• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Wem gehört Schloss Reinhartshausen?

Das Luxushotel Schloss Reinhartshausen in Eltville-Erbach hat neue Eigentümer. Diese wollen namentlich nicht genannt werden und verstecken sich hinter diversen Firmen, aber sie haben große Pläne. Schloss Reinhartshausen soll wieder in die Reihe der führenden deutschen Hotels zurückkehren und ein glänzendes Aushängeschild des Rheingaus werden. Dazu wollen die neuen Eigentümer nicht nur einen nicht näher genannten Betrag in die Auffrischung des bestehenden Schlosshotels stecken, sondern durch einen großzügigen Erweiterungsbau die Zahl der Zimmer von gegenwärtig 63 auf 127 mehr als verdoppeln. Dem Vernehmen nach hat eine kleine Gruppe deutscher Investoren unter Führung eines Wiesbadener Unternehmers das Haus Ende Februar übernommen. Es gehörte bis dahin einer Gruppe von Investoren unter der Führung des verstorbenen Unternehmers Dieter Bock. Diese Gruppe hatte sich schon im vergangenen Frühjahr von dem bis dahin mit dem Hotel eng verbundenen Weingut Schloss Reinhartshausen getrennt und es mitsamt der Rheininsel Mariannenaue an die Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller veräußert – das mit dem Wechsel (zunächst?) seine VDP-Mitgliedschaft verlor. Das Hotel litt in der Vergangenheit unter einem längeren Investitionsstau, einer Dominanz des Saisongeschäfts zwischen Mai und Oktober sowie unter einer zu geringen Zahl von Zimmern. Das soll sich nun ändern. Den wirtschaftlichen Durchbruch zu befriedigenden Auslastungszahlen von mehr als 70 Prozent soll der millionenteure Anbau mit Ballsaal bringen. Mit 127 Zimmern erreicht das Haus eine wirtschaftlich vernünftige Größe für ein Fünf-Sterne-Haus, heißt es. Derzeit müsse das Hotel rund ein Drittel aller Zimmeranfragen von Gruppen, Agenturen und Unternehmen abschlägig bescheiden. Mit seinem neuen österreichischen Küchenchef Felix Hafner will das Haus auch als gastronomischer Anziehungspunkt stärken auftreten. Mittelfristig vielleicht sogar mit einem Stern.

Nachrichtenticker

Konzentrationsprozess

Der Konzentrationsprozess im deutschen Weinbau setzt sich unvermindert fort. Wie das Deutsche Weininstitut (DWI) auf der Basis aktueller agrarstruktureller Daten mitteilt, hat sich die Zahl der Weingüter zwischen 2003 und 2013 von 29.200 auf 18.700 Betriebe verringert. Die Rebfläche von rund 100.000 Hektar blieb unverändert. Dieser Konzentrationsprozess sei nahezu ausschließlich darauf zurückzuführen, dass Betriebe mit weniger als einem Hektar Rebfläche ihre Weinberge an andere Trauben- oder Fassweinerzeuger und selbstvermarktende Weingüter abgegeben hätten. Entsprechend sei in dem Zehnjahreszeitraum bis 2013 der Anteil von Weingütern mit mehr als fünf Hektar Rebland von 20 auf 32 Prozent angestiegen und der Anteil der Kleinstbetriebe von 43 auf 27 Prozent gesunken. (Quelle: DWI)

Die richtige Hefe finden

Service für die Winzer: Ab 1. September listet der „Geisenheimer Hefefinder“ des Instituts für Mikrobiologie und Biochemie der Hochschule Geisenheim aktuell verfügbare Reinzuchthefestämme auf. Mit Hilfe dieses kostenlosen Internetportals (www.geisenheimer-hefefinder.de) kann jeder Nutzer auf Basis spezifischer Daten zu seinen Trauben und Mosten individuell die für die Vergärung geeigneten und kommerziell erhältlichen Trockenreinzuchthefen ermitteln.

Erntemenge geringer

Deutlich geringere Erträge aus der letztjährigen Traubenernte in den beiden hessischen Weinanbaugebieten meldete das Regierungspräsidium Darmstadt nach Auswertung der r Erzeugermeldungen. So ergibt sich für den Rheingau ein Durchschnittsertrag von 59,85 hl/ha und für die Bergstraße von 50,39 hl/ha. Unter Beachtung der aktuellen Ertragsrebfläche im Rheingau von 3.098 Hektar ergibt dies eine Gesamterntemenge von 18.542.935 Liter und an der Hessischen Bergstraße bei einer Ertragsrebfläche von 436 Hektar von 2.194.439 Liter. Dies bedeutet gegenüber dem Erntejahr 2012 im Rheingau ein Minderertrag von 20,37 % und an der Hessischen Bergstraße von 28,20 %. (Quelle RP Darmstadt/ Weinbauamt Eltville) 

Wieder einmal Südafrika

Aurelia Hamm sei Dank! Mit guten Abstand zu ihrem Praktikum bei Dornier in Stellenbosch ergab sich die Gelegenheit, gemeinsam mit anderen Weinnasen in Erinnerungen an Südafrika zu schwelgen und einige markante Tropfen zu verkosten. Einmal mehr zeigt sich im Sauvignon blanc, wie gut ihm die Sonne und Wärme tut…. Da sind auch die besten Erzeuger in Deutschland in vielen Jahren noch weit davon entfernt, weil dem SB hierzulande dann einfach die „Überreife“ fehlt… Noch können nur wenige Shiraz mit den besten aus Australien mithalten, aber die Fortschritte mit dem Flagship Wein Südafrikas (der bei etlichen Weingütern inzwischen die Rolle des Bordeaux blend übernommen hat, sind schmeckbar. Das lässt noch einiges erwarten (auch wenn mein Herz weiterhin für den Pinotage schlägt! Und nichts geht über Kanonkop! )

Fryer´s Cove: 2013 Bay to Bay Sauvignon blanc

ein Wein von kühler Salzigkeit, zurückhaltende Eleganz, verhalten aber mit Finesse

Delaire Graff: 2012 Sauvignon blanc

zu Recht unter „Top SA 100“, expressive Aromen, dicht, voll, konzentriert, wild…

L`Ormarins – Cape of Good Hope 2013 Altima Sauvignon blanc

recht ordentlich, viel Stachelbeere und Minze sowie grüne Kräuter, gute Länge und Fülle

Zevenwacht: 2011 Primitivo

sehr fruchtig, elegant, aber wenig südafrikanisch, der Wein hat von allem ein wenig zu viel, vor allem Alkohol

Tokara: 2011 Shiraz

bin eigentlich ein Tokara-Fan, aber dieser Shiraz schwächelt ein wenig, verhalten, verschlossen

La Motte: 2009 Shiraz

ein Hammer! sehr komplex, mit Ecken und Kanten, gute Struktur, tiefgründig, top !

Avondale: 2001 Shiraz

sehr gut gereift aber jetzt schon knapp am Höhepunkt vorbei, viel Schwarzkirsche und rote Beeren, nicht marmeladig, klasse Wein zum Schokoladenkuchen!

Longridge: 2008 Chardonnay

sehr cremig und samtig, viel Zitrus und Vanille, nicht zu fett, Eleganz und Trinkfluss, animierender Wein! Ein Zwangsstopp bei der nächsten Südafrika-Tour !

