• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Hat der trockene Kabinett noch Zukunft?

Schloss Vollrads, Winkel

1970 Kabinett, 2015 Kabinett feinherb, 2003 Kabinett halbtrocken, 1999 Kabinett halbtrocken, eine Auswahl Vollrads Kabinett-Weine anlässlich des Jubiläums "300 Jahre Cabinet". Vor allem 1999 und 1970 mit phänomenaler Frische und anhaltender Trinkfreude... Schloss Vollrads hat es natürlich auch leicht, auf eine Lagenbezeichnung zu verzichten, wie es die neue Qualitätspyramide des VDP fordert. Es stimmt, der Kabinett als Leichtwein hat eine Perspektive, aber nur, wenn sich die Erzeuger endlich bei Mostgewicht und Alkohol verbindlich auf Obergrenzen einigen. Kabinettweine wie aus Hochheim mit 13,5 Prozent Alk. und mehr (!!!) müssen endlich der Vergangenheit angehören! Ein besonderes Jubiläum wäre eigentlich die Gelegenheit gewesen, dazu einen Vorstoß zu machen! Eine leider vergebliche Hoffnung. Doch ein Besuch auf Vollrads lohnt...

"Eine unscheinbare Eisenflügeltür im Hof von Vollrads. Direkt dahinter führen 15 Stufen steil hinunter, direkt in ein besonderes Kapitel der deutschen Weingeschichte. Hier wurde im Jahr 1716 der nachweislich erste deutsche Cabinet-Keller angelegt, um die besonders feinen von den ordinären Tropfen zu trennen. Weine aus dem Cabinet – der deutsche Adel sprach im Zeitalter des Barock vornehm französisch – waren jeweils das Beste, was die Grafen Greiffenclau aus den umliegenden Weinbergen geerntet hatten. Damit kann Schloss Vollrads für sich reklamieren, lange vor dem großen Nachbarn Schloss Johannisberg, wo 1775 die Spätlese „erfunden“ wurde, eine besondere Seite der deutschen Weingeschichte aufgeschlagen zu haben.

Die Eberbacher Mönche zogen erst 1730 nach und richteten im Kloster ihren ersten Cabinet-Keller ein, der heute elementarer Teil jeder Klosterführung ist. Cabinet setzte sich fortan als eine Zusatzbezeichnung für besonders edle und hochpreisige Weine durch, denen in der Regel eine längere Zeit der Reife vergönnt war. Eine Weinphilosophie und Tradition, die spätestens mit dem neuen Weingesetz 1971 ihr Ende fand. Aus dem Zusatz „Cabinet“ wurde das deutsche Prädikat „Kabinett“. Fortan zeichneten sich diese Weine nicht mehr durch besondere Qualität oder höchste Ansprüche des Erzeugers aus, sondern durch eine weinrechtliche Definition allein nach dem Mostgewicht. Anders als ihre Namensvorgänger wurden Kabinett-Weine zu mittelpreisigen Trinkweinen für jeden Anlass.

Zum Jubiläum hat Schloss Vollrads den zuletzt unspektakulär als Lager genutzten Cabinet-Keller leer geräumt und aufgehübscht, um ihn bei Führungen angemessen präsentieren zu können. Der kleine Gewölbekeller hat als Besonderheit zwei kleinere Nebenkammern, und in einer steht sogar ein Ofen. Rowald Hepp, Geschäftsführer des der Nassauischen Sparkasse gehörenden Schlosses, kennt keinen anderen Rheingauer Weinkeller mit eigenem Kamin und Heizquelle. Ob sich seinerzeit der Kellermeister bisweilen die Hände wärmen wollte oder ob es sich gar um einen frühen Versuch der Temperaturkontrolle für den stets sechs bis zehn Grad kalten Keller handelt, darüber kann auch Hepp nur Mutmaßungen anstellen.

Alte Handwerkerrechnungen über das Setzen der Treppenstufen, das Einziehen des Schornsteins, das Bohren von Mauerlöchern und das Durchbrechen von Felswänden dokumentieren jedenfalls den Bau des Cabinet-Kellers unzweideutig für das Jahr 1716. Und das Hessische Hauptstaatsarchiv hat Hepp bestätigt, dass es keine Bedenken hat, wenn Vollrads das Recht der Cabinet-Ersterwähnung für sich in Anspruch nimmt. Den Anlass gaben vermutlich einige sehr gute Ernten zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Während die Vergangenheit des Kellers einigermaßen geklärt ist, liegt die Zukunft des Kabinettweins im Ungewissen. Der Trend, den beispielsweise der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) gerade vorgibt, ist die Konzentration der Winzer auf die Weinberge als Herkunft der Weine. Trockene Kabinettweine mit Lagenbezeichnung soll es in der neuen VDP-Qualitätspyramide nicht mehr geben. Der so genannte Ortswein, beispielsweise ein „Winkeler Riesling“, ersetzt daher auf immer mehr Preislisten von Erzeugern den klassischen Kabinett. Hinzu kommt, dass es der Klimawandel den Erzeugern nicht eben einfach macht, leichte Kabinettweine zu erzeugen.

Hepp allerdings ist überzeugt, dass der Riesling-Kabinettwein von Rhein, Nahe und Mosel auch ohne Lagenbezeichnung eine große Zukunft hat. Gerade die Rebsorte Riesling ermögliche es, Weine mit intensivem Geschmack bei mäßigem Alkoholgehalt zu erzeugen. Das gehe mit anderen Rebsorten wie Chardonnay nicht und sei ein „Pfund“, mit dem die deutschen Winzer wuchern könnten. Viele Weintrinker suchten die „filigrane Leichtigkeit“. Hepp gibt aber zu, dass sich die Erzeuger auf ein klareres Profil für den Kabinett einigen und dass sie beispielsweise Obergrenzen für Mostgewicht und Alkohol bestimmen müssten. Davon ist die Branche aber derzeit noch weit entfernt.

Auf Schloss Vollrads soll der Kabinett in trockener, feinherb und süßer Spielart jedenfalls Zukunft haben. Das Weingut hat zwar seine Pläne aufgegeben, zum umfassenden Riesling-Kompetenzzentrum der gesamten Region zu werden. Eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim gibt es dennoch, um die Folgen des Klimawandels auf die deutsche Leitrebsorte abschätzen zu können, zumal gerade der leichte Kabinett gefährdet sein könnte, wenn Sonne und Wärme die Mostgewichte immer weiter steigen lassen. Daher hat Schloss Vollrads jetzt eine Rebfläche für einen langfristig angelegten wissenschaftlichen Versuch der Geisenheimer Rebenzüchter zur Verfügung gestellt. Auf einem 5050 Quadratmeter großen Weinberg haben die Forscher im vergangenen Jahr fast 50 verschiedene Rieslingklone aus Deutschland und anderen Anbaugebiete der Welt gepflanzt, jeweils 25 Rebstöcke. Das genügt, um daraus sogar Wein zu erzeugen und zu vergleichen. Ziel ist es, solche Klone herauszufinden, die trotz Klimawandel das vertraute Geschmacksbild der mehr als 500 Jahre alten Rebsorte Riesling hervorbringen und womöglich auch gegen Pilzkrankheiten weniger anfälliger sind als die heute am meisten eingesetzten Klone. Das Projekt trägt zudem dazu bei, im Zuge der Anstrengungen zur Biodiversität die Vielfalt der Spielarten des Rieslings zu erhalten. Erzeuger wie Hepp sehen mit Spannung, mit welchen Klonen die Winzer womöglich künftigen Herausforderungen begegnen können. Das diese trotz Klimawandel für die Erzeugung alkoholarmer Kabinettweine tauglich sein müssen, steht für Hepp außer Frage: „Der Kabinett ist einfach ein leichter, nicht belastender Genuss.“ (aus meinem FAZ-Bericht vom 13. Juli 2016)

Altenkirch gewinnt 12. Schoppentrophy

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser ehrt die Sieger in Lorch

Wo wird der süffigste trockene Riesling-Schoppen des sehr guten Weinjahrgangs 2015 getrunken? Die Blindverkostung zur 12. Schoppen-Trophy des Rheingauer Weinschmeckers hat eine klare Antwort ergeben.

Den besten Schoppen trinkt der Weinfreund in dieser Saison in der Schänke und auf der Terrasse des Weinguts Altenkirch in Lorch. Die höchste Punktzahl unter 33 angestellten Weinen ist ein besonderes „Geburtstagsgeschenk“ für das vor 190 Jahren gegründete Weingut, das ehemals zum offiziellen kaiserlichen Hoflieferanten ernannt worden war.

Bei der Blindverkostung in der Vinothek des Kiedricher Weinguts Robert Weil setzte sich das von Jasper Bruysten geleitete Weingut mit   knappem Vorsprung gegen das Weingut Schumann-Nägler aus Geisenheim und das Johannisberger Weingut Trenz durch. Mit Altenkirch ist es seit der ersten Austragung des Wettbewerbs im Jahr 2005 erstmals einem Weingut gelungen, seinen Sieg zu wiederholen, denn Altenkirch war seinerzeit der Sieger der Schoppen-Trophy-Premiere!

 Insgesamt wurden die 33 Weine von 32 Juroren blind geprüft und nach einem 20 Punkte-System bewertet.

Der Jury gehörten Vertreter der teilnehmenden Güter, Gastronomen, Weinjournalisten, Vertreter der Weinbranche und der Verbraucher an, darunter auch die Rheingauer Weinkönigin Louisa Follrich.

Der Siegerwein ist ein sehr mineralischer Schoppenwein mit guter Länge und langem Nachhall, der seine Herkunft aus Lorcher Steillagen auf beeindruckende Weise am Gaumen demonstriert“, lobt der Initiator der Schoppen-Trophy und Weinschmecker-Autor Oliver Bock.

Der Jahrgang 2015 zeige seine außerordentliche Güte schon an der Basis des Sortiments, dem trockenen und preiswerten Schoppen, dem meistgetrunkenen Wein in den Schänken.

Das Weingut Altenkirch bewirtschaftet rund 15 Hektar Steillagen mit einem Gefälle von bis zu 60 Prozent, die vor allem Handarbeit erfordern. Rund 80 Prozent der Fläche sind mit Riesling bestockt, weitere zehn Prozent sind dem Spätburgunder vorbehalten, daneben gibt es noch Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer im Angebot.

Der Weinausbau geschieht in drei historischen Gewölbekellern, die bis zu 100 Meter tief in den harten Fels geschlagen sind. Dort versteht es Bruysten meisterhaft, in seinen Weinen die große Vielfalt der Lorcher Böden und deren einzigartiges Geschmacksprofil zur Geltung zu bringen.

Kleine Besonderheit am Rande: Altenkirche-Weine sind als „vegan“ gekennzeichnet und damit auch für Vegetarier geeignet, weil bei der Weinbereitung keine Gelatine oder andere Weinbehandlungsmittel tierischen Ursprungs verwendet werden.

 Die Sieger der 12. Schoppentrophy 2016

 

  1. Platz

Altenkirch, Lorch

2015 Rheingau Riesling „Steillage“ trocken

  1. Platz

Schumann-Nägler, Geisenheim

2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz

Trenz, Johannisberg

2015 Rheingau Riesling Basic trocken

  1. Platz (geteilt)

Abteihof, Johannisberg: 2015 Johannisberg Hölle Riesling trocken und

Schloss Vollrads, Winkel: 2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Diefenhardt, Martinsthal: 2015 Rheingau Riesling trocken

Mitter-Velten, Hochheim: 2015 Hochheimer Daubhaus Riesling trocken

Höhn, Dotzheim: 2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Dienst, Hochheim: 2015 Dorotheenhof Riesling trocken

Keßler, Martinsthal: 2015 Martinsthaler Wildsau Riesling trocken

Allendorf, Winkel: 2015 Rheingau Riesling trocken

 

 

Barrique ganz ohne Holz! Wie geht das denn???

Winzer sind auch nur Menschen, und die Versuchung, den mühseligen Weg zu gutem Wein unerlaubt abzukürzen, ist groß. Doch ebenso das Risiko, ertappt zu werden. Im Wein liegt Wahrheit, aber nicht immer und nicht überall. Hochwertige Weine aus dem Barrique sind begehrt. Aber nicht jeder Winzer will und kann sich die teuren Eichenholzfässer leisten, und selbst der erlaubte Zusatz von Holzchips bei der Weinreifung ist einigen schwarzen Schafen in der Winzerschaft noch zu viel an Aufwand, wenn sich doch durch einen Verschnitt mit nach Vanille schmeckenden Spirituosen ein vergleichbares Geschmacksbild erreichen lässt. Ertappt hat den am Ende geständigen Winzer im vergangenen Jahr das Mainzer Landesuntersuchungsamt. Dem Wein eine Vanillenote mit weinfremden oder künstlichen Aromastoffen zu verleihen, das gehörte 2015 zu den besonders dreisten Täuschungsversuchen, die von den Experten des LUA aufgedeckt worden sind.

Rheinland-Pfalz mit seinen sechs Weinregionen ist das mit Abstand größte deutsche Erzeugerland. Entsprechend hoch ist der Kontrollaufwand, die Winzer von Betrugsversuchen abzuschrecken. Nicht weniger als 23 Kontrolleure sind tagaus tagein in den Weinbergen und in den Weinkellern unterwegs. 5750 Kontrollen ergab das im vergangenen Jahr, und 4300 Proben wurden von den Analytikern im Weinlabor untersucht. Das Ergebnis nennt das Ministerium unter dem neuen Weinbauminister Volker Wissing (FDP) „durchwachsen“. Tatsächlich ergab sich eine bedenkliche Beanstandungsquote von mehr als zehn Prozent.

Nicht alle Verstöße müssen die Weintrinker allerdings beunruhigen. Einen beträchtlichen Teil machen Übertretungen der Bestimmungen des Bezeichnungsrechts aus. Das können schon zu kleine Schriftzüge auf den Etiketten sein, aber auch fehlende oder unrichtige Angaben bei Jahrgängen oder Rebsorten. Manche Weine haben zudem eine mikrobiologische Veränderung erfahren, schmecken nach Essig oder oxydativ und werden deshalb aus dem Verkehr gezogen.

Doch die Kontrolleure kamen auch mehr als 100 Verstößen auf die Spur, die der LUA-Präsident Stefan Bent und Minister Wissing wegen der Überschreitung von Grenzwerten oder unzulässiger Weinbehandlung als schwerwiegend einstufen und zu Fällen für die eigens gebildete Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach wurden. Es sind allerdings längst nicht immer nur Rheinland-Pfälzer Winzer, die ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Auch Zollbehörden und Weinhandel reichen teils ausländische Weine zur Prüfung ein.

Der unerlaubte Zusatz von Glycerin beispielsweise macht die Weine vollmundiger, kann aber im Labor zweifelsfrei nachgewiesen werden. Das war 2015 bei vier Krimsekten aus der Ukraine der Fall sowie bei zwei Weinen aus Moldawien, wo sich die Feinheit der Mainzer Untersuchungsmethoden offenbar noch nicht herumgesprochen hat. Eher ein Laster deutscher Winzer scheint hingegen die unerlaubte Zugabe von Zucker, um den Weintrinkern eine höhere Qualität vorzugaukeln. Doch wenn ein Weingut eine überproportional hohe Erntemenge meldet und dann auch noch einen besonders hohen Anteil hochwertiger Prädikatsweine geerntet haben will, dann werden die Kontrolleure misstrauisch. Ein schon einschlägig bekannter Winzer wollte 2015 fast ein Drittel Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen geerntet haben. Tatsächlich waren alle Prädikatsweine nachträglich mit Zucker versetzt worden.

Beliebt ist unter den „schwarzen Schafen“ der Winzerschaft auch die Manipulation mit der Amtlichen Prüfnummer (AP), die Qualität und Verkehrsfähigkeit des Weines bescheinigt. Tatsächlich wurden allein fünf Betriebe dabei erwischt, Qualitätsweine ohne AP-Nummer verkauft zu haben. Andere haben Weine auf dem Etikett mit fiktiven, erschwindelten oder für ganze andere Weine vorgesehenen Nummern verkauft. Solche ebenso wie gezuckerte Weine entdeckten die Prüfer auch beim Ausschank auf Weinfesten im Land, immerhin in einer Menge von mehr als 15.000 Litern.

Ein strenges Auge haben die Kontrolleure auch auf die Eisweinerzeugung. Der Streit um den Eisweinjahrgang 2011 mit vielen Erzeugern ist inzwischen ausgestanden, nachdem das Oberverwaltungsgericht Koblenz den Kontrolleuren Recht gegeben hatte. Diese hatten seinerzeit fast alle angemeldeten Eisweine bei der Qualitätsprüfung abgelehnt, weil es in der kurzen Frostperiode einfach nicht kalt genug gewesen sei. Für die Winzer ein herber Schlag.

Insgesamt haben die Prüfer 451 von 4300 Proben beanstandet, weil die Weine nicht den rechtlichen Vorgaben entsprachen. Die Folge war die Vernichtung von nicht weniger als 11.000 Hektolitern Wein. Keinen Überblick hat das Land, in welcher Höhe Ordnungswidrigkeiten und andere Strafen ausgesprochen wurden.

