg“ von Bacharach nach Rüdesheim, das macht an einem Sommer-Sonntag Laune. Was man auf den beiden Schiffen der KD-Flotte so erlebt, dazu mehr in der FAZ. Die erfreuliche Nachricht für diesen Blog lautet: Es gibt mehr als nur trinkbare Weine auf den Schiffen…! Wir haben die Mittelrhein-Burgen gezählt und dabei

Matthias Müller 2017 Bopparder Hamm Riesling feinherb getrunken sowie Weingut Karl Heidrich 2016 Riesling trocken… das war ganz ordentlich, es hätte sogar 2016 Rüdesheim Estate von Breuer gegeben, aber da der Ausklang ohnehin im Rüdesheimer Schloss stattfand… wo übrigens der brandneue, straffe „2017 Blanc Weisser Burgunder“ großen Trinkfluss entfaltete. Eine echte Empfehlung!

Steinmacher & Sohn, Kiedrich

Endlich hat auch Bürgermeister und Winzer und Tausendsassa Winfried Steinmacher wieder einen Pächter für seine Schänke „Zum Wibbes“. Die früheren Betreiber des Rheingauer Hofs in Eltville haben hier ihre neue Aufgabe gefunden. Die Küche ist deftig-rustikal und wohl auch deshalb haben die eigensinnigen Kiedricher die Schänke ordentlich angenommen. Die Wein von Steinmacher haben in den vergangenen Jahren deutlich an Qualität zugelegt, das ist erfreulich. Aus der aktuellen Kollektion nebem dem „Klosterberg“ besonders empfehlenswert:

2017 Kiedricher Wasseros Edition Johannes Riesling trocken

2016 Kiedricher Sandgrub „Riesling Terroir“

Hessische Staatsweingüter

1971 Heppenheimer Centgericht Riesling Spätlese

… wie gut dass Niko Kovac Jahrgang 1971 ist und jetzt die Bayern trainiert… diese Flasche war der Wett-Verlust eines überzeugten Eintrachtlers, der noch immer unter dieser Niedertracht leidet… für mich als Bayern-Fan seit den 1970ern war diese diese filigrane Spätlese umso mehr ein Genuss… und jetzt muss Kovac nur noch liefern….

Sterne aus Assmannshausen

Weingut Krone 2013 Spätburgunder Juwel

Weingut August Kesseler 1993 Höllenberg Spätlese trocken**

Weingut August Kesseler 2013 Cuvée Max Pinot Noir

Wer an der Güte der Assmannshäuser Roten je zweifelte, wurde an diesem Abend bekehrt… ein Fest des feinen Cassis und aller Stärken, die ein Top-Späbu zeigen kann…

Weedenborn, Rheinhessen

2017 Sauvignon blanc

2017 Westhofen Terra Rossa Sauvignon blanc

2016 Reserve Sauvignon blanc

Die Queen of Sauvignon, Gesine Roll, zeigt was sie kann: Sauvignon vom Feinsten, eine Benchmark. Wer mit dieser Rebsorten wirklich Ambitionen hat, findet hier den Maßstab, an dem es sich zu messen gilt… wer meint es geschafft zu haben, der lasse mich kosten!

Gronesteyn, Kiedrich

Nicht nur Steinmacher hat in Kiedrich wieder geöffnet, auch die Weinschänke Schloss Groenesteyn hat mit Dirk Schroer gemeinsam mit Amila Begic neue Pächter nach drei Jahren Stillstand (in denen Eric Elbert den „Esskork“ in Eltville startete…) Nach drei Besuchen können wir konstatieren: das wird was! Und unser Alleskönner zu den Gerichten von Schroer lautet vorerst

Chat Sauvage 2016 Chardonnay

… ansonsten hoffen wir, dass Ritter Groenesteyn seinen Keller öffnet und auch einige ältere Groenesteyn-Schätzchen auf der Weinkarte als Raritäten auftauchen…

Bürgerspital, Würzburg

Würzburger Stein 2015 Silvaner trocken und 2013 Riesling trocken VDP.Erste Lage – sehr lecker, mein klarer Favorit derzeit in Würzburg unter den „großen 3“

Glaser-Himmelstoss, Nordheim

2016 Spätburgunder Blanc de Noir trocken VDP.Gutswein – leckerer Sommerwein, easy drinking zum fairen Preis.

Was passiert auf dem Johannisberg?

Auf Schloss Johannisberg ist Bewegung. Nicht nur baulich (siehe nachfolgenden Bericht), sondern auch vinologisch, wie eine kleine Jahrgangsverkostung zeigt

2017 Gelblack trocken – sehr intensive, klare Frucht, gutes Säure-Süße-Spiel, Schmelz, süffig mit gutem Trinkfluss, für mich vielleicht ein wenig zu süß geraten, aber als trockene Visitenkarte sehr gut gelungen…

2017 Bronzelack trocken – deutlich komplexer, mineralisch, leicht phenolische Noten, stammt aus der kühlsten Ecke des Schlossbergs, dem Gewann Nonnehöll, sehr präzise, guter Druck am Gaumen

2017 Silberlack – eine Fassprobe des Weines, der vielleicht ein GG werden könnte, sehr fein mit prägnanter Säure und großer Eleganz, noch recht verschlossen aber mit unverkennbar guten Anlagen, hohe Präsenz am Gaumen, guter Trinkfluss

2017 Rotlack Kabinett – klasse Fruchtspiel, viel Limette, sehr saftig mit rassiger Säure und reintöniger Frucht, läuft wie geschmiert die Kehle runter, Spasswein!

2017 Grünlack Spätlese – klassische Spätlese, nicht überladen mit Zucker, Trinkfluss dann sehr prägnanter Säure bei 8,5 Alkohol, viel Limette und Zitrone, trocknet im Abgang nach, langer Nachhall, sehr gut

2017 Rosalack Auslese – saftig-süße Opulenz, perfekt zur Zigarre, aber auch zum scharfen Curry oder zum Stilton und Blauschimmel, solo schon fast zu süß…

2017 Purpurlack Beerenauslese – Früchteexplosion im Gaumen, dick, fett, schnell satt machend, für Liebhaber dieser Kategorie eine Wucht, für alle anderen reicht einmal Nippen, um beeindruckt zu sein, ein Wein für die Ewigkeit

2017 Blaulack TBA – die süße Krone des Jahrgangs, opulent, dick, Dörrobst und Honig mit Karamell, höchste Konzentration, die Majestät auf dem Schloss.

Das älteste Rieslingweingut der Welt will mit diesen Weinen wieder zu den weltbesten Weißweinerzeugern zählen. Das geht nicht ohne Konzentration und Investition. Für das Weingut Mumm ist da (fast) kein Platz mehr

Derzeit garantiert ein weithin sichtbarer Kran Aufmerksamkeit, und viele Bürger fragen sich: Was passiert auf Schloss Johannisberg? Das Wahrzeichen des Rheingaus ist derzeit eine Baustelle. Doch es geht um weit mehr als um eine Verschönerung und Modernisierung des ehemaligen Sitzes der Fürsten Metternich. Eines der berühmtesten Weingüter der Welt ist im Umbruch. Das auffälligste Zeugnis ist ein Neubau, der die ehemalige Cuvée-Kellerei verlängert. Rechtzeitig vor Beginn der Ernte soll die neue Kelterhalle fertig sein. Dort sollen dann mit neuester Technik alle Trauben des Schlosses angenommen und gepresst werden.

Verbunden ist der Erweiterungsbau mit einer Zäsur. Das bislang mit Schloss Johannisberg auf das engste verbundene Weingut G.H. von Mumm bleibt zwar formal erhalten, verschwindet aber als Erzeuger nahezu von der Bildfläche. Der Standort an der Straße „Am Erntebringer“ wird aufgelöst und verkauft. Die 60 Hektar Weinberge bleiben zwar erhalten, doch nur noch ein sehr kleiner Teil der Ernte wird künftig noch unter dem Namen G.H. von Mumm in Flaschen gefüllt und auf Burg Schwarzenstein und in der Schlossschänke Johannisberg angeboten. Der weitaus größte Teil der Menge wird von Henkell & Co. in Wiesbaden für die Sekterzeugung übernommen und soll in eine Prestige-Cuvée von Fürst von Metternich fließen.

Henkell gehört zur Oetker-Gruppe, Schloss Johannisberg ist seit fast 40 Jahren ebenso im Familienbesitz der Oetkers wie das 200 Jahre alte Weingut Mumm. „Wir legen unseren Fokus jetzt ganz auf Schloss Johannisberg und seine Weine“, sagt Geschäftsführer Stefan Doktor, der gemeinsam mit Marcel Szopa seit Herbst 2016 die Neuordnung vorantreibt. Szopa ist bei Henkell überdies für die Sektherstellung verantwortlich.

Zu dieser Neuordnung des ältesten Riesling-Weinguts der Welt gehört auch, dass die Renommierlage „Schloss Johannisberg“ durch die Eingliederung benachbarter Weinbergsparzellen von bislang 35 auf 45 Hektar erweitert wurde. Der große Mumm´sche Weinbergsbesitz von rund 60 Hektar, bislang ein Flickenteppich im Rheingau, wurde durch Tausch mit anderen Rheingauer Winzern inzwischen soweit arrondiert, dass die Bewirtschaftung deutlich effizienter möglich ist. Für dieses Ziel wurden sogar Rotweinflächen im berühmten Höllenberg von Assmannshausen aufgegeben.

Nach der Aufgabe des bisherigen Standortes von Mumm in Johannisberg werden alle Trauben in der neuen Kelterhalle am Schloss verarbeitet. Damit die daraus gewonnenen Moste verarbeitet werden und die Jungweine reifen können, wird der Keller modernisiert und erweitert. Ein alter, bislang nicht genutzter Gewölbekeller ist schon für die Aufnahme neuer Edelstahltanks vorbereitet worden. Ein weiterer Keller wurde unter der Eingangspforte des Schlosses gegraben.

Mit 45 Hektar Schloss Johannisberger Rieslingweinberge sieht Doktor das Weingut für die Zukunft gut aufgestellt. Die neue Führungsmannschaft wurde im vergangenen Jahr zudem durch Michel Städter als Außenbetriebsleiter ergänzt, der bislang das Johannisberger Weingut Chat Sauvage geleitet hat und sich nun ganz um die Pflege Schlossweinberge kümmert. Doktor ist begeistert, wie sich die Weinberge heute optisch präsentieren. Und er will „das war hier wächst perfekt ins Glas bringen“. Reintönige, ausdrucksstarke Weine mit Charakter sind sein Leitbild.

Dazu wurde auch das Sortiment verändert. Entsprechend der Strategie des Verbands der Prädikatsweingüter gibt es keinen trockenen Schloss Johannisberger Kabinettwein mehr, der bislang gemäß der alten Tradition des Schlossweinguts als „Rotlack“ im Sortiment war. An seine Stelle tritt ein „Bronzelack“-Riesling, der aus dem klimatisch kühlsten Gewann des Schlossweinbergs stammt, dem so genannten „Nonnenhöll“. Doktor will, dass jede Lackfarbe für einen Wein mit eigenem Charakter und Profil steht. Das gilt auch für den Gelblack als fruchtbetontem Basiswein und noch stärker für den Silberlack, das „Große Gewächs“ des Weinguts. In sehr kleiner Menge soll in absehbarer Zeit noch ein trockener „Goldlack“ als Superpremiumriesling folgen.

Die Johannisberger Weinen sollen laut Doktor einen hohen „Trinkfluss“, und davon sollen sich möglichst viele Bürger überzeugen können, die vor dem Schloss vielleicht ein Art Schwellenangst befällt. Der im Rheingau „Goetheblick“ genannte Aussichtspunkt wenige Schritte östlich des Schlosses und seiner Kirche wurde inzwischen zu einem Weinprobierstand umgestaltet, der bei guten Wetter am Wochenende geöffnet ist und sich an die vielen Ausflügler am 50. Breitengrad wendet.

Die qualitativen Ansprüche, die Doktor formuliert, sind hoch: Sein Ziel sei es, das Schloss unter den besten Weißweingütern der Welt zu etablieren.

Wenn es gelingt, wäre es auch aus historischer Sicht nicht weniger als eine Selbstverständlichkeit: „Den besten Wein trinkt der Fürst von Fulda mit seinen Domherren; denn ihm gehört die Propstei mit dem besseren Teil der Weinberge“, schrieb schon Ernst Moritz Arndt über die Erzeugnisse des Schlosses. Die Säkularisierung und die Übergabe an die Fürsten Metternich nicht änderten daran nach 1815 wenig. Wilhelm Grimm schwärmte 1883: „Einen schönen Nachmittag haben wir auf der Altane des Johannisberger Schlosses gesessen, ich glaube ruhiger und vergnügter als der Fürst Metternich selbst, bei einer Flasche seines Kabinettsweines, der zwar mit Gold muss bezahlt werden, wogegen aber auch aller andere Wein nur eine Art gutartiger Essig ist“.

Schloss Johannisberg hat deutsche Weinbaugeschichte geschrieben. 1775 wurde hier die Spätlese „erfunden“. Im Schlosskeller wurde zuerst begonnen, Wein im großem Stil in Flaschen abzufüllen. Auf dem Johannisberg wurde die erste Auslese gekeltert und 1858 der erste Eiswein im Rheingau geerntet. Schlossweine hatten und haben ihren Preis. In „Auerbachs Keller“ im Leipzig kostet der Johannisberger 1863 immerhin vier Taler. Der Bordeauxwein von Chateau Margaux war schon für einen Taler zu haben...

Die Zukunft der Steillagen ist rot...

