• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Schloss Vaux mit eigenem Weingut

Zum Jahresausklang im Blog natürlich Sekt.... neu und lecker:

2014 Rosé Reserve brut und

2014 Rheingauer Reserve brut

das sind sie also… die beiden neuen Sekte aus dem 2014 gepachteten, 7 Hektar großen, eigenen Weingut (vormals Erbslöh´sches Weingut, zuletzt von Leitz bewirtschaftet) in Geisenheim. Das Warten auf das Ende der Lagerung auf der Feinhefe und das Degorgieren hat sich gelohnt. Der Rosé überzeugt mit seinem üppigen, feinen Mousseux, sehr schöner, zarter Lachs-Farbe, herrlicher Duft von Johannis- und Himbeeren und weiteren roten Früchten, gelungener Spagat zwischen Fülle und Eleganz, langer Nachhall.

Die weiße Variante dagegen eher zupackend, mit intensiver Rieslingfrucht, ein wenig Johannisbeere und weißem Pfirsich. Ein Tänzer am Gaumen mit recht kerniger, packender Säure, dabei eine strahlende Kühle, gepaart mit Eleganz und Intensität. Frisch, belebend, tänzerisch.

Und wie geht es Schloss Vaux? Hinter der 1868 in Berlin gegründeten Sektmanufaktur Vaux liegt ein außergewöhnliches Jahr. Erstmals in der jüngeren Unternehmensgeschichte hat die kleine Eltviller Aktiengesellschaft mehr als 400.000 Flaschen verkauft. Ein Erfolg, den der Eltviller Sekterzeuger vor allem zwei Innovationen verdankt: einer alkoholfreien Alternative zum klassischen Schaumwein aus Flaschengärung, auf den sich Schloss Vaux schon seit Jahren spezialisiert hat, und einer neuen Sektlinie, die Ausdruck einer mutigen unternehmerischen Entscheidung war.

"Reserve" heißen die beiden neuen Sektkreationen. Nicht der Sekt an sich allerdings ist das Besondere, sondern die Tatsache, dass die Grundweine erstmals von eigenen Weinbergen stammen. Traditionell bezieht Schloss Vaux die Grundweine von renommierten Erzeugern, um sie dann in den heimischen Kellern zu Sekt zu veredeln. Doch 2014 hat der Vorstand der kleinen AG, Nikolaus Graf von Plettenberg, die Gelegenheit ergriffen und das Weingut Erbslöh in Geisenheim gepachtet.

Es ist ein nur etwa sieben Hektar großes Weingut, das in den vergangenen Jahrzehnten schon mehrfache Pächterwechsel erfahren hat und zuletzt vom Rüdesheimer Weingut Leitz bewirtschaftet worden war. Nun steht es unter der Regie von Schloss Vaux und firmiert zumindest für die Pachtdauer von 20 Jahren als "Weingut Schloss Vaux". Ein neues Weingut im Rheingau, das allerdings ausschließlich Grundweine für die Sekterzeugung von Vaux erntet und ausbaut. Plettenberg hat rund 150 000 Euro in die zeitgemäße Ausstattung des Weinguts investiert und eine junge Kellermeisterin angestellt.

Schloss Vaux erlangt damit mehr Kontrolle über die Produktionskette, denn auch für die Lagensekte aus Trauben anderer Rheingauer Erzeuger, beispielsweise den Marcobrunn- und den Höllenberg-Sekt, werden nun nicht mehr fertige Grundweine bezogen, sondern nur noch die Trauben. "Ein ziemlicher Luxus", sagt Graf Plettenberg.

Doch der Schritt hin zur eigenen Grundweinerzeugung gibt Schloss Vaux auch die Möglichkeit zu Experimenten und zur Herstellung neuer Kreationen, von denen Vertragswinzer erst mühsam überzeugt werden müssten. Ein eigenes Weingut sei auch ein Schritt hin zu mehr Authentizität und Glaubwürdigkeit der eigenen Produkte, sagt der Vorstand. Es diene der Qualitäts- und Beschaffungssicherung und sei überdies eine Investition in die Zukunft, zumal Weinberge im Rheingau immer teurer würden.

Die wirtschaftliche Zukunft sieht für Schloss Vaux recht verheißungsvoll aus, weil das Interesse der Deutschen an hochwertigen Sekten eher wächst - so zumindest die Beobachtung Plettenbergs. Die gute Konjunktur und die niedrigen Zinsen für Erspartes gelten in der Branche als Erklärungen für den häufigeren Griff zum teureren Schaumwein.

Wie seine großen Mitbewerber sieht Schloss Vaux überdies eine Nachfrage nach alkoholfreien perlenden Getränken, vor allem zu Anlässen, zu denen sonst Sekt getrunken wird. Dennoch schlägt das Unternehmen einen anderen Weg ein, um sich ein Stück vom "Kuchen" abzuschneiden. Sein Produkt heißt "Träublein" und ist ein leicht perlendes Erfrischungsgetränk aus der hochwertigen Vaux-Sektflasche, das ein Kooperationsprojekt mit der Allgäuer Öko-Brauerei Clemens Härle ist. Härle liefert einen Sud aus Gerstenmalz, der bei Vaux mit Trauben- und Johannisbeersaft vermischt wird. "Wir wollten etwas anderes als nur einen weiteren alkoholfreien Sekt machen", sagt Graf Plettenberg.

Der Erfolg gibt ihm recht. Das perlende, roséfarbene Getränk im Sektglas, mit dem sich auch Schwangere in festlichen Gesellschaften bewegen können und das überdies kindertauglich ist, hat sich in den Monaten seit April schon rund 28 000 Mal verkauft. "Es trifft den Nerv der Zeit und den Geschmack der Kunden", sagt Plettenberg und berichtet auch von einem großen Interesse der Gastronomie. (leicht gekürzte Fassung meines Berichts für die FAZ vom 30. Dezember 2016)

Aus dem Verkostungstagebuch

Barth, Hattenheim

2011 Ultra brut – viel zu lange hatte ich den „Ultra“ von Barth schon nicht mehr im Glas, aber nun: Holla die Waldfee… sehr elegant und fein, großer Trinkspass, nicht zu opulent mit feiner Cremigkeit, lecker!

Weiler, Lorch

2015 Lorcher Schlossberg Schiefer – frisch, frech, fruchtig, klasse „Reparaturwein“ nach jeder Rotweinprobe, für mich der vielleicht beste Alltagswein des Jahrgangs 2015, immer eine Bank, Allzweckwaffe!

Weingut am Stein, Würzburg

2015 Würzburg Innere Leiste Silvaner trocken VDP.1. Lage – was soll ich sagen, wenn Silvaner, dann (nur) so. Phänomenal! Monströser Trinkfluss, elegant, kühl, schnörkellos, great!

Von der Mark, Bad Bellingen

2014 Spätburgunder „Out in the Fields“ – feiner Pinot, noch zu jung, ein wenig verschlossen, aber insgesamt sehr ordentlich

Bischöfliches Weingut Rüdesheim

2012 Assmannshausen Pinot Noir S trocken – toller Pinot aus dem Rheingau, da kommt Freude auf! Kompliment an Peter Perabo, das ist im besten Sinne „geiler Stoff“.

Domaine Confuron-Cotetidot

2005 Nuits-Saint-Georges 1er Cru Les Vignes-Ronde – fester, präziser Pinot mit noch großer Zukunft, gute Frucht, Länge, nicht zu dick, fein, aber das Preis-Leistungs-Verhältnis ist nicht ganz überzeugend!

Domaine de La Pousse D´Or Volnay

2000er 1er Cru Clos de 50 Ouvrées Monopole par Patrick Landanger – klasse gereift, kühler Zug, hoher Trinkfluss, mittlerer Körper, ruht in sich, ein wenig staubig und steinig, Kreide am Gaumen, mag nicht jeder, begeistert aber mich, keine echten Alterserscheinungen, sehr gut!

Georg Breuer, Rüdesheim

2014 Terra Montosa Riesling trocken – für mich einer der Besten aus dem Jahr 2014, fängt jetzt an, Spaß zu machen, mit einer großen Zukunft vor sich...

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Battenfeld-Spanier

2011 Eisbach Riesling trocken – gut gereift, top, eine Empfehlung von Marcella Pickelein von der „Ente“ Wiesbaden

Weingut Wittmann, Rheinhessen

2008 Riesling Aulerde GG – sehr gut, feiner Zug, ganz auf der eleganten Seite

  1. Hofstätter, Südtirol

2012 Steinraffler Lagrein Magnum – recht mächtig, viel Druck und Zug, es fehlt ein wenig der Trinkfluss, aber klasse Menübegleiter

Chateau Figeac, Bordeaux

1997 Saint Emilion Grand Cru – wow! klassischer Bordeaux aus einem vermeintlich eher schwachem Jahrgang, tatsächlich aber hohe Trinkfreude, hat alles, was ein Bordeaux braucht ! Klasse !

Clüsserath-Weiler, Mosel

2014 Trittenheimer Apotheke Riesling Alte Reben – wie immer eine „trockene Bank“ von der Mosel, druckvoll, präzise, auf dem Punkt!

Rings, Pfalz

2014 „Das kleine Kreuz“ – eigentlich eines meiner favorisierten Pfalz-Weingüter, aber das kleine Kreuz kann mich zu diesem Zeitpunkt nicht begeistern… irgendwie langweilig, vermutlich einfach noch viel zu jung…. oder ein Flaschenfehler?

Speicher-Schuth, Kiedrich

2013 Pinot Noir Barrique – hohe Eleganz, kühler Zug, leichte Salzigkeit, süffig, elegant, kaufen!

Schneider, Pfalz

2015 Saumagen Riesling trocken… es bleibt dabei, der Fuchsmantel gefällt mir besser, aber das ist Kritik auf hohem Niveau!

Johanneshof, Johannisberg

2013 Charta Riesling Magnum – der Wein zum gemütlichen Beisammensein an den Weihnachtstagen… süffig, lässig, animierend, zeigt, warum Charta-Weine einfach unverzichtbar sind!

Weil, Kiedrich

2013 Klosterberg Riesling trocken – entwickelt sich phänomenal, wilder Zug, leicht animalisch bis animierend, feine Säure, sehr elegant, wird ein Langläufer, bunkern was das Zeug hält!

Weingut Schön, Aulhausen

Im Weindorf ohne Weinberge ist Klaus Schön immer eine Bank, am großartigsten sind meist die Schlossberg-Pinots, wenn sie ein paar Jahre auf dem Buckel haben, 2012 Schlossberg Auslese ist aber vorerst unerreicht, klar vor 2011. Auch gut: die 2011 Drachenstein Auslese trocken, und recht vielversprechend: 2015 Roseneck Auslese trocken

Silvaner und Spätburgunder

aus Franken und Tauberfranken waren das Thema der jüngsten Runde der Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau. Überflieger waren allerdings nicht dabei, soviel vorweg. Unter den Silvanern gefielen mir vor allem der 2015 Randersacker Sonnenstuhl von Berthold Schmachtenberger und der 2015 Würzburger Stein vom Bürgerspital. Bei den Spätburgunder zeigten die Beckersteiner Winzer mit dem 2013 Gerlachsheimer Herrenberg eine gute Leistung, die beiden Stars stammen aber von Arnold (2014 Reserve) und von Aufricht, letzterer aber ein Bodensee-Frühburgunder-Pirat im Flight….  

Urstücke, Adventsweine, Gräfenberg brut

In der Weinbox

Winfried Steinmacher, Kiedricher Bürgermeister und Winzer, hat jetzt die neue Weinbox vor dem alteingesessenen Weingut fertiggestellt und eröffnet. Ein moderner und zugleich funktionaler Verkaufsraum mit schönem Probenraum im Obergeschoss. Danke für die Chance zum Probe-Sitzen und zum Verkosten des aktuellen Sortiments, das für ein Weingut dieser Größe recht beachtlich ist. Eine Besonderheit sind natürlich die Weine aus dem Gräfenberg, der Renommierlage von Robert Weil. Besonders gut gefällt uns daraus allerdings nicht die 2013er Spätlese, sondern der 2011 Gräfenberg Sekt brut, der nach 24 Monaten im Hefelager und der nötigen Flaschenreife ein besonderer Genuss ist. Ansonsten meine Favoriten:

2013 und 2015 Wasseros Riesling trocken Edition Johannes

2013 und 2015 Kiedricher Klosterberg (2015 als Alte Reben)

Schade, dass die Schänke seit dem Weggang des Kochs nicht mehr geöffnet ist… mit einem pfiffigen Küchenchef könnte „dem Wibbes sei Schänke“ nach einer Renovierung ein echter Kandidat für den Rheingauer Weinschmecker sein…

Adventsproben

….haben Ende November und Anfang Dezember Konjunktur. Vor lauter Weingütern weiß man kaum, wohin man überall gehen soll. Jakob Jung aber ist immer eine Bank… und mit einem Gastwinzer wie Stigler aus Baden besonders attraktiv.

Stigler hatte jede Menge feiner Weine mitgebracht, aber keine hat mich so überzeugt wie der 2015er Ihringer Winklerberg Weißburgunder aus Großer Lage (Pagode). Im Vergleich mit dem Riesling GG aus dem Hergottswinkel zeigt sich wieder einmal, warum der Kaiserstuhl Burgunderland ist. Der Riesling zeigt sich fett, voll und dicht, der Weißburgunder hingegen fein und facettenreich. Ein schlechter Witz der „Riesling & Grauburgunder“ als Kabinettwein mit 13,5 Prozent-Alkohol !!! Aber auch diese Verirrungen werden irgendwann ausgestanden sein….

Sehr schön das 2013 Spätburgunder GG aus der Pagode! Typisch Baden!

Und bei Jung? Eine klasse Kollektion trockener Rieslinge und mit dem 2015 Erbacher Riesling trocken der Beleg, dass für 9,20 Euro viel Wein für wenig Geld möglich sind! Kaufen, alles !!! Sehr gut auch die 2015 Erbacher Alten Reben, wenngleich im Sortiment eher überflüssig. Der Steinmorgen VDP.1. Lage genügt völlig, um jeden Rieslingfreund zu überzeugen und zu begeistern. Schade, dass sich auch noch der trockene (!) Charta als 4. Wein hinzugesellt und mit der Tradition bricht, irgendwo mit zwischen 10 und 13 Gramm Restzucker den notwendigen Schmelz zum Essen beizusteuern. Klasse die beiden 2015er Großen Gewächse, wobei Siegelsberg einmal mehr mit seiner Feinheit und Eleganz den kräftigen, schmelzigen, würzigen, früh zugänglichen Hohenrain auf sicherer Distanz hält. Die Frage 2015: Weißburgunder, Sauvignon blanc oder Chardonnay? wird diesmal mit Chardonnay klar beantwortet, aber noch viel lieber ist mir der 2011er Chardonnay Barrique… Bei den Roten ist die Antwort ebenfalls einfach: 2012 Steinmorgen Spätburgunder ist mit seinen rauchig-speckigen Noten, seinen feinen Taninen, guter Säuren, Röstaromen und Cassis ein Vorzeige-Pinot und in seiner Preisklasse schwer zu schlagen!

