• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Im Osten viel Neues

Solide Basis, gute Preise und ein Skandal: Sachsen ist zwar ein junges Bundesland, aber ein altes Weinland mit mehr als 800 Jahren Weinbautradition. Im Weinbau ist das Elbtal mit seinen 450 Hektar Weinbergen rund um Meißen und Radebeul daher auch längst kein Tal der Ahnungslosen mehr. Aber eine vinologische Wundertüte und für manche Überraschung ist Sachsen dennoch gut. Das zeigte schon die Vorbereitung einer Sachsen-Reise. Bei Schloss Proschwitz hielt man es erst gar nicht für nötig, auf eine Reservierungsanfrage für das Gutsrestaurant zu antworten. Das Radebeuler Weingut Aust beschied uns frühzeitig, dass trotz der verheißungsvollen Karte im Internet am Wunschtermin Mittwoch aber allenfalls Zwiebelkuchen und Käsewürfel mit Oliven angeboten wird. Na toll. Das vom Weingut Kastler Friedland empfohlene Restaurant Charlotte K. in Radebeul scheint schon wieder geschlossen. Und die famose Weinkulturbar in Dresden ließ uns frühzeitig wissen, dass (Originalton): „wir bis 2018 in den Abendstunden schon komplett ausgebucht sind. Abendreservierungen für 2019 können wir erst ab Januar 2018 entgegennehmen.“ Es wurde, soviel vorweg, dann trotzdem ein höchstvergnüglicher Nachmittag…. bis 18 Uhr…., und verhungert sind wir auch nicht….

Doch bleiben wir beim Wein. Das Fazit: Meist ordentliche Qualität, solide Basis mit bisweilen einem Tick zu viel Restzucker, insgesamt viel Gutes, aber wenig Überragendes. Aber: 90 Prozent der Weine liegen preislich zwischen 10 und 20 Euro. Das ist viel für die Basis und im Vergleich zu auch nicht gerade billigen Regionen wie dem Rheingau nicht immer preis-wert… dafür wird in Sachsen über 20 Euro das Angebot und die Luft sehr dünn… „Das kauft keiner hier“, hieß es in den Vinotheken zu Weinen von 30 und mehr Euro. Immerhin, auch die führenden Erzeuger zeigen sich auf den Weinfesten wie in Radebeul und Meißen präsent. Feste mit jeweils rund 50.000 Besucher an drei Tagen (zeitgleich!). Die Sachsen wissen zu feiern und lassen sich sogar von Eintrittspreisen (sieben Euro) für das Fest in Radebeul nicht abschrecken. Das gab eine schöne Gelegenheit für einen schnellen Einstieg…

Vincenz Richter, Meißen

2015 Müller-Thurgau und 2015 Kapitelberg Riesling trocken – solide Basis in der Region, Trinkweine ohne Ecken und Kanten, obwohl die Lage Kapitelberg doch mehr hergäbe als das Gebotene, aber nun ja…

Martin Schwarz, Meißen

2015 Kapitelberg trocken, 2015 Weiß aus Schwarz (Blanc de Noir), 2015 Müller-Thurgau… Schwarz, ein Charakterkopf und önologischer Vordenker im Elbtal (von manchen auch als Spinner bezeichnet…), setzt bei den meisten Weinen das Barrique ein, für mich ein echter Topproduzent mit Weinen, die Ecken und Kanten haben, dabei präzise sind und den Trinkfluss nicht verlieren…

Schloss Wackerbarth, Radebeul

Wow, da könnten sich die Staatsweingüter in Hessen in vielerlei Hinsicht noch eine Scheibe abschneiden. Top-Staatsbetrieb mit durchweg überzeugender Qualität. 2015 Goldriesling voller Zitronenmelisse und Pfirsich, ein klasse Sommerwein, 2015 Edition Elbflorenz (Riesling, Bacchus und Müller-Thurgau)

Schloss Proschwitz, Zadel

der (VDP-) Vorzeigebetrieb der Region, der mich aber nicht in jeder Hinsicht überzeugt hat… die älteren Weine zeigen eine sehr frühe Reife, den jungen fehlt es an Präzision und Prägnanz, bsp. 2013 Heilig Kreuz Riesling trocken, aber auch 2015 Rosé trocken, 2015 Riesling trocken ganz gut, aber da wäre doch mehr möglich, 2015 Goldriesling trocken, guter Vertreter der Rebsorte

Weingut Matyas, Meißen

2015 Müller-Thurgau trocken – ein Zechwein wie aus dem Bilderbuch, läuft

Winzerhof Golk

2014 Riesling trocken „handgelesen“ … aha… verzichtbar!

Weingut Hoflößnitz, Radebeul

2013 Cuveé H. weiß. Sehr gelungene Kombination aus Müller-Thurgau und Weißburgunder des ersten sächsisches Ökowinzers, knackige Säure, sehr frisch, gute Frucht, Zug, viel Zitrus und Quitte, Birne !

Rothes Gut – Tim Strasser, Meißen

2010 Muscaris halbtrocken – ein echter Überraschungswein, Jahrgang kaum zu glauben, sehr frisch, Melisse, Mango, Maracuja und Zitrus, gut

Weingut Zimmerling, Pillnitz

2012 Riesling – präzise, Druck, sehr präsent am Gaumen, gut strukturiert und balanciert, aber, tja, vom vermeintlichen Star der Region habe ich – zugegeben – viel zu wenig getrunken. In vielen Restaurants und Vinotheken war er nicht verfügbar, für einen Weingutsbesuch reichte die Zeit nicht… nächstes Mal dann mehr!

Weingut Aust, Radebeul

2012 Weißer Burgunder trocken – guter Essensbegleiter, straff in Säure, guter Körper, Nachhall, einer der besten Burgunder der Reise

Weinhaus Schuh

2015 Goldriesling trocken, 2014 Riesling trocken und 2015 Müller-Thurgau trocken – beides sehr gut. Schöne Vinothek im Herzen von Meißen, sehr empfehlenswert! Dieser Erzeuger verdient mehr Aufmerksamkeit.

Sächsische Winzergenossenschaft Meißen

2013 Riesling trocken – dünn, belanglos, eigentlich hatte ich mehr von der Winzergenossenschaft mit ihren rund 1200 Mitgliedern erwartet, die in jüngster Zeit kräftig investiert und in Meißen eine „WeinErlebnisWelt“ gebaut hat. Ein Mitglied allerdings hat in diesem Jahr einen handfesten Weinskandal erster Güte verursacht, der dieser Region einigen Schaden bereitet und – bis heute – für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Im Kampf gegen die Kirschessigfliege hat der Übeltäter nicht nur auf eigenen, sondern als Bewirtschafter auch auf anderen Weinbergen das nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel DIMETHOAT eingesetzt, dass im Frühjahr dann in Rückständen im Wein nachgewiesen wurde. Die Folge war ein Skandal erster Güte, die Genossenschaft kommt wohl nicht ohne staatliche Hilfe über den Berg…. schlimm, doch ein Zusammenbruch würde wohl die Kulturlandschaft dort verändern, denn viele kleine Steillagen sind im Besitz von Genossenschaftswinzern… der Übeltäter soll aber angeblich nicht einmal ausgeschlossen worden sein…. da schütteln dann sogar sächsische Vinotheksbetreiber den Kopf… schon wird geunkt, es gebe nicht einmal einen Prozess… da werden wir ein Auge drauf haben…

Zum ersten, zum zweiten, wie lange noch?

 

Herbstweinversteigerung des VDP in Kloster Eberbach… ein Gemischtwarenladen ohne Profil nach dem Motto, für jeden Etwas: Weingüter mit 2 Flaschen von 1967 (August Eser, 190 Euro, Kompliment!), danach 300 Flaschen eines Erzeugers vom aktuellen Jahrgang... manche Erzeuger glänzen durch Abwesenheit (Ress), anderen beschränken sich nur noch auf ihre Auslese (Weil)… Wenn es eine Tendenz gab, dann die: Große Flaschen (ab Doppelmagnum) sind offenbar gefragt, ebenso Raritäten, selbst wenn ihr Genuss eher gering ist….. tja, und nun? Quo vadis Weinauktion im Rheingau? Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es nicht einmal unmittelbar nach der Auktion eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Einzel- und dem großen monetären Gesamtergebnis…. Das ist alles wenig verheißungsvoll. Zu den wenigen erfreulichen Momenten:

1450 Euro für eine 12 Liter Flasche 2015er Goethewein aus dem Brentanohaus (Allendorf) !; sehr gut der 2006er Rotlack halbtrocken von Schloss Johannisberg (30,50 Euro); unterbezahlt die Jungfer Kabinett Goldkapsel von Prinz (15 Euro); völlig verdient die 41 Euro für die 1986er Martinsthaler Wildsau Spätlese von Diefenhardt, völlig unverständlich die 90 Euro für die bittere 1997er Spätlese aus dem Steinberg und ebenso die 1996er Auslese aus dem Gräfenberg der Staatsweingüter. Von beiden wollte ich keine Flasche leeren. Klasse dagegen die 2015er Jungfer Spätlese von Prinz (25,50 Euro) und ebenso die unterbezahlte 2015er Rottland Spätlse vom Johannishof aus der Magnum (mit 39 Euro ein Schnapper!!!); Robert Weil mit 360 Euro für die 2015er Auslese wie gewohnt der Preisführer beim aktuellen Jahrgang.  Am Ende bleiben dennoch viele Fragezeichen im Hinblick auf die Zukunft dieser Veranstaltung, weil sie einfach kein Profil (mehr) hat.

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Georg Breuer, Rüdesheim

Wie gewohnt zeigt das Rüdesheimer Vorzeige-Weingut seine aktuelle und (fast) vollständige Kollektion immer erst im September kurz vor der Lese des nächsten Jahrgangs, und die Top-Lagenweine kommen ohnehin erst im Frühjahr in den Verkauf. Warum das so ist bzw. so sein muss, zeigt einmal mehr die Verkostung der 2015er, in insgesamt einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Die animierende, fruchtbetonte, ganz klare Säure (um 9 Promille) ist aber gewohnt präsent und gibt den Weine einen pikanten Charakter, der jedem Käufer unmittelbar nahelegt, die Weine noch 2-3 Jahre ruhen zu lassen. Breuer-Weine reifen hervorragend, und die wenigen 1998 und 1999er Schlossberg, die ich noch im Keller habe, hüte ich wie einen Schatz. Beim Roseneck geht Theresa Breuer sogar den konsequenten Weg, ihn einige Jahre zurückzuhalten… der 2013er soll erst 2018 auf den Markt kommen! Das nenne ich ökonomisch gesehen Mut zur Kapitalbindung im Sinne des Weingenusses. Ansonsten ist der 2015er Rüdesheimer Estate schon zugänglicher als der Rauenthaler, und der Rottland aktuell feiner als der Nonnenberg (ohne dessen Güte schmälern zu wollen…!) 2015er Schlossberg wieder ganz groß, wird ein Monument! 2015 Montosa wird wie immer einer meiner (bezahlbaren) Lieblingsweine….

Ein Genuss auch die Sektvertikale aus der Magnum: 1992, 1999, 2000 und 2002, wobei 1992 und 2002 für mich durch ihre Brillanz und Frische herausstachen. Ganz fein der 2012er Grauburgunder, immer wieder für Überraschungen sorgen Heunisch und Orleans auf der Zunge. Übrigens soll es jetzt bald mit dem grundlegenden Umbau des Weinguts an der Grabenstraße losgehen, wenn endlich die Baugenehmigung eingetroffen ist….

Bei so vielen Weinen blieb kaum Aufmerksamkeit für die Kollegen der „DieGueter.de“ übrig, aber Castells 2014 Silvaner GG und Kühling-Gillots 2015 Hipping Riesling GG sowie die 2015 von Bürklin-Wolf waren sehr gut…

2015er Jahrgang.... Top oder Flop … ja was denn nun???

Zugegeben, manchmal bin ich von den externen (!) Experten meiner eigenen Zeitung(en) schon ein wenig irritiert. „Der Jahrgang hält, was er verspricht“, schreibt einerseits Stuart Pigott in der FAS, und lobt: „die qualitative Beständigkeit der 2015er GGs ist ziemlich hoch. Fast jedes dieser Gewächse ist mehr oder weniger „groß“, was an sich für die Größe des Jahrgangs spricht“, und Pigotts letzte Worte sind „… weil 2015 wirklich ein Jahrhundertjahrgang ist.“ Das ist nur wenig übertrieben.

Und die Lange-Brüder sehen in der FAZ dagegen viele „durchschnittliche Weine, die dem Anspruch an das Beste vom Besten nicht richtig gerecht werden konnten“. Ihr Fazit. „Nur jeder sechste Wein erreichte bei unserer Probe eine dem "Großen Gewächs" angemessene Spitzenbewertung, die den hohen Preis auch rechtfertigt. Bei rund jedem vierten Wein reichte es noch für das Mittelfeld. Jeder sechste Wein fiel bei der Verkostung sogar durch.“

Da kann ich nur sagen: ganz falsch, meine Herren Lange. Schon im Vorjahr lagen sie meines Erachtens und nach meinen intensiven Probe-Eindrücken beim Wein völlig daneben… Der Jahrgang 2015 wird bei den Spitzengewächsen ganz sicher als großer Jahrgang in Erinnerung kommen und bleiben….  siehe weiter unten meine bisherigen Eindrück von den GGs und EGs…

Seitensprung: Espresso

Ein guter Kaffee hält uns wach für die nächste Wein-Probe, und die Zubereitung ist eine Wissenschaft, die der Önologie gar nicht so fern steht. Von den Herkünften, Terroirs und Jahrgängen ganz zu schweigen. Wer das einmal selbst erleben will: Ich kann Kaufmanns Kaffeerösterei in Wiesbaden empfehlen… ein kleiner, persönlich geführter Laden mit eigener Rösterei und regelmäßigen, vierstündigen Seminaren für jeweils nur 6 Teilnehmer mit Praxisteil. Das macht Lust auf einen Kaffee von den Hängen des Ngorongoro Kraters in Tansania, von den vulkanischen Böden des Hochlands von El Salvador oder aus dem Dschungel von Honduras. Wichtigste Lehre für mich: Für den wirksamen Koffein-Schub immer Robusto bestellen, weil viel mehr Koffein als in der Arabica-Bohne. Und dann gilt für den perfekten Espresso: 25-35 ml Wasser, rund 90 Grad Wassertemperatur, 9-10 bar Druck von der Siebträger-Maschine, etwa 8 bis 10g frisch (!) und gut gemahlenes Pulver, Anpressdruck mit dem Tamper ca 18 Kilogramm und ca. 25 sec. Durchlaufzeit für die Tasse ! Los geht's!

Alles hat ein Ende... nur der Rheingau 2 !

Aus dem Verkostungstagebuch: Vom Ende des Rheingaus (1)

Ja, die westlichste Ecke des Rheingaus und Hessens ist immer einen Besuch wert, vorzugsweise natürlich mit den pünktlichen Zügen der Vias… 28 min von Eltville nach Lorch zur Hauptverkehrszeit am Nachmittag… noch Fragen? Mohr, Laquai und Altenkirch waren diesmal das Ziel, und das war auch kulinarisch großartig!

Mohr: Ana´s Orange Pinot blanc trocken (wenn Orange Wine, dann wenigstens so oder so ähnlich…), Riesling 34 trocken (aus dem ältesten Weinberg des Rheingau, Mineralität pur), 2015 Alte Reben trocken, dazu die Ersten Gewächse Krone und Bodental-Steinberg …. klasse!

Laquai: 2015er vom Löss und vom Schiefer sowie die Schlossberg Spätlese trocken (mein Favorit), dazu ein 2015er Erstes Gewächs Riesling Schlossberg, sehr ordentlich.

Altenkirch: 2015 Grauschiefer, Steillage XL (der Schoppen-Trophy-Sieger 2015… ich sage nur: kaufen, kaufen, kaufen!) und noch einiges mehr, dazu eine fein gereifte 2010er Lorcher Krone, auch die 2013er erklimmen jetzt neue Höhen… Chapeau!