Steillagen sind landschaftsprägend. Sie geben Anbaugebieten wie dem Rheingau ihren unverwechselbaren Charakter. Doch der Aufwand der Bewirtschaftung ist hoch. Die Produktionskosten liegen weit über denen gut zu bewirtschaftender Flachlagen. Und kaum ein Konsument ist bereit, für eine Flasche Wein nur deshalb deutlich mehr auf den Ladentisch zu legen, weil Trauben in steilen Hängen gepflegt und mühsam geerntet werden. Dieses Dilemma trifft im Rheingau die hessischen Staatsweingüter besonders hart. Anders als bei privaten Weingütern gibt es keine Familienmitglieder, die den Weinberg bearbeiten. Jede Arbeitsstunde muss bezahlt werden. Und der landeseigene Betrieb ist nach den Recherchen seines Geschäftsführers Dieter Greiner das größte Steillagenweingut Deutschlands. Rund 92 Hektar Weinbergsfläche haben eine Hangneigung von mehr als 30 Prozent. Das hat gravierende ökonomische Konsequenzen: "Mir fehlen dadurch jedes Jahr eine Million Euro an Profit", sagt Greiner.
Eine Aufgabe eigentlich unrentabler Steil- und Steilstlagen, wie sie verschiedentlich an der Mosel, aber vor allem im Mittelrheintal zu beobachten war, kommt für das Staatsweingut im Rheingau aber nicht in Frage. Brachflächen sollen vermieden werden. Seiner Vorbildrolle will das Landesunternehmen durch eine Revolutionierung des Steillagenweinbaus gerecht werden, bei der die Hochschule Geisenheim eine zentrale Rolle spielt. Die Wissenschaftler sollen das Instrumentarium für die Weingüter vergrößern und praxistauglich weiterentwickeln. "Wir können die alten Strukturen in der Landschaft nicht ohne modernste Technik erhalten", sagt Hochschulpräsident Hans Schultz. Deutschland habe weltweit den höchsten Prozentsatz steiler Lagen an der Weinbergsfläche.
Der Senkung der Kosten ihrer Bewirtschaftung durch eine fortschreitende Mechanisierung und Automatisierung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn im Steillagenweinbau fallen durch die Topographie jährlich rund 1000 Arbeitsstunden zusätzlich an. Das bedeutet nicht nur Mehrkosten in fünfstelliger Höhe je Hektar. Vielmehr stellt sich auch die Frage, ob überhaupt genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, um die notwendige Arbeit über das Jahr zu leisten, wenn das Geld dazu vorhanden ist.
Geht es nach den Geisenheimer Wissenschaftlern und den Staatsweingütern, werden immer mehr Maschinen zum Einsatz kommen, die möglichst autonom arbeiten. Für die Ernte hat das Staatsweingut im vergangenen Jahr schon mit gutem Erfolg eine für Steilhänge entwickelte Vollerntemaschine getestet. Viel Arbeit gäbe es auch für autonom fliegende Drohnen, beispielsweise zur Erkundung des Zustands der Reben und zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln.
Der Einsatz einer Drohne könne dem Weingut rund 200 Arbeitsstunden je Hektar ersparen, sagt Hans-Peter Schwarz vom Institut für Technik der Hochschule. Mit bis zu zwölf Spritzungen ist der Pflanzenschutz während der Vegetationsperiode besonders kostentreibend. Zwar behelfen sich viele Weingüter derzeit noch mit dem Einsatz von Hubschraubern in steilen Lagen, doch der hat viele Nachteile: den Lärm, die keineswegs punktgenaue Anwendung der Spritzmittel und die Kosten sowie die Tatsache, dass der Einsatz immer einer behördlichen Ausnahmegenehmigung bedarf.
Die Arbeit des Hubschrauberpiloten können Drohnen vielleicht schon sehr bald besser erfüllen. Doch zunächst stehen weitere Versuche mit zwei Sprühdrohnen an, um die Blattbenetzung zu optimieren und den Abdrift der Mittel bei Wind zu minimieren sowie das autonome Abfliegen der Weinberge zu perfektionieren. "Die Robotik wird die Arbeit der Winzer aber verändern", sagt Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau. Rebschnitt, Mulchen, Laubschneiden und Pflege des Bodens um die Rebstöcke: Das alles könnte in einigen Jahren vielleicht Robotern übertragen werden.
Doch jenseits aller Mechanik und Robotik müssen noch weitere Methoden verfeinert und erforscht werden. Die Anlage neuer Weinberge quer zum Hang statt wie gewohnt in der vertikalen Falllinie gilt als eine vielversprechende Methode. Gerade erst haben die Staatsweingüter im Assmannshäuser Höllenberg einen Weinberg auf diese Weise neu angelegt. Auch der arbeitssparende Minimalschnitt der Reben ist in bestimmten Lagen eine Option, um die Arbeitskosten zu minimieren. Kosten und Ertrag solcher Strategien werden nun betriebswirtschaftlich intensiver untersucht.
Vor allem in warmen Jahren leiden Reben in Steillagen nicht selten unter Trockenheit. Die Bewässerung der Rebstöcke wird von den Staatsweingütern schon seit Jahren mit gutem Erfolg erprobt. Knackpunkt ist immer die Wasserversorgung und der damit verbundene Aufwand sowie die Auflagen und Einwände der Behörden, beispielsweise wenn es um den Einsatz einer Tauchpumpe im Rhein geht. Außenbetriebsleiter Stefan Seyffardt sieht jedenfalls einen guten Erfolg der bisherigen Praxis: 2016 brachte ohne jede Bewässerung eine Weinbergsparzelle im Rüdesheimer Berg nur eine mäßige Ernte. 2017 wurde laut Seyffardt an sechs Terminen bewässert, und die Trauben waren für die Produktion eines Spitzenweins geeignet, der deutlich höhere Preise erzielt.
In der Zukunft könnte sich aber auch die Frage stellen, ob der den Rheingau prägende Riesling in den Steillagen die dauerhaft richtige Rebsorte ist. In Baden-Württemberg denken Winzer schon darüber nach, in steilen Hängen statt des traditionsreichen Trollingers die teurer zu vermarktende Rebsorte Tempranillo zu pflanzen. Im Rheingau hält es Greiner durchaus für möglich, dass "die Zukunft der Steillage rot" ist, dass also Riesling durch Rotweinsorten ersetzt wird. Diese gedeihen wegen der starken Sonneneinstrahlung in den energiereichen Steillagen recht gut, und überdies ist laut Greiner der Weinfreund grundsätzlich bereit, für Rotwein mehr Geld auszugeben als für Weißwein. Auch dann, wenn ihn ein Roboter geerntet hat. (aus der FAZ vom 2.6.18)

10 Jahre Steinbergkellerei

Nicht Gras, sondern Reben wachsen über dem größten Zankapfel der Region
Mit ihrem neuen Arbeitsplatz ist Kathrin Puff überaus zufrieden. Die Ausstattung sei vom Feinsten, und im Tanklager sei nicht gespart worden, sagt die Neununddreißigjährige. Und dass beim Transport von Trauben, Most und Jungwein die Schwerkraft einen Gutteil der Arbeit im Keller erledigt und nicht gepumpt werden muss, was der Weinqualität abträglich wäre, gefällt ihr besonders gut. Das Lob der gebürtigen Krefelderin hat Gewicht. Denn die in Geisenheim und in Udine bestens ausgebildete Önologin mit reichem Erfahrungsschatz aus ihrer Tätigkeit für Weingüter in der Toskana, in Neuseeland und in Thailand verantwortet künftig in der Nachfolge von Ralf Bengel den Weinausbau für die Hessischen Staatsweingüter. Puff kommt mit vielen Ideen in den Rheingau. Ihr eilt der Ruf voraus, Weine mit feiner Aromatik und Struktur zu erzeugen. Und sie sieht ein großes Potential, das sie heben will.
Allerdings müsse dazu die Voraussetzung im Weinberg gelegt werden, sagt sie, denn im Weinkeller dürfe der Einfluss nur zurückhaltend sein. Sie will die Weinberge, das Terroir, sprechen lassen. Und weil kein Weinkeller "perfekt" ist, wünscht sich Puff noch mehr Tanks, um beim Ausbau experimentieren und beim Zusammenstellen der Cuvées "spielen" zu können. Auch an für die Staatsweingüter neuen Rebsorten wie Sauvignon blanc will sie sich versuchen, den Anteil der Burgundersorten erhöhen und überdies feinen Rosé erzeugen.
Geschäftsführer Dieter Greiner scheint solchen Wünschen aufgeschlossen gegenüberzustehen. Er zeigt sich begeistert von der Stilistik der ersten Weine, die Puff in die Flasche gebracht hat. Und die Önologin fiebert ihrer ersten Weinlese im Herbst entgegen. Ihr neues Engagement im Rheingau nach den Wanderjahren im Ausland fällt zusammen mit dem zehnjährigen Bestehen der Steinbergkellerei. Dort werden im Herbst die Trauben von 250 Hektar Weinbergen im Rheingau und an der hessischen Bergstraße in der Kellerei verarbeitet.
Dabei stand ihr Bau zeitweise auf des Messers Schneide. Doch in den vergangenen zehn Jahren haben die meisten Kritiker Frieden mit dem "großen Loch" am Steinberg geschlossen. Nur der frühere Landrat Burkhard Albers (SPD) war während seiner Amtszeit niemals dort gesehen worden und hat bis heute keinen Fuß in das Gebäude gesetzt. Dabei wohnt Albers im benachbarten Hattenheim.
Während energische Kritiker wie der Wallufer Winzer Hans-Josef Becker sogar zur Eröffnungsfeier erschienen, gab sich Albers stets unversöhnlich und klagte wenige Tage vor der Eröffnungsfeier, dass der "riesige Eingriff" in die historische Kulturlandschaft nicht zu heilen sein und als Wunde dauerhaft erhalten bleiben werde. Inzwischen sind es kleinere Kellereien privater Weingüter, die als Aussiedlungsprojekte im Rheingau für Aufregung sorgen. Am Steinberg hingegen ist Normalität eingekehrt, und die Neugier ist so groß, dass sich jährlich 6000 bis 8000 Besucher das Bauwerk zeigen lassen.
Unbestritten aber ist: Ohne den damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), der den Neubau als notwendigen Teil einer umfassenden Umstrukturierung des landeseigenen Unternehmens gegen viele Widerstände vorantrieb, wäre die Kellerei nicht gebaut und wären die Staatsweingüter vielleicht sogar aufgelöst oder verkauft worden, wie es Rheinland-Pfalz in einigen Fällen vorexerzierte.
Vor zehn Jahren wurde die Kellerei in Betrieb genommen, 10 000 Besucher bestaunten damals am ersten Wochenende das wieder von Rebstöcken überdeckte "Loch" von 80 Meter Länge, 60 Meter Breite und 13 Meter Tiefe. 10 000 Tonnen Beton und 1700 Tonnen Stahl waren verbaut worden, um mehr als 200 blitzende Edelstahltanks aufzunehmen. So entstand Deutschlands damals modernster Weinkeller, um dessen Bau über fast sieben Jahre hinweg erbittert gestritten worden war. In diese Auseinandersetzung waren auch Landtag, Regierungspräsidium, Kreistag und Verwaltungsgerichte involviert. Später gab Ministerpräsident Koch freimütig zu, den Protest gehörig unterschätzt zu haben.
Knapp 16 Millionen Euro kostete der Weinkeller. Gemessen an architektonisch herausragenden Weinkellereien in Südafrika, Südtirol und Kalifornien, war der Neubau gleichwohl funktional und bescheiden. Dass dennoch von einer "Kathedrale für den Riesling" die Rede war, lag vor allem an den Dimensionen: Knapp zwei Millionen Liter können in Tanks und Fässern gelagert werden, zudem rund 1,2 Millionen Flaschen. In den zurückliegenden zehn Jahren wurde an mancher Stellschraube gedreht. Die Erweiterung auf fünf große und eine kleine Weinpresse verdoppelte die Kapazität bei der Ernte. Eine Traubensortiermaschine wurde angeschafft, ebenso weitere Holzfässer, um den Spitzenweinen mehr Struktur und Strahlkraft zu geben.
Ungewöhnlich und hinderlich ist bis heute, dass die Kellerei über zwei Lastenaufzüge erschlossen wird und nicht direkt von Lastwagen angefahren werden kann. Doch das war ein damals unvermeidliches Zugeständnis an den sensiblen Standort in der Kulturlandschaft.
Unter der Prämisse, dass ein Bundesland es tatsächlich für notwendig hält, sich Deutschlands größtes Weingut zu leisten, war der Umzug an den Steinberg neben Kloster Eberbach die richtige Entscheidung. Denn es war eine Rückkehr, die vor allem von Greiner vorangetrieben wurde mit der nachvollziehbaren Argumentation, die Zukunft der Staatsweingüter liege in ihren Wurzeln und diese Wurzeln seien das Kloster und der Steinberg.
Denn nur 40 Jahre in der 900 Jahre währenden Geschichte des Weinklosters Eberbach war der Wein nicht am oder im Kloster selbst, sondern in Eltville ausgebaut worden. "Es kommt endlich wieder zusammen, was zusammengehört", sagte der damalige Weinbauminister Wilhelm Dietzel (CDU) zur Eröffnung. "Wir wollen und müssen nun ein Flaggschiff sein", gab Koch den Staatsweingütern damals ein ehrgeiziges Ziel vor, "sonst haben wir unseren Job verfehlt." Eine Aufgabe, der sich nun Kathrin Puff stellen muss. (aus meinem Text aus der FAZ vom 30.5.)

Schoppentrophy 2018

„Schoppen-Trophy“ geht an Weingut Mohr

 Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser verlieh Urkunden im Rheingau

„Ich gratuliere dem Weingut Mohr aus Lorch, dem diesjährigen Gewinner der „Schoppen-Trophy“. Dieser besondere Wettbewerb widmet sich gezielt den Einstiegsweinen. Und gerade der preisgünstigste trockene Wein auf der Weinkarte gibt einen ersten Eindruck von der Qualität des Weingutes oder des Gutsausschankes“, betonte Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser anlässlich der Überreichung der Urkunden an die Erstplatzierten der Schoppen-Trophy 2018.

Die Schoppen-Trophy wurde 2005 erstmals ausgeschrieben und wird somit in diesem Jahr zum 14. Mal verliehen. Organisiert wird dieser – bundesweit einzigartige – Wettbewerb vom „Rheingauer Weinschmecker“, einem Handbuch zu den besten Straußwirtschaften und Gutsausschänken der Region. Teilnahmeberechtigt sind Rheingauer Erzeugerinnen und Erzeuger mit angeschlossener Schänke. Sie reichen jeweils ihren preiswertesten, trockenen Riesling-Hausschoppen ein. „Der erste Eindruck hat auch hier große Bedeutung: Denn ein guter Schoppenwein verspricht meistens auch insgesamt gute Weine“, so die Staatssekretärin.