Musikalisch-literarische Weinprobe

Alles hat seine Zeit. Wolfgang Schleicher, einst Domänenrat auf Schloss Johannisberg, hat die Moderation der musikalisch-literarischen Weinprobe im Zuge des Musik Festivals an Teresa Breuer abgegeben. Zum Abschluss gab es einen schönen Abend im Dormitorium von Kloster Eberbach, und Schleicher beherrschte einmal mehr auf seine unnachahmliche Art mit Anekdoten aus seiner Zeit auf dem Schloss den Saal. Man wird ihn vermissen! Fürs Publikum gab es dazu neben Brot und Wasser diese Weine…

Weingut Georg Breuer, Rüdesheim

2012 Rüdesheim Estate – kernig, fruchtig, erfrischend, Säure satt

2012 Terra Montosa nervig, wirkte überraschend reif, cremig, voll

2011 Riesling Auslese – es fehlte die Säure und Strahlkraft der trockenen Breuer-Weine

Weingut Schloss Vollrads, Winkel

2012 Alte Reben Riesling trocken – der Spätlese-Ersatz des VDP –Weinguts aus keineswegs richtig alten Reben, aber dennoch von kühler, salziger Aromatik mit Finesse

2013 Riesling Kabinett feinherb – süffig-saftiger Alltagswein

Weingut Schloss Johannisberg, Johannisberg

2013 Grünlack Riesling Spätlese – viel zu jung, aber guuuuuuuuuuuuuut !

Weingut Kloster Eberbach Hessische Staatsweingüter

2013 Wiesbadener Neroberg Riesling trocken Crescentia – streng, reißt schnell ab, hinterlässt einen Hauch von Bitternis

Weingut G.H. von Mumm, Johannisberg

2013 Roter Riesling feinherb – einen Tick zu süß, aber guter Trinkfluss, feinfruchtig

Aus dem Verkostungstagebuch

Hupfeld, Oestrich

2012 Weißer Burgunder trocken

2012 Winkeler Hasensprung Riesling Kabinett trocken

2012 Winkeler Jesuitengarten Riesling Spätlese trocken

Am schönen Mittelheimer Weinprobierstand sind mit diese drei trockenen Weißweine von Hupfeld auf die Zunge gekommen, und ich gebe ich zu, ich war positiv überrascht von reintöniger, feiner Frucht und mineralischer Eleganz.

Weingut Clüsserath-Weiler, Trittenheim

2008 Riesling HC – absolut überzeugend gereift, finessenreich, lecker

Weingut Flick, Wicker

2013 Riesling Königin Victoriaberg – sehr überzeugend, feine Frucht, Finesse, Klasse !

Weingut Keßler, Martinsthal

1990 Eltviller Sonnenberg Riesling Auslese – Karamell, Trockenfrüchte, angenehmer Reifeton

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Simon-Bürkle, Zwingenberg

2010 Auerbacher Rott Grauburgunder Spätlese trocken

es muss schon ein guter Grauburgunder sein, der mich überzeugt und Trinkfluss entfaltet, aber dieser gehört dazu. Vom (vielleicht noch immer?) besten privaten Weingut an der Bergstraße ein überzeugender Wein, der durch die vierjährige Reife an Charakter und Trinkfreude gewonnen hat. Zeigt jetzt viel Schmelz und Länge, schöne Cremigkeit, fest am Gaumen und ideal zu vielen Speisen… so macht Bergsträßer Wein richtig Spass !

Weingut Höhn, Dotzheim

2013 Cuvé R+S – sehr fest, guter Trinkfluss, fein balanciert

2013 Chardonnay – auch ohne Holz ein guter Chardonnay, gute Strukur und Länge

2013 Frauensteiner Herrnberg Blanc de Noir trocken – kräftig, würzig, gut

2013 Schiersteiner Hölle Späbu Weißherbst trocken – klasse Wein für jeden Tage und viele Gelegenheiten

Weingut Kaspar Herke, Oestrich

2013 Silvaner Alte Reben trocken – Bitternis im Abgang, unharmonisch

2013 Blanc de Noir trocken – na ja, nicht wirklich ein Genuss

2013 Riesling Classic – ok

2013 Oestricher Gottesthal Riesling halbtrocken – soll das wirklich ein Lagenwein sein?

Die Schänke ist seit dem vergangenen Jahr an Familie Rook verpachtet, die Speisekarte ist recht ansprechend (der Service ein wenig überfordert), die Qualität gut, aber beim Wein ist keine klar aufsteigende Tendenz zu erkennen…

Hessische Staatsweingüter, Eltville

2009 Steinberg Riesling trocken

ein sehr gutes Beispiel, wie fein die 2009 jetzt allmählich schmecken !

Sperling geht

Die Spatzen pfiffen es schon ein paar Tage von den Dächern, nun ist es offiziell: Der Geschäftsführer des Rheingauer Weinbauverbandes, Harald Sperling, geht (oder muss gehen….?!? ) Natürlich ist die Sprachregelung in solchen Fällen stets arbeitnehmerfreundlich-höflich: Man hat sich „einvernehmlich geeinigt“, den bis Jahresende 2014 laufenden Vertrag nicht zu verlängern. Hinter den Kulissen soll es aber einige Male ordentlich gekracht haben…. Mit solchen Personalentscheidungen hat der Verband Erfahrung: Das erging Sperlings Vorgängerin, Nadja Zohm, nicht anders. Der Wirtschaftsjuristin war zum Jahresbeginn 2005 nach kurzer Tätigkeit ohne Angaben von Gründen vom damaligen Verbandspräsidenten Klaus-Peter Keßler gekündigt worden. Keßler war damals ein Jahr im Amt. Schon März 2005 stellte der Verband den damals 39 Jahre alten Agraringenieur Sperling als Nachfolger vor. Sperling hatte zuvor für das Deutsche Weininstitut in Mainz und als Referent beim Deutschen Raiffeisenverband in Bonn gearbeitet. Ein Dank an Sperling ist in der knappen Mitteilung des Verbands nun nicht enthalten, auch nicht die Ankündigung einer Neuausschreibung der Stelle. Vielmehr ist nebulös davon die Rede, Verbandsarbeit und Weinwerbung neu zu strukturieren, ggf. in Abstimmung mit Rheingau-Taunus Kultur und Tourismus GmbH und dem Zweckverband Rheingau. Ziel des Weinbauverbands und seines Präsidenten Peter Seyffardt sei es, von 2015 an „mit einer klaren Strategie“ die Region weiterzuentwickeln, heißt es. Wir sind gespannt, wie diese Strategie aussieht…

Aus dem Verkostungstagebuch

Schloss Reinhartshausen, Erbach

2013 Rosé trocken – könnte in der Farbe noch ein wenig lachsheller sein, aber guter Sommerwein, erfrischend, lecker, und wirft die Frage auf, warum um Himmels willen im Rheingau so viele Weißherbst halbtrocken ausgebaut werden… die meisten schmecken fürchterlich. Der super-trockene und zugleich leckere Rosé bleibt eine Kunst….

Weinkellerei Brackenheim, Württemberg

2013 Neipperger Steingruber Spätburgunder Weißherbst Kabinett… braucht weder Lage noch „Kabinett“ auf dem Etikett, dafür ne hellere Farbe, aber für einen Genossenschaftsrosé geschmacklich ohne Fehl und Tadel, viel Himbeer und Erdbeer, eiskalt am Mittag zu gegrilltem Schwein… passt !

