• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Pilgerfahrt nach Bordeaux

Es sind schon viel zu lange her, dass ich als „Wein-Entertainer“ und Weinautor an Bord eines Kreuzfahrtschiffes einmal die Weinküsten Europas entlangfuhr und dabei auch in Bordeaux einen Stopp einlegte, um die Kreuzfahrer zu einigen Weingütern zu begleiten. Jetzt war endlich mal Zeit und Muße für einen intensiven Kurztrip in die Weinhauptstadt der Welt. Die Stadt hat sich seither wirklich sehr verändert… und sehr zu Ihrem Vorteil. Wer nach der Ankunft zum Dinner das „La Brasserie Bordelaise“ aufsucht, hat schon viel richtiggemacht. Das Essen ist phänomenal, ebenso die Weinauswahl. Es lohnt sich dabei durchaus, als Aperitif auch mal einen weißen 2017 Semilion-Sauvignon blanc wie von Chateau Thieuley zu trinken. Der guten Brasserien gibt es viele, und viele sind auch sehr empfehlenswert, so auch „La Petite Gironde“ am rechten Ufer, oder „La Plana“ am Siegesplatz. Der Schatz Bordeauxs aber sind die vielen Weinbars, die alle abzuklappern jeden Besucher überfordert. Ein Muss aber ist die „Bar a Vin“ an der Straße des 30. Juli, NACHDEM man zuvor die Wendeltreppe des Weinhauses „L ´Intendant“ hochgestiegen ist, um die dort gemachten Erfahrungen zu verarbeiten…. Danach am besten zum „Millesime“ mit besonders feinen Tapas. Ebenfalls nicht zu verachten sind „Au 4 Coins du Vin“ und die „Max Bordeaux Wine Gallery.“ Besonders gut gefallen hat mir auch „Le Wine Bar“ (Fois Gras und Rosé) und noch drei Häuser weiter an der Rue Bahutiers das „Vins Urbains“ (Sardinen und Weißwein). Das alles sind gute Vorbereitungen in Bordeaux auf DIE Pilgerstätte für den Weinenthusiasten, die Cité du Vin am Ufer der Gironde… Das ist eine schwer zu beschreibende Mischung zwischen imposanten Weinmuseum, Weinshop, Weinbar, Weinrestaurant, Aussichtsturm, Degustationshalle (8. Stock) und Andenkenladen. Go and see! – den passenden Imbiss am besten danach in der „Markthalle“ gegenüber. Und der richtige Platz zum den Tag noch einmal Revue passieren zu lassen ist die „Rooftop Bar“ im Hotel Mama Shelter

Am Kaiserstuhl, der Perle Badens

Der Kaiserstuhl, die Perle im fast 16.000 Hektar großen badischen Weinmeer, in dem noch immer die die Genossenschaften die großen Fische sind, allen voran der Badische Winzerkeller in Breisach mit 51 Genossenschaften als Mitglieder… 1000 verschiedene Weine werden dort erzeugt, 200 gibt es in der Vinothek, und einige sind durchaus beachtlich wie die Peter Steger-Linie (die Zentralkellerei stellte kürzlich den Gewinner des Grauburgunder-Preises…!). Aber natürlich sind wir wegen der Spitzenwinzer in die Region gefahren - und wegen der Schönheit der Region.

Beides lässt sich bestens bei Franz Keller erleben. Wir haben die neue Keller bisher nur als Rohbau in Erinnerung, aber erwartungsgemäß wurde alles schmuck und imposant. Extrem freundliches Personal in der Vinothek, die alle Spitzenweine unentgeltlich ausschenkt. Wir haben alles an verfügbarem Weißwein aus Erster und Großer Lage sowie der Linie „Franz Anton“ verkostet und waren sehr beeindruckt, vor allem vom 2016 Leh GG Weißburgunder und dem Grauburgunder GG aus dem Achkaarrer Schlossberg sowie Oberrotwein Eichberg, aber auch der Pulverbuck und ebenso der Bassgeige Weißburgunder von 2017 sind phänomal gute Weine mit hohem Trinkfluss. Beim Essen im Rebstock ließ sich darüber noch trefflich fachsimpeln.

Nicht minder beeindruckend ging es beim Großmeister Joachim Heger zu. Was ist der Ihringer Winklerberg für ein großartiges Terroir! Gekauft haben wir unter anderem den 2017er Silvaner aus Erster Lage, der an diese große Rebsorten-Tradition am Kaiserstuhl erinnert (überaus gut: 2017 Silvaner*** „Pferd Willi“) und mineralisch-süffig daherkommt. Die Weißburgunder GGs 2016/17 Rappenecker sowie 2017 Vorderer Winklerberg und 2016 „Gras im Ofen“ haben uns in Staunen versetzt. Saugut! 2015 und 2016 Mimus Pinot waren eine Offenbarung, ebenso die Spitzenpinots aus 2016, Häusleboden und Rappenecker. Da kommt Großes auf die deutschen Rotweintrinker zu. Und zum Finale dann 1997 Winklerberg Spätburgunder Auslese***… Hut ab und vielen Dank, Joachim!

Kaum minder freundlich ging es übrigens in der „Rostlaube“ zu, dem architektonisch auffälligen Weingut Abril der Familie Haub. Der 2016 Weiße Burgunder aus der Stein-Linie und der trockene 2016 Chardonnay aus der Zeit-Linie haben uns sehr überzeugt (der 2015 Pinot dagegen nicht), und überraschend charmant fanden wir die 2017er Scheurebe mit klarer Frucht und Mineralität.

Unsere Neuentdeckung war das Weingut Michel in Achkarren. Die Familie hat gerade den ersten Jahrgang mit dem VDP-Adler vorgestellt, und wir waren hin und weg. Jeweils vier Weiß- und vier Grauburgunder in einer klaren differenzierten Abstufung, das gefällt. Und einer war besser als der andere zu einem (noch) phänomenalen Preis-Leistungsverhältnis. Beeindruckt haben uns zudem die beiden Chardonnays aus dem Schlossberg. Hier kann nur jedem geraten werden, sich einzudecken, bsp. mit dem Achkarrer Weißburgunder Ortswein oder dem noch mineralischeren „Tephrit“. Auch der 2015 Pinot aus dem Schlossberg war hevorragend. Eine echte Perle am Kaiserstuhl!

Das Schöne am Kaiserstuhl ist zudem, dass sich auf halbem Wege nach Eltville das Weingut Klumpp in Bruchsal zu einer Rast geradezu aufdrängt. Ich habe die Weine hier im Blog schon vor einiger Zeit beschrieben, und wir können nichts anderes berichten, als dass auch die aktuelle Kollektion, von der wir nur einen klitzekleinen Ausschnitt verkostet haben, wieder top gelungen ist. Allen voran der 2017 Weißburgunder aus dem Kirchberg, wobei schon der „einfache“ 2017 Weißburgunder hervorragend und der 2017 Auxerrois eine unbedingte Kaufempfehlung in diesem badischen Vorzeigeweingut ist.

Aus dem Verkostungstagebuch

Ein Hoch auf Hochheim

So ein Sonntagnachmittag in Hochheim kann höchst vergnüglich sein, vor allem wenn Himmel, pardon Peter Flick, geöffnet hat. Der Übergang ist vollzogen, in der Holger-Crafoord-Straße weht ein neuer Wind. Noch allerdings gibt es – wie jetzt beim Hoffest - auch phänomenale Himmel-Weine wie 2017 Weiß Erd und 2017 Hölle Riesling trocken… auch das 2017 Erste Gewächs ist sehr gut. Ich rate, sich nicht nur aus sentimentalen Gründen mit Himmel einzudecken, das sind Weine mit Potential und Zukunft. Für den jungen Peter Flick beginnt nun die Herausforderung, wir sind hoch gespannt… 2017 "Verflickst" Riesling trocken ist schon mal ein Anfang….

Über die Anfänge weit hinaus ist Fabian Schmidt im Weingut „Im Weinegg“ in der Kirchstraße. Die Jahrgangsverkostung, in die wir eher zufällig reingeschneit sind, war eine Offenbarung. Hier zeigt die Tendenz steil nach oben, 2017 hat uns außerordentlich gut gefallen, sogar der „Summer Jam“ und ein Secco Rosé. Gekauft haben wird 2017 Domdechaney Spätlese trocken und den 2014 Riesling aus dem Barrique mit dem etwas befremdlichen Namen „Perle Blanche“. Aber auch die Alten Reben aus der Hölle überzeugten! Kompliment!

Weiter zu Künstler mit Jahrgangsverkostung, dazu Knipser (2014 Kalkmergel Spätburgunder!) und Heymann-Löweinstein (2017 Uhlen Große Lage!) zu Gast…. lost in paradies! Was soll ich sagen…, ich mach es ganz und unverdient kurz: Neun Große Gewächse von Künstler im Angebot, eines besser als das andere….

Danach erstmal was Deftiges: Hacksteak und Schnitzel bei Dienst im Dorotheenhof. Immer eine Bank, immer lecker, und dazu dann natürlich den 2015er Pinot aus dem Barrique, den Vize-Sieger des diesjährigen Pinot-Cups sowie ein fein gereiftes Erstes Gewächs aus dem phänomenalen Jahrgang 2013 und der Hochheimer Hölle. Made my day!!!

Rußler, Rauenthal

2017 Johanniter trocken…. Johanniter? im Rheingau? Ja, der experimentierfreudige Winzer Uwe Rußler hat die pilzwiderstandsfähige Rebsorte in Rauenthal gepflanzt und jetzt den ersten Ertrag. Johanniter wurde 1968 am Staatlichen Weinbauinstitut Freiburg von Johannes Zimmermann gezüchtet und ist das, was der Wissenschaftler und der Winzer einer guten PiWi erwartet: Gute bis mittlere Resistenz gegen falschen und echten Mehltau, hohe Erträge, früher Austrieb (Achtung Frost!) und dabei aber gute Mostgewichte. Erstaunlich gute Säure, die ihn auf den ersten Schluck durchaus mit Riesling verwechseln lässt… scheint mir für vor allem für Schoppenweine schon mal gut geeignet… sehr klar, recht kräftig, gut. Sollte man im Auge behalten…

Mohr, Lorch

1985 Lorcher Krone Riesling Auslese – ja, auch in den achtziger Jahren ging etwas, auch wenn das Jahrzehnt fast zum Vergessen war… diese Auslese ist eine Besonderheit, sehr typisch, sehr gut.

Kruger-Rumpf, Münster-Sarmsheim

2016 Scharlachberg Riesling GG – großartiger Weinberg, großartiger Wein mit Tiefgang, die Aromen immer stark von Ananas und Mange dominiert, sehr elegant und finessenreich, guter Trinkfluss

Schloss Schönborn, Hattenheim

2003 Nussbrunnen Riesling Erstes Gewächs – aus den goldenen Tagen von Schönborn, da ging im heißen Jahr auch was mit lagerfähigen trockenen Weinen, Kompliment nach Hattenheim!

Ehrhard, Rüdesheim

Kaum einer hat es mitgekriegt, aber Ehrhard hat tatsächlich vom 28.8. bis 8.9. mal wieder geöffnet unter dem Motto „Zurück zu den Wurzlen“. Fein! Und die Verkostung der 6 trockenen „Urstücke“ des Jahrgangs 2016 bereitet jetzt ein wirklich großes Vergnügen: Und für mich bleibt es dabei: Rottland „Rottland“ und Roseneck „Unterer Platz“ sind meine Favoriten, knapp vor Rottland „ Am Brunnen“ und Rottland „Wilgert“.

VDP-GG-Vorpremiere in Wiesbaden

Wann fällt das Urteil über die Güte eines Weinjahrgangs? Nach einem klimatisch günstigen Sommer? Direkt nach der Ernte, wie bei den Bauern? Oder nach der Abfüllung und den ersten Verkostungen im Frühjahr? Weder noch, wenn es nach dem Verband der Prädikatsweingüter geht, der sich mit seinen knapp 200 Weingütern als Speer- und Qualitätsspitze der Branche sieht. Denn wenn zum Ende des Sommers manche Basisweine schon ausgetrunken sind, kommen erst die trockenen Spitzenweine auf den Tisch. Die „Großen Gewächse“ aus den mehr als 300 besten deutschen Weinbergslagen dürfen nach seinen Statuten erst nach dem 1. September des auf die Ernte folgenden Jahres verkauft werden. Und manche Winzer wie im Rheingau Peter Jakob Kühn nehmen sich sogar freiwillig zwei Jahre Zeit, ehe sie die Spitze ihrer Qualitätspyramide erstmals der Öffentlichkeit vorstellen.

Der Ort für diese deutsche „Vorpremiere“ Ende August sind die Kolonnaden des Kurhauses Wiesbaden. Hier sind vor allem Weinfachjournalisten und Weinblogger gefordert, sich ein Bild zu machen und das vorerst finale Urteil über den Jahrgang 2017 zu fällen. Für den VDP ist dieses Urteil wichtig, denn vor allem mit diesen Weinen rührt er die Werbetour für den deutschen Spitzenwein. Der Trend ist positiv. Immer mehr VDP-Betriebe – die Zahl stieg von 78 im Jahr 2003 auf derzeit 186 – erzeugen jetzt solche Gewächse, und ihr Durchschnittspreis ist fast kontinuierlich auf 34 Euro gestiegen.

Wie also schmeckt der Jahrgang 2017: Die Antwort steckte im Kurhaus in 22 Kühlschränken. Dort wurden 4250 zuvor eingesammelte, sortierte, nummerierte und katalogisierte Weine gekühlt und von 50 Helfern ausgeschenkt. 3500 Gläser wurden an den drei Tagen benötigt, um rund 150 Weinexperten aus Deutschland, Europa, den Vereinigten Staaten und Asien ein fachkundiges Urteil zu erlauben. Harte Arbeit sowohl für den Service als auch für die Juroren, die sich für ein vollständiges Urteil 426 verschiedene Weine an drei Tagen einschenken lassen müssen. Das setzt eine ausgefeilte Logistik der Veranstalter und harte Arbeit der Verkoster voraus. Die weit herumgekommene britische Weinjournalistin Jancis Robinson sprach einmal von der vermutlich „bestorganisierten Weinprobe der Welt“.

Mancher Tester wird sein Urteil erst in einigen Wochen oder Monaten publizieren, andere ließen sich online über soziale Netzwerke über die Schulter schauen. Der frühere Rheingauer Winzer und Weinblogger Dirk Würtz stellte dabei gleich zu Beginn seiner Live-Notizen klar, dass heute nur noch der jeweilige Erzeuger und seine Arbeit am Ende zählen, nicht der Jahrgang an sich: „Qualitativ betrachtet gibt es keine schlechten Jahre mehr. Es gibt kühlere und wärmere, trockene und nasse Jahre. Aber eben keine schlechten mehr.“ Recht hat er, wie ich in der Sonntagszeitung vom 26. August dargelegt habe.

Würtz fasst seine nachfolgenden Weinurteile und die vieler Kollegen gut zusammen. Weine, die Begeisterung hervorriefen, und andere, die einer Erwähnung nicht wert waren. Der Jahrgang selbst bot jedoch alle Möglichkeiten, herausragende Weine zu produzieren.

Ich selbst war bei meiner kurzen Probe einigermaßen begeistert von sehr vielen Weinen. Der Rheingau schnitt gut ab, aber auch Rheinhessen und – zu meiner Überraschung – Franken zeigten sich bärenstark, die Pfalz ist ohnehin immer eine Bank. Besonders spannend fand ich diesmal Proben mit Lagen, aus denen vier oder gar fünf Winzer GGs erzeugt haben, beispielsweise

6x 2017 Forster Ungeheuer Riesling GGs von Acham-Magin, Bassermann-Jordan, Reichsrat von Buhl, Georg Mosbacher, Georg Sieben Erben sowie Bürklin-Wolf (2016). Trotz unterschiedlicher Stilistik blieb die einheitliche Herkunft gut erkennbar, Buhl und Bassermann bei mir die Favoriten mit Zug, Kraft, gutem Druck am Gaumen, Tiefgang…

5x 2017 Niersteiner Hipping Riesling GGs von St. Antony, Gunderloch, Kühling-Gillot, Keller und Schätzel, wunderbarer Flight, ich sah wegen der Finesse und Komplexität Keller und Gunderloch an der Spitze, aber denkbar knapp…

4x 2017 Rüdesheimer Schlossberg Riesling GGs von Wegeler, Künstler, Kesseler und den Staatsweingüter – für mich hat Künstler in der steilsten Lage des Rheingaus den Vogel abgeschossen, unglaublich präsent, komplex, langer Nachhall, große Zukunft…..

Bodensee-Weine

3 Tage Bodensee, da lechzt die Seele des Weintrinkers natürlich nach den badischen Weinen der Region… Aufricht, Staatsweingut Meersburg, Markgraf von Baden, Kress, da geht doch was….?!? Ja, aber, lautet das Fazit. Es gibt leckere Weine, vor allem als Schoppen und in der Mittelklasse… nach oben hin wird die Luft dünn…

Aufricht: unser Favorit! Schön über dem Bodensee gelegenes Weingut, freundliches Personal, am Ende ein Sekt auf Kosten des Hauses auf der Terrasse mit Blick über den See… sehr schön. Wir haben fast ausschließlich die Lilien- (= Premium-) Weine verkostet und war meist angetan. Der 2016 Chardonny (1 Lilie, kaufen!) und der 2017 3 Lilien-Riesling haben am besten gefallen, gut auch die Sauvignons. Allerdings zeigten die Spätburgunder en hohe Maße an fortgeschrittener Reife und Rumtopf-Aromen, die uns eher missfallen haben.