Hessen weiß in dieser Hinsicht etwas mehr: Laut Regierungspräsidium Darmstadt gab es im vergangenen Jahr 69 Beanstandungen. Sie mündeten in zwölf Bußgeldbescheide und in drei Strafanzeigen. Neun Fälle wurden an andere Bundesländer abgegeben, die übrigen nach einer Belehrung für erledigt erklärt oder wegen Geringfügigkeit eingestellt. In zwölf Fällen wurden Ausnahmegenehmigungen erteilt, Weine mit geringfügigen Mängeln in den Verkehr zu bringen. Bei den Bußgeldverfahren wurden Verstöße bei der Weinbuchführung und der missbräuchlichen Verwendung von AP-Nummern mit bis zu 2000 Euro geahndet. „Klassische Weinverfälschungen“ oder nicht zugelassene önologischer Verfahren habe es in Hessen nicht gegeben.

In Rheinland-Pfalz geht Wissing davon aus, dass in der Regel Manipulationen aufgedeckt werden. Jeder der betrüge, gehe ein „signifikantes Risiko“ ein, entdeckt zu werden, warnt der Weinbauminister, dem es darum geht, durch das Kontrollnetz die ehrlichen Winzer und die vertrauensvollen Kunden zu schützen und das Image des rheinland-pfälzischen Weins nach dem Aufschwung der vergangenen Jahre nicht zu gefährden. 

Gefahr für den Ökoweinbau

Mohr, Lorch: 2015 Blancs de blanc trocken

Keßler, Hallgarten: 2015 Riesling Kabinett trocken

... zwei Rheingauer Ökoweine, gerade erst mit Freude verkostet... aber beide Winzer sind nicht ohne Sorgen, auch wenn sie im mittleren Rheingau weitaus ausgeprägter sind als in den gut durchlüfteten Steillagen von Lorch. Deutschlandweit heißt es derzeit: viele Ökowinzer kämpfen um ihre Existenz, denn der falsche Mehltau lässt große Ernteausfälle befürchten, weil der Einsatz eines wirksamen Gegenmittels durch die EU blockiert ist. Wer aber die Reißlinie zieht, um seine Ernte zu retten, verliert den Ökostatus und seine Die Häufung heftiger Regenfälle in den zurückliegenden Wochen hat in Verbindung mit der Nässe im Boden und mit der Wärme und Feuchtigkeit in den Rebzeilen die Ausbreitung gefährlicher Pflanzenkrankheiten stark begünstigt. Echter (Oidium) und falscher Mehltau (Peronospora) sind die Hauptfeinde des modernen Weinbaus. Vor allem die Peronospora erweist sich als derzeit große Gefahr. Die Winzer sind dabei in der Zwickmühle. Viele Rebzeilen sind wegen der Nässe eigentlich kaum mit Traktoren befahrbar, doch der Pflanzenschutz duldet keinen Aufschub. Statt alle zwölf Tage im konventionellen und alle zehn Tage im ökologischen Weinbau müssen die Spritzintervalle auf einen Wochenrhythmus verkürzt werden, um einen ausreichenden Schutz zu erreichen. Die Gefahr ist derzeit besonders groß, weil die Reben in der gerade begonnenen Blütezeit besonders empfindlich sind.

Während die gegenwärtige Wetterlage und die Ausbreitung des Mehltaus den konventionellen Erzeugern vorrangig mehr Arbeit im Weinberg, mehr Konzentration auf die Gesundheit der Reben und deutlich höhere Kosten abverlangen, fürchten Ökowinzer um ihre Existenz. Diese Ängste sind die Folge des Zögerns der Europäischen Union, Kaliumphosphonat für den Pflanzenschutz im ökologischen Weinbau wieder zuzulassen. Bis 2013 war Kaliumphosphonat als Pflanzenstärkungsmittel viele Jahre zugelassen. Danach wurde die Ökoverordnung novelliert. Seither steht es den Ökowinzern nicht mehr zur Verfügung, obwohl Deutschland  bei der EU die Aufnahme des Mittels in eine Positivliste für den Ökoweinbau beantragt hatte. Doch die EU hat sich dazu bisher wegen der laufenden und komplexen Verhandlungen um eine neue Bioverordnung nicht durchringen können. Immerhin haben die Ökowinzer die Ausnahmegenehmigung erhalten, in diesem Jahr vier statt nur drei Kilogramm eines Kupferpräparats je Hektar Weinberg ausbringen zu dürfen. „Die werden wir auch brauchen“, sagt der Professor für Ökoweinbau an der Hochschule Geisenheim, Randolf Kauer. In seiner langjährigen Arbeit als Experte für Ökoweinbau und als Ökowinzer im Mittelrheintal hat eine solche Wetter- und Gefahrenlage wie in diesem Frühsommer noch nicht erlebt. Nach seiner Beobachtung haben viele Winzer im Rheingau und im Mittelrheintal die Lage zwar noch einigermaßen im Griff, in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz sehe es aber ganz anders aus.

Ein Beispiel ist Bad Kreuznach. Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) hat dem ökologisch wirtschaftenden Staatsweingut in Bad Kreuznach die Erlaubnis erteilt, Kaliumphosphonat als Teil eines „wissenschaftlichen Großversuchs“ auszubringen. Dies sei in der derzeitigen Lage das einzig wirksame Mittel, meint Wissing, der gemeinsam mit Umweltministerin Ulrike Höfken (Die Grünen) bei der EU-Kommission Druck machen will. Die als wissenschaftlicher Versuch deklarierte Erlaubnis für das Staatsweingut solle einen „Totalverlust der Ernte“ verhindern, auch wenn das bedeute, dass das Weingut seinen Öko-Status mindestens für ein Jahr verlieren wird, heißt es aus Mainz. Üblicherweise müsste das Weingut allerdings einen neuen, sogar drei Jahre dauernden Anlauf zur abermaligen Öko-Zertifizierung unternehmen. Dieser Weg ist daher für viele Öko-Betriebe keine Alternative in der aktuellen Pflanzenschutz-Krise, weil sie in dieser Zeit ihre Kunden nicht mehr mit zertifizierten Öko-Weinen bedienen können und daher massive Absatzverluste in Kauf nehmen müssten. Der Vorschlag aus Rheinland-Pfalz, den wissenschaftlichen Großversuch auf alle interessierten Ökowinzer auszudehnen, dürfte daher ein geteiltes Echo stoßen.

Dennoch hat er die Unterstützung des größten Ökoverbandes Ecovin. Dessen Geschäftsführer Ralph Dejas sagt: „Wir warnen seit drei Jahren eindringlich vor einer Situation wie in diesem Jahr.“ Er hält es für widersinnig, dass das von der Biobranche mitentwickelte Kaliumphosphonat derzeit von den konventionellen Winzern verwendet werden dürfe, von den „Bios“ aber nicht mehr. Wegen der großen Nachfrage ist das Mittel derzeit sogar fast ausverkauft. Dejas spricht von einer „dramatischen Situation“ im ökologischen Weinbau, die den Winzern nur die Wahl lasse, den Einsatz von Kupferpräparaten bis zum Anschlag auszureizen oder Kaliumphosphonat zu verwenden und die Bio-Zertifizierung zu verlieren. In Baden beklagten einzelne Güter schon „Totalausfälle“ in den Weinbergen. Dejas sieht Auswirkungen auf die gesamte Branche. Umstellungswillige konventioneller Betriebe beobachteten die Lage der Ökowinzer derzeit sehr genau und wollten nur dann ins Öko-Lager wechseln, wenn Kaliumphosphonat eingesetzt werden dürfe.  Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Weinbauverbände Rheinland-Pfalz, Ingo Steitz, hofft auf die schnelle Öffnung des Großversuchs für alle Ökowinzer im Land in den nächsten Tagen. Bei den vorherrschenden Bedingungen zähle jeder Tag und in vielen Anlagen gebe es schon erheblichen Befall. Würde den Betrieben diese Maßnahme nicht erlaubt werden, drohten weitreichende Ernteausfälle in allen Anbaugebieten

Auch der Rheingauer Weinbauverband hat sich der Forderung von Ecovin angeschlossen, Kaliumphosphonat sanktionsfrei einsetzen zu können, also ohne den Ökostatus zu verlieren. „Eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz bei Schrotkorngröße der Beeren könnte Schlimmeres verhindern und damit Existenzen retten“, meint auch der Eltviller Winzer Michael Albrecht von der Ecovin-Regionalgruppe Rheingau-Mittelrhein-Hessische Bergstraße und einer der Pioniere des Ökoweinbaus im Rheingau.

Die Hilferufe einzelner Weingüter füllen inzwischen das Internet. Der Betriebsleiter des Hattenheimer Weinguts Balthasar Ress, Dirk Würtz, nennt die Situation in seinem viel gelesenen Weinblog „gruselig“. Er könne sich an eine vergleichbare Situation nicht erinnern. „Es ist eine Katastrophe. Der Befallsdruck ist so hoch wie nie.“ Für eine politische Intervention bei der EU sei es höchste Zeit, „denn es geht um nichts anderes als um Existenzen.“ (aus meinem Bericht für die FAZ vom 22.6.16)

Der vinologische Elchtest: Schwedische Weine

Tja, der unterhalb von Schloss Johannisberg verlaufende 50. Breitengrad gilt schon lange nicht mehr als die nördliche Weinbaugrenze in Deutschland und Europa… der Klimawandel und der Weindurst machen es möglich. Weinbau auf Sylt (Balthasar Ress), schleswig-holsteinischer Landwein, Weinbau in Südengland, also warum nicht auch in Schweden, dem Land der Elche…. also her damit! Freunde haben mit dankenswert großem Aufwand und Einsatz vor Ort (!) ein Quintett gesammelt und herbeigeschafft, ein aberwitziger Aufwand im Übrigen… und zu kaum vertretbaren Kosten von fast 20 Euro je Flasche! Selbstbewusst sind die Schweden jedenfalls, Alter Schwede! Und hier die Probanden:

Sandhammarens Briljant Svenskt vin fran Österlen 2014 Solaris

Wester Vin 2012 Blend

Skepparps Vingard 2014 Grand Prix Solaris Barrique

Doman Sanana 1873 Croix Fleurie 2014 Solaris

Cehlin Vingard Torsebro Vita Vin av druvor 2014 Solaris

Sandhammarens… Uff… also ich weiß nicht, was Weinmaker Kaj Nilsson hier angestellt hat, aber das barocke, selbstgemalte (?) Etikett und die hellgrüne Flasche wirken schon von weitem so billig wie es der schon zerbröselnde Billig-Presskork tatsächlich ist. Der Füllstand war höchst bedenklich, förderte aber offenbar satte oxydative Noten. Ein Wein mit multiplen Fehlern, die so schlimm sind, dass der Korkschmecker schon nicht mehr ins Gewicht fällt… Tschüss macht´s gut ihr Schweden…. das müsst Ihr ganz alleine trinken!

Wester Vin… das ist ja mal ein professioneller Auftritt, schöne Burgunderflasche, fesches Etikett, moderner Schrauber, aber der Wein: zwar nicht so klar wie ein Gebirgsbach, aber genau so hell. Sieht aus, als hätte man Wasser oder geschmuggelten russischen Wodka im Glas…! Immerhin, intensives Bukett, welche Art von Cuvée das ist, erfährt der Weintrinker leider nicht, erinnert ein wenig ein einfachen Grauburgunder. Der Wein sollte nach dem Öffnen schnell getrunken werden, Kopf in Nacken… ! Steht er länger im Glas, verliert er jeden Ausdruck, fällt in sich zusammen und taugt zu nichts mehr…. Abgang ….Schwamm drüber!

Cehlin Vingard … fällt sofort durch Fehltöne muffiger Natur auf, wenn auch bei weitem nicht so übel wie der Sandhammarens. Das Mienenspiel der Mitverkoster zeigt dennoch bedenkliche Verrenkungen… Da hilft auch keine Sympathie wegen der mäßigen Leistungen der schwedischen Fußballer in Frankreich… Ausguss!

Doman Sanana… geht doch! Auch dieser Wein ein Solaris mit Schraubverschluss und adäquater Ausstattung. Ein wenig parfümiert am Gaumen, aber insgesamt ok. Kann sogar zu einer ganz formidablen geräucherten Lammkeule durchaus punkten! Wer Solaris aushalten kann, ist hier durchaus richtig… Restzucker übrigens laut Rückenetikett  0,0 ! Mit 13,5 Prozent der dickste Schwede der Probe, für die Insider: Ph-Wert 3,8. Davon gibt es wohl nur 2000 Flaschen, sollte also ganz, ganz schnell weggetrunken und vom Markt wieder verschwunden sein, die Weinwelt dankt herzlich!“

Skepparps Vingard… jetzt wird es spannend… und gut! Also fest steht schon einmal: schwedischer Solaris braucht das Barriquefass sowie ich die Luft zum Atmen… Das Weingut besitzt wohl nur 6000 Rebstöcke… aber was es hier daraus gemacht hat, ist sehr anerkennenswert… Das Holz gibt dem Wein Schmelz und sogar ein wenig Tiefe und Komplexität, soweit das eben bei Solaris möglich ist. Tatsächlich haben wie die 0,5l- Flasche (mit einem bemerkenswerten, langen und teuren Kork verschlossen!) sogar ausgetrunken! Ganz ohne Schmerzen, sogar mit ein bisserl Vergnügen! Weiter so, das kann was werden, wenn der Klimawandel Australien erst unbewohnbar gemacht hat…. Also Kompliment, dieser Wein hat unseren vinologischen Elch-Test bestanden! Top.

Scheurebe - der deutsche Sauvignon blanc

Die Scheurebe wird 100 Jahre alt, aber zum Geburtstag der erfolgreichsten Neuzüchtung des 20. Jahrhunderts sind ihre Aussichten nicht rosig: Die Anbaufläche geht stetig zurück. Vielleicht liegt der mangelnde Erfolg auch einfach nur am Namen. „S88“ klingt nun einmal nicht nach einer verheißungsvollen Rebsorte, die für unbeschwerten Weingenuss steht. Das während des Dritten Reiches verwandte Synonym „Dr. Wagner-Rebe“ war kaum besser als „S88“, weil mit dieser Bezeichnung der NSDAP-Politiker Richard Wagner geehrt wurde. Aus der Liste der Synonyme wurde der Name Wagner-Rebe nach Kriegsende zwar alsbald getilgt. Doch erst um das Jahr 1950 wurde aus dem „Sämling 88“ offiziell die „Scheurebe“. Da lag die Züchtung der Rebsorte durch ihren „Erfinder“ Georg Scheu schon mehr als 30 Jahre zurück.

Der 1879 in Krefeld geborene Scheu hatte sich in München und Schierstein zum Gartenbautechniker ausbilden lassen, ehe er an der Lehr- und Forschungsanstalt in Geisenheim sowie am Kaiser-Wilhelm-Institut in Bromberg seine Studien auf den Weinbau konzentrierte. 1909 begann er seine Arbeit als Berater für Wein- und Obstbau an der Landwirtschaftskammer in Alzey und baute die Rebschule in Rheinhessen auf. Als Leiter der Landesanstalt für Rebenzüchtung sucht er nach Rebsorten, die in Qualität und Ertrag überzeugen. In der damaligen Zeit wurden dazu bewährte Rebsorten gekreuzt. Auf Scheu und seine Mitarbeiter gehen unter anderem Siegerrebe und Faberrebe, Kanzler und Huxelrebe, Regner und Würzer zurück.

Am bekanntesten und erfolgreichsten allerdings wurde seine 1916 gezüchtete Rebsorte: Der Sämling 88 aus einer langen Versuchsreihe schien alle Erwartungen Scheus zu erfüllen, nur einen attraktiven Namen erhielt er nicht. Dass Scheu - ähnlich wie 30 Jahre zuvor Hermann Müller bei der Züchtung der Sorte Müller-Thurgau - zunächst davon ausgegangen war, andere Rebsorten als tatsächlich geschehen miteinander vermählt zu haben, sehen die Rebenzüchter heute mit großer Nachsicht. „Scheu hat mit einfachen Mitteln etwas sehr Ordentliches gemacht“, lobt der Leiter des Instituts für Rebzüchtung der Hochschule Geisenheim, Ernst Rühl, und spricht respektvoll von einer „tollen Sorte“. Rühl vermutet, dass Scheu seinerzeit eine neue Verschnittsorte für den Silvaner züchten wollte. Lange galt neben dem Riesling deshalb der Silvaner als Kreuzungspartner, aber mit Hilfe von DNA-Analysen identifizierten Experten 2012 die Bukettrebe als Vatersorte, die ihrerseits eine Züchtung aus Trollinger und Silvaner ist. Eine solche DNA-Analyse hatte vor Jahren auch ergeben, dass der schon 1882 gezüchtete Müller-Thurgau keine Tochter von Riesling und Silvaner ist, sondern von Riesling und der französischen Tafelweinsorte Madeleine Royale.