Vom (anderen) Ende des Rheingaus (2)

Kurz darauf in Hochheim, aber nur IM, nein BEI Himmel, was aber ungefähr auf das gleich rauskommt, vor allem wenn man die HÖLLE trinkt… 2010 Kirchenstück trocken, gut gereift, aber leider völlig in den Schatten gestellt von einer fulminanten 2006er Hölle Spätlese***. Sternen-Himmel, sozusagen ! Die 2015er Hölle knüpft daran nahtlos an! Aber man kann sich auch mit dem 2015er „Himmelstraum“ begnügen. Wer die Chance hat, verkoste zudem 2013 und 2014 Stückfass parallel… echte Charakterweine mit leichtem Vorteil für 2013!

Georg Breuer, Rüdesheim

2015 Sauvage, 2014 Montosa, 2015 Grauburgunder „Gri“s und 2010 Grauburgunder (Barrique), herrliche Begleiter an einem wunderbaren Spätsommerabend bei einer knusprigen Bauernente, perfekt am Tisch im Rüdesheimer Schloss tranchiert… Urlaub vom Alltag, keine Lust auf Degustationsnotizen heute… relax und freut Euch des Lebens !

Hessische Staatsweingüter

1944 Rüdesheimer ? Riesling… Mist, jetzt habe ich die längst untergegangene Lagenbezeichnung dieser Rarität schcon wieder vergessen, aber Schwamm drüber, denn das Terroir ist ohnehin nicht mehr schmeckbar! Ehrfurcht statt Genuss! Und eine Werbung für die Schätze, die im Rüdesheimer Schloss der Entdeckung harren, Danke Heinrich Breuer !

Weingüter Wegeler

2012 Geheimrat J. Riesling Spätlese trocken …. der Klassiker schlechthin, immer der richtige Wein für jede Gelegenheit am richtigen Platz… in diesem Fall auf der Terrasse des neuen Restaurants auf dem Niederwald!

Von GGs und EGs und Au-Wehs……

Das letzte Wochenende im August steht seit gut 15 Jahren im Zeichen des trockenen Spitzenweins. Das war diesmal mit gleich vier bemerkenswerten Events nicht anders….

Das Siechtum geht weiter...

Erste Gewächse Rheingau. Der Qualitätsdurchschnitt liegt meines Erachtens durchaus über dem von 2014. Dass allerdings sechs Winzer im Programm verzeichnet waren, die aus welchen Gründen auch immer (unverzeihlich!) keinen Wein zur Probe angeliefert haben (!!!), ist ein Armutszeugnis. Was war denn los, Ihr Weingüter Egert, Sohlbach, Sohns, Dahn, Schönleber-Blümlein, Rußler ??? Die gesamte Weinmenge liegt mit 31.000 Liter immerhin ein Drittel über dem von 2014 mit 20.000 Liter. Demnach entfällt rein rechnerisch auf jedes bislang anerkannte Erste Gewächs diesmal eine Weinmenge von rund 775 Litern ! Das muss man erstmal auf sich wirken lassen. Es scheint dringend notwendig, einmal über die Marktbedeutung der Spitzenweinkategorie nachzudenken und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind…. Die Anerkennungsquote ist von 79 Prozent noch einmal auf mehr als 85 Prozent gestiegen. Schon wieder du hoch, wie die Verkostung zeigte, weil einmal mehr einige ganz nette „trockene Spätlesen“ angestellt wurden, die aber nicht den höheren Anspruch eines EG einlösen konnten… Zudem wurde bei nicht wenigen Weinen mit deutlich zu viel Restzucker gearbeitet. Es fehlt einfach der Mut zum konsequent trockenen, eigenständigen Charakterwein, obwohl dieser Wein ja offenbar für die wenigsten Winzer eine größere wirtschaftliche Bedeutung hat, zumal bei einem empfohlenen Mindest-Verkaufspreis von nur 15 Euro.

Was richtig gut war? Diesmal strahlt nicht ein einzelner Betrieb heraus. Vielmehr haben mich fünf Weine absolut überzeugt mit Charakter, Strahlkraft, Finesse und Nachhall. Kompliment an mein Sieger-Quintett Schloss Schönborn (vornehmlich für den Pfaffenberg), Schumann-Nägler (für einen sehr eigenständigen Rothenberg), Mohr (für den mineralischen Bodental-Steinberg), Goldatzel (tiefgründiger, finessenreicher Kläuserweg, ein Hammer) und Altenkirch (komplexer Pfaffenwies).

In der zweiten Reihe gefielen auch noch George, Bausch, Molitor, Crass und Himmel. Das waren dann die Top 10 auch schon.  Hervorzuheben sind ferner die beiden Spätburgunder von Laquai und Koegler, die eindrucksvoll zeigen, was im Rheingau mit Rotwein möglich ist.  

Irritierend ist allerdings, dass der Verband noch immer nicht die „richtige“ Form der Präsentation gefunden hat. Seit Jahren wechseln Ort, Zeit und Modus, so geht das meines Erachtens nicht weiter. Ob es sinnvoll ist, dass die Präsentation zeitweise einer „Kollegenprobe“ ähnelte, sei ebenfalls einmal dahin gestellt. In jedem Fall muss sich der Verband Gedanken machen… Dazu gehören auch die kühnen Überlegungen, vielleicht doch noch ein „Großes Gewächs.Rheingau“ einzuführen und im Sinne einer Marktvereinfachung das „Erste Gewächs. Rheingau“ für die zweitbesten Lagen bzw. Gewanne einzuführen. Dann könnte dem VDP die Kategorie „Erstes Gewächs“ für die trockenen Weine aus VDP.Erster Lage geöffnet werden und irgendwie wäre alles logischer und transparenter… sorry, aber träumen wird man ja mal dürfen, und im Schatten des Schlachtschiffs VDP ließe sich doch gut mitsegeln…. Ansonsten gilt: das Siechtum geht weiter…

VDP Rheingau und seine GGs

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft, der VDP Rheingau lässt sich immer etwas einfallen, wenn es gilt, der Journaille und den Bloggern den aktuellen trockenen Spitzenriesling vorzustellen. Das war auf der Rhein-Dream nicht anders, 37 Rheinkilometer (zwischen der Mainspitze und Assmannshausen) und noch einige mehr auf dem Main pures Vergnügen (außer vielleicht das langatmige Schleusen in Kostheim und die öde Industrie drumherum...). 40 GGs, darunter drei Spätburgunder…. Eine Einzelbesprechung versage ich mir hier… Viele sehr gut, etliche gute Weine, ganz wenige Ausfälle, gut ausgewählt ! Kompliment. Vom Main gefielen mit Flicks Victoriaberg und Künstlers Weiß Erd am allerbesten, beide mittelgewichtig, mit Zug und Finesse.

Wie immer vorne mit dabei Weils Gräfenberg, klassischer Berglagencharakter mit Mineralität und Eleganz, Trinkfluss. Gar nicht so weit entfernt davon übrigens der Langenberg von Diefenhardt. Aus Erbach überzeugte mich Oetingers Hohenrain, für den Marcobrunn war 2015 irgendwie – und wider Erwarten – scheinbar nicht das ideale Jahr, oder es kommt erst noch… Ein Vergnügen die Weine aus Hattenheimer Brunnenlagen, sowohl Barth´s und Spreitzer´s Wisselbrunnen als – und vor allem – der Nussbrunnen aus dem Hause Ress. Kühler Zug, minzig-kräuterig, mittelgewichtig, animierender Trinkspass… Von Kühn gefiel mir diesmal der 2014er Doosberg deutlich besser als der St. Nikolaus, aber Geschmackssache, geschenkt! Wegelers Rothenberg gehört für mich (wieder einmal) zu den Besten, dazu Kesselers Berg Roseneck, die „Schlossberge“ von Ress und Kesseler brauchen einfach noch Zeit der Entwicklung, aber kommt Großes auf uns zu. Bemerkenswertester Wein außer Konkurrenz: PJ Kühn 2010 Quarzit aus der Magnum! Groß!

VDP – Vorpremiere Kurhaus Wiesbaden

Während sich alle 120 Mitverkoster bei Deutschlands best organisierter Probe auf die Rieslinge gestürzt haben, ging ich diesmal – mangels Zeit – einen ganz anderen Weg und habe mir mal die Weißen Burgundersorten vorgenommen. Das war spannend und vergnüglich zugleich, und ich kann mit einem Superlativ aufwarten: Deutschlands besten Chardonnay gibt es derzeit bei Heitlinger (Heinberg) – und ja, auch bei Huber (2014 Bienenberg, Schlossberg). Drei wirklich famose Chardonnays mit Biss, mit Schmelz, Cremigkeit, Power, Saft und Kraft… Wow! Und gleich hinterher: den besten Grauburgunder haben derzeit Blankenhorn, Salwey, Bercher und vor allem Pawis, dessen Stil ich übrigens ganz besonders schätze. Pawis ist neben den Badenern eine echte Burgunder-Bank ganz nach meinem Geschmack. Beim Weißburgunder ist die Sache komplexer…. Dr. Heger glänzt mit dem Rappenecker ebenso wie Bercher mit Feuerberg Haslen und Salwey mit dem monströsen Henkenberg. . Aus Württemberg stechen Aldinger (Gips) und Ellwanger (Hungerberg) hervor, beide reichen aber nicht an den fränkischen „Stein“ vom Staatlichen Hofkeller Würzburg heran, ein Muster an Eleganz und Finesse. Auch beim Weißburgunder glänzt Pawis wie ein Diamant, deutlich heller als Proschwitz. Und dann natürlich auch die Pfalz, mit Knipser, Kuhn, Rebholz und Bassermann-Jordan…. aber dann war die Zeit auch um…

Chateau-Feeling

Palmer zu Gast auf dem Johannisberg, doch nicht nur aus Patriotismus musste ich die Chateau Palmer-Masterclass schweren Herzens sausen lassen und die Ersten Gewächse Rheingau verkosten. Aber bei einer wahnsinnig schönen Atomsphäre im Garten des Johannisberg reichte die Zeit dennoch die 15er vom Schloss zu verkosten…. Mein drei absoluten Favoriten aus 2015:

2015 Gelblack trocken – Rheingau Riesling wie er sein soll…. knackig, zupackend, Trinkfluss, Trinkspass, gute Frucht und Finesse…

2015 Rotlack feinherb – eine Allzweckwaffe zu jedem Essen, saftig, aber mit viel Finesse und großem Charakter, läuft die Kehle wie Quellwasser runter, mehr davon

2015 Grünlack Spätlese – Babymord mit Freude! Jetzt eiskalt trinken oder 15 Jahre weglegen, monströs gehaltvolle, opulent aber nicht überkandidelt, sondern fein!

41. Rheingauer Weinwoche Wiesbaden

schön war´s … wieder einmal! Klasse Wetter, klasse Stimmung, offensichtlich gute Geschäfte an vielen Ständen, dazu feine Weine aus dem sich immer mehr öffnenden Jahrgang 2015… Prima Werbung für die Region, für Wiesbaden und den Rheingau. Da fällt es schwer, einige Weine herauszugreifen, doch was mir besonders gut gefallen hat (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) hier in einer Auswahl

Kaufmann/ Hans Lang: 2015 Riesling „Tell“, Trinkvergnügen auf höchstem Nivau

Wurm/ Ottes: 2015 Lorcher Riesling trocken plus – läuft und verlangt nach jedem Schluck schon nach dem nächsten…

Altenkirch: 2015 Grauschiefer trocken, aber auch 2010 Lorcher Krone und 2013 Bodental-Steinberg Alte Reben, klasse !

Koegler: 2015 Weiß aus Rot… derzeit mein Lieblings- Blanc de Noir

Oetinger: 2015 Riesling Mineral …. filigraner Trinkfluss

Ress: 2015 Rüdesheimer Riesling trocken - eigenständig, charaktervoll, lecker

FB. Schönleber: 2015 Oestricher Riesling Alte Reben - superlecker, läuft !

Aus dem Verkostungstagebuch

Orange Wines

70 Weine sind auch für geübte Verkoster und ein lange Strecke, 70 Orange-Weine sind für einen bekennenden „Hasser“ eine Qual, aber eine – zugegeben - durchaus spannende und aufschlussreiche. Das Wichtigste ganz zugespitzt vorweg: Braucht kein Mensch! Es gibt genügend andere spannende Essensbegleiter von exzellenten Rotweinen bis zu gereiften Rieslingen, behaupte ich mal so. Gegenbeweis? Bislang Fehlanzeige!

Von den 70 Weinen waren für mich genau 10 Prozent in der Kategorie trinkbar bis annehmbar (mal abgesehen von dem wirklich interessanten Weißburgunder von Ress zum Eingewöhnen, schmeckte!). Diese 10 Prozent haben jeweils mehr als 10 Punkte erreicht, NUR diese Weine! Die Masse kam nicht über 5 Punkte. Meine Favoriten waren ganz klar die beide Weine 53 und 54, beide vom Weingut Benziger in der Pfalz. Steinig bis rauchig, aber sehr klar, straight, ohne dumpfe Oxidation wie so viele andere, von der 2015 Orange Cuvée würde ich vielleicht sogar mal eine (1) Flasche erwerben, so zum Essensbegleitertest. Sehr gut auch Oliver Zeters 2014 Zafran, hohe Komplexität, recht guter Trinkfluss, zarte Fruchtnuancen, filigran und elegant, gut. Nummer 22, Gigerichs Carus Silvaner MT Reserve, schmeckte wie ein feinherber Riesling-Pirat, kein Orange-Wein aber recht ordentlich. Schließlich die Weine des Markgrafen von Baden (2015 Gewürztraminer), Sieglochs 2015 „Vogelfrei“ und Matterns „Orange Sieger“, alles gut trinkbare Weine, für die ich natürlich nie und nimmer mehr als 10 Euro die  Flasche hinlegen würde, aber unter dem Strich gut gemacht und eine Werbung für diese Weinkategorie. Kann man mögen, muss man aber nicht. So, und nun warte ich auf eine Einladung zum Essen mit einer größeren Auswahl verschiedener, sorgsam ausgesuchter Weine, bei denen sich ausgerechnet der Orange-Wein als der eindeutig Beste erweist ! Dann stelle ich mein Urteil gern in Frage….. dabei lag ich übrigens gar nicht schlecht, Zeter und Benzinger sahen auch die anderen Verkoster, teils Orangefans, offenbar ganz vorne….  

Malbec, Argentinien

Gutes (rotes) Fleisch und roter Wein, vor allem Malbec, das könnte mich nach Argentinien locken… Tatsächlich hat eine Malbec-Probe diesen Wunsch noch einmal verstärkt, denn die Rebsorte hat viele Stärken und kann zum Steak zur absoluten Perfektion auflaufen… mit guter Frucht, Fülle, durchaus Eleganz und Komplexität… Hier die 12er-Blindprobe:

Malbec Reserva 2011, Bodegas Norton

Malbec 2011, Catena Zapata

Malbec 2012, Terrazas de los Andes

Felino Malbec 2013, Vina Cobos

Gran Dante Malbec 2010, Dante Robino

Paso Doble 2012, Malbec/Corvina, Masi Tupungato

Catena Alta Malbec 2009, Catena Zapata

Las Compuertos SV 2010, Terrazas de los Andes

Finca Altamira 2007, Bodegas Achaval-Ferrer

Finca Mirador 2007, Bodegas Achaval-Ferrer

Finca Bellavista 2007, Bodegas Achaval

Mein klarer Favorit war Catena Zapata mit dem 2009er! Bei den 2007er aus der Bodegas Achaval-Ferrer gefiel vor allem der Finca Mirador. Sehr schön auch der „einfache“ 2011 Malbec von Catena Zapata, der für 14 Euro schon ein Schnäppchen ist, fast ebenso der 2013 Fino der Vina Cobos.

Weingut Robert Weil

Gräfenberg Beerenauslese 2003 – eine Wucht aus dem Süßwein-Traumjahr!

Turmberg Spätlese 2009 – nach heutige Maßstäben fast ein wenig zu „dick“ geraten, aber gut gekühlt selbst als Aperitiv überzeugend.

Kaufmann – Hans Lang, Hattenheim

Die Transformation von Hans Lang zu (Urban) Kaufmann ist in vollem Gange, die charmanten, eleganten 2015er haben den Prozess noch einmal beschleunigt. Die neue Vinothek ist in jedem Fall einen Besuch wert weil architektonisch ein Ausrufezeichen, und mit dem einfachen Kaufmann-QbA und dem „Tell“ würde ich mich eindecken, so viel Platz der Keller eben hergibt… Hier nun in der Kurznotiz alles Kaufmann und alles 2015er, verkostet am Schweizer Nationalfeiertag:

Rheingau Riesling – Viel Wein, viel Geschmack für vergleichswiese kleines Geld, so muss ein Basiswein schmecken….