Tokara, Stellenbosch

2013 Elgin Sauvignon blanc Reserve Collection – saugut, so muss junger SB schmecken!

Benzinger, Pfalz

2013 Kreuz Sylvaner Alte Reben – druckvoll, mineralisch, satter Abgang, viele Freude am Gaumen

Weingut Robert Weil, Kiedrich

2004 Gräfenberg Eiswein – kühl, frisch, typische Eisweinaromen, belebende Säure

Newsflash

Best of Riesling – Rheingau räumt ab!

Gratulation nach Johannisberg: Beim Wettbewerb "best of Riesling" hat das Weingut Goldatzel mit seiner süffigen 2013 Winkeler Hasensprung Riesling Spätlese halbtrocken in der Kategorie „halbtrocken“ gesiegt ! Ein Erfolg, der kein Ausreißer ist! In der Kategorie trocken gewannen die Staatsweingüter mit einem 2012 Rüdesheimer Berg Schlossberg Riesling Großes Gewächs und in der Kategorie fruchtig kam der 2013 Hochheimer Daubhaus Riesling Qualitätswein mild aus dem Weingut Schilling in Mainz-Kostheim auf Rang 1. So gut hat der Rheingau schon lange nicht mehr abgeschnitten.

Mega, Traumhaft, Weinselig

Einfach, Gut. Persönlich“… so war das Sommerfest von Weingut Weil, FINE und XLS in Kiedrich überschrieben, aber „Mega, Traumhaft, Weinselig“…. wäre wohl treffender gewesen. 600 gut gelaunte Gäste wurden verwöhnt… das Weinbuffet mit 27 Tropfen war eine echte Herausforderung bei 35 Grad, und das waren meine Favoriten:

2003 Chateau Haut-Batailley – ein Gigant, weich, harmonisch, superb !

2007 Chateau Phelan-Segur – überzeugend, wenn auch noch zu jung, fordernd

2008 La Sirene de Giscours von Chateau Giscours – phänomenal lecker, komplex

2011 Pesquera Tinto Crianza – von einem höchst freigebigen, freundlichen Herrn Hernandez persönlich mehrfach nachgeschenkt….. imposante Frucht und Tiefe, klasse

2013 Dönhoff Tonschiefer Riesling – an diesem Abend mein Lieblingsdeutscher… knapp vor

2013 Kiedrich Turmberg VDP Erste Lage – Turmberg, das ist MEINE Lage…. !

2013 Fritz Haag Brauneberger Kabinett – gut zu den Gambas, sonst a bisserl zu süss

2013 Gobelsburger Grüner Veltliner Kamptal DAC von Schloss Gogelsburg… mein Lieblings-Ösi des Abends, knapp vor 2012 GV Liebenberg Smaragd von F.X. Pichler

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Prinz Salm, Wallhausen

2007 Berg Roxheim Riesling GG – schon sehr reif, aber gute Fülle und Länge

Waterkloof Winery, Stellenbosch

2010 Circumstance Sauvignon blanc – großartig, kühle Mineralität, viel Feuerstein

Weingut Schloss Schönborn, Hattenheim

1999 Hattenheim Pfaffenberg Riesling 1. Gewächse – leider mit Korkschmecker, wär aber wohl sonst ziemlich gut gewesen….

Weingut Peter Jakob Kühn, Oestrich

2005 Amphore Riesling trocken Tafelwein Rhein – fast ohne Frucht, aber großer Spannungsbogen, komplex, sehr tiefgründig, polarisierend, fordernd!

Weingut Wasem, Ingelheim

2013 Chardonnay trocken – sehr fest, gut

2011 Spätburgunder Ingelheimer Pares trocken – fehlt ein wenig an Fülle

Weingut Wittmann, Westhofen

2012 Westhofener Riesling trocken – sehr alkoholreich, strammer Bursche, fordernd

Langwerth von Simmern, Eltville

1997 Hattenheimer Nussbrunnen Kabinett trocken aus dem Keller von Langwerth von Simmern… was für ein Erlebnis! Wo? Natürlich im Hattenheimer „Zum Krug“, wo Familie Laufer im Keller nach wie vor viele Schätzchen hortet. Es ist daher immer die beste Idee, Laufer bei der Weinauswahl freie Hand zu lassen. Das zeigte sich schon zum Einstieg mit dem 1999er Hallgartener Riesling „R“ des Fürst von Löwenstein´schen Weinguts, das sich leider aus dem Rheingau weitgehend wieder verabschiedet hat. 1999 aber war der Elan im frisch renovierten Gutshaus noch groß, und das schmeckt man bis heute. Zwar wies der Wein eine gewisse trockene Strenge auf, aber das minderte den Genuss nicht. Noch erstaunlicher aber der „kleine trockene Kabinett“, auch wenn der Nussbrunnen eine Spitzenlage ist und Langwerth von Simmern nicht umsonst und völlig zu Recht einen guten Ruf genießt. Ein Wein mit außerordentlicher Frische, Saftigkeitkeit und Eleganz, immer noch am Leben und ein klasse Begleiter zu allen Krug´schen Klassiker.

Im Markgräfler Land

Nicht nur auf die Gipfel von Belchen und Blauen führte diese kurze Schwarzwaldtour, sondern auch zu einigen Weinen des Markgräfler Landes, das „hinter“ dem Kaiserstuhl immer ein wenig um Beachtung kämpfen muss. Landschaftlich hat die badische Region aber ihre Reize…. und auf dem Gaumen auch.

Weingut Dörflinger, Müllheim

2013 Weißburgunder Kabinett trocken – klarer, süffiger Alltagswein mit Pfiff

2012 Spätburgunder trocken – solide Basisqualität

Weingut Zimmermann, Schliengen

2012 Angel Hill Chardonnay trocken – ein wenig zu holzbetont, keine Balance

2011 Angel Hill Syrah trocken – der Beste der Roten, fruchtig und elegant, süffig

2012 Angel Hill Cabernet Franc trocken – viel Würze, Tanin, Leder

2012 Angel Hill Merlot trocken – recht hart statt harmonisch

Weingut Lämmlin-Schindler, Mauchen

2012 Mauchener Frauenberg Chardonnay GG – komplex, cremig, elegant

2012 Mauchener Frauenberg Spätburgunder GG – sehr fruchtig, Tiefgang, Balance!

Lemberger vs. Blaufränkisch

Die vermeintliche Überlegenheit der österreichischen Blaufränkisch gegenüber den schwäbischen Vettern ist eine Mär. Ohne Zweifel ist die Qualitätsbreite bei Blaufränkisch in unserem Nachbarland phänomenal gut, aber in der Spitze können die besten deutschen Erzeuger mithalten… Das zeigte nicht nur diese bemerkenswerte Blindprobe mit Dirk Würtz und gilt nicht nur für diese Rebsorte. Ich erinnere mich gut an zwei Blindverkostungen, bei denen ich absolute deutsche Top-Spätburgunder eines sehr guten Jahrgangs gegen französische Top-Pinos (mit Ausnahme DRC…) verkostet habe… da standen sich Top-Erzeuger auf Augenhöhe gegenüber. So auch hier… nun die (meine!) Einzelkritik.