Urstücke

…so nennt der Eichelmann-Aufsteiger des Jahres und Gault Millau-gelobte Carl Ehrhard in Rüdesheim seine Weine aus dem großartigen Rüdesheimer Berg. Sechs Stück gibt es, die nach Gewannen bezeichnet sind, und eine Verkostung ist ein großartiges Erlebnis. Dem Terroir auf der Spur!

Das Beste vorweg: 2015 Roseneck „Unterer Platz“ erhält von mir 93 Punkte und ist ein Straßenfeger! Er gewinnt knapp vor dem „Rottland“ aus dem Rottland (92 Punkte). Aber auch Rottland-Wilgert und Roseneck-Oberer Platz (beide 90 Punkte) sind exzellente Lagen-Botschafter. Sehr gut gelungen ist auch die Berg-Cuvée „No Name“, auch wenn der Name höchst bescheiden gewählt ist… Nicht auf der Karte aber zu verkosten ist bei Gelegenheit der rare Rottland „ Am Brunnen“ – nicht filigran, sondern fest, voll, fordernd, kein Wein für Weicheier, kein Zechwein, sondern mit Dampf, gehemmter Trinkfluss, maximaler Geschmack! Also: Ab in die Winebar und los geht’s!

Riesling Gala

Genussvolle 6 Stunden, 560 Gäste, Top-Winzer aus ganz Deutschland in einem der schönsten Räume dieses Landes, das ist die Riesling Gala. Wer es noch nie erlebt hat, der hat etwas versäumt. Großes Kompliment an die 6 Chefs Jens Fischer, Terje Ommundsen, Hans Stefan Steinheuer, Nils Henkel, Philipp Stein und Matthias Schmidt, die großartig aufgekocht haben (siehe meine Fotos auf Facebook), und Kompliment an den VDP Rheingau und „Mr. Gala“ Egbert Engelhardt für eine Veranstaltung, die ihresgleichen sucht und nicht zu toppen ist. Am Tisch von Robert Weil und Dr. Loosen war die Riesling-Begleitung großartig….

Weil: 2006 Gräfenberg Spätlese, 2002 Spätlese, 2013 Turmberg trocken, 2011 und 2012 Gräfenberg EG/GG und 2009 Turmberg Auslese

Dr. Loosen: 1990 Graacher Himmelreich brut, 1998 Ürziger Würzgarten Spätlese, 2013 Erden Treppchen GG Reserve, 2012 Graach Himmelreich GG, 2011 Erden Prälat GG Reserve und 1998 Ürziger Würzgarten Auslese

Was für ein Finale der 30. Glorreichen Rheingau Tage!

Aus dem Verkostungstagebuch

Rheingau Open…

… die große VDP & friends - Verkostung während der 31. Glorreichen Rheingau Tage auf Schloss Johannisberg… die Gelegenheit, das („vorerst“) finale Urteil über den Jahrgang 2015 zu sprechen… insgesamt eine sehr gute Kollektion, die fast alle Güter hier anstellen, da fällt es zwar sehr schwer, einige herauszugreifen, aber dennoch, hier sind meine Favoriten des Tages:

VDP Rheingau

August Kesseler: 2015 Berg Schlossberg GG – beeindruckend elegant!

PJ Kühn: 2014 Sankt Nikolaus GG – die aktuelle Hysterie um diesen Wein ist absolut gerechtfertigt…..!

Künstler: 2015 Hölle GG … höllisch gut !

Kaufmann/ Lang: 2015 Wisselbrunnen GG … richtig fein, richtig gut!

Oetinger: 2015 Marcobrunn GG – eine Wucht von Wein, toptop!

Spreitzer: 2015 GG… ich kann mich einfach nicht zwischen Wisselbrunnen und Rosengarten entscheiden…. !

Wegeler: 2015 Rüdesheimer Schlossberg… Fingerprint der Lage !

Weil: 2015 Gräfenberg GG… einer der Top 5 des Rheingaus, groß!

VDP Nicht-Rheingau

Horst Sauer: 2015 Am Lumpen Riesling GG – ein fränkisches Monument und ein Ausrufezeichen !

Von Hövel: 2015 Scharzhofberger Riesling GG – klasse !

Johann Ruck: 2015 Julius-Echteberg Silvaner GG .. sehr gut, so kann und muss Silvaner schmecken, mehr davon !

Dönnhoff: 2015 Felsenberg Felsentürmchen GG – Best of Nahe !

Aldinger: 2015 Marienglas GG … Best of Württemberg… stimmt, Kenner trinken Württemberger, wenn er von Aldinger ist…

Von Othegraven: von Günter Jauch persönlich eingeschenkt: 2015 Altenberg Riesling GG… gut, aber noch Luft nach oben ..

Dr. Loosen: 2015 Domprobst und vor allem 2015 Würzgarten… letzterer für mich der trockene Riesling des TAGES, Tusch und Siegesfanfare!

Nicht-VDP, aber Rheingau

Altenkirch: Lorcher Pfaffenwies 1. Gewächs… das Weingut muss endlich in den VDP aufgenommen werden !

Laquai: 2015 Lorcher Schlossberg 1. Gewächs – klassisch Lorch, top!

Mohr: 2015 Lorcher Krone 1. Gewächs – sehr tiefgründig, fein, Finesse!

Schumann-Nägler: 2015 Rothenberg 1. Gewächs – ein Charakterkopf!

Wurm: 2015 Riesling Schiefer trocken : An alle Leser dieses Blogs: Verkostet diesen Wein!

Speicher-Schuth, Kiedrich

2015 Kiedricher Sandgrub Riesling trocken

2015 Kiedricher Wasseros steinig Riesling trocken

2015 Kiedricher Klosterberg Bunter Schiefer Riesling trocken

2013 Pinot Noir trocken

2013 Pinot Noir Barrique trocken

2013 Cabernet Barrique trocken

Sehr fein, was Ralf Schuth derzeit in der gemütlichen Schänke so kredenzt. Während der Sandgrub Riesling ein recht kerniger, aber fester Schoppenwein ist, zeigen sich Wasseros und Klosterberg als sehr mineralisch und fein, wobei der Klosterberg den höheren Spannungsbogen aufweist und unter den Terroir-Weinen leicht die Nase vorn hat. Der 2013 Pinot ist für 8,50 Euro der vielleicht preis-werteste Rotwein des Rheingaus! Der Barrique ist eine Klasse für sich!

Rauenthal

Einmal im Vierteljahr eines der 25 Rheingauer Weindörfer ganz intensiv… diesmal diemal Rauenthal, entstanden als Rodungsinsel im Taunus, heute ein sehr interessantes Weindorf und ein Ortsteil von Eltville…

Rußler

In Rußlers schöner Schänke ist eine Einkehr Pflicht (aber auch eine vorherige Tischreservierung, denn der Andrang ist völlig zu Recht groß…) Erstmals gibt es jetzt ein 2015 Riesling Erstes Gewächs, das durch Frucht und Länge besticht und eine rundum gelungene Premiere ist… außerdem empfehlen wir den aktuellen Spätburgunder Barrique trocken, der wieder Frucht, Würze und gute eingebundene Tannine zeigt, daneben Tabak und Lakritz am Gaumen, gute Länge, Fülle, Kraft. 

Langehof

Hier schenkt dank verwandtschaftlicher Nähe das Lorcher Weingut Laquai aus, und wir sehen in den vergangenen Jahr im Hinblick auf die Qualität noch einmal eine Steigerung. Wir haben hier im Blog schon begeistert vom trockenen 2015er Auxerrois berichtet,  neuerdings gefällt uns der 2015 Riesling vom Löss außerordentlich gut, aber auch der feinherbe 2015 Riesling vom Quarzit. Die trockene 2015er Spätlese aus dem Lorcher Schlossberg ist ein ausdrucksstarker Kraftprotz.

Baiken

Hier ist nach einem Abstieg von der Bubenhäuser Höhe mit dem grandiosen Blick auf den vorderen Rheingau und darüber hinaus der ideale Abschluss einer Rauenthal-Tour. Den Baiken erwarbt die preussische Güterverwaltung im 19. Jahrhundert, nachdem die Weine dieser Toplage bei der Pariser Weltausstellung reüssiert hatten… zur Gegenfinanzierung wurde der Nerorberg an die Stadt Wiesbaden verkauft. Heute wird der Weinberg von den Staatsweingüter bewirtschaftet, und deshalb ist das DAS Duo jeden Abends in der der besten Schänken des Rheingau, dem Baiken:

Hessische Staatsweingüter: 2015 Neroberg Riesling trocken und 2015 Rauenthal Baikenkopf Riesling Großes Gewächs, das Beste aus dem Baiken.

Peter Schweiger 2014 Zöbinger-Heil Genstein Grüner Veltliner Kamptal

Laurenz V. Charming Grüner Veltliner Kamptal Reserve

… zwei sehr volle, ausdrucksstarke Grüne Veltliner, gut !

August Kesseler, Assmannshausen: 2014 Rheingau Pinot Noir & Cuvée Max

im Pinot Noir-Himmel… groß… !

Benzinger, Pfalz: 2014 Kreuz Cabernet & Merlot

sehr schöne, gute Rotweincuvée mit Zug und Trinkfluss, von französischen Vorbildern aber weit entfernt…

Nitardi 2011 Nectar Dei Maremma – gut, aber nicht überwältigend!

Seligmacher, ganz grenz-wertig!

Hier endet der Rheingau und das Mittelrheintal fängt an. Hier endet Hessen, und die Grenze nach Rheinland-Pfalz ist nur einen Steinwurf weit weg. Hier liegt der Seligmacher. Ein Grenz-Wein sozusagen. Gar nicht grenzwertig, sondern eine ernst zu nehmende Lage. Vielleicht schon bald eine Große Lage (im Sinne des VDP). Klassifiziert gehört der Wingert allemal. Allerdings hat der vielversprechende Name der Lage so wenig mit Glückseligkeit zu tun wie die Johannisberger „Hölle“ oder der Assmannshäuser „Höllenberg“ mit ewiger Verdammnis. Der Name der renommierten Lorchhäuser Lage leitet sich vielmehr aus dem Mittelhochdeutschen ab und lässt sich auf Salweiden an Weinbergmauern zurückführen.

Aber wen kümmert das schon. "Dann trink doch ein Glas Lorchhäuser Wein - er wird auch Dein Sorgenbrecher sein“, so hieß es früher unter den Zechern. Heute genießt der Seligmacher zu Recht einen guten, aber zu Unrecht kaum bekannten Ruf. Er ist nördlichste Weinberg des Rheingaus und einer der kühlsten. Geschmacklich hängt es allerdings davon ab, ob der Wein vom Fuß des steilen Hanges stammt, wo der Lößanteil im tiefgründigen, von Schiefer durchzogenen Boden höher ist, oder von den oberen Gewannen.

Örtliche Erzeuger im traditionsreichen, einst sogar selbständigen Weindorf mit ausgewiesenem „Seligmacher“ im Angebot sind vor allem Theodor Nies und König. Für ein Renommee über die Grenzen des unteren Rheingaus hinaus sorgen allerdings nur August Kesseler, Eva Fricke und neuerdings auch Sohns in Geisenheim. Dabei ist der Weinberg ein gutes Beispiel für den tiefgreifenden Strukturwandel im Mittelrheintal, auch wenn das hessische Lorchhausen weinrechtlich zum Rheingau gehört. Geografisch aber ist das ohne Zweifel Mittelrheintal und daher auch Teil der Unesco-Welterberegion. Niedrige Weinpreise, eine unrentable Bewirtschaftung der steilen Weinberge und hohe Wildschäden ließen in der Vergangenheit trotz Flurbereinigung viele Nebenerwerbswinzer ihr Handwerk aufgeben. Zwischen 1963 und 1979 halbierte sich im westlichsten Dorf von Hessen die Rebfläche von 50 auf 24 Hektar, und sie ging bis 2007 noch weiter auf spärliche neun Hektar zurück. Übrig blieb neben dem Rosenberg als Paradelage der „Lorchhäuser Seligmacher“. Also her damit!

Wir haben das Beste der Lage aktuell verkostet:

Eva Fricke: 2015 Lorchhäuser Seligmacher Riesling trocken

Sohns: 2015 Lorchhäuser Seligmacher Riesling trocken

August Kesseler: 2015 Lorchhäuser Seligmacher Riesling trocken

… alle drei als Lagenweine im jeweiligen Portfolio mit dem Status eines Premiumtropfens

Laut Eva Fricke sind die von ihr bewirtschafteten Schieferböden durchsetzt von Quarzit, und die Weine weisen Noten von Pfirsich und  Maracuja auf. Weine mit dezente Restsüße und einem mineralisch-salzigen Abgang, der uns sehr gut gefällt. Der 2015er braucht in jedem Fall viel Luft. Der Wein schien zunächst so verschlossen, dass auch an einen hintergründigen, schleichenden Korkschmecker zu denken war, eine Konterflasche war leider nicht zu Stelle. Mit 11,5 Prozent der leichteste der drei Seligmacher, sehr elegant, geradlinig, wenn auch ein wenig verhalten, aber lecker.

Für Weinhändler Lobenberg hingegen war der Tropfen von August Kesseler (Zitat) „der erste ganz große Wein aus Lorch, den ich probiere“. Das Mikroklima in dieser Lage führe zu einem extremen Powerwein, der den Druck aus der Mineralität und der Frucht aufbaue, meint Lobenberg. Lobenberg lobt „unglaubliche Intensität“, eine „Kombination aus Viskosität, eleganter, verspielter Kraft und mineralischer Länge“ und gibt 97-98 von 100 Punkten. Das ist mal eine Ansage! Ganz so hoch würde ich nicht greifen, aber die hohe Reife, die Dichte, die fein ineinander verwobenen Aromen, die Klarheit, die Frische und Eleganz sowie die Handschrift überzeugen allemal.