Hattenheim Riesling – hat gegen den QbA zu kämpfen zumal vom Ortswein noch ein wenig mehr Druck und Dampf zu erwarten wäre, aber gut und süffig

Wisselbrunnen Riesling GG – präzise, mit viel Druck, aber guter Trinkfluss obwohl mit ordentlich Power ausgestattet, gut !

Tell Riesling – mein Favorit zu diesem Zeitpunkt… Alleskönner !

2014 Pinot Noir – ein wenig zu dünn geraten, nicht mein Fall…

2014 Hassel Pinot Noir GG – wird sich für 35 Euro schwer tun, braucht noch viel Zeit zur Entwicklung, recht hellfarben, nicht mein Pinot-Stil….

2015 Uno – Nette Burgundercombi, guter Speisenbegleiter, moderate Säure, gut verwobene Frucht, komplex und tiefgründig

Vieles neu bei Tesch, Nahe

Der geradlinige Martin Tesch hat vor allem unter den Ex-VDP-Kollegen zwar nicht sehr viele Freunde und Sympathisanten, aber ich bin einer großer Freund von Weingut und Stil und der Art, wie jedes Jahr das Terroir der fünf Lagenweine herausgearbeitet wird. Die Etiketten auf den Leichtglas-Flaschen wurden mit dem neuen Jahrgang überarbeitet, jetzt gibt es auch Magnum und Halbe mit dem Stelvin-Drehverschluss. Leider haut das trotzdem nicht immer hin, im Probepaket war die „Krone“ um etwa 150 ml ausgelaufen bei vermeintlich intaktem Verschluss….. daher gleich verkostet:

2015 Krone – viel Stachelbeere, Ananas und ein wenig Rhabarber, gut eingewebte Säure, Schmelz, langer Nachhall, fein

2015 Karthäuser – wirkt zunächst rustikaler, eher druckvoll als fein mit feinen mineralischen Noten….. der Rest wird in der Probe noch ergänzt…

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut am Stein, Würzburg

2015 Würzburger Stein Silvaner trocken – enormer Trinkfluss und Zug, läuft glasklar und lustvoll den Rachen runter, so muss Silvaner schmecken ! Und die Variante aus der Inneren Leiste ist sogar noch bessser....

Weingut Koegler, Eltville

2008 Eltviller Sonnenberg Grüner Veltliner trocken – ein Wein voller Überraschung, geradezu jugendlich frisch, hohe Trinkanimation, klasse Säure-Rückgrat, cremige Finesse, Eleganz, läuft !

Georg Breuer, Rüdesheim

2010 Nonnenberg Monopol Riesling trocken – überraschend. Zeigt nicht die sonst gewohnte Noblesse, sondern eine beißende, fast scharfe Säure, die sich bislang nicht einbindet. Mein Gott, wie lange braucht dieser Wein noch, bis er eine Harmonie findet?. Wird das jemals der Falls sein…? Die Erfahrung mit Breuer-Weinen gibt Hoffnung, aber dieser Nonnenberg lässt zweifeln… weglegen, vergessen, vielleicht 2026 wieder probieren… vielleicht….

Balthasar Ress: 2015 Berg Schlossberg & Wisselbrunnen & Nussbrunnen & Oestricher Riesling trocken, Wow, ein erster Ausblick auf den GG-Jahrgang als Fassprobe, Nussbrunnen superphänomenal, Schlossberg groß wie immer, Wisselbrunnen noch verschlossen und ein wenig indifferent…. der Oestricher ist ein Super-Ortswein zum kleinen Preis, zuschlagen!  

Schloss Vollrads – 300 Jahre Kabinett

1999 Kabinett halbtrocken – ein Monument, monströser Trinkfluss, genial

2003 Kabinett halbtrocken – ein Kabinett aus einem schwierigen Jahr, nur 12 Alkohol, aber ohne die Leichtfüßigkeit und Unbeschwertheit anderer Jahrgänge

2015 Kabinette feinherb und trocken – süffig, saftig, fruchtbetont, läuft !

1970 Kabinett – der erste Jahrgang, der schon unter den Vorgaben des neuen Weingesetzes von 1971 (Aus mit dem Cabinet!!!) erzeugt wurde, steht 1a im Glas!

Jahrgangsprobe Corvers-Kauter

4x 2015 Kabinett trocken. Oestricher Lenchen, Mittelheimer Edelmann, Rüdesheimer Kirchenpfad, Rüdesheimer Berg Roseneck… man sieht, das Weingut ist ganz weit weg von der aktuellen VDP-Philosophie… trockene Lagenkabinette, die allerdings geschmacklich sehr gut differenziert sind….insgesamt sehr klar, guter Trinkfluss, teils recht kräftig für einen Kabinett, aber gute Frucht, animierende Säurespiel. Mein Favorit ist aktuell der Kirchenpfad vor dem Edelmann, erst danach folgen Roseneck und Lenchen

2015 R3 Remastered …. uff, uff, Kernig, pur, säurestark, ein Ausrufezeichen

2015 „Schwerelos“ Edelmann Kabinett fruchtig… wird seinem Namen nicht ganz gerecht, es fehlt die filigrane Leichtigkeit, keine Rheingauer „Moselvariante“, viel besser:

2015 St. Nikolaus Alte Reben Spätlese – trinkt sich gut gekühlt wie Wasser, erinnert eher an Kabinett dank guter Säure und nicht zu opulenter Süße, ein Sommerwein für den Balkon!

2013 Berg Schlossberg Spätlese feinherb – ein echter Charakterkopf, feine Säure-Süße-Spiel, lecker, guter Zuge, kaum gereift, fein

Prinz von Hessen

2015 Scheurebe trocken – siehe weiter unten meinen ausführlichen Blogbeitrag zum Jubiläum „100 Jahre Scheurebe“! Dieser Wein ist meines Erachtens sehr gut gelungen, ein freudvoller Spasswein, der in einer Blindprobe guter Sauvignon nicht als Außenseiter auffallen würde… Winzer, macht mehr aus dieser in Bad Kreuznach gezüchteten Rebsorte!

Winzer von Erbach

Kompliment, unter Jochen Bug ist die früher schon einmal mal hochgelobte Winzergenossenschaft (lang ist es her…) wieder auf einem guten Weg. Natürlich ist nicht alles auf dem Niveau wie der 2012er Spätburgunder aus dem Barrique (ein Pendant aus weißem Burgunder wäre schön, nur Mut!), aber auch die Basis wie der Honigberg QbA, der Classic und der trockene Kabinett sind von verlässlicher Güte. Der Grauburgunder schmeckt hingegen leider nur wie ein säurearmer Riesling, da wäre mehr möglich!

Hat der trockene Kabinett noch Zukunft?

Schloss Vollrads, Winkel

1970 Kabinett, 2015 Kabinett feinherb, 2003 Kabinett halbtrocken, 1999 Kabinett halbtrocken, eine Auswahl Vollrads Kabinett-Weine anlässlich des Jubiläums "300 Jahre Cabinet". Vor allem 1999 und 1970 mit phänomenaler Frische und anhaltender Trinkfreude... Schloss Vollrads hat es natürlich auch leicht, auf eine Lagenbezeichnung zu verzichten, wie es die neue Qualitätspyramide des VDP fordert. Es stimmt, der Kabinett als Leichtwein hat eine Perspektive, aber nur, wenn sich die Erzeuger endlich bei Mostgewicht und Alkohol verbindlich auf Obergrenzen einigen. Kabinettweine wie aus Hochheim mit 13,5 Prozent Alk. und mehr (!!!) müssen endlich der Vergangenheit angehören! Ein besonderes Jubiläum wäre eigentlich die Gelegenheit gewesen, dazu einen Vorstoß zu machen! Eine leider vergebliche Hoffnung. Doch ein Besuch auf Vollrads lohnt...

"Eine unscheinbare Eisenflügeltür im Hof von Vollrads. Direkt dahinter führen 15 Stufen steil hinunter, direkt in ein besonderes Kapitel der deutschen Weingeschichte. Hier wurde im Jahr 1716 der nachweislich erste deutsche Cabinet-Keller angelegt, um die besonders feinen von den ordinären Tropfen zu trennen. Weine aus dem Cabinet – der deutsche Adel sprach im Zeitalter des Barock vornehm französisch – waren jeweils das Beste, was die Grafen Greiffenclau aus den umliegenden Weinbergen geerntet hatten. Damit kann Schloss Vollrads für sich reklamieren, lange vor dem großen Nachbarn Schloss Johannisberg, wo 1775 die Spätlese „erfunden“ wurde, eine besondere Seite der deutschen Weingeschichte aufgeschlagen zu haben.

Die Eberbacher Mönche zogen erst 1730 nach und richteten im Kloster ihren ersten Cabinet-Keller ein, der heute elementarer Teil jeder Klosterführung ist. Cabinet setzte sich fortan als eine Zusatzbezeichnung für besonders edle und hochpreisige Weine durch, denen in der Regel eine längere Zeit der Reife vergönnt war. Eine Weinphilosophie und Tradition, die spätestens mit dem neuen Weingesetz 1971 ihr Ende fand. Aus dem Zusatz „Cabinet“ wurde das deutsche Prädikat „Kabinett“. Fortan zeichneten sich diese Weine nicht mehr durch besondere Qualität oder höchste Ansprüche des Erzeugers aus, sondern durch eine weinrechtliche Definition allein nach dem Mostgewicht. Anders als ihre Namensvorgänger wurden Kabinett-Weine zu mittelpreisigen Trinkweinen für jeden Anlass.

Zum Jubiläum hat Schloss Vollrads den zuletzt unspektakulär als Lager genutzten Cabinet-Keller leer geräumt und aufgehübscht, um ihn bei Führungen angemessen präsentieren zu können. Der kleine Gewölbekeller hat als Besonderheit zwei kleinere Nebenkammern, und in einer steht sogar ein Ofen. Rowald Hepp, Geschäftsführer des der Nassauischen Sparkasse gehörenden Schlosses, kennt keinen anderen Rheingauer Weinkeller mit eigenem Kamin und Heizquelle. Ob sich seinerzeit der Kellermeister bisweilen die Hände wärmen wollte oder ob es sich gar um einen frühen Versuch der Temperaturkontrolle für den stets sechs bis zehn Grad kalten Keller handelt, darüber kann auch Hepp nur Mutmaßungen anstellen.

Alte Handwerkerrechnungen über das Setzen der Treppenstufen, das Einziehen des Schornsteins, das Bohren von Mauerlöchern und das Durchbrechen von Felswänden dokumentieren jedenfalls den Bau des Cabinet-Kellers unzweideutig für das Jahr 1716. Und das Hessische Hauptstaatsarchiv hat Hepp bestätigt, dass es keine Bedenken hat, wenn Vollrads das Recht der Cabinet-Ersterwähnung für sich in Anspruch nimmt. Den Anlass gaben vermutlich einige sehr gute Ernten zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Während die Vergangenheit des Kellers einigermaßen geklärt ist, liegt die Zukunft des Kabinettweins im Ungewissen. Der Trend, den beispielsweise der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) gerade vorgibt, ist die Konzentration der Winzer auf die Weinberge als Herkunft der Weine. Trockene Kabinettweine mit Lagenbezeichnung soll es in der neuen VDP-Qualitätspyramide nicht mehr geben. Der so genannte Ortswein, beispielsweise ein „Winkeler Riesling“, ersetzt daher auf immer mehr Preislisten von Erzeugern den klassischen Kabinett. Hinzu kommt, dass es der Klimawandel den Erzeugern nicht eben einfach macht, leichte Kabinettweine zu erzeugen.

Hepp allerdings ist überzeugt, dass der Riesling-Kabinettwein von Rhein, Nahe und Mosel auch ohne Lagenbezeichnung eine große Zukunft hat. Gerade die Rebsorte Riesling ermögliche es, Weine mit intensivem Geschmack bei mäßigem Alkoholgehalt zu erzeugen. Das gehe mit anderen Rebsorten wie Chardonnay nicht und sei ein „Pfund“, mit dem die deutschen Winzer wuchern könnten. Viele Weintrinker suchten die „filigrane Leichtigkeit“. Hepp gibt aber zu, dass sich die Erzeuger auf ein klareres Profil für den Kabinett einigen und dass sie beispielsweise Obergrenzen für Mostgewicht und Alkohol bestimmen müssten. Davon ist die Branche aber derzeit noch weit entfernt.

Auf Schloss Vollrads soll der Kabinett in trockener, feinherb und süßer Spielart jedenfalls Zukunft haben. Das Weingut hat zwar seine Pläne aufgegeben, zum umfassenden Riesling-Kompetenzzentrum der gesamten Region zu werden. Eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim gibt es dennoch, um die Folgen des Klimawandels auf die deutsche Leitrebsorte abschätzen zu können, zumal gerade der leichte Kabinett gefährdet sein könnte, wenn Sonne und Wärme die Mostgewichte immer weiter steigen lassen. Daher hat Schloss Vollrads jetzt eine Rebfläche für einen langfristig angelegten wissenschaftlichen Versuch der Geisenheimer Rebenzüchter zur Verfügung gestellt. Auf einem 5050 Quadratmeter großen Weinberg haben die Forscher im vergangenen Jahr fast 50 verschiedene Rieslingklone aus Deutschland und anderen Anbaugebiete der Welt gepflanzt, jeweils 25 Rebstöcke. Das genügt, um daraus sogar Wein zu erzeugen und zu vergleichen. Ziel ist es, solche Klone herauszufinden, die trotz Klimawandel das vertraute Geschmacksbild der mehr als 500 Jahre alten Rebsorte Riesling hervorbringen und womöglich auch gegen Pilzkrankheiten weniger anfälliger sind als die heute am meisten eingesetzten Klone. Das Projekt trägt zudem dazu bei, im Zuge der Anstrengungen zur Biodiversität die Vielfalt der Spielarten des Rieslings zu erhalten. Erzeuger wie Hepp sehen mit Spannung, mit welchen Klonen die Winzer womöglich künftigen Herausforderungen begegnen können. Das diese trotz Klimawandel für die Erzeugung alkoholarmer Kabinettweine tauglich sein müssen, steht für Hepp außer Frage: „Der Kabinett ist einfach ein leichter, nicht belastender Genuss.“ (aus meinem FAZ-Bericht vom 13. Juli 2016)

Altenkirch gewinnt 12. Schoppentrophy

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser ehrt die Sieger in Lorch

Wo wird der süffigste trockene Riesling-Schoppen des sehr guten Weinjahrgangs 2015 getrunken? Die Blindverkostung zur 12. Schoppen-Trophy des Rheingauer Weinschmeckers hat eine klare Antwort ergeben.

Den besten Schoppen trinkt der Weinfreund in dieser Saison in der Schänke und auf der Terrasse des Weinguts Altenkirch in Lorch. Die höchste Punktzahl unter 33 angestellten Weinen ist ein besonderes „Geburtstagsgeschenk“ für das vor 190 Jahren gegründete Weingut, das ehemals zum offiziellen kaiserlichen Hoflieferanten ernannt worden war.

Bei der Blindverkostung in der Vinothek des Kiedricher Weinguts Robert Weil setzte sich das von Jasper Bruysten geleitete Weingut mit   knappem Vorsprung gegen das Weingut Schumann-Nägler aus Geisenheim und das Johannisberger Weingut Trenz durch. Mit Altenkirch ist es seit der ersten Austragung des Wettbewerbs im Jahr 2005 erstmals einem Weingut gelungen, seinen Sieg zu wiederholen, denn Altenkirch war seinerzeit der Sieger der Schoppen-Trophy-Premiere!

 Insgesamt wurden die 33 Weine von 32 Juroren blind geprüft und nach einem 20 Punkte-System bewertet.

Der Jury gehörten Vertreter der teilnehmenden Güter, Gastronomen, Weinjournalisten, Vertreter der Weinbranche und der Verbraucher an, darunter auch die Rheingauer Weinkönigin Louisa Follrich.

Der Siegerwein ist ein sehr mineralischer Schoppenwein mit guter Länge und langem Nachhall, der seine Herkunft aus Lorcher Steillagen auf beeindruckende Weise am Gaumen demonstriert“, lobt der Initiator der Schoppen-Trophy und Weinschmecker-Autor Oliver Bock.