Schnaitmann: 2011 Bergmandel GG

gute Säure, viel Tabak, Würze und Holz, gepaart mit einem Pfund Kirsche, klasse Wein

Tinhoff: 2011 Gloriette

säurestark, ein wenig streng, aber komplex, reife Tanine, voll, viel Zug am Gaumen, großer Spannungsbogen, macht Lust auf mehr

Triebaumer x 3

2012 Ried Gmärk, 2011 Ried Marienthal und 2012 Ried Oberer Wald

Wow, so unterschiedliche Weine nur eines Erzeugers, das kann nur die Herkunft sein! Zwei davon (Gmärk und Marienthal) kamen zufällig verdeckt gemeinsam in einem Flight und hätten unterschiedlicher nicht sein können: hier elegante Würze mit viel Tabak und Tanin, dort expressive Aromen von Sauerkirsche und weiteren roten Beeren, üppig, betörend, langer Nachhall.. dennoch konnten mich alle drei nicht voll überzeugen

Ellwanger: 2011 Lichtenberg GG

ein Hammerwein, für mich 92 Punkte, geniales Bukett, laut in der Nase, schmeichelnd am Gaumen, super

Haidle: 2011 Mönchberg GG

der Superstar des Abends, 94 Punkte, Gänsehaut, perfekte Balance, toll strukturiert, komplex

Dautel: 2011 St. Michaelsfeder GG

ein schwieriger Wein, Gummi, ein Hauch von Aromaböckser, säuerlich… so die Kritiker am Tisch, doch dieser Wein polarisiert und findet auch überzeugte Anhänger… mich nicht !

Schneider: 2012 Blaufränkisch

kühle Minze in der Nase, saftig-elegant, modern aber nicht aalglatt, hoher Trinkfluss

Neipperg: 2011 Ruthe GG

deutsche Eleganz, gepaart mit Cassis, viel Frucht, als Deutscher leicht erkennbar, ist das ein Lob oder ein Tadel?

Wachter: 2011 Eisenberg Alte Reben

noch recht verschlossen, dicht aber alkoholisch, ohne besonderen Charakter

Nador: 2010 Blaufränkisch

sehr verhalten, recht rau und hart, lässt keine rechte Trinkfreude aufkommen

Aldinger; 2011 Bergmandel GG

sehr süffig und fruchtig, druckvoll, Trinkfreude, im deutschen Reigen aber schwächer

Muhr van der Niepoort: 2011 Spitzerberg

sehr verhalten, süffig aber wenig Charakter, wir sind nicht ganz sicher, ob die Flasche perfekt war….

Groszer Wein Blaufränkisch Szapary 2011

enttäuscht auf ganzer Linie, Aromaböckser, oxydativ, Flaschenfehler ?

Artner: 2011 Kirchweingarten Reserve

sehr holz- und taninbeladen, ein grober Wein, Ecken und Kanten, gefühlt viel Alkohol

FAZIT: Ich liebe guten Lemberger, auch wenn er Blaufränkisch heißt. Das Beispiel aus der Pfalz zeigt, dass der Wein auf guten, warmen (!) Lagen außerhalb Württembergs ein Potential hat, das sich auszuschöpfen lohnt. Als Alternative zu Pinots auf guten Böden und mit passendem Klima wäre das in Deutschland immer mal einen Versuch wert… !

 

Auf Verkostungstour im Mittelrheintal

Die Talsohle ist erreicht…. in jeder Hinsicht. Die über die vergangenen Jahrzehnte stetig zurückgegangene Rebfläche von aktuell 460 Hektar geht nicht weiter zurück. Es gibt einige neue Winzerinitiativen, die Etablierten sind so gut wie nie und selbst ausländische Investoren haben das Tal neu entdeckt. Eine Exkursion in die Welterberegion bestätigte, dass Mittelrhein-Weine im Konzert der deutschen großen Rieslinge sehr ernst genommen werden müssen…

Weingut Kauer, Bacharach

Das 3,5 Hektar große Öko-Weingut des Geisenheimer Professors Randolf Kauer ist für ihn mehr als nur ein Hobby, die Tochter steht für den Einstieg schon bald bereit, das ist noch mehr zu erwarten....

2013 Kauer Gutsriesling trocken - frisch, fromm, fröhlich, frei

2013 Bacharacher Kloster Fürstental Kabinett trocken – sehr fruchtig, elegant, Trinkspass

2013 Bacharacher Wolfshöhle Kabinett trocken – pikant, rassig, nervig, fordernd, komplex

2013 Oberweseler Oelsberg Spätlese trocken – sehr mineralisch, gute Balance, Tiefgang

2013 Bacharacher Kloster Fürstental Alte Reben – noch verschlossen, aber mit Zukunft

2012 Oelsberg & Fürstental… das gleiche Paar wie oben aus dem Jahrgang 2012… und wieder hat für mich der Oelsberg die Nase vorn

2013 Oelsberg Spätlese feinherb – saftig-süffig-lecker, „a Maul voll Wein“

2003 Oberdiebacher Fürstenberg Spätlese – top gereift, lebt von Frucht und Eleganz, klar, hell

Weingut Friedrich Bastian, Bacharach (Vesper im Grünen Baum)

2012 Bastian Riesling „fast“ trocken – sehr weich, ein Frauenversteher

2012 „Alde Fritz Riesling trocken – sehr gute Visitenkarte des Hauses, knackig

2012 Orion Steillage – sehr mineralisch, langer Nachhall

2010 Insel Heyles´en Werth feinherb – der süffige Inselwein

2010 Bacharacher Posten Riesling Großes Gewächs – mein Favorit, sehr gut, druckvoll

Weingut Ratzenberger, Bacharach

2012 Bacharacher Riesling trocken – viel Schmelz am Gaumen, stoffig, guter Zug

2012 St. Jost Riesling trocken – der starke „Zweitwein“ hinter dem GG, druckvoll

2011 St. Jost Riesling GG – sehr stoffig, voll, viele Birne und Mandarine, Powerwein

2011 Wolfshöhle GG – klasse! sehr expressiv im Ausdruck, laut, voll, gewaltig

2011 Posten Riesling Spätlese halbtrocken – ein perfekter Speisenbegleiter

2011 Wolfshöhle Auslese – Göttertrank! noble Süße, Honig, Orangenschale, Eleganz!

Weingut Toni Jost, Bacharach

Wir hatten das Glück, Bacharacher und Wallufer Weine im direkten Vergleich verkosten zu dürfen, spannender geht’s nimmer!

2013 Bacharacher Riesling trocken vs. Jodocus trocken – kernige Rassigkeit gegen finessenhafte Leichtigkeit!

2013 Devon S vs. Alte Reben – duftig-leicht oder steinig-mineralisch? Letzteres !

2012 und 2013 Bacharacher Hahn „Zweitwein“ – phänomenal gut

2011 Hahn GG vs. Walkenberg GG – fett, voll, dick oder elegante Finesse? Hahn!

2012 Hahn GG vs Walkenberg GG – komplexe Eleganz oder dichte Konzentration? Hahn!

Weingut Lanius-Knab, Oberwesel

2009 Engehöller Bernstein Riesling Spätlese trocken – gereift zur Perfektion, jetzt trinken!

Matthias Müller, Spay (feine Weine aus dem Bopparder Hamm)

2013 Blanc de Noir und 2013 Grauer Burgunder – die beiden Exoten, aber gut !

2013 Rheinschiefer Riesling – aus Bacharacher Lagen, gut

2013 Bopparder Hamm Riesling – der perfekte Gutswein für jeden Tag

2013 Bopparder Hamm Riesling Alte Reben – verspielt, komplex, elegant, mehr davon!

2013 die „S“-Reihe : Feuerlay, Mandelstein, Ohlenberg – die preisliche Abstufung der drei Einzellagenweine bleibt mir ein Rätsel, in jedem Fall hat für mich Feuerlay mit seiner Raffinesse und Komplexität sowie seinem eigenen Charakter die Nase vor!