Geschmacklich ist der Sohns näher bei Kessler als bei Fricke, und der Seligmacher, also die Herkunft beider Weine, ist auch unverkennbar. Das stellt der Lage ein ebenso gutes Zeugnis aus wie den Erzeugern, die das Terroir gut herausgearbeitet haben. Sohns selbst sieht den Weinberg als Garant für „fruchtige Weine mit feinnervige Säure, ausgeprägte Mineralität“. Das ist jetzt irgendwie nicht sehr galant ausgedrückt… ich bin von der Griffigkeit, der ausnehmend hohen und gefälligen Salzigkeit im Abgang, der Präzision, der Kühle und dem hohen Trinkfluss aller drei Weine jedenfalls ordentlich beeindruckt… und irgendwie auch selig… mehr davon! „Schneller Trinkgenuss auf höchstem Niveau“ meint Kesseler selbst zu den Weinen aus dieser kaum bekannten Lage. Wer vermöge da schon widersprechen…

Allendorf oder die Harmonie von Speise und Wein

Die 30. Glorreichen Rheingau Tage stehen ins Haus, und natürlich ist die Riesling Gala in Eberbach deren Höhepunkt und Abschluss. Die einzelnen Veranstaltungen der Güter in der Woche davor sind aber allesamt eine Versuchung wert, eine Aufzählung ist müßig... Eine Bank sind in jedem Jahr beispielsweise die zwei Abende von Allendorf im Nassauer Hof in Wiesbaden. Was dort so spielerisch leicht aussieht, nämlich die absolut richtigen Weine zum kulinarisch aufregenden Gang zur servieren, das ist im Vorfeld „harte Arbeit“…. und diesmal war ich dabei!

Was also begleitet eine Entenleberterrine mit acht (!) verschiedenen orientalischem Aromen perfekt?: Jedenfalls nicht die für sich genommen sehr trinkfreudigen halbtrockenen Kabinettweine aus 2014 und 2015 und auch nicht die feingliedrige 2011er Hasensprung Spätlese. Der Rotsekt brut aus Assmannshäuser Lage hingegen schlug einen spannenden Bogen auf der Zunge, geschlagen meiner Ansicht nach nur von einer 2005er Auslese und – für mich am perfektesten – einer 2012er Spätlese fruchtig aus dem Hasensprung. Auch zur Jakobsmuschel ist die Partnersuche keineswegs einfach. Das 2015er Jesuitengarten Riesling GG – der Form nach viel zu jung und knackig – erwies sich aber als überraschend kongenialer Partner, ebenso ein 2014er Assmannshäuser Spätburgunder. Zum Kabeljau indes war die 2015er Spätlese aus dem Jesuitengarten ganz großartig. Erstaunlich gut schlug sich aber auch der trockene 2015 Goethewein aus dem Brentanohaus. Erwartungsgemäß schwierig geriet die Weinauswahl wiederum zum Zitronensorbet, dem „Wachmacher“ vor dem Hauptgang. Der fruchtige 2015er Kabinett kann hier aber durchaus mithalten und großen Trinkfluss entfalten. Eine Pastrami von der Rinderschulter verlangt reflexhaft nach Rotwein, und der 2009er Höllenberg Spätburgunder G erfüllt alle Erwartungen dazu. Ein Wein, der für mich jetzt schon auf den Höhepunkt zusteuert – und geraume Zeit dort verweilen wird. Allerdings…. das 2009er Riesling Erste Gewächs schlug sich unter insgesamt sieben möglichen Wein-Begleitern ebenfalls sehr gut und wird es am Ende wohl auch auf die Speisekarte schaffen… schaun mer mal… 2015er Hasensprung Auslese, ein flüssiges Dessert, das mir vollkommen genügen würde, aber natürlich gibt es dazu eine fruchtig-feine Kombination aus Passionsfruchteis, Ananas, Sesamkaramel und Kokossavarin. Das muss man selbst probiert haben… und ein anderer Wein als die Auslese ist hier kaum denkbar, jedenfalls wurden sogar ältere Beerenauslesen schnell aussortiert. Auf den Geschmack gekommen? Selbst nachprüfen wollen? Wir sehen uns bei Allendorf !

Zum Wohl, die Pfalz !

Kleine Pfalztour zur Weinlesezeit… und zur Feier der druckfrischen Auslieferung des "Pfälzer Weinschmeckers"... die Pfalz, immer ein Vergnügen… vor allem mit Rings, Schneider, Bürklin-Wolf, Knipser, Buhl… die Pfalz von ihrer schönsten Seite !

Weingut Markus Schneider, Ellerstadt

Schon architektonisch beeindruckend, was Schneider am Ortsrand von Ellerstadt auf die Beine gestellt hat. Aber darüber haben wir schon berichtet. Uns ging es um einen zusammenhängenden Überblick über die 2015er, und das hat uns sehr beeindruckt. Ein paar Beispiele:

2015 Chardonnay – für 8,70 Euro ein irres Preis-Leistungs-Verhältnis! Die Kalksteinböden sind einfach ideal für diese Rebsorte, die hier ganz „unmaskiert“ von Barriquenoten außerordentlich gut gefällt. Hoher Trinkfluss, maximaler Trinkspass!

2015 Chardonnay Steinacker – aus dem höchstgelegenen und nördlichst gelegenen Weinberg des Schneider-Imperiums, das ist natürlich eine andere, komplexere Hausnummer, feine Cremigkeit und Eleganz, außerordentlich!

2015 Sauvignon blanc Kaitui und Kaitui Fumé – der einfach geht mir diesmal ein wenig zu sehr in die grüne Grasigkeit, da gab es schon andere, „überreife“ Jahrgänge mit der von mir geschätzten „gelbfruchtigen“ Dominanz, Fumé hingegen tut das Holz sehr gut, braucht aber noch Zeit… kaufen und nochmal weglegen….

2015 Riesling – klasse Einstieg in die Rieslingwelt, sehr klar, sehr fruchtig, schöner Zechwein mit Niveau, ohne deshalb fordernd zu sein, trinkt sich so weg…. hoher Trinkfluss!

2015 Riesling Saumagen und Riesling Fuchsmantel ….tja, keine einfache Entscheidung, aber Ende erscheint mit der Saumagen als der ausdrucksstärkere Charakterwein mit expressivem Aroma, gutem Zug, Druck und Finesse

2014 Bubbly brut – sehr guter Sekt zum phänomenalen Preis!

Die ROTEN

2014 Black Print, 2013 Tohuwabohu, 2012 Spätburgunder und 2013 Syrah Holy Moly sowie 2012 Steinsatz…da ist alles ziemlich gut und lecker… meine Favoriten waren ganz klar der Syrah und der Steinsatz mit überzeugenden Taninen, langem Nachhall, guter Frucht, Eleganz und Finesse…

Weingut Rings, Freinsheim

Kaum zu glauben, welch steilen Aufstieg die beiden Brüder in den vergangenen Jahren genommen haben… vor sechs Jahren war ich das erste Mal dort… und heute ist das ein etabliertes VDP-Weingut, dessen Weine vorreserviert und zugeteilt werden, aber Ehre wem Ehre gebührt!

2015 Riesling Kalkmergel, Freinsheimer (Ortswein), dazu Nussriegel und Steinacker (VDP.1. Lage)… alles sehr überzeugend, sehr präsent, druckvoll, präzise mit gutem Trinkfluss und salziger Kühle…. 2014 Ungsteiner Weilberg – der Vorläufer des GG – großer Wein… das alles ist nicht für den schnellen Genuss designt, wie der 2011er Kallstadt Riesling und der 2011 Sauvignon blanc Reserve zeigen.

Bürklin-Wolf, Wachenheim

… die Ortswein-Phalanx. 2015 Wachenheimer, Deidesheimer, Ruppertsberger und (2014) Forster Riesling… allesamt Weine mit weniger als 4 Gramm Restzucker, was perfekt funktioniert. Mein Favorit ist der Deidesheimer mit Schmelz, Säure und Finesse, aber der Forster schießt den Vogel ab, ein Charakterwein mit liebenswerten Ecken und Kanten!

Die Ersten Lagen: 2015 Ruppertsberger Hoheburg und 2013 und 2015 Wachenheimer Goldbächel – letzterer ist der „Schmeichler“ des Weinguts, das MUSS jede gefallen, Trinkfluss hoch 10. Perfekt für mich der 2014er Wachenhemer Böhlig, ausdrucksstark und charaktervoll!

Und dann erst die Großen Gewächse wie 2014 Gaisböhl, ein ganz überzeugender Grand Cru. Noch besser aber Reiterpfad GG, der rockt!

Und dann das: 1964 Königswingert Riesling! Wow! Rosinen, Dörrobst, ein wenig Karamell, helles Bernstein in der Farbe, im Gaumen jünger als in der Nase, in jedem in Ehren gereift und noch immer ein Genuss, Hut ab!

Reichsrat von Buhl, Deidesheim

Mann o Mann, das muss „Mann“ erstmal verdauen. Trocken und säurestark. Extreme Weine… Ist Buhl zu stark, bis Du zu schwach !!!

Beispiel: 2015 Forster Musenhang – ein Wein mit 0,1 Restzucker und 9,3 Promille Säure…. das ist was für Freaks und Extremisten… gibt sogar der Mitarbeiter der Vinothek zu, der von einem der extremste Weine Deutschlands spricht….

Ansonsten: 2015 Deidesheimer und Forster Riesling, 2015 Mäushöhle und Leinhöhe, 2014 Hergottsacker und 2014 Paradiesgarten, dazu 2015 Riesling Suez und 2015 Reiterpfad „In der Hohl“ – allesamt eigenständige Charakterweine, die den kompromisslosen Stil gut verkörpern, den Buhl an die Tagesordnung legt. Das kann man, muss man nicht mögen, aber ich oute mich als Fan derart stringenter Philosophie…

Knipser… nein, kein Weingutsbesuch, sondern ein Lunch mit „Halbstück“ in Bissersheim, begleitet vom 2015 Kalkmergel… eines meiner Lieblingslokale in der Pfalz… und ganz am Ende dann noch ein „Saumagen“ bei Henniger in Kallstadt mit einem Chardonnay von Pfeffingen… Pfalz, wir kommen wieder !

Nächstes Mitglied im VDP: das Weingut Krone

Weingut Krone, Assmannshausen

wird aller Voraussicht nach in Kürze das jüngste, 35. Mitglied im VDP Rheingau. Mit langer Tradition und bewegter, jüngerer Vergangenheit (mehr dazu in der FAZ vom 14.10.16). Ein 5,1 Hektar großes Pinot-Weingut mit einem Lorcher Riesling als Exoten, einem schönen, 65 Meter langen langen Gewölbekeller, einem engagierten Önologenteam, zu dem Pinot-Versteher Peter Perabo gehört, und einem Terroir, das seinesgleichen sucht: dem Höllenberg.

2015 Riesling Alte Reben

erfrischender Riesling mit gut erkennbarem Mittelrhein-Charakter aus Lorcher Lagen, feine Schiefernoten, sehr eigenständiger Charakter, präzise, guter Trinkfluss dank einer herrlich animierenden Säure, gepaart mit Eleganz und Mineralität, trinkt sich wie Gebirgsquellwasser

2012 Weißburgunder

begeistert mich total! Sehr cremig, weich, elegant, aber nicht überladen, spürbares, aber nicht zu dominantes Holz, Druckvoll und präzise, einer der besten Weißburgunder, die ich in jüngerer Zeit getrunken habe!

2015 Blanc de Noir

… ein verweichlichter Frauenversteher, femininer Warmduscher mit durchaus fruchtig-sympathischen Zügen, wird im Kleiderschrank versteckt, wenn der Mann nach Haus kommt und nach dem Spätburgunder greift, sehr saftig, aber mich stören die schmeckbaren Folgen des biologischen Säureabbaus, also keine Scheidung! Mögen die Frauen glücklich damit werden!

2008 Spätburgunder trocken

Der Einstiegswein der roten Pinots, schwarze Früchte, Cassis, mittelgewichtig, mit Ecken und Kanten, typische Spätburgunderfarbe, guter Nachhall, ein wenig rauh und auszehrend wirkend, aber gut.

2009 Höllenberg Spätburgunder trocken

der Favorit dieser Probe: ein Muster an Eleganz und Dichte, fein verwobenes Holz, perfekt integrierte Säure, guter Druck und Zug, dabei sehr trinkanimierend, so muss ein Höllenberg schmecken!

2013 Höllenberg Spätburgunder trocken

…wie der 2009er ein klarer Fingerprint des Höllenberg, aber noch deutlich zu jung, merkliche Säure noch nicht voll integriert, braucht noch mindestens zwei Jahre zur vergnüglichen Trinkreife, gute Anlage, wird aber 2009 nicht übertrumpfen können

2007 Juwel Assmannshäuser Spätburgunder trocken

Die Bezeichnung Juwel führte schon Botho Jung ein, sie löste die „Auslese trocken“ ab. 2007 ein Pinot von hoher Konzentration, unverkennbar warmer Jahrgang, recht hell in der Farbe, zurückhaltender Duft, Cassis nur im Abgang, dominiert von einer schmeckbaren Überreife des Lesegutes, gekochtes Kirschkompott, die (Über-)Reife überdeckt hier Charakteristik und Terroir

2012 Juwel Assmannshäuser Spätburgunder trocken

Fünf Jahre nach 2007 sind unverkennbarere Fortschritte bei Vinifikation, Handschrift und Stil erkennbar. Mit 14 Prozent ein Powerwein, ohne deshalb zu alkoholisch zu wirken. Klar erkennbare Veilchennote, recht elegant und finessenreich, hat noch viel Zukunft vor sich, aktuell noch recht verschlossen, aber die Gene werden´s schon richten !

Bodenseeweine

...waren für mich bislang ein weitgehend unbekanntes Terrain. Wohl auch deshalb, weil die Weine solch kleiner, touristisch aber sehr gut besuchter Regionen gerne weitgehend vor Ort getrunken werden (siehe Hessische Bergstraße oder auch Sachsen) und nur selten nationale Präsenz zeigen. Umso interessanter, endlich mal einen Querschnitt von 14 Weinen (kein Riesling!) fünf verschiedener Erzeuger blind verkosten zu dürfen. Mein Fazit: beim nächsten Abstecher in diese Ecke muss ich unbedingt bei Aufricht in Meersburg vorbei schauen! Ihr mittlerer Spätburgunder (1 Lilie) schlug den Markgraf von Baden mit seinem Bermatinger Leopoldsberg (VDP 1. Lage) und ebenso den Reichenauer Hochwart der Winzervereinigung Insel Reichenhau ganz klar aus dem Feld.