Der Jahrgang 2015 zeige seine außerordentliche Güte schon an der Basis des Sortiments, dem trockenen und preiswerten Schoppen, dem meistgetrunkenen Wein in den Schänken.

Das Weingut Altenkirch bewirtschaftet rund 15 Hektar Steillagen mit einem Gefälle von bis zu 60 Prozent, die vor allem Handarbeit erfordern. Rund 80 Prozent der Fläche sind mit Riesling bestockt, weitere zehn Prozent sind dem Spätburgunder vorbehalten, daneben gibt es noch Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer im Angebot.

Der Weinausbau geschieht in drei historischen Gewölbekellern, die bis zu 100 Meter tief in den harten Fels geschlagen sind. Dort versteht es Bruysten meisterhaft, in seinen Weinen die große Vielfalt der Lorcher Böden und deren einzigartiges Geschmacksprofil zur Geltung zu bringen.

Kleine Besonderheit am Rande: Altenkirche-Weine sind als „vegan“ gekennzeichnet und damit auch für Vegetarier geeignet, weil bei der Weinbereitung keine Gelatine oder andere Weinbehandlungsmittel tierischen Ursprungs verwendet werden.

 Die Sieger der 12. Schoppentrophy 2016

 

  1. Platz

Altenkirch, Lorch

2015 Rheingau Riesling „Steillage“ trocken

  1. Platz

Schumann-Nägler, Geisenheim

2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz

Trenz, Johannisberg

2015 Rheingau Riesling Basic trocken

  1. Platz (geteilt)

Abteihof, Johannisberg: 2015 Johannisberg Hölle Riesling trocken und

Schloss Vollrads, Winkel: 2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Diefenhardt, Martinsthal: 2015 Rheingau Riesling trocken

Mitter-Velten, Hochheim: 2015 Hochheimer Daubhaus Riesling trocken

Höhn, Dotzheim: 2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Dienst, Hochheim: 2015 Dorotheenhof Riesling trocken

Keßler, Martinsthal: 2015 Martinsthaler Wildsau Riesling trocken

Allendorf, Winkel: 2015 Rheingau Riesling trocken

 

 

Barrique ganz ohne Holz! Wie geht das denn???

Winzer sind auch nur Menschen, und die Versuchung, den mühseligen Weg zu gutem Wein unerlaubt abzukürzen, ist groß. Doch ebenso das Risiko, ertappt zu werden. Im Wein liegt Wahrheit, aber nicht immer und nicht überall. Hochwertige Weine aus dem Barrique sind begehrt. Aber nicht jeder Winzer will und kann sich die teuren Eichenholzfässer leisten, und selbst der erlaubte Zusatz von Holzchips bei der Weinreifung ist einigen schwarzen Schafen in der Winzerschaft noch zu viel an Aufwand, wenn sich doch durch einen Verschnitt mit nach Vanille schmeckenden Spirituosen ein vergleichbares Geschmacksbild erreichen lässt. Ertappt hat den am Ende geständigen Winzer im vergangenen Jahr das Mainzer Landesuntersuchungsamt. Dem Wein eine Vanillenote mit weinfremden oder künstlichen Aromastoffen zu verleihen, das gehörte 2015 zu den besonders dreisten Täuschungsversuchen, die von den Experten des LUA aufgedeckt worden sind.

Rheinland-Pfalz mit seinen sechs Weinregionen ist das mit Abstand größte deutsche Erzeugerland. Entsprechend hoch ist der Kontrollaufwand, die Winzer von Betrugsversuchen abzuschrecken. Nicht weniger als 23 Kontrolleure sind tagaus tagein in den Weinbergen und in den Weinkellern unterwegs. 5750 Kontrollen ergab das im vergangenen Jahr, und 4300 Proben wurden von den Analytikern im Weinlabor untersucht. Das Ergebnis nennt das Ministerium unter dem neuen Weinbauminister Volker Wissing (FDP) „durchwachsen“. Tatsächlich ergab sich eine bedenkliche Beanstandungsquote von mehr als zehn Prozent.

Nicht alle Verstöße müssen die Weintrinker allerdings beunruhigen. Einen beträchtlichen Teil machen Übertretungen der Bestimmungen des Bezeichnungsrechts aus. Das können schon zu kleine Schriftzüge auf den Etiketten sein, aber auch fehlende oder unrichtige Angaben bei Jahrgängen oder Rebsorten. Manche Weine haben zudem eine mikrobiologische Veränderung erfahren, schmecken nach Essig oder oxydativ und werden deshalb aus dem Verkehr gezogen.

Doch die Kontrolleure kamen auch mehr als 100 Verstößen auf die Spur, die der LUA-Präsident Stefan Bent und Minister Wissing wegen der Überschreitung von Grenzwerten oder unzulässiger Weinbehandlung als schwerwiegend einstufen und zu Fällen für die eigens gebildete Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach wurden. Es sind allerdings längst nicht immer nur Rheinland-Pfälzer Winzer, die ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Auch Zollbehörden und Weinhandel reichen teils ausländische Weine zur Prüfung ein.

Der unerlaubte Zusatz von Glycerin beispielsweise macht die Weine vollmundiger, kann aber im Labor zweifelsfrei nachgewiesen werden. Das war 2015 bei vier Krimsekten aus der Ukraine der Fall sowie bei zwei Weinen aus Moldawien, wo sich die Feinheit der Mainzer Untersuchungsmethoden offenbar noch nicht herumgesprochen hat. Eher ein Laster deutscher Winzer scheint hingegen die unerlaubte Zugabe von Zucker, um den Weintrinkern eine höhere Qualität vorzugaukeln. Doch wenn ein Weingut eine überproportional hohe Erntemenge meldet und dann auch noch einen besonders hohen Anteil hochwertiger Prädikatsweine geerntet haben will, dann werden die Kontrolleure misstrauisch. Ein schon einschlägig bekannter Winzer wollte 2015 fast ein Drittel Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen geerntet haben. Tatsächlich waren alle Prädikatsweine nachträglich mit Zucker versetzt worden.

Beliebt ist unter den „schwarzen Schafen“ der Winzerschaft auch die Manipulation mit der Amtlichen Prüfnummer (AP), die Qualität und Verkehrsfähigkeit des Weines bescheinigt. Tatsächlich wurden allein fünf Betriebe dabei erwischt, Qualitätsweine ohne AP-Nummer verkauft zu haben. Andere haben Weine auf dem Etikett mit fiktiven, erschwindelten oder für ganze andere Weine vorgesehenen Nummern verkauft. Solche ebenso wie gezuckerte Weine entdeckten die Prüfer auch beim Ausschank auf Weinfesten im Land, immerhin in einer Menge von mehr als 15.000 Litern.

Ein strenges Auge haben die Kontrolleure auch auf die Eisweinerzeugung. Der Streit um den Eisweinjahrgang 2011 mit vielen Erzeugern ist inzwischen ausgestanden, nachdem das Oberverwaltungsgericht Koblenz den Kontrolleuren Recht gegeben hatte. Diese hatten seinerzeit fast alle angemeldeten Eisweine bei der Qualitätsprüfung abgelehnt, weil es in der kurzen Frostperiode einfach nicht kalt genug gewesen sei. Für die Winzer ein herber Schlag.

Insgesamt haben die Prüfer 451 von 4300 Proben beanstandet, weil die Weine nicht den rechtlichen Vorgaben entsprachen. Die Folge war die Vernichtung von nicht weniger als 11.000 Hektolitern Wein. Keinen Überblick hat das Land, in welcher Höhe Ordnungswidrigkeiten und andere Strafen ausgesprochen wurden.

Hessen weiß in dieser Hinsicht etwas mehr: Laut Regierungspräsidium Darmstadt gab es im vergangenen Jahr 69 Beanstandungen. Sie mündeten in zwölf Bußgeldbescheide und in drei Strafanzeigen. Neun Fälle wurden an andere Bundesländer abgegeben, die übrigen nach einer Belehrung für erledigt erklärt oder wegen Geringfügigkeit eingestellt. In zwölf Fällen wurden Ausnahmegenehmigungen erteilt, Weine mit geringfügigen Mängeln in den Verkehr zu bringen. Bei den Bußgeldverfahren wurden Verstöße bei der Weinbuchführung und der missbräuchlichen Verwendung von AP-Nummern mit bis zu 2000 Euro geahndet. „Klassische Weinverfälschungen“ oder nicht zugelassene önologischer Verfahren habe es in Hessen nicht gegeben.

In Rheinland-Pfalz geht Wissing davon aus, dass in der Regel Manipulationen aufgedeckt werden. Jeder der betrüge, gehe ein „signifikantes Risiko“ ein, entdeckt zu werden, warnt der Weinbauminister, dem es darum geht, durch das Kontrollnetz die ehrlichen Winzer und die vertrauensvollen Kunden zu schützen und das Image des rheinland-pfälzischen Weins nach dem Aufschwung der vergangenen Jahre nicht zu gefährden. 

Gefahr für den Ökoweinbau

Mohr, Lorch: 2015 Blancs de blanc trocken

Keßler, Hallgarten: 2015 Riesling Kabinett trocken

... zwei Rheingauer Ökoweine, gerade erst mit Freude verkostet... aber beide Winzer sind nicht ohne Sorgen, auch wenn sie im mittleren Rheingau weitaus ausgeprägter sind als in den gut durchlüfteten Steillagen von Lorch. Deutschlandweit heißt es derzeit: viele Ökowinzer kämpfen um ihre Existenz, denn der falsche Mehltau lässt große Ernteausfälle befürchten, weil der Einsatz eines wirksamen Gegenmittels durch die EU blockiert ist. Wer aber die Reißlinie zieht, um seine Ernte zu retten, verliert den Ökostatus und seine Die Häufung heftiger Regenfälle in den zurückliegenden Wochen hat in Verbindung mit der Nässe im Boden und mit der Wärme und Feuchtigkeit in den Rebzeilen die Ausbreitung gefährlicher Pflanzenkrankheiten stark begünstigt. Echter (Oidium) und falscher Mehltau (Peronospora) sind die Hauptfeinde des modernen Weinbaus. Vor allem die Peronospora erweist sich als derzeit große Gefahr. Die Winzer sind dabei in der Zwickmühle. Viele Rebzeilen sind wegen der Nässe eigentlich kaum mit Traktoren befahrbar, doch der Pflanzenschutz duldet keinen Aufschub. Statt alle zwölf Tage im konventionellen und alle zehn Tage im ökologischen Weinbau müssen die Spritzintervalle auf einen Wochenrhythmus verkürzt werden, um einen ausreichenden Schutz zu erreichen. Die Gefahr ist derzeit besonders groß, weil die Reben in der gerade begonnenen Blütezeit besonders empfindlich sind.

Während die gegenwärtige Wetterlage und die Ausbreitung des Mehltaus den konventionellen Erzeugern vorrangig mehr Arbeit im Weinberg, mehr Konzentration auf die Gesundheit der Reben und deutlich höhere Kosten abverlangen, fürchten Ökowinzer um ihre Existenz. Diese Ängste sind die Folge des Zögerns der Europäischen Union, Kaliumphosphonat für den Pflanzenschutz im ökologischen Weinbau wieder zuzulassen. Bis 2013 war Kaliumphosphonat als Pflanzenstärkungsmittel viele Jahre zugelassen. Danach wurde die Ökoverordnung novelliert. Seither steht es den Ökowinzern nicht mehr zur Verfügung, obwohl Deutschland  bei der EU die Aufnahme des Mittels in eine Positivliste für den Ökoweinbau beantragt hatte. Doch die EU hat sich dazu bisher wegen der laufenden und komplexen Verhandlungen um eine neue Bioverordnung nicht durchringen können. Immerhin haben die Ökowinzer die Ausnahmegenehmigung erhalten, in diesem Jahr vier statt nur drei Kilogramm eines Kupferpräparats je Hektar Weinberg ausbringen zu dürfen. „Die werden wir auch brauchen“, sagt der Professor für Ökoweinbau an der Hochschule Geisenheim, Randolf Kauer. In seiner langjährigen Arbeit als Experte für Ökoweinbau und als Ökowinzer im Mittelrheintal hat eine solche Wetter- und Gefahrenlage wie in diesem Frühsommer noch nicht erlebt. Nach seiner Beobachtung haben viele Winzer im Rheingau und im Mittelrheintal die Lage zwar noch einigermaßen im Griff, in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz sehe es aber ganz anders aus.

Ein Beispiel ist Bad Kreuznach. Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) hat dem ökologisch wirtschaftenden Staatsweingut in Bad Kreuznach die Erlaubnis erteilt, Kaliumphosphonat als Teil eines „wissenschaftlichen Großversuchs“ auszubringen. Dies sei in der derzeitigen Lage das einzig wirksame Mittel, meint Wissing, der gemeinsam mit Umweltministerin Ulrike Höfken (Die Grünen) bei der EU-Kommission Druck machen will. Die als wissenschaftlicher Versuch deklarierte Erlaubnis für das Staatsweingut solle einen „Totalverlust der Ernte“ verhindern, auch wenn das bedeute, dass das Weingut seinen Öko-Status mindestens für ein Jahr verlieren wird, heißt es aus Mainz. Üblicherweise müsste das Weingut allerdings einen neuen, sogar drei Jahre dauernden Anlauf zur abermaligen Öko-Zertifizierung unternehmen. Dieser Weg ist daher für viele Öko-Betriebe keine Alternative in der aktuellen Pflanzenschutz-Krise, weil sie in dieser Zeit ihre Kunden nicht mehr mit zertifizierten Öko-Weinen bedienen können und daher massive Absatzverluste in Kauf nehmen müssten. Der Vorschlag aus Rheinland-Pfalz, den wissenschaftlichen Großversuch auf alle interessierten Ökowinzer auszudehnen, dürfte daher ein geteiltes Echo stoßen.

Dennoch hat er die Unterstützung des größten Ökoverbandes Ecovin. Dessen Geschäftsführer Ralph Dejas sagt: „Wir warnen seit drei Jahren eindringlich vor einer Situation wie in diesem Jahr.“ Er hält es für widersinnig, dass das von der Biobranche mitentwickelte Kaliumphosphonat derzeit von den konventionellen Winzern verwendet werden dürfe, von den „Bios“ aber nicht mehr. Wegen der großen Nachfrage ist das Mittel derzeit sogar fast ausverkauft. Dejas spricht von einer „dramatischen Situation“ im ökologischen Weinbau, die den Winzern nur die Wahl lasse, den Einsatz von Kupferpräparaten bis zum Anschlag auszureizen oder Kaliumphosphonat zu verwenden und die Bio-Zertifizierung zu verlieren. In Baden beklagten einzelne Güter schon „Totalausfälle“ in den Weinbergen. Dejas sieht Auswirkungen auf die gesamte Branche. Umstellungswillige konventioneller Betriebe beobachteten die Lage der Ökowinzer derzeit sehr genau und wollten nur dann ins Öko-Lager wechseln, wenn Kaliumphosphonat eingesetzt werden dürfe.  Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Weinbauverbände Rheinland-Pfalz, Ingo Steitz, hofft auf die schnelle Öffnung des Großversuchs für alle Ökowinzer im Land in den nächsten Tagen. Bei den vorherrschenden Bedingungen zähle jeder Tag und in vielen Anlagen gebe es schon erheblichen Befall. Würde den Betrieben diese Maßnahme nicht erlaubt werden, drohten weitreichende Ernteausfälle in allen Anbaugebieten

Auch der Rheingauer Weinbauverband hat sich der Forderung von Ecovin angeschlossen, Kaliumphosphonat sanktionsfrei einsetzen zu können, also ohne den Ökostatus zu verlieren. „Eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz bei Schrotkorngröße der Beeren könnte Schlimmeres verhindern und damit Existenzen retten“, meint auch der Eltviller Winzer Michael Albrecht von der Ecovin-Regionalgruppe Rheingau-Mittelrhein-Hessische Bergstraße und einer der Pioniere des Ökoweinbaus im Rheingau.

