• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Sardische Cuvée und Winkeler Eiche

Sella e Mosca, Alghero, Sardinien

2009 Tanca Farra

... Erfahrungen mit sardischen Weinen? Bislang null, aber dieser Wein gibt jeden Anlass, sich näher damit zu beschäftigen. Ein gehaltvoller Roter, der die Wärme und Sonne eine wunderbaren Insellandschaft widerspiegelt. Reife, schön eingebundene Tanine, viel Tabak und Pfeffer, dazu kräuterige Noten, Brombeere und Kirsche, langer Nachhall, hinterlässt ein wohliges Gefühl in Magen und Kopf, brillant! Mehr davon!

Quercus von Allendorf, Winkel

heißt Eiche und steht bei Allendorf für einen gehaltvollen Pinot burgundischer Art aus den besten Barriques. Eine moderierte Themenweinprobe im stimmungsvollen Weingutskeller ergab jetzt die Gelegenheit zur einer Vertikale der besonderen Art… Quercus ausgewählter Jahrgänge zwischen 2001 und 2012 und dazu die „Krone“, Quercus SUPERIOR, zwischen 1999 (!) und 2012.

Der Einstieg gelang perfekt mit einem 2001 Quercus, der von Tabak-, Leder- und Cassis-Aromen geprägt war und einen ungemein „runden“ Eindruck hinterließ. 2007 hingegen mit expressiver Frucht und von einer besonders würzigen Art. 2008 hingegen recht verhalten und deutlich im Nachteil gegenüber den Brüdern aus den wärmeren Jahren. Besonders elegant spielt sich 2012 in den Vordergrund, 2009 aus der Doppelmagnum erfüllte die hochgesteckten Erwartungen….. Meine Favoriten des Abends waren der 2006er Superior der sich als ungemein samtig, voll, reif und schmeichlerisch erwies. Ein Wein für den Platz auf dem Eisbärenfell vor dem lodernden Kamin, exzellent! Ähnlich gut aber ganz anders 1999 mit betörenden Aromen roter Beeren und großartiger Finesse. 2012 Superior noch zu jung, aber das Potential scheint enorm.

und hier noch mehr aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Abteihof, Johannisberg

2009 Johannisberger Hölle Spätburgunder Barrique – auf dem Höhepunkt erwischt, reif, voll, dunkle Beerenfrüchte

Weingut Johannishof, Johannisberg

2012 Riesling Charta – immer eine Bank, immer gut !

Hessische Staatsweingüter

2013 Weißburgunder Hessische Bergstraße – ordentlich, aber nicht aufregend!

Chateau Cos d´Estournel rauf und runter... eine geniale Verkostung im privaten Kreis auf Weingut Robert Weil in Kiedrich: 1970 Magnum und alle Jahrgänge lückenlos von 1985 bis 2005, das gibt es nicht alle Tage…

Großartige Weine im Keller liegen zu haben, das gibt ein gutes Gefühl. Doch wann trinken? Auf dem Höhepunkt? Oder sie den Erben hinterlassen? Der Eltviller Weinenthusiast Michael Felzer hat die wohlüberlegteste aller Entscheidungen getroffen: Die allerbesten Weine zusammen mit guten Freunden zu trinken und damit ein Weinerlebnis der besonderen Art zu kreieren. Zur Nachahmung wärmstens empfohlen. Über Cos müssen nicht viele Worte verloren werden: 1812 von Louis-Gaspard d´Estournel gegründet, 1855 in den Rang eines Deuxieme Cru erhoben, mehrfache Besitzerwechsel. Fast ausschließlich Cuvées aus Cabernet Sauvignon und Merlot, rund 90 Hektar Rebfläche, vornehmlich Kiesböden. Die Weine werden bisweilen als dicht und streng beschrieben, aber wegen ihrer Tiefe, Frucht und Komplexität zur Recht gelobt. Die großen Jahrgänge brauchen eine Lagerzeit von zwei Jahrzehnten oder mehr… und jetzt endlich ans Eingemachte:

Set 1: die Jahrgänge 1985 bis 1989

aus der Phase vor der „Parkerisierung“ der Bordeaux-Weine und noch vor den spürbaren Wirkungen des Klimawandels. Das Trio der ungeraden Jahrgänge wirkt deutlich subtiler und beeindruckender als 86 und – eher untypisch schmeckend - 88. Ein Ausreißer und eine absolute Überraschung ist 1985: wunderbares, expressives Bukett, sehr weich, ein bisserl mollig. feine Würze paart sich mit großer Eleganz, für Cos eher untypisch, aber für mich ein „auf dem Bärenfell vor dem lodernden Kaminfeuer liegen“-Wein.