Zum 100. Geburtstag der Scheurebe sehen die Perspektiven der erfolgreichsten Neuzüchtung des 20. Jahrhunderts allerdings eher trübe aus. Die Scheurebe ist allerorten auf dem Rückzug. Die Winzer setzen auf klassische Sorten wie Riesling und auf Variationen des Burgunders oder sie pflanzen modische Erfolgssorten wie Sauvignon blanc. Für die Scheurebe scheint da kein Platz. Nicht nur in Deutschland. Selbst in Österreich ging der Flächenanteil zwischen 1999 und 2009 um 25 Prozent auf weniger als 400 Hektar zurück. In Rheinhessen sind es noch gut 700 Hektar, in der Pfalz weniger als 400. Tendenz rückläufig. In dem von Riesling dominierten Rheingau spielt die Scheurebe mit 3,3 Hektar ohnehin keine Rolle. Nur 17 der 650 Winzer haben sie nach einer Aufstellung des Weinbauamtes im Portfolio, und längst nicht alle bauen sie sortenrein aus. Frank Schönleber in Winkel beispielsweise nutzt die Scheurebe als lediglich als Verschnittpartner für seine Weißweincuvée „Generation S.“ Für ihn gehört die Scheurebe „gedanklich nach Franken“ und nicht in den Rheingau.

Sein Lorcher Kollege Jochen Neher hatte bisher eine Scheurebe im Angebot, fügt nach einem Strategiewechsel deren Ernte aber jetzt seiner Weißweincuvée „Blancs de blanc“ hinzu. Eine reinrassige trockene Scheurebe gibt es mit dem Jahrgang 2015 aber wieder beim Weingut Prinz von Hessen. Der einen halben Hektar große Weinberg war neun Jahre verpachtet, kam aber im vergangenen Jahr wieder zurück. Nun soll neben dem Weißburgunder die trockene Scheurebe die Nachfrage von Kunden nach „Nicht-Rieslingen“ decken. Gerade weil Sauvignon blanc stark nachgefragt wird, sieht Betriebsleiter Clemens Kiefer eine Chance für die Scheurebe mit ihrem vergleichbaren Aromaprofil. Prinz von Hessen hat auch eine emotionale Beziehung zu dieser Rebsorte, weil ein der beiden Söhne des Züchters, Heinz Scheu, in den sechziger Jahren Betriebsleiter bei Prinz von Hessen war. Nach Ansicht von Kiefer kann die Scheurebe sehr gut die Rolle eines deutschen Sauvignon blanc spielen.

Das sieht Rebenzüchter Rühl genauso, zumal Sauvigon blanc als sehr empfindliche Rebsorte für die deutschen Standorte nur bedingt geeignet sei. Rühl rät zwar nicht den Rheingauer Winzern zum Anbau der Scheurebe, sehr wohl aber ihren Rheinhessischen Kollege. „Das könnte eine Leitsorte für Rheinhessen sein“, ermutigt Rühl mehr Winzer, der Scheurebe eine Chance zu geben und nicht „allem hinterher zu rennen, was ausländisch klingt.“ Die Scheurebe habe gegenüber dem Sauvignon blanc einige Vorzüge, unter anderem ihren fruchtigeren Charakter.

Das erkennen mehr und mehr Rheinhessische Winzer an, bestätigt Bernd Kern vom Verband Rheinhessenwein. Trotz eines anhaltenden Rückgangs bei Anbau gebe es auch wieder Winzer, die bewusst Scheurebe neu pflanzten, weil diese Rebsorte mindestens so gut sei wie ein Sauvignon blanc. Der Klimawandel begünstige zudem die bessere Ausreifung der Rebsorte, die zunehmend trocken angeboten werde. Kern gibt aber zu, dass Fachhändler, Gastronomen und Sommeliers bei Verkostungen erst von deren Qualität überzeugt werden müssen. „Scheurebe muss probiert werden“, dann gebe es häufig einen Aha-Effekt, sagt Kern. Gerade angesichts des guten Weinjahrgangs 2015 und der vielen Veranstaltungen rund um das Jubiläum ist er zuversichtlich, dass die Scheurebe wieder mehr Aufmerksamkeit finden wird.

Im Weingut Prinz von Hessen wird die Scheurebe als „Rebsortenklassiker neu interpretiert“ beworben mit ausdrucksstarken Fruchtaromen von Aprikose, Kiwi und Holunderblüten sowie Nuancen der Stachelbeere. Ein anregender Aperitif und idealer Begleiter zur leichten Frühlingsküche, zu Pasta, Meeresfrüchten und Krustentieren.“ Das Deutsche Weininstitut empfiehlt die Scheurebe mit ihrem an Cassis, Pfirsich und reifen Birnen erinnernden Aroma als „ideale Begleiter einer aromatisch-würzigen Küche.“

(aus meinem Bericht für die FAZ vom 31. Mai 2016)

 

Neuer Jahrgang, Ball und Winzer-Euro

Verheißungsvoller Jahrgang 2015

…mehr und mehr 2015 erreichen meinen Gaumen und ich gebe zu, ich bin in den meisten Fällen sehr angetan vom neuen Jahrgang, der trotz großer Wärme und langer Trockenheit sehr gute Weine mit kühlem Zug und fruchtbetonter Finesse hervorgebracht hat… das lässt hoffen auf den Herbst, wenn auch die Spitzengewächse auf den Markt kommen. Einen sehr schönen Überblick hatte ich jetzt bei einer kleinen, privaten Blindverkostung mit diesen Weinen:

Hessische Staatsweingüter: 2015 Steinberger und 2015 Neroberger… der Neroberger ist für mich ein „Hidden Champion“ im Portfolio der Staatsweingüter und zu einem frühen Zeitpunkt im Jahr oft der fruchtige Star… das zeigte sich auch hier: Blind gab ich dem Wein ob seiner intensiven Frucht, seinem mineralischen Zug und seiner vielschichtigen Art sogar 90 Punkte (und habe ihn in den unteren Rheingau verortet… so kann man sich irren), der Steinberg hingegen war klar und ordentlich, aber ohne besonderen Charme zu entfalten

Graf von Kanitz: 2015 Lorcher Pfaffenwies „Schiefer“, ein feinfruchtiger Wein, klar wie ein Gebirgsquell, der noch ein wenig verschlossen wirkt, aber gute Ansätze zeigt. Die Mittelrheincharakteristik ist leider nur in Ansätzen zu erkennen, insgesamt gut, aber nicht überragend…

Georg Breuer: 2015 Rüdesheim Estate, gute Frucht und Mineralität aus dem unter Rheingau, kühler Zug, packende Säure, hohe Präsenz am Gaumen, dezente Schieferaromen mit fein verwobener Frucht, lecker, aber wir warten dennoch auf den Montosa!

Robert Weil: 2015 Turmberg Riesling trocken … eine andere Kategorie in Preis und Körper! Sehr stoffig, wirkt wie eine souveräne Riesling-Majestät mit Power, ohne deshalb breit oder gar plump zu wirken, eher tiefgründig und komplex…

Spreitzer: Hallgartener Hendelberg 2015 Riesling trocken VDP.1.Lage…cremig, dicht, komplex, ein Wein fast im Range eines GG, sehr druckvoll, präsent, gute Harmonie, schmeckbarer Holzeinsatz, aber dennoch harmonisch

Eva Fricke: 2015 Lorcher Krone Riesling … Eva Fricke langt beim Preis ordentlich zu, aber ihre Weine sind auch zupackende Gewächse. Die Krone ist ein fordernder Riesling mit einer sehr kühlen, salzige Art, hoher Stoffigkeit, Länge, Komplexität und Dichte…. Ein Charakterwein, der unbedingt Luft braucht, um seine Eleganz und seine Finesse demonstrieren zu können. Hohe Lagerfähigkeit, ein Langläufer monströsen Ausmaßes, der unbedingt in den Keller gehört !

Winzer Euro 2016:  Die dritte Halbzeit war die wichtigste

Die beiden Tore des Martinsthaler Jungwinzers Christian Gebhardt genügten ebenso wenig wie eine Elfmeterparade von Torhüter Jürgen Fladung. Die Weinelf Deutschland verlor das Finale der im Rheingau und in Rheinhessen ausgetragenen „Winzer Euro 2016“ gegen das slowenische Team mit 2:3 und damit auch den Titel des amtierenden Europameisters. Deutschland hatte das Finale am Vortag nach einem 4:2-Erfolg über die ungarischen Winzer erreicht, Slowenien hatte Italien knapp mit 2:1 geschlagen. Den dritten Platz sicherte Ungarn mit einem 3:1 über Italien. Das deutsche Team wirkte nach dem so kurz vor Schluss nicht mehr erwarteten Siegtreffer der Slowenen und dem unmittelbar folgenden Abpfiff zunächst konsterniert, begab sich dann aber in die „dritte Halbzeit“, um sich mit Riesling über den Verlust des Titels hinwegzutrösten.

Aber, Hurra! Der Ball ist nicht mehr ihr größer Feind. Zwar scheiterte die Mission „Titelverteidigung“, die Leistung war ok. Dass die Qualität der Weine der mitspielenden Winzer ihr fußballerisches Können in aller Regel deutlich übersteigt… geschenkt! Beim Weinmachen Bundesliga, im grünen Weinelf-Trikot Kreisklasse A… so würde ich mal sagen. Seit mehr als zehn Jahren gibt es nun die selbsternannte deutsche Weinelf, die am Fronleichnamstag  als amtierender „Europameister“ die „Winzer Euro 2016“ eröffnete. Zum Auftakt gegen Österreich steckte der deutschen Weinelf allerdings noch sichtlich zu viel Riesling in den Knochen.

Es geht inzwischen um mehr als nur Hobbyfußball, sondern um Marketing für den deutsche Wein: Die Seriosität des Weinmachens hat auf den Winzerfußball übergegriffen. Die Zeiten, als ich in der FAZ unter einem Bild von deutlich übergewichtigen ungelenk aufspielenden Winzern wie Flankengott Joachim Heger und Libero Armin Diehl schreiben musste: „Die Wein-Elf und ihr größter Feind, der Ball“, sind Gott sei Dank vorbei. Heute gönnt sich kein Spieler mehr unmittelbar vor dem Anpfiff noch eine Bratwurst, wie es beispielsweise der heutige Teammanager und Künstler Michael Apitz vor einem wahrhaft denkwürdigen Debakel im April 2006 noch tat.

Damals, zwei Monate vor dem Auftakt der Fußball-Weltmeisterschaft, blamierte sich der Kader der 30 Winzer, Weinfunktionäre, Weinwissenschaftler und Weinjournalisten im Geisenheimer Rheingau-Stadion mit einer am Ende noch schmeichelhaften 1:11 Niederlage gegen eine Auswahl des Frankfurter WM-Organisationskomitees. Es war der Beginn einer Rückbesinnung auf die Werte des Fußballs und das Wissen aller Winzer (hoffentlich!), dass nicht nur die Qualität im Glas, sondern auch die auf dem Fußballplatz entscheidend ist.

Von dem schon damals nicht ganz ernst gemeinten Motto "Elf Flaschen müsst ihr sein" ist heute keine Rede mehr. Stattdessen heißt es: „Die Wahrheit liegt im Wein und auf dem Platz“. Der Kader ist größer geworden, und die Trainer sind wählerischer. Guter Wein aus dem heimischen Weingut sichert keinen Stammplatz mehr. Zwischen 19 und 45 Jahre alt sind die Spieler heute. Der Oestricher Spitzenwinzer Andreas Spreitzer ist der älteste. Alle waren oder sind aktive Fußballer, auch wenn die Erfahrungen von der Oberliga bis zur Kreisklasse B reichen. Trainingslager und Sichtungslehrgänge gehören inzwischen zum festen Auswahlprozess der Mannschaft, deren Kapitän der rheinhessische Top-Winzer Philipp Wittmann ist.

Geblieben ist der wichtigste Teil jedes Matches, die dritte Halbzeit mit einer Weinprobe, die länger als das vorangegangene Spiel dauert und bei der Trinkfestigkeit gefragt ist. Nur gut, dass Riesling nicht auf der Dopingliste steht!

Mein Wein während des Finalspiels auf der Tribüne: 2014 Spreitzer Riesling Charta… cremige Eleganz, gute Frucht, Finesse, Spiel, überzeugend !

Der Ball des Weines 2016

… war im Wiesbadener Kurhaus wieder einmal ein großes Vergnügen, Show (Whitney Houston!), Menü (Dreierlei Tatar, Kalbsfilet, Himbeertarte) und Weine (s.u.) perfekt, dazu ein gelöst-lockerer Ministerpräsident Bouffier, eine charmante deutsche Weinkönigin, das hat alles gepasst. Dass das Gedränge in der Flanierzone gewaltig ist, wenn das Programm im großen Saal zu Ende ist, lässt sich kaum ändern. Vera Jung als Cheforganisatorin hat jedenfalls wieder seinen super Job gemacht, und dass ich nicht die Zeit für eine „Villiger“ in der Cigar Lounge hatte, ist ja meine eigene Schuld. Besonders erwähnt werden müssen allerdings die Menü-Weine:

2012 Josephshöfer Riesling Kabinett feinherb vom Mosel-Weingut Reichsgraf von Kesselstadt… enormer Trinkfluss, saftige Finesse im Glas, lecker

2012 Hans Lang Wisselbrunnen GG …kraftvoller Rheingauer Riesling, mit Druck und Präzision

2012 Prinz Salm Johannisberg Riesling GG … so müssen gute Nahe-Weine schmecken, guter Zug, perfekt zum Tatar

2013 Rothlauf Silvaner GG – mein Wein des Abends ausdem Weingut Rudolf May !!! Perfekt! Ein Hoch auf den Silvaner! Ein Besuch bei May scheint mir demnächst mal Pflicht!

2013 Schlossberg Spätburgunder GG der Hessischen Staatsweingüter … schon sehr zugänglich, harmonisch, fruchtig, guter Körper, gute Länge.

1994 Würzburger Stein-Harfe Riesling BA aus dem Bürgerspital Würzburg, ein flüssiges Dessert, hochlecker, gute Reife, wirkt deutlich jünger, große Zukunft !

Rußler, Rauenthal

Imponierend, was Familie Rußler mit ihrer Schänke in Rauenthal auf die Beine gestellt hat. Der große Publikumserfolg ist Beleg genug für die hohe Qualität, die dort geboten wird. Die Leistung der Küche ist großartig. Beim Wein ist Rußler auf dem richtigen Weg, auch wenn noch Luft nach oben ist. Und die Nennung von Großlagen wie Steinmächer auf dem Etikett ist einfach nicht mehr zeitgemäß. Für meinen Geschmack sind zwar zu viele Weine zu „feinherb“ ausgebaut, aber das scheint der vorherrschende Kundengeschmack in Rauenthal zu sein und ist daher kein Anlass zur Kritik. Gut gefallen haben mir bei einer Probe der feinherbe Auxerrois und der ebenfalls feinherbe Pinot Noir Rosé. Auch der Blanc de Noir überzeugt, während Rosenmuskateller sicherlich niemals „meine“ Rebsorte wird.

Träume aus Pinot Noir in Walluf

Weingut J.B. Becker, Walluf

Kaum ein Weingut im Rheingau kann aus dem Keller so aus dem Vollen schöpfen und gereifte Weine zeigen (und verkaufen!) wie Hajo Becker (Preisliste anfordern!!!). Einem ausgewählten Publikum hat er jetzt „Klassiker“ in einer phänomenalen Auswahl vorgestellt… und mir wurde geradezu schwindling vor Freude! Wallufer Walkenberg Spätburgunder als QbA aus den Jahrgängen 2005, 2004, 2000, 1999 und 1989, dazu trockene Pinot-Noir-Spätlesen der Jahrgänge 2002, 1997, 1994, 1993 und dazu noch ein Monument wie die 2003 Walkenberg Auslese trocken. So etwas kann nur Becker selbst noch übertreffen, bsp. mit einer 1976er Walkenberg Weißherbst Auslese… grandios. Umwerfend. Besonders hervorzuheben aus dieser Reihe erstklassiger Pinots sind allenfalls die superbe 1994er Walkenberg Spätlese, der ungemein „burgundische“ 1996 und der höchst ungewöhnliche, spannende, komplexe 2000er… vielleicht der Beste aus diesem Jahrgang, den ich in den vergangenen Jahren getrunken habe…. Walluf at it´s best!

Ende der Schlemmerwoche

…und schon ist sie wieder vorbei, die 30. Rheingauer Schlemmerwoche, und wir haben wieder nicht alle Weingüter geschafft, die wir schaffen wollten….

Hessische Staatsweingüter, Eltville

2013 Chardonnay trocken, verdammt viel Holz, aber am Schwarzen Häuschen in der Sonne schmeckte das dennoch ziemlich gut… muss am heiteren Lebensgefühl dort liegen…

Spreitzer, Oestrich

2015 Hallgartener Hendelberg Alte Reben trocken, was für ein affenguter Weil, kühler Zug, feine Mineralität, Dichte, Druck, grandios!

Meine Freiheit, Oestrich

2015 Riesling „Papa“ trocken…und der Rest der aktuellen Kollektion, nun ja, endlich habe ich das 2010 gegründete Weingut mal besuchen können, die Weine aber hinterlassen mich ein wenig ratlos. Sauber, klar, ordentlich, schon ok, aber auch ohne roten Faden, ohne Überraschungsmoment, ohne Aha-Effekt, irgendwie auch ein wenig bieder… das gilt noch mehr für die Roten als für die Weißen….