Auch die 2014er Chardonnays von Aufricht (1 und 3 Lilien) waren eine Wucht, allerdings hatte bei mir dann doch der 2012 Gailinger Schloß Rheinburg des Markgrafen die Nase vor. Bei Preisen zwischen 16 und 25 Euro würde ich bei der Rebsorte Chardonnay aber dann doch meine Lieblinge aus Südafrika vorziehen. Immerhin ist der 2015er Hochwart Chardonnay der WV Insel Reichenau für 8,90 Euro eine preiswürdige Einstiegsdroge, wenn auch ein wenig dünn und nicht wirklich rebsortentypisch. Deren 2014er Kerner war allerdings die weiße Überraschung des Abends: klare Frucht, viel Zitrus, lebendige Säure, erfrischende Klarheit. Bei den Müller-Thurgau-Weinen hatte die WG Hagnau mit dem 2015er Hagnauer Seeufer für mich die Nase vorn, knapp vor dem MT des Markgrafen (2015er Birnauer) und dem Meersburger MT der Spitalkellerei Konstanz, die mit diesem Wein doch recht enttäuschte. Ein sehr schöner Essensbegleiter wäre der jugendlich-frische 2013er Auxerrois der Lage Gailinger Schloß Rheinburg des Markgrafen. Erstaunlich „sehr gut“ der 2014 Sauvignier Gris der WV Insel Reichenau, doch trinken bis zum Abwinken möchte ich den 2014er Sauvignon blanc von Aufricht, auch wenn mit 30 Euro wirklich kein billiges Vergnügen. Aber Bodenseewasser wäre auch keine Alternative….

Im Osten viel Neues

Solide Basis, gute Preise und ein Skandal: Sachsen ist zwar ein junges Bundesland, aber ein altes Weinland mit mehr als 800 Jahren Weinbautradition. Im Weinbau ist das Elbtal mit seinen 450 Hektar Weinbergen rund um Meißen und Radebeul daher auch längst kein Tal der Ahnungslosen mehr. Aber eine vinologische Wundertüte und für manche Überraschung ist Sachsen dennoch gut. Das zeigte schon die Vorbereitung einer Sachsen-Reise. Bei Schloss Proschwitz hielt man es erst gar nicht für nötig, auf eine Reservierungsanfrage für das Gutsrestaurant zu antworten. Das Radebeuler Weingut Aust beschied uns frühzeitig, dass trotz der verheißungsvollen Karte im Internet am Wunschtermin Mittwoch aber allenfalls Zwiebelkuchen und Käsewürfel mit Oliven angeboten wird. Na toll. Das vom Weingut Kastler Friedland empfohlene Restaurant Charlotte K. in Radebeul scheint schon wieder geschlossen. Und die famose Weinkulturbar in Dresden ließ uns frühzeitig wissen, dass (Originalton): „wir bis 2018 in den Abendstunden schon komplett ausgebucht sind. Abendreservierungen für 2019 können wir erst ab Januar 2018 entgegennehmen.“ Es wurde, soviel vorweg, dann trotzdem ein höchstvergnüglicher Nachmittag…. bis 18 Uhr…., und verhungert sind wir auch nicht….

Doch bleiben wir beim Wein. Das Fazit: Meist ordentliche Qualität, solide Basis mit bisweilen einem Tick zu viel Restzucker, insgesamt viel Gutes, aber wenig Überragendes. Aber: 90 Prozent der Weine liegen preislich zwischen 10 und 20 Euro. Das ist viel für die Basis und im Vergleich zu auch nicht gerade billigen Regionen wie dem Rheingau nicht immer preis-wert… dafür wird in Sachsen über 20 Euro das Angebot und die Luft sehr dünn… „Das kauft keiner hier“, hieß es in den Vinotheken zu Weinen von 30 und mehr Euro. Immerhin, auch die führenden Erzeuger zeigen sich auf den Weinfesten wie in Radebeul und Meißen präsent. Feste mit jeweils rund 50.000 Besucher an drei Tagen (zeitgleich!). Die Sachsen wissen zu feiern und lassen sich sogar von Eintrittspreisen (sieben Euro) für das Fest in Radebeul nicht abschrecken. Das gab eine schöne Gelegenheit für einen schnellen Einstieg…

Vincenz Richter, Meißen

2015 Müller-Thurgau und 2015 Kapitelberg Riesling trocken – solide Basis in der Region, Trinkweine ohne Ecken und Kanten, obwohl die Lage Kapitelberg doch mehr hergäbe als das Gebotene, aber nun ja…

Martin Schwarz, Meißen

2015 Kapitelberg trocken, 2015 Weiß aus Schwarz (Blanc de Noir), 2015 Müller-Thurgau… Schwarz, ein Charakterkopf und önologischer Vordenker im Elbtal (von manchen auch als Spinner bezeichnet…), setzt bei den meisten Weinen das Barrique ein, für mich ein echter Topproduzent mit Weinen, die Ecken und Kanten haben, dabei präzise sind und den Trinkfluss nicht verlieren…

Schloss Wackerbarth, Radebeul

Wow, da könnten sich die Staatsweingüter in Hessen in vielerlei Hinsicht noch eine Scheibe abschneiden. Top-Staatsbetrieb mit durchweg überzeugender Qualität. 2015 Goldriesling voller Zitronenmelisse und Pfirsich, ein klasse Sommerwein, 2015 Edition Elbflorenz (Riesling, Bacchus und Müller-Thurgau)

Schloss Proschwitz, Zadel

der (VDP-) Vorzeigebetrieb der Region, der mich aber nicht in jeder Hinsicht überzeugt hat… die älteren Weine zeigen eine sehr frühe Reife, den jungen fehlt es an Präzision und Prägnanz, bsp. 2013 Heilig Kreuz Riesling trocken, aber auch 2015 Rosé trocken, 2015 Riesling trocken ganz gut, aber da wäre doch mehr möglich, 2015 Goldriesling trocken, guter Vertreter der Rebsorte

Weingut Matyas, Meißen

2015 Müller-Thurgau trocken – ein Zechwein wie aus dem Bilderbuch, läuft

Winzerhof Golk

2014 Riesling trocken „handgelesen“ … aha… verzichtbar!

Weingut Hoflößnitz, Radebeul

2013 Cuveé H. weiß. Sehr gelungene Kombination aus Müller-Thurgau und Weißburgunder des ersten sächsisches Ökowinzers, knackige Säure, sehr frisch, gute Frucht, Zug, viel Zitrus und Quitte, Birne !

Rothes Gut – Tim Strasser, Meißen

2010 Muscaris halbtrocken – ein echter Überraschungswein, Jahrgang kaum zu glauben, sehr frisch, Melisse, Mango, Maracuja und Zitrus, gut

Weingut Zimmerling, Pillnitz

2012 Riesling – präzise, Druck, sehr präsent am Gaumen, gut strukturiert und balanciert, aber, tja, vom vermeintlichen Star der Region habe ich – zugegeben – viel zu wenig getrunken. In vielen Restaurants und Vinotheken war er nicht verfügbar, für einen Weingutsbesuch reichte die Zeit nicht… nächstes Mal dann mehr!

Weingut Aust, Radebeul

2012 Weißer Burgunder trocken – guter Essensbegleiter, straff in Säure, guter Körper, Nachhall, einer der besten Burgunder der Reise

Weinhaus Schuh

2015 Goldriesling trocken, 2014 Riesling trocken und 2015 Müller-Thurgau trocken – beides sehr gut. Schöne Vinothek im Herzen von Meißen, sehr empfehlenswert! Dieser Erzeuger verdient mehr Aufmerksamkeit.

Sächsische Winzergenossenschaft Meißen

2013 Riesling trocken – dünn, belanglos, eigentlich hatte ich mehr von der Winzergenossenschaft mit ihren rund 1200 Mitgliedern erwartet, die in jüngster Zeit kräftig investiert und in Meißen eine „WeinErlebnisWelt“ gebaut hat. Ein Mitglied allerdings hat in diesem Jahr einen handfesten Weinskandal erster Güte verursacht, der dieser Region einigen Schaden bereitet und – bis heute – für viel Gesprächsstoff gesorgt hat. Im Kampf gegen die Kirschessigfliege hat der Übeltäter nicht nur auf eigenen, sondern als Bewirtschafter auch auf anderen Weinbergen das nicht zugelassene Pflanzenschutzmittel DIMETHOAT eingesetzt, dass im Frühjahr dann in Rückständen im Wein nachgewiesen wurde. Die Folge war ein Skandal erster Güte, die Genossenschaft kommt wohl nicht ohne staatliche Hilfe über den Berg…. schlimm, doch ein Zusammenbruch würde wohl die Kulturlandschaft dort verändern, denn viele kleine Steillagen sind im Besitz von Genossenschaftswinzern… der Übeltäter soll aber angeblich nicht einmal ausgeschlossen worden sein…. da schütteln dann sogar sächsische Vinotheksbetreiber den Kopf… schon wird geunkt, es gebe nicht einmal einen Prozess… da werden wir ein Auge drauf haben…

Zum ersten, zum zweiten, wie lange noch?

 

Herbstweinversteigerung des VDP in Kloster Eberbach… ein Gemischtwarenladen ohne Profil nach dem Motto, für jeden Etwas: Weingüter mit 2 Flaschen von 1967 (August Eser, 190 Euro, Kompliment!), danach 300 Flaschen eines Erzeugers vom aktuellen Jahrgang... manche Erzeuger glänzen durch Abwesenheit (Ress), anderen beschränken sich nur noch auf ihre Auslese (Weil)… Wenn es eine Tendenz gab, dann die: Große Flaschen (ab Doppelmagnum) sind offenbar gefragt, ebenso Raritäten, selbst wenn ihr Genuss eher gering ist….. tja, und nun? Quo vadis Weinauktion im Rheingau? Im Gegensatz zu den Vorjahren gab es nicht einmal unmittelbar nach der Auktion eine Pressemitteilung mit den wichtigsten Einzel- und dem großen monetären Gesamtergebnis…. Das ist alles wenig verheißungsvoll. Zu den wenigen erfreulichen Momenten:

1450 Euro für eine 12 Liter Flasche 2015er Goethewein aus dem Brentanohaus (Allendorf) !; sehr gut der 2006er Rotlack halbtrocken von Schloss Johannisberg (30,50 Euro); unterbezahlt die Jungfer Kabinett Goldkapsel von Prinz (15 Euro); völlig verdient die 41 Euro für die 1986er Martinsthaler Wildsau Spätlese von Diefenhardt, völlig unverständlich die 90 Euro für die bittere 1997er Spätlese aus dem Steinberg und ebenso die 1996er Auslese aus dem Gräfenberg der Staatsweingüter. Von beiden wollte ich keine Flasche leeren. Klasse dagegen die 2015er Jungfer Spätlese von Prinz (25,50 Euro) und ebenso die unterbezahlte 2015er Rottland Spätlse vom Johannishof aus der Magnum (mit 39 Euro ein Schnapper!!!); Robert Weil mit 360 Euro für die 2015er Auslese wie gewohnt der Preisführer beim aktuellen Jahrgang.  Am Ende bleiben dennoch viele Fragezeichen im Hinblick auf die Zukunft dieser Veranstaltung, weil sie einfach kein Profil (mehr) hat.

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Georg Breuer, Rüdesheim

Wie gewohnt zeigt das Rüdesheimer Vorzeige-Weingut seine aktuelle und (fast) vollständige Kollektion immer erst im September kurz vor der Lese des nächsten Jahrgangs, und die Top-Lagenweine kommen ohnehin erst im Frühjahr in den Verkauf. Warum das so ist bzw. so sein muss, zeigt einmal mehr die Verkostung der 2015er, in insgesamt einen hervorragenden Eindruck hinterlassen. Die animierende, fruchtbetonte, ganz klare Säure (um 9 Promille) ist aber gewohnt präsent und gibt den Weine einen pikanten Charakter, der jedem Käufer unmittelbar nahelegt, die Weine noch 2-3 Jahre ruhen zu lassen. Breuer-Weine reifen hervorragend, und die wenigen 1998 und 1999er Schlossberg, die ich noch im Keller habe, hüte ich wie einen Schatz. Beim Roseneck geht Theresa Breuer sogar den konsequenten Weg, ihn einige Jahre zurückzuhalten… der 2013er soll erst 2018 auf den Markt kommen! Das nenne ich ökonomisch gesehen Mut zur Kapitalbindung im Sinne des Weingenusses. Ansonsten ist der 2015er Rüdesheimer Estate schon zugänglicher als der Rauenthaler, und der Rottland aktuell feiner als der Nonnenberg (ohne dessen Güte schmälern zu wollen…!) 2015er Schlossberg wieder ganz groß, wird ein Monument! 2015 Montosa wird wie immer einer meiner (bezahlbaren) Lieblingsweine….

Ein Genuss auch die Sektvertikale aus der Magnum: 1992, 1999, 2000 und 2002, wobei 1992 und 2002 für mich durch ihre Brillanz und Frische herausstachen. Ganz fein der 2012er Grauburgunder, immer wieder für Überraschungen sorgen Heunisch und Orleans auf der Zunge. Übrigens soll es jetzt bald mit dem grundlegenden Umbau des Weinguts an der Grabenstraße losgehen, wenn endlich die Baugenehmigung eingetroffen ist….

Bei so vielen Weinen blieb kaum Aufmerksamkeit für die Kollegen der „DieGueter.de“ übrig, aber Castells 2014 Silvaner GG und Kühling-Gillots 2015 Hipping Riesling GG sowie die 2015 von Bürklin-Wolf waren sehr gut…

2015er Jahrgang.... Top oder Flop … ja was denn nun???

Zugegeben, manchmal bin ich von den externen (!) Experten meiner eigenen Zeitung(en) schon ein wenig irritiert. „Der Jahrgang hält, was er verspricht“, schreibt einerseits Stuart Pigott in der FAS, und lobt: „die qualitative Beständigkeit der 2015er GGs ist ziemlich hoch. Fast jedes dieser Gewächse ist mehr oder weniger „groß“, was an sich für die Größe des Jahrgangs spricht“, und Pigotts letzte Worte sind „… weil 2015 wirklich ein Jahrhundertjahrgang ist.“ Das ist nur wenig übertrieben.