Das vergangene Weinjahr war für die Winzerinnen und Winzer nicht einfach. Nach einem kalten Winter 2016/2017 folgte der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im April gab es jedoch einen Kälteeinbruch mit Nachtfrösten, der bei den jungen Trieben an den Reben zum Teil zu sehr großen Schäden, bis zum Totalausfall in einzelnen Weinbergen, führte. Die sommerlichen bis hochsommerlichen Temperaturen in den Monaten Juni und Juli bedingten dann eine rasante Entwicklung der Reben, auch die frostgeschädigten Anlagen konnten Entwicklungsrückstände weitgehend aufholen. In der letzten Juliwoche folgte jedoch ein Wetterumschwung, der teils mit Gewittern und Hagelschäden dafür sorgte, dass die Winzer ihre Weinberge regelmäßig kontrollieren mussten, damit sie den richtigen Lesezeitpunkt nicht verpassten. Während der Hauptlese herrschte meist sonniges Herbstwetter, welches einen starken Anstieg der Mostgewichte begünstigte. So konnten 2017 wieder höhere Qualitätsstufen erreicht werden. Bereits Anfang Oktober war die Hauptlese dann zu 90 Prozent beendet. „Wie alle landwirtschaftlichen Betriebe, sind die Winzerinnen und Winzer stark vom Wetter abhängig. Dies war auch 2017 wieder zu spüren. Hier macht sich der Klimawandel auch in Hessen bemerkbar. Wir als Landesregierung müssen uns gemeinsam mit unseren Winzerinnen und Winzern, sowie der gesamten Landwirtschaft dieser Herausforderung stellen“, erklärte Dr. Beatrix Tappeser. „Trotz dieser schwierigen Bedingungen ist es den Winzerinnen und Winzern gelungen, durch gezielte qualitätssteigernde Maßnahmen im Weinberg und selektiver Lese gute bis sehr gute Qualitäten zu ernten. Dafür habe ich großen Respekt und beglückwünsche Sie sehr“, ergänzte die Staatssekretärin.

Pinot-Cup wird zum zweiten Mal ausgetragen

Neben der Verleihung der Schoppen-Trophy fand auch die Siegerehrung des Pinot-Cups statt. Der Pinot-Cup wurde 2013 erstmals ausgeschrieben und wird in diesem Jahr erst zum zweiten Mail ausgetragen. Hier sollen die teilnehmenden Weingüter ihren besten und hochwertigsten Spätburgunder einreichen. „Da der Spätburgunder die zweite Leitrebsorte im Rheingau ist, freue ich mich, dass auch dieser Rebsorte ein eigener Wettbewerb gewidmet wurde. Viele Rheingauer Weingüter konzentrieren sich auf den Riesling, aber ein guter Spätburgunder ist bei vielen Rotweinliebhabern sehr beliebt“, betonte die Staatssekretärin.

Die Straußwirtschaften und Gutsschänken sieht die Staatssekretärin als ideale Botschafter für die Region: „Straußwirtschaften und Gutsschänken vermitteln ihren Besucherinnen und Besuchern vielschichtige Eindrücke, die weit über die angebotenen Weine und Speisen hinausgehen. Es geht um das Lebensgefühl und die Kulturlandschaft des Rheingaus insgesamt, die untrennbar mit dem Wein verbunden ist. Zudem ist und bleibt Hessen als Reiseziel sehr beliebt, der Rheingau mit seinen Wanderwegen durch die Weinberge und den vielen Straußwirtschaften ist hier ein optimales Beispiel für Tourismus im ländlichen Raum“, machte Dr. Beatrix Tappeser anlässlich der Urkundenübergabe im Weingut von Peter und Christine Keßler in Hallgarten deutlich.

Ausgezeichnet wurden:

„Schoppen Trophy“

  1. Weingut Mohr, Lorch: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  2. Weingut Altenkirch, Lorch: 2017 Riesling „Steillage“ QbA trocken
  3. Weingut Crass, Erbach: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  4. Weingut Allendorf, Winkel: 2017 „Save Water drink Riesling“ QbA trocken
  5. Weingut F.B. Schönleber: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  6. Weingut Trenz, Johannisberg: 2017 Rheingau „Basic“ Riesling QbA trocken
  7. Schloss Vollrads, Johannisberg: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  8. Weingut Mitter-Velten, Hochheim: 2017 Daubhaus Riesling Kabinett trocken
  9. Weingut Goldatzel, Johannisberg: 2017 Vogelsang Riesling QbA trocken

„Pinot-Cup“

  1. Platz Weingut Allendorf

2015 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder trocken „VDP.Großes Gewächs“

  1. Platz Weingut Dorotheenhof

2015 Spätburgunder Auslese trocken „Im Eichenholzfass gelagert“

  1. Platz Weingut Kloster Eberbach

2015 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder trocken VDP.Großes Gewächs

  1. Platz Weingut Sohns

2015 Geisenheimer Mäuerchen Spätburgunder „M“ trocken

  1. Platz Weingut Freimuth

2014 Rüdesheimer Magdalenenkreuz Blauer Spätburgunder trocken VDP.Erste Lage

Aus dem Verkostungstagebuch

Markus Schneider, Ellerstadt

2017 Ginster „Kabinett“ trocken – das neue Projekt von Tausendsassa Markus Schneider… ein Pfälzer goes Mosel… herausgekommen ist ein noch blutjunger, von Schiefer-Steilhängen geprägter Riesling mit saftiger Süße, der unbedingt sofort getrunken oder zehn Jahre reifen sollte…

S.A. Prüm, Wehlen

2008 Sonnenuhr Kabinett …. vielleicht schmeckt der Schneider (s.o.) dann tatsächlich etwa so wieder dieser Prüm und zeigt, welch großartiges Jahr 2017 Jahr – 2008 war ohnehin spitze für Riesling

Ball des Weines Wiesbaden

… wieder mal ein rauschendes Fest mit Lebenslust und Trinkfreude… im Saal gabe es zum Dinner unter anderem einen großartigen Silvaner von Johann Ruck (2016 Kronsberg), gefolgt vom Grauburgunder GG der Staatsweingüter, dem einzigen GG von der Hessischen Bergstraße übrigens… und einem 2013 Eichberg-Spätburgunder GG von Franz Keller. Sehr schön auch das 2014 Lemberger GG von Kistenmacher-Hengerer.

Wegeler, Oestrich

2013 Rothenberg Riesling GG – fulminant, großer Trinkfluss, spitze!

Weingut Jakob Jung, Erbach

2007 Hohenrain Erstes Gewächs, 2011 Siegelsberg Erstes Gewächs, 2005 Siegelsberg Erstes Gewächs – was für eine imposante Vertikale, und bei den Jahrgängen haben wir uns jeweils schwer verschätzt…. also die Weine waren jeweils älter, als wir vermutet haben… ein schönes Trio, das auch die Qualitätskonstanz im Hause Jung zeigt… wir sind beeindruckt

Hans Bausch, Hattenheim

2012, 2014, 2015, 2016 Engelmannsberg Erstes Gewächs …. und noch eine EG-Vertikale… zeigt sehr schön die Jahrgunterschiede und das Potential, auch meine Riesling-Runde geteilter Meinung beim Favoriten war… für mich war 2015 groß und 2016 noch zu verschlossen und jung, aber da sah nicht jeder so… leider hat 2013 gefehlt… ich vermute mal, das wäre der Kracher gewesen…

Bibo-Runge

Romantiker Rheingau Riesling & Revoluzzer Rheingau Riesling… lecker Paar mit klarem Vorsprung für den Revoluzzer, der ein echter Charakterwein mit Ecken und Kanten ist….

Mitter-Velten, Hochheim

Nicht nur das Etikett ist neu (und schön), auch die – neuerdings Öko- - Weine gewinnen an Statur, wie ein Querschnitt der 2017er (Grauburgunder, Hölle Kabinett, Herrnberg) ergab. Läuft…

GGs und EGs

Private Feiern fördern bisweilen Schätze aus privaten Kellern zutage… erst kürzlich gab das Gelegenheit, die EGs/ GGS von Weil (2011), Barth Schönhell (2015 & 2016), Sohns (2013), Spreitzer (2011 Lenchen) und Allendorf (2013 Jesuitengarten) quer und durcheinander zu trinken…, dazu Breuers 2015 Schlossberg, Alte Reben von Van Volxem (2016)… Herz, was willst Du mehr… und wieder zeigte sich, dass 2013 einfach ein grandioser Jahrgang ist und dass Weil-Weine superb reifen… 2011?! Kaum zu glauben!

Aus für Langwerth!

Der 554. Jahrgang war der letzte. Eines der ältesten in Familienbesitz befindlichen Weingüter der Welt, Langwerth von Simmern, gibt auf. „Wir ziehen uns aus dem aktiven Weingeschäft zurück“, heißt es in einem Brief an Kunden und Partner. Der Jahrgang 2017 wird schon nicht mehr in Flaschen gefüllt, der Weinkauf zum 1. Oktober eingestellt. Der Langwerther Hof, ein imposantes denkmalgeschütztes Ensemble im Herzen der Eltviller Altstadt, wird verkauft. Die Familie zieht im Herbst auf ihr landwirtschaftliches Rittergut Wichtringhausen bei Hannover.

Es ist das Ende einer Ära im Rheingau, die Georg Reinhard Freiherr Langwerth von Simmern und seine Frau Andrea mit dieser Entscheidung einleiten. Die Geschichte der Familie reicht im Rheingau in das Jahr 1464 zurück. Seither ist sie unmittelbar mit dem Weinbau verbunden. Johann Langwerth von Simmern wurde damals für seine Verdienste als Kanzler des Herzogs Ludwig von Pfalz-Zweibrücken mit rund sechs Hektar der Spitzenlage "Hattenheimer Mannberg" belehnt. Familienwohnsitz war nach 1472 zunächst die Hattenheimer Burg, von 1711 an der Stockheimer Hof in Eltville. Mit dem später erworbenen Lichtenstern’schen Hof wurde das heutige Ensemble des Langwerther Hofs komplettiert, das einen schönen Gutspark umschließt.

Das Weingut im Rheingau leitet seit 1996 Georg Reinhard Freiherr Langwerth von Simmern. Er musste allerdings die Erfahrung viele adeliger Weingutsbesitzer teilen, dass mit den Erträgen aus dem Weinbau in heutiger Zeit viel zu große, häufig marode, aber denkmalgeschützte Liegenschaften nicht zu unterhalten sind. Die Auflösung des Weinguts Graf Eltz in unmittelbarer Nachbarschaft ist ein Beispiel dafür, ebenso das Schicksal von Schloss Vollrads, das Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau nicht vor der Insolvenz zu retten vermochte.

Glaubhafte Gerüchte über Verkaufsabsichten hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Vor zwei Jahren geisterte die Nachricht vom Erwerb durch eine Immobiliengesellschaft schon durch die sozialen Medien. „Das entbehrt jeder Grundlage“, dementierte Andrea Langwerth damals energisch. Doch die offiziell nie bestätigten Verkaufsabsichten waren in der Branche offensichtlich, nachdem ein ernsthafter Interessent an der Liegenschaft begonnen hatte, die renommierten Weinberge zum Kauf anzubieten. Die enorme Höhe der seinerzeit aufgerufenen Preise für Toplagen wie Marcobrunn, Baiken, Wisselbrunnen und Co. machte unter Winzern die Runde. Ein Fragezeichen über die Zukunft des Weinguts wurde vor zwei Jahren durch die Stadt Eltville selbst gesetzt. Die Verwaltung hatte damals eine Vorlage zur Änderung des Bebauungsplans erstellt, die Umbau und Erweiterung des Langwerther Hofes zu einem Ensemble mit schicken Eigentumswohnungen und sogar einer Tiefgarage ermöglicht hätte. Doch kurz vor Sitzungsbeginn nahm Bürgermeister Patrick Kunkel die Vorlage von der Tagesordnung, nachdem der Baron einen Rückzieher gemacht hatte.

Dennoch waren damit die Veränderungswünsche öffentlich geworden. Die Bewirtschaftung ihrer Weinberge hatte die Familie schon vor Jahren in die Hände des Eltviller Weinbaukollegen Ries gelegt. Im vergangenen Jahr verkaufte Langwerth überdies fünf Hektar Weinberge an das Wiesbadener Weingut Höhn. Und zum Jahresende 2017 kündigte Langwerth zudem die Mitgliedschaft im Verband der Prädikatsweingüter. „Ich muss zwei alte Gehöfte unterhalten, das ist eine Herausforderung“, begründet Langwerth die nun getroffene Entscheidung. Das sei mit Einkünften aus Weinbau und Landwirtschaft nicht zu stemmen. Die Entscheidung gegen den Standort Eltville sei auch eine Zukunftsentscheidung für die Familie. Dennoch will Langwerth die Verbindungen in den Rheingau nicht kappen.

Zwar werde der Langwerther Hof verkauft und „entwickelt“, doch werde die Familie die verbliebenen 18 Hektar Weinberge nicht veräußern. Er suche vielmehr einen strategischen Partner für deren Bewirtschaftung und den Ausbau der Weine, der im Herbst schon nicht mehr im Langwerther Hof möglich ist. Als Veranstaltungsort steht der Innenhof nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Das Eltviller Sekt- und Biedermeierfest und das Jägerfest werden sich neue Standorte suchen müssen, vermutlich auch der Weihnachtsmarkt. Denn in Eltville endet eine Ära. (aus der FAZ vom 28. April)

Aus dem Verkostungstagebuch

Jahrgangsverkostung Robert Weil, Kiedrich

Auch für Weil war 2017 wegen Hagel, Spätfrösten und Fäulnis nicht eben einfach, aber dieser Jahrgang ist abermals ein Beleg dafür, dass es (seit 1988?) keine guten und schlechten Weinjahre mehr gibt, sondern nur noch Winzer, die der jeweiligen Herausforderung besser oder schlechter gerecht werden. Und (nicht nur) Weil hat den Bogen raus! Hier werden Jahr für Jahr beachtliche Kollektionen auf die Beine gestellt in einer qualitativen Konstanz, mit der deutschlandweit nur wenige konkurrieren können.

2017 Weil Rheingau Riesling trocken

… diesen Wein gibt es immer 2x, als Liter und in der 0,75er, aber selten habe ich den Unterschied zwischen diesen beiden Füllungen so groß gesehen. Der Liter ist wie immer lecker, fruchtig, easy drinking, aber die Variante in der braunen Schlegelfasche ist ein Hammer. Großartige Fülle, zweifellos hohe Extraktwerte, druckvoll am Gaumen, Fruchtbombe, vielleicht einer der stärksten 0,75 l in jüngerer Zeit….

