• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Aus dem Verkostungstagebuch

Weinmanufaktur Untertürkheim

2008 Mönch Berthold Rotwein trocken  im Holzfass gereift – sehr schön, was manche Winzergenossenschaft so alles in Flaschen füllt, guter Zug, gut eingebundenes Holz, großer Trinkfluss, da kam die Magnum gerade recht !

Vigneti del Salento Oversettanta 2010 Primitivo die Manduria – Dieser Erzeuger gehört zur Farnese-Gruppe die sich zu einem der bedeutenden Wein-Exporteure in Süditalien mit einer Gesamtproduktion von rund 13 Millionen Flaschen entwickelt hat… dieser tiefdunkle Wein gefällt zwar vordergründig durch opulente Frucht und zartes Holz, aber das wird durch eine wirklich unangenehme Süße im Abgang zunichte gemacht… übrigens: die leere Flasche (!) wiegt mehr als 1,2 Kilogramm, das ist mir noch nicht untergekommen…..

Kaapzicht Winery 2009 Ice Straw wine – südafrikanischer „Eiswein“ mit großem Spaßfaktor und opulenter, reintöniger Süße, der allerdings doch ein wenig die Säure und damit ein wichtiges Spannungsmoment fehlt, dennoch sein sehr, sehr guter Dessertwein!

Weingut Schön, Aulhausen

2011 Rüdesheimer Berg Schlossberg Spätburgunder Auslese trocken – einer der Topweine dieses empfehlenswerten Rotweinspezialisten… nähert sich jetzt langsam der besten Trinkreife, guter Zug, viel Finesse und Eleganz

Ratzenberger, Bacharach

2012 Bacharacher Riesling trocken – spitzenguter Ortswein aus besten Lagen des Mittelrheintals, sehr frisch, mineralische Finesse, leicht und beschwingt

Bibo-Runge, Hallgarten

2013 Rheingau Riesling trocken – der Jungfernwein… sozusagen das Erstlingswerk eines neuen Weinguts in Hallgarten

Weingut Jakob Jung, Erbach

2011 Steinmorgen Spätburgunder 1. Lage – sehr geschliffen, elegant, viel Schwarzkirsche und Brombeere, guter Nachhall, großer Trinkfluss!

Kleiner Sekttipp für die Festtage

Sektkellerei Reuter & Sturm

Eine kleine, feine Sektkellerei in der Wallufer Bahnhofstraße, die sowohl das Tank- als auch das Flaschengärverfahren anwendet und überdies Secco erzeugt. Die Sekte sind in der Regel brut, liegen aber eher im oberen Zuckerbereich von 8 – 10 Gramm. Schöne Veranstaltungsräume. Zwei Drittel der 300.000 Flaschen werden für mehr als 60 deutsche Winzer erzeugt, rund ein Drittel ist Eigenproduktion für Privatkunden… und das sind die Highlights!

2013 Rauenthaler Rothenberg Roter Riesling brut

Helmut Sturm ist vermutlich einer der Allerersten, der Roten Riesling versektet… und das saugut! Lang anhaltende Frucht, Eleganz und Finesse, sehr harmonisch in Säure und Frucht, langer Nachhall… perfekt zu den Weihnachtsfeiertage….

2012 Weißer Burgunder brut

schwarze Johannisbeere in der Nase, am Gaumen cremig-fest mit gutem Zug, recht fordernd mit Ecken und Kanten, guter Essensbegleiter, geht in Richtung Champagner

2013 Blanc de Noir Spätburgunder Weißherbst brut

erst kürzlich degorgiert, in der Nase ein wenig indifferent mit Anklängen von Himbeere und Erdbeere, der Favorit der Chefin, gute Frucht und Länge 

2012 Rauenthaler Steinmächer Riesling brut

typisch Riesling, markante Säure, Pfirsch und Pflaume, gut, aber für meinen Geschmack einen deutlichen Tick zu süß geraten, muss eiskalt getrunken werden

2012 Cuvée R&S brut

Mein feinperliger Favorit, knapp vor dem Roten Riesling! Sehr gute Cuvée mit viel Frucht, Finesse und Eleganz, klassisch-guter Sekt für jede Gelegenheit ! Liegt bei mir jetzt kalt für den Jahreswechsel !

2012 Opus Riesling brut

Der Top-Sekt, erzeugt aus Wein von Auslesequalität, ein Tick zu süss geraten, aber sehr voll, fester Körper, guter Zug, mineralische Noten, sehr schöne Flaschenausstattung!

In den Fängen der ENTE Wiesbaden

Was passiert, wenn man den Sommeliers der „Ente“ in Wiesbaden in die Hände fällt…?  Michael Kammermeier kocht nicht nur ein Menü, das ohne Zweifel einen zweiten Stern verdient hätte (vor allem wenn man sieht, wer inzwischen mit welchen Aufwand einen Stern erkocht hat…) Es gibt auch eine großartige Begleitung der Sommeliers, bei der man einfach die Weinseele baumeln lassen kann….

Livio Felluga 2005 Sauvignon blanc

Knipser 2005 Sauvignon blanc

Winzervereinigung Freyburg 2005 Traminer Spätlese trocken

Fürst Löwenstein 2007 Kallmuth Silvaner Kabinett trocken

Robert Weil 2007 Turmberg

Buhl 1967 Deidesheimer Leinhöhle Trockenbeerenauslese

De Ladoucette 2009 Baron de L. Poully fume

August Kesseler 2008 Bischofsberg Kabinett trocken

Muhr - van der Niepoort 2008 Spitzenberg Zweigelt

Markus Schneider Port Botas Vintage 2012

… und dann habe ich den Überblick verloren… ich will hier die Weine nicht im Einzelnen besprechen, nur so viel: 1967 Buhl ganz groß und frisch und gigantisch, und der kleine Löweinstein-Silvaner hat so viel Trinkfluss, dass man davon nicht genug bekommen kann….

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Sohns, Geisenheim

2013 Hanna Riesling QbA trocken – ein auf 500 Flaschen limitierter „Sonderwein“ zur Geburt der ersten Tochter von Sandra und Martin Sohns. Gekeltert aus vollreifen Trauben aus der Geisenheimer Toplage Kläuserweg, spontan vergorgen und lange im Barrique gelagert. Für Sohns-Weine ungewohnt „wild“ und floral-kräutrig in der Nase, am Gaumen sehr dicht und konzentriert, komplex und vor allem fordernd, aber gut…

Weingut Keller, Flörsheim-Dalsheim

2013 Morstein Riesling GG - ein Wein-Monument aus Rheinhessen. Sehr druckvoll am Gaumen, guter Zug, Speichelfluss und Trinkfreude, guter Körper aber nicht fett, sondern eher fordernd mit (moderaten, aber spannenden) Ecken und Kanten....

Weingut Schloss Vollrads

1947 Riesling Schlossabzug – in der Nase schon „hinüber“, am Gaumen aber nimmer noch prägnanter Säure, Aromen von Dörrobst und gut fortgeschrittener Firne noch recht lebendig…

Weingut Ress, Hattenheim

2013 Riesling trocken „Von Unserem“ – sehr süffig, guter Trinkfluss, Spaßwein

August Eser, Oestrich

2011 Rauenthaler Gehrn Riesling Kabinett feinherb – zupackend und süffig

Johannes Ohlig, Winkel

2008 Spätburgunder trocken – elegant und druckvoll zugleich, guter Zug, fein

Weingut Mohr, Lorch

2013 Riesling Kabinett feinherb

2011 Höllenberg Spätburgunder trocken

2013 Riesling Auslese

Drei jeweils sehr gut Weine zur Begleitung eines Türkisch-Kochkurses bei Jochen Nehers Frau Saynur, der von mir jedem warm ans Herz gelegt wird. Hier kommt der Spaß nicht zu kurz, und die einzelnen Gerichte sind nicht nur lecker, sondern leicht nachzubereiten… top!  

Nachrichtenticker

Welterbe-Wein

Der erste Welterbe-Riesling aus dem Lorcher Welterbe-Weinberges ist gelesen und in 300 Flaschen gefüllt. Der 2013er Lorcher Riesling Kabinett trocken aus der Lage Schlossberg mit einem Etikett des Lorcher Künstlers Helmut Bernhardt sowie Logos des Unesco-Welterbes Oberes Mittelrheintal und der Stadt wird in der Touristinfo am Rathaus für 9,50 Euro als neuer Werbeträger verkauft.