Und die Lange-Brüder sehen in der FAZ dagegen viele „durchschnittliche Weine, die dem Anspruch an das Beste vom Besten nicht richtig gerecht werden konnten“. Ihr Fazit. „Nur jeder sechste Wein erreichte bei unserer Probe eine dem "Großen Gewächs" angemessene Spitzenbewertung, die den hohen Preis auch rechtfertigt. Bei rund jedem vierten Wein reichte es noch für das Mittelfeld. Jeder sechste Wein fiel bei der Verkostung sogar durch.“

Da kann ich nur sagen: ganz falsch, meine Herren Lange. Schon im Vorjahr lagen sie meines Erachtens und nach meinen intensiven Probe-Eindrücken beim Wein völlig daneben… Der Jahrgang 2015 wird bei den Spitzengewächsen ganz sicher als großer Jahrgang in Erinnerung kommen und bleiben….  siehe weiter unten meine bisherigen Eindrück von den GGs und EGs…

Seitensprung: Espresso

Ein guter Kaffee hält uns wach für die nächste Wein-Probe, und die Zubereitung ist eine Wissenschaft, die der Önologie gar nicht so fern steht. Von den Herkünften, Terroirs und Jahrgängen ganz zu schweigen. Wer das einmal selbst erleben will: Ich kann Kaufmanns Kaffeerösterei in Wiesbaden empfehlen… ein kleiner, persönlich geführter Laden mit eigener Rösterei und regelmäßigen, vierstündigen Seminaren für jeweils nur 6 Teilnehmer mit Praxisteil. Das macht Lust auf einen Kaffee von den Hängen des Ngorongoro Kraters in Tansania, von den vulkanischen Böden des Hochlands von El Salvador oder aus dem Dschungel von Honduras. Wichtigste Lehre für mich: Für den wirksamen Koffein-Schub immer Robusto bestellen, weil viel mehr Koffein als in der Arabica-Bohne. Und dann gilt für den perfekten Espresso: 25-35 ml Wasser, rund 90 Grad Wassertemperatur, 9-10 bar Druck von der Siebträger-Maschine, etwa 8 bis 10g frisch (!) und gut gemahlenes Pulver, Anpressdruck mit dem Tamper ca 18 Kilogramm und ca. 25 sec. Durchlaufzeit für die Tasse ! Los geht's!

Alles hat ein Ende... nur der Rheingau 2 !

Aus dem Verkostungstagebuch: Vom Ende des Rheingaus (1)

Ja, die westlichste Ecke des Rheingaus und Hessens ist immer einen Besuch wert, vorzugsweise natürlich mit den pünktlichen Zügen der Vias… 28 min von Eltville nach Lorch zur Hauptverkehrszeit am Nachmittag… noch Fragen? Mohr, Laquai und Altenkirch waren diesmal das Ziel, und das war auch kulinarisch großartig!

Mohr: Ana´s Orange Pinot blanc trocken (wenn Orange Wine, dann wenigstens so oder so ähnlich…), Riesling 34 trocken (aus dem ältesten Weinberg des Rheingau, Mineralität pur), 2015 Alte Reben trocken, dazu die Ersten Gewächse Krone und Bodental-Steinberg …. klasse!

Laquai: 2015er vom Löss und vom Schiefer sowie die Schlossberg Spätlese trocken (mein Favorit), dazu ein 2015er Erstes Gewächs Riesling Schlossberg, sehr ordentlich.

Altenkirch: 2015 Grauschiefer, Steillage XL (der Schoppen-Trophy-Sieger 2015… ich sage nur: kaufen, kaufen, kaufen!) und noch einiges mehr, dazu eine fein gereifte 2010er Lorcher Krone, auch die 2013er erklimmen jetzt neue Höhen… Chapeau!

Vom (anderen) Ende des Rheingaus (2)

Kurz darauf in Hochheim, aber nur IM, nein BEI Himmel, was aber ungefähr auf das gleich rauskommt, vor allem wenn man die HÖLLE trinkt… 2010 Kirchenstück trocken, gut gereift, aber leider völlig in den Schatten gestellt von einer fulminanten 2006er Hölle Spätlese***. Sternen-Himmel, sozusagen ! Die 2015er Hölle knüpft daran nahtlos an! Aber man kann sich auch mit dem 2015er „Himmelstraum“ begnügen. Wer die Chance hat, verkoste zudem 2013 und 2014 Stückfass parallel… echte Charakterweine mit leichtem Vorteil für 2013!

Georg Breuer, Rüdesheim

2015 Sauvage, 2014 Montosa, 2015 Grauburgunder „Gri“s und 2010 Grauburgunder (Barrique), herrliche Begleiter an einem wunderbaren Spätsommerabend bei einer knusprigen Bauernente, perfekt am Tisch im Rüdesheimer Schloss tranchiert… Urlaub vom Alltag, keine Lust auf Degustationsnotizen heute… relax und freut Euch des Lebens !

Hessische Staatsweingüter

1944 Rüdesheimer ? Riesling… Mist, jetzt habe ich die längst untergegangene Lagenbezeichnung dieser Rarität schcon wieder vergessen, aber Schwamm drüber, denn das Terroir ist ohnehin nicht mehr schmeckbar! Ehrfurcht statt Genuss! Und eine Werbung für die Schätze, die im Rüdesheimer Schloss der Entdeckung harren, Danke Heinrich Breuer !

Weingüter Wegeler

2012 Geheimrat J. Riesling Spätlese trocken …. der Klassiker schlechthin, immer der richtige Wein für jede Gelegenheit am richtigen Platz… in diesem Fall auf der Terrasse des neuen Restaurants auf dem Niederwald!

Von GGs und EGs und Au-Wehs……

Das letzte Wochenende im August steht seit gut 15 Jahren im Zeichen des trockenen Spitzenweins. Das war diesmal mit gleich vier bemerkenswerten Events nicht anders….

Das Siechtum geht weiter...

Erste Gewächse Rheingau. Der Qualitätsdurchschnitt liegt meines Erachtens durchaus über dem von 2014. Dass allerdings sechs Winzer im Programm verzeichnet waren, die aus welchen Gründen auch immer (unverzeihlich!) keinen Wein zur Probe angeliefert haben (!!!), ist ein Armutszeugnis. Was war denn los, Ihr Weingüter Egert, Sohlbach, Sohns, Dahn, Schönleber-Blümlein, Rußler ??? Die gesamte Weinmenge liegt mit 31.000 Liter immerhin ein Drittel über dem von 2014 mit 20.000 Liter. Demnach entfällt rein rechnerisch auf jedes bislang anerkannte Erste Gewächs diesmal eine Weinmenge von rund 775 Litern ! Das muss man erstmal auf sich wirken lassen. Es scheint dringend notwendig, einmal über die Marktbedeutung der Spitzenweinkategorie nachzudenken und welche Schlüsse daraus zu ziehen sind…. Die Anerkennungsquote ist von 79 Prozent noch einmal auf mehr als 85 Prozent gestiegen. Schon wieder du hoch, wie die Verkostung zeigte, weil einmal mehr einige ganz nette „trockene Spätlesen“ angestellt wurden, die aber nicht den höheren Anspruch eines EG einlösen konnten… Zudem wurde bei nicht wenigen Weinen mit deutlich zu viel Restzucker gearbeitet. Es fehlt einfach der Mut zum konsequent trockenen, eigenständigen Charakterwein, obwohl dieser Wein ja offenbar für die wenigsten Winzer eine größere wirtschaftliche Bedeutung hat, zumal bei einem empfohlenen Mindest-Verkaufspreis von nur 15 Euro.

Was richtig gut war? Diesmal strahlt nicht ein einzelner Betrieb heraus. Vielmehr haben mich fünf Weine absolut überzeugt mit Charakter, Strahlkraft, Finesse und Nachhall. Kompliment an mein Sieger-Quintett Schloss Schönborn (vornehmlich für den Pfaffenberg), Schumann-Nägler (für einen sehr eigenständigen Rothenberg), Mohr (für den mineralischen Bodental-Steinberg), Goldatzel (tiefgründiger, finessenreicher Kläuserweg, ein Hammer) und Altenkirch (komplexer Pfaffenwies).

In der zweiten Reihe gefielen auch noch George, Bausch, Molitor, Crass und Himmel. Das waren dann die Top 10 auch schon.  Hervorzuheben sind ferner die beiden Spätburgunder von Laquai und Koegler, die eindrucksvoll zeigen, was im Rheingau mit Rotwein möglich ist.  

Irritierend ist allerdings, dass der Verband noch immer nicht die „richtige“ Form der Präsentation gefunden hat. Seit Jahren wechseln Ort, Zeit und Modus, so geht das meines Erachtens nicht weiter. Ob es sinnvoll ist, dass die Präsentation zeitweise einer „Kollegenprobe“ ähnelte, sei ebenfalls einmal dahin gestellt. In jedem Fall muss sich der Verband Gedanken machen… Dazu gehören auch die kühnen Überlegungen, vielleicht doch noch ein „Großes Gewächs.Rheingau“ einzuführen und im Sinne einer Marktvereinfachung das „Erste Gewächs. Rheingau“ für die zweitbesten Lagen bzw. Gewanne einzuführen. Dann könnte dem VDP die Kategorie „Erstes Gewächs“ für die trockenen Weine aus VDP.Erster Lage geöffnet werden und irgendwie wäre alles logischer und transparenter… sorry, aber träumen wird man ja mal dürfen, und im Schatten des Schlachtschiffs VDP ließe sich doch gut mitsegeln…. Ansonsten gilt: das Siechtum geht weiter…

VDP Rheingau und seine GGs

Zu Wasser, zu Lande und in der Luft, der VDP Rheingau lässt sich immer etwas einfallen, wenn es gilt, der Journaille und den Bloggern den aktuellen trockenen Spitzenriesling vorzustellen. Das war auf der Rhein-Dream nicht anders, 37 Rheinkilometer (zwischen der Mainspitze und Assmannshausen) und noch einige mehr auf dem Main pures Vergnügen (außer vielleicht das langatmige Schleusen in Kostheim und die öde Industrie drumherum...). 40 GGs, darunter drei Spätburgunder…. Eine Einzelbesprechung versage ich mir hier… Viele sehr gut, etliche gute Weine, ganz wenige Ausfälle, gut ausgewählt ! Kompliment. Vom Main gefielen mit Flicks Victoriaberg und Künstlers Weiß Erd am allerbesten, beide mittelgewichtig, mit Zug und Finesse.

Wie immer vorne mit dabei Weils Gräfenberg, klassischer Berglagencharakter mit Mineralität und Eleganz, Trinkfluss. Gar nicht so weit entfernt davon übrigens der Langenberg von Diefenhardt. Aus Erbach überzeugte mich Oetingers Hohenrain, für den Marcobrunn war 2015 irgendwie – und wider Erwarten – scheinbar nicht das ideale Jahr, oder es kommt erst noch… Ein Vergnügen die Weine aus Hattenheimer Brunnenlagen, sowohl Barth´s und Spreitzer´s Wisselbrunnen als – und vor allem – der Nussbrunnen aus dem Hause Ress. Kühler Zug, minzig-kräuterig, mittelgewichtig, animierender Trinkspass… Von Kühn gefiel mir diesmal der 2014er Doosberg deutlich besser als der St. Nikolaus, aber Geschmackssache, geschenkt! Wegelers Rothenberg gehört für mich (wieder einmal) zu den Besten, dazu Kesselers Berg Roseneck, die „Schlossberge“ von Ress und Kesseler brauchen einfach noch Zeit der Entwicklung, aber kommt Großes auf uns zu. Bemerkenswertester Wein außer Konkurrenz: PJ Kühn 2010 Quarzit aus der Magnum! Groß!

VDP – Vorpremiere Kurhaus Wiesbaden

Während sich alle 120 Mitverkoster bei Deutschlands best organisierter Probe auf die Rieslinge gestürzt haben, ging ich diesmal – mangels Zeit – einen ganz anderen Weg und habe mir mal die Weißen Burgundersorten vorgenommen. Das war spannend und vergnüglich zugleich, und ich kann mit einem Superlativ aufwarten: Deutschlands besten Chardonnay gibt es derzeit bei Heitlinger (Heinberg) – und ja, auch bei Huber (2014 Bienenberg, Schlossberg). Drei wirklich famose Chardonnays mit Biss, mit Schmelz, Cremigkeit, Power, Saft und Kraft… Wow! Und gleich hinterher: den besten Grauburgunder haben derzeit Blankenhorn, Salwey, Bercher und vor allem Pawis, dessen Stil ich übrigens ganz besonders schätze. Pawis ist neben den Badenern eine echte Burgunder-Bank ganz nach meinem Geschmack. Beim Weißburgunder ist die Sache komplexer…. Dr. Heger glänzt mit dem Rappenecker ebenso wie Bercher mit Feuerberg Haslen und Salwey mit dem monströsen Henkenberg. . Aus Württemberg stechen Aldinger (Gips) und Ellwanger (Hungerberg) hervor, beide reichen aber nicht an den fränkischen „Stein“ vom Staatlichen Hofkeller Würzburg heran, ein Muster an Eleganz und Finesse. Auch beim Weißburgunder glänzt Pawis wie ein Diamant, deutlich heller als Proschwitz. Und dann natürlich auch die Pfalz, mit Knipser, Kuhn, Rebholz und Bassermann-Jordan…. aber dann war die Zeit auch um…

Chateau-Feeling

Palmer zu Gast auf dem Johannisberg, doch nicht nur aus Patriotismus musste ich die Chateau Palmer-Masterclass schweren Herzens sausen lassen und die Ersten Gewächse Rheingau verkosten. Aber bei einer wahnsinnig schönen Atomsphäre im Garten des Johannisberg reichte die Zeit dennoch die 15er vom Schloss zu verkosten…. Mein drei absoluten Favoriten aus 2015:

2015 Gelblack trocken – Rheingau Riesling wie er sein soll…. knackig, zupackend, Trinkfluss, Trinkspass, gute Frucht und Finesse…

2015 Rotlack feinherb – eine Allzweckwaffe zu jedem Essen, saftig, aber mit viel Finesse und großem Charakter, läuft die Kehle wie Quellwasser runter, mehr davon

2015 Grünlack Spätlese – Babymord mit Freude! Jetzt eiskalt trinken oder 15 Jahre weglegen, monströs gehaltvolle, opulent aber nicht überkandidelt, sondern fein!

41. Rheingauer Weinwoche Wiesbaden

schön war´s … wieder einmal! Klasse Wetter, klasse Stimmung, offensichtlich gute Geschäfte an vielen Ständen, dazu feine Weine aus dem sich immer mehr öffnenden Jahrgang 2015… Prima Werbung für die Region, für Wiesbaden und den Rheingau. Da fällt es schwer, einige Weine herauszugreifen, doch was mir besonders gut gefallen hat (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) hier in einer Auswahl

Kaufmann/ Hans Lang: 2015 Riesling „Tell“, Trinkvergnügen auf höchstem Nivau

Wurm/ Ottes: 2015 Lorcher Riesling trocken plus – läuft und verlangt nach jedem Schluck schon nach dem nächsten…

Altenkirch: 2015 Grauschiefer trocken, aber auch 2010 Lorcher Krone und 2013 Bodental-Steinberg Alte Reben, klasse !