Staatsweingut Meersburg: Top Ensemble am Wasser, aber das Personal unfreundlich bis ungebildet (im Hinblick auf Wein), und das Verhältnis zum Pächter (?) der Gutsschänke scheint auch eher zerrüttet…. sehr seltsam. Die Vinothek strahlt das Ambiente einer Genossenschaft aus, die Mittelklasse-Weine (sämtlich um 10 Euro) enttäuschten auf breiter Front. Recht gut gefiel der 2016er ***Chardonnay aus der Chorrherrnhalde. Dass uns vom Kauf der Restflaschen des genauso teuren (17,50 Euro) 2014 ***Chardonnay abgeraten wurde („hat schon einen Alterston“) hat uns bei einem Barriquewein irgendwie doch sehr irritiert… wir haben uns vom Kauf nicht abhalten lassen….Hohentwieler und Meersburger Riesling sowie Weißburgunder vom Jungfernstieg waren grundsolide, aber nicht animierend. Irgendwie waren wir doch enttäuscht, wie das Land seine Rolle interpretiert…

Ansonsten habe wir vieles getrunken, was uns mehr (2017 Müller-Thurgau und 2016 Auxerrois von Kress) oder weniger (2016 Birnauer und Bermatinger Spätburgunder vom Markgrafen) gefallen hat… leider hat die Gastronomie selbst nicht immer das große Zutrauen zu den Weinen der Region, wie die Weinkarten bsp. in Überlingen zeigen…

Es gibt keine Jahrhundertweine mehr... oder nur noch...?!?

Ein deutscher Sommer muss nur lange genug trocken, sonnig und heiß sein, und schon irrlichtert das Wort vom „Jahrhundertwein“ durch die Öffentlichkeit. Viele Winzer stemmen sich nur halbherzig gegen derlei überzogene Hoffnungen, sorgen sie doch für Aufmerksamkeit und halten die Erwartungen an den neuen Jahrgang hoch. Für die Qualität des deutschen Weins aber ist ein goldener Herbst weitaus wichtiger als ein trocken-heißer Sommer.

Das hat viele Gründe. Regen kurz vor und während der Ernte begünstigt die Fäulnis in den Trauben, und die Infektionsgefahr ist umso höher, je wärmer das Frühjahr und der Sommer ausfallen. Denn dann fällt die Lese in den feuchtwarmen September und nicht in den Oktober mit seinen meist kühleren Nächten. Viel Sonne lässt zwar den Zuckergehalt in Beeren und damit das Mostgewicht steigen. Doch viel Zucker bedeutet bei der Vergärung zu einem trockenen Wein auch viel Alkohol, und der ist bei der deutschen Renommiersorte Riesling nur noch in Maßen erwünscht. Der Riesling verliert zudem seinen Charakter, wenn das heiße Klima der eigentlich markanten Säure zu sehr zusetzt.

Hinzu kommt, dass immer mehr Winzer die Güte ihrer Weine nicht mehr über das Mostgewicht und daran geknüpfte Prädikatsstufen wie Kabinett, Spätlese oder Auslese definieren, sondern über die die Herkunft, die jeweilige Weinbergslage. „Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“ laut das neue Credo der Qualitätspyramide beim Wein. Der Verband der Prädikatsweingüter hat dieses System schon etabliert, das einer Abkehr vom traditionellen Prädikats- und hin zum modernen Terroir-Wein gleichkommt. Der Wein als Fingerabdruck des Bodens ist das neue Ideal. Und die Nennung der Lage auf dem Etikett soll überdies ein Qualitätsversprechen sein. Der Deutsche Weinbauverband würde gerne nachziehen, doch viele Winzer sind konservative Landwirte, die Veränderungen mit großer Skepsis gegenüberstehen.

Schon jetzt lässt sich sagen, dass 2018 wohl kein Jahrhundertwein wird. Sonne hin, Hitze her. Denn Jahrhundertweine waren in der Vergangenheit meist das zufällige Ergebnis einer Laune der Natur. Dank moderner Technik in Weinberg und Keller und dank eines tieferen Verständnisses für die richtigen Schritte am Rebstock und Tank bedarf es dieser Zufälle heute nicht mehr. Überdies sind die Winzer die Gewinner des Klimawandels. Dieser Klimawandel lässt sich im Rheingau ziemlich genau auf das Jahr 1988 datieren. Katastrophale Jahrgänge, wie in den Jahrzehnten zuvor immer wieder notiert wurden, zuletzt 1980 und 1984, gibt es seit 30 Jahren nicht mehr.

Als deutsche Jahrhundertjahrgänge der Nachkriegszeit gelten beispielsweise 1959, 1971 und 1976. Für Goethe war es übrigens der Kometenjahrgang 1811, über den der Pfälzer Weinpionier Andreas Jordan seinerzeit schrieb. "Seit 1783 wurde kein solch vortrefflicher Wein erzielt als wie in diesem Jahre; der Winter war sehr gelind und ohne Eis und Schnee schnell vorüber. Das Frühjahr, und mit demselben die Vegetation, begann im Februar, im Mai waren die Weinstöcke in völliger Blüte und die Trauben an Mariä Geburt völlig reif." Wie er tatsächlich geschmeckt hat, ist leider nicht überliefert.

In solchen klimatisch außergewöhnlichen Jahren schenkte die Natur den Winzern ungewöhnlich gesunde und sehr zuckerreiche Beeren. Die süßen und edelsüßen Weine jener Jahre sind legendär, sofern sie aus den Kellern qualitätsorientierter und ambitionierter Winzer stammen. Denn selbst in herausragenden Weinjahren kann ein wenig ambitionierter und mäßig ausgebildeter Winzer auch nur mäßige Weine erzeugen. Das gilt im übrigens auch für Weine aus herausragenden Lagen. Allerdings fanden die Weine aus den Siebzigern auch deshalb so viel Beachtung, weil süße Rieslinge jener Zeit noch einen vergleichsweise großen Markt hatten, und Deutschland für seine edelsüßen Weine berühmt war. Dieser Markt hat sich zu einer kleinen Nische gewandelt.

Die Ära der großen trockenen Weißweine ist längst im Gange. Und auf die Gunst der Natur sind die Winzer nur noch eingeschränkt angewiesen. „Wer sein Handwerk versteht, produziert jedes Jahr einen ´Jahrhundertwein´“, sagt beispielsweise der Rheingauer Winzer und Weinblogger Dirk Würtz. Denn was früher Zufall war, hat heute System. „Es wird keinen schlechten Wein mehr geben“, bestätigt der Assmannshäuser Starwinzer August Kesseler: „Früher haben sich die Jahrhundertweine selbst erzeugt, heute machen die Winzer den Jahrgang.“

Kesseler gehört dem VDP an, und wenn dessen Mitglieder nach der Ernte wieder durch Deutschland touren, um ihre Spitzengewächse vorzustellen, dann sind das die trockenen „Große Gewächse“ aus klassifizierten Spitzenlagen, und nicht die allenfalls in homöopathischen Mengen geernteten edelsüßen Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen. Die trockenen „Großen Gewächse“ sollen ihre Herkunft, das Terroir des Weinbergs widerspiegeln. Ob das gelingt, oder ob nicht doch die Handschrift und der Stil des jeweiligen Winzers den Wein prägen, ist Gegenstand endloser Diskussionen und wiederkehrender Verkostungen. Diese zeigen zumindest eines in großer Klarheit: Große deutsche Weine bedürfen keiner Jahrhundertsommer mehr. Für sehr gute Weine wären schon drei trockene Wochen jeweils vor und während der Lese hilfreich. Ein heißer Sommer nicht.

Das zeigt der Blick zurück ins Jahr 2003, der bis heute viele Hitze-Rekorde hält. Über die trockenen Weine jenes Jahrgangs, vor allem die Rieslinge, verliert heute fast niemand mehr ein Wort: zu breit am Gaumen, zu wenig Säure, bisweilen sogar brandig, zu viel Alkohol, keine Finesse, keine Eleganz, das war und ist bis heute bei Verkostungen zu hören. Zwar bescherte das Jahr einigen Winzern auch Trockenbeerenauslesen mit bis dahin nicht gekannten Oechslewerten jenseits der 300 Grad. Jahrhundertweine sind aber auch das vielfach nicht. Zumindest aus heutiger Sicht. Denn Jahrhundertjahrgänge und –weine werden nicht selten erst mit großer Verspätung erkannt. Die Bordeaux-Weine des Jahrgangs 1982 sind so ein Beispiel. Nicht die Natur und die Winzer haben sie dazu erkoren, sondern Weinpapst Robert Parker mit seinen enthusiastischen Bewertungen. Schließlich muss jemand einen Jahrhundertwein als solchen erkennen und proklamieren – egal in welchem Abstand zur Ernte. Auf einem anderen Blatt steht, ob jeder Weinfreund dann einen solchen Tropfen als Jahrhundertwein anerkennt. Und nicht beantwortet ist die Frage, ob Jahrhundertweine deutscher Provenienz immer edelsüß sind – oder gar sein müssen.

Um zu erkennen, dass die Jahrhundertsommer den Jahrhundertweinen bisweilen sogar entgegenstehen, hilft eine Vertikalverkostung. Wer alle Großen Gewächse des für seine Rieslinge berühmten Kiedricher Weinguts Robert Weil seit dem Jahr 1999 verkostet, der ist verblüfft. Nicht der trockene Spitzenwein des Jahrgangs 2003 oder der ebenfalls sehr warmen und vermeintlich sehr guten Jahre 2005, 2007 und 2009 sticht hervor, sondern der Vertreter des seinerzeit zunächst als typisch und durchschnittlich bewerteten Jahrgangs 2004. Dicht gefolgt von 2008 und 2013. Alle drei in der Einschätzung von Winzer Wilhelm Weil „mittelreife Jahrgänge, in denen aber offenbar am ehesten trockene Jahrhundert-Rieslinge gekeltert werden können. 2011 kommt im Hinblick auf den Vegetationsverlauf dem aktuellen Jahr am nächsten. Der Reifebeginn am 30. Juli war in diesen beiden Jahren der früheste seit Beginn der detaillierten Aufzeichnungen 1955. Auch vor sieben Jahren wurde kein Jahrhundertwein geerntet. 1976 war der Reifebeginn erst am 10. August, 1971 nochmal vier Tage später.

Am Ende entscheiden nicht nur die Winzer und Weinjournalisten mit ihren Punkten, sondern auch der Markt, was Jahrhundertweine sind. Danach fielen wohl der 1945er Chateau Mouton-Rothschild, der 1947er von Chateau Cheval blanc, der 1961er von Chateau Palmer, der 1937er von Chateau Yquem, 1982 von Romanée-Conti und die 1920er Trockenbeerenauslesen der Staatsweingüter in diese Kategorie. Diese Jahrhundertweine sind Gewächse aus besten Lagen, geerntet in klimatisch optimalen Jahren - vor dem Klimawandel - und erzeugt von maximal ambitionierten Erzeugern. Sie sind meist besonders lagerfähig und erzielen auf Auktionen Höchstpreise. Damit sind sie ein wichtiger Teil der europäischen Weingeschichte. Das Kapitel über frühzeitig ausgerufene “Jahrhundertweine“ aber wäre wohl zu Ende geschrieben, wenn die Versuchung nicht zu groß wäre, einem Jahrhundertsommer auch einen Jahrhundertwein anzudichten. (aus der FAS vom 26. August 2018)

Sehen wir uns auf dem Weinmarkt?

Der 40. Rheingauer Weinmarkt wird am Mittwoch, 29. August, um 18 Uhr eröffnet. Neben dem Austausch zwischen Winzern und Kunden soll auch die Kulinarik nicht zu kurz kommen. Und am Samstag, 1. September, ist Oliver Bock, Autor des Reiseführers „Rheingauer Weinschmecker“, von 16 bis 18 Uhr zu Gast am Stand des Weinguts Mohr, direkt vor dem Apple-Store. Das Weingut hat im vergangenen Jahr mit einem Riesling die „Schoppentrophy“ des Weinschmeckers gewonnen. Den edlen Tropfen wird Bock dann ausschenken, sein Buch signieren und für Fragen bereitstehen. (aus der FNP vom 23.8.18)

Erstes Gewächs Rheingau 2017

2017 könnte der letzte Jahrgang der Ersten Gewächse gewesen sein, 2018 soll es ein „Rheingau.Großes Gewächs“ nach Vorbild der GGs aus „VDP.Großer Lage“ geben. Das kündigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt am Rande der Ersten Gewächs-Präsentation im Festsaal des Rathauses Wiesbaden an, während direkt vor dem Rathaus die 43. Rheingauer Weinwoche ausklang. Doch bis zum „GG für alle“ sind noch einige rechtliche Fragen zu klären (und bitte mit einem Beschluss zur Abschaffung der 13g Zucker-Obergrenze, schon 9 Gramm sind und waren häufig zu viel!) Der diesjährige Termin mit einer Woche Abstand zur VDP-GG-Verkostung im Kurhaus kann auch als Eingeständnis gewertet werden, dass die direkte zeitliche und räumliche Nähe nicht die erhoffte Aufmerksamkeit der Weinfachjournalisten gebracht hat, die ohnehin nach Wiesbaden zur VDP-Probe anreisen. Nun also wieder ganz eigenständig, auch der Wiesbadener OB Gerich schaute mal vorbei...

Insgesamt wurden von 24 Erzeugern 27 Rieslinge und ein einziger Spätburgunder vorgestellt. Das zeigt auch, dass für Pinot Noir diese EG-Kategorie von den Winzern selbst als überflüssig erachtet wird. Hier sind hohe Preise und ein guter Absatz auch ganz ohne Gütesiegel erzielbar. Abschaffen und volle Konzentration auf Riesling wäre die naheliegende Konsequenz. Aber vermutlich ist es wahrscheinlicher, dass irgendwann auch alle Burgunder-Sorten noch GG-tauglich sein sollen…, siehe die unglückseligen Beschlüsse zur Ausweitung der Landesweinprämierung auf andere Rebsorten, was für ein Quatsch…

Doch zum Riesling. Ich habe die Probe etwas homogener als in den Vorjahren erlebt. Es war weniger die grundsätzliche Qualität als die Stilistik, die teils sehr weit auseinander driftete und auch einige Fragen aufwarf. Ein Beispiel ist der holzbetonte Bischofsberg (86 Punkt) des Weinguts George. Das kann man genial finden, muss man aber nicht. Insgesamt ist festzuhalten, dass die Mehrzahl der Weine 8 bis 9 Gramm Restzucker aufwiesen, was zwar zulässig, aber nicht immer empfehlenswert ist. Die größte Strahlkraft wiesen eindeutig jene EGs zwischen 4 und 6,5 Gramm Restzucker auf. Dort paarte sich Straffheit mit gutem Zug und Druck am Gaumen, feiner Frucht, guter Struktur, Nachhall und Präsenz. Mehrere Winzer hätten selbst gern trockenere Weine vorgestellt, doch die Natur wollte nicht so…. die Weine blieben stehen. Dann ist es allerdings richtig, der Natur ihren Lauf zu lassen und nicht mit der kellerwirtschaftlichen Peitsche die Gärung voranzutreiben.

Zwei „Extremisten“ hatte wieder der Hattenheimer Stefan Gerhard mit Wisselbrunnen (89) und Schützenhaus (88) vorgestellt. Beide fast durchgegoren, beide um die 14 Prozent Alkohol – fast ein bisschen zu viel der Ecken und Kanten im Mund, aber durchaus - im positiven Sinne - interessant. Die Frage der Lagerfähigkeit ist für mich noch nicht beantwortet…

Die von mir organisierte Schoppentrophy ist in vielen Jahren übrigens schon fast ein Gradmesser für die Ersten Gewächse. Wenn den Lorcher Steillagen ein Jahrgang entgegenkommt, dann sind nicht nur schon im Frühjahr die Basisweine exzellent, sondern auch die Top-Weine im Spätsommer. Entsprechend rangierten daher auch hier Altenkirch und Mohr unter den EG-Besten: dem Pfaffenwies von Jasper Bruysten (92) kommt zugute, dass die Weine aus dem Quarzit-Boden sich schneller zugänglich zeigen als der Schiefer-durchsetzte Bodental-Steinberg von Jochen Neher, Mohr, (91+), der in der Jugend nur schwer in die Gänge kommt, dann aber fast immer großes Potential entfaltet. Auch der Schlossberg von Laquai (90) gefiel mir gut, zeigt sich aber noch recht verhalten und verschlossen.