Karitative Weinspende

Anlässlich ihrer 55. Erntedankfeier im Kloster Eberbach haben die Rheingauer Winzer insgesamt 2700 Flaschen Wein für wohltätigen Zwecke gesammelt. Die St. Urbanspende geht in diesem Jahr an verschiedene soziale Einrichtungen in Frankfurt und  Wiesbaden, im Main-Taunus-Kreis und im Rheingau-Taunus-Kreis.

Ingrid Steiner (53), zuvor 4 Jahre lang Verwalterin der Staatlichen Weinbaudomäne Trier, wird am 1. Februar 2015 neue Geschäftsführerin des Rheingauer Weinbauverbandes/ Rheingauer Weinwerbung GmbH und damit Nachfolgerin von Harald Sperling, mit dem Weinbaupräsident Peter Seyffardt und der Vorstand die Zusammenarbeit nicht fortsetzen wollten.

 

Bordeaux einmal querbeet

Harry Hochheimer sei Dank, dass ich in der Hattenheimer Winebank des Weingut Ress im kleinen Kreis Bordeaux querbeet mitverkosten durfte. Die spannende Frage dabei war unter anderem, ob kleine Jahrgänge großer Güter oder große Jahrgänge unbekannterer Güter vorzuziehen sind….? Letzteres! Verkostet wurden 29 Bordeauxweine der Jahrgänge 1982 bis 2005 mit großer Spanne bei Preis und Reputation von A wie Chateau Arnauld Haut Medoc bis zu V wie Chateau Villa Bel Air Graves… Drei Weine hatten leider Kork, was eine wenig verzeihliche Quote ist….. und nun zu meinen 7 Favoriten

2001 Grand Puy Lacoste – tolle Frucht, saftig, Schmeichler mit Fülle und Länge, gut!

2001 Giscours Margaux – sehr würzig und kräutrig, aber guter Trinkfluss

2001 Palmer Margaux – wirkt noch etwas verschlossen, aber großartige Ansätze, top !

2001 Ducru Beaucaillou St. Julien – frische Eleganz, guter Zug, Länge und Finesse!

Zwischenfazit: ja, wirlich, die 2001er triumphierten eindeutig und sind heute eine Bank !

2000 Alter Ego Margaux – für 2000 einfach klasse, gute Nase, opulente Frucht, komplex

1999 Poujeaux Moulis – sehr rund, fast zart, haromisch fein und superb!

2002 Teynac St. Julien – sehr klassisch mit viel Paprika und staubiger Würze, gute Säure! 

 

Der (Rüdesheimer) Berg ruft... !

Ein Loblied auf meinen Lieblingsweinberg. Der „Rüdesheimer Berg“ ist ein extremer Weinberg. Nirgendwo zwischen Hochheim und Lorch fallen die Rebzeilen steiler zum Rhein hin ab, nirgendwo im Rheingau wird es im Sommer heißer als in zwischen Rebstöcken nahe der trutzigen Burgruine Ehrenfels, und nirgendwo im Rheingau ist die Mühe der Winzer größer, das enorme Potential der Weinberge auf den abschüssigen Schiefer- und Quarzitböden zu nutzen. Das gilt für den Schlossberg, aber auch die beiden anderen Kernlagen des Rüdesheimer Bergs: „Berg Roseneck“ und  „Berg Rottland“. In den vergangenen Jahrhunderten war stets vom „Rüdesheimer“ Wein die Rede. Ihre heutige Gestalt haben die drei Lagen erst im Zuge der Neuordnung der Weinberge 1971 erhalten. Goethe zählte den „Rüdesheimer“ mit dem „Hochheimer“ und dem „Markobrunner“ zu den drei gleichberechtigten „Magnaten“ des Rheingaus, unter denen es keine besondere Rangfolge gebe. Johann Kaspar Riesbeck war schon 100 Jahr zuvor zu einer ähnlichen Einschätzung gelangt: „Der hiesige Wein wird ohne Vergleich für den edelsten rheingauer und aller deutschen Weine gehalten. Ich fand ihn auch viel feuriger als den Hochheimer.“ Auch Ernst Moritz Arndt bespricht den Rüdesheimer enthusiastisch: „Unter allen Rheinweinen hat dieser die meiste Kraft und Glut und Schwere und wird alt am teuersten verkauft, obgleich der Johannisberger, Markobrunner, Nierensteiner und Hochheimer früher lieblich werden. Damit ist das Richtige gesagt: Der Rüdesheimer Wein braucht seine Zeit, um sein Bukett und seine Aromen zu entfalten und zur Geltung zu bringen. Das Potential des nach Süden ausgerichteten Weinberges ist unbestritten. Als extrem gilt der Rüdesheimer Berg auch deshalb, weil er durch seine Steilheit und seine geologische Formation sich meist konträr zum übrigen Rheingau verhält. Während in sonnenreichen Weinjahren im Rheingau eitel Freude herrscht, sorgen sich die Rüdesheimer  Winzer um die Trockenheit im Rüdesheimer Berg. Er kann „nasse Jahre“ sehr gut verkraften, denn der Boden hält die Feuchtigkeit kaum, sondern gibt sie in die Tiefe ab, und von den vorbeirauschenden Niederschlägen nehmen sich die tiefwurzelnden Reben so viel Feuchtigkeit auf, wie sie für die Nährstoffversorgung brauchen. Nun aber zum Besten, was dort an Riesling erzeugt wird:

Balthasar Ress: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland

Georg Breuer: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland

Josef Leitz: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland

Dr. Corvers-Kauter: 2012 Schlossberg und 2012 Rottland „vom Schiefer“

Carl Ehrhard: 2005 und 2013 jeweils Roseneck Alte Reben und Rottland Alte Reben,

dazu 1994 Roseneck Kabinett und Spätlese

 Das waren die Weine einer imposanten Vergleichsprobe, die der Rottland – für mich überraschend - für sich entschied. Ein Knaller für sich ist das Rottland GG von Ress der sich noch vor den Breuer-Rottland schiebt. Auch der Rottland von Leitz gewinnt seine Vergleichsprobe gegen Dr. Corvers-Kauter, dessen Schlossberg aus dem Barrique höchst ungewöhnlich, aber zugleich sehr spannend ist. Der Schlossberg mag den größeren Ruf und vielleicht auch den längeren Atem haben, aber bei dieser Momentaufnahme war der Rottland kaum zu schlagen! Was für ein facettenreicher Berg….

Aus dem Verkostungstagebuch

Fuhrgassl-Huber, Wien

2013 Nussberg und 2013 Preussen Rheinriesling trocken

… da betrete ich mal wieder völliges Neuland und werde auf dem falschen Fuß erwischt.. zwei Weine aus den angeblich besten Lagen rund um Wien… keine Ahnung, aber ein sehr interessantes, überzeugendes Paar. Stoffige, gut gemachte Weine mit ordentlich Bumms !

Thilo Strieth, Aulhausen

2011 Assmannshäuser Frankenthal Spätburgunder trocken

Hut ab lieber Fred, ein sehr gelungener Pinot mit Grandezza und Finesse, schmeckt nach mehr… und den 2013er Saxum Riesling halte ich wieder für extrem gut gelungen. Chapeau!

Weingut Carl Ehrhard, Rüdesheim

2013 Rosé – ok, das ist ein Schmeichler für Frauen und ich verstehe ihn nicht wirklich… aber trotzdem: Warum können die Rheingauer Winzer eigentlich NICHT Rosé sautrocken UND saugut… das muss sich nämlich wirklich nicht ausschließen… also weg mit der maskierenden Süße und her mit einem grundehrlichen Charakter-Roséweine für Männer!

Weingut Werner, Rauenthal

2013 Wülfen und Langenstück Kabinett trocken, Steinmächer Kabinett halbtrocken und Riesling Classic

Nein, so richtig gefallen mir diese 4 aus 2013 vom Rauenthaler Berg nicht… es fehlt die Harmonie, die Balance zwischen Frucht und Säure stellt sich nicht ein und am Ende bleibt ein wenig Ratlosigkeit zurück….das ging schon deutlich besser !

Aus dem Verkostungstagebuch

Im Weingut Peter Jakob Kühn, Oestrich

…hier ist der Stolz über die jüngsten Gault-Millau-Bewertungen an jeder Ecke spürbar und auf Sonderdrucken nachlesbar… die 2013er präsentieren sich in der Tat sehr, sehr gut, aber ganz so euphorisch wie der GM-Kollege Giuseppe bin ich nun auch wieder nicht….

