• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Erste Gewächse Rheingau 2013

Im frisch restaurierten, historischen Hilchenhaus von Lorch haben die Rheingauer Nicht-VDP-Erzeuger ihre „Ersten Gewächse“ des Jahrgangs 2013 vorgestellt. Ein Ergebnis vorweg: So heterogen diese Gruppe ambitionierter Winzer im Hinblick auf ihre Philosophie und ihre Vertriebswege ist, so ambivalent war das Ergebnis der Verkostung. Das Spektrum reichte von großartigen Gewächsen bis zu „trockenen Spätlesen“, die offenbar nur mit viel Augenzwinkern die Anerkennungsproben überstanden haben. Über diese bereiten wir heute den Mantel des Schweigens, aber meine Punkteskala reichte von 80 bis 91. Langfristig aber ist solche Toleranz bei der Zulassung der EG schädlich für das Renommee des Gesamtprodukts. Einige Weine sind zudem für meinen Geschmack einfach zu süss geraten… da fehlt es am Leitbild eines großen trockenen (!) Rieslings… Manche Namen habe ich überdies schmerzlich vermisst (Himmel, Koegler, Speicher-Schuth, u.a.). Ein Abschied für immer? Sehr schade und kaum verständlich, dass etliche Weine auf der Liste waren, dann aber doch nicht zur Verkostung anstanden (Reinhartshausen, Dienst, Ernst). Und nun ans Eingemachte und die besten vorweg:

Der Hammer: Altenkirch 2013 Lorcher Pfaffenwies – ein Traum von Riesling mit unverkennbarer Herkunft, enormem Trinkfluss, eleganter Mineralität, guten Körper und feinen Schiefernoten… Kaufen !

Das Schlachtschiff: Schloss Schönborn 2013 Pfaffenberg – sehr gute Kombi aus Finesse und Kraft mit guter Struktur und Säure… ein Knaller

Der No-name: Sack 2013 Hochheimer Hölle … der Beste aus Hochheim mit klarem Vorsprung, sehr animierend, fest, fein balanciert, gute Säure, lecker

Die Überraschung: Schumann-Nägler 2013 Rothenberg…. nach dem genial-guten Rothenberg von Wegeler vorm Vortag muss ich mich unbedingt noch näher mit dem Potential dieses Weinbergs beschäftigen, sehr druckvoller Charakterwein mit Ecken und Kanten, aber guuuut.

Der Rote: Altenkirch 2012 Pfaffenwies Pinot Noir – superfein mit großer Zukunft

Ansonsten gilt: Der Bessere ist der Feind des Guten, und zu den SEHR guten zählen auch Mohr mit einem wunderbar mineralischen Bodental-Steinberg, Sohns und Goldatzel jeweils mit trinkfreudiger Finesse aus dem Kläuserweg sowie der Jesuitengarten von Johannes Ohlig. Nicht zu verachten auch Bauschs Engelmannsberg und das Schützenhaus aus dem Weingut von Stefan Molitor.

Mittelfristig müssen sich die Nicht-VDPler Gedanken machen, wie es mit den Ersten Gewächs weitergehen soll und ob nicht doch ein „Rheingau GG“ der richtige Schritt gewesen wäre… zudem muss ein homogeneres Leitbild auch für die Prüfgruppe her, was ein EG ist und wie es idealerweise schmecken sollte…. auch wenn damit Ärger programmiert ist…