Kläuserweg und Rothenberg sind zwei Geisenheimer Lagen, die außerhalb des Rheingaus nicht ausreichend geschätzt werden, obwohl sie ein sehr gutes Terroir für große Weine darstellen. Der Kläuserweg von Sohns (88+) kommt diesmal in der Jugend noch nicht an den Kläuserweg von Goldatzel (90) heran. Und weil der Bessere immer der Feind des (sehr) guten ist, muss sich der Kläuserweg von Groß dem Hasensprung aus dem eigenen Stall beugen (92+), das bedeutet den EG-Fotofinish-Sieg von Goldatzel vor Altenkirch. Fast doppelt so viel Restzucker (11,2) hat der Hasensprung von Trenz (88), was der Präzision und Eleganz durchaus etwas abträglich war. Trenz selbst sieht den Wein als Langläufer und den Zucker als notwendigen Treibstoff. Wir hoffen, den Wein im Auge – am Gaumen – behalten zu können. Sehr eigenständig wie im Vorjahr wieder der geschliffene, markante Rothenberg von Schumann-Nägler… (90+), auch wenn sich hier die Geister im Rathaus schieden… ich fand diesen Charakterwein klasse. Erfreulich, dass Schloss Schönborn diesmal deutlich stärkere Weine als im Vorjahr vorgestellt hat, der Nussbrunnen (89) zählt sicherlich zur erweiterten Spitze, ebenso der Siegelsberg von Crass (88+). Insgesamt taten sich die Güter 2017 im unteren Rheingau offenbar einfacher, Top-EG zu erzeugen als zwischen Hochheim und Winkel. Gewohnt solide zeigten sich Bausch, Himmel und Nikolai. Mit etwas mehr Mut und etwas weniger Restzucker wäre vielleicht noch etwas mehr drin… das trockene Jahr 2018 könnte die Verhältnisse im Rheingau vielleicht umdrehen, wenn wir 2019 die (vielleicht) ersten „Rheingau.Große Gewächse“ kosten. Persönlich bin ich im Hinblick auf den Jahrgang durchaus skeptisch… derart warme Jahre spielen dem trockenen (!) Riesling eigentlich nicht in die Hände…siehe 2003 &2004 oder auch 2007 & 2008 ... siehe dazu und mehr übrigens auch am Sonntag, 26.8., meinen größeren Text in der FAZ-Sonntagszeitung: Warum es keinen Jahrhundertwein mehr gibt.... 

43. Weinwoche Wiesbaden

93 Winzer und Weingüter, mehr als 1000 Weine und Sekte, 16 Essenstände, drei Bühnen, 50 Live-Bands, das ist die 43. Rheingauer Weinwoche in der Wiesbadener City, die längste Weintheke Deutschlands (vielleicht), in jedem Fall ein Muss… wir schlendern etwa jeden zweiten Tag drüber, und entdecken immer wieder Neues und Bewährtes…. Wie zum Beispiel:

Mohr, Lorch

2017 Rheingau Riesling trocken …. der Schoppentrophy-Sieger 2018 wird immer besser…., da hat die Jury einfach gut gewählt!

Wurm, Lorch

2016 Lorcher Riesling+ … sehr trocken, sehr präsent, sehr gut

Goldatzel, Johannisberg

wie nicht anders zu erwarten alles blitzsauber, geschliffen, geradlinig, beispielsweise 2017 Vogelsang Alte Reben Riesling feinherb! Aber auch das 2017er Beste Fass absolut begeisternd!

Schönleber-Blümlein, Winkel

2017 Hasensprung Kabinett trocken – immer ein verlässlicher, leckerer Riesling, die Visitenkarte von Frank Schönleber

Kaufmann, Hattenheim

Urban Kaufmann hat nicht nur leichtgängige Trinkweine wie den saftigen 2017er Riesling trocken (und natürlich meinen Favoriten, den 2017er „Tell“) mit gebracht, sondern auch zwei Schätzchen: 2009 und 2014 Wisselbrunnen Große Lage: Wow, allerdings zeigt sich auch, wie schnell die 2014er reifen, und wie sehr auf dem Höhepunkt 2009 jetzt sein kann, großartig, solche Weine gehören stets auch auf die Weinwoche!

Trenz, Johannisberg

2017 Riesling Alte Reben trocken – ein Obstkorb auf hohem Niveau, sehr fruchtig, sehr nachhaltig, Trinkfluss!

Lamm-Jung, Erbach

2016 Riesling Premium*** - der weitgehend durchgegorene Wein begeistert mich bei jedem Aufeinandertreffen mehr…

Diefenhardt, Martinsthal

2016 Riesling Alte Reben und 2015 „Wildes Holz“, der erstere sehr gut, feinfruchtig, elegant, gutes Säuregerüst, der zweite… tja, ich muss unbedingt mal eine Blindverkostung „Riesling meets Barrique“ organisieren, Koeglers Johannes G, Dillmanns Käuserweg Reserve, Barths Singularis, das wären schon mal weitere Kandidaten… wer kennt mehr?

Corvers-Kauter, Mittelheim

2016 Rüdesheimer Drachenstein Riesling Spätlese trocken – der Begriff „Spätlese“ ist hier zwar völlig überflüssig, denn der Wein ist auch so als großartig zu erkennen, aber gut: typischer Vertreter Rüdesheims, guter Trinkfluss, dabei aber mit großer Komplexität und Finesse, top! Und der 2016er Roseneck ist ein echter Charakterkopf mit Druck am Gaumen, Finesse und Länge, feine Ecken und Kanten!

Jakob Jung, Erbach

2016 Hohenrain Riesling GG – mal so zwischendurch ein GG von Jung, immer verlässlich, immer präsent, guter Druck am Gaumen, dabei dennoch spielerische Klasse zeigend, fein.

Allendorf, Winkel

2015 Jesuitengarten Riesling GG - also das ist außerordentlich gut und entwickelt sich wirklich prächtig, und wer in der Hitze etwas leichtes, erfrischendes sucht, der greife zum fruchtsüßen 2017 Allendorf Kabinett, ein trinkfreudiges Gewächs mit Spaßfaktor!

Barth, Hattenheim

bei Barth lohnt mal wieder ein längerer Aufenthalt, denn einerseits sind großartige Weine im Gepäck (bei mir hatte das 2015 Hassel GG die Nase leicht vorn vor dem 2016er Wisselbrunnen), und darüber hinaus nicht weniger als 6 Sekte... 2013 Schützenhaus brut nature ist (vermutlich) der beste Sekt, der auf Weinwoche insgesamt verkostet werden kann, allen Gegenvorschlägen gehe ich gerne nach. Das ist großes Perlen-Kino, gigantisch.... und weil der Bessere leider der Feind des sehr guten ist, muss sich der 2011 Ultra Pinot brut nature mit dem zweiten Platz begnügen... Was soll ich hier weiter viele Worte verlieren, selbst probieren!

Abteihof, Johannisberg

1985 Vogelsang Riesling Kabinett - Claus Odernheimer hat immer auch einen "Bückwein" für Fans gereifter Weine dabei, und diesen Kabinett hätte ich eigentlich 7-8 Jahre jünger geschätzt... sehr saftig, sehr klar, gute Säurestruktur... wer es jünger mag: der 2017er Riesling Kabinett trocken aus der Johannisberger Hölle ist ein leckerer Schoppen...

Schloss Johannisberg, Johannisberg

2017 Bronzelack Riesling trocken - einfach ein gelungener neuer Wein, auch wenn es im Hinblick auf Komplexität und Struktur noch Luft nach oben geht, aber schon jetzt jeden Versuch wert... lecker!

Altenkirch, Lorch

2017 Lorcher Krone und 2013 Lorcher Krone (Magnum) - was für ein reizenden Pärchen im Glas, 2013 ist einfach ein genial-guter Jahrgang für Riesling, sehr frisch, elegant, feinfruchtig, top

Freimuth, Geisenheim

2016 Unterer Bischofsberg Riesling GG - dieses neuen Gewann war mir bisher verborgen geblieben, aber jetzt bin ich recht begeistert, sehr würzig und stoffig, gute Länge, gute Zukunftsperspektive!

Speicher-Schuth, Kiedrich

2017 Gräfenberg trocken und 2016 Wasseros Erstes Gewächs - immer eine  Bank, immer reintönig, immer glasklar und elegant, in Stil und Handschrift unverkennbar, gut

Steinmacher und Sohn, Kiedrich

2017 Gräfenberg Kabinett und 2017 Klosterberg Terroir trocken, beide sehr geschliffen, klar, guter Trinkfluss

Künstler, Hochheim

2017 Chardonnay trocken und 2016 Stielweg Riesling Alte Reben... Weine voller Substanz, hier Kraft, da Finesse

Peter & Christine Keßler, Hallgarten

2017 Kabinett Riesling trocken ... der "Reparaturwein" zum Abschluss, schön wars, see you 2019!

Im Sektgut Bardong

Sektgut Bardong, Geisenheim

Norbert Bardong ist ein Sektkünstler. Und er will genau das, was die Sektindustrie scheut wie den Teufel das Weihwasser: Herkunft und Jahrgang eines (hervorragenden) Grundweins müssen im Sekt schmeckbar sein. Auch noch nach 36 oder mehr Monaten Hefelager. Gereife Weine exzellent veredelt und frisch degorgiert, das ist ein Erlebnis, dass Familie Bardong in ihrem schönen Keller nördlich des Geisenheimer Bahnhofs bietet. Hier liegen mehr als 200.000 Flaschen, rund drei Dutzend Winzer vertrauen ihre Weine Familie Bardong nicht ohne Grund zur Lohnversektung an. Wir haben uns nach längerer Zeit mal wieder durch die Kollektion getrunken, und waren wieder begeistert von Finesse und Eleganz… den nachhaltigste Eindruck haben die hinterlassen:

2014 und 2007 Chardonnay brut – feine Cremigkeit, guter Trinkfluss, langer Nachhall, feine Perlage, ein Genuss

2010 Erbacher Honigberg und 2010 Deidesheimer Hofstück brut – zeigt, welch großartiger Jahrgang 2010 für die Basis herausragender Sekte war, der Deidesheimer ist für einen „Pfälzer“ höchst ungewöhnlich, aber hochlecker.

2009 Assmannshäuser Hinterkirch extra brut – was ein großartiger Rotsekt. Das ist zwar nur was für Spezialisten, aber ideal auch als Essensbegleiter zu einem Sektmenü…eine Rarität im Rheingau, die jede Sünde wert ist…

1998 Bardong Reserve brut – ein Sekt zum Niederknien. Wirkt sehr frisch, feine Cremigkeit, dezente, noble Reife, feiner Duft, langer Nachhall… so was gibt’s nur hier! Hut ab! 

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Dillmann, Geisenheim

2016 Kläuserweg Riesling Reserve Barrique**** - „Gut Ding will Weine haben“, lautet das charmante Motto von Dillmann in Geisenheim, der mal wieder seine Straußwirtschaft geöffnet hat. Das Familienweingut, das in kurzer Zeit von 3 auf 8,5 Hektar erweitert wurde, scheint auf einem gutem Weg, nicht nur wegen des stets großen Publikumsandrangs. Gerade ist ein neuer Keller im Bau… das könnte der Qualität nochmal einen Schub geben. Riesling & Barrique ist eine Verbindung, der wir sehr zurückhaltend gegenüber stehen. Doch dieser Kläuserweg – die Spitze der Qualitätspyramide – ist gut, sehr gut gelungen, übrigens auch der Drei-Sterne-Lagenwein mit seiner Frische und Eleganz… Hut ab.       

Reuter & Sturm, Walluf

Das Wallufer Weinfest hat leider das traurigste Ambiente aller Rheingauer Weinfeste… ein Parkplatz, der immer aussieht wie ein schlimmer Parkplatz, dazu Kräne, rostende Schiffe und Materialien am Ufer… Idylle sieht anders aus. Das Beharren der Winzer auf diesem Standort ist völlig unverständlich…. Mehr als eine kurze Stippvisite und einen Sekt muten wir uns hier nicht zu…

Roter Riesling Sekt brut sowie R+S Sekt brut – zwei sehr feinperlige Schaumweine aus dem Hause Reuter & Sturm, sehr cremig, elegant, guter Nachhall, Trinkfreude!

Schloss Johannisberg, Johannisberg

2017 Gelblack trocken – diesmal ist der Gutswein meines Erachtens herausragend gut gelungen, und am besten schmeckt er am neuen Weinprobierstand am „Goetheblick“, dem beliebten Aussichtspunkt östlich der Kirche. Dort einen Ausschank einzurichten, das war eine sehr gute Idee…. Top!

Hessische Staatsweingüter Kloster Eberbach

Mit der Weinloge der Kranenmeister gab es einen interessanten Dialog und Austausch, und dazu eine Reihe herausragender Weine, die das Potential gut widerspiegeln:

Höllenberg Spätburgunder GG 2013, 2014, 2015.. für mich hatte 2015 die Nase vorn, zumal 2014 schon recht stark gereift wirkt, aber dieser Ansicht war längst nicht jeder Verkoster….

2017 Crescentia trocken –Linie Neroberg, Baiken, Steinberger

Ja, Frucht oder Mineralität ist hier die Frage? Den Neroberger habe ich sofort erkannt, doch plädierte mein Gaumen eindeutig für den Steinberger, der Baiken stand irgendwie dazwischen…

Erbacher Marcobrunn Riesling GG, 2009, 2013, 2016… der Hammer, wie gut und frisch 2009 sich präsentierte… und wie befremdlich 2013, aber 2016 gewann die meisten Stimmen (nicht meine) für Süffigkeit und Komplexität….

Steinberger, 2017 Spätlese, 2015 Mauerwein, 1995 Spätlese – ein hochinteressantes Trio, wobei der Charme der Jugend einfach überwältigend war…

Griff in die Schatzkammer

1963 Erbacher Marcobrunn – so ein Mist, Kork!

1959 Steinberger Spätlese – aristokratisch, fein, elegant

1959 Höllenberg Spätburgunder Natur Cabinet – der Wein des Abends, ein Hut-ab-Wein bzw. eine Weinmajestät, vor der man sich verneigt. Wohl dem, der so eine Schatzkammer und so ein Lagenportfolio hat… aber da geht noch mehr…. !

Ott

 

2016 Grüner Veltliner Ried Feuersbrunner Rosenberg (Magnum) - Wow, ich muss endlich mal auf ein Veltliner und Sauvignon Gelage nach Österreich! 

Henkell schluckt Freixenet

Im Sekttrinken sind wir Deutschen ungeschlagene Weltmeister, köpften wir im vergangenen Jahr doch mehr als 400 Millionen Flaschen Schaumwein. Damit rinnen - statistisch gesehen - jedem Bundesbürger immerhin 3,8 Liter die Kehle hinunter. Das ist ein großer Schluck aus der Sektpulle, und den darf sich jetzt auch Henkell & Co. gönnen. Denn die Europäische Kommission hat der Übernahme des spanischen Konkurrenten Freixenet zugestimmt. Über den Preis kann – wie in solchen Fällen üblich - nur spekuliert werden, denn die Beteiligten hüllen sich in Schweigen. Nach Berichten von Branchenkennern war Freixenet zuletzt mit rund 440 Millionen Euro bewertet worden. Demnach haben die Wiesbadener, die 2017 auf einen Jahresumsatz von knapp 530 Millionen Euro kamen, etwa 220 Millionen Euro für 50,67 Prozent der Aktien auf den Tisch gelegt. Für die durstigen deutschen Sektliebhaber ändert sich dadurch wohl nichts. Für die Branche allerdings schon. Galt bislang stets das Prinzip, dass die Großen die Kleinen schlucken und dadurch noch größer werden, so hat es mit Freixenet nun ein traditionsreiches Schwergewicht der Schaumweinbranche getroffen. Doch die Spanier drückten dem Vernehmen nach schon länger nicht geringe wirtschaftliche Sorgen, während Henkell aus dem finanziell höchst potenten Haus Oetker offenbar auf eine gut gefüllte Kriegskasse zurückgreifen kann, wenn sich marktstrategisch bedeutsame Chancen eröffnen. Und eine solche ist der Kauf von Spaniens größtem Getränke-Exporteur und weltweit führendem Cava-Hersteller allemal. Freixenet hat Dependancen in 19 Ländern weltweit, darunter die Vereinigten Staaten, Argentinien, China und Australien. Seine Erzeugnisse werden in 109 Länder exportiert. Und mit einem Jahresumsatz von zuletzt rund 535 Millionen Euro lagen die Spanier sogar ganz knapp vor Henkell, der alles andere als ein Leichtgewicht ist. Henkell hat Tochtergesellschaften in 22 Ländern, die ebenfalls in mehr als 100 Länder rund um den Globus exportieren. Mit Sekt, Wein, Prosecco und Spirituosen ist Henkell Marktführer.

Eine Übernahme auf Augenhöhe bedarf bisweilen eines langen Atems. Schon im Frühjahr 2016 war die Übernahmeofferte an die Katalanen bekannt geworden. Die spanische Wirtschaftspresse berichtete seinerzeit zuerst von dem Gebot aus Hessen für den Mehrheitsanteil an Freixenet. Danach hieß es offenbar Abwarten und Tee trinken. Dass erst im März dieses Jahres der Kaufvertrag unterzeichnet wurde, soll unter anderem am anfänglich heftigen Widerstand einer der Eigentümerfamilien, am plötzlichen Tod eines Mitgesellschafters und an den Auswirkungen des katalanischen Freiheitskampfs gelegen haben. Denn der Stammsitz von Freixenet ist Sant Sadurní d’Anoia, und das liegt gar nicht weit von Barcelona. Das Unternehmen soll sogar eine Verlagerung des Firmensitzes erwogen haben, um wirtschaftlich nicht in den Strudel des politischen Ringens um Unabhängigkeit zu geraten.