Jacobus QbA trocken – das also ist laut GM „der beste Gutswein Deutschlands“…?!? – und wie schmeckt er: insgesamt ein feiner Stoff, markante Säure, belebend, animierend, kühler Zug am Gaumen, Aromenkorb gelber Früchte, guter Trinkfluss, ob er aber wirklich „manches GG alt aussehen lässt… das müsste erstmal nachgeprüft werden…. wer tritt den Beweis an....?

Rheinschiefer (Ortswein) – Heu in der Nase, filigran mit guter Frucht, zupackend, grazil und nervig mit viel Zitrus und Orange, sehr gut

Quarzit (Ortswein) – wirkt wilder und ungezähmter als der Rheinschiefer, florale Noten, saftig, viel Orangenschale und Limone, guter Abgang

Klosterberg (1. Lage) – stahlig-kräutrig, kühler Zug, wirkt schlank und elegant, schon sehr zugänglich, mein Favorit aus 2013

Hendelberg (1. Lage) – mineralisch-wild, spitze Säure, die Trinkreife und – freude liegt noch in weiter Ferne, sehr dicht und komplex, lagern!

2012 St. Nikolaus GG – fester, fast cremiger Charakter, der sich schon weit öffnet, lecker!

2012 Doosberg GG – noch recht verschlossen, Ecken und Kanten, komplex und dicht, krautige Noten, braucht noch viel Zeit (die 2013 GGs kommen erst im Frühjahr 2015)

2012 Kühn „R“ – sehr druckvoll, mit Biss und angenehm rund geschliffenen Kanten, guuuut!

2013 Lenchen Kabinett fruchtsüß – mehr Säure als Süße, guter „Hallo-Wach“ und Reparaturwein und Freunde der Säure…. fehlt noch die Harmonie

Im Weingut Speicher-Schuth, Kiedrich

Bei Ralf Schuth tut sich einiges… die alte Schänke im Erdgeschoss wird gerade in eine Vinothek umgebaut… wir sind gespannt. Die 2013er sind Schuth durchweg gut gelungen, allerdings tastet sich Schuth für meinen Geschmack immer zu nahe an die Trocken-Grenze ran und überschreitet sie deshalb bisweilen auch ungewollt. Dabei kann der Mann auch richtig trocken, er muss sich nur trauen!

QbA trocken (Liter) – ein kerniger, nerviger Spaßwein mit viel Säure und Frucht

Sandgrub trocken – viel Zitrus und Limone, sehr druckvoll, stoffiger Alltagswein, trinkfreudig

Wasseros Terroir – gelbe Früchte satt, gutes Säure-Süße-Spiel, ein Tick zu süß geraten aber ein sehr guter Speisenbegleiter

Wasseros 1. Gewächs – klasse und deutlich besser als 2012… viel Zitrus und Orange sowie Mirabelle, Finesse statt Wucht, langer Nachhall, eines der besten 1. Gewächse des Rheingaus

Wasseros Premium Terroir – spontan vergoren, animierende Säure, viel Stachelbeere und Zitrus, aber einen Tick zu süß geraten, braucht noch einiges an Lagerzeit im Keller

Gräfenberg Spätlese trocken – typisch Gräfenberg…. aber im Bukett ungewohnt viel Ananas und Birne, finessenreicht, komplex, dabei eher tänzerisch statt wuchtig, dennoch Power und Biss, Speichelfluss ohne Ende verlangt den nächsten Schluck….

Chardonnay Reserve – einer der besten Chardonnays im Rheingau, burgundische Noten, keine Holzdominanz, unfiltriert, ausgebaut im 500 Liter-Holzfass, sehr naturbelassen, spontan vergoren, gute Struktur, einer meiner Favoriten der Kollektion!

Weißburgunder Reserve – ein Wein mit gutem Körper und tollen Anlagen, aber leider ebenfalls zu süß geraten. Die Süße maskiert den Charakter dieser guten Burgunders und lässt ihn nicht so strahlen, wie er (fast) durchgegoren daherkäme…

Weingut Ress, Hattenheim

2012 Pinot Noir „Caviar“ – handentrappt und fußgestampftes Lesegut, viel Arbeit, viel Geschmack, sehr dicht und würzig, finessenreich und komplex oder überladen zu wirken

Weingut Keller, Flörsheim-Dalsheim

2013 Morstein GG – ein Monument von einem jungen Riesling, trotz Ecken und Kanten hoher Trinkfluss und viel Charme, sehr komplex, gute Balance, langer Nachhall

Weingut Bickel-Stumpf, Franken

2013 Mönchshof Silvaner GG – Vorzeigesilvaner in jeder Hinsicht, der zeigt, was die Rebsorten zu leisten vermag!

Deutsche Spätburgunder unter 10 Euro

Danke, Dirk Würtz, dass ich die mehr als 60 Weine mitbewerten und mitverkosten durfte…. mein Fazit ist recht heterogen… einerseits war die Säure teils zu dominant und es fehlte die Frucht, andererseits bekommt der Weinfreund dennoch für diesen Preis schon eine recht ordentliche Qualität. Ein wenig enttäuscht war ich über die mangelnde Beteiligung aus dem Rheingau…. woran lag es wohl? Meine 3 persönlichen Favoriten waren Ziereisen, Mussler sowie der Sieger Krebs! Mehr Infos zu allen Weinen, der Probe und den Top ten gibt es hier:

http://blogs.stern.de/easydrinking/beste-spaetburgunder-unter-zehn-euro/

Aus dem Verkostungstagebuch

Georg Breuer, Rüdesheim

2008 Rauenthaler Nonnenberg Riesling – ganz groß, Mineralität, Finesse, Säure

Fürst, Franken

2008 Spätburgunder Hunsrück GG

noch so ein Beleg, was 2008 rückblickend für ein Kracher-Jahrgang war und ist…. superb!

August Kessler, Assmannshausen

2008 Rüdesheim Berg Roseneck Riesling 1. Gewächs – zeigt alles, was der Rüdesheimer Berg so kann. Mineralität gepaart mit Zug, Druck und tänzerischer Leichtigkeit….

2005 Rüdesheim Berg Schlossberg Spätburgunder – erfüllt leider gar nicht die hochgesteckten Erwartungen… wirkt unerwartet müde und uninspiriert…. vielleicht ein Flaschenfehler???

Freimuth, Marienthal

2012 Rüdesheimer Bischofsberg VDP Großes Gewächs – druckvoll, mit viel Trinkfluss und guter Länge, vom Decanter zu Recht wärmstens empfohlen !

2011 Rüdesheimer Magdalenenkreuz Spätburgunder 1. Lage …. das ist der Landessieger der LWP Hessen und zeigt, dass nicht immer (!) bei diesem Wettbewerb und bei der Jury Hopfen und Malz verloren ist … das ist ein sehr guter Pinot… aber natürlich lange nicht der Beste in Hessen!

Mohr, Lorch

2012 Lorcher Schlossberg Riesling „34“ … mineralischer Tropfen aus dem ältesten Weinbergsparzelle des Rheingau, schreitet in der Reife zügig voran, aber aktuell noch sehr gut mit feinem Säurespiel 

WEIL - WAHNSINN

1921 Kiedrich Gräfenberg aus dem Weingut Robert Weil und 22 weitere Jahrgänge… das war eine imposante Vertikale, die ich dank „FINE“ und Ralf Frenzel mitverkosten durfte. Das Weingut Weil bewirtschaftet immerhin 9,5 der insgesamt nur 10,5 Hektar großen Kiedricher Renommierlage und erzeugt dort jährlich 37.000 Liter Großes Gewächs (seit 1999 und bis 2011 Erstes Gewächs) und edelsüße Spitzen. Hier wächst der tänzerische „Moselwein des Rheingaus.“ Mitte des 19. Jahrhunderts war der Gräfenberg in die Elite der Rheingauer Lagen aufgerückt. Neben Johannisberg, Steinberg, Rauenthal, Rüdesheim, Marcobrunn und Assmannshausen billigte Wilhelm Hamm 1865 dem „Gräfenberg“ den Rang eines Hochgewächses zu. Drei Jahre später erwarb der Germanistikprofessor Dr. Robert Weil dort einen Anteil und legte den Grundstock für das unbestritten erfolgreichste Rheingauer Weingut.