Johannishof, Hallgarten

2015 Riesling Mineral trocken – der macht Lust auf den Jahrgang 2015 „wie ebbes“…. wie ein kühler Gebirgsbach, herrlich !

Robert König, Assmannshausen

2013 Rotsekt brut – eine Besonderheit im Rheingau… und kaum andernorts so lecker und gelungen wie hier…

und hier noch ein Nachtrag zum Verkostungstagebuch….

Weingut Schneider, Ellerstadt

2011 Kaitui Sauvignon blanc (Doppelmagnum!) – cremig, vielleicht jetzt auf dem Höhepunkt, ein Genuss!

Halbzeit zur Schlemmerwoche

…und schon ist Halbzeit… und wir haben erst ein Dutzend Weingüter besucht. Gleichwohl sind uns in den ersten Schänken schon eine Menge bemerkenswerter Weine vorgesetzt worden und zur Verkostung angeboten worden… und diese heben wir hervor!

Graf von Kanitz, Lorch

Wahnsinn, was dieses VDP-Weingut für eine Jahrgangskollektion auf die Beine gestellt hat, First class vom QbA bis zu den Alten Reben, und unser absoluter Liebling: 2015 Lorcher Pfaffenwies Schiefer trocken. Hammerwein!

Mohr Erben, Lorch

2015 Rheingau Riesling Alte Reben trocken – ein Wein mit Finesse von feinster mineralischer Natur, hoher Trinkspass, läuft!

Laquai, Lorch

guter Jahrgang, aber erstaunlicherweise stechen die Nicht-Riesling diesmal hervor: 2015 Silvaner, Weißburgunder und vor allem der tiefgründige, komplexe Auxerrois, den muss man probiert haben… ich habe gekauft !

Weiler, Lorch

2015 Lorcher Schlossberg Kabinett Schiefer von meinen absoluten Sympathie-Weingut in Lorch, ein immer noch unentdeckter Schatz! – feiner Zitrus paart sich mit mineralischen Schiefernoten, so was gut, kaum zu glauben, kaufen!

Jakob Jung, Erbach

Was schon an 2015er gefüllt wurde ist tadellos, aber auch die 2014 zeigen noch keine Schwäche… egal ob der mineralische 2014 Steinmorgen Erste Lage oder die komplexen 2014 Hohenrain Alte Reben oder das fulminante, elegante 2014 Siegelsberg Große Gewächs….

Winzer von Erbach

2012 Spätburgunder Barrique… wir beobachten die Entwicklung dieses Premium-Weins mit großer Freude, gibt er doch der WZG ein Stück von ihrem alten Renommée zurück...

Koegler, Eltville

2015 „Rot aus Weiß“ Spätburgunder und 2008 Eltviller Sonnenberg Spätburgunder Erstes Gewächs… wow, und beides passt gut zur russischen Küche der Schänke während (hoffentlich nicht nur) der Schlemmerwoche… ein ganz neues Geschmackserlebnis im alten Hof Bechtermünz….

Ress, Hattenheim

2015 Rüdesheimer Riesling trocken und 2015 Hallgartener Riesling feinherb… so müssen Ortsweine schmecken, dazu die Spitzenküche von Gabi Würtz, hier könnten wir sitzen bleiben….

Barth, Hattenheim

2015 Rosé trocken und 2015 QbA – das lässt schon erahnen, wie gut die 2015er wieder bei Barth geworden sind… dazu eine Wildbratwurst vom Grill, fertig ist der schöne Schlemmerwochennachmittag…

Aus dem Verkostungstagebuch

Schloss Eltz, Eltville

1969 Eltviller Sonnenberg feine Spätlese aus dem leider nicht mehr existenten Weingut des Grafen Eltz… phänomenal gut gereift, keine Ermüdungserscheinungen, einfach klasse !

Schloss Saarstein, Saar

2002 Serriger Schloss Saarstein Riesling Spätlese – guter Trinkfluss, feine Frucht, lebendige Säure, nicht zu dick, gut

Jakob Fischer Erben, Eltville

1976 Kiedricher Sandgrub Riesling Auslese – ein Monument des Eltviller Weinbaus… so etwas wird derzeit hier nicht mehr erzeugt, leider. Unkaputtbar, sagt mein Freund Dirk Würtz, und er hat recht.

Domaine Leon Boesch, Elsass

2013 Zinnkoepfle Gewürztraminer Alsace Grand Cru

Ein trockener Gewürztraminer, gut, aber auch barock und dick, lecker zu Käse, aber als Solist viel zu anstrengend, mehr als ein Glas geht nicht…

Ress, Hattenheim

1992 Nussbrunnen Riesling Auslese – klasse und klassisch!

Jos. Christoffel jr.

1993 Ürziger Würzgarten Riesling Auslese – lecker Tröpfchen von der Mosel, sehr guter Trinkfluss, animierend, belebend, feine Süße

Balthasar Ress, Hattenheim

2013 Pinot Noir Caviar – noch viel zu jung, aber schon sehr stark, obwohl leicht verschlossen…. gute Ansätze, druckvoll…

Philipponnat Champagne

Royale Réserve Rosé brut Champagner – läuft!

Domaine Faiveley

2013 Gevrey-Chambertin 1er Cru – tja, irgendwie enttäuschend

Robert Mondavi

1996 Stags Leap Cabernet Sauvignon unfiltered – sehr rau, sehr mächtig, viel grüne Paprika, dick, kein Schmeichler, Trinkfluss gering

Weingut Robert Weil

2014 Gräfenberg GG, 2009 Turmberg Spätlese, 2006 Gräfenberg Auslese – mit diesen 3 Weinen auf eine einsame Insel… passt !

Sohns, Geisenheim

2015 Geisenheimer Riesling trocken – knackiger Ortswein mit Finesse und Temperament, sehr schöne Vorschau auf den neuen Jahrgang!

Prinz von Hessen, Johannisberg

Weißburgunder Favorit trocken, Riesling Dachsfilet trocken, Hasensprung Riesling GG, das sind die 3 Premiumweine des Weinguts Prinz von Hessen… richtig überzeugen können sie mich allerdings nicht, allenfalls das Dachsfilet gefällt ein bisserl mit Struktur und Balance…ich hätte aber mehr erwartet….

Trenz, Johannisberg

Jahrgangsverkostung 2015… sehr überzeugende Kollektion, das hat Michael Trenz sehr gut gemacht, von der Basis (Basic) bis zum Ersten Gewächs, mein Favorit war der Steinhaus Riesling trocken neben den Alten Reben. Kompliment nach Johannisberg !

Keßler, Martinsthal

noch eine Jahrgangsverkostung…. die Tendenz geht bei Stefan Keßler weiter nach oben, wenn auch langsam. Vor allem die trockenen Rieslinge aus der Wildsau gefallen im Jahrgang 2015. Die Spätlese aus dem Sonnenberg ist noch recht verschlossen, zeigt aber gute Ansätze und wir wohl deutlich stärker als in den Vorjahren. Bei den halbtrockenen ist der Classic diesmal ein Volltreffer mit hohem, animierendem Trinkfluss.

 

Aus dem Verkostungstagebuch

In der Winebank Hattenheim

...mit Harry H. Hochheimer, um dessen Keller langsam im Kreis fachkundiger Weinnasen zu leeren, das ist ein tolles Privileg! Diesmal gab es 15 feine Tropfen (viele in der Magnum!), aus denen ich nur eine Handvoll herausgreifen will:

Weingüter Wegeler 2000 Geheimrat J. Riesling Spätlese: vielleicht der beste trockene Riesling aus diesem schwierigen Jahr, der mit in den letzten Jahren untergekommen ist... phänomenal klar, frisch, grandios! Krone Assmannshausen: 2006 Assmannshäuser Höllenberg: ein super Pinot mit viel Cassis, klasse Struktur und Balance, vielleicht ein klein wenig hart, aber ein Charakterwein! August Kesseler 2007 Cuvée Max: straff, würzig, feine Reife, kühler Zug, elegant, top! Chateau Labegorce, Margaux: kenn ich nicht, aber liebe ich! Klasse Stoff, würzig, voll, läuft, hoher Trinkfluss! Chateau La Couronne 2006 Saint Emilion, sehr gut saftig, leicht staubig in der Nase, aber gut, reif. Und dann noch der Gigant in der 5-Liter-Flasche: Mouton Rothschild, Pauillac: Mag 1990 unter den Super-Expetten auch nicht den besten Ruf haben, dieser Weine wurde mit jeder Minute in der großen Glaskaraffe geschmeidiger, komplexer, finessenreicher und eleganter, großer Wein, 93 Punkte!

Den Nagel auf den Kopf getroffen

….hat das Geisenheimer Weingut Schumann-Nägler mit seinem neuen Markenauftritt. Sehr gelungen, recht modern, pfiffig. Nach der schönen Idee von vor zwei Jahren, zum 575. Bestehen (gegründet 1438!) zwei besondere Tropfen zu kreieren, ist das der nächste, wohl überlegte Schritt in die Zukunft. Schade, dass dabei nicht auch gleich noch das Sortiment entrümpelt wurde, das – je nach Zählweise – eine achtstufige trockene Qualitätspyramide umfasst, vom neuen Oskar über den Literwein bis zum „577“ und dem 1. Gewächs. Das ginge auch einfacher, klarer und übersichtlicher. So stehen Sonderweine wie „Oskar“, „Reserve“ und „577“ horizontal neben Lagenweinen wie Mäuerchen, Schützenhaus, Wisselbrunnen und Rothenberg, dazu noch ein Liter-Riesling. Dem Prinzip „je enger die Herkunft, desto höher die Qualität“ folgt das nicht. Nun gut, am Ende zählt natürlich (auch und vor allem) die Qualität im Glas. Die ist auch dank des außerordentlichen Jahrgangs 2015 überzeugend. Der Oscar (ersetzt aus markenrechtlichen Gründen den bisher beliebten „Lenz“) ist der fruchtig-frische easy-drinking-Riesling für jeden Tag (und die Weinfeste). Der QbA trägt den Namen der Einzellage Mäuerchen, ist aber (nur) ein frucht-aromatischer Einstiegswein mit guten Trinkfluss. Zu unseren Favoriten gehört der Reserve, der eigentlich ein Geisenheimer Ortswein ist. Feine Mineralität, guter Zug, Nachhall, lecker Trinkspaß, auch ind er feinherben Variante! Dagegen wirkt der trockene Kabinett (!) aus dem Schützenhaus noch recht unharmonisch und unpräzise, was an der nur wenige Tage zurückliegenden Füllung liegen dürfte. Wisselbrunnen (Spätlese) sehr typisch für die Hattenheimer Brunnenlage, verspielt, filigran, gute Mineralität, am Ende ein kleines Bitterschwänzchen, das wohl noch verfliegen dürfte. Wir warten gespannt auf das 1. Gewächs aus dem Rothenberg, das zu 2013 zu den komplexesten des Rheingaus zählte…

Piraten gegen Neuseeland

Sauvignon blanc und Pinot Noir, das sind die wahren Stärken von Neuseeland und seinen unglaublich vielfältigen, teils weit auseinander liegenden Weinregionen. Bei einer Blindverkostung ausgewählter Weine von Down under waren allerdings auch europäische „Piraten“ dabei, und die schnitten mal (wider Erwarten) sehr gut und mal (ebenfalls wider Erwarten) sehr schlecht ab… ein großer und obendrein lehrreicher Spaß war es auf jeden Fall…

Sauvignon blanc

Mount Difficulty Roaring Meg SB 2013, Central Otago, NZ

Cloudy Bay SB 2013, Marlborough, NZ

Schneider Kaitui Fumé SB 2013, Pfalz, D

St. Clair Wairau Reserve SB 2013, Marlborough, NZ

Kaum zu glauben, aber die 15 beteiligten, durchweg erfahrenen Wein-Nasen haben ohne Ansehen des Etiketts mit einer zwei Drittel-Mehrheit den Wein von Schneider „blind“ auf Platz eins gesetzt... Persönlich fand ich allerdings den Mount Difficulty deutlich komplexer, filigraner und spannender, und beim Essen (Kabeljau mit Pfefferkruste) erwies sich unerwartet dann doch St. Clair als perfekter Begleiter, und Schneider zeigte mit Luft und Wärme zunehmend Breite und auch einige Schwächen…

Pinot Noir 1. Runde

Robert Weil Spätburgunder trocken 2009, Rheingau, D

Craggy Range Te Muna Road Pinot Noir 2009, Martinborogh, NZ

Ata Rangi Pinot Noir 2009, Martinborogh, NZ

Schubert Block B Pinot Noir 2011, Martinborogh, NZ

Das Weingut Weil ist mit der Eröffnung der neuen Kellerei zum 100%-Rieslingweingut geworden, aber dass Wilhelm Weil in jedem Fall was von gutem Pinot versteht, ließ sein 2009er erkennen, der völlig unerwartet hinter dem allerdings klaren Sieger Schubert immerhin Rang zwei erreichte. Kompliment für einen „Hobby“-Pinot aus dem vorderen, nicht eben für Spätburgunder prädestinierten Rheingau! Insgesamt alle vier Weine mit perfekter Pinot-Farbe, typischer Frucht und teils rassiger Säure…

Pinot Noir 2

Ata Rangi Pinot Noir 2013, Martinborogh, NZ

Kusuda Pinot Noir 2013, Martinborogh, NZ

Felton Road Block 5 Pinot Noir 2013, Bannockburn, Central Otago,

Meo Camuzet Nuits St. Georges 2013

Ein Hammer-Flight. So gut kann Pinot Noir sein, und der absolute “Blockbuster” war für mich Felton Rock! Da muss ich, wenn ich es mal nach Neuseeland schaffe! Ein Pinot wie aus dem Bilderbuch, allerdings auch für immerhin rund 80 Euro. Die herbe Enttäuschung: Der „echte“ Burgunder von Meo Camuzet, in der Literatur und vielen Weinführern meist hochgelobt, bekam der säuerlichste in der Reihe, ein im direkten Vergleich nur mäßig spannender Wein sage und schreibe 0 Punkte von den Verkostern ! Letzter Platz. Oha!

Bordeaux Blend

Craggy Range Sophia 2009

Craggy Range Sophia 2011

Château Palmer 2004, Margaux

Craggy Range Soophia 2013

Ein “triggy” zusammengestellter Flight…. diesmal immerhin obsiegte „der Pirat“: der heutzutage rund 200 Euro teure Palmer, allerdings nur mit hauchdünnem Vorsprung vor den knapp 40 Euro-Weinen Sophia 2013 und Sophia 2009. Wer nur etwas weniger aufs Etikett und ein wenig mehr auf das Preis-Leistungs-Verhältnis achtet, für den ist die Kaufempfehlung nach dieser Verkostung also eine ganz klare Angelegenheit… Kompliment an dieses Weingut… muss ich auch hin!

Schänken-Update und Verkostungen

Domaine Dominique Auroy

2014 Vin de Tahiti Blanc de Corail

Ohne Zweifel ein Tropfen aus einer der unbekanntesten Weinregionen der Welt: Französisch-Polynesien! Tahiti selbst gilt aber als völlig ungeeignet für Weinbau, daher stehen die Reben vielmehr 350 Kilometer nordöstlich auf dem Rangiroa Atoll, das gehört zum Tuamotu-Archipel. Erzeugt aus den Trauben „Muscat Hamburg“ und „Italia“, einer Kreuzung von Muscat mit Bicane, die war mir bis jetzt ebenfalls völlig unbekannt. Allesamt sehr hitzeverträgliche Reben und offenbar kompatibel mit dem Südsee-Klima. Der Wein von Weinmacher Dominique Aurory ist strohgelb in der Farbe, in der Nase etwas Zitrone, Limone und grüne Mango. Am Gaumen gefühlt absolut säurefrei, wenn auch frisch und mit einer ungewohnten Mineralität, irgendwo auch ein Hauch von Feuerstein und Meeresfrüchten. Verhaltener, recht kurzer Abgang. Die fehlende Säure verhindert jeden Eindruck von Komplexität und Finesse. Also: Darauf hat die Weinwelt nicht gewartet. Aber wer dennoch mehr wissen will, hier der Link: http://www.vindetahiti.com/

Weingut Robert Weil, Kiedrich

2015 – die große Jahrgangsprobe

Wenn die Vorfreude auf den neuen Jahrgang schon vorher groß war, dann ist sie nach dieser Probe noch einmal größer. An der Kollektion des Rheingauer Flaggschiffs lässt sich ablesen, dass der Jahrgang wohl ein phänomenaler ist. Schon der Literwein ist eine gehaltvolle Fruchtbombe mit Reintönigkeit, Klarheit und Finessenreichtum. Der QbA in der 0,75er Flasche erweist sich als DIE überzeugende Visitenkarte des Weinguts. Restlos glücklich gemacht hat uns der „Kiedricher“ mit seiner geschliffenen Art, seiner Feinheit und seinen mineralischen Noten, Trinkanimation auf hohem Niveau. Die drei Berglagen sind auf gewohnt hohem Niveau, Gräfenberg noch sehr verschlossen und in seine Komplexität kaum zu erfassen, dafür wird der Klosterberg immer besser und erreicht langsam Augenhöhe mit dem abermals phänomenal guten Turmberg, der in jedem Jahr zu meinen trockenen Lieblingsweinen zählt! Wer allerdings nach saftigem Trinkspass sucht, der greife unbedingt zum fruchtsüßen „Tradition“, ein Wein für den späten Vormittag, gut gekühlt auch ein ständiger Begleiter für den ganzen Sommer, Trinkfreude und -fluss pur. Deutlich süßer und saftiger der betörende Riesling Kabinett, der alles hat, was ein deutscher Riesling haben sollte. Allerdings ist der Wein so gut, dass die restsüße Spätlese (ohne Lagenbezeichnung) eigentlich kaum noch eine Berechtigung im Sortiment hat, während Turmberg und Gräfenberg Spätlese einmal mehr Weine für die (halbe) Ewigkeit sind.