Besser gefiel in dieser Gruppe lediglich 1987 mit pikanter Säure, großer Würze und tanninstarker Präsenz am Gaumen. Ein großer Bordeaux von komplexer Tiefe. 1989 hingegen von sehr herber Natur, ein würziger Charakterkopf mit langem Nachhall. 1988 hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck, der Wein „fremdelt“ in diesem Flight. 1986 mit sehr markanter Säure, sehr würzig, Tabak und Leder, wirkt schlanker als er ist, und hier gilt wie bei jedem Vergleich: der Bessere ist stets der Feind des Guten.

Set 2: die Jahrgänge 1990 bis 1994

1990 einfach grandios. Schokolade und Tabak am Gaumen, feine Tannine, dieser Wein zeigt Grandezza auf dem Punkt, dicht, komplex, elegant. Druckvolle Cuvée, ein Bordeaux von der feinsten Art. Der Nachbar aus dem unterschätzten Jahrgang 1991 wirkt auf den ersten Schluck wie ein Leichtgewicht, aber dann überzeugt der hohe Trinkfluss. Fein und elegant. Wohl dem, der diesen Wein für einst kleines Geld gekauft hat. Meines Erachtens jetzt auf dem Höhepunkt. Gegen diese beiden Weine haben es die übrigen schwer. 1994 wirkt mit einer eindimensionalen Fruchtfülle breit und marmeladig. Es fehlt die Präzision. 1993 wirkt ein wenig matt trotzt prägnanter Säure, aber auch leider eine leicht pilzige Note. 1992 mit gutem Zug aber Gaumen, Frucht und Länge, aber auch reichlich Gerbstoff, der dem Wein eine harte, raue Note gibt.

Set 3: die Jahrgänge 1995 bis 1990

Dieser Flight hat mit dem Jahrgang 1996 für mich einen klaren Sieger. Ein Wein mit großer Fülle und feinem Aromenspiel, betörender Frucht, samtiger Eleganz und langem Nachhall. Die Säure verleiht ihm Rasse und Lebendigkeit. Große Trinkfreude zeichnet auch 1995 aus, während die kleineren Jahrgänge 1997 und 1998 im direkten Vergleich leider nicht recht überzeugen können. Auf der Zunge macht sich eine neue Stilistik bei Cos nach dem Eigentümerwechsel bemerkbar. Vor allem 1997 tendiert mit marmeladigen Noten in Richtung Syrah, präsentiert sich aber auch recht kantig und rauh. 1999 zeigt eine gewisse Beliebigkeit. Das ist alles andere als ein Charakterkopf, eher unentschlossener Mainstream.

Set 4: die Jahrgänge 2000 bis 2005 (plus 1970 Magnum als Finale)

der geschlossenste und zugleich schwierigste Flight. Die Jahrgangsunterschiede fallen geringer aus, die Weine werden internationaler, „dicker“ und wirken alkoholstärker. Man könnte diese Weinfolge als „homogener“ loben, aber auch als „uniformer“ tadeln. 2005 ist ohne Zweifel der „Hammer“. Wenn auch noch zu jung ist dieser Wein von opulenter Kraft und Finesse, am Gaumen fest, aber mit einer geschmacklichen Tendenz zu Syrah. Diesem Wein steht noch eine lange Zukunft bevor. Das gilt auch für 2003 aus der Magnum. Ein Cos der als dicht und dick zu beschreiben ist. Das Geschmacksbild ist ein typisches Resultat der heißen Jahrgänge im Bordeaux. Die konzentrierte Fülle geht ein wenig zu Lasten der Eleganz. Mein persönlicher Favorit ist 2001, der gerade jene Eleganz und Leichtigkeit ausstrahlt, die Trinkfreude generiert. In diesem Set hat es der dicht, kompakte und druckvolle 2000er schwer, seine Stärken auszuspielen, doch für mich ist auch 2000 ganz groß. 2002 dagegen „pelzig“ und wenig aufregend, 2004 geht in diesem Konzert völlig unter.

Zum Finale dann 1970 aus der Magnum: Was soll ich sagen? Vielleicht einer der besten 1970er aus dem Bordeaux, die ich bislang getrunken habe (zugegeben, das sind nicht sehr viele…), aber meine Literaturrecherche belegt, dass Cos für diesen schwierigen Jahrgang wohl das richtige Händchen hatte…. und die Probe belegt es. Ein großartiger Wein von immer noch strahlender Filigranität, eher leicht, beschwingt und fein. Wow und großen Dank an Michael Felzer… was für eine gute Entscheidung.