Nun aber ans Eingemachte: Kiedrich Gräfenberg trocken

Flight 1: 2013 GG, 2012 GG, 2011 EGW, 2010 EGW, 2009 EGW

Die junge Garde: 2009 sehr voll, dick, deutlich mehr Opulenz statt Eleganz und deshalb in den (unbegründeten) Verdacht der Plumpheit geratend. 2010 mit straffer Säure, ins Exotische gehenden Früchten, salziger Kühle und Distinguiertheit, wirkt leichter als er ist und zeigt, wie gut 2010 in der Spitze sein konnte. 2011 exotisch, opulent, recht reif auf eine Art, die polarisiert. 2012 dagegen sehr fest, sehr präzise mit gutem Zug am Gaumen, langem Nachhall. Und 2013: hohe Eleganz und Finesse, salzige Kühle, betörende Früchte… der wahre Charakter lässt hinter den nur langsam nachlassenden Primäraromen Großes erahnen…

Flight 2: 2008, 2007, 2006, 2005, 2004 jeweils Erstes Gewächs

Großartig, wie sich heute die seinerzeit vermeintlich kleineren Jahrgänge durchsetzen. 2004 und 2008 sind die Stars am Tisch, wobei 2004 noch frischer, lebendiger und präziser als 2008 wirkt. 2006 ein absolut eigenständiger Charakter, der polarisiert, aber hohe Trinkfreude beschert. 2005 und 2007 dagegen …. einst gefeiert, heute wirken sie irgendwie langweilig…. zwar von guter Fülle, Länge und Struktur, aber auch ohne eigenständigen Ausdruck….

Flight 3: 1999, 2002, 2001, 2000, 2003 jeweils Erstes Gewächs

2000 an der goldgelben Farbe sofort erkennbar, sehr reif und irgendwie schwierig auf der Zunge. 1999 für mich der Knaller durch seine lebendige Säure, seine Harmonie und seine präzise Art. Dagegen wirkt 2002 weniger auf dem Punkt, obwohl immer noch sehr, sehr gut. 2001 für mich unerwartet reif mit Noten von Bitterorange und Limone. 2003 ganz überraschend… sehr viel Trinkfluss, lecker, schreit nach dem nächsten Schluck… sicher eine der absoluten trocken Spitzen aus 2003 in ganz Deutschland.

Flight 4: 1962, 1961, 1953, 1949, 1937, 1934, 1921 jeweils Cabinet

tja… was soll ich sagen.. alle diese Weine waren 1992 im Zuge der Schatzkammerpflege umgekorkt und geschwefelt worden. Das muss man einfach selbst getrunken haben… 1921 einfach phänomenal, unglaublich, verrückt, geht nicht besser… und stellt die sehr, sehr guten Jahrgänge 1934 und 1937 noch in den Schatten… „zeitlos“ lautet mein Kompliment für 1953, dagegen verblassten ungerechterweise auch 1961 und 1962… aber der Bessere ist immer der Feind des Guten!

Schlusspunkt: 1959 TBA – Rosinen, Datteln, viel Säure, opulente Süße, ein Wein der niemals stirbt…

und jetzt warten wir auf das Dezemberheft von FINE….!

Wein zum Skat

....gib es etwas schöneres, als sich bei Grand hand, Null ouvert und Ramsch mit guten Freunden durch eine paar schöne Flaschen zu trinken….? Da darf dann die Konzentration am Ende auch ein wenig nachlassen….

Carl Loewen 2012 Maximin Herrenberg Alte Reben trocken – recht verschlossen, eine echte Herausforderung am Gaumen aber mit guter Dichte und viel Potential, liegen lassen!

Hamilton Russel 2011 Chardonnay – erfüllte nicht ganz meine großen Erwartungen, das Holz aktuell noch nicht schön eingebunden, wirkte etwas fahrig und ungewohnt unpräzise

Georg Breuer 1999 Berg Schloßberg Riesling – immer wieder Anlass für eine Verneigung vor einem ganz Großen der Branche, und groß ist auch dieser Wein !

Fritz Haag 2013 Brauneberger Riesling trocken – herrlich erfrischend, klar, Trinkspass ohne Ende, ein Wein für die großen Schlucke!

Hans Bausch 2005 Schützenhaus Riesling Auslese – sehr gut, langer Nachhall, dick!

Emrich-Schönleber 2013 Monzinger Frühlingsplätzchen Riesling trocken – was ist das jetzt schon wieder, ein Frühlingsplätzchen aber kein GG? Der Zweitwein? In jedem Fall gut!

Wittmann 2013 Riesling trocken – der ging am Ende irgendwie unter… und reparierte nichts mehr!

Rust en Vrede 2010 Estate – große Klasse vom Kap… druckvoll, guter Zug, hohe Präsenz!

Schneider 2007 Steinsatz Rotwein-Cuvée -

Domaine Assmannshausen 2005 Höllenberg Spätburgunder Spätlese trocken: top!

Meander 2007 Cabernet Sauvignon Napa Valley: Hammerwein, sehr gutter Cabernet mit Tie

Chateau Phélan Ségur 1999 „Frank Phélan“ Saint-Estephe … hinterließ irgendwie keinen nachhaltigen Eindruck, sorry!

Blick nach Südtirol

Weingut Elena Walch, Tramin

2013 Pinot Bianco Kastelaz Alto

Kräftiger Wein aus einer Steillage über Tramin. Im Bukett eher zurückhaltend, Anklänge von Kräutern und Heu. Am Gaumen fest, sehr druckvoll mit angenehmer, gut eingebundener Säure. Kompakt und dicht, dabei gezeichnet von würziger Mineralität, geschliffen im Abgang.

2012 „Beyond the Cloudes“

Kraftvolles Schwergewicht aus 80 Prozent Chardonnay. Expressives Bukett von Zitrus-und Limonenschale, gepaart mit Vanille, Kräuter im Hintergrund, ein wenig Bitterorange nach dem Schwenken. Zunächst am Gaumen viel Chardonnay mit viel Kraft, aber ohne die Dominanz von Alkohol (14 %) und Holz. Fett, aber nicht zu sättigend, ordentlicher Trinkfluss, dicht und komplex, eine Granate mit langem Nachhall!

2011 Kermesse Cuvée Vino Rosso

Üppige, ausladende Cuvée aus fünf Rebsorten. Kräftiges, dunkles Rot mit lila Reflexen. Nach dem Dekantieren Zedernholz, Tabak, weißen Pfeffer und Cassis in der Nase. Am Gaumen üppige Frucht, auf die eine jugendliche Pelzigkeit an der Zunge folgt. ein eher femininer Wein, ein Schmeichler mit allerdings noch ein wenig harter Säure… die Trinkreife und Trinkfreude werden in zwei Jahren ohne jeden Zweifel großartig sein…!

19. Rheingau Gourmet und Wein Festival

19. Rheingau Gourmet und Wein Festival: Das Programm steht, der Termin auch (26. Februar bis 11. März 2015). Rund 45 Veranstaltungen mit vielen Höhepunkten und erwarteten 6500 Gästen. Dazu gehören die Auftritte der Köche wie beispielsweise Harald Wohlfahrt, Christian Bau und Sven Elverfeld, aber auch ihrer ausländischen Kollegen wie Edouard Loubet (Frankreich), Renu Homsombat (Thailand), Enrique Olvera (Mexico) und Onno Komeijer (Niederlande). Wer das nötige Kleingeld hat, sofort buchen: 11 Jahrgänge Roederer Christal, aber auch 30 Jahrgänge Leoville-Las-Cases und 30 Jahrgänge Mouton Rothschild (jeweils nur 20 Plätze) sowie Weltraritätendinner mit Spitzenweinen von 1935 und anderen herausragenden Jahrgängen, auch von der Domaine Romanée Conti! Nähere Einzelheiten von sofort am im Netz... Zur Programmvorstellung gab es als vinologische Vorausschau diese bemerkenswerten Weine:

Weingut Georg Breuer, Rüdesheim

2001 Rottland Riesling Auslese – kristallklar, frisch, jung, exzellent zur Gänseleber

Weingut Robert Weil, Kiedrich

2009 Gräfenberg Riesling 1. Gewächs – kraftstrotzende Eleganz zum Saibling

Mont du Toit, Südafrika

2006 Mont du Toit – sehr hart, rauh, ruppig, ob da durch mehr Reife noch was kommt????

Fattoria Nittardi, Toskana

2009 Nectar Dei – ein warmherziger Schmeichler, feminin, fruchtbetont, viel rotbeerige Finesse

Hessische Staatsweingüter

2007 Steinberger Riesling Spätlese – nicht zu opulent, gerade richtig zum Dessert, gut gereift!

Staatlicher Hofkeller Würzburg

2009 Würzburger Stein Silvaner GG – passte nicht zum Taschenkrebs-Tatar, eher unrund, scheint in einer schwierigen Phase zu sein... da hätte ich mehr erwartet...

Nachrichtenticker...