2013 Engelstein Edition MM „S“ – tja, ein „stehen gebliebenes“ GG mit 12 g RZ genau das, was als „geschmacklich trocken“ das Ziel vieler Winzer und die Sehnsucht vieler Konsument ist, das Ganze auch noch zum abgestuften Preis! Zugreifen !

2012 Engelstein GG – hochfein, sehr präsent, voll, komplex, gute Länge

Weingut Florian Weingart, Spay

….leider geschlossen an diesem Tag…. wir kommen wieder !

Neues Weingut entsteht...

Selbst in einer geografisch eng begrenzten Weinregion wie dem traditionsreichen Rheingau ist die eigentlich überschaubare Weinszene in steter Bewegung. Weingüter werden verkauft (nicht nur bekannte Namen wie Hans Lang und Ottes) und ganz aufgegeben (bsp. Peter Ohlig, Antoniushof), was wiederum die Konzentration in der Region beschleunigt und erweiterungswilligen Betrieben neue Chancen eröffnet. Es werden aber auch immer wieder ganz neue Weingüter gegründet… (so wie Chat Sauvage schon vor etlichen Jahren)…. Nach der Fertigstellung der neuen Produktions- und Mehrzweckhalle in Hallgarten haben Christine und Peter Keßler ihr Ökoweingut der Öffentlichkeit offiziell vorgestellt. Beide stammen aus alteingesessenen Winzerfamilien (Manfred Bickelmaier Oestrich/ Klaus-Peter Keßler Martinsthal) und ziehen nun „ihr eigenes Ding“ durch. Ein mutiger, Respekt verdienender Schritt, der formal allerdings schon 2008 begann. 2010 wurde damalige „Hobbyweingut“ auf Öko „umgestellt“ wurde und seit 2011 gehört es dem Ökoverband Ecovin. Inzwischen ist die Rebfläche auf knapp vier Hektar gewachsen, und in Kürze werden es durch eine Weingutsübernahme sogar rund sieben Hektar. Damit sind allmählich die ernsthaften Ambitionen der Neugründung unterstrichen…. die Halle steht an prägnanter Stelle im traumhaften Ausblick! Ein Besuch lohnt. Bei den Weinen scheinen mir die nachhaltige Stoßrichtung und die Zielgruppe aber noch nicht ganz definiert, auch im Hinblick auf das Preisgefüge… aber noch ist das „Baby“ ja entwicklungsfähhig.

2013 Keßler Riesling bio trocken – reintönige, klare Basis

2013 Hallgartener Jungfer Kabinett trocken – sehr fest, ein wenig hart, nervig

2013 Würzgarten Spätlese trocken – es fehlt ein wenig an Dichte und Durchschlagskraft

2013 Keßler Spätburgunder trocken – sauber, mit ganz viel Luft nach „oben“….. 

 

An Saale und Unstrut

Ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall hat sich in der Weinregion an Saale und Unstrut viel getan. Viele Weingüter haben sich nicht nur herausgeputzt, sondern sich auch im Qualitätsstreben gut fortentwickelt. Wir haben bis auf ganz, ganz wenige Ausnahmen keinen unannehmbaren Wein getrunken, ganz im Gegenteil: Die meisten Weine überzeugen mit Geradlinigkeit, Reintönigkeit und Süffigkeit. Wir waren selbst überrascht, wie gut uns selbst einfache Gutedel und Müller-Thurgau geschmeckt haben… bei Riesling waren unseren Ansprüche natürlich besonders hoch und wurden auch nicht immer ganz erfüllt. Auf die Rotweine haben wir nach wenigen Verkostungsschlucken dann aber ganz verzichtet…. Die Öffnungszeiten der Weingüter und Vinotheken - und deren Zuverlässigkeit! - sind fast durchweg beklagenswert…

Winzerhof Gussek, Naumburg

Vor der Exkursion nach Sachsen-Anhalt war Gussek ein No-name für mich, aber dort dann ein Aha-Erlebnis. Glasklare, stoffige Weine mit hohem Trinkfluss.

2013 Gutedel trocken – fruchtig-expressiv, sehr gut, zeigt was die Rebsorte kann!

2013 Weißburgunder – markante Säure, sehr klar und geradlinig, aber ohne Tiefgang

2013 Grauburgunder Naumburger Sonneck – stoffig, sehr typisch, hart im Abgang, aber gut

2013 Riesling Naumburger Steinmeister – blumig in der Nase, am Gaumen fruchtig, leicht

2013 Kaatschener Blauer Zweigelt – viel Holz am Gaumen, wenig Finesse

Landesweingut Kloster Pforta

die Lage in Bad Kösen ist traumhaft, die Gutsschänke direkt am Ufer einen Besuch wert!

2013 Pfortenser Klöppelberg Blauer Silvaner trocken – sehr stoffig, sehr gut, Topwein!

Weingut Böhme & Töchter

2013 Chardonnay und 2013 Weißburgunder – beide sehr ordentlich und tadellos

Weingut Herzer, Naumburg-Roßbach

kaum zu glauben wie gut sich dieses Weingut in der Naumburger und umgebenden Gastronomie vermarktet… Herzer ist fast überall…. vermutlich wegen des guten Preis-Leistungs-Verhältnisses…

2012 Riesling Spätlese trocken …. ok

2013 Weißburgunder …. kein Brüller, eher neutral, belanglos, ohne eigene Stilistik

2013 Müller-Thurgau – ordentlicher Alltagswein

2013 Silvaner – absolut unkompliziert, mehr nicht

Fröhlich-Hake, Naumburg-Roßbach

sympathisches Weingut mit schönem Ausschank und kleiner Küche, hingehen! Die Weine waren durchweg von solider Qualität, am besten Silvaner und Grauburgunder!

2013 Riesling Spätlese trocken – stoffig, guter Trinkfluss

2013 Riesling Buntsandstein trocken

2013 Silvaner – Fülle ohne Fett, fein

2013 Weißburgunder – mineralisch-salzige Noten, fein

2013 Kerner Muschelkalk – feste, rustikale Noten, herzhaft

2013 Riesling Roter Ton – schwierig am Gaumen, ohne Balance

2013 Grauburgunder Naumburger Steinmeister – sehr fest, dick, voll

Winzervereinigung Freyburg, Freyburg

2013 Weißburgunder – guter, süffiger Schoppenwein

Naumburger Wein- und Sektmanufaktur, Naumburg

2013 Weißburgunder Edition Weischüter Nüssenberg Spätlese tr. – feine Frucht, lecker

Weingut Bock & Töchter, Bad Sulza

eine echte „Entdeckung“…. gegründet 2006, weniger als 1 Hektar Rebfläche, dafür zwölf Rebsorten und vier Töchter…., gefüllt wird nur in 0,5er Flaschen, bei der Qualität ist viel Luft nach oben….

