• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Riesling Gala, die 28.

In Frankreich wurde seit jeher getafelt, in Deutschland gegessen. Meist bieder und bürgerlich. In den ersten Jahrzehnten nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs waren deftig servierte Kalorien in deutschen Lokalen in der Regel wichtiger als Geschmack. Das änderte sich spätestens zu Beginn der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts, als Jörg Müller die kulinarische Verantwortung in der Küche der „Schweizer Stuben“ in Wertheim-Bettingen übernahm. Die „Schweizer Stuben“ galt in den Siebzigern gemeinsam mit dem Münchner Feinschmeckerlokal „Tantris“ und der „Ente vom Lehel“ in Wiesbaden als Ausgangspunkt eines deutschen Küchenwunders. Einer jener jungen ambitionierten Köche in der nach höchsten Ehren strebenden Küchenbrigade der Schweizer Stuben war Egbert Engelhardt, der 1984 in Oestrich-Winkel mit dem „Grauen Haus“ einen Michelin-Stern in den Rheingau brachte. Egbert ist einer der Väter der vor drei Jahrzehnten initiierten Riesling-Gala als kulinarischen Höhepunkts der Glorreichen Rheingau Tage. Insgesamt 28 Mal war Engelhardt seither künstlerisch-kulinarischer Leiter eines ungewöhnlichen Festivals der Genüsse. Diese Gala war sein Abschied und zugleich eine Hommage an die frühen Sternstunden deutscher Küchenkunst. Deutsche Kochlegenden zelebrierten für mehr als 600 Gäste ein formidables Sechs-Gang-Menü. Allen voran Altmeister Jörg Müller, aber ebenso Johann Lafer, Dieter Müller, Hans Stefan Steinheuer und Burkhard Schork. Engelhardt selbst stellte sich nach Jahren der kulinarischen Oberaufsicht wieder an den Herd und kredenzte mit seinem Team gegrillten Hummer. Jörg Müller leitete die Gala mit einem getrüffelten Geflügel-Gänseleber-Parfait im Baumkuchenmantel ein, Dieter Müller folgte mit einer Curry-Zitronengrassuppe, Schork mit einer feinen Perlhuhnbrust auf Polenta sowie Steinheuer mit Spessart-Reh in Nusskruste, ehe Johann Lafer mit einer Mousse von der Rheingauer Quitte mit cremigem Maroneneis den Schlusspunkt setzt. Mehr als fünf Stunden vergnüglicher Tafelfreuden, dazu an unserem Tisch beste Weine von Weil und Dr. Loosen.

Der „Hammer“ war der 1990 Graach Himmelreich Sekt brut… unbeschreiblich gut. Einsame Spitze der 2007 Turmberg trocken von Weil, dessen 2009 Gräfenberg trocken aus der Salmanazar und Loosens 2012 Würzgarten GG Réserve aus der Doppelmagnum. Groß!