Glückwunsch an Florian Richter und Jean Frankenbach

Das Deutsche Weininstitut (DWI) hat Björn Zimmer vom Schlosshotel Hugenpoet aus Essen beim "Sommelier-Cup 2014" als besten deutschen Sommelier ausgezeichnet. Den 2. Platz errang Florian Richter vom Hotel Kronenschlösschen in Eltville-Hattenheim! Glückwunsch! Übrigens auch nach Eltville, wo Jean Frankenbach für Jean´s Restaurant im Hotel Frankenbach den ersten Gault-Millau-Stern erkocht hat!

Querbach verlässt VDP

Nach Tesch an der Nahe und Koehler-Ruprecht in der Pfalz hat nun auch das Oestricher Weingut Querbach den VDP verlassen, weil es sich an den neuen Statuten und dem Verzicht auf trockene (!) Kabinett-Weine und Spätlesen mit Lagenbezeichnung stößt…. es wird nicht der letzte Betrieb sein….

Weltweinkonsum wächst

Der globale Weinkonsum ist seit dem Jahr 2000 von 226 Millionen Hektoliter auf 243 Millionen Hektoliter gestiegen, berichtet das Deutsche Weininstitut (DWI) auf der Basis von OIV-Schätzungen. Der Rekord lag 2007 bei 252 Millionen Hektolitern. Der Pro-Kopf-Verbrauch der Weltbevölkerung ist den vergangenen zehn Jahren leicht von 3,7 Liter auf 3,4 Liter gesunken. Diese gegenläufige Entwicklung wird mit der dynamisch wachsenden Weltbevölkerung begründet. Die weltweite Weinmosternte beläuft sich in diesem Jahr nach OIV-Erhebungen voraussichtlich auf 271 Millionen Hektoliter. Das liegt im Mittel der Jahre zwischen 2001 bis 2013, fällt jedoch sechs Prozent kleiner aus als das Vorjahresergebnis.

Aus dem Verkostungstagebuch

Zum 25. Mal im Kloster Eberbach das Riesling-Event schlechthin….die RIESLING GALA !  Die Köche haben geglänzt…, vor allem Nils Henkel mit seinem gebeizten Saibling, Frank Buchholz mit den Kalbsbäckchen und Ralf Zacherl mit der gegrillten Pilgermuschel…. an unserem Tisch gab es Weine von Weil und Dr. Loosen…. und man kann es kaum besser treffen. Unter den vielen Spitzen hebe ich an dieser Stelle nur 4 hervor:

Weil: 2001 Gräfenberg Spätlese – süffig-saftig mit perfektem Säurespiel und langem Nachhall, großer Wein mit großer Zukunft

Weil 2008 Gräfenberg Erstes Gewächs – wer den noch größeren 2004er nicht kennt, der ist sich sicher, dass es kaum etwas Besseres in der jüngeren Ahnenreihe der trockenen Gräfenberg-Weine gibt als diesen 2008er, close to perfection !

Dr. Loosen: 2007 Bernkasteler Lay Riesling trocken – hammergut, Mosel pur!, ganz groß!

Dr. Loosen. 1998 Würzgarten Spätlese – fast schon filigran, elegant perfekte Reife…

und dann „verirrte“ sich am Ende dieser Wein an unseren Tisch….

Dönnhoff: 2003 Schlossböckelheimer Felsen Riesling Spätlese… flüssiges Dessert von der feinsten Sorte, hohe Mineralität und Trinkfreude… klasse und Gruß an die Nahe!

Weingut Allendorf, Winkel

Seit mehr als zwei Jahrzehnten sind die Allendorf-Abende zu Beginn der Glorreichen Rheingau-Tage eine Institution. Ein feines Sechs-Gang-Menü aus der Küche des Nassauer Hofs und die Moderation von Leo Gros begleiteten einen schönen Querschnitt aus dem Allendorf – Sortiment

2004 Winkeler Jesuitengarten Riesling Auslese – belebende Säure, frisch, Dörrobst und Pflaume, elegant

2012 Höllenberg Pinot GG – sehr komplex, gute Frucht und Mineralität, rote Beerenfrüchte

2001 Höllenberg Spätburgunder Sekt brut – ich liebe gut gemachte rote BRUT-Sekte ! eine viel zu seltene Spezialität, an die sich viel zu wenige Sektfreunde heranwagen….

2010 & 2013 Jesuitengarten GG – 2010 erstaunlich hochfarbig und auffallend reif, schwer zu erklären….?!?, 2013 dagegen ganz groß, eine der trockenen Spitzen im Rheingau, zeigt, was 2013 möglich war!

2011 Roter Riesling – zur Maissuppe gut, solo am Gaumen recht anstrengend!

2013 Riesling Kabinett trocken … lief zum Zander mit Zartweizenrisotto zu großer Form auf… erstaunlich guter Essensbegleiter mit moderaten Alkohol!

2009 Winkeler Hasensprung GG – konzentriert, voll, dick, imposant, fehlt aber ein wenig die Finesse und Eleganz

2012 Riesling Charta… Allendorf-Charta ist ähnlich wie Johannishof immer eine Bank!

Vier Jahreszeiten eG, Pfalz

2011 Weißer Burgunder No.1 trocken – sehr schön, was eine deutsche WZG so an Premiumweinen hervorbringen kann…. dieser Pinot ist sehr cremig, spürbares, aber durchaus harmonisch eingebundenes Holz, voller Körper, dick, aber nicht zu mastig… gut !

Weingut Diefenhardt, Martinsthal

2007 Langenberg Riesling 1. Gewächs

sehr voll und fest, dick am Gaumen, lässt keine Finesse zu, guter Essensbegleiter

Weingut Seeger, Baden

2012 Weißer Burgunder Heidelberger Kabinett trocken

natürlich kein leichter Kabinett, aber kräftig und gut mit viel Schmelz, passt zum Senfrostbraten im Pforzheimer Seehaus… eine der besten Adressen in der Goldstadt…

Weingut Hanka, Johannisberg

2013 Riesling Kabinett und Spätlese trocken – wie gewohnt eine sehr gute Basis und ein perfekter Mittelbau im Sortiment… nur ganz oben wird die Luft dünner….

Hamilton-Russel, Hermanus

2010 Pinot Noir – ganz großer Pinot aus Südafrika, perfekte Balance zwischen Grazie und Druck

Weingut Fleischmann, Gau-Algesheim

nicht ohne Grund bei der Bundesweinprämierung sehr erfolgreich…. ein kleiner Querschnitt des aktuellen Sortiments zeigt ein erfreuliches Maß an Klarheit und Präzision… das Preis-Leistungs-Verhältnis ist hier phänomenal… gut gefallen vor allem der Graue Burgunder „S“

Die Gault Millau-Essenz Rheingau

Ein „Jahr der Berglagen“, bei dem sich „die Spreu vom Weizen trennte“, das sieht der Gault Millau für den Rheingau. Die stärkste Kollektion des gesamten Rheingaus und möglicherweise auch in der Geschichte des Weinguts lieferte demnach Peter Jakob Kühn in Oestrich…. Bei Spreitzer wird hingegen die „stilbildende Klarheit“ vermisst. Lob gibt es für Wegeler als stärkstes Drei-Trauben-Weingut. Die besten Rotweine sieht der Führer bei August Kesseler, Chat Sauvage, den Staatsweingütern und der Krone. An der Spitze steht weiter unverändert Robert Weil (fünf Trauben) vor Breuer, Kühn und Leitz (4 rote Trauben), gefolgt von Schloss Johannisberg, August Kesseler, Künstler und Spreitzer (4 schwarze Trauben). Die Drei-Trauben-Weingüter führen Schönborn und Wegeler an. Die besten trockenen Rieslinge für weniger als 15 Euro gibt es demnach bei Künstler, Fred Prinz und Schloss Reinhartshausen. Aufsteiger (in die Zwei-Trauben-Kategorie) sind Bardong, Eva Fricke, Goldatzel und von Oetinger. In die Ein-Trauben-Klasse haben es Daniel und Sohns aus Geisenheim geschafft. Immerhin: es gibt keine Absteiger! Neu verzeichnet ist Baison aus Hochheim. Allerdings ging auch kein einziger „… des Jahres“-Titel in den Rheingau. Die regionalen Siegerweine stammen von Georg Breuer (Schlossberg), Kühn (TBA und Jacobus), Leitz (Kaisersteinfels, Klosterlay) und Weil (TBA und Riesling trocken). Ganz oben auf dem Treppchen aber stehen jeweils andere Weine...