2017 Kiedricher – so viel Weil für vergleichsweise so wenig Geld, da kommt Freude auf. Viel Finesse, sehr mineralisch, expressiv am Gaumen, guter Nachhall, reintönige Eleganz, top

2017 Klosterberg – es scheint, dass Weil diesen Weinberg immer besser in den Griff bekommt, denn der Unterschied zum Turmberg wird – bei aller Differenzierung im Terroir – immer geringer. Sehr dicht, komplex, gute Länge und Finesse

2017 Turmberg – wie immer zu diesem Zeitpunkt meiner Favoriten, genial gut, hält den Klosterberg noch gut auf Distanz, schon jetzt recht trinkreif aber mit großem Potential für eine lange Lagerung

2017 Gräfenberg – jetzt noch schwer einschätzbar, sehr verschlossen, aber mit großartigen Anlagen und der typisch tänzerischen Feinheit, das wird wohl ziemlich, ziemlich gut werden… wenn es erstmal trinkreif ist…

2017 Tradition – relativ neu im Sortiment, sehr feinherb, mir einen Tick zu süß, aber zum Essen sicherlich ein guter Begleiter in der guten Tradition der Rheingauer Rieslinge, die wohl in der Vergangenheit nie richtig trocken und auch nie richtig süß waren… aber 20 statt 24 g RZ hätten wohl auch gereicht für noch mehr Trinkfluss

2017 Kabinett – fruchtsüßer Spasswein, läuft, saftig, Maul voll Wein, Durstlöscher am Grill!

… und dann natürlich die Süßen: Turmberg und Gräfenberg als Spätlesen und Auslesen, der Gräfenberg immer etwas süßer… aber noch viel zu jung. Mit zunehmender Süße ebnen sich die Lagenunterschiede weiter ein. Und dann natürlich die Giganten: 2017 Gräfenberg Beerenauslese und Trockenbeerenauslese… der Kenner genießt und schweigt

 Trenz, Johannisberg

… im verlässlich, immer konstant, und schon der Basic ist immer eine gute Visitenkarte des Weinguts. Die 2017er sind vielversprechend, beim jüngsten Besuch war es vor allem der „Steinhaus“ Riesling, der mich überzeugte. Eine schöne Überraschung war allerdings der 2012 Trenz two aus der 5-Liter-Flasche… perfekte Trinkreife !

Balthasar Ress

2016 Nussbrunnen GG – großartiger Spitzenwein, legt eine sehr gute Entwicklung in der Flasche hin, einfach top!

2017 Rheingau Riesling trocken – wirklich schöne Aussichten auf den Weinjahrgang 2017

Weinkellerei Stefan B. Ress

2017 Liebfraumilch Forbidden Pleasure (Rheinhessen) – Revivial einer der Zerstörerinnen des Renommes deutschen Weins, „sweet & cheap“, das hier ist weder richtig süß noch richtig billig, aber sehr reintönig, fruchtbetont, stark reduktiv ausgebaut – ergibt im Ergebnis einen Sauwein, der die Kehle runterläuft… sofern man drauf steht…

Diel, Nahe

2016 Riesling Goldloch GG – fein und groß, gut balanciert, läuft!

HB Hughes Beguet

2014 So True Arbois – so ein überbezahlter Jura- Wein, vollodixiert, strange. Braucht das die Weinwelt? Eine kleine Minderheit steht drauf, ich weiß nicht warum. Forget it, Mantel des Schweigens. Grabesstille.

Bischöfliches Weingut Rüdesheim

2016 Riesling trocken „Maischegärung“ – wenn es wirklich mal „orange“ sein muss, dann so. Nur so! Einzig und allein so! Ein großer Wurf, Peter Perabo, da müssen sich alle anderen der Orange-Szene mit ihrem oxidativen Kram warm anziehen.

Graf von Schönborn

2016 Hattenheim Pfaffenberg Riesling Erstes Gewächs – das geht besser, viel besser….

Gramercy Cellars, Walla Walla Valley

2015 The Deuce Syrah – sehr schöne Frucht, Finesse, Eleganz, gut

Hessische Staatsweingüter

2007 Höllenberg Spätburgunder – klasse gereift, kein bisschen Müdigkeit, läuft jetzt eher zu großer Form auf, Rheingauer Pinot vom Feinsten.

Ein Lob auf Österreich

Lackner-Tinnacher

2016 Sauvignon blanc Ried Steinbach 1. Lage – ein wenig hart und „unrund“, auch das Dekantieren erhöhte den Trinkfluss nicht wirklich…

Neumeister, Steiermark

2015 Sauvignon blanc Ried Moarfeitl, Steiermark – deutlich stärker, gut strukturiert, Druck am Gaumen, gute Fülle

Franz Hirtzberger

2015 Smaragd Honivogel Grüner Vetliner – sehr fest, hohe Glycerin-Süße, dickt, voll, konzentriert, eingeschränkter Trinkfluss

… diese drei Weine wurden in der Hattenheimer Adlerwirtschaft nach der kulinarischen Neuaufstellung getrunken. Die Weinkarte verdient weiterhin im Rheingau das Lob „extraklasse“, mit dem neuen Speisenkonzept allerdings ist es ein „Kreuz“. Das hat keine Zukunft. Nun soll der Gast „Pakete“ mit 9 bis 18 Kreuzen für 36 bis 60 Euro kaufen und sie auf die Speisekarte verteilen… das bringt wenig Spaß und ist überdies teuer. Ein solides 180g-Filetsteak für 44 Euro …. nein danke.

Versteigerungsweine

…ausgewählte Weine der jüngsten VDP-Staatsweingüter-Auktion (siehe den ausführlichen Bericht weiter unten in diesem Blog) haben die Kranenmeister bei ihrer 105. Probe verkostet, darunter auch die 2017er Réserve-Weine von Ress, Weil, Johannishof und Georg-Müller-Stiftung. In der Blindverkostung überzeugten mich Weil und Johannishof mit Abstand am meisten.

Aus dem Verkostungstagebuch

Steinmacher & Sohn, Kiedrich

2015 Kiedricher Heiligenstock Riesling Sekt brut …genau das Richtige, um anlässlich des Kiedricher Weinsteigs (dritter Sonntag im März) das Erklimmen des Scharfensteins zu feiern… leider verdarb der Wintereinbruch diesmal die frohen Erwartungen der Kiedricher Winzer. Wer trotzdem kam und ordentlich gekleidet war, wurde nicht enttäuscht… neben den anderen Weinwanderungen wie bsp. „Natur pur“, Flötenwandertage, Bubenhäuser Weinrunde, Eibinger Weinwanderung u.a. ein sehr guter Start in die Saison…

My Trip to Auli

Über Aulhausen, das Rheingauer Weindorf ohne eigene Weinberge, habe ich mich schon bei anderer Gelegenheit auf diesem Blog ausführlich ausgelassen. „Auli“ ist aber immer einen Trip wert, auch im März. Dann stellt z.B. Friesenhahn schon den aktuellen Jahrgang vor, bei Strieth sind ebenfalls die ersten 2017er gefüllt, und bei Klaus Schön isses ohnehin immer schön…

Weingut Michael Schön: 2011/ 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken. Ja, solche dicken Späbus mit 14% Alki sind nicht jedermanns Sache, doch ein Geschmackserlebnis sind sie mit ihrer Wucht, ihrem Tiefgang, ihrer Frucht und ihrer Substanz allemal…

Friesenhahn: der 2016er Rüdesheimer Riesling A hat mich diesmal an erster Stelle überzeugt. Nur 1,3 g Zucker, somit knochentrocken, aber dennoch mit viel Mineralität und Finesse, klasse. Die 2016 Katerloch Riesling Spätlese Alte Reben ist deutlich gefälliger. Weichgespült wäre aber bei einem solchen Wein das ganz falsche Wort. Finesse und Eleganz, gepaart mit Frucht und Saftigkeit, gut. Weiter probiert: 2016 FrieSteil (Freestyle!) feinherb, ein Wein zu Wegsaufen gut. 2016 Leingiebel Spätlese deutlich süßer, feiner Essensbegleiter. 2017 Rüdesheimer Weißherbst trocken und feinherb (letzter viel zu süß für mich), 2017 Grauburgunder trocken – gut, aber den Hype um die Rebsorte kann ich einfach nicht nachvollziehen… da greife ich lieber zum Chardonnay. Oder bei Friesenhahn zum dichten, starken 2015 Spätburgunder trocken!

Strieth: da stehen alle Zeichen auf einer bärenstarken 2017er Kollektion! Zum Beispiel der 2017er „Jungspund“ Riesling feinherb, der eine Allzweckwaffe ist und über den Sommer hinweg ein perfekter Trinkwein ist. Wir warten mal ab, ob irgendwann ein „Alter Sack“ den Weg ins Sortiment findet. Ganz stark der „Frenz“ aus dem Berg Kaisersteinfels. Derzeit noch mit viel Primäraromen, aber die Klasse deutet sich schon auf dem Gaumen und im Abgang an. Mein Liebling aber ist der spontanvergorene 2016 Schlossberg „Alte Reben“ Riesling, das ist großartig! Dass Strieth ein Händchen für Blanc de Noir hat, muss nicht eigens erwähnt werden. Das setzt sich auch mit dem 2017er nahtlos fort. Eine Bank für sich ist der 2015er Höllenberg Spätburgunder mit feinem Cassis, ein wenig Vanille, feine Frucht roter Beeren, Kraftvoll, aber nicht zu aufdringlich, sehr gut. Und dann hatten wir noch die Chance, ältere Pinots zu probieren… aber das ist eine andere Geschichte…

J.B. Becker, Walluf

2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben

2013 Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese Alte Reben

Schloss Reinhartshausen, Erbach

2016 Sauvignon blanc Inselwein trocken

… ich war schon viel lange nicht mehr in der Schlupp in Walluf, Schande über mein Haupt. Gutes Essen, freundlicher Service, feines Ambiente, dazu feine Weine wie die von Becker in Walluf. Becker-Weine reifen einfach großartig, wie die beiden Walkenberg-Weine aus 2008 und 2013 zeigen, top. Und der Sauvignon blanc von der Rheininsel Mariannenaue hat zwar sehr viel Säure, aber insgesamt ganz ordentlich gelungen…

Sohns, Geisenheim

2015 Mäuerchen Spätburgunder M – eher auf der dichten, wuchtigen denn auf der komplexen Seite, aber durchaus fein und gut, braucht in jedem Fall noch 2-4 Jahre Zeit, um seinen Charakter zu entfalten

 F.B. Schönleber, Winkel

2014/2016 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG

2015/ 2016 Winkel Jesuitengarten Riesling GG

einfach schön, wenn man in einer Rheingauer Schänke vier GGs aus drei Jahren und zwei Lagen vergleichend trinken kann. An unserem Tisch gingen die Meinungen auseinander, so dass ich mich mit dem 15er Jesuitengarten nicht mehrheitlich durchsetzen konnte… (ist aber trotzdem der aktuell Beste…!)

Weingut Abel, Oestrich

2015 Lenchen Riesling Erstes Gewächs – zeigt schon Reifenoten, aber von der angenehmen Sorte, stoffig, voll, dicht!

Finale 22. Rheingau Gourmet und Wein Festival

Wie gewohnt ging das Festival mit einer Abschiedsparty im Kronenschlösschen zu Ende. Mit dabei ein Fülle guter Winzer mit ordentlichen Tropfen. Und diese sind mir besonders in Erinnerung geblieben:

Weingut Klumpp 2016 Weißburgunder und 2016 Grauburgunder Magnum – dicht, komplex, voll!

Weingut Urban Kaufmann, 2014 Wisselbrunnen GG – Finesse, Eleganz

Weingut Crass 2015 Siegelberg Riesling Alte Reben Magnum

Wein- und Sektgut Barth 2011 Ultra Pinot brut Nature – großartig!

Markgraf von Baden 2016 Durbacher Schlossberg Chardonnay trocken

Weingut F.B. Schönleber 2016 Franz Bernhard Riesling und trocken

UND

Obsthof Schneider: 2014 Goldparmäne Alte Bäume und 2016 Ananasrenette – das ist ein Stöffchen zum Niederknien!

Salmanazar und Balthazar

...hießen heute kaum mehr bekannte Assyrekönige. Für Champagner- und Weinfreunde sind das allerdings bis heute klingende Namen, denn sie stehen für Großflaschen, in denen schon allein wegen der beachtlichen Glaskosten nur ausgewählte Weine abgefüllt werden. Zwei dieser mundgeblasenen Giganten sorgten für die Höhepunkte auf der Weinversteigerung der Prädikatsweingüter und der Hessischen Staatsweingüter. Eine zwölf Liter fassende "Balthazar" des Weinguts Allendorf mit einem "2016er Goethewein aus dem Brentanohaus" war einem Weinfreund 2400 Euro wert. Und 1650 Euro ließ sich ein Bieter die Neun-Liter-Flasche (Salmanazar) aus dem Kiedricher Weingut Robert Weil kosten, die mit einem Ersten Gewächs des Jahrgangs 2004 gefüllt war - dem meiner Meinung nach aktuell besten trockenen Wein von Weil (siehe auch meinen Blog zu Vertikalproben bei Weil)

"Methusalem" ist der schmächtigere Bruder von Salmanazar und Balthazar mit "nur" sechs Liter Inhalt. Für eine kleine Familienfeier dürfte das aber immer noch genug sein. 1100 Euro wurden für ein "Berg Rottland Riesling Großes Gewächs" des Jahrgangs 2016 aus dem Weingut Ress in dieser Großflasche gezahlt, und sogar 1350 Euro gab es für eine 2016er Auslese von Schloss Johannisberg.

Zu welchem Anlass diese imposanten Großflaschen geöffnet werden und wer sie ersteigerte, das blieb den 480 Gästen der Auktion im Kloster Eberbach verborgen, denn Gebote durften im Auftrag ihrer Kunden nur die zehn zugelassenen Kommissionäre abgeben. Daher liegt auch der Mantel der Diskretion über jenen beiden finanzkräftigen Weinfreunden, die 4000 Euro für eine Einzelflasche Berg Rottland Riesling Trockenbeerenauslese und sogar 4150 Euro für einen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur zahlten, beide aus dem besonders raren Jahrgang 1938 und beide aus der Schatzkammer der Hessischen Staatsweingüter.