Die Hilferufe einzelner Weingüter füllen inzwischen das Internet. Der Betriebsleiter des Hattenheimer Weinguts Balthasar Ress, Dirk Würtz, nennt die Situation in seinem viel gelesenen Weinblog „gruselig“. Er könne sich an eine vergleichbare Situation nicht erinnern. „Es ist eine Katastrophe. Der Befallsdruck ist so hoch wie nie.“ Für eine politische Intervention bei der EU sei es höchste Zeit, „denn es geht um nichts anderes als um Existenzen.“ (aus meinem Bericht für die FAZ vom 22.6.16)

Der vinologische Elchtest: Schwedische Weine

Tja, der unterhalb von Schloss Johannisberg verlaufende 50. Breitengrad gilt schon lange nicht mehr als die nördliche Weinbaugrenze in Deutschland und Europa… der Klimawandel und der Weindurst machen es möglich. Weinbau auf Sylt (Balthasar Ress), schleswig-holsteinischer Landwein, Weinbau in Südengland, also warum nicht auch in Schweden, dem Land der Elche…. also her damit! Freunde haben mit dankenswert großem Aufwand und Einsatz vor Ort (!) ein Quintett gesammelt und herbeigeschafft, ein aberwitziger Aufwand im Übrigen… und zu kaum vertretbaren Kosten von fast 20 Euro je Flasche! Selbstbewusst sind die Schweden jedenfalls, Alter Schwede! Und hier die Probanden:

Sandhammarens Briljant Svenskt vin fran Österlen 2014 Solaris

Wester Vin 2012 Blend

Skepparps Vingard 2014 Grand Prix Solaris Barrique

Doman Sanana 1873 Croix Fleurie 2014 Solaris

Cehlin Vingard Torsebro Vita Vin av druvor 2014 Solaris

Sandhammarens… Uff… also ich weiß nicht, was Weinmaker Kaj Nilsson hier angestellt hat, aber das barocke, selbstgemalte (?) Etikett und die hellgrüne Flasche wirken schon von weitem so billig wie es der schon zerbröselnde Billig-Presskork tatsächlich ist. Der Füllstand war höchst bedenklich, förderte aber offenbar satte oxydative Noten. Ein Wein mit multiplen Fehlern, die so schlimm sind, dass der Korkschmecker schon nicht mehr ins Gewicht fällt… Tschüss macht´s gut ihr Schweden…. das müsst Ihr ganz alleine trinken!

Wester Vin… das ist ja mal ein professioneller Auftritt, schöne Burgunderflasche, fesches Etikett, moderner Schrauber, aber der Wein: zwar nicht so klar wie ein Gebirgsbach, aber genau so hell. Sieht aus, als hätte man Wasser oder geschmuggelten russischen Wodka im Glas…! Immerhin, intensives Bukett, welche Art von Cuvée das ist, erfährt der Weintrinker leider nicht, erinnert ein wenig ein einfachen Grauburgunder. Der Wein sollte nach dem Öffnen schnell getrunken werden, Kopf in Nacken… ! Steht er länger im Glas, verliert er jeden Ausdruck, fällt in sich zusammen und taugt zu nichts mehr…. Abgang ….Schwamm drüber!

Cehlin Vingard … fällt sofort durch Fehltöne muffiger Natur auf, wenn auch bei weitem nicht so übel wie der Sandhammarens. Das Mienenspiel der Mitverkoster zeigt dennoch bedenkliche Verrenkungen… Da hilft auch keine Sympathie wegen der mäßigen Leistungen der schwedischen Fußballer in Frankreich… Ausguss!

Doman Sanana… geht doch! Auch dieser Wein ein Solaris mit Schraubverschluss und adäquater Ausstattung. Ein wenig parfümiert am Gaumen, aber insgesamt ok. Kann sogar zu einer ganz formidablen geräucherten Lammkeule durchaus punkten! Wer Solaris aushalten kann, ist hier durchaus richtig… Restzucker übrigens laut Rückenetikett  0,0 ! Mit 13,5 Prozent der dickste Schwede der Probe, für die Insider: Ph-Wert 3,8. Davon gibt es wohl nur 2000 Flaschen, sollte also ganz, ganz schnell weggetrunken und vom Markt wieder verschwunden sein, die Weinwelt dankt herzlich!“

Skepparps Vingard… jetzt wird es spannend… und gut! Also fest steht schon einmal: schwedischer Solaris braucht das Barriquefass sowie ich die Luft zum Atmen… Das Weingut besitzt wohl nur 6000 Rebstöcke… aber was es hier daraus gemacht hat, ist sehr anerkennenswert… Das Holz gibt dem Wein Schmelz und sogar ein wenig Tiefe und Komplexität, soweit das eben bei Solaris möglich ist. Tatsächlich haben wie die 0,5l- Flasche (mit einem bemerkenswerten, langen und teuren Kork verschlossen!) sogar ausgetrunken! Ganz ohne Schmerzen, sogar mit ein bisserl Vergnügen! Weiter so, das kann was werden, wenn der Klimawandel Australien erst unbewohnbar gemacht hat…. Also Kompliment, dieser Wein hat unseren vinologischen Elch-Test bestanden! Top.

Scheurebe - der deutsche Sauvignon blanc

Die Scheurebe wird 100 Jahre alt, aber zum Geburtstag der erfolgreichsten Neuzüchtung des 20. Jahrhunderts sind ihre Aussichten nicht rosig: Die Anbaufläche geht stetig zurück. Vielleicht liegt der mangelnde Erfolg auch einfach nur am Namen. „S88“ klingt nun einmal nicht nach einer verheißungsvollen Rebsorte, die für unbeschwerten Weingenuss steht. Das während des Dritten Reiches verwandte Synonym „Dr. Wagner-Rebe“ war kaum besser als „S88“, weil mit dieser Bezeichnung der NSDAP-Politiker Richard Wagner geehrt wurde. Aus der Liste der Synonyme wurde der Name Wagner-Rebe nach Kriegsende zwar alsbald getilgt. Doch erst um das Jahr 1950 wurde aus dem „Sämling 88“ offiziell die „Scheurebe“. Da lag die Züchtung der Rebsorte durch ihren „Erfinder“ Georg Scheu schon mehr als 30 Jahre zurück.

Der 1879 in Krefeld geborene Scheu hatte sich in München und Schierstein zum Gartenbautechniker ausbilden lassen, ehe er an der Lehr- und Forschungsanstalt in Geisenheim sowie am Kaiser-Wilhelm-Institut in Bromberg seine Studien auf den Weinbau konzentrierte. 1909 begann er seine Arbeit als Berater für Wein- und Obstbau an der Landwirtschaftskammer in Alzey und baute die Rebschule in Rheinhessen auf. Als Leiter der Landesanstalt für Rebenzüchtung sucht er nach Rebsorten, die in Qualität und Ertrag überzeugen. In der damaligen Zeit wurden dazu bewährte Rebsorten gekreuzt. Auf Scheu und seine Mitarbeiter gehen unter anderem Siegerrebe und Faberrebe, Kanzler und Huxelrebe, Regner und Würzer zurück.

Am bekanntesten und erfolgreichsten allerdings wurde seine 1916 gezüchtete Rebsorte: Der Sämling 88 aus einer langen Versuchsreihe schien alle Erwartungen Scheus zu erfüllen, nur einen attraktiven Namen erhielt er nicht. Dass Scheu - ähnlich wie 30 Jahre zuvor Hermann Müller bei der Züchtung der Sorte Müller-Thurgau - zunächst davon ausgegangen war, andere Rebsorten als tatsächlich geschehen miteinander vermählt zu haben, sehen die Rebenzüchter heute mit großer Nachsicht. „Scheu hat mit einfachen Mitteln etwas sehr Ordentliches gemacht“, lobt der Leiter des Instituts für Rebzüchtung der Hochschule Geisenheim, Ernst Rühl, und spricht respektvoll von einer „tollen Sorte“. Rühl vermutet, dass Scheu seinerzeit eine neue Verschnittsorte für den Silvaner züchten wollte. Lange galt neben dem Riesling deshalb der Silvaner als Kreuzungspartner, aber mit Hilfe von DNA-Analysen identifizierten Experten 2012 die Bukettrebe als Vatersorte, die ihrerseits eine Züchtung aus Trollinger und Silvaner ist. Eine solche DNA-Analyse hatte vor Jahren auch ergeben, dass der schon 1882 gezüchtete Müller-Thurgau keine Tochter von Riesling und Silvaner ist, sondern von Riesling und der französischen Tafelweinsorte Madeleine Royale.

Zum 100. Geburtstag der Scheurebe sehen die Perspektiven der erfolgreichsten Neuzüchtung des 20. Jahrhunderts allerdings eher trübe aus. Die Scheurebe ist allerorten auf dem Rückzug. Die Winzer setzen auf klassische Sorten wie Riesling und auf Variationen des Burgunders oder sie pflanzen modische Erfolgssorten wie Sauvignon blanc. Für die Scheurebe scheint da kein Platz. Nicht nur in Deutschland. Selbst in Österreich ging der Flächenanteil zwischen 1999 und 2009 um 25 Prozent auf weniger als 400 Hektar zurück. In Rheinhessen sind es noch gut 700 Hektar, in der Pfalz weniger als 400. Tendenz rückläufig. In dem von Riesling dominierten Rheingau spielt die Scheurebe mit 3,3 Hektar ohnehin keine Rolle. Nur 17 der 650 Winzer haben sie nach einer Aufstellung des Weinbauamtes im Portfolio, und längst nicht alle bauen sie sortenrein aus. Frank Schönleber in Winkel beispielsweise nutzt die Scheurebe als lediglich als Verschnittpartner für seine Weißweincuvée „Generation S.“ Für ihn gehört die Scheurebe „gedanklich nach Franken“ und nicht in den Rheingau.

Sein Lorcher Kollege Jochen Neher hatte bisher eine Scheurebe im Angebot, fügt nach einem Strategiewechsel deren Ernte aber jetzt seiner Weißweincuvée „Blancs de blanc“ hinzu. Eine reinrassige trockene Scheurebe gibt es mit dem Jahrgang 2015 aber wieder beim Weingut Prinz von Hessen. Der einen halben Hektar große Weinberg war neun Jahre verpachtet, kam aber im vergangenen Jahr wieder zurück. Nun soll neben dem Weißburgunder die trockene Scheurebe die Nachfrage von Kunden nach „Nicht-Rieslingen“ decken. Gerade weil Sauvignon blanc stark nachgefragt wird, sieht Betriebsleiter Clemens Kiefer eine Chance für die Scheurebe mit ihrem vergleichbaren Aromaprofil. Prinz von Hessen hat auch eine emotionale Beziehung zu dieser Rebsorte, weil ein der beiden Söhne des Züchters, Heinz Scheu, in den sechziger Jahren Betriebsleiter bei Prinz von Hessen war. Nach Ansicht von Kiefer kann die Scheurebe sehr gut die Rolle eines deutschen Sauvignon blanc spielen.

Das sieht Rebenzüchter Rühl genauso, zumal Sauvigon blanc als sehr empfindliche Rebsorte für die deutschen Standorte nur bedingt geeignet sei. Rühl rät zwar nicht den Rheingauer Winzern zum Anbau der Scheurebe, sehr wohl aber ihren Rheinhessischen Kollege. „Das könnte eine Leitsorte für Rheinhessen sein“, ermutigt Rühl mehr Winzer, der Scheurebe eine Chance zu geben und nicht „allem hinterher zu rennen, was ausländisch klingt.“ Die Scheurebe habe gegenüber dem Sauvignon blanc einige Vorzüge, unter anderem ihren fruchtigeren Charakter.

Das erkennen mehr und mehr Rheinhessische Winzer an, bestätigt Bernd Kern vom Verband Rheinhessenwein. Trotz eines anhaltenden Rückgangs bei Anbau gebe es auch wieder Winzer, die bewusst Scheurebe neu pflanzten, weil diese Rebsorte mindestens so gut sei wie ein Sauvignon blanc. Der Klimawandel begünstige zudem die bessere Ausreifung der Rebsorte, die zunehmend trocken angeboten werde. Kern gibt aber zu, dass Fachhändler, Gastronomen und Sommeliers bei Verkostungen erst von deren Qualität überzeugt werden müssen. „Scheurebe muss probiert werden“, dann gebe es häufig einen Aha-Effekt, sagt Kern. Gerade angesichts des guten Weinjahrgangs 2015 und der vielen Veranstaltungen rund um das Jubiläum ist er zuversichtlich, dass die Scheurebe wieder mehr Aufmerksamkeit finden wird.

Im Weingut Prinz von Hessen wird die Scheurebe als „Rebsortenklassiker neu interpretiert“ beworben mit ausdrucksstarken Fruchtaromen von Aprikose, Kiwi und Holunderblüten sowie Nuancen der Stachelbeere. Ein anregender Aperitif und idealer Begleiter zur leichten Frühlingsküche, zu Pasta, Meeresfrüchten und Krustentieren.“ Das Deutsche Weininstitut empfiehlt die Scheurebe mit ihrem an Cassis, Pfirsich und reifen Birnen erinnernden Aroma als „ideale Begleiter einer aromatisch-würzigen Küche.“

(aus meinem Bericht für die FAZ vom 31. Mai 2016)

 

Neuer Jahrgang, Ball und Winzer-Euro

Verheißungsvoller Jahrgang 2015

…mehr und mehr 2015 erreichen meinen Gaumen und ich gebe zu, ich bin in den meisten Fällen sehr angetan vom neuen Jahrgang, der trotz großer Wärme und langer Trockenheit sehr gute Weine mit kühlem Zug und fruchtbetonter Finesse hervorgebracht hat… das lässt hoffen auf den Herbst, wenn auch die Spitzengewächse auf den Markt kommen. Einen sehr schönen Überblick hatte ich jetzt bei einer kleinen, privaten Blindverkostung mit diesen Weinen:

Hessische Staatsweingüter: 2015 Steinberger und 2015 Neroberger… der Neroberger ist für mich ein „Hidden Champion“ im Portfolio der Staatsweingüter und zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr oft der fruchtige Star… das zeigte sich auch hier: Blind gab ich dem Wein ob seiner intensiven Frucht, seinem mineralischen Zug und seiner vielschichtigen Art sogar 90 Punkte (und habe ihn in den unteren Rheingau verortet… so kann man sich irren), der Steinberg hingegen war klar und ordentlich, aber ohne besonderen Charme zu entfalten

Graf von Kanitz: 2015 Lorcher Pfaffenwies „Schiefer“, ein feinfruchtiger Wein, klar wie ein Gebirgsquell, der noch ein wenig verschlossen wirkt, aber gute Ansätze zeigt. Die Mittelrheincharakteristik ist leider nur in Ansätzen zu erkennen, insgesamt gut, aber nicht überragend…

Georg Breuer: 2015 Rüdesheim Estate, gute Frucht und Mineralität aus dem unter Rheingau, kühler Zug, packende Säure, hohe Präsenz am Gaumen, dezente Schieferaromen mit fein verwobener Frucht, lecker, aber wir warten dennoch auf den Montosa!

Robert Weil: 2015 Turmberg Riesling trocken … eine andere Kategorie in Preis und Körper! Sehr stoffig, wirkt wie eine souveräne Riesling-Majestät mit Power, ohne deshalb breit oder gar plump zu wirken, eher tiefgründig und komplex…

Spreitzer: Hallgartener Hendelberg 2015 Riesling trocken VDP.1.Lage…cremig, dicht, komplex, ein Wein fast im Range eines GG, sehr druckvoll, präsent, gute Harmonie, schmeckbarer Holzeinsatz, aber dennoch harmonisch

Eva Fricke: 2015 Lorcher Krone Riesling … Eva Fricke langt beim Preis ordentlich zu, aber ihre Weine sind auch zupackende Gewächse. Die Krone ist ein fordernder Riesling mit einer sehr kühlen, salzige Art, hoher Stoffigkeit, Länge, Komplexität und Dichte…. Ein Charakterwein, der unbedingt Luft braucht, um seine Eleganz und seine Finesse demonstrieren zu können. Hohe Lagerfähigkeit, ein Langläufer monströsen Ausmaßes, der unbedingt in den Keller gehört !

Winzer Euro 2016:  Die dritte Halbzeit war die wichtigste

Die beiden Tore des Martinsthaler Jungwinzers Christian Gebhardt genügten ebenso wenig wie eine Elfmeterparade von Torhüter Jürgen Fladung. Die Weinelf Deutschland verlor das Finale der im Rheingau und in Rheinhessen ausgetragenen „Winzer Euro 2016“ gegen das slowenische Team mit 2:3 und damit auch den Titel des amtierenden Europameisters. Deutschland hatte das Finale am Vortag nach einem 4:2-Erfolg über die ungarischen Winzer erreicht, Slowenien hatte Italien knapp mit 2:1 geschlagen. Den dritten Platz sicherte Ungarn mit einem 3:1 über Italien. Das deutsche Team wirkte nach dem so kurz vor Schluss nicht mehr erwarteten Siegtreffer der Slowenen und dem unmittelbar folgenden Abpfiff zunächst konsterniert, begab sich dann aber in die „dritte Halbzeit“, um sich mit Riesling über den Verlust des Titels hinwegzutrösten.