Ein Schänken-Update 2016

Die Saison der Gutsschänken und Straußwirtwirtschaften, die eigentlich niemals endet, hat Mitte März wieder Fahrt aufgenommen, und es gibt einige Neuerungen…

Die Rolle als Flammkuchen-Schänke für das Weingut Zum jungen Oetinger in Erbach war nur ein Zwischenspiel. Mit dem März 2016 zog Familie Contino in Erbach ein und verwandelte die einst biedere Schnitzel- und Hacksteak-Ranch in den Nobel-Italiener „Ristorante von Oetinger“, der Gino´s „Piccolo Mondo“ in Eltville offenkundig den Kampf ansagt. Zu einem breiten Spektrum der Weine aus dem Hause Oetinger (Empfehlungen: Riesling Mineral, Alte Reben und 2010 Siegelsberg Erstes Gewächs! Den Rotwein eher links liegen lassen…) gibt es jetzt feine Speisen wie ein Carpaccio vom Schwertisch, Saltimbocca und Tunfisch-Filet. Wir sind höchst gespannt, ob das Konzept dauerhaft trägt, die Öffnungszeiten können so auf Dauer sicher nicht bleiben. Und schon kommen die ersten Kritiker, die sagen: Das ist ja keine Gutsschänke mehr… Ganz falsch! Solange in Räumen eines Winzers vornehmlich dessen Weine ausgeschenkt werden, dann ist das auch eine Schänke, ganz gleich, was auf den Tisch kommt (je schmackhafter, je besser!) Oder?

Ganz gespannt sind wir schon jetzt auf das Brentanohaus, das Familie Allendorf am 23. April in Winkel als neue Gutsschänke eröffnet. Sehr erfreulich ist, was sich im Weingut Kaspar Herke in Oestrich getan hat, sowohl von den Räumlichkeiten als auch von den Speisen und beim Wein. Ein echter Kandidat für den nächsten Weinschmecker! In Geisenheim baut Familie Sohns emsig am neuen Weingut nebst Schänke… die wird aber erst 2017 eröffnet. Nur einen Steinwurf entfernt liegen das Weingut Schumann-Nägler, das sich eine neuen Ausstattung verpasst und einen schönen Jahrgang 2015 vorgestellt hat… Beim „Wibbes“ in Kiedrich (Weingut Steinmacher und Sohn) ist der ambitionierte Koch schon wieder weg…. sehr schade… das war eine Bereicherung und eine Kombination mit Zukunft, zumal die Weine in den vergangenen, 2-3 Jahren besser geworden sind. Allerdings müsste das Ambiente weiterhin deutlich aufgewertet werden… und es muss ein neuer Koch mit Anspruch her!

und sonst?

ein paar Pinots: Cameron, Oregon: 2011 Arley´s Leap - sauguter Pinot Noir mit Finesse und kühlem Zug, nicht viel schlechter ist J. Christopher mit seinem Dundee Hills 2011 Pinot Noir und Soter 2011 Mineral Springs Ranch... die Amis haben schon was drauf, das muss man neidlos anerkennen...

ein paar Sauvignons: Tement 2005 Zieregg Sauvignon Blanc Südsteiermark - steht voll in Saft und Kraft, aber Hannes Sabathi´s Sauvignon 2013 Kranchberg geht mir wirklich ans Herz, da fällt Maitz 2013 Schusterberg Sauvignon fast ein wenig ab, eine Bank aber ist immer von der Cantina Terlan der 2013 Quarz Alto Adige Terlaner Sauvignon blanc, einfach ein Genuss.

Rheingauer Rotwein... ist das gut?

...richtig gut? Durchschnitt? Exzellent? Oder vernachlässigbar? Natürlich ist die Rede von Spätburgunder, aber nicht (nur) vom „Assmannshäuser Höllenberg“. Der galt lange Zeit als DIE (einzige?) Lage, die als Herkunft für große Spätburgunder in Frage kam und über die es lohnte, zu reden. Das war falsch, schon immer. Mit breiter Brust, aber auch mit manchem Zweifel über die „richtige“ Ausbaumethode haben die Assmannshäuser Winzer nach 1999 zunächst auf die Erzeugung Erster Gewächse verzichtet. Doch das ist Vergangenheit, es gibt GGs, nicht alle groß, aber viele.

Tatsache ist: Es gab und gibt im Rheingau großartige Spätburgunder, sowohl aus dem große Holzfass als auch aus dem kleinen Barrique, sowohl „herkunftgeprägt“ (Terroir) als auch „ausbaugeprägt“ (Fülle und Holz). Das ist hauptsächlich Geschmacksache. Der Klimawandel und immer höhere (mögliche) Mostgewichte haben manche Winzer zu überkonzentrierten, marmeladigen, vollen, extrem dunkelfarbigen, alkoholstarken Weinen verleitet. Sie taten, was dank der immer großzügigere Natur jetzt maximal möglich war, was „modern“ schien und was der Kunde scheinbar verlangt hat (schwarz, dick und fett).

Inzwischen gibt es aber auch Bemühungen, nicht das Maximale, sondern das Optimale aus dem jeweiligen Jahrgang herauszuholen. Also nicht auf lange Reife und Oechslegrade von 100 Grad und mehr zu warten, sondern sich um den Erhalt von Frucht und Säure zu bemühen. Dafür reichen Mostgewichte von 90 bis 94 Oechsle bei guter Säure (um die sechs Promille, warum nicht!??) vor der Chaptalisierung völlig aus, bevor das kontrollierte Nichtstun im Keller beginnt. Doch genug der Theorie, besuchen wir einen der besten Rotwein-Macher im Rheingau, Peter Perabo, der das alles beherrscht.

Der Leiter des neun Hektar großen Bischöflichen Weinguts (78 Prozent Riesling, 22 Prozent Spätburgunder) in Rüdesheim, Jahrgang 1960, weiß ganz genau, wie große Pinots erzeugt werden. Er hat das unter anderem im Staatsweingut gelernt und für die Krone Assmannshausen perfektioniert. Nun hat er seit neun Jahren freie Hand im „Bischöflichen“, und die Ergebnisse sind phänomenal wie eine Vertikalverkostung zeigt:

Rüdesheim Spätburgunder trocken Jg. 2007, 08, 09, 2011, 2013

Wäre diese Basislinie nur Standard im Rheingau, die Region wäre eine Premium-Pinot-Region! Ganz fantastisch die „ungeraden“ 2007, 2009 und 2011 (in dieser Reihenfolge!), mit kühlem Zug, animierender Säure, komplexer Fucht, teils rauchig-speckigen Noten, aber immer fein, immer elegant, immer komplex und verwoben!

Rüdesheimer Klosterlay Pinot Noir und Spätburgunder S, Jahrgänge 2009, 2010, 2011, 2012, 2013

Selten einen so guten, eleganten, komplexen, finessenreichen Pinot getrunken wie den 2010er, der es mit vielen hochbezahlten Burgundern aufnehmen dürfte. Ganz groß auch 2013 und 2009

Assmannshausen Spätburgunder im Barrique gereift

Jahrgänge 2007, 2009, 2011, 2012, 2013

großes Pinot-Kino aus der Lage Hinterkirch! 2007 mit unglaublicher Frische und Finesse, 2011 ein Schmeichler, aber noch recht jung und ein bisserl verdeckt, das gilt noch mehr für den animalischen, fordernden, fleischigen 2012er, ein wahres Monsterbaby, und ebenso für 2013 mit seiner feinen, subtilen Frucht. 2009 für mich am stärksten, vollendet, genial, groß!

In dieses Bild passt, dass ich nur einen Tag zuvor einen absolut großartigen Pinot von „Altmeister“ August Kesseler getrunken habe.

August Kesseler

2013 Pinot Noir Cuvée Max trocken – der kostet auch deutlich mehr als die maximal 26 Euro bei Perabo, ist aber (auch) ein ganz Großer in Deutschland, gegen den viele Franzosen verblassen, mit einem gewaltigen Trinkfluss, mit vibrierender Säure und Frucht.

Klaus Schön

Beim „ Rotweingenie“ Klaus Schön in Aulhausen geschieht vieles aus dem Bauch heraus und deshalb auch nicht immer alles richtig, und  nicht alles im chaotisch strukturierten Sortiment ist groß, aber Schön zeigt, zu welchen Leistungen mein Lieblingsweinberg, der Schlossberg, auch bei Rotwein fähig ist:

2011/ 2012 Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken

Ja, das gibt es noch, eine Auslese trocken! Klassisch. Barock. Aber beide auf ihre Art ganz geniale Pinots im Komplexität und Tiefgang!

Schönleber-Blümlein, Winkel

Aprospos „ausbaugeprägt“: Das lässt sich bei Frank Schönleber perfekt studieren, denn seinen Spätburgunder „Maximus“ gibt es einmal aus dem französischen und einmal aus dem amerikanischen Eichenholzfass. Spannend. Während beim Jahrgang 2008 zunächst der Amerikaner und dann der Franzosen die Nase vor hatte, waren bei 2009 die Unterschied sehr gering (Vorteil Frankreich) während bei gerade aktuellen Jahrgang 2011 die Unterschied wieder frappierend sind …. und das US-Holz derzeit den spannenderen, komplexeren Wein hervorgebracht hat….

... und was kam sonst so auf die Zunge ?

Cantina Terlan

2014 Weißburgunder Alto Adige – sehr kräftig, perfekt zu Käse, gute Balance und Frucht, fein!

Neumeister, Steiermark

2013 Sauvignon blanc – gefällt mir gut!

Gehrig (Pfalz)

2014 Riesling „Ein PS“ – spannende Projekt eines kleinen Winzers aus der Pfalz, mit Pferden bestellter Weinberg, klare Frucht, spontane Noten, gute Balance, lecker

Domaine de Trevallon 1998 Vin de Pays – nominell toll, aber irgendwie sprang hier der Funke nicht über……

Domaine de Courcel 2003 Pommard Premier Cru – guter und teurer Burgunder, aber schon leicht oxidative Noten (trotz perfekter Farbe), langer Nachhall, gute Frucht, geringe Komplexität.

Aus dem Verkostungstagebuch

Georg Breuer,

1992 Rauenthal Nonnenberg Riesling Doppelmagnum

bestätigt das phänomenale Reifepotential der Breuer-Weine, groß!

Newton, Napa Valley

1991 Cabernet Sauvignon

ganz großer Cabernet, jung, frisch wirkend, sehr präzise, druckvoll

Stag´s Leap Wine Cellar, Napa Valley

2012 Cabernet Sauvignon

….das Siegerweingut des 1976 Paris-Tasting, auch mit diesem Jahrgang eine Bank, tiefgründig, wow… einer der besten jüngeren Cabernets, die ich getrunken habe, Hut ab zum Gebet!

Bardong, Geisenheim

1998 Bardong Reserve brut und 2007 Chardonnay brut … zwei fantastisch gute Sekte, vor allem der 1998er ungemein frisch und elegant, Schaumwein in Perfektion!

Anthony Hammond, Oestrich

2009 Berg Roseneck Riesling Spätlese Alte Reben… richtig süß, richtig gut, richtig saftig, richtig lecker!

Schloss Vollrads

2013 Schlossberg Riesling Großes Gewächs – echte Freude am Gaumen! Sehr geradlinig, guter Zug, auf der eleganten Seite, fein.

Bergsträßer Winzer eG

Ein Besuch im Viniversum…. beeindruckend, was die Genossenschaft da auf die Beine gestellt hat. Hinfahren und schauen! Hier macht Weineinkauf Spaß, auch wenn das Sortiment einfach sehr groß und auch ein wenig unübersichtlich ist… aber mit der Weinen macht man wenig falsch:

2014 Riesling Spätlese trocken – guter Zug, Trinkfreude.

2014 Chardonnay Spätlese trocken – hier macht der Begriff Spätlese natürlich wenig Sinn, und der Wein könnte deutlich rebsortentypischer ausfallen, aber dennoch recht ok

2015 Grauer Burgunder Spätlese trocken – zeigt schon jetzt, dass der Jahrgang der Bergstraße gut ausgefallen ist!

VDP-Präsentation mit Portugal

Rund 20 portugiesische Winzer waren diesmal zu Gast bei der Frühjahrspräsentation der Rheingauer VDP-Winzer. Wie immer eine gute Gelegenheit, im Kloster Eberbach die Entwicklung der Großen Gewächse zu kontrollieren und die eine oder andere Neuerung zu verkosten. Insgesamt sehr erfreulich, was gezeigt wurde. Meine persönlichen Höhepunkte bei diesem Entwicklungsstand:

Barth: 2013 Schönhell GG

Johannishof: 2014 Rottland GG

Jung: 2014 Siegelsberg GG

Jost: 2014 Walkenberg GG

Kühn: 2013 St.Nikolaus GG

Weil: 2014 Gräfenberg GG

darüber hinaus: Jost 2013 Rödchen Spätburgunder GG und 2012 Lignum von Alexander Freimuth, ferner Terras de Alter 2013 Telhaus Branco IGP und Quinta do Romeu Reserva Branco DOC Douro

Rekordpreis für Spätburgunder

Die Hessischen Staatsweingüter haben bei ihrer Frühjahrsauktion während des Rheingau Gourmet und Wein Festivals besonders hohe Preise für zwei Rotweine aus dem Assmannshäuser Höllenberg erzielt. Ein 1946er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Natur, der als Benefizwein zugunsten des Fördervereins der Vincenzschule Aulhausen versteigert wurde, war einem unbekannten Bieter 3570 Euro wert. Für den nach Angaben der Staatsweingüter deutschen Rekordpreis von   6545 Euro wechselte eine 1936er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Weißherbst Rotweiß-Edelbeerenauslese den Besitzer.

Insgesamt wurden 32 Weine zur Versteigerung angestellt. 2302 Flaschen wurden für insgesamt 102.822 Euro verkauft. Das sei der zweithöchste Umsatz seit 15 Jahren, hieß es. Zufrieden zeigten sich die Staatsweingüter auch mit den Ergebnissen für andere Unikate wie den 1966er Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Eiswein (619 Euro), den 1986er Rauenthaler Baiken Riesling Eiswein (619 Euro) und das 2009er Rauenthaler Baiken Riesling Erstes Gewächs in der Doppelmagnumflasche (500 Euro). Für eine 2011er Steinberger Riesling Trockenbeerenauslese wurden 369 Euro gezahlt, für einen 1996er Rüdesheimer Bischofsberg Riesling Eiswein noch 238 Euro.

Libanon Lunch

Großartig, was Thomas Figovic aus Beirut während des Gourmet Festivals im Kronenschlösschen zum Lunch auftischte (s. meine Fotos bei Facebook). Die besten Weine dazu: Eva Fricke mit 2014 Kiedricher Riesling und mit 2014 Schlossberg Riesling (sehr präzise, druckvoll, tolles Säure-süße-Spiel, Trinkfluss hoch!), eher enttäuschend dagegen von Schloss Schönborn das Erste Gewächs aus 2001 (hart, rauh, kurz) und der Auslese aus 1993. Die besten Portugiesen: Casa Cadaval mit 2012 Padre Pedro, Quinta do Pego mit 2011 Grande Reserva und die 2010 Quinta dos Mucas Reserva aus dem Duoro! Lecker!  

Südafrika, gereift

Können alte Weine der Neuen Welt ein Trinkvergnügen sein? Falsche Frage, zumindest wenn es um Südafrika geht. Denn dass diese Weine hervorragend reifen können, das ist ein alter Hut, und eine Zuordnung Südafrikas zur „Neuen Welt“ ist fast schon fragwürdig, wenn man sich näher mit mehr als 350 Jahren europäisch begründetem Weinbau am Kap beschäftigt. Über das beachtliche Reifepotential ist allein schon insofern wenig bekannt, als richtig alte Südafrikaner in Europa kaum oder gar nicht zu bekommen sind. Es sei denn, Bacchus lächelt einem zu, diesmal in Gestalt des Rüdesheimer Winzers Carl Erhard, der aus seiner aufregenden Zeit in Südafrika Mitte der neunziger Jahre das Beste, was seinerzeit zu trinken war, mit nach Deutschland mitgebracht und vor allem aufbewahrt hatte. Dass er uns jetzt einen tiefen Einblick gewährte, ist aller Ehren wert! Und es war ein Vergnügen der besonderen Art, merci!