2013 Johanniter – interessante Neuzüchtung

2012 Cuvée aus vier Rebsorten

2013 Bacchus-Solaris – guter Landwein, erinnert an Traminer

2013 Rotling – muss nicht sein

2013 Regent – die Farbe stimmt …. mehr nicht….

Pawis, Freyburg-Zscheiplitz

…. sehr imposant, was Familie Pawis in dem Freyburger Ortsteil Zscheiplitz aufgebaut hat…. alle Gebäude des VDP-Gutes sind fein modernisiert, nobel-elegant, ein Vorzeigeweingut, das zum aufkommenden Renommee der Region entscheidend beiträgt.

2013 Pawis Riesling trocken – reifes Obst, Orangenschalen, gute Säure

2013 Riesling Buntsandstein trocken – sehr fruchtig, Aprikose, Pfirsich, elegant, leicht erdig

2013 Freyburger Mühlberg Grauburgunder – gut

2013 Freyburger Edelacker Weißer Burgunder – Birne, Vanille, Finesse, Eleganz, gekauft !

2012 Weißburgunder Barrique – sehr holzig, noch ohne Harmonie, Stinker in der Nase, lagern!

2012 Karsdorfer Hohe Gräte Weissburgunder VDP erste Lage - erste Sahne !

Thüringer Weingut Bad Sulza

1992 gegründet, mit 43 Hektar heute eines der Vorzeigeweingüter in Thüringen. Seit 1998 entsteht im Ortsteil Sonnendorf ein Musterbetrieb, dessen Besuch in jedem Fall lohnt.

2013 Kerner Terra Mare Muschelkalk – ein echter Spasswein, lecker

2013 Weißburgunder und 2013 Grauburgunder trocken – beide sehr reintönig und typisch

2013 Gutedel – ideal für Terrasse und Balkon, bereitet viel Freude am Gaumen

2013 Müller-Thurgau – so muss der „Müller“ schmecken !

2013 Traminer – sehr expressiv, laut am Gaumen, gute Länge, feine Balance

Weingut Klaus Böhme, Naumburg

2013 Schlossen Neuenburg Weissburgunder - einer meiner Lieblingspinots im Osten...

Aus dem Verkostungstagebuch

Seahorse Winery, Moshav Bar-Giyora, Israel

ich bin baff erstaunt, welch imposante Tropfen inzwischen aus dem Heiligen Land kommen: dieses Bio-Weingut ist nur 3 Hektar klein, aber klasse: 2009 Antoine, ein sehr stoffiger Syrah mit ein wenig Grenache und Mourvedre, fein! 2009 Lennon ist ein reiner Zinfandel, ungemein geschmeidig, und 2009 Elul ist eine Kombi aus Cabernet, Syrah und Petite Sirah, die mich wirklich umgehauen hat! Mehr davon!

Galil Mountain Winery, Kibbuz Yiron, Israel

2012 Galil Anon, 2010 Meron und vor allem 2010 Yiron: alle 3 sehr gute Rotweine mit Kraft und Eleganz ohne “spritig” zu wirken… hätt ich nie nach Israel gesteckt… vor allem der Yrion ist ein von Cabernet Sauvignon, Merlot und Cabernet franc sowie Petit Verdot zusammenkomponierter Wein, der nach 16 Monaten im Barrique wirklich Freude aufkommen lässt. Sehr harmonisch und animierend, guter Trinkfluss, Zug am Gaumen!

Georg Breuer, Rüdesheim: 2008 Orelans

eine „vergessene“ Flasche im Keller mit einer „vergessenen“ Rebsorte…. aber saugut !

Balthasar Ress, Hattenheim

2011 Rüdesheimer Berg Roseneck Riesling trocken

zeigt die typische Reife der 2011, aber gute Balance, Schmelz und Finesse

Künstler, Hochheim: 2012 Grüner Veltliner

mit Spannung und großer Vorfreude geöffnet… es ergießt sich aber eine milchig-weiße-trübe Flüssigkeit ins Glas die geschmacklich zwar an Wein erinnert…. aber da ist offenbar ein großes Malheur passiert…. wie sich im Nachhinein herausgestellt hat, gab es wohl bei einer kleinen Charge Eiweiß-Nachtrübungen... die Flaschen wurden wurden anstandslos ersetzt

Newsflash

Staatsbetriebe am kundenfreundlichsten?

Die Hessischen Staatsweingüter Kloster Eberbach sind bei der Verleihung des ersten Deutschen Weingutpreises als eines der kundenfreundlichsten Unternehmen ausgezeichnet worden. Das staatliche Weingut belegte den 2. Platz bei dem erstmals vergebenen Preis, der alle Aspekte des Kundenservices berücksichtigen will. Sieger ist das Staatsweingut Meersburg aus Baden, Bewertet wurden bei der von der Sparda-Bank und der Hochschule Geisenheim vergebenen Auszeichnung unter anderem Sortimentsstruktur und Vor-Ort-Eindruck, ferner Beratung und Architektur.

5,6 Prozent mehr im Weinbau Hessen

Im Kloster Eberbach wurden die Tarifverhandlungen für den Weinbau abgeschlossen. Die gewerblich Beschäftigen im hessischen Weinbau erhalten zum 1. Juli 2014 drei Prozent mehr und zum 1. Juli 2015 weitere 2,6 Prozent mehr. Nicht übel: 5,6 % in 24 Monaten. Auch für die Azubis gibt es zwischen 30 und 50 Euro mehr. Die IG Bauen-Agrar-Umwelt jubelt.

Weinfonds gerettet

Das Bundesverfassungsgericht hat am 24. Juni in Karlsruhe die Verfassungsmäßigkeit der Abgaben an den Deutschen Weinfonds in vollem Umfang bestätigt. Nach Auffassung des Gerichts ist eine zentrale Absatzförderung im Bereich der Weinwirtschaft aufgrund der besonderen Gegebenheiten in diesem Sektor unverändert gerechtfertigt, freut sich das DWI in einer Pressemeldung. Damit ist auch die Rheingauer Weinwerbung GmbH nicht mehr in Gefahr, meint Weinbaupräsident Peter Seyffardt.

Aus den Verkostungsnotizen

575 Jahre Weinbauerfahrung

Gegründet 1438, das können selbst im Rheingau nicht sehr viele Familien (!)- Weingüter von sich behaupten. Schumann-Nägler in Geisenheim, gerade erst mit einem 6. Platz in der 10. Schoppentrophy und dem 3. Rang für die verlässlich-gute Gesamtleistung seit 2005 ausgezeichnet, hat das Jubiläum zum Anlass für einen besonderen Tropfen genommen: Die Jubiläumscuvée 575 „S“ vereint Riesling und Burgunder aus besten Lagen. Ein sehr süffiger, aber gehaltvoller Tropfen, frucht und mineralisch zugleich, dicht am Gaumen, fest, guter Zug!. Dazu gibt es kürze auch eine rote 575 Cuvée N, auch die wir schon sehr gespannt sind….