Doch die Geduld von Henkell hat sich am Ende ausgezahlt. Die Spanier werden von Henkell auch nicht nur einfach geschluckt und ihre Marken ins Sortiment eingereiht, wie es deutlich kleineren Mitbewerbern in der Vergangenheit ergangen ist. Vielmehr ist von einer „strategischen Partnerschaft“ die Rede. Nach einer Kapitalerhöhung durch den Ehrenpräsidenten von Freixenet, José Ferrer Sala, werden ihm und José Luis Bonet Ferrer zusammen 50 Prozent des Aktienkapitals an Freixenet gehören, Henkell die anderen 50 Prozent. Nicht beantwortet wurde offiziell die Frage, wo im Fall der Fälle die letzte Entscheidung getroffen wird. Alles spricht für Wiesbaden.

Henkell sieht im Ergebnis der Transaktion einen guten Grund, die Korken knallen zu lassen, denn die neu entstandene, „weltweit führende Schaumweingruppe“ ermögliche den Zugang zu neuen Märkten und Vertriebskanälen. Tatsächlich ergänzen sich die beiden Unternehmen vor allem im Hinblick auf ihre Exportanstrengungen auf verschiedenen Kontinenten recht gut. Mit Spannung wird zu beobachten sein, ob Freixenet seine bisweilen offensiven und auch preisaggressiven Anstrengungen, sich ein möglichst großes Stück am lukrativen deutschen Sektmarkt zu sichern, einfach so fortsetzen wird.

Die Vielfalt dieses Marktes ist auch im internationalen Maßstab sehr groß, die Zahl der Erzeuger dagegen überschaubar klein. Denn der größte Sektmarkt der Welt wird nun noch von drei Riesen beherrscht. Am Regal im Einkaufsmarkt ist das nicht zu erkennen, denn die vermeintliche Markenvielfalt vermittelt dem unbedarften Sektkäufer ein völlig falsches Bild. Kupferberg und Deinhard, Fürst von Metternich und Söhnlein Brillant, Schloss Rheinberg und Carstens SC, Menger-Krug und jetzt auch Freixenet, das alles sind Sekte im Portfolio von Henkell und Co. Der schärfste Konkurrent, Rotkäppchen-Mumm in Freyburg und Eltville, bietet neben Mumm und Rotkäppchen auch Jules Mumm und „MM extra“ sowie die Nobelmarke Geldermann an. Und Schloss Wachenheim konkurriert unter anderem mit Faber und Feist, Belmont und Hanse Sekt und die Gunst der Freunde des Perlenspiels im Glas. 

Die Lage, die Lage, die Lage

Das neue Prinzip der deutschen Wein-Hierarchie soll simpel und einleuchtend sein: Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität. Auf einem Weinetikett stünde demnach die Bezeichnung „Rheingau Riesling trocken“ für die Basisqualität im Sortiment eines Rheingauer Winzers. Qualitativ und preislich eine Stufe darüber stünden Ortsweine wie ein „Kiedricher Riesling“ oder ein „Rüdesheimer Riesling“. Die Weine werden aus der Ernte von Parzellen zusammengestellt, die ausschließlich aus Weinbergen eines einzigen Ortes stammen. Die Spitze der Qualitätspyramide bilden Weine aus Einzellagen, mithin ein „Kiedricher Klosterberg“ oder ein „Rüdesheimer Burgweg“. Und aus weltweit bekannten, besonderen Spitzenlagen wie dem „Kiedricher Gräfenberg“ oder dem“ Rüdesheimer Berg Schlossberg“ könnte als Qualitätsspitze ein besonders guter und teurer Premiumwein stehen.

So ähnlich sieht seit einigen Jahren schon die Qualitätspyramide des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP) mit seinen 200 Mitgliedern. Es ist eine Abkehr vom Mostgewicht als bestimmenden Qualitätsmerkmal hin zum Boden, zum Terroir. Ein Wandel, der schon in diesem vergleichsweise überschaubaren und homogenen kleinen Erzeugerverband für Eruptionen sorgte und Widerstand provozierte. Im deutschen Weinbauverband, in dem neben den vielen Familienweingütern vor allem große Genossenschaften und Kellereien eine bedeutsame Rolle spielen, tut sich die Verbandsspitze noch deutlich schwerer, vergleichbare Veränderungen durchzusetzen. Doch an der Notwendigkeit, das bisherige System zu verändern, besteht eigentlich kein Zweifel. Zumindest nicht unter den Weinfunktionären.

„Derzeit ist die Weinlage kein Garant für Qualität“, bedauerte der deutsche Weinbaupräsident Klaus Schneider in diesem Frühjahr in Mainz bei der Eröffnung der VDP Weinbörse. Die Nennung einer Weinbergslage auf dem Etikett soll seiner Ansicht künftig „nicht nur ein Hinweis auf die Herkunft, sondern ein Qualitätsversprechen“ sein. Je kleiner der Herkunftsort, desto höher die Qualität - das soll das Prinzip der Zukunft sein.

Für solche Überlegungen gibt es den Beifall des VDP. Dessen Präsident, der Pfälzer Winzer Steffen Christmann, hält es für unstrittig und seit langem „überfällig“, dass das Weingesetz von 1971 reformiert werden muss. In Deutschland sind seiner Ansicht nach die Voraussetzungen für die Hervorhebung der Weinlagen auf dem Etikett und im Marketing besonders gut, weil kaum ein Land so gut über seine Weinbergsböden und deren – unterschiedliche – Güte Bescheid weiß. Zudem wäre es ein Zurück zu den Wurzeln, denn in der Zeit um 1900, als einige deutschen Weine teurer als die besten Tropfen aus dem Bordeaux waren, zählten nun Weinberg und Erzeuger als Qualitätsausweis. Kabinettweine waren unbekannt. Es gab allenfalls die auf Schloss Vollrads im Jahr 1716 „erfundenen“ Cabinet-Weine, womit später die besten Tropfen aus den Schatzkammern renommierter Güter bezeichnet wurden. Heute scheint es, als seien sich die VDP-Winzer mit Immobilienmaklern einig, dass es in ihrem Gewerbe immer nur auf drei Dinge ankomme: die Lage, die Lage, die Lage.

Doch in der Gegenwart ist die Generation der aktiven Winzer geprägt von einem knapp 50 Jahre alten Weingesetz, das den Winzern unter anderem die Fixierung auf das Mostgewicht als Qualitätskriterium und die Verwendung von Großlagen auf den Etiketten beschert hat. Dabei hat der Klimawandel einer Qualitätspyramide nach Mostgewicht (aufsteigend Qualitätswein, Kabinett, Spätlese, Auslese) bei den trockenen Weinen weitgehend den Boden entzogen, und die Großlagen sind ein Etikettenschwindel: ein Wein mit der Großlagen-Bezeichnung „Rauenthaler Steinmächer“ darf sich heute aus Weinen aus 27 Einzellagen in den Gemarkungen von Walluf, Martinsthal, Eltville, Frauenstein, Schierstein, Dotzheim und Rauenthal zusammensetzen. Es muss aber kein einziger Tropfen aus Rauenthal in dieser Cuvée sein, obwohl sie den Namen dieses Weindorfs trägt. Die Großlage macht vieles möglich, auch Unsinniges.

Gleichwohl gibt es Winzer, aber auch Genossenschaften und Kellereien, die an diesem System festhalten. Sei es aus Gewohnheit oder weil ein Wein mit einer bestimmten Bezeichnung auf dem Etikett schon lange im Sortiment ist und seine Stammkundschaft hat. Ein Beispiel ist Uwe Rußler in Rauenthal. Der bodenständige und ambitionierte Winzer hat etliche Weine unter der Bezeichnung der Rauenthaler Großlage im Angebot und verweist auf die Nachfrage: „Meine Gästen Fragen nach dem feinen Steinmächer“. Seinen Rotwein erntet er aus zwei großen Weinbergen in der Martinsthal und in Rauenthal und führt sie unter dem Großlangebegriff zu einem Wein zusammen. Und der „trockene Kabinettwein“ ist für den Winzer gelebte Weintradition. Er ist 1976 geboren und kennt es gar nicht anders.

Wirtschaftlichen Erfolg hat er mit seiner Strategie, sich an den tatsächlichen oder vermeintlichen Kundenwünschen zu orientieren, obendrein. Doch das erschwert den Wandel in einer Zeit, in der das gesamte europäische Bezeichnungsrecht vor einer Zäsur steht. Die deutschen Weinregionen erhalten künftig ein hohes Maß an Selbstverwaltung und Selbstbestimmung, solange sie sich im Rahmen des deutschen Weingesetzes bewegen. Um diese Spielräume zu nutzen, haben die Rheingauer Winzer kürzlich eine sogenannte Schutzgemeinschaft gegründet, deren Aufgabe es ist, die „geschützte Ursprungsbezeichnung“ Rheingau mit Leben zu erfüllen. Denkbar ist – theoretisch – vieles, gar revolutionäres. Beispielsweise könnten die Winzer festlegen, dass nur noch Riesling und Spätburgunder unter der Herkunftsbezeichnung „Rheingau“ verkauft werden darf. Oder sie könnten für diese Weine die Handlese oder ein bestimmtes Mindestmostgewicht vorschreiben. Auch die Bannung der Großlagen und die Reservierung der Lagenbezeichnungen für Spitzenweine gehört dazu.

Doch das ist graue Theorie, und die viele Rheingauer Winzer sind konservative Vertreter ihrer Zunft. Schon die Bildung der Schutzgemeinschaft war in ihrer jetzt gewählten Zusammensetzung nicht unumstritten. Weinbaupräsident Seyffardt musste erkennen, dass ein Verzicht auf die althergebrachten Prädikate bei trockenen Weinen nicht durchsetzbar ist. Es wird von Rheingauer Winzern also weiterhin trockene Kabinettweine in Verbindung mit der Nennung einer Einzellage auf dem Etikett geben dürfen, ebenso trockene Spätlesen und sogar trockene Auslesen.

Das erschwert die Profilierung der Einzellagen. Wenn ein Winzer einen Rüdesheimer Burgweg Kabinett trocken, eine Rüdesheimer Burgweg Spätlese trocken und eine Rüdesheimer Burgweg Auslese trocken gleichzeitig im Sortiment haben darf, dann ist die Verwirrung beim Kunden groß. Auch Winzer Rußler hat einen Kabinett trocken und eine Spätlese trocken der Einzellage Rauenthaler Wülfen im Angebot. Geschmacklich, versichert er, seien das zwei ganz verschiedene Weine. Aber was heißt das dann für die geschmackliche Prägung der Lage Wülfen? Kein Wunder, dass Weinbaupräsident Seyffardt, politisch erfahren als früherer Kommunalpolitiker und Landtagsabgeordneter, klug genug ist, um zu erkennen, dass die Widerstände unter seinen Berufskollegen zu groß sind, und er weiß, dass jede noch so bescheidene Reform davon abhängt, dass die 500 Mitglieder auch mitziehen.

Somit wird es bei den trockenen Prädikaten bleiben, auch wenn der Kabinettwein möglichst als „Leichtwein“ mit geringem Alkoholgehalt von 12 Prozent und weniger profiliert werden soll. Auch die Großlage soll nicht ersatzlos abgeschafft werden, sondern womöglich durch den Zusatz „Bereich“ oder „Region“ ergänzt werden. „Region Rauenthaler Steinmächer“ soll somit klar genug sein, um für den Verbraucher die Verwechslung mit einer Einzellage wie „Rauenthaler Baiken“ auszuschließen. Mutig sind diese zögerlichen Schritte nicht, weitreichend auch nicht. Und das Prinzip „je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“, wird allenfalls ansatzweise verwirklicht. Doch mehr ist unter den insgesamt noch 600 Rheingauer Winzern derzeit nicht durchsetzbar. Schade. (auszugsweise aus der FAZ am Sonntag vom 29.07.2018)

Aus dem Verkostungstagebuch

Marcobrunn und Mannberg

zwei klingende Namen unter den Rheingauer Weinbergslagen. Zwei Terroir-Nachbarn zwischen Erbach und Hattenheim, beide prädestiniert für große Weine. Das Weingut Langwerth von Simmern hat neben den Staatsweingütern als einzige das Glück, in beiden Weinbergen begütert zu sein. Nun ist es auch das Weingut Höhn in Wiesbaden, denn Jürgen Höhn ist es gelungen, fünf Hektar Weinberge aus dem Portfolio von Langwerth von Simmern zu kaufen, darunter übrigens auch Nussbrunnen (der im ersten Jahr als saftige süße Spätlese auf den Markt kommt). Während über die Immobilie von Langwerth inzwischen Klarheit herrscht (Verkauft an Bauunternehmer Jökel aus Schlüchtern) gilt das für die verbliebenen 18 Hektar Rebfläche – zum heutigen Zeitpunkt – noch immer nicht. Während wir grübeln, wer wohl den Zuschlag erhält – die Ernte kommt früh 2018! – stellte Höhn bei seiner Jahrgangspräsentation die ersten der neuen Lagenweine vor. 2017 Mannberg und 2017 Marcobrunn Spätlese werden dabei preislich knapp über das Erste Gewächs aus der Schiersteiner Hölle gestellt, da ist ein guter Ansatz! Auch wenn beim Restzucker für meinen Geschmack bei beiden ein wenig zu hoch gegriffen wurde, so zeigt der Marcobrunn doch gut seinen festen, druckvollen, zu diesem Zeitpunkt aber noch stets recht verschlossenen Charakter, während der Mannberg schon zugänglicher und eleganter wirkt mit guter Mineralität und feiner Säure. Beide Weine brauchen noch Zeit, und ich auch zum Nachverkosten, das finale Urteil zu gegebener Zeit dann hier….

Auf dem Rhein

Mit der „Boppard“ von Eltville nach Oberwesel, mit der „Godesburg“ von Bacharach nach Rüdesheim, das macht an einem Sommer-Sonntag Laune. Was man auf den beiden Schiffen der KD-Flotte so erlebt, dazu mehr in der FAZ. Die erfreuliche Nachricht für diesen Blog lautet: Es gibt mehr als nur trinkbare Weine auf den Schiffen…! Wir haben die Mittelrhein-Burgen gezählt und dabei

Matthias Müller 2017 Bopparder Hamm Riesling feinherb getrunken sowie Weingut Karl Heidrich 2016 Riesling trocken… das war ganz ordentlich, es hätte sogar 2016 Rüdesheim Estate von Breuer gegeben, aber da der Ausklang ohnehin im Rüdesheimer Schloss stattfand… wo übrigens der brandneue, straffe „2017 Blanc Weisser Burgunder“ großen Trinkfluss entfaltete. Eine echte Empfehlung!

Steinmacher & Sohn, Kiedrich

Endlich hat auch Bürgermeister und Winzer und Tausendsassa Winfried Steinmacher wieder einen Pächter für seine Schänke „Zum Wibbes“. Die früheren Betreiber des Rheingauer Hofs in Eltville haben hier ihre neue Aufgabe gefunden. Die Küche ist deftig-rustikal und wohl auch deshalb haben die eigensinnigen Kiedricher die Schänke ordentlich angenommen. Die Wein von Steinmacher haben in den vergangenen Jahren deutlich an Qualität zugelegt, das ist erfreulich. Aus der aktuellen Kollektion nebem dem „Klosterberg“ besonders empfehlenswert:

2017 Kiedricher Wasseros Edition Johannes Riesling trocken

2016 Kiedricher Sandgrub „Riesling Terroir“

Hessische Staatsweingüter

1971 Heppenheimer Centgericht Riesling Spätlese

… wie gut dass Niko Kovac Jahrgang 1971 ist und jetzt die Bayern trainiert… diese Flasche war der Wett-Verlust eines überzeugten Eintrachtlers, der noch immer unter dieser Niedertracht leidet… für mich als Bayern-Fan seit den 1970ern war diese diese filigrane Spätlese umso mehr ein Genuss… und jetzt muss Kovac nur noch liefern….

Sterne aus Assmannshausen

Weingut Krone 2013 Spätburgunder Juwel

Weingut August Kesseler 1993 Höllenberg Spätlese trocken**

Weingut August Kesseler 2013 Cuvée Max Pinot Noir

Wer an der Güte der Assmannshäuser Roten je zweifelte, wurde an diesem Abend bekehrt… ein Fest des feinen Cassis und aller Stärken, die ein Top-Späbu zeigen kann…

Weedenborn, Rheinhessen

2017 Sauvignon blanc

2017 Westhofen Terra Rossa Sauvignon blanc

2016 Reserve Sauvignon blanc

Die Queen of Sauvignon, Gesine Roll, zeigt was sie kann: Sauvignon vom Feinsten, eine Benchmark. Wer mit dieser Rebsorten wirklich Ambitionen hat, findet hier den Maßstab, an dem es sich zu messen gilt… wer meint es geschafft zu haben, der lasse mich kosten!

Gronesteyn, Kiedrich

Nicht nur Steinmacher hat in Kiedrich wieder geöffnet, auch die Weinschänke Schloss Groenesteyn hat mit Dirk Schroer gemeinsam mit Amila Begic neue Pächter nach drei Jahren Stillstand (in denen Eric Elbert den „Esskork“ in Eltville startete…) Nach drei Besuchen können wir konstatieren: das wird was! Und unser Alleskönner zu den Gerichten von Schroer lautet vorerst

Chat Sauvage 2016 Chardonnay

… ansonsten hoffen wir, dass Ritter Groenesteyn seinen Keller öffnet und auch einige ältere Groenesteyn-Schätzchen auf der Weinkarte als Raritäten auftauchen…

Bürgerspital, Würzburg

Würzburger Stein 2015 Silvaner trocken und 2013 Riesling trocken VDP.Erste Lage – sehr lecker, mein klarer Favorit derzeit in Würzburg unter den „großen 3“

Glaser-Himmelstoss, Nordheim

2016 Spätburgunder Blanc de Noir trocken VDP.Gutswein – leckerer Sommerwein, easy drinking zum fairen Preis.

Was passiert auf dem Johannisberg?