Das Gewann ist wieder da

Wer außerhalb des Rheingaus kann schon einen „Steinmächer“ von einem „Baiken“ unterscheiden? Dass die Rauenthaler Einzellage „Baiken“ zu den angesehensten Herkünften von Rheingauer Weinen zählt, während unter dem Namen der Großlage „Steinmächer“ Weine aus fast 30 Einzellagen in sieben Weinorten des vorderen Rheingaus vermarktet werden dürfen, das ist eine Konsequenz des unseligen 1971er Weingesetzes. Nun wird es noch unübersichtlicher, denn die Gewanne kehren zurück. Wir müssen uns an Weine aus dem Baiken wie Obere Wieshell, Mittlere Wieshell, Untere Wieshell, Baikenkopf, Steinhaufen, Wagenkehr, Hühnerberg und Tries gewöhnen.

Hessen lässt nach einer Änderung des Weinrechts mit dem Jahrgang 2014 zusätzlich historische Gewannbezeichnungen zu. Künftig können Weine nach den häufig aus dem Mittelalter stammenden Namen von Gewannen bezeichnet werden. Davon gibt es einige Hundert im Rheingau. In der 15 Hektar großen Rauenthaler Einzellage „Baiken“ sind es acht. Sie dürfen künftig solo auf dem Etikett stehen („Rauenthaler Steinhaufen“) oder als Anhängsel an die übergeordneten Einzellage („Rauenthaler Baiken-Steinhaufen“).

Voraussetzung für eine Genehmigung zur Verwendung der alten Gewannbezeichnungen auf dem Flaschenetikett ist, dass sie jeweils noch in der amtlichen Liegenschaftskarte verzeichnet sind. 200 Euro Gebühr sind obendrein fällig. Die letzte Entscheidung liegt Anfang 2015 beim Landwirtschaftsministerium. Es sind vor allem VDP-Winzer, die Gewanne für die Einhaltung der neuen Statuten und die Statik ihrer

neuen Qualitätspyramide brauchen. Höhere önologische Anforderungen sind mit den Gewannen aber nicht verbunden. Wir dürfen uns aber auf einige nette und skurrile Bezeichnungen wie „Im Paradies“, „Bauernacker“ oder „Am Kopfhäng“ freuen.

Wenn ein Weingut somit aus dem „Rauenthaler Baiken“ schon ein Großes Gewächs als trockenen Spitzenwein vermarkten will, darf es nach den VDP-Statuten zusätzlich keinen trockenen Kabinett und auch keine trockene Spätlese mit dieser Weinbergsbezeichnung geben. Der Ausweg ist das Gewann und somit zusätzlich zum normalen „Baiken“ ein „Rauenthaler Baiken-Steinhaufen.“ Die Hessischen Staatsweingüter haben Gewannbezeichnungen in mehreren großen Einzellagen beantragt, beispielsweise für den rund 34 Hektar großen Steinberg das „Zehntstück“, im Baiken den „Baikenkopf“ und in Rüdesheim das „Hinterhaus“ (liegt m Rottland). Das Eltviller Weinbauamt wurde von der Flut der Anträge auf Gewanne ein wenig überrascht. Eine genaue Aufstellung gibt es noch nicht. Aber nicht für jedes VDP-Weingut sind die Gewanne der Ausweg aus dem Dilemma des Lagenverbrauchs, das zeigen die Austritte in jüngerer Zeit der Weingüter Tesch an der Nahe, Koehler-Ruprecht in der Pfalz und Querbach im Rheingau. Es werden nicht die letzten sein. Aber kein Grund zur Aufregung!

(leicht gekürzte und modifizierte Version meines Textes für die F.A.Z. vom 04.11.14)

Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Künstler, Hochheim

1998 Kirchenstück Riesling Auslese trocken – man man über trockene Auslese denken was man will, diese ist einfach großartig, eine echte Rieslingmajestät aus der Doppelmagnum von imposanter Frische, mit feiner, subtiler Eleganz und Mineralität, wow! Einer der besten 1998er der letzten Zeit... Trinkfreude pur!

Weingut Balthasar Ress, Hattenheim

2013 Riesling „R“ – Das Beste aus Rüdesheimer Lagen, noch recht verschlossen aber mit phänomenalen Ansätzen... hoffe, ich kann dieser Wein mit der Zunge weiter begleiten auf seinem Weg in die Zukunft...

Weingut Robert Weil, Kiedrich

2004 Gräfenberg 1. Gewächse . schon wieder dieser Wein zum Niederknien auf meiner Zunge… überstrahlt alles und muss deshalb solo getrunken werden ! Das zu diesem Zeitpunkt das perfekt-beste von Weil!

Weingut August Kesseler, Assmannshausen

2011 Lorcher Schlossberg Riesling Spätlese Alte Reben – anbetungswürdig… vielleicht der beste 2011er Riesling zur Zeit aus dem Rheingau

Weingut Eva Fricke, Kiedrich

2012 Lorcher Schlossberg Riesling feinherb – sehr mineralisch mit gutem Zug !

Weingut Schloss Reinhartshausen, Erbach

2013 Erbach Schloßberg Riesling trocken – Edelstein aus Monopollage, gut!

Hamilton Russel, Hermanus

2010 Pinot Noir – unheimlich geschliffen und elegant mit feiner Würze, groß!

Roter Riesling - Klimariesling???

Allendorf hat ihn schon, aber auch G. H. von Mumm und Baron Knyphausen, Freimuth und Corvers-Kauter, nicht zu vergessen der mit dieser Rebsorte führende Erzeuger weltweit: Die Bergsträßer Winzergenossenschaft. Der Rote Riesling kommt, und wenn Rheinland-Pfalz nicht so pingelig auf die formelle Zulassung des Bundessortenamtes warten würde, wären es noch mehr, denn mehr als 80 Rheinland-Pfälzer Winzer wollen auf zusammen 40 Hektar mit Rotem Riesling experimentieren… Das ist das Ergebnis eines ersten Symposiums über diese Variante der Rheingauer Leitsorte, das die Hochschule Geisenheim gemeinsam mit Slow Food Rheingau veranstaltet hat. Dabei war viel vom „Klimariesling der Zukunft die Rede“, weil die Sorte angeblich eine Woche später faul wird als der Weiße Vetter. Denn Riesling ist nicht gleich Riesling. Es gibt nicht nur mehr als 60 Klone, die im Weinberg jeweils unterschiedliche Erträge bringen, sondern auch zahlreiche Spielarten und Mutationen. Zu ihnen zählt der „Rote Riesling“, der anders als der weithin verbreitete Weiße Riesling eine rötliche Beerenhaut aufweist. Solche Variationen sind keine Seltenheit. Viele Rebsorten und ihre Abarten haben „Vornamen“, die ihre Unterscheidung erleichtern, beispielsweise Blauer und Grüner Silvaner, Gelber und Roter Muskateller, Weißer und Grauer Burgunder. Roter Riesling ist insofern eine Besonderheit, weil er als Urform des Rieslings gilt und als autochthone Variante mehr Aufmerksamkeit verdient. Das meinen nicht nur die Rebenzüchter der Hochschule Geisenheim, sondern auch die Slow-Food-Bewegung. Dass rund 200 Zuhörer den größten Hörsaal der Hochschule füllten, übertraf nicht nur die Erwartungen der Veranstalter sondern gibt ihnen auch Hoffnung, dass Roter Riesling eine Zukunft in den Weinbergen hat.

Hans-Rainer Schultz, Klimaforscher und Präsident der Hochschule Geisenheim, sieht im Anbau des Roten Rieslings eine Möglichkeit, die biologische Vielfalt im Weinbau zu stärken und sich für die Herausforderungen des Klimawandels besser zu wappnen. Schultz warnte vor einem weiteren Verlust genetischer Vielfalt in der Landwirtschaft. Ulrich Steger von Slow Food Rheingau sagte, Roter Riesling sei „nicht so säurebetont“ wie sein weißer Bruder und wegen seiner etwas anderen Eigenschaften auch eine „Versicherung gegen den Klimawandel“. Steger lobt das regionale Profil dieser Rebsorte als Kontraktpunkt zu internationalen Massensorten, aber er gab auch zu: „Verbraucher lieben keine unbekannten Sorten.“ Slow Food hofft, dass Roter Riesling bundesweit bald auf 50 Hektar angebaut werden. Bislang liegt der Schwerpunkt mit 30 Hektar ganz klar in Hessen, davon entfallen fast acht Hektar auf die Bergsträßer WZG. Im Rheingau gehörte der Mittelheimer Winzer Matthias Corvers zu den Pionieren, die den Anbau von Rotem Riesling forcieren und damit auch Geld verdienen wollen. Corvers stieß bei der Suche nach alten, kleinbeerigen Klonen auf den Roten Riesling und entschied, ihn 2004 anzupflanzen. Ihn hatte der intensive Geschmack und die andere Säurestruktur überzeugt dieser alten, autochthonen Sorte überzeugt. Geschmacklich tendiere der Wein mehr zu „weißen Früchten wie Birne und werde als „zarte Variante“ des „normalen“ Rieslings wahrgenommen. Für Bergsträßer Rebenveredler Reinhard Antes fallen die Weine stoffiger und extraktreicher aus.