Koegler: 2015 Weiß aus Rot… derzeit mein Lieblings- Blanc de Noir

Oetinger: 2015 Riesling Mineral …. filigraner Trinkfluss

Ress: 2015 Rüdesheimer Riesling trocken - eigenständig, charaktervoll, lecker

FB. Schönleber: 2015 Oestricher Riesling Alte Reben - superlecker, läuft !

Aus dem Verkostungstagebuch

Orange Wines

70 Weine sind auch für geübte Verkoster und ein lange Strecke, 70 Orange-Weine sind für einen bekennenden „Hasser“ eine Qual, aber eine – zugegeben - durchaus spannende und aufschlussreiche. Das Wichtigste ganz zugespitzt vorweg: Braucht kein Mensch! Es gibt genügend andere spannende Essensbegleiter von exzellenten Rotweinen bis zu gereiften Rieslingen, behaupte ich mal so. Gegenbeweis? Bislang Fehlanzeige!

Von den 70 Weinen waren für mich genau 10 Prozent in der Kategorie trinkbar bis annehmbar (mal abgesehen von dem wirklich interessanten Weißburgunder von Ress zum Eingewöhnen, schmeckte!). Diese 10 Prozent haben jeweils mehr als 10 Punkte erreicht, NUR diese Weine! Die Masse kam nicht über 5 Punkte. Meine Favoriten waren ganz klar die beide Weine 53 und 54, beide vom Weingut Benziger in der Pfalz. Steinig bis rauchig, aber sehr klar, straight, ohne dumpfe Oxidation wie so viele andere, von der 2015 Orange Cuvée würde ich vielleicht sogar mal eine (1) Flasche erwerben, so zum Essensbegleitertest. Sehr gut auch Oliver Zeters 2014 Zafran, hohe Komplexität, recht guter Trinkfluss, zarte Fruchtnuancen, filigran und elegant, gut. Nummer 22, Gigerichs Carus Silvaner MT Reserve, schmeckte wie ein feinherber Riesling-Pirat, kein Orange-Wein aber recht ordentlich. Schließlich die Weine des Markgrafen von Baden (2015 Gewürztraminer), Sieglochs 2015 „Vogelfrei“ und Matterns „Orange Sieger“, alles gut trinkbare Weine, für die ich natürlich nie und nimmer mehr als 10 Euro die  Flasche hinlegen würde, aber unter dem Strich gut gemacht und eine Werbung für diese Weinkategorie. Kann man mögen, muss man aber nicht. So, und nun warte ich auf eine Einladung zum Essen mit einer größeren Auswahl verschiedener, sorgsam ausgesuchter Weine, bei denen sich ausgerechnet der Orange-Wein als der eindeutig Beste erweist ! Dann stelle ich mein Urteil gern in Frage….. dabei lag ich übrigens gar nicht schlecht, Zeter und Benzinger sahen auch die anderen Verkoster, teils Orangefans, offenbar ganz vorne….  

Malbec, Argentinien

Gutes (rotes) Fleisch und roter Wein, vor allem Malbec, das könnte mich nach Argentinien locken… Tatsächlich hat eine Malbec-Probe diesen Wunsch noch einmal verstärkt, denn die Rebsorte hat viele Stärken und kann zum Steak zur absoluten Perfektion auflaufen… mit guter Frucht, Fülle, durchaus Eleganz und Komplexität… Hier die 12er-Blindprobe:

Malbec Reserva 2011, Bodegas Norton

Malbec 2011, Catena Zapata

Malbec 2012, Terrazas de los Andes

Felino Malbec 2013, Vina Cobos

Gran Dante Malbec 2010, Dante Robino

Paso Doble 2012, Malbec/Corvina, Masi Tupungato

Catena Alta Malbec 2009, Catena Zapata

Las Compuertos SV 2010, Terrazas de los Andes

Finca Altamira 2007, Bodegas Achaval-Ferrer

Finca Mirador 2007, Bodegas Achaval-Ferrer

Finca Bellavista 2007, Bodegas Achaval

Mein klarer Favorit war Catena Zapata mit dem 2009er! Bei den 2007er aus der Bodegas Achaval-Ferrer gefiel vor allem der Finca Mirador. Sehr schön auch der „einfache“ 2011 Malbec von Catena Zapata, der für 14 Euro schon ein Schnäppchen ist, fast ebenso der 2013 Fino der Vina Cobos.

Weingut Robert Weil

Gräfenberg Beerenauslese 2003 – eine Wucht aus dem Süßwein-Traumjahr!

Turmberg Spätlese 2009 – nach heutige Maßstäben fast ein wenig zu „dick“ geraten, aber gut gekühlt selbst als Aperitiv überzeugend.

Kaufmann – Hans Lang, Hattenheim

Die Transformation von Hans Lang zu (Urban) Kaufmann ist in vollem Gange, die charmanten, eleganten 2015er haben den Prozess noch einmal beschleunigt. Die neue Vinothek ist in jedem Fall einen Besuch wert weil architektonisch ein Ausrufezeichen, und mit dem einfachen Kaufmann-QbA und dem „Tell“ würde ich mich eindecken, so viel Platz der Keller eben hergibt… Hier nun in der Kurznotiz alles Kaufmann und alles 2015er, verkostet am Schweizer Nationalfeiertag:

Rheingau Riesling – Viel Wein, viel Geschmack für vergleichswiese kleines Geld, so muss ein Basiswein schmecken….

Hattenheim Riesling – hat gegen den QbA zu kämpfen zumal vom Ortswein noch ein wenig mehr Druck und Dampf zu erwarten wäre, aber gut und süffig

Wisselbrunnen Riesling GG – präzise, mit viel Druck, aber guter Trinkfluss obwohl mit ordentlich Power ausgestattet, gut !

Tell Riesling – mein Favorit zu diesem Zeitpunkt… Alleskönner !

2014 Pinot Noir – ein wenig zu dünn geraten, nicht mein Fall…

2014 Hassel Pinot Noir GG – wird sich für 35 Euro schwer tun, braucht noch viel Zeit zur Entwicklung, recht hellfarben, nicht mein Pinot-Stil….

2015 Uno – Nette Burgundercombi, guter Speisenbegleiter, moderate Säure, gut verwobene Frucht, komplex und tiefgründig

Vieles neu bei Tesch, Nahe

Der geradlinige Martin Tesch hat vor allem unter den Ex-VDP-Kollegen zwar nicht sehr viele Freunde und Sympathisanten, aber ich bin einer großer Freund von Weingut und Stil und der Art, wie jedes Jahr das Terroir der fünf Lagenweine herausgearbeitet wird. Die Etiketten auf den Leichtglas-Flaschen wurden mit dem neuen Jahrgang überarbeitet, jetzt gibt es auch Magnum und Halbe mit dem Stelvin-Drehverschluss. Leider haut das trotzdem nicht immer hin, im Probepaket war die „Krone“ um etwa 150 ml ausgelaufen bei vermeintlich intaktem Verschluss….. daher gleich verkostet:

2015 Krone – viel Stachelbeere, Ananas und ein wenig Rhabarber, gut eingewebte Säure, Schmelz, langer Nachhall, fein

2015 Karthäuser – wirkt zunächst rustikaler, eher druckvoll als fein mit feinen mineralischen Noten….. der Rest wird in der Probe noch ergänzt…

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut am Stein, Würzburg

2015 Würzburger Stein Silvaner trocken – enormer Trinkfluss und Zug, läuft glasklar und lustvoll den Rachen runter, so muss Silvaner schmecken ! Und die Variante aus der Inneren Leiste ist sogar noch bessser....

Weingut Koegler, Eltville

2008 Eltviller Sonnenberg Grüner Veltliner trocken – ein Wein voller Überraschung, geradezu jugendlich frisch, hohe Trinkanimation, klasse Säure-Rückgrat, cremige Finesse, Eleganz, läuft !

Georg Breuer, Rüdesheim

2010 Nonnenberg Monopol Riesling trocken – überraschend. Zeigt nicht die sonst gewohnte Noblesse, sondern eine beißende, fast scharfe Säure, die sich bislang nicht einbindet. Mein Gott, wie lange braucht dieser Wein noch, bis er eine Harmonie findet?. Wird das jemals der Falls sein…? Die Erfahrung mit Breuer-Weinen gibt Hoffnung, aber dieser Nonnenberg lässt zweifeln… weglegen, vergessen, vielleicht 2026 wieder probieren… vielleicht….

Balthasar Ress: 2015 Berg Schlossberg & Wisselbrunnen & Nussbrunnen & Oestricher Riesling trocken, Wow, ein erster Ausblick auf den GG-Jahrgang als Fassprobe, Nussbrunnen superphänomenal, Schlossberg groß wie immer, Wisselbrunnen noch verschlossen und ein wenig indifferent…. der Oestricher ist ein Super-Ortswein zum kleinen Preis, zuschlagen!  

Schloss Vollrads – 300 Jahre Kabinett

1999 Kabinett halbtrocken – ein Monument, monströser Trinkfluss, genial

2003 Kabinett halbtrocken – ein Kabinett aus einem schwierigen Jahr, nur 12 Alkohol, aber ohne die Leichtfüßigkeit und Unbeschwertheit anderer Jahrgänge

2015 Kabinette feinherb und trocken – süffig, saftig, fruchtbetont, läuft !

1970 Kabinett – der erste Jahrgang, der schon unter den Vorgaben des neuen Weingesetzes von 1971 (Aus mit dem Cabinet!!!) erzeugt wurde, steht 1a im Glas!

Jahrgangsprobe Corvers-Kauter

4x 2015 Kabinett trocken. Oestricher Lenchen, Mittelheimer Edelmann, Rüdesheimer Kirchenpfad, Rüdesheimer Berg Roseneck… man sieht, das Weingut ist ganz weit weg von der aktuellen VDP-Philosophie… trockene Lagenkabinette, die allerdings geschmacklich sehr gut differenziert sind….insgesamt sehr klar, guter Trinkfluss, teils recht kräftig für einen Kabinett, aber gute Frucht, animierende Säurespiel. Mein Favorit ist aktuell der Kirchenpfad vor dem Edelmann, erst danach folgen Roseneck und Lenchen

2015 R3 Remastered …. uff, uff, Kernig, pur, säurestark, ein Ausrufezeichen

2015 „Schwerelos“ Edelmann Kabinett fruchtig… wird seinem Namen nicht ganz gerecht, es fehlt die filigrane Leichtigkeit, keine Rheingauer „Moselvariante“, viel besser:

2015 St. Nikolaus Alte Reben Spätlese – trinkt sich gut gekühlt wie Wasser, erinnert eher an Kabinett dank guter Säure und nicht zu opulenter Süße, ein Sommerwein für den Balkon!

2013 Berg Schlossberg Spätlese feinherb – ein echter Charakterkopf, feine Säure-Süße-Spiel, lecker, guter Zuge, kaum gereift, fein

Prinz von Hessen

2015 Scheurebe trocken – siehe weiter unten meinen ausführlichen Blogbeitrag zum Jubiläum „100 Jahre Scheurebe“! Dieser Wein ist meines Erachtens sehr gut gelungen, ein freudvoller Spasswein, der in einer Blindprobe guter Sauvignon nicht als Außenseiter auffallen würde… Winzer, macht mehr aus dieser in Bad Kreuznach gezüchteten Rebsorte!

Winzer von Erbach

Kompliment, unter Jochen Bug ist die früher schon einmal mal hochgelobte Winzergenossenschaft (lang ist es her…) wieder auf einem guten Weg. Natürlich ist nicht alles auf dem Niveau wie der 2012er Spätburgunder aus dem Barrique (ein Pendant aus weißem Burgunder wäre schön, nur Mut!), aber auch die Basis wie der Honigberg QbA, der Classic und der trockene Kabinett sind von verlässlicher Güte. Der Grauburgunder schmeckt hingegen leider nur wie ein säurearmer Riesling, da wäre mehr möglich!

Hat der trockene Kabinett noch Zukunft?

Schloss Vollrads, Winkel

1970 Kabinett, 2015 Kabinett feinherb, 2003 Kabinett halbtrocken, 1999 Kabinett halbtrocken, eine Auswahl Vollrads Kabinett-Weine anlässlich des Jubiläums "300 Jahre Cabinet". Vor allem 1999 und 1970 mit phänomenaler Frische und anhaltender Trinkfreude... Schloss Vollrads hat es natürlich auch leicht, auf eine Lagenbezeichnung zu verzichten, wie es die neue Qualitätspyramide des VDP fordert. Es stimmt, der Kabinett als Leichtwein hat eine Perspektive, aber nur, wenn sich die Erzeuger endlich bei Mostgewicht und Alkohol verbindlich auf Obergrenzen einigen. Kabinettweine wie aus Hochheim mit 13,5 Prozent Alk. und mehr (!!!) müssen endlich der Vergangenheit angehören! Ein besonderes Jubiläum wäre eigentlich die Gelegenheit gewesen, dazu einen Vorstoß zu machen! Eine leider vergebliche Hoffnung. Doch ein Besuch auf Vollrads lohnt...

"Eine unscheinbare Eisenflügeltür im Hof von Vollrads. Direkt dahinter führen 15 Stufen steil hinunter, direkt in ein besonderes Kapitel der deutschen Weingeschichte. Hier wurde im Jahr 1716 der nachweislich erste deutsche Cabinet-Keller angelegt, um die besonders feinen von den ordinären Tropfen zu trennen. Weine aus dem Cabinet – der deutsche Adel sprach im Zeitalter des Barock vornehm französisch – waren jeweils das Beste, was die Grafen Greiffenclau aus den umliegenden Weinbergen geerntet hatten. Damit kann Schloss Vollrads für sich reklamieren, lange vor dem großen Nachbarn Schloss Johannisberg, wo 1775 die Spätlese „erfunden“ wurde, eine besondere Seite der deutschen Weingeschichte aufgeschlagen zu haben.