Auf Schloss Johannisberg ist Bewegung. Nicht nur baulich (siehe nachfolgenden Bericht), sondern auch vinologisch, wie eine kleine Jahrgangsverkostung zeigt

2017 Gelblack trocken – sehr intensive, klare Frucht, gutes Säure-Süße-Spiel, Schmelz, süffig mit gutem Trinkfluss, für mich vielleicht ein wenig zu süß geraten, aber als trockene Visitenkarte sehr gut gelungen…

2017 Bronzelack trocken – deutlich komplexer, mineralisch, leicht phenolische Noten, stammt aus der kühlsten Ecke des Schlossbergs, dem Gewann Nonnehöll, sehr präzise, guter Druck am Gaumen

2017 Silberlack – eine Fassprobe des Weines, der vielleicht ein GG werden könnte, sehr fein mit prägnanter Säure und großer Eleganz, noch recht verschlossen aber mit unverkennbar guten Anlagen, hohe Präsenz am Gaumen, guter Trinkfluss

2017 Rotlack Kabinett – klasse Fruchtspiel, viel Limette, sehr saftig mit rassiger Säure und reintöniger Frucht, läuft wie geschmiert die Kehle runter, Spasswein!

2017 Grünlack Spätlese – klassische Spätlese, nicht überladen mit Zucker, Trinkfluss dann sehr prägnanter Säure bei 8,5 Alkohol, viel Limette und Zitrone, trocknet im Abgang nach, langer Nachhall, sehr gut

2017 Rosalack Auslese – saftig-süße Opulenz, perfekt zur Zigarre, aber auch zum scharfen Curry oder zum Stilton und Blauschimmel, solo schon fast zu süß…

2017 Purpurlack Beerenauslese – Früchteexplosion im Gaumen, dick, fett, schnell satt machend, für Liebhaber dieser Kategorie eine Wucht, für alle anderen reicht einmal Nippen, um beeindruckt zu sein, ein Wein für die Ewigkeit

2017 Blaulack TBA – die süße Krone des Jahrgangs, opulent, dick, Dörrobst und Honig mit Karamell, höchste Konzentration, die Majestät auf dem Schloss.

Das älteste Rieslingweingut der Welt will mit diesen Weinen wieder zu den weltbesten Weißweinerzeugern zählen. Das geht nicht ohne Konzentration und Investition. Für das Weingut Mumm ist da (fast) kein Platz mehr

Derzeit garantiert ein weithin sichtbarer Kran Aufmerksamkeit, und viele Bürger fragen sich: Was passiert auf Schloss Johannisberg? Das Wahrzeichen des Rheingaus ist derzeit eine Baustelle. Doch es geht um weit mehr als um eine Verschönerung und Modernisierung des ehemaligen Sitzes der Fürsten Metternich. Eines der berühmtesten Weingüter der Welt ist im Umbruch. Das auffälligste Zeugnis ist ein Neubau, der die ehemalige Cuvée-Kellerei verlängert. Rechtzeitig vor Beginn der Ernte soll die neue Kelterhalle fertig sein. Dort sollen dann mit neuester Technik alle Trauben des Schlosses angenommen und gepresst werden.

Verbunden ist der Erweiterungsbau mit einer Zäsur. Das bislang mit Schloss Johannisberg auf das engste verbundene Weingut G.H. von Mumm bleibt zwar formal erhalten, verschwindet aber als Erzeuger nahezu von der Bildfläche. Der Standort an der Straße „Am Erntebringer“ wird aufgelöst und verkauft. Die 60 Hektar Weinberge bleiben zwar erhalten, doch nur noch ein sehr kleiner Teil der Ernte wird künftig noch unter dem Namen G.H. von Mumm in Flaschen gefüllt und auf Burg Schwarzenstein und in der Schlossschänke Johannisberg angeboten. Der weitaus größte Teil der Menge wird von Henkell & Co. in Wiesbaden für die Sekterzeugung übernommen und soll in eine Prestige-Cuvée von Fürst von Metternich fließen.

Henkell gehört zur Oetker-Gruppe, Schloss Johannisberg ist seit fast 40 Jahren ebenso im Familienbesitz der Oetkers wie das 200 Jahre alte Weingut Mumm. „Wir legen unseren Fokus jetzt ganz auf Schloss Johannisberg und seine Weine“, sagt Geschäftsführer Stefan Doktor, der gemeinsam mit Marcel Szopa seit Herbst 2016 die Neuordnung vorantreibt. Szopa ist bei Henkell überdies für die Sektherstellung verantwortlich.

Zu dieser Neuordnung des ältesten Riesling-Weinguts der Welt gehört auch, dass die Renommierlage „Schloss Johannisberg“ durch die Eingliederung benachbarter Weinbergsparzellen von bislang 35 auf 45 Hektar erweitert wurde. Der große Mumm´sche Weinbergsbesitz von rund 60 Hektar, bislang ein Flickenteppich im Rheingau, wurde durch Tausch mit anderen Rheingauer Winzern inzwischen soweit arrondiert, dass die Bewirtschaftung deutlich effizienter möglich ist. Für dieses Ziel wurden sogar Rotweinflächen im berühmten Höllenberg von Assmannshausen aufgegeben.

Nach der Aufgabe des bisherigen Standortes von Mumm in Johannisberg werden alle Trauben in der neuen Kelterhalle am Schloss verarbeitet. Damit die daraus gewonnenen Moste verarbeitet werden und die Jungweine reifen können, wird der Keller modernisiert und erweitert. Ein alter, bislang nicht genutzter Gewölbekeller ist schon für die Aufnahme neuer Edelstahltanks vorbereitet worden. Ein weiterer Keller wurde unter der Eingangspforte des Schlosses gegraben.

Mit 45 Hektar Schloss Johannisberger Rieslingweinberge sieht Doktor das Weingut für die Zukunft gut aufgestellt. Die neue Führungsmannschaft wurde im vergangenen Jahr zudem durch Michel Städter als Außenbetriebsleiter ergänzt, der bislang das Johannisberger Weingut Chat Sauvage geleitet hat und sich nun ganz um die Pflege Schlossweinberge kümmert. Doktor ist begeistert, wie sich die Weinberge heute optisch präsentieren. Und er will „das war hier wächst perfekt ins Glas bringen“. Reintönige, ausdrucksstarke Weine mit Charakter sind sein Leitbild.

Dazu wurde auch das Sortiment verändert. Entsprechend der Strategie des Verbands der Prädikatsweingüter gibt es keinen trockenen Schloss Johannisberger Kabinettwein mehr, der bislang gemäß der alten Tradition des Schlossweinguts als „Rotlack“ im Sortiment war. An seine Stelle tritt ein „Bronzelack“-Riesling, der aus dem klimatisch kühlsten Gewann des Schlossweinbergs stammt, dem so genannten „Nonnenhöll“. Doktor will, dass jede Lackfarbe für einen Wein mit eigenem Charakter und Profil steht. Das gilt auch für den Gelblack als fruchtbetontem Basiswein und noch stärker für den Silberlack, das „Große Gewächs“ des Weinguts. In sehr kleiner Menge soll in absehbarer Zeit noch ein trockener „Goldlack“ als Superpremiumriesling folgen.

Die Johannisberger Weinen sollen laut Doktor einen hohen „Trinkfluss“, und davon sollen sich möglichst viele Bürger überzeugen können, die vor dem Schloss vielleicht ein Art Schwellenangst befällt. Der im Rheingau „Goetheblick“ genannte Aussichtspunkt wenige Schritte östlich des Schlosses und seiner Kirche wurde inzwischen zu einem Weinprobierstand umgestaltet, der bei guten Wetter am Wochenende geöffnet ist und sich an die vielen Ausflügler am 50. Breitengrad wendet.

Die qualitativen Ansprüche, die Doktor formuliert, sind hoch: Sein Ziel sei es, das Schloss unter den besten Weißweingütern der Welt zu etablieren.

Wenn es gelingt, wäre es auch aus historischer Sicht nicht weniger als eine Selbstverständlichkeit: „Den besten Wein trinkt der Fürst von Fulda mit seinen Domherren; denn ihm gehört die Propstei mit dem besseren Teil der Weinberge“, schrieb schon Ernst Moritz Arndt über die Erzeugnisse des Schlosses. Die Säkularisierung und die Übergabe an die Fürsten Metternich nicht änderten daran nach 1815 wenig. Wilhelm Grimm schwärmte 1883: „Einen schönen Nachmittag haben wir auf der Altane des Johannisberger Schlosses gesessen, ich glaube ruhiger und vergnügter als der Fürst Metternich selbst, bei einer Flasche seines Kabinettsweines, der zwar mit Gold muss bezahlt werden, wogegen aber auch aller andere Wein nur eine Art gutartiger Essig ist“.

Schloss Johannisberg hat deutsche Weinbaugeschichte geschrieben. 1775 wurde hier die Spätlese „erfunden“. Im Schlosskeller wurde zuerst begonnen, Wein im großem Stil in Flaschen abzufüllen. Auf dem Johannisberg wurde die erste Auslese gekeltert und 1858 der erste Eiswein im Rheingau geerntet. Schlossweine hatten und haben ihren Preis. In „Auerbachs Keller“ im Leipzig kostet der Johannisberger 1863 immerhin vier Taler. Der Bordeauxwein von Chateau Margaux war schon für einen Taler zu haben...

Die Zukunft der Steillagen ist rot...

Steillagen sind landschaftsprägend. Sie geben Anbaugebieten wie dem Rheingau ihren unverwechselbaren Charakter. Doch der Aufwand der Bewirtschaftung ist hoch. Die Produktionskosten liegen weit über denen gut zu bewirtschaftender Flachlagen. Und kaum ein Konsument ist bereit, für eine Flasche Wein nur deshalb deutlich mehr auf den Ladentisch zu legen, weil Trauben in steilen Hängen gepflegt und mühsam geerntet werden. Dieses Dilemma trifft im Rheingau die hessischen Staatsweingüter besonders hart. Anders als bei privaten Weingütern gibt es keine Familienmitglieder, die den Weinberg bearbeiten. Jede Arbeitsstunde muss bezahlt werden. Und der landeseigene Betrieb ist nach den Recherchen seines Geschäftsführers Dieter Greiner das größte Steillagenweingut Deutschlands. Rund 92 Hektar Weinbergsfläche haben eine Hangneigung von mehr als 30 Prozent. Das hat gravierende ökonomische Konsequenzen: "Mir fehlen dadurch jedes Jahr eine Million Euro an Profit", sagt Greiner.
Eine Aufgabe eigentlich unrentabler Steil- und Steilstlagen, wie sie verschiedentlich an der Mosel, aber vor allem im Mittelrheintal zu beobachten war, kommt für das Staatsweingut im Rheingau aber nicht in Frage. Brachflächen sollen vermieden werden. Seiner Vorbildrolle will das Landesunternehmen durch eine Revolutionierung des Steillagenweinbaus gerecht werden, bei der die Hochschule Geisenheim eine zentrale Rolle spielt. Die Wissenschaftler sollen das Instrumentarium für die Weingüter vergrößern und praxistauglich weiterentwickeln. "Wir können die alten Strukturen in der Landschaft nicht ohne modernste Technik erhalten", sagt Hochschulpräsident Hans Schultz. Deutschland habe weltweit den höchsten Prozentsatz steiler Lagen an der Weinbergsfläche.
Der Senkung der Kosten ihrer Bewirtschaftung durch eine fortschreitende Mechanisierung und Automatisierung kommt dabei eine besondere Bedeutung zu, denn im Steillagenweinbau fallen durch die Topographie jährlich rund 1000 Arbeitsstunden zusätzlich an. Das bedeutet nicht nur Mehrkosten in fünfstelliger Höhe je Hektar. Vielmehr stellt sich auch die Frage, ob überhaupt genügend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen, um die notwendige Arbeit über das Jahr zu leisten, wenn das Geld dazu vorhanden ist.
Geht es nach den Geisenheimer Wissenschaftlern und den Staatsweingütern, werden immer mehr Maschinen zum Einsatz kommen, die möglichst autonom arbeiten. Für die Ernte hat das Staatsweingut im vergangenen Jahr schon mit gutem Erfolg eine für Steilhänge entwickelte Vollerntemaschine getestet. Viel Arbeit gäbe es auch für autonom fliegende Drohnen, beispielsweise zur Erkundung des Zustands der Reben und zum Ausbringen von Pflanzenschutzmitteln.
Der Einsatz einer Drohne könne dem Weingut rund 200 Arbeitsstunden je Hektar ersparen, sagt Hans-Peter Schwarz vom Institut für Technik der Hochschule. Mit bis zu zwölf Spritzungen ist der Pflanzenschutz während der Vegetationsperiode besonders kostentreibend. Zwar behelfen sich viele Weingüter derzeit noch mit dem Einsatz von Hubschraubern in steilen Lagen, doch der hat viele Nachteile: den Lärm, die keineswegs punktgenaue Anwendung der Spritzmittel und die Kosten sowie die Tatsache, dass der Einsatz immer einer behördlichen Ausnahmegenehmigung bedarf.
Die Arbeit des Hubschrauberpiloten können Drohnen vielleicht schon sehr bald besser erfüllen. Doch zunächst stehen weitere Versuche mit zwei Sprühdrohnen an, um die Blattbenetzung zu optimieren und den Abdrift der Mittel bei Wind zu minimieren sowie das autonome Abfliegen der Weinberge zu perfektionieren. "Die Robotik wird die Arbeit der Winzer aber verändern", sagt Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau. Rebschnitt, Mulchen, Laubschneiden und Pflege des Bodens um die Rebstöcke: Das alles könnte in einigen Jahren vielleicht Robotern übertragen werden.
Doch jenseits aller Mechanik und Robotik müssen noch weitere Methoden verfeinert und erforscht werden. Die Anlage neuer Weinberge quer zum Hang statt wie gewohnt in der vertikalen Falllinie gilt als eine vielversprechende Methode. Gerade erst haben die Staatsweingüter im Assmannshäuser Höllenberg einen Weinberg auf diese Weise neu angelegt. Auch der arbeitssparende Minimalschnitt der Reben ist in bestimmten Lagen eine Option, um die Arbeitskosten zu minimieren. Kosten und Ertrag solcher Strategien werden nun betriebswirtschaftlich intensiver untersucht.
Vor allem in warmen Jahren leiden Reben in Steillagen nicht selten unter Trockenheit. Die Bewässerung der Rebstöcke wird von den Staatsweingütern schon seit Jahren mit gutem Erfolg erprobt. Knackpunkt ist immer die Wasserversorgung und der damit verbundene Aufwand sowie die Auflagen und Einwände der Behörden, beispielsweise wenn es um den Einsatz einer Tauchpumpe im Rhein geht. Außenbetriebsleiter Stefan Seyffardt sieht jedenfalls einen guten Erfolg der bisherigen Praxis: 2016 brachte ohne jede Bewässerung eine Weinbergsparzelle im Rüdesheimer Berg nur eine mäßige Ernte. 2017 wurde laut Seyffardt an sechs Terminen bewässert, und die Trauben waren für die Produktion eines Spitzenweins geeignet, der deutlich höhere Preise erzielt.
In der Zukunft könnte sich aber auch die Frage stellen, ob der den Rheingau prägende Riesling in den Steillagen die dauerhaft richtige Rebsorte ist. In Baden-Württemberg denken Winzer schon darüber nach, in steilen Hängen statt des traditionsreichen Trollingers die teurer zu vermarktende Rebsorte Tempranillo zu pflanzen. Im Rheingau hält es Greiner durchaus für möglich, dass "die Zukunft der Steillage rot" ist, dass also Riesling durch Rotweinsorten ersetzt wird. Diese gedeihen wegen der starken Sonneneinstrahlung in den energiereichen Steillagen recht gut, und überdies ist laut Greiner der Weinfreund grundsätzlich bereit, für Rotwein mehr Geld auszugeben als für Weißwein. Auch dann, wenn ihn ein Roboter geerntet hat. (aus der FAZ vom 2.6.18)