Nebenbei verkostet:

2013 Schützenhaus Kabinett trocken – sehr gut, elegant, fruchtig, Trinkspass

2013 Wisselbrunnen Spätlese trocken – gute Konzentration und Länge

2013 Weißburgunder trocken – gut, aber mir nicht „burgundisch“ genug

2013 Reserve trocken – stoffig, gut

Nicht ganz überzeugt haben uns der Rosé und der Cabernet Sauvignon, dafür ist der Liter-Schoppen ein extrem schöner Trinkwein für jeden Tag

10. Schoppentrophy

....und hier ein besonders netter Bericht von der Schoppentrophy mit allen Ergebnissen von meiner lieben Ex-Kollegin Pilar May (BILD), heute Unternehmensberaterin .... http://wp.me/p35xtl-gL

und auf dem Newsportal rheingau.de: www.rheingau.de/artikel/details/7858

... die amtliche Fassung... https://umweltministerium.hessen.de/presse/pressemitteilung/riesling-schoppen-sind-gute-weine-aus-der-region

und dazu ein Print-Bericht in der F.A.Z., Ausgabe vom 20. Juni 2014, von Oliver Koch 

Wein & Fussball WM

Unter den 24 WM-Teilnehmern sind aktuell rund ein Dutzend weinbautreibende Nationen…. und es ist höchst wahrscheinlich, dass ein Weinbauland auch Weltmeister wird. Was liegt also näher, als eine repräsentative Weinflasche je Land jeweils gegeneinander antreten zu lassen…. und hier das Ergebnis einer denkwürdigen Verkostung im privaten Kreis…. das „Resultat“ spiegelt den Abstand beider Weine auf meiner Zunge wider….

Deutschland – USA 4:3 (nach Elfmetertrinken)

Clos de Schulz Chardonnay 2012 vs. B Chateau Montelena Chardonnay 2009 Napa Valley, USA

URU – BRA 1:2

Catamayor Reserva 2011 Tannat/Cabernet Franc Bodegas Castillo Viejo, San José, Uruguay vs Concentus 2007 Merlot-Tannat-Cabernet Sauvignon Serra Gaucha, Brasilien

ESP – ITA 3: 2

Pintia 2007 Bodegas Vega Sicilia Toro, Spanien vs. Tre Ciabot 2005 Cantina Cascina Ballarin Barolo, Italien

ARG – CHI 1: 3

Catena Malbec 2011 Catena Zapata Mendoza, Argentinien vs. Terrunyo Carmenere Block 17 Peumo, Chile

FRA - POR 3:0

Ch. Phelan Segur 2003 St. Estèphe Bordeaux, Frankreich vs. Zambujeiro 2001 Quinta do Zambujeiro Alentejo, Portugal

…. also aus meiner Sicht spricht nun vieles für ein Finale Frankreich gegen Chile …. (ähem...)

Siziliens Hitze im Weinglas, den Ätna am Gaumen

Magisches Sizilien war eine Themenweinprobe mit Weinjournalist Giuseppe Lauria im privaten Kreis überschrieben, und die 13 Weine von den Hängen des Ätna und dem heißen Südosten sorgten – gelinde gesagt – für eine Überraschung am Gaumen. Weine mit einer belebenden Frische, Länge, von durchweg guter Lagerfähigkeit und mit großer Trinkfreude. Am überzeugendsten waren für mich die roten und reinrassigen Nero d´Avola´s, sehr elegant von feiner Frucht und Rasse mit teils kühler Salzigkeit und ausgesprochener Mineralität. Man beachte: Weinbau seit dem 8. Jahrhundert vor Christus, aber erst in den Jahren vor und nach 1990 setzte eine Qualitätsrevolution und die Abwendung vom Fassweinerzeuger ein. Inzwischen besinnen sich die Erzeuger auf autochthone Rebsorten zurück. Insgesamt eine bemerkenswerte Entwicklung und ein bemerkenswertes Weinland…

Planeta:

2001 Cerasuolo di Vittoria DOCG – Himbeer und Minze, sehr fruchtig, leicht

2002 Maroccoli Syrah – gute Säure, viel Leder und Tabak, aber nicht mein Wein

Benanti:

2004 Pietramarina Etna Bianco Superiore DOC Cru – kräutrige Frische, ohne Altersnote

2001 Rovittello Etna Rosso DOC – viel Tanin, noch viel zu jung, anstrengend

2002 Serra della Contessa Etna Rosso DOC – würzig, fleischig, sehr trinkfreude, toll

Gulfi

2002 Nerosanlorenzi Nero d´Avola DOC – aus 40 Jahre alten Reben, sehr gut, elegant

COS

2002 Contrada Labirinto – mein 2. Wein des Abends! voll, fein, elegant, süffig, Tiefgang!

Az. Agr. Do`Zenner

2002 Terra delle Sirene Nero d´Ávola – der SUPERSTAR, mehr davon !

Barone di Villagrande

2011 Malvasia delle Lipari Passito IGT – zu alkoholisch-sprittig, zu wenig süß, Bittermandel

Tasca d´Almerita

2012 Regaleali Bianco DOC – der süffige Alltagswein, gut für jeden Anlass, Trinkfluss und guter Zug am Gaumen, so schön kann sizilianische „Basis“ sein zum kleinen Preis !

Calabretta

1999 Triple A Etna Rosso – wie ein Hauch von Amarone, überreif, zu süßlich, Länge

Tenuta die Fessina

2012 A Puddara Etna Bianco – grüne Frische, zart, viel Orangenblüte, Salzigkeit

Azienda Agricola Palari

2005 Faro Palari DOC – Stoffigkeit, animierend

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Dienst – Dorotheenhof,  Hochheim

Thorsten Dienst hat den Dorotheenhof zu einer ersten Adresse in Hochheim gemacht… das Preis-Leistungsverhältnis ist in der Vinothek ebenso exzellent wie in der Schänke…

2008 und 2009 Hochheimer Hölle Riesling 1. Gewächs – ein ausgezeichnetes Pärchen, an dem sich die Jahrgangsunterschied perfekt studieren lassen, mein Favorit ist 2009 mit Fülle und Länge und intensiven Aromen, perfekt gereift

2013 Weißburgunder trocken – gut, aber zu wenig burgundisch, zu nahe an einem säurearmen Riesling

2013 Riesling Kabinett trocken – mit 11,5 Alko so wie ein Kabinett sein soll, beschwingt

2013 Hölle Kabinett trocken – kein Leichtgewicht, aber mein Favorit unter den 2013ern !

2013 Reichesthal Riesling altes Reben – gut zum Essen, solo ein wenig zu süss geraten…

Weingut Hans Lang, Hattenheim

Eva Raps & Urban Kaufmann haben das Weingut Hans Lang übernommen, und dass sie einiges anders machen wollen und werden, zeigte sich schon zur traditionellen Präsentation Ende Mai. Erstmals gab es einen umfassenden Verkostungsparcours mit acht Stationen, der durch das gesamte Haus führte Die jungen 2013er Rieslinge zeigten sich durchweg von einer markanten Säure geprägt, die sehr laut und unverkennbar „Rheingau“ rufen. Am besten gefiel der 2013 Hallgartener Riesling mit seiner würzigen Eleganz. Gut auch 2013 Grauburgunder und 2013 Weißburgunder. Unter den älteren Gewächsen überzeugten mich vor allem zwei:

2007 Wisselbrunnen VDP Große Lage – sehr gute Reife, gibt ihm einen klaren Vorteil vom 2009er und dem 2011er, je älter, je besser