Die Probe von gut einem Dutzend Weine belegte das nicht ganz. Die Weine von G.H. von Mumm, Prinz (Hallgarten) und Corvers gefielen mit am besten, erstaunlich gut der gereifte RR der Hochschule aus dem Jahrgang 2004. Es scheint aber, dass der RR sehr gut für feinherbe Tropfen geeignet ist, aber weniger für die Spitzenprodukte wie trockene GG…. Ob das seine Verbreitung wirklich fördert, bleibt spannend…

Koehler-Ruprecht verlässt den VDP

Das Pfälzer Traditionsweingut Koehler-Ruprecht, das seit 1926 dem VDP-Vorläufer „Verein der Naturweinversteigerer der Rheinpfalz“ angehört, verlässt zum Jahresende die Prädikatsweingüter. Geschäftsführer Dominik Sona und die Besitzerfamilie Sauvage äußern in einer Pressemitteilung zwar ihr Bedauern. Sie sehen den Schritt aber als Ende einer langen Entwicklung die schon 1997 mit der „Erklärung zur Lage“ mehrerer Weingüter zur Erzeugung hochwertiger trockener Rieslinge aus besten Lagen begann.

Als Anlass wird die „Übereinkunft der Kollegen“ genannt, alle trockenen Weine nur noch als Qualitätsweine zu bezeichnen und damit anreichern zu dürfen. Koehler-Ruprecht hingegen produziere „aus Überzeugung“ Prädikatsweine in der Tradition der Naturweinversteigerer. Nicht angereicherte Moste seien Voraussetzung für authentische Weine. Zudem bedeute die neue VDP-Klassifikation mit dem Lagenverbrauch im Hinblick auf die wichtigste Lage des Gutes, den Kallstadter Saumagen, eine Einschränkung, „die unserer Philosophie diametral gegenübersteht“. „Wir sind der festen Überzeugung, dass nicht das Bezeichnungsrecht einen großen Wein definiert, sondern nur der Wein selbst.“, heißt es in der Erklärung. Da die 2012 im „Neustadter Beschluss“ festgelegte Klassifikation von allen VDP-Betrieben mit dem Jahrgang 2012 umgesetzt werden müsse, „sind wir gezwungen, die Mitgliedschaft zu beenden.“

Sehr schade! Mein Fazit: Nein, überraschend kommt das nicht!. Es war und ist absehbar, dass den VDP unter anderem wegen der neuen Klassifikation und dem damit erzwungen Verzicht auf trockene Kabinettweine und trockene Spätlesen mit Lagenbezeichnung (!) einige Weingüter verlassen werden. Das wird wohl auch im Rheingau so sein. Viel hängt wohl davon ab, ob manches Weingut zumindest in einigen Weinregionen wie dem Rheingau mit der Hilfskrücke der „Gewannbezeichnung“ weiterkommt. Ob der Weg des VDP richtig ist, wird sich wohl erst in einigen Jahren in seiner Gesamtheit zeigen. Einerseits gehen dem Verband einige wichtige und bedeutsame Weingüter verloren. Andererseits wird die Verbands-Philosophie stringenter und konsequenter (der Kritiker wird uniformer sagen!) : Ob es den trockenen Lagenkabinett wirklich braucht (von der Spätlese ganz zu schweigen), daran habe ich persönlich schon meine Zweifel, zumal der Kabinett (mit K) eine recht nichtssagende Kategorie geworden ist. Ohne genaue Kenntnis der Weingutsphilosophie ist das ein Begriff ohne Wert (ich erinnere mich ungerne an den vermeintlich „besten Kabinett“ weltweit, der vor einigen Jahren in London gekürt wurde… ein Rheingauer mit 95 Oechsle und 14% Alkohol… aber „Kabinett“ auf dem Etikett… als Leichtweinspezialität ist der Kabinett in der Welt unschlagbar, aber ist der dann noch ein präziser Botschafter seiner Lage… ?

Nachrichtenticker

Die Burgunder kommen

Weiß- und Grauburgunder haben nach Angaben des DWI den größten Flächenzuwächsen. Mit 5316 Hektar hat der Grauburgunder 2013 den Silvaner vom dritten Platz in der Weißwein-Rebsortenstatistik verdrängt. Der Weißburgunder hat mit einer Fläche von 4639 Hektar einen neuen Höchststand erreicht. Damit stehen laut DWI die deutschen Erzeuger mit ihrem Weißburgunderangebot weltweit an erster Stelle und sei zweitwichtigster Grauburgunder-Produzent der Welt. Beim Spätburgunder stehe Deutschland mit derzeit 11.775 Hektar auf Rang drei hinter Frankreich und den USA.

Wieder ein Medaillenregen

Hessens Winzer haben 1564 Weine und 84 Sekte zur Bewertung für die Landesweinprämierung eingereicht. Wie gewohnt ergoss sich ein Medaillenregen. Weniger als zehn Prozent der Weine erhielten keine Medaille, dafür wurden 575 mit einer goldenen, 603 mit seiner silbernen und 252 mit einer bronzenen Münze bedacht. Staatsehrenpreise für ihre Gesamtleistung erhielten das Hattenheimer Weingut Gerster-Wagner (bis fünf Hektar), das Hochheimer Weingut Mitter-Velten (bis zehn Hektar), das Oestrich-Winkeler VDP-Weingut F.B. Schönleber (bis 18 Hektar), das Wickerer VDP-Weingut Flick (bis 35 Hektar) und das Hochheimer VDP-Weingut Künstler (mehr als 35 Hektar). An der Bergstraße gewann das Weingut Edling. Zudem wurden einige Landessieger ermittelt: Den besten trockenen Riesling erzeugte demnach das Weingut Schreiber in Hochheim, den besten Spätburgunder das Weingut Freimuth in Geisenheim. Die Siegerweine können am Sonntag, 25. Oktober, von 14 bis 19 Uhr im Dormitorium von Kloster Eberbach bei der Veranstaltung „Weingenuss im Kloster“ probiert werden.

2014 weniger Wein in Europa

Die europäische Weinmosternte des Jahrgangs 2014 wird mit voraussichtlich 157,7 Millionen Hektolitern um etwa zehn Prozent kleiner ausfallen als im Vorjahr und um sechs Prozent niedriger als im fünfjährigen Durchschnitt. Dies teilt das DWI auf Basis aktueller Ernteschätzungen mit. Größere Mengeneinbußen mussten die südeuropäischen Weinbauländer hinnehmen. Spanien und Italien erwarten ein Minus von rund 15 Millionen Hektolitern. In Frankreich rechnet man mit einem Plus von zwei Prozent. Die deutschen Erzeuger haben mit voraussichtlich 9,4 Millionen Hektolitern eine Million Hektoliter mehr eingelagert, als vom mengenmäßig unterdurchschnittlichen 2013er.

Französische oder US-Eiche für den Pinot Noir?

Weingut Schönleber-Blümlein, Winkel

2009 Maximus VIII und Maximus IX

Bekommt dem Rheingauer Pinot Noir die französische Allier-Eiche oder die amerikanische Eiche besser???. Bei Frank Schönleber kann man dieser Frage mit der gebotenen Ernsthaftigkeit nachgehen, denn er baut Pinot gleicher Güte in verschiedenen Barriques aus, ohne diese Partien hinterher zusammenzuführen. Schon 2008 war in dieser Hinsicht extrem spannend. Hatte zunächst die US-Variante mehr Biss und mehr Spannung (während das Franzosenfass den Wein nach meinem Empfinden „weichspülte“, so drehte sich das mit der Zeit. Heute hat der 2008er Pinot aus der Allier-Eiche schmeckbar mehr Harmonie und Trinkfluss. 2009 ist jedoch der deutlich stärkere Rotweinjahrgang, und das schlägt sich auch in einer größeren Widerstandskraft des Weins gegenüber dem Holzeinfluss nieder. Allier- und US-Eiche liegen aktuell und geschmacklich noch sehr eng beieinander…. aber die französische Ausbauart lässt den Wein – im Gegensatz zu 2008 - zum gegenwärtigen Zeitpunkt schon etwas zugänglicher, geschmeidiger und finessenreicher erscheinen, der Ami dagegen wirkt etwas ruppiger und eine Spur säurebetonter… es bleibt also spannend… wir behalten das Paar im Blick !