10 Jahre Steinbergkellerei

Nicht Gras, sondern Reben wachsen über dem größten Zankapfel der Region
Mit ihrem neuen Arbeitsplatz ist Kathrin Puff überaus zufrieden. Die Ausstattung sei vom Feinsten, und im Tanklager sei nicht gespart worden, sagt die Neununddreißigjährige. Und dass beim Transport von Trauben, Most und Jungwein die Schwerkraft einen Gutteil der Arbeit im Keller erledigt und nicht gepumpt werden muss, was der Weinqualität abträglich wäre, gefällt ihr besonders gut. Das Lob der gebürtigen Krefelderin hat Gewicht. Denn die in Geisenheim und in Udine bestens ausgebildete Önologin mit reichem Erfahrungsschatz aus ihrer Tätigkeit für Weingüter in der Toskana, in Neuseeland und in Thailand verantwortet künftig in der Nachfolge von Ralf Bengel den Weinausbau für die Hessischen Staatsweingüter. Puff kommt mit vielen Ideen in den Rheingau. Ihr eilt der Ruf voraus, Weine mit feiner Aromatik und Struktur zu erzeugen. Und sie sieht ein großes Potential, das sie heben will.
Allerdings müsse dazu die Voraussetzung im Weinberg gelegt werden, sagt sie, denn im Weinkeller dürfe der Einfluss nur zurückhaltend sein. Sie will die Weinberge, das Terroir, sprechen lassen. Und weil kein Weinkeller "perfekt" ist, wünscht sich Puff noch mehr Tanks, um beim Ausbau experimentieren und beim Zusammenstellen der Cuvées "spielen" zu können. Auch an für die Staatsweingüter neuen Rebsorten wie Sauvignon blanc will sie sich versuchen, den Anteil der Burgundersorten erhöhen und überdies feinen Rosé erzeugen.
Geschäftsführer Dieter Greiner scheint solchen Wünschen aufgeschlossen gegenüberzustehen. Er zeigt sich begeistert von der Stilistik der ersten Weine, die Puff in die Flasche gebracht hat. Und die Önologin fiebert ihrer ersten Weinlese im Herbst entgegen. Ihr neues Engagement im Rheingau nach den Wanderjahren im Ausland fällt zusammen mit dem zehnjährigen Bestehen der Steinbergkellerei. Dort werden im Herbst die Trauben von 250 Hektar Weinbergen im Rheingau und an der hessischen Bergstraße in der Kellerei verarbeitet.
Dabei stand ihr Bau zeitweise auf des Messers Schneide. Doch in den vergangenen zehn Jahren haben die meisten Kritiker Frieden mit dem "großen Loch" am Steinberg geschlossen. Nur der frühere Landrat Burkhard Albers (SPD) war während seiner Amtszeit niemals dort gesehen worden und hat bis heute keinen Fuß in das Gebäude gesetzt. Dabei wohnt Albers im benachbarten Hattenheim.
Während energische Kritiker wie der Wallufer Winzer Hans-Josef Becker sogar zur Eröffnungsfeier erschienen, gab sich Albers stets unversöhnlich und klagte wenige Tage vor der Eröffnungsfeier, dass der "riesige Eingriff" in die historische Kulturlandschaft nicht zu heilen sein und als Wunde dauerhaft erhalten bleiben werde. Inzwischen sind es kleinere Kellereien privater Weingüter, die als Aussiedlungsprojekte im Rheingau für Aufregung sorgen. Am Steinberg hingegen ist Normalität eingekehrt, und die Neugier ist so groß, dass sich jährlich 6000 bis 8000 Besucher das Bauwerk zeigen lassen.
Unbestritten aber ist: Ohne den damaligen Ministerpräsidenten Roland Koch (CDU), der den Neubau als notwendigen Teil einer umfassenden Umstrukturierung des landeseigenen Unternehmens gegen viele Widerstände vorantrieb, wäre die Kellerei nicht gebaut und wären die Staatsweingüter vielleicht sogar aufgelöst oder verkauft worden, wie es Rheinland-Pfalz in einigen Fällen vorexerzierte.
Vor zehn Jahren wurde die Kellerei in Betrieb genommen, 10 000 Besucher bestaunten damals am ersten Wochenende das wieder von Rebstöcken überdeckte "Loch" von 80 Meter Länge, 60 Meter Breite und 13 Meter Tiefe. 10 000 Tonnen Beton und 1700 Tonnen Stahl waren verbaut worden, um mehr als 200 blitzende Edelstahltanks aufzunehmen. So entstand Deutschlands damals modernster Weinkeller, um dessen Bau über fast sieben Jahre hinweg erbittert gestritten worden war. In diese Auseinandersetzung waren auch Landtag, Regierungspräsidium, Kreistag und Verwaltungsgerichte involviert. Später gab Ministerpräsident Koch freimütig zu, den Protest gehörig unterschätzt zu haben.
Knapp 16 Millionen Euro kostete der Weinkeller. Gemessen an architektonisch herausragenden Weinkellereien in Südafrika, Südtirol und Kalifornien, war der Neubau gleichwohl funktional und bescheiden. Dass dennoch von einer "Kathedrale für den Riesling" die Rede war, lag vor allem an den Dimensionen: Knapp zwei Millionen Liter können in Tanks und Fässern gelagert werden, zudem rund 1,2 Millionen Flaschen. In den zurückliegenden zehn Jahren wurde an mancher Stellschraube gedreht. Die Erweiterung auf fünf große und eine kleine Weinpresse verdoppelte die Kapazität bei der Ernte. Eine Traubensortiermaschine wurde angeschafft, ebenso weitere Holzfässer, um den Spitzenweinen mehr Struktur und Strahlkraft zu geben.
Ungewöhnlich und hinderlich ist bis heute, dass die Kellerei über zwei Lastenaufzüge erschlossen wird und nicht direkt von Lastwagen angefahren werden kann. Doch das war ein damals unvermeidliches Zugeständnis an den sensiblen Standort in der Kulturlandschaft.
Unter der Prämisse, dass ein Bundesland es tatsächlich für notwendig hält, sich Deutschlands größtes Weingut zu leisten, war der Umzug an den Steinberg neben Kloster Eberbach die richtige Entscheidung. Denn es war eine Rückkehr, die vor allem von Greiner vorangetrieben wurde mit der nachvollziehbaren Argumentation, die Zukunft der Staatsweingüter liege in ihren Wurzeln und diese Wurzeln seien das Kloster und der Steinberg.
Denn nur 40 Jahre in der 900 Jahre währenden Geschichte des Weinklosters Eberbach war der Wein nicht am oder im Kloster selbst, sondern in Eltville ausgebaut worden. "Es kommt endlich wieder zusammen, was zusammengehört", sagte der damalige Weinbauminister Wilhelm Dietzel (CDU) zur Eröffnung. "Wir wollen und müssen nun ein Flaggschiff sein", gab Koch den Staatsweingütern damals ein ehrgeiziges Ziel vor, "sonst haben wir unseren Job verfehlt." Eine Aufgabe, der sich nun Kathrin Puff stellen muss. (aus meinem Text aus der FAZ vom 30.5.)

Schoppentrophy 2018

„Schoppen-Trophy“ geht an Weingut Mohr

 Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser verlieh Urkunden im Rheingau

„Ich gratuliere dem Weingut Mohr aus Lorch, dem diesjährigen Gewinner der „Schoppen-Trophy“. Dieser besondere Wettbewerb widmet sich gezielt den Einstiegsweinen. Und gerade der preisgünstigste trockene Wein auf der Weinkarte gibt einen ersten Eindruck von der Qualität des Weingutes oder des Gutsausschankes“, betonte Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser anlässlich der Überreichung der Urkunden an die Erstplatzierten der Schoppen-Trophy 2018.

Die Schoppen-Trophy wurde 2005 erstmals ausgeschrieben und wird somit in diesem Jahr zum 14. Mal verliehen. Organisiert wird dieser – bundesweit einzigartige – Wettbewerb vom „Rheingauer Weinschmecker“, einem Handbuch zu den besten Straußwirtschaften und Gutsausschänken der Region. Teilnahmeberechtigt sind Rheingauer Erzeugerinnen und Erzeuger mit angeschlossener Schänke. Sie reichen jeweils ihren preiswertesten, trockenen Riesling-Hausschoppen ein. „Der erste Eindruck hat auch hier große Bedeutung: Denn ein guter Schoppenwein verspricht meistens auch insgesamt gute Weine“, so die Staatssekretärin.

Das vergangene Weinjahr war für die Winzerinnen und Winzer nicht einfach. Nach einem kalten Winter 2016/2017 folgte der wärmste März seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Im April gab es jedoch einen Kälteeinbruch mit Nachtfrösten, der bei den jungen Trieben an den Reben zum Teil zu sehr großen Schäden, bis zum Totalausfall in einzelnen Weinbergen, führte. Die sommerlichen bis hochsommerlichen Temperaturen in den Monaten Juni und Juli bedingten dann eine rasante Entwicklung der Reben, auch die frostgeschädigten Anlagen konnten Entwicklungsrückstände weitgehend aufholen. In der letzten Juliwoche folgte jedoch ein Wetterumschwung, der teils mit Gewittern und Hagelschäden dafür sorgte, dass die Winzer ihre Weinberge regelmäßig kontrollieren mussten, damit sie den richtigen Lesezeitpunkt nicht verpassten. Während der Hauptlese herrschte meist sonniges Herbstwetter, welches einen starken Anstieg der Mostgewichte begünstigte. So konnten 2017 wieder höhere Qualitätsstufen erreicht werden. Bereits Anfang Oktober war die Hauptlese dann zu 90 Prozent beendet. „Wie alle landwirtschaftlichen Betriebe, sind die Winzerinnen und Winzer stark vom Wetter abhängig. Dies war auch 2017 wieder zu spüren. Hier macht sich der Klimawandel auch in Hessen bemerkbar. Wir als Landesregierung müssen uns gemeinsam mit unseren Winzerinnen und Winzern, sowie der gesamten Landwirtschaft dieser Herausforderung stellen“, erklärte Dr. Beatrix Tappeser. „Trotz dieser schwierigen Bedingungen ist es den Winzerinnen und Winzern gelungen, durch gezielte qualitätssteigernde Maßnahmen im Weinberg und selektiver Lese gute bis sehr gute Qualitäten zu ernten. Dafür habe ich großen Respekt und beglückwünsche Sie sehr“, ergänzte die Staatssekretärin.

Pinot-Cup wird zum zweiten Mal ausgetragen

Neben der Verleihung der Schoppen-Trophy fand auch die Siegerehrung des Pinot-Cups statt. Der Pinot-Cup wurde 2013 erstmals ausgeschrieben und wird in diesem Jahr erst zum zweiten Mail ausgetragen. Hier sollen die teilnehmenden Weingüter ihren besten und hochwertigsten Spätburgunder einreichen. „Da der Spätburgunder die zweite Leitrebsorte im Rheingau ist, freue ich mich, dass auch dieser Rebsorte ein eigener Wettbewerb gewidmet wurde. Viele Rheingauer Weingüter konzentrieren sich auf den Riesling, aber ein guter Spätburgunder ist bei vielen Rotweinliebhabern sehr beliebt“, betonte die Staatssekretärin.

Die Straußwirtschaften und Gutsschänken sieht die Staatssekretärin als ideale Botschafter für die Region: „Straußwirtschaften und Gutsschänken vermitteln ihren Besucherinnen und Besuchern vielschichtige Eindrücke, die weit über die angebotenen Weine und Speisen hinausgehen. Es geht um das Lebensgefühl und die Kulturlandschaft des Rheingaus insgesamt, die untrennbar mit dem Wein verbunden ist. Zudem ist und bleibt Hessen als Reiseziel sehr beliebt, der Rheingau mit seinen Wanderwegen durch die Weinberge und den vielen Straußwirtschaften ist hier ein optimales Beispiel für Tourismus im ländlichen Raum“, machte Dr. Beatrix Tappeser anlässlich der Urkundenübergabe im Weingut von Peter und Christine Keßler in Hallgarten deutlich.

Ausgezeichnet wurden:

„Schoppen Trophy“

  1. Weingut Mohr, Lorch: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  2. Weingut Altenkirch, Lorch: 2017 Riesling „Steillage“ QbA trocken
  3. Weingut Crass, Erbach: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  4. Weingut Allendorf, Winkel: 2017 „Save Water drink Riesling“ QbA trocken
  5. Weingut F.B. Schönleber: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  6. Weingut Trenz, Johannisberg: 2017 Rheingau „Basic“ Riesling QbA trocken
  7. Schloss Vollrads, Johannisberg: 2017 Rheingau Riesling QbA trocken
  8. Weingut Mitter-Velten, Hochheim: 2017 Daubhaus Riesling Kabinett trocken
  9. Weingut Goldatzel, Johannisberg: 2017 Vogelsang Riesling QbA trocken

„Pinot-Cup“

  1. Platz Weingut Allendorf

2015 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder trocken „VDP.Großes Gewächs“

  1. Platz Weingut Dorotheenhof

2015 Spätburgunder Auslese trocken „Im Eichenholzfass gelagert“

  1. Platz Weingut Kloster Eberbach

2015 Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder trocken VDP.Großes Gewächs

  1. Platz Weingut Sohns

2015 Geisenheimer Mäuerchen Spätburgunder „M“ trocken

  1. Platz Weingut Freimuth

2014 Rüdesheimer Magdalenenkreuz Blauer Spätburgunder trocken VDP.Erste Lage

Aus dem Verkostungstagebuch

Markus Schneider, Ellerstadt

2017 Ginster „Kabinett“ trocken – das neue Projekt von Tausendsassa Markus Schneider… ein Pfälzer goes Mosel… herausgekommen ist ein noch blutjunger, von Schiefer-Steilhängen geprägter Riesling mit saftiger Süße, der unbedingt sofort getrunken oder zehn Jahre reifen sollte…

S.A. Prüm, Wehlen

2008 Sonnenuhr Kabinett …. vielleicht schmeckt der Schneider (s.o.) dann tatsächlich etwa so wieder dieser Prüm und zeigt, welch großartiges Jahr 2017 Jahr – 2008 war ohnehin spitze für Riesling

Ball des Weines Wiesbaden

… wieder mal ein rauschendes Fest mit Lebenslust und Trinkfreude… im Saal gabe es zum Dinner unter anderem einen großartigen Silvaner von Johann Ruck (2016 Kronsberg), gefolgt vom Grauburgunder GG der Staatsweingüter, dem einzigen GG von der Hessischen Bergstraße übrigens… und einem 2013 Eichberg-Spätburgunder GG von Franz Keller. Sehr schön auch das 2014 Lemberger GG von Kistenmacher-Hengerer.

Wegeler, Oestrich

2013 Rothenberg Riesling GG – fulminant, großer Trinkfluss, spitze!

Weingut Jakob Jung, Erbach

2007 Hohenrain Erstes Gewächs, 2011 Siegelsberg Erstes Gewächs, 2005 Siegelsberg Erstes Gewächs – was für eine imposante Vertikale, und bei den Jahrgängen haben wir uns jeweils schwer verschätzt…. also die Weine waren jeweils älter, als wir vermutet haben… ein schönes Trio, das auch die Qualitätskonstanz im Hause Jung zeigt… wir sind beeindruckt

Hans Bausch, Hattenheim

2012, 2014, 2015, 2016 Engelmannsberg Erstes Gewächs …. und noch eine EG-Vertikale… zeigt sehr schön die Jahrgunterschiede und das Potential, auch meine Riesling-Runde geteilter Meinung beim Favoriten war… für mich war 2015 groß und 2016 noch zu verschlossen und jung, aber da sah nicht jeder so… leider hat 2013 gefehlt… ich vermute mal, das wäre der Kracher gewesen…

Bibo-Runge

Romantiker Rheingau Riesling & Revoluzzer Rheingau Riesling… lecker Paar mit klarem Vorsprung für den Revoluzzer, der ein echter Charakterwein mit Ecken und Kanten ist….

Mitter-Velten, Hochheim

Nicht nur das Etikett ist neu (und schön), auch die – neuerdings Öko- - Weine gewinnen an Statur, wie ein Querschnitt der 2017er (Grauburgunder, Hölle Kabinett, Herrnberg) ergab. Läuft…

GGs und EGs

Private Feiern fördern bisweilen Schätze aus privaten Kellern zutage… erst kürzlich gab das Gelegenheit, die EGs/ GGS von Weil (2011), Barth Schönhell (2015 & 2016), Sohns (2013), Spreitzer (2011 Lenchen) und Allendorf (2013 Jesuitengarten) quer und durcheinander zu trinken…, dazu Breuers 2015 Schlossberg, Alte Reben von Van Volxem (2016)… Herz, was willst Du mehr… und wieder zeigte sich, dass 2013 einfach ein grandioser Jahrgang ist und dass Weil-Weine superb reifen… 2011?! Kaum zu glauben!

Aus für Langwerth!

Der 554. Jahrgang war der letzte. Eines der ältesten in Familienbesitz befindlichen Weingüter der Welt, Langwerth von Simmern, gibt auf. „Wir ziehen uns aus dem aktiven Weingeschäft zurück“, heißt es in einem Brief an Kunden und Partner. Der Jahrgang 2017 wird schon nicht mehr in Flaschen gefüllt, der Weinkauf zum 1. Oktober eingestellt. Der Langwerther Hof, ein imposantes denkmalgeschütztes Ensemble im Herzen der Eltviller Altstadt, wird verkauft. Die Familie zieht im Herbst auf ihr landwirtschaftliches Rittergut Wichtringhausen bei Hannover.

Es ist das Ende einer Ära im Rheingau, die Georg Reinhard Freiherr Langwerth von Simmern und seine Frau Andrea mit dieser Entscheidung einleiten. Die Geschichte der Familie reicht im Rheingau in das Jahr 1464 zurück. Seither ist sie unmittelbar mit dem Weinbau verbunden. Johann Langwerth von Simmern wurde damals für seine Verdienste als Kanzler des Herzogs Ludwig von Pfalz-Zweibrücken mit rund sechs Hektar der Spitzenlage "Hattenheimer Mannberg" belehnt. Familienwohnsitz war nach 1472 zunächst die Hattenheimer Burg, von 1711 an der Stockheimer Hof in Eltville. Mit dem später erworbenen Lichtenstern’schen Hof wurde das heutige Ensemble des Langwerther Hofs komplettiert, das einen schönen Gutspark umschließt.

