• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

VDP.Auktion.Réserve - was ist das denn?

Jetzt ist die Katze aus dem Sack: Mit einer Verknappung des Angebots, mit eigens gefüllten VDP.Auktion.Réserve-Weinen und mit einer Öffnung in die digitale Welt durch einen Live-Stream via geschlossener Facebook-Gruppe wollen die Prädikatsweingüter im Rheingau die lange Tradition der Weinauktionen bewahren und in die digitale Zukunft retten.

Mit der herrschaftlichen Weinversteigerung war im Frühjahr 1806 im Kloster Eberbach die Tradition der Weinauktionen in der alten Zisterzienserabtei begonnen worden. Schon 1897 hatte sich die "Vereinigung Rheingauer Naturweinversteigerer" gegründet, der Vorläuferin des VDP. Die Versteigerungen sind somit ein bedeutender Teil der Rheingauer Weinkultur. Ihre Bedeutung allerdings war immer wieder starken Schwankungen unterworfen, und aus einem rein ökonomischen Blickwinkel wäre der Aufwand heute verzichtbar. Mit einer Frühjahrs- und einer Herbstversteigerung der Hessischen Staatsweingüter, einer VDP-Versteigerung im September und einer Raritätenauktion in Zusammenarbeit mit dem Londoner Auktionshaus Christie's hatte es vor 20 Jahren im Rheingau noch vier Auktionen gegeben. Vom 10. März 2018 an gibt es nur noch eine, nachdem der VDP seine Herbstauktion abgesagt hat und sich der Auktion der Staatsweingüter im Zuge des Rheingau Gourmet und Wein Festivals angeschlossen hat.

Es ist die notwendige Anpassung an die Veränderungen des Weinmarktes, der Vertriebswege und der Gewohnheiten der Weintrinker. „Die Weinversteigerung passt eigentlich nicht mehr in die heutige Zeit“, sagt der VDP-Vorsitzende und Kiedricher Spitzenwinzer Wilhelm Weil. Die Aktion aufzugeben kommt für traditionsbewusste Winzer aber nicht in Betracht. Nun also der Neustart mit „VDP.Auktion.Réserve“. Weil spricht von „preiswürdigen und erschwinglichen“ Weinen von geprüfter Qualität und „mit hohem Trinkfluss.“ Dirk Würtz und Marc Barth haben eine geschlossene Facebook-Gruppe gegründet und sichten während der Auktion live alle Gebote, die sie an die Kommissionäre weiterleiten. Es bleibt aber dabei, dass allein die zehn zugelassenen Kommissionäre direkt Gebote für die 4452 Flaschen bei Auktionator Leo Gros abgeben dürfen. Für die rund 400 Gäste im Dormitorium von Kloster Eberbach bleibt weitgehend alles beim Alten. Vor allem bleibt es bei der populären Tradition der „nassen“ Versteigerung, bei alle angebotenen Weine vor dem Zuschlag verkostet werden können. Eine Ausnahme sind besondere Raritäten.

Spannend wird sein, ob in den kommenden Jahren noch der eine oder andere VDP-Winzer dazu stoßen wird, wenn das Konzept erst einmal etabliert ist. Zum Auftakt sind es zehn Weingüter einschließlich der Staatsweingüter, die fast die Hälfte aller 37 Weinpartien anbieten. Diese Partien umfassen bis zu 300 Flaschen Wein, es gibt aber auch Einzelstücke wie eine neun Liter fassende Flasche, die mit Kiedricher Gräfenberg des Jahrgangs 2004 aus dem Weingut Weil gefüllt ist. Die Staatsweingüter setzen mit einem Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder auf dem Jahr 1938 die Tradition des Benefizweins fort, der für einen guten Zweck versteigert werden soll. Ebenfalls aus dem Jahr 1938 stammt eine Riesling Trockenbeerenauslese aus der Schatzkammer der Staatsweingüter, die den Schlusspunkt setzen wird. Unter dem Strich somit mehr „Leistungsschau“, weniger Umsatz, dafür mehr Image, Marketing und Öffentlichkeitswirkung – wenn die Rechnung aufgeht.

Ich hatte die Gelegenheit, bei der Präsentation die meisten Weine schon mal verkosten zu dürfen, hier ein erster Eindruck.

2016 VDP.Auktion.Réserve als Riesling von Weil, Ress, Johannishof, Georg-Müller-Stiftung, als Spätburgunder von Allendorf, den Staatsweingüter, als Sekt von Barth, als Fehlanzeige bei Vollrads, Johannisberg und Prinz). Startpreis jeweils 12 Euro, also ein gehobener Gutswein oder so… der VDP spricht von „gehobener Ortsweinqualität“, was leider angesichts der neuen VDP-Pyramide total missverständlich ist… aber gut. Die Qualität ist gut, bei Weil und Ress sehr gut, bei der Müller-Stiftung mäßig weil sehr unpräzise und schwammig.

Sehr, sehr ordentlich der Höllenberg 2012 und 2015 der Staatsweingüter. Selbst ersteigern würde ich mit dem nötigen Kleingeld ausgestattet die 9-Liter Flasche Weil Gräfenberg 2004 EG ( der beste trockene Gräfenberg seit 1999), das 2016er Rottland GG von Ress in der Methusalem-Flasche, den genialen 2013er Steinberger der Staatsweingüter sowie den 2016er Steinberger Kabinett und von Prinz die 2016er Jungfer Kabinett. Von der perfekten 2016er Weil-Auslese erst gar nicht zu reden. So, jetzt sind wir Weinenthusiasten am Zug. Der Anfang ist gemacht, wird spannend im März. Ich bin dabei. (siehe auch F.A.Z.)