Das waren die Höhepunkte einer Auktion, die zugleich einen Neustart für diese Weinveranstaltung im Rheingau markieren sollte. Denn wegen geänderter Vertriebswege und Marktbedingungen war deren Bedeutung in den zurückliegenden Jahren stark gesunken. Trotz der langen Tradition. Mit einer herrschaftlichen Weinversteigerung war schon im Jahr 1806 in der alten Zisterzienserabtei begonnen worden, auch wenn es damals noch um ganze Fässer und nicht um Flaschen ging. 1897 hatte sich die "Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer" gegründet, die Vorläuferin des heutigen Verbands der Prädikatsweingüter. Die Versteigerungen sind somit ein bedeutender Teil der Rheingauer Weinkultur. Ökonomisch betrachtet, wäre der Aufwand heute verzichtbar. Mit einer Frühjahrs- und einer Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter, einer VDP-Versteigerung im September und einer Raritätenauktion in Zusammenarbeit mit einem Londoner Auktionshaus hatte es vor 20 Jahren im Rheingau sogar noch vier Auktionen gegeben. Nun konzentriert sich alles auf eine einzige im März, nachdem der VDP im vergangenen Jahr seine Herbstauktion abgesagt hatte. Das Rheingau Gourmet- und Wein-Festival scheint zudem das richtige Umfeld für die Revitalisierung.

Neu waren in diesem Jahr die sieben "VDP. Auktion Réserve-Weine", die exklusiv nur für die Versteigerung gefüllt wurden. Bei ihrer Vorstellung im vergangenen Jahr sprach Wilhelm Weil von "preiswürdigen und erschwinglichen" Weinen von geprüfter Qualität und "mit hohem Trinkfluss". Dieses Experiment scheint gelungen. Die erzielten Preisen für die jeweils 300 Flaschen umfassenden Riesling-Partien waren durchaus ordentlich. Weils eigener Réserve-Wein wurde für zwölf Euro aufgerufen und für 27,50 Euro zugeschlagen. Ein Réserve-Sekt des Weinguts Barth wurde von 16 auf 42 Euro je Flasche gesteigert.

Erstmals wurde eine VDP-Weinauktion live im Internet übertragen. Bis zu 100 Zuschauer sahen sich zumindest phasenweise die Auktion an. Ein Dutzend potentieller Käufer hatte sich vorab registrieren lassen, um online mitzusteigern. Und das nach Angaben von Dirk Würtz, der das Projekt betreut hatte, mit Erfolg. Die Online-Gebote hätten sich auf einen fünfstelligen Betrag summiert. Vor allem ein norwegischer Weinfreund habe ordentlich eingekauft.Würtz spricht von einem "guten Impuls" für die Traditionsveranstaltung. Das sei ein erfolgreicher Auftakt gewesen, die Mühe habe sich gelohnt. "Ich bin extrem zufrieden", sagt Würtz, und der Erfolg sei greifbar: "Die Weinversteigerung lebt wieder". Ähnlich positiv äußerte sich der Geschäftsführer der Staatsweingüter, Dieter Greiner: "das hat Spaß gemacht." Viele der Versteigerungslose seien überzeichnet gewesen, so dass die Winzer zusätzliche Flaschen bereitstellen mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Tatsächlich waren laut Katalog gut 4400 Flaschen im Angebot, versteigert wurden aber im Lauf von insgesamt vier Stunden nach der Bilanz von VDP-Geschäftsführer Mathias Ganswohl mehr als 5700 Flaschen zum Nettopreis von zusammen 225 000 Euro. Es scheint, dass die Winzer einen Weg gefunden haben, die Tradition zu wahren und sich der Online-Zukunft zu öffnen. (aus der FAZ)

Steillagenweinbau im Vormarsch

Steile Weinberge geben dem Landschaftsbild einen unverwechselbaren Charakter. Sie prägen Kulturlandschaften wie die Mosel und den Rheingau in besonderen Maße und spiegeln die traditionelle Landnutzung über Jahrhunderte wider. In heutiger Zeit allerdings führen die hohen Kosten der Bewirtschaftung steiler Weinberge zu einem Wettbewerbsnachteil. Auf dem Weinmarkt können höhere Preise nicht allein deshalb durchgesetzt werden, weil die Bewirtschaftung für die Erzeuger teuer ist. Besonders im Mittelrheintal und an der Mosel sind die Folgen für das Landschaftsbild gravierend, denn immer mehr Flächen fallen brach. Der untere Rheingau ist von dieser Entwicklung ebenfalls nicht verschont geblieben, wie das Beispiel Lorchhausen und die Hänge zwischen Rüdesheim und Lorch zeigen. In den steilen Hängen über dem Weindorf ist die Rebfläche im Lauf der zurückliegenden Jahrzehnte stark zurückgegangen.

Auch wenn manche Flächen aus Sicht des Naturschutzes an Wert gewinnen, wenn die Monokultur Weinbau zurückweicht, ist es das Ziel der Politik und des Weinbaus, dass nicht weitere Weinberge verlorengehen. Vor allem die Staatsweingüter suchen nach Methoden, um dem Anbau in Steillagen seine ökonomischen Nachteile zu nehmen. "Das kostet mich jedes Jahr eine Million Euro Gewinn", bezifferte Geschäftsführer Dieter Greiner im vergangenen Jahr die Folge der aufwendigen Bewirtschaftung von Steilhängen wie beispielsweise dem Rüdesheimer Berg. Insgesamt pflegen die Staatsweingüter rund 90 Hektar Steillagen.

Die Mechanisierung der Bewirtschaftung ist eine Möglichkeit zu sparen, beispielsweise durch den Einsatz zu entwickelnder Vollerntemaschinen für Steillagen. Auch der sogenannte Minimalschnitt bei der Pflege der Weinberge gehört dazu, der weniger arbeitsaufwendig ist als die konventionelle Bearbeitung. Vielleicht übernehmen zudem schon bald Drohnen den Pflanzenschutz. Und die Bewässerung der Rebstöcke kann helfen, dass die Erträge in trockenen und heißen Jahren nicht so stark hinter denen in flacheren Gefilden zurückbleiben. Das Land fördert zudem den Weinbau in steilen Lagen von einer Neigung von 30 Prozent an auch finanziell, um die wirtschaftlichen Nachteile ansatzweise auszugleichen. Die Förderung erreicht dabei bis zu 2300 Euro je Hektar in Lagen mit mehr als 45 Prozent Hangneigung.

Eine weitere Methode liegt in der Querterrassierung. Die Rebzeilen verlaufen dann nicht mehr steil zum Rhein hinab, sondern quer im Hang und mit so großen Abständen, dass eine maschinelle Bewirtschaftung mit Traktoren möglich ist. Zwar haben dann auf einem Hektar deutlich weniger Rebstöcke Platz, doch die ökonomischen Vorteile überwiegen. Vorreiter im Rheingau waren die Winzerbrüder Laquai in Lorch, und auch die Staatsweingüter haben inzwischen die Querterrassierung als Chance zur Senkung der Arbeitskosten erkannt.

Die Wissenschaft steht den Betrieben zur Seite. Die Hochschule Geisenheim hat jetzt das Forschungs- und Praxisprojekt "Bio-QuiS" begonnen. Dieses Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit knapp 400.000 Euro gefördert. Die Rebzeilen und Gassen zur Bewirtschaftung werden dabei hangparallel angeordnet. "Neben der arbeitssparenden Bewirtschaftung mit normalen Schmalspurschleppern haben Querterrassen-Weinberge auch einen ökologischen Vorteil. Ein Teil des Weinbergs besteht aus Böschungen, die der direkten Bewirtschaftung entzogen sind und ein großes Potential für den Naturschutz haben", meint Projektleiterin Ilona Leyer vom Institut für angewandte Ökologie.

Es gebe aber noch zahlreiche offene Fragen im Hinblick auf die Begründung der Gassen, den Erosionsschutz, die Böschungspflege sowie die Folgen für die Artenvielfalt. Auch rechtliche Fragen müssen noch beantwortet werden, ehe die Querterrassierung den Winzern als attraktive Alternative zur Bewirtschaftung in Falllinie empfohlen werden könne. Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau sieht noch andere Untersuchungsfelder: Die neue Zeilenorientierung und die in Querterrassen geringere Dichte der Rebpflanzen beeinflusse das Mikroklima und die Wasserversorgung. Dies könne Auswirkungen auf den Ertrag, auf die Bildung der Aroma- und Inhaltsstoffe sowie auf die Rebengesundheit haben. Die Wechselwirkungen zwischen Rebe und Umwelt sollen daher vergleichend für Falllinien- und Querterrassen-Weinberge untersucht werden.

Drei Weingüter legen als Projektpartner der Hochschule in diesem Frühjahr neue Querterrassen-Weinberge im Mittelrheintal an, um unterschiedliche Begrünungsmischungen und Ansaat-Techniken zu erproben. Diese Partner sind die Hessischen Staatsweingüter und das Lorcher Weingut Laquai auf hessischer Seite sowie das Bacharacher Weingut Ratzenberger in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig sollen schon bestehende Querterrassen-Weinberge näher unter die Lupe genommen werden, um deren Bedeutung für die biologische Vielfalt zu bewerten und um unterschiedliche Pflegevarianten einschließlich der Beweidung durch Schafe zu testen. Die Ergebnisse sollen in einen Praxisleitfaden münden, der Weinbau, Naturschutz und Politik das notwendige Wissen zur Verfügung stellt, um den Steillagenweinbau als landschaftsprägendes Element dauerhaft zu erhalten (aus der FAZ)

Schampus, Fisch, Große Gewächse

Rheingau Gourmet und Wein Festival

Die Rückkehr aus Südafrika im Februar wird meist dadurch erträglich, dass das Rheingau Gourmet und Wein Festival beginnt – Fastenzeit hin, Fastenzeit her. Also erstmals was Perlendes ins Glas:

„Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe." So beschrieb Lilly Bollinger anlässlich der Vorstellung des Jahrgangs 1955 die Faszination von Champagner.

Das älteste Champagnerhaus ist Bollinger jedoch nicht. Diese Ehre fällt Gosset zu, das schon 1584 gegründet wurde und Hoflieferant der französischen Könige war. Rund 1,2 Millionen Flaschen verlassen heute das Stammhaus in Epernay, und einige der besten wurden am Eröffnungswochenende des 22. Rheingau Gourmet und Wein Festivals geöffnet. Beispielsweise die "Celebris Vintage 2004 extra brut" und die "15 ans de cave a minima brut" aus Grundweinen, die sämtlich vor 1999 geerntet wurden und ein besonders langes Hefelager in den kühlen Gewölbekellern hinter sich haben.

Proben wie die mit dem Champagnerhaus Gosset sind neben den Galadiners und Themen-Lunches die Kernelemente des Festivals, das seit 1996 in jedem Jahr herausragende Köche und Winzer in den Rheingau bittet. Mehr als 200 Winzer sind es in diesem Jahr, begleitet von einer starken Riege nationaler und internationaler Sterneköche. 18 Tage lang tischen sie 6500 Wein- und Feinschmeckern aus aller Welt ihre Kreationen auf. Das kommt an, wie die gute Buchungslage mit mehr als 90 Prozent verkaufter Tickets zeigt. Und das Festival bringt Tausende zahlungskräftige Gäste zu einem Zeitpunkt in die Weinregion, in der üblicherweise der Besucherstrom noch einem Rinnsal gleicht.

Eröffnet wurde das Festival wie gewohnt mit einer großen Eröffnungsparty im Kloster Eberbach, bei der 500 Gäste zu Live-Musik von Winzer zu Winzer und von Koch zu Koch flanierten. Umlagert waren vor allem die Kochplätze der ausländischen Stars wie die des in London lebenden Inders Vineet Bhatia, des Südafrikaners Reuben Riffel und des Sansibar-Kochs Anuraag Ramkalawon, die mit Leckereien wie Hühnchen in Curry und Rind mit Limonen-Relish bei vielen Gästen den Appetit auf ihre abendlichen Dinner und Mittagessen weckten. Meine Lieblingsweine dazu: 2016 Turmberg von Weil, 2016 Oestricher Klosterberg von PJ Kühn, 2016 Alten Reben von Mohr in Lorch und der 2016 Hallgartener Ortswein von Prinz.

Sansibar, die halbautonome Inselgruppe vor den Küsten von Tansania in Ostafrika, ist die Heimat von Ramkalawon, der erstmals im Rheingau zu Gast war und deshalb auch gleich eine der beliebten Kochdemonstrationen gab. Ramkalawon bereitete dabei das zu, was nicht nur in den Nobelhotels der Insel gekocht wird, sondern auch in den Hütten der rund 1,2 Millionen Einwohner: eine einfache, aber sehr aromatische Küche. Dazu zählt das Pilaw, ein traditionsreiches Reisgericht mit Huhn, das laut Ramkalawon auf Sansibar seit Jahrhunderten gekocht und immer wieder verfeinert wird. Aber auch einen Reispfannkuchen mit Kokosmilch. Die Zutaten wachsen vor der Haustür, denn Sansibar ist als Gewürzinsel bekannt, auf der Vanille, Pfeffer, Kardamom, Nelken und Muskatnüsse und viele andere Gewürze wachsen. Sein Koffer sei nicht groß genug gewesen, eine Probe aller Gewürze mitzubringen, entschuldigte sich Ramkalawon. Dass es nicht immer nur einfach und traditionell geht, sondern auch fein und anspruchsvoll, das zeigte er bei einem LLunch mit einer Königskrabbe mit roten Bohnen und Kokosnuss-Sauce und einem Loup de Mer mit süßer Chili-Sauce. Perfekt dazu die GGs von Gunderloch (2016 Rothenberg), Dönnhoff (2016 Felsenberg) und Vollrads (2013 Schlossberg)

Das Festival lüftet aber nicht nur die aromatischen Küchengeheimnisse exotischer Länder, sondern beantwortet auch andere Fragen wie die nach der Zahl der perlenden Bläschen in einer einzigen Flasche Gosset-Champagner. "Damit beschäftigen sich in der Champagne sogar Wissenschaftler", wusste die deutsche Champagner-Botschafterin Yvonne Heistermann - und sie hatte eine Zahl parat, die in der Verkostungsrunde ungläubiges Staunen provozierte: bis zu 20 Millionen.

Bei der traditioneller VDP-Präsentation im Kloster war diesmal Portugal zu Gast. Natürlich mit vielen feinen Rotweinen, aber ich habe mir diesmal vor allem die Weißen vorgenommen (nicht Vinho Verde!). Feine Cuvées… teils mit überraschend präsenter Säure.