Die Eberbacher Mönche zogen erst 1730 nach und richteten im Kloster ihren ersten Cabinet-Keller ein, der heute elementarer Teil jeder Klosterführung ist. Cabinet setzte sich fortan als eine Zusatzbezeichnung für besonders edle und hochpreisige Weine durch, denen in der Regel eine längere Zeit der Reife vergönnt war. Eine Weinphilosophie und Tradition, die spätestens mit dem neuen Weingesetz 1971 ihr Ende fand. Aus dem Zusatz „Cabinet“ wurde das deutsche Prädikat „Kabinett“. Fortan zeichneten sich diese Weine nicht mehr durch besondere Qualität oder höchste Ansprüche des Erzeugers aus, sondern durch eine weinrechtliche Definition allein nach dem Mostgewicht. Anders als ihre Namensvorgänger wurden Kabinett-Weine zu mittelpreisigen Trinkweinen für jeden Anlass.

Zum Jubiläum hat Schloss Vollrads den zuletzt unspektakulär als Lager genutzten Cabinet-Keller leer geräumt und aufgehübscht, um ihn bei Führungen angemessen präsentieren zu können. Der kleine Gewölbekeller hat als Besonderheit zwei kleinere Nebenkammern, und in einer steht sogar ein Ofen. Rowald Hepp, Geschäftsführer des der Nassauischen Sparkasse gehörenden Schlosses, kennt keinen anderen Rheingauer Weinkeller mit eigenem Kamin und Heizquelle. Ob sich seinerzeit der Kellermeister bisweilen die Hände wärmen wollte oder ob es sich gar um einen frühen Versuch der Temperaturkontrolle für den stets sechs bis zehn Grad kalten Keller handelt, darüber kann auch Hepp nur Mutmaßungen anstellen.

Alte Handwerkerrechnungen über das Setzen der Treppenstufen, das Einziehen des Schornsteins, das Bohren von Mauerlöchern und das Durchbrechen von Felswänden dokumentieren jedenfalls den Bau des Cabinet-Kellers unzweideutig für das Jahr 1716. Und das Hessische Hauptstaatsarchiv hat Hepp bestätigt, dass es keine Bedenken hat, wenn Vollrads das Recht der Cabinet-Ersterwähnung für sich in Anspruch nimmt. Den Anlass gaben vermutlich einige sehr gute Ernten zu Beginn des 18. Jahrhunderts.

Während die Vergangenheit des Kellers einigermaßen geklärt ist, liegt die Zukunft des Kabinettweins im Ungewissen. Der Trend, den beispielsweise der Verband der Prädikatsweingüter (VDP) gerade vorgibt, ist die Konzentration der Winzer auf die Weinberge als Herkunft der Weine. Trockene Kabinettweine mit Lagenbezeichnung soll es in der neuen VDP-Qualitätspyramide nicht mehr geben. Der so genannte Ortswein, beispielsweise ein „Winkeler Riesling“, ersetzt daher auf immer mehr Preislisten von Erzeugern den klassischen Kabinett. Hinzu kommt, dass es der Klimawandel den Erzeugern nicht eben einfach macht, leichte Kabinettweine zu erzeugen.

Hepp allerdings ist überzeugt, dass der Riesling-Kabinettwein von Rhein, Nahe und Mosel auch ohne Lagenbezeichnung eine große Zukunft hat. Gerade die Rebsorte Riesling ermögliche es, Weine mit intensivem Geschmack bei mäßigem Alkoholgehalt zu erzeugen. Das gehe mit anderen Rebsorten wie Chardonnay nicht und sei ein „Pfund“, mit dem die deutschen Winzer wuchern könnten. Viele Weintrinker suchten die „filigrane Leichtigkeit“. Hepp gibt aber zu, dass sich die Erzeuger auf ein klareres Profil für den Kabinett einigen und dass sie beispielsweise Obergrenzen für Mostgewicht und Alkohol bestimmen müssten. Davon ist die Branche aber derzeit noch weit entfernt.

Auf Schloss Vollrads soll der Kabinett in trockener, feinherb und süßer Spielart jedenfalls Zukunft haben. Das Weingut hat zwar seine Pläne aufgegeben, zum umfassenden Riesling-Kompetenzzentrum der gesamten Region zu werden. Eine enge Zusammenarbeit mit der Hochschule Geisenheim gibt es dennoch, um die Folgen des Klimawandels auf die deutsche Leitrebsorte abschätzen zu können, zumal gerade der leichte Kabinett gefährdet sein könnte, wenn Sonne und Wärme die Mostgewichte immer weiter steigen lassen. Daher hat Schloss Vollrads jetzt eine Rebfläche für einen langfristig angelegten wissenschaftlichen Versuch der Geisenheimer Rebenzüchter zur Verfügung gestellt. Auf einem 5050 Quadratmeter großen Weinberg haben die Forscher im vergangenen Jahr fast 50 verschiedene Rieslingklone aus Deutschland und anderen Anbaugebiete der Welt gepflanzt, jeweils 25 Rebstöcke. Das genügt, um daraus sogar Wein zu erzeugen und zu vergleichen. Ziel ist es, solche Klone herauszufinden, die trotz Klimawandel das vertraute Geschmacksbild der mehr als 500 Jahre alten Rebsorte Riesling hervorbringen und womöglich auch gegen Pilzkrankheiten weniger anfälliger sind als die heute am meisten eingesetzten Klone. Das Projekt trägt zudem dazu bei, im Zuge der Anstrengungen zur Biodiversität die Vielfalt der Spielarten des Rieslings zu erhalten. Erzeuger wie Hepp sehen mit Spannung, mit welchen Klonen die Winzer womöglich künftigen Herausforderungen begegnen können. Das diese trotz Klimawandel für die Erzeugung alkoholarmer Kabinettweine tauglich sein müssen, steht für Hepp außer Frage: „Der Kabinett ist einfach ein leichter, nicht belastender Genuss.“ (aus meinem FAZ-Bericht vom 13. Juli 2016)

Altenkirch gewinnt 12. Schoppentrophy

Staatssekretärin Dr. Beatrix Tappeser ehrt die Sieger in Lorch

Wo wird der süffigste trockene Riesling-Schoppen des sehr guten Weinjahrgangs 2015 getrunken? Die Blindverkostung zur 12. Schoppen-Trophy des Rheingauer Weinschmeckers hat eine klare Antwort ergeben.

Den besten Schoppen trinkt der Weinfreund in dieser Saison in der Schänke und auf der Terrasse des Weinguts Altenkirch in Lorch. Die höchste Punktzahl unter 33 angestellten Weinen ist ein besonderes „Geburtstagsgeschenk“ für das vor 190 Jahren gegründete Weingut, das ehemals zum offiziellen kaiserlichen Hoflieferanten ernannt worden war.

Bei der Blindverkostung in der Vinothek des Kiedricher Weinguts Robert Weil setzte sich das von Jasper Bruysten geleitete Weingut mit   knappem Vorsprung gegen das Weingut Schumann-Nägler aus Geisenheim und das Johannisberger Weingut Trenz durch. Mit Altenkirch ist es seit der ersten Austragung des Wettbewerbs im Jahr 2005 erstmals einem Weingut gelungen, seinen Sieg zu wiederholen, denn Altenkirch war seinerzeit der Sieger der Schoppen-Trophy-Premiere!

 Insgesamt wurden die 33 Weine von 32 Juroren blind geprüft und nach einem 20 Punkte-System bewertet.

Der Jury gehörten Vertreter der teilnehmenden Güter, Gastronomen, Weinjournalisten, Vertreter der Weinbranche und der Verbraucher an, darunter auch die Rheingauer Weinkönigin Louisa Follrich.

Der Siegerwein ist ein sehr mineralischer Schoppenwein mit guter Länge und langem Nachhall, der seine Herkunft aus Lorcher Steillagen auf beeindruckende Weise am Gaumen demonstriert“, lobt der Initiator der Schoppen-Trophy und Weinschmecker-Autor Oliver Bock.

Der Jahrgang 2015 zeige seine außerordentliche Güte schon an der Basis des Sortiments, dem trockenen und preiswerten Schoppen, dem meistgetrunkenen Wein in den Schänken.

Das Weingut Altenkirch bewirtschaftet rund 15 Hektar Steillagen mit einem Gefälle von bis zu 60 Prozent, die vor allem Handarbeit erfordern. Rund 80 Prozent der Fläche sind mit Riesling bestockt, weitere zehn Prozent sind dem Spätburgunder vorbehalten, daneben gibt es noch Weißburgunder, Sauvignon Blanc und Gewürztraminer im Angebot.

Der Weinausbau geschieht in drei historischen Gewölbekellern, die bis zu 100 Meter tief in den harten Fels geschlagen sind. Dort versteht es Bruysten meisterhaft, in seinen Weinen die große Vielfalt der Lorcher Böden und deren einzigartiges Geschmacksprofil zur Geltung zu bringen.

Kleine Besonderheit am Rande: Altenkirche-Weine sind als „vegan“ gekennzeichnet und damit auch für Vegetarier geeignet, weil bei der Weinbereitung keine Gelatine oder andere Weinbehandlungsmittel tierischen Ursprungs verwendet werden.

 Die Sieger der 12. Schoppentrophy 2016

 

  1. Platz

Altenkirch, Lorch

2015 Rheingau Riesling „Steillage“ trocken

  1. Platz

Schumann-Nägler, Geisenheim

2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz

Trenz, Johannisberg

2015 Rheingau Riesling Basic trocken

  1. Platz (geteilt)

Abteihof, Johannisberg: 2015 Johannisberg Hölle Riesling trocken und

Schloss Vollrads, Winkel: 2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Diefenhardt, Martinsthal: 2015 Rheingau Riesling trocken

Mitter-Velten, Hochheim: 2015 Hochheimer Daubhaus Riesling trocken

Höhn, Dotzheim: 2015 Rheingau Riesling trocken

  1. Platz (geteilt)

Dienst, Hochheim: 2015 Dorotheenhof Riesling trocken

Keßler, Martinsthal: 2015 Martinsthaler Wildsau Riesling trocken

Allendorf, Winkel: 2015 Rheingau Riesling trocken

 

 

Barrique ganz ohne Holz! Wie geht das denn???

Winzer sind auch nur Menschen, und die Versuchung, den mühseligen Weg zu gutem Wein unerlaubt abzukürzen, ist groß. Doch ebenso das Risiko, ertappt zu werden. Im Wein liegt Wahrheit, aber nicht immer und nicht überall. Hochwertige Weine aus dem Barrique sind begehrt. Aber nicht jeder Winzer will und kann sich die teuren Eichenholzfässer leisten, und selbst der erlaubte Zusatz von Holzchips bei der Weinreifung ist einigen schwarzen Schafen in der Winzerschaft noch zu viel an Aufwand, wenn sich doch durch einen Verschnitt mit nach Vanille schmeckenden Spirituosen ein vergleichbares Geschmacksbild erreichen lässt. Ertappt hat den am Ende geständigen Winzer im vergangenen Jahr das Mainzer Landesuntersuchungsamt. Dem Wein eine Vanillenote mit weinfremden oder künstlichen Aromastoffen zu verleihen, das gehörte 2015 zu den besonders dreisten Täuschungsversuchen, die von den Experten des LUA aufgedeckt worden sind.

Rheinland-Pfalz mit seinen sechs Weinregionen ist das mit Abstand größte deutsche Erzeugerland. Entsprechend hoch ist der Kontrollaufwand, die Winzer von Betrugsversuchen abzuschrecken. Nicht weniger als 23 Kontrolleure sind tagaus tagein in den Weinbergen und in den Weinkellern unterwegs. 5750 Kontrollen ergab das im vergangenen Jahr, und 4300 Proben wurden von den Analytikern im Weinlabor untersucht. Das Ergebnis nennt das Ministerium unter dem neuen Weinbauminister Volker Wissing (FDP) „durchwachsen“. Tatsächlich ergab sich eine bedenkliche Beanstandungsquote von mehr als zehn Prozent.

Nicht alle Verstöße müssen die Weintrinker allerdings beunruhigen. Einen beträchtlichen Teil machen Übertretungen der Bestimmungen des Bezeichnungsrechts aus. Das können schon zu kleine Schriftzüge auf den Etiketten sein, aber auch fehlende oder unrichtige Angaben bei Jahrgängen oder Rebsorten. Manche Weine haben zudem eine mikrobiologische Veränderung erfahren, schmecken nach Essig oder oxydativ und werden deshalb aus dem Verkehr gezogen.

Doch die Kontrolleure kamen auch mehr als 100 Verstößen auf die Spur, die der LUA-Präsident Stefan Bent und Minister Wissing wegen der Überschreitung von Grenzwerten oder unzulässiger Weinbehandlung als schwerwiegend einstufen und zu Fällen für die eigens gebildete Schwerpunkt-Staatsanwaltschaft in Bad Kreuznach wurden. Es sind allerdings längst nicht immer nur Rheinland-Pfälzer Winzer, die ins Fadenkreuz der Ermittler geraten. Auch Zollbehörden und Weinhandel reichen teils ausländische Weine zur Prüfung ein.

Der unerlaubte Zusatz von Glycerin beispielsweise macht die Weine vollmundiger, kann aber im Labor zweifelsfrei nachgewiesen werden. Das war 2015 bei vier Krimsekten aus der Ukraine der Fall sowie bei zwei Weinen aus Moldawien, wo sich die Feinheit der Mainzer Untersuchungsmethoden offenbar noch nicht herumgesprochen hat. Eher ein Laster deutscher Winzer scheint hingegen die unerlaubte Zugabe von Zucker, um den Weintrinkern eine höhere Qualität vorzugaukeln. Doch wenn ein Weingut eine überproportional hohe Erntemenge meldet und dann auch noch einen besonders hohen Anteil hochwertiger Prädikatsweine geerntet haben will, dann werden die Kontrolleure misstrauisch. Ein schon einschlägig bekannter Winzer wollte 2015 fast ein Drittel Beerenauslesen und Trockenbeerenauslesen geerntet haben. Tatsächlich waren alle Prädikatsweine nachträglich mit Zucker versetzt worden.

Beliebt ist unter den „schwarzen Schafen“ der Winzerschaft auch die Manipulation mit der Amtlichen Prüfnummer (AP), die Qualität und Verkehrsfähigkeit des Weines bescheinigt. Tatsächlich wurden allein fünf Betriebe dabei erwischt, Qualitätsweine ohne AP-Nummer verkauft zu haben. Andere haben Weine auf dem Etikett mit fiktiven, erschwindelten oder für ganze andere Weine vorgesehenen Nummern verkauft. Solche ebenso wie gezuckerte Weine entdeckten die Prüfer auch beim Ausschank auf Weinfesten im Land, immerhin in einer Menge von mehr als 15.000 Litern.