Das Weingut im Rheingau leitet seit 1996 Georg Reinhard Freiherr Langwerth von Simmern. Er musste allerdings die Erfahrung viele adeliger Weingutsbesitzer teilen, dass mit den Erträgen aus dem Weinbau in heutiger Zeit viel zu große, häufig marode, aber denkmalgeschützte Liegenschaften nicht zu unterhalten sind. Die Auflösung des Weinguts Graf Eltz in unmittelbarer Nachbarschaft ist ein Beispiel dafür, ebenso das Schicksal von Schloss Vollrads, das Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau nicht vor der Insolvenz zu retten vermochte.

Glaubhafte Gerüchte über Verkaufsabsichten hatte es in der Vergangenheit immer wieder gegeben. Vor zwei Jahren geisterte die Nachricht vom Erwerb durch eine Immobiliengesellschaft schon durch die sozialen Medien. „Das entbehrt jeder Grundlage“, dementierte Andrea Langwerth damals energisch. Doch die offiziell nie bestätigten Verkaufsabsichten waren in der Branche offensichtlich, nachdem ein ernsthafter Interessent an der Liegenschaft begonnen hatte, die renommierten Weinberge zum Kauf anzubieten. Die enorme Höhe der seinerzeit aufgerufenen Preise für Toplagen wie Marcobrunn, Baiken, Wisselbrunnen und Co. machte unter Winzern die Runde. Ein Fragezeichen über die Zukunft des Weinguts wurde vor zwei Jahren durch die Stadt Eltville selbst gesetzt. Die Verwaltung hatte damals eine Vorlage zur Änderung des Bebauungsplans erstellt, die Umbau und Erweiterung des Langwerther Hofes zu einem Ensemble mit schicken Eigentumswohnungen und sogar einer Tiefgarage ermöglicht hätte. Doch kurz vor Sitzungsbeginn nahm Bürgermeister Patrick Kunkel die Vorlage von der Tagesordnung, nachdem der Baron einen Rückzieher gemacht hatte.

Dennoch waren damit die Veränderungswünsche öffentlich geworden. Die Bewirtschaftung ihrer Weinberge hatte die Familie schon vor Jahren in die Hände des Eltviller Weinbaukollegen Ries gelegt. Im vergangenen Jahr verkaufte Langwerth überdies fünf Hektar Weinberge an das Wiesbadener Weingut Höhn. Und zum Jahresende 2017 kündigte Langwerth zudem die Mitgliedschaft im Verband der Prädikatsweingüter. „Ich muss zwei alte Gehöfte unterhalten, das ist eine Herausforderung“, begründet Langwerth die nun getroffene Entscheidung. Das sei mit Einkünften aus Weinbau und Landwirtschaft nicht zu stemmen. Die Entscheidung gegen den Standort Eltville sei auch eine Zukunftsentscheidung für die Familie. Dennoch will Langwerth die Verbindungen in den Rheingau nicht kappen.

Zwar werde der Langwerther Hof verkauft und „entwickelt“, doch werde die Familie die verbliebenen 18 Hektar Weinberge nicht veräußern. Er suche vielmehr einen strategischen Partner für deren Bewirtschaftung und den Ausbau der Weine, der im Herbst schon nicht mehr im Langwerther Hof möglich ist. Als Veranstaltungsort steht der Innenhof nur noch eingeschränkt zur Verfügung. Das Eltviller Sekt- und Biedermeierfest und das Jägerfest werden sich neue Standorte suchen müssen, vermutlich auch der Weihnachtsmarkt. Denn in Eltville endet eine Ära. (aus der FAZ vom 28. April)

Aus dem Verkostungstagebuch

Jahrgangsverkostung Robert Weil, Kiedrich

Auch für Weil war 2017 wegen Hagel, Spätfrösten und Fäulnis nicht eben einfach, aber dieser Jahrgang ist abermals ein Beleg dafür, dass es (seit 1988?) keine guten und schlechten Weinjahre mehr gibt, sondern nur noch Winzer, die der jeweiligen Herausforderung besser oder schlechter gerecht werden. Und (nicht nur) Weil hat den Bogen raus! Hier werden Jahr für Jahr beachtliche Kollektionen auf die Beine gestellt in einer qualitativen Konstanz, mit der deutschlandweit nur wenige konkurrieren können.

2017 Weil Rheingau Riesling trocken

… diesen Wein gibt es immer 2x, als Liter und in der 0,75er, aber selten habe ich den Unterschied zwischen diesen beiden Füllungen so groß gesehen. Der Liter ist wie immer lecker, fruchtig, easy drinking, aber die Variante in der braunen Schlegelfasche ist ein Hammer. Großartige Fülle, zweifellos hohe Extraktwerte, druckvoll am Gaumen, Fruchtbombe, vielleicht einer der stärksten 0,75 l in jüngerer Zeit….

2017 Kiedricher – so viel Weil für vergleichsweise so wenig Geld, da kommt Freude auf. Viel Finesse, sehr mineralisch, expressiv am Gaumen, guter Nachhall, reintönige Eleganz, top

2017 Klosterberg – es scheint, dass Weil diesen Weinberg immer besser in den Griff bekommt, denn der Unterschied zum Turmberg wird – bei aller Differenzierung im Terroir – immer geringer. Sehr dicht, komplex, gute Länge und Finesse

2017 Turmberg – wie immer zu diesem Zeitpunkt meiner Favoriten, genial gut, hält den Klosterberg noch gut auf Distanz, schon jetzt recht trinkreif aber mit großem Potential für eine lange Lagerung

2017 Gräfenberg – jetzt noch schwer einschätzbar, sehr verschlossen, aber mit großartigen Anlagen und der typisch tänzerischen Feinheit, das wird wohl ziemlich, ziemlich gut werden… wenn es erstmal trinkreif ist…

2017 Tradition – relativ neu im Sortiment, sehr feinherb, mir einen Tick zu süß, aber zum Essen sicherlich ein guter Begleiter in der guten Tradition der Rheingauer Rieslinge, die wohl in der Vergangenheit nie richtig trocken und auch nie richtig süß waren… aber 20 statt 24 g RZ hätten wohl auch gereicht für noch mehr Trinkfluss

2017 Kabinett – fruchtsüßer Spasswein, läuft, saftig, Maul voll Wein, Durstlöscher am Grill!

… und dann natürlich die Süßen: Turmberg und Gräfenberg als Spätlesen und Auslesen, der Gräfenberg immer etwas süßer… aber noch viel zu jung. Mit zunehmender Süße ebnen sich die Lagenunterschiede weiter ein. Und dann natürlich die Giganten: 2017 Gräfenberg Beerenauslese und Trockenbeerenauslese… der Kenner genießt und schweigt

 Trenz, Johannisberg

… im verlässlich, immer konstant, und schon der Basic ist immer eine gute Visitenkarte des Weinguts. Die 2017er sind vielversprechend, beim jüngsten Besuch war es vor allem der „Steinhaus“ Riesling, der mich überzeugte. Eine schöne Überraschung war allerdings der 2012 Trenz two aus der 5-Liter-Flasche… perfekte Trinkreife !

Balthasar Ress

2016 Nussbrunnen GG – großartiger Spitzenwein, legt eine sehr gute Entwicklung in der Flasche hin, einfach top!

2017 Rheingau Riesling trocken – wirklich schöne Aussichten auf den Weinjahrgang 2017

Weinkellerei Stefan B. Ress

2017 Liebfraumilch Forbidden Pleasure (Rheinhessen) – Revivial einer der Zerstörerinnen des Renommes deutschen Weins, „sweet & cheap“, das hier ist weder richtig süß noch richtig billig, aber sehr reintönig, fruchtbetont, stark reduktiv ausgebaut – ergibt im Ergebnis einen Sauwein, der die Kehle runterläuft… sofern man drauf steht…

Diel, Nahe

2016 Riesling Goldloch GG – fein und groß, gut balanciert, läuft!

HB Hughes Beguet

2014 So True Arbois – so ein überbezahlter Jura- Wein, vollodixiert, strange. Braucht das die Weinwelt? Eine kleine Minderheit steht drauf, ich weiß nicht warum. Forget it, Mantel des Schweigens. Grabesstille.

Bischöfliches Weingut Rüdesheim

2016 Riesling trocken „Maischegärung“ – wenn es wirklich mal „orange“ sein muss, dann so. Nur so! Einzig und allein so! Ein großer Wurf, Peter Perabo, da müssen sich alle anderen der Orange-Szene mit ihrem oxidativen Kram warm anziehen.

Graf von Schönborn

2016 Hattenheim Pfaffenberg Riesling Erstes Gewächs – das geht besser, viel besser….

Gramercy Cellars, Walla Walla Valley

2015 The Deuce Syrah – sehr schöne Frucht, Finesse, Eleganz, gut

Hessische Staatsweingüter

2007 Höllenberg Spätburgunder – klasse gereift, kein bisschen Müdigkeit, läuft jetzt eher zu großer Form auf, Rheingauer Pinot vom Feinsten.

Ein Lob auf Österreich

Lackner-Tinnacher

2016 Sauvignon blanc Ried Steinbach 1. Lage – ein wenig hart und „unrund“, auch das Dekantieren erhöhte den Trinkfluss nicht wirklich…

Neumeister, Steiermark

2015 Sauvignon blanc Ried Moarfeitl, Steiermark – deutlich stärker, gut strukturiert, Druck am Gaumen, gute Fülle

Franz Hirtzberger

2015 Smaragd Honivogel Grüner Vetliner – sehr fest, hohe Glycerin-Süße, dickt, voll, konzentriert, eingeschränkter Trinkfluss

… diese drei Weine wurden in der Hattenheimer Adlerwirtschaft nach der kulinarischen Neuaufstellung getrunken. Die Weinkarte verdient weiterhin im Rheingau das Lob „extraklasse“, mit dem neuen Speisenkonzept allerdings ist es ein „Kreuz“. Das hat keine Zukunft. Nun soll der Gast „Pakete“ mit 9 bis 18 Kreuzen für 36 bis 60 Euro kaufen und sie auf die Speisekarte verteilen… das bringt wenig Spaß und ist überdies teuer. Ein solides 180g-Filetsteak für 44 Euro …. nein danke.

Versteigerungsweine

…ausgewählte Weine der jüngsten VDP-Staatsweingüter-Auktion (siehe den ausführlichen Bericht weiter unten in diesem Blog) haben die Kranenmeister bei ihrer 105. Probe verkostet, darunter auch die 2017er Réserve-Weine von Ress, Weil, Johannishof und Georg-Müller-Stiftung. In der Blindverkostung überzeugten mich Weil und Johannishof mit Abstand am meisten.

Aus dem Verkostungstagebuch

Steinmacher & Sohn, Kiedrich

2015 Kiedricher Heiligenstock Riesling Sekt brut …genau das Richtige, um anlässlich des Kiedricher Weinsteigs (dritter Sonntag im März) das Erklimmen des Scharfensteins zu feiern… leider verdarb der Wintereinbruch diesmal die frohen Erwartungen der Kiedricher Winzer. Wer trotzdem kam und ordentlich gekleidet war, wurde nicht enttäuscht… neben den anderen Weinwanderungen wie bsp. „Natur pur“, Flötenwandertage, Bubenhäuser Weinrunde, Eibinger Weinwanderung u.a. ein sehr guter Start in die Saison…

My Trip to Auli

Über Aulhausen, das Rheingauer Weindorf ohne eigene Weinberge, habe ich mich schon bei anderer Gelegenheit auf diesem Blog ausführlich ausgelassen. „Auli“ ist aber immer einen Trip wert, auch im März. Dann stellt z.B. Friesenhahn schon den aktuellen Jahrgang vor, bei Strieth sind ebenfalls die ersten 2017er gefüllt, und bei Klaus Schön isses ohnehin immer schön…

Weingut Michael Schön: 2011/ 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken. Ja, solche dicken Späbus mit 14% Alki sind nicht jedermanns Sache, doch ein Geschmackserlebnis sind sie mit ihrer Wucht, ihrem Tiefgang, ihrer Frucht und ihrer Substanz allemal…

Friesenhahn: der 2016er Rüdesheimer Riesling A hat mich diesmal an erster Stelle überzeugt. Nur 1,3 g Zucker, somit knochentrocken, aber dennoch mit viel Mineralität und Finesse, klasse. Die 2016 Katerloch Riesling Spätlese Alte Reben ist deutlich gefälliger. Weichgespült wäre aber bei einem solchen Wein das ganz falsche Wort. Finesse und Eleganz, gepaart mit Frucht und Saftigkeit, gut. Weiter probiert: 2016 FrieSteil (Freestyle!) feinherb, ein Wein zu Wegsaufen gut. 2016 Leingiebel Spätlese deutlich süßer, feiner Essensbegleiter. 2017 Rüdesheimer Weißherbst trocken und feinherb (letzter viel zu süß für mich), 2017 Grauburgunder trocken – gut, aber den Hype um die Rebsorte kann ich einfach nicht nachvollziehen… da greife ich lieber zum Chardonnay. Oder bei Friesenhahn zum dichten, starken 2015 Spätburgunder trocken!

Strieth: da stehen alle Zeichen auf einer bärenstarken 2017er Kollektion! Zum Beispiel der 2017er „Jungspund“ Riesling feinherb, der eine Allzweckwaffe ist und über den Sommer hinweg ein perfekter Trinkwein ist. Wir warten mal ab, ob irgendwann ein „Alter Sack“ den Weg ins Sortiment findet. Ganz stark der „Frenz“ aus dem Berg Kaisersteinfels. Derzeit noch mit viel Primäraromen, aber die Klasse deutet sich schon auf dem Gaumen und im Abgang an. Mein Liebling aber ist der spontanvergorene 2016 Schlossberg „Alte Reben“ Riesling, das ist großartig! Dass Strieth ein Händchen für Blanc de Noir hat, muss nicht eigens erwähnt werden. Das setzt sich auch mit dem 2017er nahtlos fort. Eine Bank für sich ist der 2015er Höllenberg Spätburgunder mit feinem Cassis, ein wenig Vanille, feine Frucht roter Beeren, Kraftvoll, aber nicht zu aufdringlich, sehr gut. Und dann hatten wir noch die Chance, ältere Pinots zu probieren… aber das ist eine andere Geschichte…

J.B. Becker, Walluf

2008 Wallufer Walkenberg Riesling Spätlese trocken Alte Reben

2013 Wallufer Walkenberg Spätburgunder Spätlese Alte Reben

Schloss Reinhartshausen, Erbach

2016 Sauvignon blanc Inselwein trocken

… ich war schon viel lange nicht mehr in der Schlupp in Walluf, Schande über mein Haupt. Gutes Essen, freundlicher Service, feines Ambiente, dazu feine Weine wie die von Becker in Walluf. Becker-Weine reifen einfach großartig, wie die beiden Walkenberg-Weine aus 2008 und 2013 zeigen, top. Und der Sauvignon blanc von der Rheininsel Mariannenaue hat zwar sehr viel Säure, aber insgesamt ganz ordentlich gelungen…

Sohns, Geisenheim

2015 Mäuerchen Spätburgunder M – eher auf der dichten, wuchtigen denn auf der komplexen Seite, aber durchaus fein und gut, braucht in jedem Fall noch 2-4 Jahre Zeit, um seinen Charakter zu entfalten

 F.B. Schönleber, Winkel

2014/2016 Mittelheim St. Nikolaus Riesling GG

2015/ 2016 Winkel Jesuitengarten Riesling GG

einfach schön, wenn man in einer Rheingauer Schänke vier GGs aus drei Jahren und zwei Lagen vergleichend trinken kann. An unserem Tisch gingen die Meinungen auseinander, so dass ich mich mit dem 15er Jesuitengarten nicht mehrheitlich durchsetzen konnte… (ist aber trotzdem der aktuell Beste…!)

Weingut Abel, Oestrich

2015 Lenchen Riesling Erstes Gewächs – zeigt schon Reifenoten, aber von der angenehmen Sorte, stoffig, voll, dicht!

Finale 22. Rheingau Gourmet und Wein Festival

Wie gewohnt ging das Festival mit einer Abschiedsparty im Kronenschlösschen zu Ende. Mit dabei ein Fülle guter Winzer mit ordentlichen Tropfen. Und diese sind mir besonders in Erinnerung geblieben:

Weingut Klumpp 2016 Weißburgunder und 2016 Grauburgunder Magnum – dicht, komplex, voll!

Weingut Urban Kaufmann, 2014 Wisselbrunnen GG – Finesse, Eleganz

Weingut Crass 2015 Siegelberg Riesling Alte Reben Magnum

Wein- und Sektgut Barth 2011 Ultra Pinot brut Nature – großartig!

Markgraf von Baden 2016 Durbacher Schlossberg Chardonnay trocken

Weingut F.B. Schönleber 2016 Franz Bernhard Riesling und trocken

UND

Obsthof Schneider: 2014 Goldparmäne Alte Bäume und 2016 Ananasrenette – das ist ein Stöffchen zum Niederknien!