2007 Johann Maximilian R – durchdringender Pinot mit viel Würze, Tabak, Tanin, elegant

Weingut Sohns, Geisenheim

1975 Geisenheimer Kläuserweg Riesling Spätlese QbA aus dem Weingut Sohns in Geisenheim

Ein Plädoyer für die Schatzkammer! Viele Winzer haben zwar alte noch Weine im Keller, aber für die Pflege bleibt im Alltagsstress leider oft nicht genügend Luft. In einer Zeit, in der die Weinfreunde am liebsten schon im Dezember die ersten Tropfen des neuen Jahrgangs trinken wollen, ist es zudem schwer, für gereifte Weine einen angemessenen Markt zu finden. Pascal und Erich Sohns haben vor einigen Monaten den Keller gründlich durchforstet, geprüft und dokumentiert, was wert ist, noch länger gelagert zu werden. Ein Ergebnis dieser Mühsal ist diese wunderbare Spätlese des Jahrgangs 1975 aus der allgemein ein wenig unterschätzten Lage Kläuserweg. Wir haben den Wein zuerst „blind“ getrunken und haben allenfalls aus dem hochfarbigen Glanz im Glas auf einen Wein aus den 1970ern geschlossen, denn die Spätlese präsentierte sich in einer animierenden Frische, die der einer 1990er oder 1993er Spätlese wohl ebenbürtig erschien… zumindest auf den ersten Schluck. Ein sehr gut gereifter Riesling, feine Würze, elegante Süße, nicht fett, sondern mit Strahlkraft, Länge, Trinkfluss und immer noch sehr gutem Lagerungspotential… ein überzeugendes flüssiges Plädoyer für die Einrichtung und stete Pflege einer Schatzkammer ! Winzer, geht in Eure Keller! Und zeigt, was Ihr habt

Aus dem Verkostungstagebuch

Die „Zeilenspringer“ (siehe weiter unten) haben sich in Johannisberg mit einigen bemerkenswerten Weinen vorgestellt, hier die Kurznotiz dazu:

Chat Sauvage: 2012 Clos de Schulz Chardonnay – sehr ernsthafter Chardonnay, fest, aber nicht zu fett oder holzlastig, Länge mit viel Zukunft

Georg Breuer: 2004 Spätburgunder BB – komplexes Faszinosum aus der Schatzkammer

Goldatzel: 2013 Bestes Fass Spätlese trocken – markante Säure, gute Balance, gute

Hanka: 2012 Generation 3 Riesling – guter Zug, druckvoll, Kreuzkümmelaroma

Bischöfliches Weingut: 2012 Episcopus – sehr süffig, guter Trinkfluss, Ein Wein nach alter Väter Sitte aus dem großen Holzfass

Sohns: 2010 Riesling 1. Gewächs – gewinnt mit zunehmender Reife immer an Größe

Solter: 2001 Pinot Cuvée H brut – prickelt besser als die meisten Champagner 

50 Jahre Georgshof

Ein Anlass für die Schönlebers und Allendorfs, es in Winkel einmal richtig krachen zu lassen! Ein großzügiges, schönes Fest auf dem Georgshof, dazu einige leckere Weine aus der Schatzkammer

1963 Gutenberg Riesling Spätlese – ein Hauch von Petrol, aber einer der besten Rheingauer dieses Jahrgangs, die mit bislang untergekommen sind, noble Reife, feine Süße, lecker

1974 Hasensprung Kabinett – schon ein wenig müde, aber bitte… nach 40 Jahren !

1987 Allendorf Charta Riesling – in Würden gereift, für den üblen Jahrgang wirklich gut

2007 Hasensprung Riesling 1. Gewächse – sehr gut, fest am Gaumen, schmeckt nach mehr 

Jahrgangsverkostung Johannishof – Eser

Wie immer stellen Esers Ende Mai die ersten Weine des neuen Jahrgangs vor.. und wie so oft bin ich sehr angetan… Diesmal sind es vor allem der Basiswein 2013 Mineral trocken, der sehr klar und sehr süffig und mineralisch daherkommt. Unter den trockenen Kabinettweinen (künftig – endlich! – 1. Lage) stellt der 2013er Roseneck alles andere in den Schatten. Bei den feinherben sticht der Klosterlay hervor (auch hier noch Lagenkabinett!). Sehr gut entwickelt haben sich die Großen Gewächse aus dem Jahr 2012 …. 2011 hat sich gerade in ein „Loch“ abgemeldet….dafür gehört der 2012 CHARTA – wie fast in jedem Jahr – zu den besten dieser Kategorie im Rheingau !

Weingut der Hochschule Geisenheim

In der FAZ vom 31. Mai habe ich meine Eindrücke eines lange fälligen Besuchs im Weingut der Hochschule Geisenheim veröffentlicht. Die Verkostung mit Professor Monika Christmann bescherte mir einige interessante Verkostungserlebnisse... u.a.

2011 Gamaret und Cabernet franc .... nur hier im Rheingau! gute Frucht, Struktur !

2012 Müller-Thurgau - sehr typisch, fruchtiger Alltagswein vom Züchtungsort dieser Rebsorte!

Staatsweingüter unter Beschuss

Die Ankündigung der Landesregierung, das Eigenkapital der Hessischen Staatsweingüter von aktuell 17 auf knapp 50 Prozent zu erhöhen, wird von einigen Winzern heftig kritisiert. Der Ehrenpräsident des Rheingauer Weinbauverbandes, Richard Nägler, und der Wallufer Winzer Hans-Josef Becker, werfen dem Land namens einer „Interessengemeinschaft der Rheingauer Winzer zur Erhaltung der Kulturlandschaft“, eine Ungleichbehandlung und Verstöße gegen das EU-Wettbewerbsrecht und die Vorgaben der Europäischen Kommission vor. Nägler und Becker hatten schon vor einigen Jahren den 15 Millionen Euro teuren Kellereineubau als Verstoß gegen das Wettbewerbsrecht bei der EU angezeigt. Die Staatsweingüter wurden damals gezwungen, die Kellerei vollständig über Kredite zu finanzieren. 7,5 Millionen Euro gab das Land als Darlehen, die andere Hälfte finanzierte die Commerzbank. Ende dieses Jahres wären die Staatsweingüter laut Kreditvertrag gezwungen, dem Land die erste Hälfte der seit 2007 gestundeten Zinsen in Höhe von 3,7 Prozent auf das Darlehen von 7,5 Millionen zu überweisen, im nächsten Jahr sollte die zweite Hälfte folgen. Nun haben die Staatsweingüter dafür deutlich mehr Zeit, weil sie nach der Umwandlung des Kredits in Eigenkapital die Zinsen nur noch je nach Gewinn- und Kassenlage als Ausschüttung an das Land leisten müssen. Becker und Nägler sehen in der Ankündigung von Finanzminister und Aufsichtsratschef Schäfer einen Bruch der Zusage des früheren Ministerpräsidenten Koch, dass das Staatsweingut nach dem Neubau der Kellerei keine weiteren Subventionen mehr erhalten werde. Die EU selbst wird zum Jahresende die Verwirklichung des vom Land 2008 vorgelegten Restrukturierungsplanes prüfen. Becker und Nägler halten sich den Weg einer weiteren Beschwerde bei der EU gegen das Land Hessen offen. Zuvor wollen die beiden Winzer aber von der EU erfahren, ob die Aufstockung des Eigenkapitals aus Steuermitteln tatsächlich rechtens ist und wie es um die aufgelaufenen Zinsschulden des Staatsweingutes gegenüber dem Land im Höhe von rund zwei Millionen Euro steht. Beide beklagen eine Wettbewerbsverzerrung. Während private Weingüter die Erhöhung des Eigenkapitals über eine Kreditaufnahme am Kapitalmarkt finanzieren müssten, werde diese den Staatsweingüter „als Geschenk“ gemacht. (leicht gekürzt aus meinem Bericht für die FAZ)