Bei den VDP-Winzern ergibt sich an diesem Tag stets die gute Gelegenheit, die trockenen GGs wieder einmal einer kleinen Nachprüfung zu unterziehen. An diesem Nachmittag besonders lecker: Weil 2015 und 2016 Gräfenberg, Allendorf 2016 Jesuitengarten, Barth 2015 Hassel, Johannishof 2016 Rottland, Toni Jost 2015 Walkenberg, Kanitz 2016 Kapellenberg, Kaufmann 2016 Wisselbrunnen und Kühn 2015 Doosberg sowie Prinz´ 2016 Jungfer GG.

Back in Paradies - Südafrika 2018

Wer den Überblick über die Zahl seiner Südafrika-Reisen verloren hat und (fast) das ganze Land einschließlich der großen Städte, der Natur- und Tierparks schon erkundet hat, der konzentriert sich mit Freuden auf das Wesentliche: Franschhoek und Hermanus, Paradiese für Weinfreaks und Genießer. Und er nimmt immer wieder neue Ziele in den Fokus, beispielsweise das Swartland, das nicht vinologisches, aber geografische Neuland war. Unter dem Strich bleibt zu sagen, dass vor allem die zunehmende Konzentration auf Chenin blanc und Shiraz dem Weinprofil des Landes gut tut, dass es fantastisch gute Pinotage-Weine und Chardonnays sowie weiße und rote Blends gibt, und dass ich der vielen grasig-grünen Sauvignons etwas müde bin...  

Stellenbosch/ Franschhoek

Daher ging es auch diesmal wieder in Franschhoek los. Der kleine, im 17. Jahrhundert von aus Europa geflüchteten Hugenotten gegründete Ort ist die eigentliche Wein- und Gourmet“hauptstadt“ am Kap. Eine Fülle großartiger Weingüter (meine Lieblinge: La Motte, Moreson, Mullineux & Leeu, Grande Provence, Boschendal sowie Colmant für ausgezeichnete Sekte) und stylisher Top- Restaurants, wobei sich die Szene stetig wandelt. Fest etabliert hat sich inzwischen Foliage an der Main Street unweit des Hugenotten-Denkmals mit einer fordernden und zugleich begeisternden Aromaküche (auch dank des schon früh am Morgen rauchenden Smokers vor dem Haus), großartige Variationen von Forelle und Rind, dazu passte sehr gut der 2015 Chenin Organic von Reyneke).

Stellenbosch ist keine 30 Autominuten entfernt, eine quirlige, lärmende, laute, zunehmend verkehrsgeplagte Uni-Stadt mit einem überschaubar-kleinen Zentrum. Wer das liebt, luncht im Wijnhuis mit seiner großartigen Weinauswahl. Wer nicht, der fährt ins Grüne, bsp. zu Simonsig. Schöne Terrasse, guter Service, nur die Bestuhlung des Gutsrestaurants ist ein Graus. Der 2017er Chardonnay und ein 2016 Chenin en Chevre harmonieren hervorragend mit Kudu-Carpaccio und Filetsteak. Noch besser allerdings gefällt es uns bei Dornier, zumal die Weine immer besser werden. Diese Terrasse ist ein Paradies, und der neue 2017 Chenin blanc Moordenaarskloof hat uns sogar noch besser gefallen als der 2017 Bush Vine Chenin!

Doch zurück nach Franschhoek. „Reubens“ residiert jetzt an neuer Stelle in einem umgebauten, historischen Lagerhaus und ist ein Muss mit seiner feinen Küche. Meinen Springbok begleitete der 2017 Chenin blanc von Holden Manz perfekt.

Für einen Sekt-Frühschoppen empfiehlt sich Haut Cabriere (Pierre Jourdan Belle Rose brut und Weiß brut) schon wegen der phänomenalen Aussicht ins Franschhoek-Tal, allerdings sind die Sekte von Colmant (Brut Reserve) eine Klasse besser und deutlich ausdrucksstärker. Mein Lieblingsplatz ist allerdings der Innenhof von La Motte (2017 Sauvignon blanc und 2016 Chardonnay), wo der Wein noch besser schmeckt, wenn man zuvor die schweißtreibende 6 km-Tour auf dem hauseigenen Wanderweg bewältigt hat!). Wer sich mit solider Küchenleistung begnügen will, ist im French Connection genau richtig. Doch der noch immer günstige Rand-Kurs erlaubt auch zwei außergewöhnliche Gourmet-Erlebnisse: Grand Provence ist ein wunderschön gelegenes Weingut und den besten Wein zu abendlichen 4-Gang-Menü wählt man am besten zuvor bei einer Probe in der stilvollen Vinothek aus: (2017 Sauvignon blanc, 2017 Chenin blanc, 2017 Chardonnay sowie 2015 Viognier-Chenin, 2016 Amphora)

Ein kleiner Ausflug führt zu Babylonstoren, dem „Mechthildshausen“ von Südafrika, mit ausgedehnten Gärten, die erkundet werden sollen. Eine weitläufige, top-gepflegte Öko-Farm mit schönem Hofladen und absolut sehenswert. Die Weine allerdings – nun ja – haben noch gaaaaaanz viel Luft nach oben. Die Rotweine sind sämtlich zu süß geraten und ohne Charakter, selbst der Top-Wein 2015 „Nebukandnesar“. Ganz gut ist der knochentrockene Sekt „Sparkel“, allerdings wird er zu einem lächerlich-futuristischen Preis von umgerechnet 40 Euro je Flasche angeboten. Das ist nicht einmal witzig. Ja, man kann im hofeigenen Restaurant Babel gut essen und vielleicht den Chardonnay trinken (auch der zu teuer!), fahre aber besser zum „Nachbarn“ Glen Carlou und genieße zu einem feinen Fisch den drei dort angebotenen Chardonnay im Vergleich… alle gut, vor allem der neue 2015 Curators Collection. Noch stärker aber ist der 2016 Quartz Stone Chardonnay, einer meiner Favoriten. Seit diesem Jahr steht für mich fest, dass man den Abend in Franschhoek, am besten bei Le Coin francais ausklingen lässt, dem neuen Restaurant von Adi Badenhorst, dem früheren Chefkoch von Grande Provence. Das ist Küche auf Sterneniveau ohne zu viel Chichi…. klasse!

Hermanus

Es gibt einen neuen Stern in der Restaurantszene an der Walker Bay: das Heritage Cottage ist ein wirklich gemütliches Restaurant am Marine Drive, guter Service, kleine, aber feine Karte und gute Weinauswahl der Region. Hier den 2012 Maritimus von Sumaridge trinken zu können gab letztlich den Ausschlag, das Weingut mal wieder zu besuchen und dort einen phänomenalen kleinen Lunch auf dem Balkon mit Blick ins Tal und einer begleitenden Weinprobe (Top der 2014 Chardonnay, schwach der Sekt) zu genießen. Das ist nur schwer zu toppen, geht aber am Ende einer Route durch das Hemel-en-Aarde-Valley, meiner Lieblingsweinroute in Südafrika, wo ein Top-Weingut neben dem anderen liegt, von Hamilton Russel über Bouchard-Finlayson bis zu Ataraxia. Fast am Ende lockt Creation, und der Sieben-Gang-Tapas-Lunch mit begleitenden Weinen ist vielleicht das Beste, was sich im Tal anstellen lässt…. (das stimmt natürlich nur für Weinfreaks, denn das Beste an Hermanus ist der 11 km lange, naturnahe Uferpfad zwischen Grotto Beach und dem neuen Hafen…. Neben dem Heritage Cottage gibt es mit der Char´d Grill und Wine Bar im Zentrum noch ein besuchenswertes neues Lokal, hier sind Steaks Trumpf.

Erstmals hatten wir genügend Zeit, mal wieder einen Abstecher nach Stanford und Gansbaai zu machen, beides nicht unbedingt sehenswert. Die idyllisch gelegene Springfontein Wine Estate außerhalb von Stanford mit Gastgeberin Susanne Schneider sollte sich allerdings niemand entgehen lassen. Location sehenswert, Essen superb, Weine sehr gut und endlich mal etwas gereift. Das beste Dinner freilich gibt es nach wie vor im Harbour Rock Restaurant, hier ist der Kingklip eine Offenbarung und die Weinauswahl aus dem Tal sehr gut.

Swartland

Das Markenzeichen des Swartland eine Autostunde nördlich von Kapstadt sind die Bush-Weine... einfach großartig, welche finessenreichen, komplexen und eleganten Weine mit moderatem Alkoholgehalt die besten Winzer hier der Natur unter klimatisch schwierigen Bedingungen ohne Bewässerung abringen... Hut ab, Korkenzieher raus! Hier ist alles ein wenig einfacher, trockener, heißer, gemächlicher, beschaulicher, ursprünglicher, authentischer und touristenärmer… lohnt sich also in jedem Fall, und Riebeek-Kasteel ist genau der richtige Ausgangspunkt! Auch kulinarisch sieht es hier gar nicht so übel aus, auch wenn sich ein Vergleich mit Franschhoek verbietet, empfehlenswert sind unter anderem Old Dalby, Red Tin Roof, Olive Bistro, Eve´s und The Royal Hotel. Allesverloren hätte ein besseres Restaurant verdient..., für den Wein zwischendurch die One Wine Bar und den Alechemist...

Wir haben uns hier viel Zeit genommen, uns einen Eindruck zu verschaffen und zu ergründen, warum der Ruf der Weine so herausragend ist.

Dazu schaut man sich am besten erstmals die Niederungen, die Basis an: Riebeek Cellars beispielsweise, eine Art Genossenschaftskellerei mit großer Auswahl (Preise ab 2,50 Euro je Flasche, in der Spitze aber immerhin 10 Euro). Unter den Spitzenweinen der Kasteelberg-Range fällt der 2015 Chardonnay als vorzeigbar auf, während der 2015 Pinotage eher süß und plump wirkt. Noch nüchterner fällt die Bilanz bei der Swartland Winery nahe Malmesbury aus. Auch der Spitzen-Weißwein, ein 2015 Chenin Blanc aus der Bush Vine-Range (immerhin 4,50 Euro!) ist eher zu vernachlässigen.

Betrachten wir also den Mittelbau: Klovenburg beispielsweise, ein 84 Hektar-Wein- und Oliven-Gut in Riebeek, dessen Sauvignon blanc durch seine klare, schöne Frucht gut gefällt. Der Chardonnay aus dem Holzfass ist ebenfalls ordentlich gelungen, wenn auch kein Straßenfeger. Sehr schön hingegen der „Eight Feet White“, eine Chenin-getragene Cuvée mit Schmelz und Charakter, die ich später auch nochmal in einem Restaurant bestellt habe. Oder auch Pulpit Rock Wines - ein 500 Hektar-Weingut... seit 2003 von Familie Brink gewissermaßen aus dem Swartland-Boden gestampft... klar, dass nur der kleinste Teil selbst in Flaschen gefüllt wird, die Reserve-Weine (2015 Chardonnay und 2017 Sauvignon blanc) können sich aber schmecken lassen... und auch hier etwas Bemerkenswertes: der 2013er Louisa-Blend aus Pinotage, Shiraz und Cabernet Sauvignon hat den auf die Flasche aufgeklebten Medaillenregen tatsächlich verdient... fein, rund, komplex, strukturiert, top!

Bleiben die Top-Betriebe, die wie überall mit Qualität und Anspruch (und Preisen!) vorangehen und dem Rest den Weg bereiten: Wir haben viel Badenhorst und auch Sadie Familiy Wines getrunken und uns Allesverloren, Mullineux und David und Nadia näher angesehen und ausgiebig verkostet. Dabei hat uns vor allem die Finesse und Komplexität der Weine überzeugt, und das alles bei moderatem Alkoholgehalt!

Bei Allesverloren stachen für mich 2016 Shiraz (!!!), 2015 Tinta Barocca und 2016 Touriga Nacional heraus, aber auch der 2015 Cabernet Sauvignon und der 2017 Chenin blanc (einziger Weißwein des Guts) waren überzeugend. Ein Erlebnis der Besuch auf der Roundstone Farm von Mullineux und Dank an Nicola Tipping für die Probe. Schon die Kloof-Street-Range (2017 Chenin und Rouge) ist absolut überzeugend geraten und wäre in Südafrika wohl mein Brot- und Butter-Wein. Einer der besten Shiraz dieser Reise war der 2015 Syrah, nur getoppt von seinem wirklichen großen Bruder, dem 2015 Schist Syrah, dem wohl besten aller verkosteten Rotweine. Da konnte sogar der Zwilling 2015 Syrah Iron nicht ganz mithalten. Leider waren die beiden Chenins Granite und Quartz nicht auf Roundstone zu verkosten, das heben wir uns für 2019 auf! Nicht minder spannend als bei Mullineux war die Probe bei David und Nadia in Malmesbury: 2016 Chenin blanc, 2016 Aristargos, 2016 Grenache und der absolut ungewöhnlich, außergewöhnliche Pinotage, der eine völlig neue Interpretation dieser Rebsorte darstellt. Das ist in diesem ungemein sympathischen, authentischen Weingut so ganz anders als bsp. Kanonkop und dennoch so außergewöhnlich gut, dass diesem erst wenige Jahre alten Weingut noch eine große Zukunft bevorsteht. Die Erfolgsgeschichte des Swartland als Weinregion scheint noch lange nicht zu Ende geschrieben, und es gibt immer neue Entwicklungen wie bsp. das Weingut Meerhof, das erst im November aus Antebellum und Redelinghuys Familiy Vineyards hervorgegangen ist. Noch ist die Weinauswahl klein und die Qualität ausbaufähig, aber das Potential an diesem Berg ist gewaltig. Das werden wir uns dann in einigen Jahren noch einmal ansehen… zumindest ist diese Absicht mit dem diesjährigen Abschiedstrunk (Asara 2017 Chenin blanc Vineyard Selection) bekräftigt worden.

Essay: Hat Riesling Zukunft?