In kleiner Runde gab es einen bemerkenswerten Querschnitt zu verkosten, und so viel sei vorausgeschickt: Es waren durchweg erstaunlich hohe Qualitäten zu schmecken. Rotweine mit teils phänomenaler Frische und belebender Säure, mit Komplexität und Tiefgang, eher auf der eleganten als auf der schwermütigen Seite, und durchaus mit Potential zur weiteren Reife. Und hier nun ein paar – zugegeben holzschnittartige – Eindrücke…, aber ich war schnell mehr auf der Seite der kaum gezügelten Trinklust als der weinakademischen Seziererei…

Grangehurst 1993 Cabernet Sauvignon (by Jeremy Walker)

steht wie eine Eins im Glas. Betörende Frucht in der Nase, wenn man mit dem Riecher eine Art „staubigen Vorhang“ vor dem Bukett durchdrungen hat. Viel Tabak und fetter Lakritz, frische, klare Säure, moderate 12 Prozent Alkohol, Genuss ohne Reue

Neil Ellis 1994 Cabernet – Merlot

sehr üppiges Aromenspiel in der Nase, fortgeschrittene Reife bei guter, lebendiger Säure, dunkelbeerig, gekochte Früchte, animierend, fleischig, animalisch, nicht fett sondern elegant, im Abgang allerdings verliert sich ein wenig die Klarheit, sonst perfekt

Warwick 1994 Estate Trilogy

vor wenigen Wochen hatte ich den 2012er im Glas, und die Verwandtschaft über zwei Jahrzehnte hinweg ist sehr erstaunlich. Eine Fruchtbombe mit leichter Überreife, der es allerdings an Komplexität und Spannungsbogen fehlt, insgesamt recht eindimensional, andere sagen „langweilig“, in jedem Fall stört das süßliche Finale am Gaumen

 

Buitenverwachting 1992 „Christine“

Bei jedem Besuch vor Ort ist die „Christine“ einer meiner roten Lieblingsweine im für mich schönsten Weingut Constantias (unbedingt zum Lunch anmelden!), leicht minzige Noten, sehr frisch, guter Trinkfluss, hohe Komplexität, fein strukturiert, klasse!

Vriesenhof 1992 „Kallista“

Dieses Weingut habe ich bei meinen Besuchen in der Vergangenheit immer ausgelassen, aber das nächste Mal muss ich hin! Sehr runder, samtiger Roter mit guter Balance, fein austarierten Tanninen, gute Frucht und Säure, schmeckt nach mehr…

Glen Carlou 1994 Grand Classique Reserve

aus dem wunderschön gelegenen Weingut der Hess Family mit der Schweizer Flagge vor dem Haus, auch das ist immer einen Besuch wert, nicht nur wegen der Kunstsammlung und dem Ausblick in die Landschaft, atemberaubend. Die Chardonnays dort gefallen mir meist sehr gut. Zuletzt wurde mir ein sehr interessanter Viognier eingeschenkt. Und jetzt endlich mal ein Alter! Mann o Mann, Klasse: Ein sehr geschmeidiger Rotwein mit dezenter Fruchtsüße der feinen Art, langer Nachhall, zupackend, leicht kühler Zug, den Jahrgang errät blind niemand, so frisch und gut!

Kanonkop 1993 Paul Sauer

Bester Rotweinerzeuger Südafrikas, zu dieser Meinung steh ich felsenfest, auch wenn es auch andere Meinungen gibt. Entwickelte sich bei zunehmendem Luftkontakt immer besser, klasse Bordeaux-Kombi, gekochte Früchte, guter Nachhall, schöne Balance und Struktur, langer Abgang, eine Kanone ! Übrigens gibt es jetzt im Weingut auch einen Rosé, sehr lecker, und die einfache Kadette-Linie reicht schon für großes Vergnügen zum kleinen Preis! Ein Muss-Stopp bei jeder Südafrika-Reise…

Rust en Vrede 1992 Estate

Nach Kanonkop auf jeden Fall mein zweitliebster Rotweinproduzent des Landes. Viel Schoko und Karamell am Gaumen, deutliche Shiraz-Note hebt ihn von der Konkurrenz ab, sehr präzise, klar, aber kaum gealtert, druckvoll, hoher Trinkfluss, davon hätte ich gern ein paar Flaschen im Keller!

La Motte 1990 Cabernet Sauvignon

der älteste Wein der Probe, für mich vielleicht der eleganteste, ganz feiner, leicht kühler Zug, hohe Trinkfreude, würzig, langer Abgang, erinnert mich an die aktuelle Kollektion, die unverändert höchsten Ansprüchen genügt…. Und das Weingut in Franschoek ist zauberhaft schön…

Kanonkop 1992 Cabernet Sauvignon

sooooo schade, aber leider der einzige Ausfall der Probe… passiert…

Neil Ellis 1994 Cabernet Sauvignon

Weltklasse, entfuhr es einem der Mitprobanden, und dem ist wenig hinzuzufügen. Ganz großer Roter, einer der besten des Abends mit zupackender Frucht, Eleganz und subtiler Frucht !

Vriesenhof 1992 Cabernet Sauvignon

schon wieder Vriesenhof und schon wieder gut! irre perfekt ausbalanciert, typische Aromen eines fein gereiften Cabernets, klar, präzise, strukturiert, mit viel Zukunft ohne Zweifel!

Thelema 1993 Cabernet Sauvignon

für mich einer der überraschendsten Weine des Abends, dem ich zunächst nicht eine so überzeugende Aromatik zugetraut hätte. Zwar viel Paprika und Minze (nicht ganz mein Fall), aber diesem Wein tut der Alkohol (mit 13,5 Prozent der stärkste des Abends!) recht gut, denn sie gibt im Schmackes, Körper und Volumen, würziger Tabak, weißer Pfeffer, ein wenig Kompott von roten Früchten, langer Nachhall

Springfield 2003 The Work of Life

was für ein unruhiger Jungspund nach diesen aufregenden Vorgängern! Der hatte es bei mir jetzt schwer am Ende einer Probe mit deutlich älteren Schwergewichten…. da wäre aber jedes harte Wort unverdient…der Rest ist Schweigen !

… und schon wieder Südafrika….

diesmal zwar keine konzentrierte Weinreise, sondern richtig Urlaub, aber dennoch mit einigen Pröbchen und Proben… Und was viel diesmal auf?

Jordan: 2014 Inspector Peringuey  Chenin blanc – großer Trinkfluss

Warwick: 2015 Professor Black Sauvignon blanc – sehr grün, sehr frisch

Buitenverwachting: 2015 Husseys Vlei Sauvignon blanc – schmeckt im Weingut zum Lunch einfach unvergleichlich gut…

Glen Carlou: 2015 Chenin Blanc Curators Collection – limitierte 3316 Flaschen sind wenig für Südafrika, aber zum Icon Wine fleht der Kick! Der Viognier allerdings ist aller Ehren wert. Hut ab.

Delaire Graff: endlich mal Zeit für eine Weinprobe, die im protzigsten Weingut der Region allerdings mehr erwarten ließ, nun gut, der Sauvignon blanc ist echt ok, am besten gefielen die Delaire Graff White Reserve und der Chenin blanc sowie der Cabernet Reserve

Mullineux: 2013 Olerasay Chenin blanc – einer meiner Favoriten der Reise, ebenso 2013 Old Vines

Simonsig: 2015 Sunbird Sauvignon blanc – der perfekte Lunch-Wein im Restaurant Cuvée, gar nicht so grasig, aber spritzig-belebend…

Reyneke: 2014 Chenin blanc – das Öko-Weingut verdient bei der nächsten Reise mehr Aufmerksamkeit, klasse Struktur, guter Nachhall, Balance!

Solms-Delta: 2013 Amalie Sauvignon blanc und drei weitere Rebsorten, nicht wirklich überzeugend, auch das neue Restaurant haut mich nicht um…. aber ein Picknick könnte dort vielleicht mal reizvoll sein….

Stony Brook: 2014 Ghost Gum – immer eine Bank! gut!

La Motte: 2013 Syrah-Viognier – sehr gut, sehr interessant, an diesem Wein scheiden sich viele Geister, aber mit gefiel´s

Ataraxia: 2015 Sauvignon blanc – der Fisch-Wein !

Ashbourne: 2015 Sauvignon blanc – easy going, schluck weg das Zeug!

Hamilton Russel: 2015 Chardonnay und Pinot Noir, gerade während der Reise erst „released“, sehr gut! Aber natürlich nichts gegen 2009 Sandstone, cremig, elegant, komplex, tiefgründig.

Bouchard-Finlayson: 2015 Chardonnay sans Barrique – wenn ohne neues Holz, dann nur so!

Hermanuspietersfontein: Sauvignon blanc 2014 No. 7 – straff, knackig, gut

Sumaridge: 2013 Chardonnay – 5 Sterne bei Platter, vier Sterne von mir!

Waterkloof: 2013 Chenin blanc – das Weingut ist auf einem tollen Weg, Weine mit Finesse, Tiefgang und Balance, gefällt mir ausgezeichnet, ebenso der 2014 Circle of Life, schmeckt immer nach mehr

Dornier: 2015 Chenin blanc Bush Vine – aus dem Swartland, guter Zug, elegant und doch druckvoll, läuft!

Kanonkop: 2006 Pinotage und dazu die ganze aktuelle Range…. einmal mehr ein Ausrufezeichen! Bester Rotweinerzeuger Südafrikas!

Kaapzicht: 2012 Steytler Pinotage und das übrige Sortiment. Kompliment an Danie Steytler! Eigentlich müssten die Weine dem Weingut aus dem Keller gerissen werden. Eine durchweg sehr gute Kollektion mit einigen Spitzen, dazu gehört auch der großartige 2012 Steytler Vision!

und wie war es 3 Monate zuvor?

Südafrika 2015 - viele persönliche Eindrücke, ein aktueller Überblick und ein klares Statement: Kann es ein besseres Ziel als Südafrika geben, um zwischen November und Februar dem deutschen Winter zu entfliehen, um eine großartige Landschaft zu erleben, um sehr guten Wein und kreative Speisen in großer Harmonie zu genießen – und das alles zu unschlagbar günstigen Preisen und ganz ohne Zeitverschiebung und Jetlag? Ein klares Nein. Südafrika ist als Reiseziel unerreichbar. Natürlich bedeutet die außergewöhnliche Vielfalt des Landes („The whole world in one country“) auch bisweilen bedrückende Gegensätze, und die gravierenden Unterschiede zwischen Reich und Arm sind in unmittelbarer Nachbarschaft zu erleben. Der selbst für einen Journalisten schwer in Worte zu fassenden Faszination tut das aber keinen Abbruch. Wer von der Regenbogennation und ihrer außergewöhnlich schönen Heimat einmal infiziert ist, kommt wieder. Immer wieder. Als Weinenthusiast allemal!

Ich habe meine Reisen nach Südafrika seit dem ersten Trip 1984 ebenso wenig gezählt wie zigtausende „links“ gefahrene Kilometer, die besuchten Weingüter und Restaurants oder gar die verkosteten und getrunkenen Weine. Und die nächste Reise ist schon gebucht. Doch die Erlebnisse an der Spitze einer kleinen Gruppe von Rheingauer Weinenthusiasten, die ich hier zusammenfasse, hallen noch nach. Es mag vielleicht zutreffen – wie mancher „Experte“ meint -, dass Südafrika mit keiner Rebsorte wirklich absolute Weltspitze ist, um global die unübertroffene Benchmark zu setzen und andere Weinwelten zu stimulieren. Doch an der Großartigkeit vieler Weine ändert das nichts.

Diesmal führte meine Reise auf Routen durch Franschoek und Stellenbosch, rund um den Paarlberg, nach Kapstadt, über die Helderberg-Wineroute (Somerset-West) und schließlich ins kühlere Hemel-en-Aarde-Valley (Hermanus), wo ausgezeichnete Pinot Noirs wachsen. Und ich habe durchaus World-class-Weine gefunden:

Pinot Noir & Chardonnay: Was Peter Finlayson und sein Sohn im Hemel-en-Aarde-Valley erzeugen, verdient allergrößte Beachtung. Den Galpin-Peak-Pinot-Noir (2013) habe ich mit 94 Punkten bewertet, die Tete de Cuvee (2012) mit 96 Punkten. 2014 Peter Max Crystallum Pinot Noir liegt da nur eine Handbreit (93 P) dahinter. Und der Missionvale Chardonnay Single Vineyard (2014) gehört mit seinem burgundischen Stil, durch seine Balance, Tiefe und Eleganz zu den besten im Land (94 P.). Beim Altmeister Hamilton-Russel gleich nebenan haben wir die Gelegenheit einer Pinot-Noir-Vertikale (2010 bis 2014) ergriffen und den Jahrgang 2012 als herausragend (93-94 Punkte) bewertet. Natürlich sind Besuche bei Newton-Johnson (2012 Full Stop Rock gefiel am besten, 89 Punkte), Sumaridge (klasse Chardonnay, 89 Punkte) neben dem Cigar-Wein Epitome, 88), und Ataraxia (2014 Chardonnay besonders animierend, 93+ P, der Pinot Noir ebenfalls sehr gut, 91 P.) eine Pflicht für jeden Besucher im wunderschönen Tal, ebenso bei Creation (wahnsinnig guter Tropfen ist „The Art of Chardonnay“, 93 Punkte, Präzision, Tiefe und Schmelz).

Chenin blanc & Pinotage: Die guten Noten für Chardonnay und Pinot Noir in diesem Beitrag  verstellen vielleicht den Blick darauf, dass ich eigentlich ein überzeugter Fan von Chenin blanc und autochthonem  Pinotage bin. Deshalb ist ein Besuch bei Kanonkop (bester Rotweinerzeuger der Reise knapp vor Rust en Vrede, authentische Weine mit kühlen Zug und Charakter, 2013 Pinotage ganz groß, 93 P.) ein absolutes Muss. Beim Chenin blanc gefielen besonders gut Waterkloof (Chenin blanc 2013) und Kleine Zalze (2014 Old Bush Vine Family Reserve), aber auch Grande Provence (2013 Chenin blanc in Gigant) in fast jeder Hinsicht. Ohnehin lud Grand Provence einmal mehr zum Schwärmen ein. Besser kann eine Reise durch RSA nirgendwo beginnen als hier mit einem Lunch.

Rote und weiße Blends: die meisten Icon-Weine Südafrikas sind Blends, daran führt kaum ein Weg vorbei (Ausnahme 2011 Cabernet von Kanonkop und 2012 Cabernet von Rust en Vrede, beide 92 P.), beispielsweise 2012 Kanonkop Paul Sauer (supertop 95 Punkte, wow), aber auch 2012 Rust en Vrede Estate (94 Punkte); Zu den feinsten weißen Blends zähle ich Circle of Life von Waterkloof und den Grand Provence White. Ohnehin: die Weißweine von Grand Provence zählten sämtlich zur Spitze der Region in diesem Jahr.

Zu den weiteren Tops gehören vor allem die die gereiften „Millenium Weine“ (93 Punkte für 2004) und die 2011 „Hanneli R“ (92 P.) von La Motte, die Spitzenweine der Sadie Family (Swartland Revolution) wie 2013 Columella (rot) und 2013 Palladius (92 und 93 Punkte), aber auch Vilafonté Series C (93 P) und 2010 The Jem von Waterford (96 Punkte), ferner 2009 Ashbourne (93 P), der hauptsächlich ein Pinotage ist, aber auch der 2006 Rubicon von den Könnern von Meerlust.

PS: den besten Sekt gibt es derzeit bei Colmant in Franschoek (die Brut Reserve), den besten Rosé ebenfalls bei Kanonkop. Und ansehen sollte man sich schon aus touristischen und architektonischen Gründen by the way in jedem Fall Cavalli und Uva Mira, Waterford und Dornier, Haut Cabriere und Dieu Donne, natürlich auch Waterkloof und Vergelegen, Creation und Ataraxia und dort das ganze Himmel- und Erde-Tal, in dem man dem (Wein-) Himmel so unglaublich nahe ist.