Weingut Koegler, Eltville

2008 Rubeus Spätburgunder trocken

2008 Eltviller Sonnenberg Spätburgunder 1. Gewächs

Auch bei Koegler zeigt sich, wie gut sich Pinot aus 2008 entwickeln kann, wenn der Holzeinsatz mit Herz und Verstand geschieht. Während Rubeus heute sehr voll, opulent und körperbetont daherkommt, wirkt die Finesse und Geschmeidigkeit des 1. Gewächses lange nach…. So gut kann Rheingauer Pinot auch jenseits von Rüdesheim, Lorch und Assmannshausen wachsen…

Weingut Johannes Ohlig, Winkel

2009 Spätburgunder Barrique – nicht mit Holz überladen, sondern sehr fruchtig mit guter Säure und Biss

Weingut Rußler, Rauenthal

2011 Rauenthaler Steinmächer Spätburgunder im Barrique gereift

der Nachfolger des überraschend starken 2010er, der sich bei meinem Rotweinwettbewerb als einziger 2010 in die Liste der Besten eintragen konnte. 2011 wirkt noch sehr jung und fast ein wenig verschlossen, aber die Anlagen sind sehr gut… braucht noch ein wenig Zeit…. die könnte dazu genutzt werden, die nichtssagende Großlage Steinmächer vom Etikett zu tilgen…

Weingut Ehrhard, Rüdesheim

2009 Roseneck Spätburgunder Barrique – sehr fest mit guter Frucht und Länge, hat noch eine gute Zukunft vor sich… erinnert mich geschmacklich ein wenig an diesen, kürzlich schon beschriebenen Wein

Weingut Sohns, Geisenheim

2007 Spätburgunder Barrique

eine echte Überraschung, taufrisch, präzise, fest am Gaumen, gut, jetzt auf dem Höhepunkt, trinken!

Aus dem Verkostungstagebuch

Doppio Passo: 2012 Salento Primitivo

fruchtig, beerig, aber unangenehm süss im Abgang, und dazu noch ein Kunststoffkorken… hat sich irgendwie in meinen Weinkühlschrank geschmuggelt… nichts Böses ahnend geöffnet.... ein halbtrockener Süditaliener!!!, uff, das geht vielleicht im LEH ... aber sonst? der (große) Rest ging in die Soße… schüttel!!

Campillo: 2006 Rioja Reserva

kein Überflieger, aber ein netter, voller Absacker am Abend… spanischer Tempranillo mittlerer Güte, da gibt es nicht viel darüber zu diskutieren…., immerhin aus dem Weingut soll es auch sehr gute Tinto Reservas geben....war mir leider noch nicht vergönnt....

Weingut Mohr, Lorch

2013 Gelber Muskateller – eine Rarität im Rheingau, glasklar, ausdrucksstark, finessenreich

2013 Riesling Kabinett feinherb – sehr süffiger Alltagswein ohne Ecken und Kanten

2010 Höllenberg Spätburgunder trocken – typischer Höllenberg mit guter Frucht und Länge, für den schwachen Jahrgang 2010 sein sehr gutes Exemplar

2011 Lorcher Krone 1. Gewächs – am Gaumen fest, guter Zug, voll aber nicht zu alkoholisch

Weingut Sohns, Geisenheim

2007 Spätburgunder Barrique

eine echte rote Überraschung, taufrisch, präzise, verhaltene Frucht, fest am Gaumen, gut

August Kesseler, Assmannshausen

2012 Lorcher Riesling

beeindruckend guter Ortswein mit viel Finesse und guter Länge

Bischöfliches Weingut, Rüdesheim

2012 Riesling a priori S

da hätte der Bischof eigentlich seine rechte Freude dran haben können… aber ihm ging es ja mehr ums standesgemäße Wohnen als ums Trinken….

Schloss Johannisberg, Johannisberg

2013 Riesling Gelblack – in diesem jungen Stadium sehr kernig, nervig, herzhaft, frisch, fruchtig, lebendig und säurebetont

G.H. von Mumm, Johannisberg

2011 Höllenberg Spätburgunder GG – gute Frucht und Länge, könnte aber für den GG noch voller, kräftiger und substantieller wirken, da wäre mehr zu erwarten…

Vollernter für Steillagen

Der Erhalt der Rheingauer und Bergsträßer Steillagen ist ein Dienst an der hessischen Kulturlandschaft. Weinberge mit einer Steigung von mehr als 35 Prozent entzogen sich bislang weitgehend einer Mechanisierung der Bewirtschaftung. Nun scheint der Durchbruch geschafft. In diesem Herbst testeten die Staatsweingüter erstmals in der mit 50 Prozent Hangneigung steilen Lage Rauenthaler Langenstück den neuen Vollernter, den das Piesporter Landmaschinenunternehmen Carl Hoffmann seit 2012 zwei Jahren zur Marktreife entwickelt hat. Diese Maschine ist auf eine Raupe mit Hangelwinde montiert und kann nach Angaben des Herstellers bis zu 75 Prozent steile Weinberge abernten. Die 30 herkömmlichen Vollernter, die im Rheingau stationiert sind, müssen bei 35 bis 40 Prozent aufgeben. Die Innovation, die der Mechanisierung der Steillagenbewirtschaftung den Weg ebnet, ist mit knapp 200.000 Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung gefördert worden. Der Geschäftsführer der Staatsweingüter, Dieter Greiner, zeigte sich sehr zufrieden mit dem ersten Test. Er sei überrascht über die Qualität der geernteten Trauben und die trotz des hohen Gewichts der Maschine geringe Bodenverdichtung. Auf der Raupe können auch Geräte zum Pflanzenschutz und für andere Weinbergsarbeiten während des Jahres montiert werden.

Nachrichtenticker

„Darauf hat die Welt gewartet“

In der Lage Oberemmeler Hütte ist durch 14 Lesehelfer des VDP-Weinguts von Hövel und unter Einsatz von Stirnlampen ein Fuder des „weltweit ersten und einzigen Feng Shui Riesling Vollmondweins“ geerntet worden. Ein Projekt von Max von Kunow, Feng Shui-Meisterin Gabriele Podzun und Hans-Jürgen Podzun, das in der Vollmondnacht am 18. Oktober 2013 gestartet worden war. Herauskommen soll ein fruchtsüßer Riesling Kabinett mit besonderem Etikett. Der Wein soll an einem nach dem Mondkalender festgelegten Termin im April oder Mai 2015 gefüllt werden und wird exklusiv im Herbst 2015 auf der VDP-Versteigerung in Trier angeboten. (Pressemeldung von Hans-Jürgen Podzun)

Entschlüsselung des Weinaromas

Die Mehrzahl der Weine auf der Welt werden aus rund 20 verschiedenen Rebsorten gekeltert, die alle ein typisches Aroma aufweisen. Verantwortlich dafür sind Terpene: eine vielseitige chemische Stoffklasse, zu der auch Cholesterin und Östrogen zählen. Forscher der Hochschule Geisenheim und der Technischen Universität München sowie der Uni Bonn haben jetzt dank Förderung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft zwei Enzyme identifiziert, die bestimmen, wie hoch der Terpenanteil - und damit die Aromaintensität - in Weintrauben ist. Diese Erkenntnisse könnten eine wichtige Rolle bei der Weiterentwicklung von Rebsorten spielen. Nach welchem Aroma ein Wein schmeckt hängt offenbar von der Zusammensetzung der Terpene ab, die sich mit zunehmendem Reifegrad in der Haut der Weintrauben anreichern. Wie viel Terpen gebildet wird, hängt von Faktoren wie Boden und Klima ab. Allerdings tragen die Terpene nur dann zum Aroma bei, wenn sie frei vorliegen, in Riesling-Trauben sind das lediglich 20 Prozent. Die Forscher hoffen, einen grundlegenden Mechanismus gefunden zu haben, der für die Züchtung neuer oder die Veredelung bekannter Rebsorten relevant sein könnte. Züchter könnten schon bald gezielt Rebstöcke auswählen, deren Genprofil einen hohen Anteil an freien Terpenen erwarten lässt - und die deswegen besonders aromatisch sind. Stellschraube sind dabei die zuckerübertragenden Enzyme. Sobald die Genprofile der bekannten Rebsorten ermittelt sind, können die neuen Erkenntnisse direkt auf die Praxis übertragen werden.