Aber, Hurra! Der Ball ist nicht mehr ihr größer Feind. Zwar scheiterte die Mission „Titelverteidigung“, die Leistung war ok. Dass die Qualität der Weine der mitspielenden Winzer ihr fußballerisches Können in aller Regel deutlich übersteigt… geschenkt! Beim Weinmachen Bundesliga, im grünen Weinelf-Trikot Kreisklasse A… so würde ich mal sagen. Seit mehr als zehn Jahren gibt es nun die selbsternannte deutsche Weinelf, die am Fronleichnamstag  als amtierender „Europameister“ die „Winzer Euro 2016“ eröffnete. Zum Auftakt gegen Österreich steckte der deutschen Weinelf allerdings noch sichtlich zu viel Riesling in den Knochen.

Es geht inzwischen um mehr als nur Hobbyfußball, sondern um Marketing für den deutsche Wein: Die Seriosität des Weinmachens hat auf den Winzerfußball übergegriffen. Die Zeiten, als ich in der FAZ unter einem Bild von deutlich übergewichtigen ungelenk aufspielenden Winzern wie Flankengott Joachim Heger und Libero Armin Diehl schreiben musste: „Die Wein-Elf und ihr größter Feind, der Ball“, sind Gott sei Dank vorbei. Heute gönnt sich kein Spieler mehr unmittelbar vor dem Anpfiff noch eine Bratwurst, wie es beispielsweise der heutige Teammanager und Künstler Michael Apitz vor einem wahrhaft denkwürdigen Debakel im April 2006 noch tat.

Damals, zwei Monate vor dem Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft, blamierte sich der Kader der 30 Winzer, Weinfunktionäre, Weinwissenschaftler und Weinjournalisten im Geisenheimer Rheingau-Stadion mit einer am Ende noch schmeichelhaften 1:11 Niederlage gegen eine Auswahl des Frankfurter WM-Organisationskomitees. Es war der Beginn einer Rückbesinnung auf die Werte des Fußballs und das Wissen aller Winzer (hoffentlich!), dass nicht nur die Qualität im Glas, sondern auch die auf dem Fußballplatz entscheidend ist.

Von dem schon damals nicht ganz ernst gemeinten Motto "Elf Flaschen müsst ihr sein" ist heute keine Rede mehr. Stattdessen heißt es: „Die Wahrheit liegt im Wein und auf dem Platz“. Der Kader ist größer geworden, und die Trainer sind wählerischer. Guter Wein aus dem heimischen Weingut sichert keinen Stammplatz mehr. Zwischen 19 und 45 Jahre alt sind die Spieler heute. Der Oestricher Spitzenwinzer Andreas Spreitzer ist der älteste. Alle waren oder sind aktive Fußballer, auch wenn die Erfahrungen von der Oberliga bis zur Kreisklasse B reichen. Trainingslager und Sichtungslehrgänge gehören inzwischen zum festen Auswahlprozess der Mannschaft, deren Kapitän der rheinhessische Top-Winzer Philipp Wittmann ist.

Geblieben ist der wichtigste Teil jedes Matches, die dritte Halbzeit mit einer Weinprobe, die länger als das vorangegangene Spiel dauert und bei der Trinkfestigkeit gefragt ist. Nur gut, dass Riesling nicht auf der Dopingliste steht!

Mein Wein während des Finalspiels auf der Tribüne: 2014 Spreitzer Riesling Charta… cremige Eleganz, gute Frucht, Finesse, Spiel, überzeugend !

Der Ball des Weines 2016

… war im Wiesbadener Kurhaus wieder einmal ein großes Vergnügen, Show (Whitney Houston!), Menü (Dreierlei Tatar, Kalbsfilet, Himbeertarte) und Weine (s.u.) perfekt, dazu ein gelöst-lockerer Ministerpräsident Bouffier, eine charmante deutsche Weinkönigin, das hat alles gepasst. Dass das Gedränge in der Flanierzone gewaltig ist, wenn das Programm im großen Saal zu Ende ist, lässt sich kaum ändern. Vera Jung als Cheforganisatorin hat jedenfalls wieder seinen super Job gemacht, und dass ich nicht die Zeit für eine „Villiger“ in der Cigar Lounge hatte, ist ja meine eigene Schuld. Besonders erwähnt werden müssen allerdings die Menü-Weine:

2012 Josephshöfer Riesling Kabinett feinherb vom Mosel-Weingut Reichsgraf von Kesselstadt… enormer Trinkfluss, saftige Finesse im Glas, lecker

2012 Hans Lang Wisselbrunnen GG …kraftvoller Rheingauer Riesling, mit Druck und Präzision

2012 Prinz Salm Johannisberg Riesling GG … so müssen gute Nahe-Weine schmecken, guter Zug, perfekt zum Tatar

2013 Rothlauf Silvaner GG – mein Wein des Abends ausdem Weingut Rudolf May !!! Perfekt! Ein Hoch auf den Silvaner! Ein Besuch bei May scheint mir demnächst mal Pflicht!

2013 Schlossberg Spätburgunder GG der Hessischen Staatsweingüter … schon sehr zugänglich, harmonisch, fruchtig, guter Körper, gute Länge.

1994 Würzburger Stein-Harfe Riesling BA aus dem Bürgerspital Würzburg, ein flüssiges Dessert, hochlecker, gute Reife, wirkt deutlich jünger, große Zukunft !

Rußler, Rauenthal

Imponierend, was Familie Rußler mit ihrer Schänke in Rauenthal auf die Beine gestellt hat. Der große Publikumserfolg ist Beleg genug für die hohe Qualität, die dort geboten wird. Die Leistung der Küche ist großartig. Beim Wein ist Rußler auf dem richtigen Weg, auch wenn noch Luft nach oben ist. Und die Nennung von Großlagen wie Steinmächer auf dem Etikett ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Für meinen Geschmack sind zwar zu viele Weine zu „feinherb“ ausgebaut, aber das scheint der vorherrschende Kundengeschmack in Rauenthal zu sein und ist daher kein Anlass zur Kritik. Gut gefallen haben mir bei einer Probe der feinherbe Auxerrois und der ebenfalls feinherbe Pinot Noir Rosé. Auch der Blanc de Noir überzeugt, während Rosenmuskateller sicherlich niemals „meine“ Rebsorte wird.

Träume aus Pinot Noir in Walluf

Weingut J.B. Becker, Walluf

Kaum ein Weingut im Rheingau kann aus dem Keller so aus dem Vollen schöpfen und gereifte Weine zeigen (und verkaufen!) wie Hajo Becker (Preisliste anfordern!!!). Einem ausgewählten Publikum hat er jetzt „Klassiker“ in einer phänomenalen Auswahl vorgestellt… und mir wurde geradezu schwindling vor Freude! Wallufer Walkenberg Spätburgunder als QbA aus den Jahrgängen 2005, 2004, 2000, 1999 und 1989, dazu trockene Pinot-Noir-Spätlesen der Jahrgänge 2002, 1997, 1994, 1993 und dazu noch ein Monument wie die 2003 Walkenberg Auslese trocken. So etwas kann nur Becker selbst noch übertreffen, bsp. mit einer 1976er Walkenberg Weißherbst Auslese… grandios. Umwerfend. Besonders hervorzuheben aus dieser Reihe erstklassiger Pinots sind allenfalls die superbe 1994er Walkenberg Spätlese, der ungemein „burgundische“ 1996 und der höchst ungewöhnliche, spannende, komplexe 2000er… vielleicht der Beste aus diesem Jahrgang, den ich in den vergangenen Jahren getrunken habe…. Walluf at it´s best!

Ende der Schlemmerwoche

…und schon ist sie wieder vorbei, die 30. Rheingauer Schlemmerwoche, und wir haben wieder nicht alle Weingüter geschafft, die wir schaffen wollten….

Hessische Staatsweingüter, Eltville

2013 Chardonnay trocken, verdammt viel Holz, aber am Schwarzen Häuschen in der Sonne schmeckte das dennoch ziemlich gut… muss am heiteren Lebensgefühl dort liegen…

Spreitzer, Oestrich

2015 Hallgartener Hendelberg Alte Reben trocken, was für ein affenguter Weil, kühler Zug, feine Mineralität, Dichte, Druck, grandios!

Meine Freiheit, Oestrich

2015 Riesling „Papa“ trocken…und der Rest der aktuellen Kollektion, nun ja, endlich habe ich das 2010 gegründete Weingut mal besuchen können, die Weine aber hinterlassen mich ein wenig ratlos. Sauber, klar, ordentlich, schon ok, aber auch ohne roten Faden, ohne Überraschungsmoment, ohne Aha-Effekt, irgendwie auch ein wenig bieder… das gilt noch mehr für die Roten als für die Weißen….

Johannishof, Hallgarten

2015 Riesling Mineral trocken – der macht Lust auf den Jahrgang 2015 „wie ebbes“…. wie ein kühler Gebirgsbach, herrlich !

Robert König, Assmannshausen

2013 Rotsekt brut – eine Besonderheit im Rheingau… und kaum andernorts so lecker und gelungen wie hier…

und hier noch ein Nachtrag zum Verkostungstagebuch….

Weingut Schneider, Ellerstadt

2011 Kaitui Sauvignon blanc (Doppelmagnum!) – cremig, vielleicht jetzt auf dem Höhepunkt, ein Genuss!

Halbzeit zur Schlemmerwoche

…und schon ist Halbzeit… und wir haben erst ein Dutzend Weingüter besucht. Gleichwohl sind uns in den ersten Schänken schon eine Menge bemerkenswerter Weine vorgesetzt worden und zur Verkostung angeboten worden… und diese heben wir hervor!

Graf von Kanitz, Lorch

Wahnsinn, was dieses VDP-Weingut für eine Jahrgangskollektion auf die Beine gestellt hat, First class vom QbA bis zu den Alten Reben, und unser absoluter Liebling: 2015 Lorcher Pfaffenwies Schiefer trocken. Hammerwein!

Mohr Erben, Lorch

2015 Rheingau Riesling Alte Reben trocken – ein Wein mit Finesse von feinster mineralischer Natur, hoher Trinkspass, läuft!

Laquai, Lorch

guter Jahrgang, aber erstaunlicherweise stechen die Nicht-Riesling diesmal hervor: 2015 Silvaner, Weißburgunder und vor allem der tiefgründige, komplexe Auxerrois, den muss man probiert haben… ich habe gekauft !

Weiler, Lorch

2015 Lorcher Schlossberg Kabinett Schiefer von meinen absoluten Sympathie-Weingut in Lorch, ein immer noch unentdeckter Schatz! – feiner Zitrus paart sich mit mineralischen Schiefernoten, so was gut, kaum zu glauben, kaufen!

Jakob Jung, Erbach

Was schon an 2015er gefüllt wurde ist tadellos, aber auch die 2014 zeigen noch keine Schwäche… egal ob der mineralische 2014 Steinmorgen Erste Lage oder die komplexen 2014 Hohenrain Alte Reben oder das fulminante, elegante 2014 Siegelsberg Große Gewächs….

Winzer von Erbach

2012 Spätburgunder Barrique… wir beobachten die Entwicklung dieses Premium-Weins mit großer Freude, gibt er doch der WZG ein Stück von ihrem alten Renommée zurück...

Koegler, Eltville

2015 „Rot aus Weiß“ Spätburgunder und 2008 Eltviller Sonnenberg Spätburgunder Erstes Gewächs… wow, und beides passt gut zur russischen Küche der Schänke während (hoffentlich nicht nur) der Schlemmerwoche… ein ganz neues Geschmackserlebnis im alten Hof Bechtermünz….

Ress, Hattenheim

2015 Rüdesheimer Riesling trocken und 2015 Hallgartener Riesling feinherb… so müssen Ortsweine schmecken, dazu die Spitzenküche von Gabi Würtz, hier könnten wir sitzen bleiben….

Barth, Hattenheim

2015 Rosé trocken und 2015 QbA – das lässt schon erahnen, wie gut die 2015er wieder bei Barth geworden sind… dazu eine Wildbratwurst vom Grill, fertig ist der schöne Schlemmerwochennachmittag…

Aus dem Verkostungstagebuch

Schloss Eltz, Eltville

1969 Eltviller Sonnenberg feine Spätlese aus dem leider nicht mehr existenten Weingut des Grafen Eltz… phänomenal gut gereift, keine Ermüdungserscheinungen, einfach klasse !

Schloss Saarstein, Saar

2002 Serriger Schloss Saarstein Riesling Spätlese – guter Trinkfluss, feine Frucht, lebendige Säure, nicht zu dick, gut

Jakob Fischer Erben, Eltville

1976 Kiedricher Sandgrub Riesling Auslese – ein Monument des Eltviller Weinbaus… so etwas wird derzeit hier nicht mehr erzeugt, leider. Unkaputtbar, sagt mein Freund Dirk Würtz, und er hat recht.

Domaine Leon Boesch, Elsass

2013 Zinnkoepfle Gewürztraminer Alsace Grand Cru

Ein trockener Gewürztraminer, gut, aber auch barock und dick, lecker zu Käse, aber als Solist viel zu anstrengend, mehr als ein Glas geht nicht…

Ress, Hattenheim

1992 Nussbrunnen Riesling Auslese – klasse und klassisch!

Jos. Christoffel jr.

1993 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese – lecker Tröpfchen von der Mosel, sehr guter Trinkfluss, animierend, belebend, feine Süße

Balthasar Ress, Hattenheim

2013 Pinot Noir Caviar – noch viel zu jung, aber schon sehr stark, obwohl leicht verschlossen…. gute Ansätze, druckvoll…

Philipponnat Champagne

Royale Réserve Rosé brut Champagner – läuft!

Domaine Faiveley

2013 Gevrey-Chambertin 1er Cru – tja, irgendwie enttäuschend

Robert Mondavi

1996 Stags Leap Cabernet Sauvignon unfiltered – sehr rau, sehr mächtig, viel grüne Paprika, dick, kein Schmeichler, Trinkfluss gering

Weingut Robert Weil

2014 Gräfenberg GG, 2009 Turmberg Spätlese, 2006 Gräfenberg Auslese – mit diesen 3 Weinen auf eine einsame Insel… passt !

Sohns, Geisenheim

2015 Geisenheimer Riesling trocken – knackiger Ortswein mit Finesse und Temperament, sehr schöne Vorschau auf den neuen Jahrgang!

Prinz von Hessen, Johannisberg

Weißburgunder Favorit trocken, Riesling Dachsfilet trocken, Hasensprung Riesling GG, das sind die 3 Premiumweine des Weinguts Prinz von Hessen… richtig überzeugen können sie mich allerdings nicht, allenfalls das Dachsfilet gefällt ein bisserl mit Struktur und Balance…ich hätte aber mehr erwartet….

Trenz, Johannisberg

Jahrgangsverkostung 2015… sehr überzeugende Kollektion, das hat Michael Trenz sehr gut gemacht, von der Basis (Basic) bis zum Ersten Gewächs, mein Favorit war der Steinhaus Riesling trocken neben den Alten Reben. Kompliment nach Johannisberg !

Keßler, Martinsthal

noch eine Jahrgangsverkostung…. die Tendenz geht bei Stefan Keßler weiter nach oben, wenn auch langsam. Vor allem die trockenen Rieslinge aus der Wildsau gefallen im Jahrgang 2015. Die Spätlese aus dem Sonnenberg ist noch recht verschlossen, zeigt aber gute Ansätze und wir wohl deutlich stärker als in den Vorjahren. Bei den halbtrockenen ist der Classic diesmal ein Volltreffer mit hohem, animierendem Trinkfluss.