 

 

Strukturwandel im Rheingau

Der Konzentrationsprozess unter den Weinerzeugern im Rheingau geht unvermindert weiter. Nach der jüngsten Statistik des Eltviller Weinbauamtes sind jetzt nur noch 654 Betriebe registriert. Vor fünf Jahren waren es noch 853 Betriebe. Das bestätigt den seit Jahern zu beobachtenden Trend zu immer weniger Erzeugern mit immer mehr Rebfläche, denn der Rückgang der Weingüter geht nicht einher mit einer Verringerung der Weinberge. Die Rebfläche ist mit rund 3100 Hektar seit Jahren recht konstant, sie hat eher noch ein klein wenig zugelegt durch die Neubewirtschaftung von Brachflächen. Inzwischen besitzen 70 Weingüter mehr als zehn Hektar Rebfläche. Zusammen bewirtschaften sie mehr als 1900 Hektar und damit mehr als  60 Prozent aller Rheingauer Weinberge. Knapp 1100 Hektar entfallen auf 243 Betriebe in der Größenklasse zwischen einem und zehn Hektar. Immer kleiner wird die Zahl der selbstvermarktenden Nebenerwerbsbetriebe mit einer Rebfläche von unter einem Hektar. Das Weinbauamt beziffert die Zahl auf 214 Betriebe, vor fünf Jahren waren noch fast 300. In den Winzergenossenschaften sind von ihnen nur noch 127 Winzer organisiert, die zusammen 111 Hektar bewirtschaften. Damit werden nur noch rund 3,5 Prozent der Rebfläche von den wenigen verbliebenen Winzergenossenschaften erfasst. Vor zehn Jahren waren noch fast neun Prozent. Das ist an der Hessischen Bergstraße ganz anders. Dort erfassen die Genossenschaften dank ihrer 262 Mitglieder fast 290 Hektar Weinbergsland, das sind rund zwei Drittel der gesamten Rebfläche von 440 Hektar.

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Von Buhl, Pfalz

2013 Riesling Sekt brut – Wer versteht den „weinmedialen“ Hype um diesen Sekt? Ich nicht. Keine Länge, kein Schmelz, dafür eine brachiale, unreife Säure, grüner Apfel (ich beiße lieber direkt in Granny Smith), reißt am Gaumen sofort ab, dünn, Daumen runter!

Jakob Jung, Erbach

2014 Erbach Steinmorgen Riesling feinherb VDP 1. Lage – süffiger, durchaus auch stoffiger Wein, der aber noch ein wenig mehr Druck und Präzision und Grandezza (für eine 1. Lage) zeigen könnte….

August Kesseler, Assmannshausen

2014 Lorchhäuser Seligmacher Riesling trocken – zeigt das Potential des Mittelrheintals auf das Feinste, guter Trinkfluss bei hoher Dichte, Mineralität und Präzision… wir noch viel besser!

Diefenhardt, Martinsthal

2009 Martinsthal Langenberg Spätburgunder 1. Gewächs – guter, typischer Vertreter für das Rotweinjahr 2009, dabei nicht zu fett oder marmeladig sondern mit Feinheit und Charakter, lecker!

Künstler, Hochheim

2011 Hochheim Stein Spätburgunder Großes Gewächs – unerwartet eine Enttäuschung (Flaschenfehler?) – eher dünn, sehr karg (nicht in positivem Sinne), herbe Säure, nicht harmonisch, von einem GG habe ich etwas ganz anderes erwartet….

Weingut Kloster Eberbach

2009 Höllenberg Spätburgunder trocken – klassischer Höllenberg, klassische Assmannshausen, zeigt wie gut Pinot ohne überdimensionierten Holzeinsatz werden kann, sehr fein und elegant, großer Wein

Graf von Kanitz, Lorch

1997 Lorcher Kapellenberg Spätburgunder trocken – der erste Spätburgunder, den seinerzeit Ralf Bengel als Betriebsleiter für Kanitz vinifiziert hat. Steht überzeugend gut im Glas, fast keine Brauntöne, gute, intensive Frucht (Kirsche!), Hut ab-Wein !

Eiswein: die Zeit läuft davon

Die Chancen auf Eiswein sinken im Rheingau mit jedem Tag, an dem es nicht kalt genug ist. Nach Auskunft der Meteorologen sind Temperaturen von mindestens minus sieben Grad nicht in Sicht. Vereinzelt haben die Winzer schon aufgegeben, wie beispielsweise das Lorcher Weingut Mohr. Dort wurden zwei Tage vor Weihnachten die eigentlich für Eiswein reservierten Trauben geerntet. Immerhin gärt nun eine Auslese im Keller vor sich hin. Noch aber sind im Rheingau an etlichen Stellen in Folie eingepackte Rebstöcke zu sehen. Senken am Fuß von Weinbergen, in denen sich die Kaltluft sammelt und die deshalb für die Erzeugung der edelsüßen Spezialität prädestiniert sind. Manche Weinberge sind nicht nur mit Folien gegen Vogelfraß und Regen geschützt, sondern auch mit Elektrozäunen gegen Wildschweine umgeben.

Doch läuft den wenigen Winzern, die jetzt noch auf Eiswein setzen, allmählich die Zeit davon. Die ungewöhnlich warmen Monate November und Dezember geben wenig Anlass zur Hoffnung. Vor allem im Rheingau sind die Winzer das fast gewohnt. Schon in den zwei zurückliegenden Wintern war es für Eiswein zu warm. Das hatte es im Rheingau seit Beginn der entsprechenden Wetteraufzeichnung im Jahr 1934 noch nicht gegeben. Bisher war erst einmal - 1974 - die Eisweinlese komplett ausgefallen. In jenem Winter war der kälteste Tag mit minus drei Grad am 17. Februar 1975 verzeichnet worden. Im Winter 2013/14 war es am 17. Dezember 2013 mit minus 4,2 Grad in Winkel ebenfalls nicht kalt genug, damit der Saft in den Beeren gefriert und das Mindestmostgewicht von 125 Grad Öchsle erreicht wird. Je tiefer die Temperaturen, desto höher die Konzentration und das Mostgewicht. Nun könnte im Rheingau der dritte Verzicht in Folge geschehen. Dennoch müssen die Winzer nicht alle Hoffnungen aufgeben. Auch in der Vergangenheit war es bisweilen erst im Januar kalt genug, beispielsweise im Jahr 2000. Eine Eisweinlese im Februar ist allerdings die große Seltenheit: erst einmal, 1983, war der Eiswein des Jahrgangs 1982 erst zwischen dem 16. und 23. Februar eingebracht worden. In zwei Dritteln aller Fälle ist der Dezember der klassische Eisweinmonat.

(gekürzte Fassung meines Berichts für die FAZ)

Aus dem Verkostungstagebuch

Kellerei Cantina Terlan, Südtirol

2012 Magnum und 2013 Quarz Sauvignon blanc Alto Adige Terlaner

Mann o man, was für ein Trinkfluss (vor allem 2013!). Ich kenne aktuell keinen anderen Sauvignon blanc, der so die Kehle runterläuft. Trinkanimation und Trinkfreude pur, mehr bedarf es für so eine Weinbeschreibung nicht. Kaufen, trinken, freuen! 2012 (aus der Magnum) wirkt kräftiger und etwas opulenter als 2013, als Essensbegleiter vielleicht der bessere Wein.

Bolgheri Ornellaia

2012 Le Serre Nuove Dell´Ornellaia DOC Rosso

Klasse Zweitwein eines berühmten Hauses, kräftiges rubinrot, intensive Fruchtaromen, auch ein wenig Veilchen, im Geschmack Kaffee, etwas Tabak und allerlei Gewürze, voll, aber dennoch eher auf der eleganten Seite, geschmeidig, feine Säure-Note, feste Tannine, gut.

Weingut Schön, Aulhausen

2009 Rüdesheimer Schlossberg Späbu Spätlese trocken

kühler Zug, nicht überpowered, gute Trinkanimation

Weingut Schwedhelm, Zellertal

Kleiner Nachtrag zu meinem Besuch in der Pfalz, als ich bei Schwedhelm vor verschlossener Tür stand. Jetzt habe ich doch noch 2014 Wotanfels und Schwarzer Hergott verkosten dürfen, und bin recht begeistert. Stilistisch zwei besondere Weine aus den vom Kalk geprägten Böden eines ganz besonderen Zipfels der Pfalz, bei denen Primärfruchtaromen kaum eine Rolle spielen. Sehr elegante, keinesfalls opulenten Weine mit starkem und prägnanten mineralischen Ausdruck. Der Herrgott dabei eine gute Spur präziser und mit mehr Druck am Gaumen und noch höherem Trinkfluss. Sehr gut, mehr davon !

Weingut Albus, Rauenthal

Erst vor zehn Jahren wandelte sich der 6 Hektar-Betrieb vom Nebenerwerbserzeuger zum Flaschenweinvermarkter. Jungwinzer Stefan Albus führt die Regie, und die Entwicklung ist durchaus erfreulich. Vor allem die 2014er Weine aus dem Rauenthaler Rothenberg gefallen durch durchweg blitzsaubere, reintönige Frucht und klarem Nachhall. Allerdings hebt sich Albus dadurch natürlich wenig ab von der inzwischen mannigfaltigen Konkurrenz. Zu wünschen wäre dem Weingut daher mehr stilistische Individualität und ein wenig Mut zum Aufbruch zu neuen Ufern. Sowohl in der Ausstattung als auch im Hinblick auf die Bezeichnung wird jedoch ein sehr traditioneller, eher barocker Weg beschritten. Beeindruckendes Preis-Leistungs-Verhältnis.

Weingut Dornier, Stellenbosch

2013 Donatus White – eine meiner weißen Lieblings-Cuvées aus dem Raum Stellenbosch, viel Tannin, druckvoll, guter Trinkfluss, Powerwein.

Weingut Schales, Flörsheim-Dalsheim

1998 Rieslaner Sekt halbtrocken – würd´ ich ja nieeeeeeeeeeee trinken, süßer Sekt? Geht! Bin ganz überrascht. Von 1998! Wow! Gut gekühlt trotz der Süße eine spritzige Offenbarung… Also nie zu festgelegt sein und die eigenen Vorurteile pflegen, sondern immer aufgeschlossen bleiben…

Prinz von Hessen, Johannisberg

2013 Riesling Dachsfilet – saftige Früchte, ein wenig Stachelbeere, Pfirsich und ein Hauch von Rhabarber, aber auch Johannisbeere. Gut integrierte Säure, könnte für mich noch ein wenig trockener daherkommen, viel Pfirsch und Aprikose im Geschmack, aber insgesamt keine Fruchtbombe. Gut!

Thilo Strieth, Aulhausen

2001 Spätburgunder Sekt Extra trocken – schon 2003 degorgiert nach 12 Monaten im Holzfass und 12 Monaten in der Flasche, aber dennoch frisch schmeckend, gute Perlage, herrlich dunkle Früchte, schöne Pinot-Farbe, wirkt jetzt brut, für mich die Sektüberraschung des jungen Jahres, übertrifft alle Erwartungen, klasse, leider eine der letzten Flaschen aus der Schatzkammer, aber ein echtes Erlebnis!  

Weingut Sohns, Geisenheim

2006 Rheingau Spätburgunder trocken – klasse Barrique-Pinot, wunderbar gereift, wirkt immer noch sehr frisch, verleugnet das schwierige Jahr 2006 total, ein Genuss.  

Schuchmann, Georgien

2009 Saperavi unfiltered Dry Red – Georgischer Rotwein! Ich bin zugegeben sehr überrascht. Sehr fruchtbetont, wunderbar integriertes Holz, gute Länge, macht Spass! Schmeckt nach Minze, Zedernholz, Kirsche. Diese autochthone Rebsorte scheint durchaus Potential zu haben! 21 Tage vergoren, 24 Monate im Barrique gelagert, ein Wein mit Anspruch und dem Recht, beachtet zu werden.

Domaine Weinbach, Elsass

2012 Riesling Schlossberg – was soll ich sagen, ein Monument aus dem Elsass. Straffer, präziser, ein weniger barocker, klassischer Charakterwein !

Dr. Heger, Ihringen

2012 Winklerberg Grauburgunder Großes Gewächs – wenn schon Grauburgunder, dann diesen ! Nur diesen !

Vignoble Dampt, Collman

2009 Chablis 1er Cru Les Fourneaux – klassischer Chablis, guter Zug, perfekt zum kräftigen Mahl, fein!

Joh. Jos. Prüm, Mosel

2011 Bernkasteler Badstube und 2004 Sonnenuhr Spätlese – mehr Trinkfluss geht nicht, das Weingut für jede Gelegenheit und jeden  Anlass, Prüm geht immer !

Where the fuck is "Auli" ?

Der Rheingau besteht aus zwei Dutzend Weindörfern, von A wie Assmannshausen bis W wie Winkel, oder von Lorchhausen im Westen bis Wicker im Osten. Alle haben ihre Weinberge, nur eines nicht: Aulhausen. Und dennoch ist das oberhalb von Assmannshausen gelegene, liebevoll „Auli“ abgekürzte „Nest“ mit seinen rund 1000 Einwohnern einen Besuch wert. Denn (mehr als) drei der 1000 Bürger sind Winzer mit Ambitionen: Strieth, Schön, Friesenhahn. Nie gehört? Selbst schuld, aber eigentlich nicht zu verzeihen. Vor allem nicht denjenigen, die immer auf der Suche nach „Geheimtipps“ jenseits der (VDP-)bekannten Namen sind und gute Weine zum vergleichsweise kleinen Preis suchen.

Doch zuerst zum Ort und seinen Lagen. Aulhausen ist immerhin gut 900 Jahre alt. Es war als Ort der Töpfer bekannt und beherbergt heute mit dem St. Vincenzstift Aulhausen den größten  Arbeitgeber des Rheingaus. Weil sein südliches Ende quasi in Assmannshausen übergeht und auf den Höllenberg stößt (einen Steinwurf vom Ortsende residieren das VDP-Gut Robert König und die Assmannshäuser Domäne der Staatsweingüter), schlossen sich Assmannshausen und Aulhausen in den 1970er sogar zusammen. Es gab auch einmal Aulhauser Weinbergslagen. Gustav Lüstner schrieb über „Die Lagennamen des Rheingaus“ zu Aulhausen: „Die Weinberge liegen weitab vom Dorf im oberen Teil des Rüdesheimer Bergs“…. (heute teilweise wohl  Kaisersteinfels), und er nennt immerhin drei Lagen: Gibel (Leingipfel), Orlenz und Frenz… (heute Gewannbezeichnungen im Kaisersteinfels) Vermarktet wurden sie zuletzt wohl unter der Bezeichnung „Aulhauser Berg“…. Nach Recherchen des Weinbauamtes wurden große Flächen der Aulhäuser Lagen wohl von einem Winzer Henne bewirtschaftet wurden, der in Aulhausen beheimatet war, den Weinbau aber schon vor Jahrzehnten aufgab.

Wie dem auch sei, auch wenn die Lagen des Orts heute keine Rolle mehr spielen, die Winzer tun es schon, und sie trumpfen mit Spitzenlagen auf, beispielsweise dem Rüdesheimer Berg.

Weingut Thilo Strieth

Die Wurzeln des nur knapp vier Hektar großen Weinguts reichen bis 1776 zurück. Von Mai bis September ist ein schöner, geruhsamer Weingarten geöffnet, wo sich die Weine besonders entspannt verkosten lassen. Trockene Basis ist der „Saxum“-Riesling, sozusagen der weiße Zweitwein aus dem Schlossberg – immer mineralisch, mit grünem Apfel, lebendiger Säure und fruchtbetonter Eleganz. Der weiße Primeur ist der 2015er Jungspund, ein von Hefe geprägter, junger, frecher, spritziger Botschafter der neuen Jahrgangs. Bekannt wurde Strieth mit seiner Interpretation eines Blanc de Noir – meist aus der Lage Hinterkirch – der klar wie ein Gebirgsbach die Kehle runterläuft. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Roten. Der eher leichtgewichtigte 2013 Assmannshäuser Frankenthal zeigt helles Rubin und offenbart am Gaumen viel Cassis und kräuterige Noten. 2014 Höllenberg dann mit klassischem Rubinrot, feinen Schiefer- und leicht Veilchen-Aromen, ein wenig speckig, noch recht verschlossen, rauchiger Abgang, leichte Bittermandelnote, sehr mineralisch, salzig kühl. Und dann der 2013 Schlossberg Pinot: grandioses Bukett, sehr burgundisch, fein, elegant, vielschichtig, komplex mit großer Zukunft (wie toll die Weine reifen zeigte übrigens bei meinem Besuch ein 2000er Frankenthal Spätburgunder mit nach wie vor erstaunlicher Präsenz trotz deutlich oxidativer Noten)

Weingut Michael Schön

Klaus Schön ist ein sympathisches Original, ein Schlitzohr, ein Qualitätsfanatiker, der sich aber häufig von Bauchgefühlen und Instinkten leiten lässt. In der schönen Gutsschänke (s. Rheingauer Weinschmecker) tafelt und trinkt es sich vortrefflich. Schön hat immer einige reintönige, fruchtbetonte, leckere Weißweine aus dem Bischofsberg und dem Drachenstein im Angebot, aber seine Spezialität sind die Rotweine aus Roseneck, Rottland, Drachenstein und vor allem dem Schlossberg. Die Schlossberg-Auslesen der Jahrgänge 2011 und 2012 sind jetzt auf dem Höhepunkt. Muss man getrunken haben!. Vielschichtig, kraftvoll und doch komplex mit großem Nachhall und feiner Würze. Auch Schön hat nur vier Hektar, aber was er daraus macht, das ist aller Ehren – und einen Besuch - wert.

