• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

VDP Große Gewächse Riesling 2013

164 VDP-Weingüter stellen in diesem Jahr 502 Große Gewächse vor, darunter 283 Rieslinge…. ein hartes Stück Arbeit für 200 Weinfachleute im Kurhaus Wiesbaden, dem ich mich aber nicht in aller Ausführlichkeit und Vollständigkeit unterzogen habe. In diesem Jahr galt meine Konzentration allein den Rieslingen von Mosel, Mittelrhein, Saale-Unstrut, Nahe, Baden und Württemberg.. den Rheingau natürlich nicht vergessend…. insgesamt viel Säure, viele pikante, nervige Weine, dafür weniger „fette“ Brocken im Glas, teils moderate Alkoholgehalte... ein Jahrgang für die Könner unter den Winzern...

Mosel

Großartig. Nach diesem Urteil in einem Wort könnte ich schon aufhören, aber unter dem Strich hat mich die Region mehr als überzeugt. Natürlich mit Unterschieden. Ganz vorn mit dabei ist Heymann-Löwenstein mit dem Uhlen Blaufüsser Lay… Länge, Fülle, Geschmack… von allem jede Menge. Loosens Prälat fällt ebenfalls in diese Kategorie, elegant, spannend, komplex… damit könnte ich mich den ganzen Abend beschäftigen…. (übrigens auch Lay und Würzgarten sind absolut grandios!) von Clemens Busch gefällt Marienburg „Fahrlay“ außerordentlich, von Fritz Haag die „Juffer-Sonnenuhr). Und den heutigen Abend würde ich am liebsten mit dem Goldtröpfchen von Reinhold Haart verbringen.

Mittelrhein

Die zarte, filigrane Eleganz dieser Weine ist faszinierend. Zum Wiedererstarken dieser Region habe ich eben erst in der FAZ berichtet. Eine kurze Weinreise in diesem Sommer brachte nachdrückliche Aha-Erlebnisse. Sie wurden jetzt bestätigt. Ratzenbergers „Wolfshöhle“ und der „Hahn“ von Toni Jost, das sind meine beiden Favoriten, die eine finessenhafte Leichtigkeit ausstrahlen, wobei auch der Oelsberg von Lanius-Knab sehr beachtlich ist…

Nahe

In diesem Jahr steht die Nahe wieder einmal geschmacklich auf einem perfekten Platz zwischen Rheingau und Mosel. Hut ab vor dem Pittermännchen von Armin Diel, aber phänomenal gut gefielen auch der Pittersberg von Kruger-Rumpf und das Felseneck von Prinz Salm. Mit seiner Hermannshöhle bestätigt Dönnhoff seine außerordentliche Stellung an der Nahe… filigran, elegant und mit gutem Zug am Gaumen… zum Reinknien. Die expressiven Sponti-Noten sind bekanntermaßen nicht meine favorisierten Aromen (wer schnüffelt sich wirklich gerne durch faule Eier – wenn es nicht gerade JJ Prüm ist…???), aber dennoch: Schäfer-Fröhlichs GGs sind sehr beeindruckend, obwohl ich jeweils im direkten Lagen-Vergleich (Frühlingsplätzchen und Halenberg) dann doch für Emrich-Schönleber votiere…. sorry!

Baden

Ja, Baden ist Burgunderland und ich trinke dort vor Ort stets nur Weiß- und Grauburgunder, Pinot und Chardonnay, doch sie können auch Riesling… Auf Dr. Hegers Schlossberg lasse ich nichts kommen, ein fester, sehr guter Wein mit Zug am Gaumen. Doch auch der Mauer-Wein von Schloss Neuweier und der für mich bislang völlig unbekannte „Fyerst“ von Konrad Schlör nötigen demjenigen Respekt ab, der Riesling sonst am liebsten allein von Rhein und Nebenflüssen trinkt.

Württemberg

Die Schwaben haben 3x so viele Riesling GGs auf die Beine gestellt wie die Badener, und wer sie probiert, weiß warum. Zwar erscheinen viele auf den ersten Schluck recht kernig, nervig und säurebetont, doch die Substanz und Mineralität überzeugt am Ende doch. Ich mag vor allem Haidles Pulvermächer, Aldingers Bergmandel, Wöhrwags Kreidenstein und Schnaitmanns Götzenberg.

Saale-Unstrut

Das Weingut Pawis aus Freyburg bleibt in Wiesbaden der einsame Ost-Reiter…. der Wein selbst gefällt, kann aber nicht mit den Weißburgundern mithalten, die mich unlängst bei einer Probe auf dem Weingut selbst sehr überzeugt haben.

und der Rheingau?

Heimspiel… ja…. ich mach kein Hehl daraus, dass ich Kesslers Schlossberg, Weil´s Gräfenberg und die Jungfer von Prinz aktuell ganz oben sehe…. dazu gibt es jede Menge „Extremisten“ für „Spezialisten“, auch für Böckser- und Sponti-Süchtige, unter anderem für die Fans von Kühn und Knyphausen…. Ich ziehe geradlinigere Tropfen wie die von FB Schönleber, Allendorf, Jakob Jung und Johannishof vor… aber ich liebe auch die neue Linie von Ress und von Spreitzer und freue mich über stets verlässliche Erzeuger wie Wegeler und Künstler... und natürlich auch Schloss Johannisberg Silberlack... sehr gut!