Die Winzer sprechen gern von der wertvollsten Rebsorte der Welt. Doch der Weinmarkt sendet andere Signale. Riesling ist ein allenfalls stagnierendes Nischenprodukt. Auf den Rebflächen der drei größten Weinbaunationen der Welt, Spanien, Frankreich und Italien, spielt Riesling keine Rolle. Mit einer weltweiten Anbaufläche von 50.000 Hektar liegt Riesling - gemessen an globalen Rebfläche von 5,6 Millionen Hektar – auf dem bescheidenen 18. Rang. Riesling ist vor allem eine deutsche Rebsorte. Hierzulande steht knapp die Hälfte aller Riesling-Rebstöcke weltweit, dahinter folgen das Elsass, Australien, die Ukraine und die Vereinigten Staaten. Während der „Rheingauer Weinbauwoche“ warfen die Veranstalter deshalb die Frage auf: „Welche Chancen hat der Riesling?“ Für den Rheingau stellt sich diese Frage umso drängender, als der Riesling allenfalls noch an der Mosel eine derart dominante Rolle spielt. Knapp 80 Prozent der 3200 Hektar Rebfläche sind zwischen Lorch und Hochheim mit dieser Rebsorte bestockt, dahinter ist nur Spätburgunder mit gut zwölf Prozent erwähnenswert. Dem Rest, auch dem in Deutschland derzeit stark nachgefragten Grau- und Weißburgunder, fällt die bescheidene Rolle einer Ergänzung des Sortiments zu.

Das gibt Anlass zum Selbstzweifel und zur Risikoabschätzung: „Treffen wir Erwartungen und Geschmack der Kunden? Sind unsere Weinprofile richtig? Und wo müssen wir nachjustieren?“ Fragen, die Weinbaupräsident Peter Seyffardt formulierte, und die auch nach langer Diskussion nicht eindeutig beantwortet waren. Im Lebensmitteleinzelhandel und im Discount kommt Riesling jedenfalls auch in Deutschland nicht über die Nische hinaus. Das bestätigte Mathias Müller vom Unternehmen „Quality Wein Select“, das zur Langguth-Gruppe gehört und bekannte Weinmarken wie die „Erben Spätlese“ im Portfolio hat. In den Supermärkten läuft Riesling laut Müller vor allem dann, wenn er halbtrocken oder feinherb schmeckt und die Süße im Wein die markante Säure des Rieslings „abdeckt“.

Für Rheingauer Erzeuger wie Wilhelm Weil, der auf 100 Hektar Rebfläche 100 Prozent Riesling erntet, ist das allerdings keine Option. Bei Weil beginnen die Flaschenpreise mit 15 Euro da, wo sie bei Müller schon lange enden. Nach Ansicht von Weil muss der Riesling im Rheingau die Leitrebsorte für Weißwein bleiben, weil die Winzer für diese Rebsorte eine „Kernkompetenz“ erarbeitet hätten, von denen andere Anbaugebiete weit entfernt seien. Weil nannte beispielhaft Rheinhessen, wo Riesling preislich inzwischen hinter die Burgundersorten zurückgefallen sei. Auch der Hochheimer Winzer Gunter Künstler warnte seine Winzerkollegen davor, mit Abstrichen beim Riesling „Profil und Gesicht zu verlieren“. „Die Zukunft unserer Leitrebsorte Riesling ist wichtig für die ganze Region“, seine vielen Facetten müssen den Kunden noch deutlicher präsentiert werden,“ meint Andrea Engelmann, die Geschäftsführerin der Rheingauer Weinwerbung. „Was wir nicht können, das ist billig“, sagt Theresa Breuer vom Rüdesheimer Weingut Breuer. Sie exportiert zwei Drittel ihrer Produktion und bestätigt, dass im Ausland deutlich höhere Flaschenpreise akzeptiert werden als im Inland. In diesem hochpreisigen Segment hat auch der Riesling als Rebsorte ein hohes Ansehen, so dass Breuer ihren bislang ebenfalls sehr hochpreisigen Grauburgunder nun als preiswerten „Türöffner“ anbietet. Seither werde ihr diese Rebsorte aus dem Händen gerissen.

Die Vorlieben und Gewohnheiten der Freunde des Rheingauer Weins und der Riesling-Trinker haben im Auftrag des Deutschen Weininstituts die Marktforscher von „Wine Intelligence“ erkundet. Grundlage sind Online-Befragungen von 145.000 Weinkonsumenten allein im vergangenen Jahr. Evelyn Pabst stellte dazu Sonderauswertungen für den Rheingau und die Rebsorte Riesling vor. Demnach gibt es in Deutschland immerhin 27,5 Millionen regelmäßige (mindestens 1x Monat) Weintrinker, von denen drei Viertel sogar  wöchentlich zum Glas greifen. Sie tun das in einem „robusten und gesättigten Weinmarkt“, dem größten Weinimportmarkt der Welt, in dem Wachstum nur noch durch Verdrängung der Konkurrenz möglich ist. Die Rebsorte ist nach ihren Analysen das wichtigste Kriterium bei der Kaufentscheidung, und Riesling ist für sie die bedeutendste Rebsorte mit der größten Reichweite unter den Kunden.

Riesling-Freunde sind demnach anspruchsvoller, wählerischer und experimentier- und trinkfreudiger als andere Weinkonsumenten, und sie halten sich tendenziell für kenntnisreicher. Pabst rät den Winzern, ältere Genießer und nachwachsende jüngere Weinfreunde mit unterschiedlichen Weinen und Strategien anzusprechen, weil diese beiden Gruppen unterschiedliche Vorlieben haben und auch nach unterschiedlichen Kriterien einkaufen. Dass der Riesling aus seiner Nische kommt, ist nach Meinung aller Experten nicht zu erwarten. Dass er in dieser Nische weiterhin Erfolg haben kann, ist ebenso unbestritten. Einen Nachteil in dieser Rolle sieht auch Britta Wiegelmann, die neue Chefredakteurin des Weinführers Gault Millau, nicht: „Die ganze Welt muss nicht Riesling trinken.“ (angelehnt an meinen Text in der FAZ vom 19.01.2018)

Weinbergsreise am Bildschirm

Den Anstoß gab eine Anfrage aus den Vereinigten Staaten. Ein Weinmagazin suchte zur Illustration eines Porträts über den Rheingau eine Karte, in der die herausragenden deutschen Weinberge verzeichnet sind. Eine solche gab es zwar. Allerdings als gedruckte Variante, mehr als 20 Jahre alt und daher nicht mehr auf dem aktuellen Stand. Das war vor drei Jahren, und der VDP nahm den Wunsch aus Amerika zum Anlass, eine interaktive digitale Karte mit umfassenden Informationen einschließlich Fotografien in Auftrag zu geben. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Wer in diesem Frühjahr einen Spaziergang durch die Weinberge unternimmt, der kann seine genaue Position in der jeweiligen Lage mit der App VDP.Weinberg.Mobil bestimmen, sich orientieren und das Terroir des Weinbergs erkunden. Diese App soll zur Düsseldorfer Weinmesse Prowein Ende März zur Installation auf dem Smartphone bereit stehen. Schon von heute (Montag) an ist hingegen „VDP.Weinberg.Online“ als Internetseite ansteuerbar.

Dort findet sich eine interaktive Landkarte aller Weinberge, in denen nach Ansicht des VDP die besten deutschen Weine geerntet werden. Die Internetseite ermöglicht eine digitale Weinbergsreise. Über die Suchfunktion können einzelne Weinberge, Regionen, Weindörfer und Weingüter entdeckt werden. Wer einen Weinberg anklickt, erhält Informationen über die dort produzierenden VDP-Winzer, Fakten über Hangneigung, Höhe, Ausrichtung, Boden und Klima sowie einen beschreibenden Text zur Geschichte, den Eigenheiten und Besonderheiten des Weinbergs. Die Klimadaten lieferte der Deutsche Wetterdienst. Über den Rüdesheimer Schlossberg beispielsweise erfährt der Leser, dass rund 25 Hektar in einer Höhenlage zwischen 120 und 160 Metern für die Erzeugung Großer Gewächse klassifiziert wurden, dass die Hangneigung 45 Prozent beträgt und der Boden von Taunusquarzit und Phyllitschiefer geprägt ist. Zudem werden die Winzer benannt, die in diesem Weinberg mit Reben begütert sind.

Ergänzt wird das in Abstimmung mit dem Deutschen Weininstitut erstellte Angebot durch Texte über die 13 deutschen Weinregionen sowie zahlreiche Zahlen, Daten und Fakten zum Thema Wein. Dazu wurden und werden insgesamt 771 deutsche Weinbergslagen abgegrenzt und digitalisiert. Bei den knapp 200 VDP-Betrieben wurden 4600 einzelne Daten abgefragt. Wenn erst einmal alle Lagen online einsehbar sind, sollen rund 2800 Fotos zu sehen sein. Alle Texte sollen noch ins Englische übersetzt werden – damit bei der nächsten Anfrage aus Amerika nach den besten Weinbergen des Rheingaus ein Link genügt. (aus der FAZ vom 20.01.2018)

Essay: Das Winzersterben

Immer weniger Winzer bewirtschaften immer mehr Fläche. Der Konzentrationsprozess im Rheingau schreitet voran, ohne dass bislang ein Ende absehbar ist. Vor allem Winzer im Nebenerwerb, mit geringer Rebfläche und solche, die ihre Trauben an die verbliebenen Genossenschaften abliefern, geben zunehmend auf. Ein Anstoß ist nicht selten die Flurbereinigung, die wegen der unvermeidbaren Ertragsausfälle über mehrere Jahre, den Umlageverpflichtungen und den hohen Investitionen in die Neuanlage von Weinbergen mancher Winzer nicht stemmen kann oder will. In manch kleinem Betrieb fehlt es auch am Nachfolger. Das führt in der Konsequenz dazu, dass die Zahl der beim Weinbauamt in Eltville registrierten Weingüter seit Jahren stetig zurückgeht. Nach der jüngsten Aufstellung des Weinbauamtes wirtschaften auf den knapp 3200 Hektar Rebfläche im Rheingau derzeit nur noch 600 Betriebe. Vor sechs Jahren waren es noch 800. Ein Rückgang um 25 Prozent seit 2011. Damit hat sich der Konzentrationsprozess nahezu unvermindert fortgesetzt. Vor 20 Jahren waren es sogar noch rund 1500 Winzer in der Region, vor zehn Jahren knapp 1000. Brachflächen allerdings sucht der Besucher vergebens. Flächenhunger und Wachstumsstrategien haben vielmehr dazu geführt, dass die Preise für Rebflächen in den zurückliegenden Jahren deutlich angezogen haben, egal ob es um Pacht oder um Kauf geht. Dazu haben auch einige auswärtige Investoren und Seiteneinsteiger beigetragen, die im Rheingau Weingüter gekauft (Ottes, Hans Lang) oder gegründet (Chat Sauvage, Meine Freiheit) haben und mit ihrer Finanzkraft Rebflächen zugekauft haben. Für die eingesessenen Winzer hat das Vor- und Nachteile: die eigenen Rebflächen werden immer wertvoller, aber eine Expansion ist kaum mehr bezahlbar.

Inzwischen gibt es nur noch rund 200 Betriebe mit weniger als einem Hektar Rebfläche. Vor sechs Jahren waren es noch fast 300. Hingegen ist die Zahl der Betriebe, die mehr als zehn Hektar Rebfläche bewirtschaften, um zehn Prozent auf 72 gestiegen. Diese 72 Weingüter bewirtschaften inzwischen fast 2000 Hektar und damit knapp zwei Drittel der Rheingauer Rebfläche. Eine Entwicklung, die sich fortsetzen dürfte. Dramatisch ist das nicht: Im weltweiten Maßstab sind die Rheingauer Betriebe nach wie vor sehr klein. Dass auch kleinere Betriebe Zukunft haben können, zeigt zudem das Beispiel der Hessischen Bergstraße, wo auf 460 Rebflächen nur sechs Betriebe mit mehr als zehn Hektar wirtschaften, aber 140 mit weniger als einem Hektar und 255 Ablieferer von Winzergenossenschaften. Im Rheingau hingegen hat sich die Zahl der Ablieferer in den vergangenen sechs Jahren von 200 auf 100 halbiert.

Ob auch kleine Betriebe mit fünf oder weniger Hektar langfristig auskömmlich wirtschaften können, hängt allein von der Wertschöpfung ab. Wer Fasswein an Kellereien zu geringen Beträgen verkauft, der benötigt deutlich mehr Fläche zum Überleben als jener Betrieb, der ausschließlich an Privatkunden Flaschenweine verkauft und nebenbei eine Gutsschänke oder Straußwirtschaft betreibt. Sehr zu Freude des Weinschmeckers!

(angelehnt an meinen Text in der FAZ vom 13. Januar 2018)

Aus dem Verkostungstagebuch

Robert Weil, Kiedrich

2009 Gräfenberg Erstes Gewächs Magnum

2013 Gräfenberg Großes Gewächs Magnum

Ich liebe diese große Flaschen. Und ich liebe natürlich auch Weil-Weine. Wenn beides zusammenkommt, ist der Himmel nah. So wie mit diesen beiden Spitzenweinen, die wunderbar die Jahrgangstypizität von 2009 und 2013 ausstrahlen und zugleich unverkennbar Gräfenberg und Weil repräsentierten. Ein Genuß…. (und wenn ich mich entscheiden müsste, votiere ich für 2013…)

Sohns, Geisenheim

Auch Sohns hat jetzt sein Lagenportfolio aufgefächert und ein spannendes Trio im Angebot:

2016 Fuchsberg Riesling trocken

2016 Hasensprung Riesling trocken

2016 Seligmacher Riesling trocken

alle drei auf ihre Weise erfreulich unterschiedlich und zugleich sehr spannend. Der Hasensprung ist jetzt das erste Mal im Angebot und gefällt durch schlanke Präzision und Druck am Gaumen ohne lästiges Zuckerschwänzchen. Dennoch tendiere ich am Ende für den Seligmacher und seinen mineralisch-würzigeren Charakter, der mit auch auf lange Sicht mehr Komplexität und mehr Tiefgang verspricht

Große trockene Lagenweine

Künstler 2015 Hochheimer Kirchenstück GG

Allendorf 2016 Winkeler Jesuitengarten GG

Corvers-Kauter 2016 Berg Schlossberg

… das war ein feines Trio, das ich aus privatem Anlass geöffnet habe… und es offenbarte auf wunderbare Weise die Stärken der Winzer und der jeweiligen Lagen. Mit dem Schlossberg ist Matthias Corvers ein großer Wurf gelungen, Kompliment. Allendorf belegt, warum die Kritiken immer besser werden, und Künstlers Kirchenstück ist ein Monument mit Kraft und Eleganz in Harmonie

Cristom, Orgeon

2010 Willamette Pinot Noir Sommers Reserve – ein ganz feiner Pinot im Stil der Oregon-Winzer, würzig, elegant, kühler Zug, gute Säure, Finesse, Nachhall

Weingut am Stein, Würzburg

2015 Würzburger Innere Leiste Riesling trocken – für mich einer der großen fränkischen Erzeuger. Auch wenn ich die Silvaner aus den Würzburger Spitzenlagen meist den Rieslingen vorziehe, so hat dieser doch wunderbaren Charme, fast cremige Fülle, Finesse und feine Frucht. top!