Weingut Friesenhahn

Das gilt im übrigen auch für das kleine Weingut Friesenhahn, das Dirk Friesenhahn im Nebenerwerb bewirtschaftet. Die Weinberge liegen in den Steilhängen des Rüdesheimer Bergs. Aus vollreifem und gesundem Lesegut werden nach gezielter Ertragsbeschränkung sehr mineralische Weine erzeugt. Schnell ausgetrunken ist meist der stoffige Grauburgunder aus dem Drachenstein, der uns allerdings häufig nicht trocken genug ist. Unser Lieblinge sind der „Riesling Alte Reben Katerloch“ aus dem Drachenstein und der trockene Spätburgunder aus dem Barrique. Auch wenn die Wein-Bezeichnungen barock-althergebracht sind und die Qualitätspyramide nicht stringent ist (das gilt leider für alle Winzer in Aulhausen mit ihren trocken Auslesen ….), so zählt am Ende natürlich der Inhalt. Und der stimmt in „Auli“.

Welcome in Eltville, Eva Fricke

Zurückhaltend, manchmal ein wenig scheu wirkend, aber gleichwohl sehr selbstbewusst und mit einer klaren Vorstellung von ihren Weinen und ihren Zielen, das ist Eva Fricke. Kaum zu glauben dass es jetzt schon zehn Jahre her ist, seit sich die gebürtige Bremerin in Kiedrich – zunächst im Nebenerwerb - den Traum vom eigenen Weingut erfüllte. Damals, im Jahr 2006, war sie noch Betriebsleiterin beim Rüdesheimer Weingut Leitz, wo sie nach dem Geisenheimer Weinbaustudium und einer ersten beruflichen Station bei J.B. Becker in Walluf ihren Ruf als begnadete Weinmacherin festigte.

Aus einem Morgen Weinberg wurden bis heute 7,5 Hektar, und Fricke denkt in noch größeren Dimensionen. Bis zu zwölf Hektar sollen es werden. Der Betrieb ist vor wenigen Wochen von Kiedrich in die Eltviller Elisabethenstraße umgezogen, als Mieterin in zwei eher unscheinbaren Industriegebäuden. Gleichwohl wird sie weiter dem Kiedricher Weinbauverein angehören. Die neue Vinothek ist zurückhaltend modern und großzügig dimensioniert und passt mit ihrer Klarheit stilistisch ganz zu den Fricke-Weinen. Die Vinothek darf wohl auch als Zeichen verstanden werden, dass sich das Weingut mehr und mehr Privatkunden öffnen wird. Aber auch sonst ist das Weingut in Bewegung. In zwei bis drei Jahren soll die Ökozertifizierung abgeschlossen sein, ein Beitritt zu einem anspruchsvollen Verband wie Demeter scheint absehbar. Von Fricke wird auch in Zukunft noch einiges zu hören und viel zu schmecken sein.

Der Jahrgang 2014

3 Nicht-Rieslinge, 3 Ortsweine, 3 Lagenweine, dazu ein Gutswein und eine süße Spätlese, das ist – bis auf jahrgangsbedingte Ausnahmen – das Portfolio von Eva Fricke. Die bisherige Konzentration auf Großkunden und Wiederverkäufer sowie das ihr eigene Selbstbewusstsein spiegeln sich in Preisen von 14 Euro für Ortsweine und andere Rebsorten wider, die „Großen Gewächse“ aus der Lorcher Krone und dem Schlossberg stehen für 32 Euro in der Preisliste. Das ist vor allem für die Lagenweine mehr als angemessen.

2014 Lorcher Pfaffenwies Pinot Noir Rosé – Ein Rosé, ganz genau wie er für mich sein soll: betont trocken, nobles blasse Rosé, klare Schiefernoten, feine mineralische Art, gepaart mit Anklängen von Himbeere und Erdbeere in großer Balance und Haromonie, perfekt!

2014 Lorchhäuser Seligmacher Silvaner trocken – grüne Reflexe, sehr ausdrucksstark, expressiv, Stachelbeere am Gaumen, weiche Säure, sehr saftig

2014 Lorcher Krone Weißburgunder – leicht nussige Noten, sehr aromastark, opulent, fest, zugegeben: ich ziehe den Silvaner klar vor!

2014 Rheingau Riesling trocken – der Gutswein, teils aus zugekauften Trauben zwischen Walluf und Lorch, sehr mineralische, zurückhaltende Frucht, ein wenig Apfel und Zwetschge

2014 Kiedricher und 2014 Lorcher Riesling – die beiden Ortsweine… überraschend für mich: sie  liegen geschmacklich deutlich enger beisammen als geografisch, das Terroir (Quarz bzw. Schiefer mit Lössauflagen liefert die Erklärung), für mich hat überraschend der schon sehr zugängliche Kiedricher knapp die Nase vorn, mittelfristig scheint der Lorcher aber vielversprechender

2014 Lorcher Riesling off dry – ein Wein mir recht kühler, salziger Note und gutem Schmelz bei prägnanter, aber weicher Säure

2014 Lorchhäuser Seligmacher – sozusagen der „Charta-Wein“ im Sortiment, sehr würzig und süffig, gute Kraft und Fülle, hohe Trinkanimation, schlotzig, teils rote Früchte mit leichte Feuersteinnoten, sehr geschliffen, feine Säure-Süße-Spiel….

2014 Schlossberg Riesling – ein regelrecht „vibrierender“ Tropfen, salzige Note, saftig, strahlt in jeder Faser das Mittelrheintal als Herkunft aus, Anklänge von Stachel- und Johannisbeere, ob 20g RZ genau das richtige Maß sind, muss jeder für sich entscheiden, ich hätte ihn mir auch gut etwas trockener vorstellen können….

2014 Lorcher Krone trocken - Grazile Rieslingmajestät, vorwiegend gelbfruchtig, ein wenig Birne, aber auch Apfel,  weich und samtig, setzt dem ganzen Sortiment die Krone auf, phänomenal gut, sollte am besten dekantiert werden!

2014 Lorcher Schlossberg Riesling Spätlese – der einzige Süßwein bei Eva Fricke (sofern die Natur nicht auch mal eine Auslese spendiert), saftig, nicht über-opulente Art, schöner Nachhall, große Trinkfreude.

Zum Wohl die Pfalz

Kleine Tour durch die Pfalz

Weingut Gehrig, Weisenheim am Sand

sympathisches Familienweingut in Weisenheim mit einem recht üppigen Sortiment

Weißwein: 2014 Riesling pur trocken, dazu Weißer Burgunder, Chardonnay, Grauer Burgunder (Noem) und Sauvignon blanc (Le Sauvage), ferner ein Merlot Blanc de Noir ! Insgesamt recht ordentlich, wenn auch vielfach mit einem im Abgang barocken „Stilistik“, die nicht meinen Gefallen findet. Bester Weißwein ist der „Riesling 1 PS“ aus 40 Jahre alten Reben, deren Weinberg mit einem Pferd bewirtschaftet wird.

Rotwein: 2013 Merlot, 2012 Ducat, 2012 Cabernet Sauvignon, dazu 2012 Marc G. Cuvée und David G. Cuvée…. Da ich ganz selten ein Freund reinrassiger Merlots bin gefällt mir von den Rebsorten-Roten der Cabernet Sauvignon mit Abstand am besten. Die Pinot haben eine rauchig-speckige Note, die anderen teils viel Tanin und brauchen noch Zeit….

Weingut Markus Schneider, Ellerstadt

…endlich sehe ich einmal den Neubau in Aktion. Einfach beeindruckend, was Markus Schneider hier für ein „Imperium“ errichtet hat. Eine Kathedrale für gut 90 Hektar Reben, und die Ergebnisse sind teils phänomenal....

2014 Weißburgunder – sehr fein, ohne zu weich zu sein, schmeckt weniger trocken als er ist, viel Finesse, klare Frucht, geradlinig und schnörkellos gut, dazu ein phänomenales Preis-Leistungs-Verhältnis!

2014 Riesling Alte Reben – aus 1969 gepflanzten Reben im Friedelsheimer Schlossberg, klar und frisch, hohe Trinkanimation durch perfekt eingebundene Säure, ohne Ecken und Kanten süffig !

2014 Riesling Fuchsmantel – sehr dicht und klar, mit gutem Zug, steht 1a im Glas, leicht salzige Note, nicht zu üppig sondern hoher Trinkfluss, klasse (und der 2015er soll noch einmal besser werden….)

2014 Black Print – der Rotwein, der fast allen schmeckt, weich und würzig, dunkle Früchte, gute Tanine, nicht zu schwer und nicht zu leicht, läuft….

2013 Blaufränkisch – in Farbe und Geschmack kein „Lemberger“ (burgenländische Klone), aber daher auch nicht so ganz mein Fall, leicht indifferente Nase, in einer Blindverkostung m.E. schwer als Blaufränkisch zu erkennen, leichte Marzipannote, würzig

2013 Holy Molly – Syrah, kein Shiraz, eben auf der eleganten Seite, was dem Wein gut zu Gesicht steht. Nicht fett, nicht marmeladig, sondern sehr gut!

2011 Mele Kalikimaka – wer kann schon hawaiianisch, aber dieser „Nikoläusinnenwein“ ist sehr würzig, von Merlot geprägt, von Cabernet Dorsa verfeinert, gute Tanine, guter Zug, Weihnachten kann kommen!

2012 Steinsatz – mein Favorit unter den Roten, gut, voll, warme Noten, der richtige Wein fürs Bärenfell vor dem Kaminfeuer….

Weingut Pfeffingen, Bad Dürkheim

2013 und 2013 Herrenberg Riesling GG

2014 Weilberg Riesling GG

2014 Ungsteiner Terra Rossa Riesling

2014 Ungsteiner Riesling Kalkstein

…dazu noch einige Weine mehr probiert und überzeugt: ein sehr guter Erzeuger mit sehr klaren, gut strukturierten und balancierten Weinen der besonders feinen Art… Weilberg GG für mich ganz groß, ein echter Charakterwein, deutlich über 90 Punkte!

Weingut Karst, Bad Dürkheim

Die Schänke ist eine der wenigen guten Riesling-Zapfstellen in der Innenstadt und eine Empfehlung wert. Wir haben den 2013 Riesling Kalkstein trocken und den 2012 Riesling Momentum trocken getrunken und waren ganz zufrieden mit klaren, schnörkellosen Weinen ohne Fehl und Tadel, das Momentum hätte durchaus 87 Punkte verdient.

Weingut Knipser, Laumersheim

…nein, diesmal nicht im Weingut sondern in der sehr schönen Gutsschänke „Halbstück“ in Bissersheim, eine echte Empfehlung mit gutem Service und feinem Essen…. Wir haben die Vorspeise (Kürbisquiche) mit einem 2014 Kapellenberg Riesling trocken und das Rumpsteak mit einem 2013 Spätburgunder Mandelpfad GG perfekt begleitet (91 Punkte) und waren happy !

Weingut Schwedhelm, Zell

Leute, traut dem Gault Millau nicht, und manchmal auch nicht der Homepage der Weingüter. Wir standen sonntags jedenfalls trotz gegenteiliger Infos vor verschlossener Tür. Insofern müssen wir unsere Neugier auf „Zeller Wotanfels) und „Schwarzer Hergott“ noch zähmen, eine Notiz dazu folgt aber in absehbarer Zeit dennoch…

Aus dem Verkostungstagebuch

Kleiner Ritt durch Südtirol

Walch fordert Lageder fordert Haas, so oder so ähnlich hätte die jüngste Probe der Weinloge „Die Kranenmeister zur Oestrich im Rheingau“ überschrieben sein können, dazu zwei „Piraten“ von Rebholz, die sich sehr beachtlich schlugen….

Weißburgunder

Kellerei Nals Margreid, "Sirmian" Pinot Bianco 2012

Ökonomierat Rebholz, Birkweiler Mandelberg Weißurgunder GG 2014

Elena Walch, Tramin, "Kastelaz" Pinot Bianco 2013

Abraham, Eppan, "In der Lamm" Weißburgunder 2012

Weiße Cuvées und Chardonnay

Pranzegg, Bozen, "Caroline" 2012

Elena Walch, Tramin, "Beyond The Clouds" 2012

Alois Lageder, Margreid, "Löwengang" Chardonnay 2012

Ökonomierat Rebholz, Chardonnay "R" 2014

Pinot Noir

Franz Haas, Montagna, "Schweizer" Pinot Nero 2009

Kellerei Andrian, "anrar" Pinot Noir Riserva 2009

Alois Lageder, Margreid, "Krafuss" Pinot Noir 2009

Alois Lageder, Margreid, "Krafuss" Pinot Noir 2004

Rote Cuvées

Baron di Pauli, Kaltern, "Arzio" Merlot/Cabernet 2009

Peter Dipoli, Neumarkt, "Frauenriegel" Merlot/Cabernet Franc 2009

Elena Walch, Tramin, "Kermesse" 2009

Alois Lageder, Margreid, Cason Hirschprunn 1996

FAZIT: Mein Favorit unter den Weißburgunder war ganz klar Elena Walchs “Kastelaz”, bei den Chardonnays der Löwengang von Lageder, der einfach ganz phenomenal ist! Nicht erwartet hätte ich die Dichte und Güte bei den Spätburgundern. 2004 von Lageder mit einer eher untypischen Aromenstruktur, aber dennoch ganz stark, wärehnd 2009 sehr klassisch daherkommt mit guter Dichte und Finesse, stark! Bei den jüngeren Cuvées siegte wieder Walch, wobei Lageders Cason wegen der Reife (1996er) natürlich außer Konkurrenz lief.. es war der bordeauxhafteste  Wein des Abends, der richtig Spaß gemacht hat….

Joh. Jos. Prüm, Mosel

2004 Wehlener Sonnenuhr  Riesling Spätlese – saftig, süffig, eben ein lecker Möselchen, genau so, wie es schmecken soll…. prächtig!

St. Urbanshof, Mosel

2011 Laurentiuslay Riesling Spätlese – sehr fein, jugendliche Frische und Eleganz, guter Nachhall, trinkfreudig, mit viel Zukunft

Franz Hirtzberger, Wachau, Österreich

2011 Hochrain Smaragd – üppig, aber nicht übertrieben fett, saugut!

August Kesseler, Assmannshausen

2012 Berg Schlossberg Riesling GG – fängt jetzt langsam an, richtig Spaß zu machen, tolle Mineralität, vielschichtig, komplex, aber auch mit Dampf, ein GG ganz nach meinem Geschmack!  

„Projekt Rheinfront“

2014 Silvaner trocken – der Versuch einiger Rheinfront-Winzer, nicht unbedingt nötig, sich näher damit zu beschäftigen….

Lionel Dufour, Puligny-Montrachet

2013 Puligny-Montrachet 1er Cru La  Garenne Reserve – sehr jung, aber schon trinkfertig gemacht, gute Dichte, mit Druck und Schmackes

Hausen-Mabilon, Saarburg

1990 Ayler-Kupp Riesling Auslese – klasse, mehr davon, Saufwein!

Chateau Lagrange, Saint-Julien, Bordeaux

2001 Grand Cru Classé – sehr typisch, gute Reife und Frucht, lecker

Paul Fürst, Franken

2012 Spätburgunder Centgrafenberg – fehlt ein wenig Finesse und Tiefgang, vielleicht in einer schwierigen Phase….

Jean-Marc Pillot, Bourgogne

2007 Chassagne-Montrachet Premier Cru – ja, davon könnte ich mehr trinken, fast immer, wow!

Monteverro, Toscana

2011 – von den Freaks bisweilen verachteter Mainstream-Super-Toskaner, aber ich liebe die dunklen Früchte, die Tiefe und Komplexität und den überraschend kühlen Zug am Ende. Hohe Trinkanimation!

Hospices de Nuits, Puligny-Montrachet

1997 Nuits-Saint-Georges 1er Cru Les Vignerondes Cuvée Richard de Bligny – was für eine Enttäuschung: ein Leichnam in der Flasche. tot. R.I.P. Weiß jemand, wie das einmal geschmeckt hat ?

Goldatzel, Johannisberg

2011 Kläuserweg Spätburgunder Spätlese trocken – gut weiterentwickelter Sieger des Pinot-Cups des Rheingauer Weinschmeckers vor einigen Jahren, Chapeau!

Schloss Halbturn, Halbturn, Austria

2010 Pinot Noir – sehr, sehr guter Pinot mit Finesse und Mineralität, gutem Zug, feinem Finisch, guter Würze, macht Spaß!

Chat Sauvage Jahrgangsverkostung

In Johannisberg hatte Michel Städter zur Jahrgangspräsentation geladen, und die Zahl der Gäste zeigt, wie anerkannt die „Katze“ inzwischen ist. 2013 Chardonnay Clos de Schulz braucht zwar noch viel Zeit, zeigte seine Stärken mit Druck, Dichte, Cremigkeit und viel Holz aber dennoch schon recht gut. Die Lagenweine, die als „Große Gewächse“ angepriesen wurden (obwohl nicht VDP), waren durchweg noch von einer gewissen Strenge, aber auch von Finesse und Eleganz geprägt. Einige noch sehr verschlossen (Höllenberg), andere schon recht zugänglich (Hölle). Es ist fast noch zu früh, die 2013er angemessen zu bewerten, das Potential ist aber sehr gut,l 2013 Drachenstein wird ein ganz großer… und mir persönlich gefielen die beiden Lorcher (Schlossberg und Kapellenberg) wegen ihres animalischen Timbre schon sehr, sehr gut.