Ein strenges Auge haben die Kontrolleure auch auf die Eisweinerzeugung. Der Streit um den Eisweinjahrgang 2011 mit vielen Erzeugern ist inzwischen ausgestanden, nachdem das Oberverwaltungsgericht Koblenz den Kontrolleuren Recht gegeben hatte. Diese hatten seinerzeit fast alle angemeldeten Eisweine bei der Qualitätsprüfung abgelehnt, weil es in der kurzen Frostperiode einfach nicht kalt genug gewesen sei. Für die Winzer ein herber Schlag.

Insgesamt haben die Prüfer 451 von 4300 Proben beanstandet, weil die Weine nicht den rechtlichen Vorgaben entsprachen. Die Folge war die Vernichtung von nicht weniger als 11.000 Hektolitern Wein. Keinen Überblick hat das Land, in welcher Höhe Ordnungswidrigkeiten und andere Strafen ausgesprochen wurden.

Hessen weiß in dieser Hinsicht etwas mehr: Laut Regierungspräsidium Darmstadt gab es im vergangenen Jahr 69 Beanstandungen. Sie mündeten in zwölf Bußgeldbescheide und in drei Strafanzeigen. Neun Fälle wurden an andere Bundesländer abgegeben, die übrigen nach einer Belehrung für erledigt erklärt oder wegen Geringfügigkeit eingestellt. In zwölf Fällen wurden Ausnahmegenehmigungen erteilt, Weine mit geringfügigen Mängeln in den Verkehr zu bringen. Bei den Bußgeldverfahren wurden Verstöße bei der Weinbuchführung und der missbräuchlichen Verwendung von AP-Nummern mit bis zu 2000 Euro geahndet. „Klassische Weinverfälschungen“ oder nicht zugelassene önologischer Verfahren habe es in Hessen nicht gegeben.

In Rheinland-Pfalz geht Wissing davon aus, dass in der Regel Manipulationen aufgedeckt werden. Jeder der betrüge, gehe ein „signifikantes Risiko“ ein, entdeckt zu werden, warnt der Weinbauminister, dem es darum geht, durch das Kontrollnetz die ehrlichen Winzer und die vertrauensvollen Kunden zu schützen und das Image des rheinland-pfälzischen Weins nach dem Aufschwung der vergangenen Jahre nicht zu gefährden. 

Gefahr für den Ökoweinbau

Mohr, Lorch: 2015 Blancs de blanc trocken

Keßler, Hallgarten: 2015 Riesling Kabinett trocken

... zwei Rheingauer Ökoweine, gerade erst mit Freude verkostet... aber beide Winzer sind nicht ohne Sorgen, auch wenn sie im mittleren Rheingau weitaus ausgeprägter sind als in den gut durchlüfteten Steillagen von Lorch. Deutschlandweit heißt es derzeit: viele Ökowinzer kämpfen um ihre Existenz, denn der falsche Mehltau lässt große Ernteausfälle befürchten, weil der Einsatz eines wirksamen Gegenmittels durch die EU blockiert ist. Wer aber die Reißlinie zieht, um seine Ernte zu retten, verliert den Ökostatus und seine Die Häufung heftiger Regenfälle in den zurückliegenden Wochen hat in Verbindung mit der Nässe im Boden und mit der Wärme und Feuchtigkeit in den Rebzeilen die Ausbreitung gefährlicher Pflanzenkrankheiten stark begünstigt. Echter (Oidium) und falscher Mehltau (Peronospora) sind die Hauptfeinde des modernen Weinbaus. Vor allem die Peronospora erweist sich als derzeit große Gefahr. Die Winzer sind dabei in der Zwickmühle. Viele Rebzeilen sind wegen der Nässe eigentlich kaum mit Traktoren befahrbar, doch der Pflanzenschutz duldet keinen Aufschub. Statt alle zwölf Tage im konventionellen und alle zehn Tage im ökologischen Weinbau müssen die Spritzintervalle auf einen Wochenrhythmus verkürzt werden, um einen ausreichenden Schutz zu erreichen. Die Gefahr ist derzeit besonders groß, weil die Reben in der gerade begonnenen Blütezeit besonders empfindlich sind.

Während die gegenwärtige Wetterlage und die Ausbreitung des Mehltaus den konventionellen Erzeugern vorrangig mehr Arbeit im Weinberg, mehr Konzentration auf die Gesundheit der Reben und deutlich höhere Kosten abverlangen, fürchten Ökowinzer um ihre Existenz. Diese Ängste sind die Folge des Zögerns der Europäischen Union, Kaliumphosphonat für den Pflanzenschutz im ökologischen Weinbau wieder zuzulassen. Bis 2013 war Kaliumphosphonat als Pflanzenstärkungsmittel viele Jahre zugelassen. Danach wurde die Ökoverordnung novelliert. Seither steht es den Ökowinzern nicht mehr zur Verfügung, obwohl Deutschland  bei der EU die Aufnahme des Mittels in eine Positivliste für den Ökoweinbau beantragt hatte. Doch die EU hat sich dazu bisher wegen der laufenden und komplexen Verhandlungen um eine neue Bioverordnung nicht durchringen können. Immerhin haben die Ökowinzer die Ausnahmegenehmigung erhalten, in diesem Jahr vier statt nur drei Kilogramm eines Kupferpräparats je Hektar Weinberg ausbringen zu dürfen. „Die werden wir auch brauchen“, sagt der Professor für Ökoweinbau an der Hochschule Geisenheim, Randolf Kauer. In seiner langjährigen Arbeit als Experte für Ökoweinbau und als Ökowinzer im Mittelrheintal hat eine solche Wetter- und Gefahrenlage wie in diesem Frühsommer noch nicht erlebt. Nach seiner Beobachtung haben viele Winzer im Rheingau und im Mittelrheintal die Lage zwar noch einigermaßen im Griff, in anderen Teilen von Rheinland-Pfalz sehe es aber ganz anders aus.

Ein Beispiel ist Bad Kreuznach. Landwirtschaftsminister Volker Wissing (FDP) hat dem ökologisch wirtschaftenden Staatsweingut in Bad Kreuznach die Erlaubnis erteilt, Kaliumphosphonat als Teil eines „wissenschaftlichen Großversuchs“ auszubringen. Dies sei in der derzeitigen Lage das einzig wirksame Mittel, meint Wissing, der gemeinsam mit Umweltministerin Ulrike Höfken (Die Grünen) bei der EU-Kommission Druck machen will. Die als wissenschaftlicher Versuch deklarierte Erlaubnis für das Staatsweingut solle einen „Totalverlust der Ernte“ verhindern, auch wenn das bedeute, dass das Weingut seinen Öko-Status mindestens für ein Jahr verlieren wird, heißt es aus Mainz. Üblicherweise müsste das Weingut allerdings einen neuen, sogar drei Jahre dauernden Anlauf zur abermaligen Öko-Zertifizierung unternehmen. Dieser Weg ist daher für viele Öko-Betriebe keine Alternative in der aktuellen Pflanzenschutz-Krise, weil sie in dieser Zeit ihre Kunden nicht mehr mit zertifizierten Öko-Weinen bedienen können und daher massive Absatzverluste in Kauf nehmen müssten. Der Vorschlag aus Rheinland-Pfalz, den wissenschaftlichen Großversuch auf alle interessierten Ökowinzer auszudehnen, dürfte daher ein geteiltes Echo stoßen.

Dennoch hat er die Unterstützung des größten Ökoverbandes Ecovin. Dessen Geschäftsführer Ralph Dejas sagt: „Wir warnen seit drei Jahren eindringlich vor einer Situation wie in diesem Jahr.“ Er hält es für widersinnig, dass das von der Biobranche mitentwickelte Kaliumphosphonat derzeit von den konventionellen Winzern verwendet werden dürfe, von den „Bios“ aber nicht mehr. Wegen der großen Nachfrage ist das Mittel derzeit sogar fast ausverkauft. Dejas spricht von einer „dramatischen Situation“ im ökologischen Weinbau, die den Winzern nur die Wahl lasse, den Einsatz von Kupferpräparaten bis zum Anschlag auszureizen oder Kaliumphosphonat zu verwenden und die Bio-Zertifizierung zu verlieren. In Baden beklagten einzelne Güter schon „Totalausfälle“ in den Weinbergen. Dejas sieht Auswirkungen auf die gesamte Branche. Umstellungswillige konventioneller Betriebe beobachteten die Lage der Ökowinzer derzeit sehr genau und wollten nur dann ins Öko-Lager wechseln, wenn Kaliumphosphonat eingesetzt werden dürfe.  Der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der Weinbauverbände Rheinland-Pfalz, Ingo Steitz, hofft auf die schnelle Öffnung des Großversuchs für alle Ökowinzer im Land in den nächsten Tagen. Bei den vorherrschenden Bedingungen zähle jeder Tag und in vielen Anlagen gebe es schon erheblichen Befall. Würde den Betrieben diese Maßnahme nicht erlaubt werden, drohten weitreichende Ernteausfälle in allen Anbaugebieten

Auch der Rheingauer Weinbauverband hat sich der Forderung von Ecovin angeschlossen, Kaliumphosphonat sanktionsfrei einsetzen zu können, also ohne den Ökostatus zu verlieren. „Eine Ausnahmegenehmigung für den Einsatz bei Schrotkorngröße der Beeren könnte Schlimmeres verhindern und damit Existenzen retten“, meint auch der Eltviller Winzer Michael Albrecht von der Ecovin-Regionalgruppe Rheingau-Mittelrhein-Hessische Bergstraße und einer der Pioniere des Ökoweinbaus im Rheingau.

Die Hilferufe einzelner Weingüter füllen inzwischen das Internet. Der Betriebsleiter des Hattenheimer Weinguts Balthasar Ress, Dirk Würtz, nennt die Situation in seinem viel gelesenen Weinblog „gruselig“. Er könne sich an eine vergleichbare Situation nicht erinnern. „Es ist eine Katastrophe. Der Befallsdruck ist so hoch wie nie.“ Für eine politische Intervention bei der EU sei es höchste Zeit, „denn es geht um nichts anderes als um Existenzen.“ (aus meinem Bericht für die FAZ vom 22.6.16)

Der vinologische Elchtest: Schwedische Weine

Tja, der unterhalb von Schloss Johannisberg verlaufende 50. Breitengrad gilt schon lange nicht mehr als die nördliche Weinbaugrenze in Deutschland und Europa… der Klimawandel und der Weindurst machen es möglich. Weinbau auf Sylt (Balthasar Ress), schleswig-holsteinischer Landwein, Weinbau in Südengland, also warum nicht auch in Schweden, dem Land der Elche…. also her damit! Freunde haben mit dankenswert großem Aufwand und Einsatz vor Ort (!) ein Quintett gesammelt und herbeigeschafft, ein aberwitziger Aufwand im Übrigen… und zu kaum vertretbaren Kosten von fast 20 Euro je Flasche! Selbstbewusst sind die Schweden jedenfalls, Alter Schwede! Und hier die Probanden:

Sandhammarens Briljant Svenskt vin fran Österlen 2014 Solaris

Wester Vin 2012 Blend

Skepparps Vingard 2014 Grand Prix Solaris Barrique

Doman Sanana 1873 Croix Fleurie 2014 Solaris

Cehlin Vingard Torsebro Vita Vin av druvor 2014 Solaris

Sandhammarens… Uff… also ich weiß nicht, was Weinmaker Kaj Nilsson hier angestellt hat, aber das barocke, selbstgemalte (?) Etikett und die hellgrüne Flasche wirken schon von weitem so billig wie es der schon zerbröselnde Billig-Presskork tatsächlich ist. Der Füllstand war höchst bedenklich, förderte aber offenbar satte oxydative Noten. Ein Wein mit multiplen Fehlern, die so schlimm sind, dass der Korkschmecker schon nicht mehr ins Gewicht fällt… Tschüss macht´s gut ihr Schweden…. das müsst Ihr ganz alleine trinken!

Wester Vin… das ist ja mal ein professioneller Auftritt, schöne Burgunderflasche, fesches Etikett, moderner Schrauber, aber der Wein: zwar nicht so klar wie ein Gebirgsbach, aber genau so hell. Sieht aus, als hätte man Wasser oder geschmuggelten russischen Wodka im Glas…! Immerhin, intensives Bukett, welche Art von Cuvée das ist, erfährt der Weintrinker leider nicht, erinnert ein wenig ein einfachen Grauburgunder. Der Wein sollte nach dem Öffnen schnell getrunken werden, Kopf in Nacken… ! Steht er länger im Glas, verliert er jeden Ausdruck, fällt in sich zusammen und taugt zu nichts mehr…. Abgang ….Schwamm drüber!

Cehlin Vingard … fällt sofort durch Fehltöne muffiger Natur auf, wenn auch bei weitem nicht so übel wie der Sandhammarens. Das Mienenspiel der Mitverkoster zeigt dennoch bedenkliche Verrenkungen… Da hilft auch keine Sympathie wegen der mäßigen Leistungen der schwedischen Fußballer in Frankreich… Ausguss!

Doman Sanana… geht doch! Auch dieser Wein ein Solaris mit Schraubverschluss und adäquater Ausstattung. Ein wenig parfümiert am Gaumen, aber insgesamt ok. Kann sogar zu einer ganz formidablen geräucherten Lammkeule durchaus punkten! Wer Solaris aushalten kann, ist hier durchaus richtig… Restzucker übrigens laut Rückenetikett  0,0 ! Mit 13,5 Prozent der dickste Schwede der Probe, für die Insider: Ph-Wert 3,8. Davon gibt es wohl nur 2000 Flaschen, sollte also ganz, ganz schnell weggetrunken und vom Markt wieder verschwunden sein, die Weinwelt dankt herzlich!“

Skepparps Vingard… jetzt wird es spannend… und gut! Also fest steht schon einmal: schwedischer Solaris braucht das Barriquefass sowie ich die Luft zum Atmen… Das Weingut besitzt wohl nur 6000 Rebstöcke… aber was es hier daraus gemacht hat, ist sehr anerkennenswert… Das Holz gibt dem Wein Schmelz und sogar ein wenig Tiefe und Komplexität, soweit das eben bei Solaris möglich ist. Tatsächlich haben wie die 0,5l- Flasche (mit einem bemerkenswerten, langen und teuren Kork verschlossen!) sogar ausgetrunken! Ganz ohne Schmerzen, sogar mit ein bisserl Vergnügen! Weiter so, das kann was werden, wenn der Klimawandel Australien erst unbewohnbar gemacht hat…. Also Kompliment, dieser Wein hat unseren vinologischen Elch-Test bestanden! Top.