 

Aus dem Verkostungstagebuch

In der Winebank Hattenheim

...mit Harry H. Hochheimer, um dessen Keller langsam im Kreis fachkundiger Weinnasen zu leeren, das ist ein tolles Privileg! Diesmal gab es 15 feine Tropfen (viele in der Magnum!), aus denen ich nur eine Handvoll herausgreifen will:

Weingüter Wegeler 2000 Geheimrat J. Riesling Spätlese: vielleicht der beste trockene Riesling aus diesem schwierigen Jahr, der mit in den letzten Jahren untergekommen ist... phänomenal klar, frisch, grandios! Krone Assmannshausen: 2006 Assmannshäuser Höllenberg: ein super Pinot mit viel Cassis, klasse Struktur und Balance, vielleicht ein klein wenig hart, aber ein Charakterwein! August Kesseler 2007 Cuvée Max: straff, würzig, feine Reife, kühler Zug, elegant, top! Chateau Labegorce, Margaux: kenn ich nicht, aber liebe ich! Klasse Stoff, würzig, voll, läuft, hoher Trinkfluss! Chateau La Couronne 2006 Saint Emilion, sehr gut saftig, leicht staubig in der Nase, aber gut, reif. Und dann noch der Gigant in der 5-Liter-Flasche: Mouton Rothschild, Pauillac: Mag 1990 unter den Super-Expetten auch nicht den besten Ruf haben, dieser Weine wurde mit jeder Minute in der großen Glaskaraffe geschmeidiger, komplexer, finessenreicher und eleganter, großer Wein, 93 Punkte!

Den Nagel auf den Kopf getroffen

….hat das Geisenheimer Weingut Schumann-Nägler mit seinem neuen Markenauftritt. Sehr gelungen, recht modern, pfiffig. Nach der schönen Idee von vor zwei Jahren, zum 575. Bestehen (gegründet 1438!) zwei besondere Tropfen zu kreieren, ist das der nächste, wohl überlegte Schritt in die Zukunft. Schade, dass dabei nicht auch gleich noch das Sortiment entrümpelt wurde, das – je nach Zählweise – eine achtstufige trockene Qualitätspyramide umfasst, vom neuen Oskar über den Literwein bis zum „577“ und dem 1. Gewächs. Das ginge auch einfacher, klarer und übersichtlicher. So stehen Sonderweine wie „Oskar“, „Reserve“ und „577“ horizontal neben Lagenweinen wie Mäuerchen, Schützenhaus, Wisselbrunnen und Rothenberg, dazu noch ein Liter-Riesling. Dem Prinzip „je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“ folgt das nicht. Nun gut, am Ende zählt natürlich (auch und vor allem) die Qualität im Glas. Die ist auch dank des außerordentlichen Jahrgangs 2015 überzeugend. Der Oscar (ersetzt aus markenrechtlichen Gründen den bisher beliebten „Lenz“) ist der fruchtig-frische easy-drinking-Riesling für jeden Tag (und die Weinfeste). Der QbA trägt den Namen der Einzellage Mäuerchen, ist aber (nur) ein frucht-aromatischer Einstiegswein mit guten Trinkfluss. Zu unseren Favoriten gehört der Reserve, der eigentlich ein Geisenheimer Ortswein ist. Feine Mineralität, guter Zug, Nachhall, lecker Trinkspaß, auch ind er feinherben Variante! Dagegen wirkt der trockene Kabinett (!) aus dem Schützenhaus noch recht unharmonisch und unpräzise, was an der nur wenige Tage zurückliegenden Füllung liegen dürfte. Wisselbrunnen (Spätlese) sehr typisch für die Hattenheimer Brunnenlage, verspielt, filigran, gute Mineralität, am Ende ein kleines Bitterschwänzchen, das wohl noch verfliegen dürfte. Wir warten gespannt auf das 1. Gewächs aus dem Rothenberg, das zu 2013 zu den komplexesten des Rheingaus zählte…

Piraten gegen Neuseeland

Sauvignon blanc und Pinot Noir, das sind die wahren Stärken von Neuseeland und seinen unglaublich vielfältigen, teils weit auseinander liegenden Weinregionen. Bei einer Blindverkostung ausgewählter Weine von Down under waren allerdings auch europäische „Piraten“ dabei, und die schnitten mal (wider Erwarten) sehr gut und mal (ebenfalls wider Erwarten) sehr schlecht ab… ein großer und obendrein lehrreicher Spaß war es auf jeden Fall…

Sauvignon blanc

Mount Difficulty Roaring Meg SB 2013, Central Otago, NZ

Cloudy Bay SB 2013, Marlborough, NZ

Schneider Kaitui Fumé SB 2013, Pfalz, D

St. Clair Wairau Reserve SB 2013, Marlborough, NZ

Kaum zu glauben, aber die 15 beteiligten, durchweg erfahrenen Wein-Nasen haben ohne Ansehen des Etiketts mit einer zwei Drittel-Mehrheit den Wein von Schneider „blind“ auf Platz eins gesetzt... Persönlich fand ich allerdings den Mount Difficulty deutlich komplexer, filigraner und spannender, und beim Essen (Kabeljau mit Pfefferkruste) erwies sich unerwartet dann doch St. Clair als perfekter Begleiter, und Schneider zeigte mit Luft und Wärme zunehmend Breite und auch einige Schwächen…

Pinot Noir 1. Runde

Robert Weil Spätburgunder trocken 2009, Rheingau, D

Craggy Range Te Muna Road Pinot Noir 2009, Martinborogh, NZ

Ata Rangi Pinot Noir 2009, Martinborogh, NZ

Schubert Block B Pinot Noir 2011, Martinborogh, NZ

Das Weingut Weil ist mit der Eröffnung der neuen Kellerei zum 100%-Rieslingweingut geworden, aber dass Wilhelm Weil in jedem Fall was von gutem Pinot versteht, ließ sein 2009er erkennen, der völlig unerwartet hinter dem allerdings klaren Sieger Schubert immerhin Rang zwei erreichte. Kompliment für einen „Hobby“-Pinot aus dem vorderen, nicht eben für Spätburgunder prädestinierten Rheingau! Insgesamt alle vier Weine mit perfekter Pinot-Farbe, typischer Frucht und teils rassiger Säure…

Pinot Noir 2

Ata Rangi Pinot Noir 2013, Martinborogh, NZ

Kusuda Pinot Noir 2013, Martinborogh, NZ

Felton Road Block 5 Pinot Noir 2013, Bannockburn, Central Otago,

Meo Camuzet Nuits St. Georges 2013

Ein Hammer-Flight. So gut kann Pinot Noir sein, und der absolute “Blockbuster” war für mich Felton Rock! Da muss ich, wenn ich es mal nach Neuseeland schaffe! Ein Pinot wie aus dem Bilderbuch, allerdings auch für immerhin rund 80 Euro. Die herbe Enttäuschung: Der „echte“ Burgunder von Meo Camuzet, in der Literatur und vielen Weinführern meist hochgelobt, bekam der säuerlichste in der Reihe, ein im direkten Vergleich nur mäßig spannender Wein sage und schreibe 0 Punkte von den Verkostern ! Letzter Platz. Oha!

Bordeaux Blend

Craggy Range Sophia 2009

Craggy Range Sophia 2011

Château Palmer 2004, Margaux

Craggy Range Soophia 2013

Ein “triggy” zusammengestellter Flight…. diesmal immerhin obsiegte „der Pirat“: der heutzutage rund 200 Euro teure Palmer, allerdings nur mit hauchdünnem Vorsprung vor den knapp 40 Euro-Weinen Sophia 2013 und Sophia 2009. Wer nur etwas weniger aufs Etikett und ein wenig mehr auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet, für den ist die Kaufempfehlung nach dieser Verkostung also eine ganz klare Angelegenheit… Kompliment an dieses Weingut… muss ich auch hin!

Schänken-Update und Verkostungen

Domaine Dominique Auroy

2014 Vin de Tahiti Blanc de Corail

Ohne Zweifel ein Tropfen aus einer der unbekanntesten Weinregionen der Welt: Französisch-Polynesien! Tahiti selbst gilt aber als völlig ungeeignet für Weinbau, daher stehen die Reben vielmehr 350 Kilometer nordöstlich auf dem Rangiroa Atoll, das gehört zum Tuamotu-Archipel. Erzeugt aus den Trauben „Muscat Hamburg“ und „Italia“, einer Kreuzung von Muscat mit Bicane, die war mir bis jetzt ebenfalls völlig unbekannt. Allesamt sehr hitzeverträgliche Reben und offenbar kompatibel mit dem Südsee-Klima. Der Wein von Weinmacher Dominique Aurory ist strohgelb in der Farbe, in der Nase etwas Zitrone, Limone und grüne Mango. Am Gaumen gefühlt absolut säurefrei, wenn auch frisch und mit einer ungewohnten Mineralität, irgendwo auch ein Hauch von Feuerstein und Meeresfrüchten. Verhaltener, recht kurzer Abgang. Die fehlende Säure verhindert jeden Eindruck von Komplexität und Finesse. Also: Darauf hat die Weinwelt nicht gewartet. Aber wer dennoch mehr wissen will, hier der Link: http://www.vindetahiti.com/

Weingut Robert Weil, Kiedrich

2015 – die große Jahrgangsprobe

Wenn die Vorfreude auf den neuen Jahrgang schon vorher groß war, dann ist sie nach dieser Probe noch einmal größer. An der Kollektion des Rheingauer Flaggschiffs lässt sich ablesen, dass der Jahrgang wohl ein phänomenaler ist. Schon der Literwein ist eine gehaltvolle Fruchtbombe mit Reintönigkeit, Klarheit und Finessenreichtum. Der QbA in der 0,75er Flasche erweist sich als DIE überzeugende Visitenkarte des Weinguts. Restlos glücklich gemacht hat uns der „Kiedricher“ mit seiner geschliffenen Art, seiner Feinheit und seinen mineralischen Noten, Trinkanimation auf hohem Niveau. Die drei Berglagen sind auf gewohnt hohem Niveau, Gräfenberg noch sehr verschlossen und in seine Komplexität kaum zu erfassen, dafür wird der Klosterberg immer besser und erreicht langsam Augenhöhe mit dem abermals phänomenal guten Turmberg, der in jedem Jahr zu meinen trockenen Lieblingsweinen zählt! Wer allerdings nach saftigem Trinkspass sucht, der greife unbedingt zum fruchtsüßen „Tradition“, ein Wein für den späten Vormittag, gut gekühlt auch ein ständiger Begleiter für den ganzen Sommer, Trinkfreude und -fluss pur. Deutlich süßer und saftiger der betörende Riesling Kabinett, der alles hat, was ein deutscher Riesling haben sollte. Allerdings ist der Wein so gut, dass die restsüße Spätlese (ohne Lagenbezeichnung) eigentlich kaum noch eine Berechtigung im Sortiment hat, während Turmberg und Gräfenberg Spätlese einmal mehr Weine für die (halbe) Ewigkeit sind.

Ein Schänken-Update 2016

Die Saison der Gutsschänken und Straußwirtwirtschaften, die eigentlich niemals endet, hat Mitte März wieder Fahrt aufgenommen, und es gibt einige Neuerungen…

Die Rolle als Flammkuchen-Schänke für das Weingut Zum jungen Oetinger in Erbach war nur ein Zwischenspiel. Mit dem März 2016 zog Familie Contino in Erbach ein und verwandelte die einst biedere Schnitzel- und Hacksteak-Ranch in den Nobel-Italiener „Ristorante von Oetinger“, der Gino´s „Piccolo Mondo“ in Eltville offenkundig den Kampf ansagt. Zu einem breiten Spektrum der Weine aus dem Hause Oetinger (Empfehlungen: Riesling Mineral, Alte Reben und 2010 Siegelsberg Erstes Gewächs! Den Rotwein eher links liegen lassen…) gibt es jetzt feine Speisen wie ein Carpaccio vom Schwertisch, Saltimbocca und Tunfisch-Filet. Wir sind höchst gespannt, ob das Konzept dauerhaft trägt, die Öffnungszeiten können so auf Dauer sicher nicht bleiben. Und schon kommen die ersten Kritiker, die sagen: Das ist ja keine Gutsschänke mehr… Ganz falsch! Solange in Räumen eines Winzers vornehmlich dessen Weine ausgeschenkt werden, dann ist das auch eine Schänke, ganz gleich, was auf den Tisch kommt (je schmackhafter, je besser!) Oder?

Ganz gespannt sind wir schon jetzt auf das Brentanohaus, das Familie Allendorf am 23. April in Winkel als neue Gutsschänke eröffnet. Sehr erfreulich ist, was sich im Weingut Kaspar Herke in Oestrich getan hat, sowohl von den Räumlichkeiten als auch von den Speisen und beim Wein. Ein echter Kandidat für den nächsten Weinschmecker! In Geisenheim baut Familie Sohns emsig am neuen Weingut nebst Schänke… die wird aber erst 2017 eröffnet. Nur einen Steinwurf entfernt liegen das Weingut Schumann-Nägler, das sich eine neuen Ausstattung verpasst und einen schönen Jahrgang 2015 vorgestellt hat… Beim „Wibbes“ in Kiedrich (Weingut Steinmacher und Sohn) ist der ambitionierte Koch schon wieder weg…. sehr schade… das war eine Bereicherung und eine Kombination mit Zukunft, zumal die Weine in den vergangenen, 2-3 Jahren besser geworden sind. Allerdings müsste das Ambiente weiterhin deutlich aufgewertet werden… und es muss ein neuer Koch mit Anspruch her!

und sonst?

ein paar Pinots: Cameron, Oregon: 2011 Arley´s Leap - sauguter Pinot Noir mit Finesse und kühlem Zug, nicht viel schlechter ist J. Christopher mit seinem Dundee Hills 2011 Pinot Noir und Soter 2011 Mineral Springs Ranch... die Amis haben schon was drauf, das muss man neidlos anerkennen...

ein paar Sauvignons: Tement 2005 Zieregg Sauvignon Blanc Südsteiermark - steht voll in Saft und Kraft, aber Hannes Sabathi´s Sauvignon 2013 Kranchberg geht mir wirklich ans Herz, da fällt Maitz 2013 Schusterberg Sauvignon fast ein wenig ab, eine Bank aber ist immer von der Cantina Terlan der 2013 Quarz Alto Adige Terlaner Sauvignon blanc, einfach ein Genuss.

Rheingauer Rotwein... ist das gut?

...richtig gut? Durchschnitt? Exzellent? Oder vernachlässigbar? Natürlich ist die Rede von Spätburgunder, aber nicht (nur) vom „Assmannshäuser Höllenberg“. Der galt lange Zeit als DIE (einzige?) Lage, die als Herkunft für große Spätburgunder in Frage kam und über die es lohnte, zu reden. Das war falsch, schon immer. Mit breiter Brust, aber auch mit manchem Zweifel über die „richtige“ Ausbaumethode haben die Assmannshäuser Winzer nach 1999 zunächst auf die Erzeugung Erster Gewächse verzichtet. Doch das ist Vergangenheit, es gibt GGs, nicht alle groß, aber viele.

Tatsache ist: Es gab und gibt im Rheingau großartige Spätburgunder, sowohl aus dem große Holzfass als auch aus dem kleinen Barrique, sowohl „herkunftgeprägt“ (Terroir) als auch „ausbaugeprägt“ (Fülle und Holz). Das ist hauptsächlich Geschmacksache. Der Klimawandel und immer höhere (mögliche) Mostgewichte haben manche Winzer zu überkonzentrierten, marmeladigen, vollen, extrem dunkelfarbigen, alkoholstarken Weinen verleitet. Sie taten, was dank der immer großzügigere Natur jetzt maximal möglich war, was „modern“ schien und was der Kunde scheinbar verlangt hat (schwarz, dick und fett).

Inzwischen gibt es aber auch Bemühungen, nicht das Maximale, sondern das Optimale aus dem jeweiligen Jahrgang herauszuholen. Also nicht auf lange Reife und Oechslegrade von 100 Grad und mehr zu warten, sondern sich um den Erhalt von Frucht und Säure zu bemühen. Dafür reichen Mostgewichte von 90 bis 94 Oechsle bei guter Säure (um die sechs Promille, warum nicht!??) vor der Chaptalisierung völlig aus, bevor das kontrollierte Nichtstun im Keller beginnt. Doch genug der Theorie, besuchen wir einen der besten Rotwein-Macher im Rheingau, Peter Perabo, der das alles beherrscht.