Salmanazar und Balthazar

...hießen heute kaum mehr bekannte Assyrekönige. Für Champagner- und Weinfreunde sind das allerdings bis heute klingende Namen, denn sie stehen für Großflaschen, in denen schon allein wegen der beachtlichen Glaskosten nur ausgewählte Weine abgefüllt werden. Zwei dieser mundgeblasenen Giganten sorgten für die Höhepunkte auf der Weinversteigerung der Prädikatsweingüter und der Hessischen Staatsweingüter. Eine zwölf Liter fassende "Balthazar" des Weinguts Allendorf mit einem "2016er Goethewein aus dem Brentanohaus" war einem Weinfreund 2400 Euro wert. Und 1650 Euro ließ sich ein Bieter die Neun-Liter-Flasche (Salmanazar) aus dem Kiedricher Weingut Robert Weil kosten, die mit einem Ersten Gewächs des Jahrgangs 2004 gefüllt war - dem meiner Meinung nach aktuell besten trockenen Wein von Weil (siehe auch meinen Blog zu Vertikalproben bei Weil)

"Methusalem" ist der schmächtigere Bruder von Salmanazar und Balthazar mit "nur" sechs Liter Inhalt. Für eine kleine Familienfeier dürfte das aber immer noch genug sein. 1100 Euro wurden für ein "Berg Rottland Riesling Großes Gewächs" des Jahrgangs 2016 aus dem Weingut Ress in dieser Großflasche gezahlt, und sogar 1350 Euro gab es für eine 2016er Auslese von Schloss Johannisberg.

Zu welchem Anlass diese imposanten Großflaschen geöffnet werden und wer sie ersteigerte, das blieb den 480 Gästen der Auktion im Kloster Eberbach verborgen, denn Gebote durften im Auftrag ihrer Kunden nur die zehn zugelassenen Kommissionäre abgeben. Daher liegt auch der Mantel der Diskretion über jenen beiden finanzkräftigen Weinfreunden, die 4000 Euro für eine Einzelflasche Berg Rottland Riesling Trockenbeerenauslese und sogar 4150 Euro für einen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur zahlten, beide aus dem besonders raren Jahrgang 1938 und beide aus der Schatzkammer der Hessischen Staatsweingüter.

Das waren die Höhepunkte einer Auktion, die zugleich einen Neustart für diese Weinveranstaltung im Rheingau markieren sollte. Denn wegen geänderter Vertriebswege und Marktbedingungen war deren Bedeutung in den zurückliegenden Jahren stark gesunken. Trotz der langen Tradition. Mit einer herrschaftlichen Weinversteigerung war schon im Jahr 1806 in der alten Zisterzienserabtei begonnen worden, auch wenn es damals noch um ganze Fässer und nicht um Flaschen ging. 1897 hatte sich die "Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer" gegründet, die Vorläuferin des heutigen Verbands der Prädikatsweingüter. Die Versteigerungen sind somit ein bedeutender Teil der Rheingauer Weinkultur. Ökonomisch betrachtet, wäre der Aufwand heute verzichtbar. Mit einer Frühjahrs- und einer Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter, einer VDP-Versteigerung im September und einer Raritätenauktion in Zusammenarbeit mit einem Londoner Auktionshaus hatte es vor 20 Jahren im Rheingau sogar noch vier Auktionen gegeben. Nun konzentriert sich alles auf eine einzige im März, nachdem der VDP im vergangenen Jahr seine Herbstauktion abgesagt hatte. Das Rheingau Gourmet- und Wein-Festival scheint zudem das richtige Umfeld für die Revitalisierung.

Neu waren in diesem Jahr die sieben "VDP. Auktion Réserve-Weine", die exklusiv nur für die Versteigerung gefüllt wurden. Bei ihrer Vorstellung im vergangenen Jahr sprach Wilhelm Weil von "preiswürdigen und erschwinglichen" Weinen von geprüfter Qualität und "mit hohem Trinkfluss". Dieses Experiment scheint gelungen. Die erzielten Preisen für die jeweils 300 Flaschen umfassenden Riesling-Partien waren durchaus ordentlich. Weils eigener Réserve-Wein wurde für zwölf Euro aufgerufen und für 27,50 Euro zugeschlagen. Ein Réserve-Sekt des Weinguts Barth wurde von 16 auf 42 Euro je Flasche gesteigert.

Erstmals wurde eine VDP-Weinauktion live im Internet übertragen. Bis zu 100 Zuschauer sahen sich zumindest phasenweise die Auktion an. Ein Dutzend potentieller Käufer hatte sich vorab registrieren lassen, um online mitzusteigern. Und das nach Angaben von Dirk Würtz, der das Projekt betreut hatte, mit Erfolg. Die Online-Gebote hätten sich auf einen fünfstelligen Betrag summiert. Vor allem ein norwegischer Weinfreund habe ordentlich eingekauft.Würtz spricht von einem "guten Impuls" für die Traditionsveranstaltung. Das sei ein erfolgreicher Auftakt gewesen, die Mühe habe sich gelohnt. "Ich bin extrem zufrieden", sagt Würtz, und der Erfolg sei greifbar: "Die Weinversteigerung lebt wieder". Ähnlich positiv äußerte sich der Geschäftsführer der Staatsweingüter, Dieter Greiner: "das hat Spaß gemacht." Viele der Versteigerungslose seien überzeichnet gewesen, so dass die Winzer zusätzliche Flaschen bereitstellen mussten, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Tatsächlich waren laut Katalog gut 4400 Flaschen im Angebot, versteigert wurden aber im Lauf von insgesamt vier Stunden nach der Bilanz von VDP-Geschäftsführer Mathias Ganswohl mehr als 5700 Flaschen zum Nettopreis von zusammen 225 000 Euro. Es scheint, dass die Winzer einen Weg gefunden haben, die Tradition zu wahren und sich der Online-Zukunft zu öffnen. (aus der FAZ)

Steillagenweinbau im Vormarsch

Steile Weinberge geben dem Landschaftsbild einen unverwechselbaren Charakter. Sie prägen Kulturlandschaften wie die Mosel und den Rheingau in besonderen Maße und spiegeln die traditionelle Landnutzung über Jahrhunderte wider. In heutiger Zeit allerdings führen die hohen Kosten der Bewirtschaftung steiler Weinberge zu einem Wettbewerbsnachteil. Auf dem Weinmarkt können höhere Preise nicht allein deshalb durchgesetzt werden, weil die Bewirtschaftung für die Erzeuger teuer ist. Besonders im Mittelrheintal und an der Mosel sind die Folgen für das Landschaftsbild gravierend, denn immer mehr Flächen fallen brach. Der untere Rheingau ist von dieser Entwicklung ebenfalls nicht verschont geblieben, wie das Beispiel Lorchhausen und die Hänge zwischen Rüdesheim und Lorch zeigen. In den steilen Hängen über dem Weindorf ist die Rebfläche im Lauf der zurückliegenden Jahrzehnte stark zurückgegangen.

Auch wenn manche Flächen aus Sicht des Naturschutzes an Wert gewinnen, wenn die Monokultur Weinbau zurückweicht, ist es das Ziel der Politik und des Weinbaus, dass nicht weitere Weinberge verlorengehen. Vor allem die Staatsweingüter suchen nach Methoden, um dem Anbau in Steillagen seine ökonomischen Nachteile zu nehmen. "Das kostet mich jedes Jahr eine Million Euro Gewinn", bezifferte Geschäftsführer Dieter Greiner im vergangenen Jahr die Folge der aufwendigen Bewirtschaftung von Steilhängen wie beispielsweise dem Rüdesheimer Berg. Insgesamt pflegen die Staatsweingüter rund 90 Hektar Steillagen.

Die Mechanisierung der Bewirtschaftung ist eine Möglichkeit zu sparen, beispielsweise durch den Einsatz zu entwickelnder Vollerntemaschinen für Steillagen. Auch der sogenannte Minimalschnitt bei der Pflege der Weinberge gehört dazu, der weniger arbeitsaufwendig ist als die konventionelle Bearbeitung. Vielleicht übernehmen zudem schon bald Drohnen den Pflanzenschutz. Und die Bewässerung der Rebstöcke kann helfen, dass die Erträge in trockenen und heißen Jahren nicht so stark hinter denen in flacheren Gefilden zurückbleiben. Das Land fördert zudem den Weinbau in steilen Lagen von einer Neigung von 30 Prozent an auch finanziell, um die wirtschaftlichen Nachteile ansatzweise auszugleichen. Die Förderung erreicht dabei bis zu 2300 Euro je Hektar in Lagen mit mehr als 45 Prozent Hangneigung.

Eine weitere Methode liegt in der Querterrassierung. Die Rebzeilen verlaufen dann nicht mehr steil zum Rhein hinab, sondern quer im Hang und mit so großen Abständen, dass eine maschinelle Bewirtschaftung mit Traktoren möglich ist. Zwar haben dann auf einem Hektar deutlich weniger Rebstöcke Platz, doch die ökonomischen Vorteile überwiegen. Vorreiter im Rheingau waren die Winzerbrüder Laquai in Lorch, und auch die Staatsweingüter haben inzwischen die Querterrassierung als Chance zur Senkung der Arbeitskosten erkannt.

Die Wissenschaft steht den Betrieben zur Seite. Die Hochschule Geisenheim hat jetzt das Forschungs- und Praxisprojekt "Bio-QuiS" begonnen. Dieses Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wird von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mit knapp 400.000 Euro gefördert. Die Rebzeilen und Gassen zur Bewirtschaftung werden dabei hangparallel angeordnet. "Neben der arbeitssparenden Bewirtschaftung mit normalen Schmalspurschleppern haben Querterrassen-Weinberge auch einen ökologischen Vorteil. Ein Teil des Weinbergs besteht aus Böschungen, die der direkten Bewirtschaftung entzogen sind und ein großes Potential für den Naturschutz haben", meint Projektleiterin Ilona Leyer vom Institut für angewandte Ökologie.

Es gebe aber noch zahlreiche offene Fragen im Hinblick auf die Begründung der Gassen, den Erosionsschutz, die Böschungspflege sowie die Folgen für die Artenvielfalt. Auch rechtliche Fragen müssen noch beantwortet werden, ehe die Querterrassierung den Winzern als attraktive Alternative zur Bewirtschaftung in Falllinie empfohlen werden könne. Manfred Stoll vom Institut für allgemeinen und ökologischen Weinbau sieht noch andere Untersuchungsfelder: Die neue Zeilenorientierung und die in Querterrassen geringere Dichte der Rebpflanzen beeinflusse das Mikroklima und die Wasserversorgung. Dies könne Auswirkungen auf den Ertrag, auf die Bildung der Aroma- und Inhaltsstoffe sowie auf die Rebengesundheit haben. Die Wechselwirkungen zwischen Rebe und Umwelt sollen daher vergleichend für Falllinien- und Querterrassen-Weinberge untersucht werden.

Drei Weingüter legen als Projektpartner der Hochschule in diesem Frühjahr neue Querterrassen-Weinberge im Mittelrheintal an, um unterschiedliche Begrünungsmischungen und Ansaat-Techniken zu erproben. Diese Partner sind die Hessischen Staatsweingüter und das Lorcher Weingut Laquai auf hessischer Seite sowie das Bacharacher Weingut Ratzenberger in Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig sollen schon bestehende Querterrassen-Weinberge näher unter die Lupe genommen werden, um deren Bedeutung für die biologische Vielfalt zu bewerten und um unterschiedliche Pflegevarianten einschließlich der Beweidung durch Schafe zu testen. Die Ergebnisse sollen in einen Praxisleitfaden münden, der Weinbau, Naturschutz und Politik das notwendige Wissen zur Verfügung stellt, um den Steillagenweinbau als landschaftsprägendes Element dauerhaft zu erhalten (aus der FAZ)

Schampus, Fisch, Große Gewächse

Rheingau Gourmet und Wein Festival

Die Rückkehr aus Südafrika im Februar wird meist dadurch erträglich, dass das Rheingau Gourmet und Wein Festival beginnt – Fastenzeit hin, Fastenzeit her. Also erstmals was Perlendes ins Glas:

„Ich trinke Champagner, wenn ich froh bin und wenn ich traurig bin. Manchmal trinke ich davon, wenn ich allein bin; und wenn ich Gesellschaft habe, dann darf er nicht fehlen. Wenn ich keinen Hunger habe, mache ich mir mit ihm Appetit, und wenn ich hungrig bin, lasse ich ihn mir schmecken. Sonst aber rühre ich ihn nicht an, außer wenn ich Durst habe." So beschrieb Lilly Bollinger anlässlich der Vorstellung des Jahrgangs 1955 die Faszination von Champagner.

Das älteste Champagnerhaus ist Bollinger jedoch nicht. Diese Ehre fällt Gosset zu, das schon 1584 gegründet wurde und Hoflieferant der französischen Könige war. Rund 1,2 Millionen Flaschen verlassen heute das Stammhaus in Epernay, und einige der besten wurden am Eröffnungswochenende des 22. Rheingau Gourmet und Wein Festivals geöffnet. Beispielsweise die "Celebris Vintage 2004 extra brut" und die "15 ans de cave a minima brut" aus Grundweinen, die sämtlich vor 1999 geerntet wurden und ein besonders langes Hefelager in den kühlen Gewölbekellern hinter sich haben.

Proben wie die mit dem Champagnerhaus Gosset sind neben den Galadiners und Themen-Lunches die Kernelemente des Festivals, das seit 1996 in jedem Jahr herausragende Köche und Winzer in den Rheingau bittet. Mehr als 200 Winzer sind es in diesem Jahr, begleitet von einer starken Riege nationaler und internationaler Sterneköche. 18 Tage lang tischen sie 6500 Wein- und Feinschmeckern aus aller Welt ihre Kreationen auf. Das kommt an, wie die gute Buchungslage mit mehr als 90 Prozent verkaufter Tickets zeigt. Und das Festival bringt Tausende zahlungskräftige Gäste zu einem Zeitpunkt in die Weinregion, in der üblicherweise der Besucherstrom noch einem Rinnsal gleicht.

Eröffnet wurde das Festival wie gewohnt mit einer großen Eröffnungsparty im Kloster Eberbach, bei der 500 Gäste zu Live-Musik von Winzer zu Winzer und von Koch zu Koch flanierten. Umlagert waren vor allem die Kochplätze der ausländischen Stars wie die des in London lebenden Inders Vineet Bhatia, des Südafrikaners Reuben Riffel und des Sansibar-Kochs Anuraag Ramkalawon, die mit Leckereien wie Hühnchen in Curry und Rind mit Limonen-Relish bei vielen Gästen den Appetit auf ihre abendlichen Dinner und Mittagessen weckten. Meine Lieblingsweine dazu: 2016 Turmberg von Weil, 2016 Oestricher Klosterberg von PJ Kühn, 2016 Alten Reben von Mohr in Lorch und der 2016 Hallgartener Ortswein von Prinz.

Sansibar, die halbautonome Inselgruppe vor den Küsten von Tansania in Ostafrika, ist die Heimat von Ramkalawon, der erstmals im Rheingau zu Gast war und deshalb auch gleich eine der beliebten Kochdemonstrationen gab. Ramkalawon bereitete dabei das zu, was nicht nur in den Nobelhotels der Insel gekocht wird, sondern auch in den Hütten der rund 1,2 Millionen Einwohner: eine einfache, aber sehr aromatische Küche. Dazu zählt das Pilaw, ein traditionsreiches Reisgericht mit Huhn, das laut Ramkalawon auf Sansibar seit Jahrhunderten gekocht und immer wieder verfeinert wird. Aber auch einen Reispfannkuchen mit Kokosmilch. Die Zutaten wachsen vor der Haustür, denn Sansibar ist als Gewürzinsel bekannt, auf der Vanille, Pfeffer, Kardamom, Nelken und Muskatnüsse und viele andere Gewürze wachsen. Sein Koffer sei nicht groß genug gewesen, eine Probe aller Gewürze mitzubringen, entschuldigte sich Ramkalawon. Dass es nicht immer nur einfach und traditionell geht, sondern auch fein und anspruchsvoll, das zeigte er bei einem LLunch mit einer Königskrabbe mit roten Bohnen und Kokosnuss-Sauce und einem Loup de Mer mit süßer Chili-Sauce. Perfekt dazu die GGs von Gunderloch (2016 Rothenberg), Dönnhoff (2016 Felsenberg) und Vollrads (2013 Schlossberg)

Das Festival lüftet aber nicht nur die aromatischen Küchengeheimnisse exotischer Länder, sondern beantwortet auch andere Fragen wie die nach der Zahl der perlenden Bläschen in einer einzigen Flasche Gosset-Champagner. "Damit beschäftigen sich in der Champagne sogar Wissenschaftler", wusste die deutsche Champagner-Botschafterin Yvonne Heistermann - und sie hatte eine Zahl parat, die in der Verkostungsrunde ungläubiges Staunen provozierte: bis zu 20 Millionen.

Bei der traditioneller VDP-Präsentation im Kloster war diesmal Portugal zu Gast. Natürlich mit vielen feinen Rotweinen, aber ich habe mir diesmal vor allem die Weißen vorgenommen (nicht Vinho Verde!). Feine Cuvées… teils mit überraschend präsenter Säure.

Bei den VDP-Winzern ergibt sich an diesem Tag stets die gute Gelegenheit, die trockenen GGs wieder einmal einer kleinen Nachprüfung zu unterziehen. An diesem Nachmittag besonders lecker: Weil 2015 und 2016 Gräfenberg, Allendorf 2016 Jesuitengarten, Barth 2015 Hassel, Johannishof 2016 Rottland, Toni Jost 2015 Walkenberg, Kanitz 2016 Kapellenberg, Kaufmann 2016 Wisselbrunnen und Kühn 2015 Doosberg sowie Prinz´ 2016 Jungfer GG.