Allendorf, Winkel

2009 Quercus Superior – da saß mir vor ein paar Jahren mal der Geldbeutel locker, und ich habe eine Kiste dieses Spitzenweins erworben. Gute Entscheidung. Ich habe lange warten müssen, aber jetzt ist der Quercus S. großes Pinot-Kino mit Kraft, Frucht, Fülle und Präzision, inzwischen gut eingebundenen Taninen und feiner Säure. Ein Schätzchen… und das Warten hat sich gelohnt

Schloss Lieser, Mosel

2008 Niederberger Helden Riesling Auslese – großartig! Gute Säure, angemessene Süße, Salzigkeit, nicht zu fett sondern tänzerisch, fein, belebend, klasse!

Thelema, Stellenbosch

2014 Cabernet Sauvignon – ein Geschenk von guten Freunden, um uns langsam auf den heiß ersehnten Urlaub einzutrinken… das gelingt mit diesem Cabernet sehr gut. Betörende Frucht, guter Körper, langer Nachhall, typische Cabernet-Aromen, nicht zu holzig, ein guter Botschafter Südafrikas … und vielleicht halte ich in diesem Jahr auch mal wieder in diesem großartigen Weingut, wenn genügend Zeit bleibt….

Capannelle, Toskana

2009 Chianti Classico DOC Riserva – ich bin wahrlich kein Spezialist für Toskana-Weine, aber dieser hat mich überzeugt. Beginnend fast wie ein Pinot schmeckend (viel Säure) hat sich der Wein unter Luftzufuhr dann recht schnell verändert und typische Sangiovese-Merkmale schmecken lassen. Viel Tabak, etwas Lakritz, gute Frucht, Länge und Tiefgang, molto bene!

Großer Sekt aus großer Lage

Mark Barth und ich mögen es trocken. Staubtrocken. Ehrlich. Authentisch. Gerade heraus. Eben „extra brut“ oder vielleicht sogar „brut nature“. Das schmeckt dann weder dünn noch säuerlich, wie mancher unken mag, sondern nach glasklarer Frucht, nach Rasse und Finesse. Und immer mehr Kunden ziehen mit. Der Riesling-Sekt „extra brut“ ist der Verkaufsschlager im Sortiment. Richtig trocken liegt also wieder im Trend, Rosé im Sommer sowieso, und die Bedeutung der Jahrgangsangabe auf dem Etikett nimmt zu. Das allerdings hat seinen Preis.

Bei Barth beginnt das mit 14 Euro je Flasche. Und nicht weniger als 65 Euro kostet der Premium-Sekt aus dem Spitzenweinberg Hattenheimer Hassel. Dort erzeugt das VDP-Gut seine Großes Gewächs-Weine. Mit dem Unterschied, dass der in dieser Lage gewonnene Sekt nach Ernte im Keller noch fünf Jahre mit der Hefe in der Flasche reift. „Für diesen Aufwand ist der Sekt günstig“, sagt Barth und hat völlig recht.

Barth gehört zu der Handvoll Rheingauer Weingüter, die ihre Sekte von kleineren oder größeren Kellereien herstellen lassen, sondern die gesamte Produktionskette in der eigenen Hand behalten. Fast 30 Jahre ist es her, dass Barths Schwiegervater Norbert der Sekterzeugung besondere Aufmerksamkeit schenkte und die Marktchancen hochwertiger Winzersekte erkannte. Mit seinem „Ultra“-Sekt aus weiß gekeltertem Spätburgunder stieß Barth schon in einer Zeit in ein Preissegment vor, in das sich die wenigsten seiner Kollegen getraut hätten.

Seither ist die Sektproduktion sukzessive immer wichtiger geworden, wichtiger als in fast allen anderen Rheingauer Weingütern. Rund ein Drittel der Traubenernte auf einer Rebfläche von immerhin 20 Hektar wird heute zu Sekt verarbeitet. Während das Gesetz eine Reifezeit von neun Monaten vorschreibt, lässt Barth seinen Sekten mindestens zwei Jahre Zeit. Manche wie der überaus seltene, ebenfalls staubtrockene Rotsekt aus Spätburgundertrauben, dürfen fünf Jahre reifen, ehe sie in den Verkauf kommen.

„Wer Sekt machen will, braucht viel Geduld und viel Platz“, sagt Barth zwischen den langen Reihen der Rüttelpulte. Vor drei Jahren hat die Familie Geld in die Hand genommen, um den Keller zu erweitern und einen dem eigenen Anspruch entsprechenden, standesgemäßen Verkostungs- und Verkaufsraum zu bauen. Für ein Wein- und Sektgut mit einem hohen Anteil an Privatkunden ist ein repräsentativer Auftritt von besonderer Bedeutung. Rund die Hälfte des Weins geht direkt ab Hof an die Kundschaft, beim Sekt steigt dieser Anteil sogar auf 70 Prozent. Und Sekt ist nach wie vor ein Saisongeschäft. Barth schätzt, dass etwa ein Drittel des Absatzes auf die letzten sechs Wochen des Jahres entfällt.

Ein feiner Sekt ist für Barth „belebend und erfrischend“ und damit das Gegenteil von einem ermüdenden Getränk. Zwar dürfe Sekt auch komplex und fordernd sein, aber stets müsse die Freude am Genuss überwiegen. Das beginnt für Barth bei der Güte des Grundweins. Er ist für ihn „der Rohdiamant, der durch den Schliff seine finale Form erhält“. Sektspezialisten wie Barth wählen deshalb die Weinberge für die Sektproduktion gezielt aus, steuern die Erträge am Rebstock und wählen vor allem einen vergleichsweise frühen Zeitpunkt für die Ernte, weil nicht das Mostgewicht entscheidend ist, sondern die Gesundheit der Trauben und ihr Säuregehalt. Sekterzeugung beginnt im Kopf und wird im Weinberg lange vor der Lese vorbereitet.

Das kann dazu führen, dass schwierige und fäulnisreiche Jahre wie 2016 und 2017 für die Sektproduktion nur bedingt in Frage kommen. Seit vier Jahren ist das Weingut als ökologisch wirtschaftender Erzeuger zertifiziert. Die Kunden allerdings interessiert vor allem die Güte des Flascheninhalts. Dass es für den Preis seiner Spitzensekte auch schon Champagner zu kaufen gibt, stört Barth nicht. Er sieht die Schaumweine aus Frankreich nicht als direkte Konkurrenz, sondern als „andere Kategorie“. Sie sind für ihn daher auch kein Leitbild. „Wie wollen das Beste aus dem rausholen, was wir haben“, sagt Barth, und das sind im Rheingau nun einmal viel Riesling, ein wenig Spätburgunder und etwas Weißburgunder.

Die Konzentration auf die Traditionsrebsorten des Rheingaus kommt gut an und ist authentisch. In den aktuellen Weinführern ist Barth durchweg gut bewertet, und die Sekte tragen zum besonderen Profil bei. Mancher ausgewiesene Sektfreund ist beim ersten Besuch des Gutes in Hattenheim sogar erstaunt: „Oh, Sie haben ja auch Wein“: Gerade erst hat FAZ-Kolumnist Stuart Pigott den 2013er Schützenhaus Sekt brut nature zum „Schaumwein des Jahres“ gekürt. Barth könnte also rundum zufrieden sein. Nur dass Sekt immer noch häufig auf die Rolle eines Aperitifs reduziert wird, das kann er nicht verstehen. Barth ist überzeugt dass seine Sekte ein komplettes Menü adäquat begleiten können. Ich auch.

Verkostung

Riesling Sekt brut & extra brut – die doppelte Basis und zweifache Visitenkarte des Sektguts. Feinperlig, gute Frucht, erfrischende Säure, im direkten Vergleich wirkt der extra brut präziser, mehr auf dem Punkt.

Pinot Blanc brut – viel Schmelz, bringt die Finesse und Aromatik des Weißburgunders sehr gut zum Ausdruck, elegant, guter Essensbegleiter mit Tiefgang

Pinot Rose brut – perfektes Lachsrosa, typische rote Früchte prägen das Aroma, langer Nachhall, der ideale Sommersekt, aber nicht nur….!

Pinot Noir Rotsekt – eine Rarität für Kenner, ich liebe diese Sekte, wenn sie richtig „brut“ sind, leicht rauchige Note, sehr komplex, großartig... einer der besten Rotsekte, die ich in jüngerer Zeit getrunken habe

2011 Ultra Pinot brut nature – seit vielen Jahren eines der Flaggschiffe deutschen Winzersektes. Immer noch ein Erlebnis am Gaumen. Immer gut, immer verlässlich, eine Bank!

2013 Schützenhaus Riesling brut nature – ich kann die Schwärmerei von Stuart Pigott gut verstehen. Könnte auch mein Schaumwein des Jahres sein dank seiner Finesse und Komplexität, aber auch wegen seiner feinfruchtigen Frische und vor allem seines trinkanimierenden Charakters! Nächste Flasche!

2011 Hassel Riesling brut – Großes Sekt-Kino aus VDP-Großer Lage. Nach fünf Jahren auf der Hefe komplex und tiefgründig, verbindet Eleganz mit Kraft und Finesse. Groß.

Aus dem Verkostungstagebuch

Horst Sauer, Franken

2016 „Sehnsucht“ Silvaner trocken – internationaler Weißwein, holzgeprägt, hätte in einem Bocksbeutel nicht zu suchen, als Silvaner nicht leicht zu erkennen, gute Balance und Struktur, fein

Speicher-Schuth, Kiedrich

2016 Gräfenberg Riesling Terroir trocken – hoher Trinkfluss, tänzerisch, gute Säure, Tiefgang, fein

Ehrhard, Rüdesheim

2005 Rüdesheim Berg Roseneck Spätburgunder Magnum – zeigt, wie großartig 2005 als Rotweinjahr war. Weiche Tanine, Fülle, Tabak, etwas Lakritz und Leder, viel Länge, noch immer mit großem Potential

Robert Weil, Kiedrich

2012 Gräfenberg GG Magnum – ein Wein zum Niederknien, sehr präzise, druckvoll, elegant, hohe Trinkanimation, superlecker!

2014 Grafenberg GG – dieser Jahrgang ist jetzt auf einem sehr guten Weg, seine Stärken besser zu zeigen als in jungen Jahren, „eingeklemmt“ zwischen dem großartigen 2013 und dem vollen 2015. Großes Potential.

Allendorf, Winkel

2015 Jesuitengarten Riesling GG – einfach klasse, in welche Richtung es bei Allendorf geht, hier war 2015 einfach ganz groß. Kompliment!

Sohns, Geisenheim

2015 Seligmacher Riesling trocken – fängt jetzt an, richtig Spaß zu machen

Aus dem Verkostungstagebuch

August Kesseler

2016 „Rosengewächs“ Riesling trocken – viel Finesse, Eleganz und Frucht, von messerscharfer Klarheit…

Staatsweingüter

2014 Rüdesheim Berg Schlossberg Riesling GG – von meinem Lieblingsweinberg, straff, klar, guter Zug

Ott, Wagram

2016 Ried Feuersbrunner Spiegel Wagram Grüner Veltliner – einer der wirklich guten dieser Rebsorte

Staatsweingüter

2009 Höllenberg Spätburgunder trocken – großer Burgunder aus einem großen Rotweinjahrgang, topi!

Keller, Flörsheim-Dalsheim

2002 Hubacker Riesling trocken – damals wohl so 30 Euro, heute kaum mehr bezahlbar… Keller ist Kult im Moment, dieser Wein ruht in sich, mein Tipp ging zunächst auf ein warmes Jahr wie 2003, 2005 oder 2007, auf 2002 wäre ich nicht gekommen, recht konzentriert, dabei aber auch sehr würzig und mineralisch, reife Apfelnoten, sehr gelbfruchtig, durchaus noch elegant, wenn auch nicht verspielt

Veyder-Malberg, Wachau

2015 Weissenkirchener Weitenberg Grüner Veltliner – so kann, darf und muss Grüner Vetliner schmecken, Allzweckwaffe von hoher Güte und Präzision, geschliffen, komplex, fest und klar!

Neumeister, Straden Südsteiermark

2015 Ried Moarfeitl Sauvignon blanc – Spitzen-Sauvignon mit gutem Zug, gut strukturiert und balanciert, klar und präzise, saugut

Lackner Tinnacher, Südsteiermark

2015 Ried Welles Sauvignon blanc – großartiger Sauvignon auf der elegante, eher filigranen Seite, dennoch messerscharf, präzise, toptop

Robert König, Assmannshausen

2014 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder trocken – der aktuelle Pinot für alle Fälle im „Anleger 511!, großer Trinkfluss, macht Freude, schmeckt nach mehr…

Pinot im Vergleich

Die 103. Probe der Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau war ganz der roten Diva gewidmet, insgesamt 16 Weine durchweg hoher Güte, wenn auch nicht gleichermaßen gut, doch das ergibt sich von selbst. Ganz großartig für mich Solveigs 2011 „Micke“, auch wenn ich bei der Blindverkostung dieses Flights den Liebhabern von Laquais 2015 Bodenthal-Steinberg und Robert Königs Drachenstein Auslese trocken unterlegen bin. Dafür war ich mit der großen Mehrheit unserer Runde der Ansicht, dass Diefenhards Schlenzenberg GG deutlich St. Anthonys Kranzberg GG und Twardowskis mE. völlig überschätzten „Schiefergrund Mosel“ (65 Euro!) in den Schatten stellte. Dennoch ein überraschend schwacher Flight, vor allem gegenüber diesem Trio: Bischöfliches Weingut „2012 Assmannshäuser Pinot Noir S“, Staatsweingüter 2007 Assmannshäuser Höllenberg und Weingut Krone 2012 „Juwel“. Das „Juwel“ gewann diesen Vergleich klar und war auch der Sieger des Abends. Hochinteressant noch das Duell zwischen Bernhard Hubers 2012 Malterdinger (leider nicht das Pinot GG), den 2013 Drachenstein von Chat Sauvage und von Meo Camuzet 2013 Fixin Clos du Chapitre 1er Cru Bourgogne. Chat Sauvage hatte hier die Nase vorn, ohne am Ende das Weingut Krone gefährden zu können.