Der Leiter des neun Hektar großen Bischöflichen Weinguts (78 Prozent Riesling, 22 Prozent Spätburgunder) in Rüdesheim, Jahrgang 1960, weiß ganz genau, wie große Pinots erzeugt werden. Er hat das unter anderem im Staatsweingut gelernt und für die Krone Assmannshausen perfektioniert. Nun hat er seit neun Jahren freie Hand im „Bischöflichen“, und die Ergebnisse sind phänomenal wie eine Vertikalverkostung zeigt:

Rüdesheim Spätburgunder trocken Jg. 2007, 08, 09, 2011, 2013

Wäre diese Basislinie nur Standard im Rheingau, die Region wäre eine Premium-Pinot-Region! Ganz fantastisch die „ungeraden“ 2007, 2009 und 2011 (in dieser Reihenfolge!), mit kühlem Zug, animierender Säure, komplexer Fucht, teils rauchig-speckigen Noten, aber immer fein, immer elegant, immer komplex und verwoben!

Rüdesheimer Klosterlay Pinot Noir und Spätburgunder S, Jahrgänge 2009, 2010, 2011, 2012, 2013

Selten einen so guten, eleganten, komplexen, finessenreichen Pinot getrunken wie den 2010er, der es mit vielen hochbezahlten Burgundern aufnehmen dürfte. Ganz groß auch 2013 und 2009

Assmannshausen Spätburgunder im Barrique gereift

Jahrgänge 2007, 2009, 2011, 2012, 2013

großes Pinot-Kino aus der Lage Hinterkirch! 2007 mit unglaublicher Frische und Finesse, 2011 ein Schmeichler, aber noch recht jung und ein bisserl verdeckt, das gilt noch mehr für den animalischen, fordernden, fleischigen 2012er, ein wahres Monsterbaby, und ebenso für 2013 mit seiner feinen, subtilen Frucht. 2009 für mich am stärksten, vollendet, genial, groß!

In dieses Bild passt, dass ich nur einen Tag zuvor einen absolut großartigen Pinot von „Altmeister“ August Kesseler getrunken habe.

August Kesseler

2013 Pinot Noir Cuvée Max trocken – der kostet auch deutlich mehr als die maximal 26 Euro bei Perabo, ist aber (auch) ein ganz Großer in Deutschland, gegen den viele Franzosen verblassen, mit einem gewaltigen Trinkfluss, mit vibrierender Säure und Frucht.

Klaus Schön

Beim „ Rotweingenie“ Klaus Schön in Aulhausen geschieht vieles aus dem Bauch heraus und deshalb auch nicht immer alles richtig, und  nicht alles im chaotisch strukturierten Sortiment ist groß, aber Schön zeigt, zu welchen Leistungen mein Lieblingsweinberg, der Schlossberg, auch bei Rotwein fähig ist:

2011/ 2012 Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken

Ja, das gibt es noch, eine Auslese trocken! Klassisch. Barock. Aber beide auf ihre Art ganz geniale Pinots im Komplexität und Tiefgang!

Schönleber-Blümlein, Winkel

Aprospos „ausbaugeprägt“: Das lässt sich bei Frank Schönleber perfekt studieren, denn seinen Spätburgunder „Maximus“ gibt es einmal aus dem französischen und einmal aus dem amerikanischen Eichenholzfass. Spannend. Während beim Jahrgang 2008 zunächst der Amerikaner und dann der Franzosen die Nase vor hatte, waren bei 2009 die Unterschied sehr gering (Vorteil Frankreich) während bei gerade aktuellen Jahrgang 2011 die Unterschied wieder frappierend sind …. und das US-Holz derzeit den spannenderen, komplexeren Wein hervorgebracht hat….

... und was kam sonst so auf die Zunge ?

Cantina Terlan

2014 Weißburgunder Alto Adige – sehr kräftig, perfekt zu Käse, gute Balance und Frucht, fein!

Neumeister, Steiermark

2013 Sauvignon blanc – gefällt mir gut!

Gehrig (Pfalz)

2014 Riesling „Ein PS“ – spannende Projekt eines kleinen Winzers aus der Pfalz, mit Pferden bestellter Weinberg, klare Frucht, spontane Noten, gute Balance, lecker

Domaine de Trevallon 1998 Vin de Pays – nominell toll, aber irgendwie sprang hier der Funke nicht über……

Domaine de Courcel 2003 Pommard Premier Cru – guter und teurer Burgunder, aber schon leicht oxidative Noten (trotz perfekter Farbe), langer Nachhall, gute Frucht, geringe Komplexität.

Aus dem Verkostungstagebuch

Georg Breuer,

1992 Rauenthal Nonnenberg Riesling Doppelmagnum

bestätigt das phänomenale Reifepotential der Breuer-Weine, groß!

Newton, Napa Valley

1991 Cabernet Sauvignon

ganz großer Cabernet, jung, frisch wirkend, sehr präzise, druckvoll

Stag´s Leap Wine Cellar, Napa Valley

2012 Cabernet Sauvignon

….das Siegerweingut des 1976 Paris-Tasting, auch mit diesem Jahrgang eine Bank, tiefgründig, wow… einer der besten jüngeren Cabernets, die ich getrunken habe, Hut ab zum Gebet!

Bardong, Geisenheim

1998 Bardong Reserve brut und 2007 Chardonnay brut … zwei fantastisch gute Sekte, vor allem der 1998er ungemein frisch und elegant, Schaumwein in Perfektion!

Anthony Hammond, Oestrich

2009 Berg Roseneck Riesling Spätlese Alte Reben… richtig süß, richtig gut, richtig saftig, richtig lecker!

Schloss Vollrads

2013 Schlossberg Riesling Großes Gewächs – echte Freude am Gaumen! Sehr geradlinig, guter Zug, auf der eleganten Seite, fein.

Bergsträßer Winzer eG

Ein Besuch im Viniversum…. beeindruckend, was die Genossenschaft da auf die Beine gestellt hat. Hinfahren und schauen! Hier macht Weineinkauf Spaß, auch wenn das Sortiment einfach sehr groß und auch ein wenig unübersichtlich ist… aber mit der Weinen macht man wenig falsch:

2014 Riesling Spätlese trocken – guter Zug, Trinkfreude.

2014 Chardonnay Spätlese trocken – hier macht der Begriff Spätlese natürlich wenig Sinn, und der Wein könnte deutlich rebsortentypischer ausfallen, aber dennoch recht ok

2015 Grauer Burgunder Spätlese trocken – zeigt schon jetzt, dass der Jahrgang der Bergstraße gut ausgefallen ist!

VDP-Präsentation mit Portugal

Rund 20 portugiesische Winzer waren diesmal zu Gast bei der Frühjahrspräsentation der Rheingauer VDP-Winzer. Wie immer eine gute Gelegenheit, im Kloster Eberbach die Entwicklung der Großen Gewächse zu kontrollieren und die eine oder andere Neuerung zu verkosten. Insgesamt sehr erfreulich, was gezeigt wurde. Meine persönlichen Höhepunkte bei diesem Entwicklungsstand:

Barth: 2013 Schönhell GG

Johannishof: 2014 Rottland GG

Jung: 2014 Siegelsberg GG

Jost: 2014 Walkenberg GG

Kühn: 2013 St.Nikolaus GG

Weil: 2014 Gräfenberg GG

darüber hinaus: Jost 2013 Rödchen Spätburgunder GG und 2012 Lignum von Alexander Freimuth, ferner Terras de Alter 2013 Telhaus Branco IGP und Quinta do Romeu Reserva Branco DOC Douro

Rekordpreis für Spätburgunder

Die Hessischen Staatsweingüter haben bei ihrer Frühjahrsauktion während des Rheingau Gourmet und Wein Festivals besonders hohe Preise für zwei Rotweine aus dem Assmannshäuser Höllenberg erzielt. Ein 1946er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur, der als Benefizwein zugunsten des Fördervereins der Vincenzschule Aulhausen versteigert wurde, war einem unbekannten Bieter 3570 Euro wert. Für den nach Angaben der Staatsweingüter deutschen Rekordpreis von   6545 Euro wechselte eine 1936er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Weißherbst Rotweiß-Edelbeerenauslese den Besitzer.

Insgesamt wurden 32 Weine zur Versteigerung angestellt. 2302 Flaschen wurden für insgesamt 102.822 Euro verkauft. Das sei der zweithöchste Umsatz seit 15 Jahren, hieß es. Zufrieden zeigten sich die Staatsweingüter auch mit den Ergebnissen für andere Unikate wie den 1966er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Eiswein (619 Euro), den 1986er Rauenthaler Baiken Riesling Eiswein (619 Euro) und das 2009er Rauenthaler Baiken Riesling Erstes Gewächs in der Doppelmagnumflasche (500 Euro). Für eine 2011er Steinberger Riesling Trockenbeerenauslese wurden 369 Euro gezahlt, für einen 1996er Rüdesheimer Bischofsberg Riesling Eiswein noch 238 Euro.

Libanon Lunch

Großartig, was Thomas Figovic aus Beirut während des Gourmet Festivals im Kronenschlösschen zum Lunch auftischte (s. meine Fotos bei Facebook). Die besten Weine dazu: Eva Fricke mit 2014 Kiedricher Riesling und mit 2014 Schlossberg Riesling (sehr präzise, druckvoll, tolles Säure-süße-Spiel, Trinkfluss hoch!), eher enttäuschend dagegen von Schloss Schönborn das Erste Gewächs aus 2001 (hart, rauh, kurz) und der Auslese aus 1993. Die besten Portugiesen: Casa Cadaval mit 2012 Padre Pedro, Quinta do Pego mit 2011 Grande Reserva und die 2010 Quinta dos Mucas Reserva aus dem Duoro! Lecker!  

Südafrika, gereift

Können alte Weine der Neuen Welt ein Trinkvergnügen sein? Falsche Frage, zumindest wenn es um Südafrika geht. Denn dass diese Weine hervorragend reifen können, das ist ein alter Hut, und eine Zuordnung Südafrikas zur „Neuen Welt“ ist fast schon fragwürdig, wenn man sich näher mit mehr als 350 Jahren europäisch begründetem Weinbau am Kap beschäftigt. Über das beachtliche Reifepotential ist allein schon insofern wenig bekannt, als richtig alte Südafrikaner in Europa kaum oder gar nicht zu bekommen sind. Es sei denn, Bacchus lächelt einem zu, diesmal in Gestalt des Rüdesheimer Winzers Carl Erhard, der aus seiner aufregenden Zeit in Südafrika Mitte der neunziger Jahre das Beste, was seinerzeit zu trinken war, mit nach Deutschland mitgebracht und vor allem aufbewahrt hatte. Dass er uns jetzt einen tiefen Einblick gewährte, ist aller Ehren wert! Und es war ein Vergnügen der besonderen Art, merci!

In kleiner Runde gab es einen bemerkenswerten Querschnitt zu verkosten, und so viel sei vorausgeschickt: Es waren durchweg erstaunlich hohe Qualitäten zu schmecken. Rotweine mit teils phänomenaler Frische und belebender Säure, mit Komplexität und Tiefgang, eher auf der eleganten als auf der schwermütigen Seite, und durchaus mit Potential zur weiteren Reife. Und hier nun ein paar – zugegeben holzschnittartige – Eindrücke…, aber ich war schnell mehr auf der Seite der kaum gezügelten Trinklust als der weinakademischen Seziererei…

Grangehurst 1993 Cabernet Sauvignon (by Jeremy Walker)

steht wie eine Eins im Glas. Betörende Frucht in der Nase, wenn man mit dem Riecher eine Art „staubigen Vorhang“ vor dem Bukett durchdrungen hat. Viel Tabak und fetter Lakritz, frische, klare Säure, moderate 12 Prozent Alkohol, Genuss ohne Reue

Neil Ellis 1994 Cabernet – Merlot

sehr üppiges Aromenspiel in der Nase, fortgeschrittene Reife bei guter, lebendiger Säure, dunkelbeerig, gekochte Früchte, animierend, fleischig, animalisch, nicht fett sondern elegant, im Abgang allerdings verliert sich ein wenig die Klarheit, sonst perfekt

Warwick 1994 Estate Trilogy

vor wenigen Wochen hatte ich den 2012er im Glas, und die Verwandtschaft über zwei Jahrzehnte hinweg ist sehr erstaunlich. Eine Fruchtbombe mit leichter Überreife, der es allerdings an Komplexität und Spannungsbogen fehlt, insgesamt recht eindimensional, andere sagen „langweilig“, in jedem Fall stört das süßliche Finale am Gaumen

 

Buitenverwachting 1992 „Christine“

Bei jedem Besuch vor Ort ist die „Christine“ einer meiner roten Lieblingsweine im für mich schönsten Weingut Constantias (unbedingt zum Lunch anmelden!), leicht minzige Noten, sehr frisch, guter Trinkfluss, hohe Komplexität, fein strukturiert, klasse!

Vriesenhof 1992 „Kallista“

Dieses Weingut habe ich bei meinen Besuchen in der Vergangenheit immer ausgelassen, aber das nächste Mal muss ich hin! Sehr runder, samtiger Roter mit guter Balance, fein austarierten Tanninen, gute Frucht und Säure, schmeckt nach mehr…

Glen Carlou 1994 Grand Classique Reserve

aus dem wunderschön gelegenen Weingut der Hess Family mit der Schweizer Flagge vor dem Haus, auch das ist immer einen Besuch wert, nicht nur wegen der Kunstsammlung und dem Ausblick in die Landschaft, atemberaubend. Die Chardonnays dort gefallen mir meist sehr gut. Zuletzt wurde mir ein sehr interessanter Viognier eingeschenkt. Und jetzt endlich mal ein Alter! Mann o Mann, Klasse: Ein sehr geschmeidiger Rotwein mit dezenter Fruchtsüße der feinen Art, langer Nachhall, zupackend, leicht kühler Zug, den Jahrgang errät blind niemand, so frisch und gut!

Kanonkop 1993 Paul Sauer

Bester Rotweinerzeuger Südafrikas, zu dieser Meinung steh ich felsenfest, auch wenn es auch andere Meinungen gibt. Entwickelte sich bei zunehmendem Luftkontakt immer besser, klasse Bordeaux-Kombi, gekochte Früchte, guter Nachhall, schöne Balance und Struktur, langer Abgang, eine Kanone ! Übrigens gibt es jetzt im Weingut auch einen Rosé, sehr lecker, und die einfache Kadette-Linie reicht schon für großes Vergnügen zum kleinen Preis! Ein Muss-Stopp bei jeder Südafrika-Reise…

Rust en Vrede 1992 Estate

Nach Kanonkop auf jeden Fall mein zweitliebster Rotweinproduzent des Landes. Viel Schoko und Karamell am Gaumen, deutliche Shiraz-Note hebt ihn von der Konkurrenz ab, sehr präzise, klar, aber kaum gealtert, druckvoll, hoher Trinkfluss, davon hätte ich gern ein paar Flaschen im Keller!

La Motte 1990 Cabernet Sauvignon

der älteste Wein der Probe, für mich vielleicht der eleganteste, ganz feiner, leicht kühler Zug, hohe Trinkfreude, würzig, langer Abgang, erinnert mich an die aktuelle Kollektion, die unverändert höchsten Ansprüchen genügt…. Und das Weingut in Franschoek ist zauberhaft schön…

Kanonkop 1992 Cabernet Sauvignon

sooooo schade, aber leider der einzige Ausfall der Probe… passiert…

Neil Ellis 1994 Cabernet Sauvignon

Weltklasse, entfuhr es einem der Mitprobanden, und dem ist wenig hinzuzufügen. Ganz großer Roter, einer der besten des Abends mit zupackender Frucht, Eleganz und subtiler Frucht !

Vriesenhof 1992 Cabernet Sauvignon

schon wieder Vriesenhof und schon wieder gut! irre perfekt ausbalanciert, typische Aromen eines fein gereiften Cabernets, klar, präzise, strukturiert, mit viel Zukunft ohne Zweifel!

Thelema 1993 Cabernet Sauvignon

für mich einer der überraschendsten Weine des Abends, dem ich zunächst nicht eine so überzeugende Aromatik zugetraut hätte. Zwar viel Paprika und Minze (nicht ganz mein Fall), aber diesem Wein tut der Alkohol (mit 13,5 Prozent der stärkste des Abends!) recht gut, denn sie gibt im Schmackes, Körper und Volumen, würziger Tabak, weißer Pfeffer, ein wenig Kompott von roten Früchten, langer Nachhall

Springfield 2003 The Work of Life

was für ein unruhiger Jungspund nach diesen aufregenden Vorgängern! Der hatte es bei mir jetzt schwer am Ende einer Probe mit deutlich älteren Schwergewichten…. da wäre aber jedes harte Wort unverdient…der Rest ist Schweigen !