• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Sekt und Sachsen

Reuter & Sturm, Walluf

Die kleine Sektkellerei am Wallufer Bahnhof hat es bisweilen nicht leicht, zwischen MM und Ohlig, zwischen Schloss Vaux, Bardong und Sekt-Güter wie Barth und F.B. Schönleber wahrgenommen zu werden, doch das ist ungerecht. Nach einer leider längeren Pause habe ich das Sortiment der flaschenvergorenen Sekte mal wieder verkostet… und sehe meine seinerzeit höchst positive Einschätzung bestätigt. Sehr gute Qualität zum phänomenalen Preis-Leistungsverhältnis, das zeichnet Reuter & Sturm aus.

2015 Weißer Burgunder Brut – eine cremig-feine Cuvée aus vornehmlich Hochheimer Lagenweinen von Spätlese-Qualität. Recht weich und samtig, ohne dabei charakterlos zu wirken, hoher Trinkfluss, sollte in großen Schlucken genossen werden, bei 11,80 Euro tut das auch nicht weh! Eine echte Kaufempfehlung!

2015 Roter Riesling Rauenthaler Rothenberg brut – der Rote Riesling boomt in der Nische, und das gilt auch beim Sekt. Im Rheingau ist das eine Rarität, erzeugt aus vollreifem Lesegut. Sehr cremig, sehr voll, auch sehr kräftig, daher vornehmlich für eine Rolle als Essensbegleiter prädestiniert. Für mich einen Tick zu süss und einen Tick zu kräftig, was den Trinkfluss ein wenig hemmt, aber zu vielen Speisen sicherlich perfekt.

2014 Cuvée R+S brut – der Hammer und mein Liebling! Riesling und Spätburgunder zu einer perfekten Ehe vermählt. Ein Sekt von hoher Präzision und Geschliffenheit, auf dem Punkt, Dichte und Eleganz fein verwoben, herausragend eingebundene Säure, Lebendigkeit, Finesse, Trinkanimation pur.

2013 Opus Riesling brut – Cuvée aus Riesling-Auslese, die Grundweine stammen vornehmlich aus Hochheim. Sehr voll, langer Nachhall, feinperlige Eleganz, eine Riesling-Sekt-Majestät

2013 Pinot Noir extra dry Rotsekt – noch so eine Rarität im Rheingau. Helmut Sturm hält wenig davon, Rotsekte zu trocken zu erzeugen. Er will Frucht und Trinkfluss bewahren, und dieser Pinot ist dafür ein gutes Beispiel, wenn auch nicht jedermanns Sache. Als Essensbegleiter ebenfalls sehr gut geeignet.

Sachsenweine

Eine geschmackvolle Stichprobe sächsischer Weine haben wir kürzlich in der Runde der „Kranenmeister zu Oestrich“ verkostet, und das Ergebnis an Zunge und Gaumen konnte sich sehen lassen und bestätigte die durchaus guten Erfahrungen meines ausgedehnten Trips nach Meißen, Radebeul und Dresden (die hier weiter unten im Blog zu finden sind…) Verkostet wurden in trauter Runde bei Chat Sauvage in Johannisberg:

Zimmerling, Dresden: 2013 Pillnitzer Königlicher Weinberg Riesling, 2015 Weißburgunder und 2015 Gewürztraminer Königlicher Weinberg VDP.Große Lage

Ingesamt hätte ich ein wenig mehr von Zimmerling erwartet, auch wenn er im Flight den besten Riesling stellt, zum Preis von 24 Euro je 0,5er-Flasche aber höchst anspruchsvoll. Den Gewürztraminer fand ich sehr beachtlich, auch wenn es nicht unbedingt meine favorisierte Rebsorte ist.

Schuh, Sörnewitz: 2015 Meissner Kapitelberg, 2015 Meissner Klausenberg Weißburgunder und 2016 Goldriesling sowie 2014 Dunkelfelder (!!!)

Bei Schuh gibt es in jedem Fall noch Luft nach oben, auch wenn der Goldriesling sehr gut und sehr rebsortentypisch ist und somit eine gute sächsische Visitenkarte. Besonders auffällig war der Dunkefelder… Hut ab, was ein guter Winzer aus einer solchen Verschnitt-Rebsorte zaubern kann, eine echte Überraschung.

Schloss Wackerbarth, Radebeul: 2015 Steinrücken Riesling und 2015 Blaufränkisch

Beide Weine haben mir gut gefallen, ohne scheint mir das große Staatsweingut ein positive Entwicklung zu nehmen,, zwar habe ich aus dem Sortiment beim Besuch vor Ort schon bessere Weine als die beiden nun verkosteten getrunken, aber der Blaufränkisch ist wirklich nicht von schlechten Eltern!

Weingut Schloss Proschwitz: 2015 Weißburgunder Heilig Kreuz und 2015 Scheurebe sowie Spätburgunder VDP.Große Lage… ein Vorzeigebetrieb in Sachsen mit verlässlich guter Qualität. Der Spätburgunder zeigt, welches Potential auch in Sachsen geweckt werden kann, und der Weißburgunder hab mich mit seiner Finesse und seinem guten Trinkfluss überzeugt… auch wenn ich da im Weißburgunder-Flight in der Minderheit war, denn die Mehrheit votierte für Schuh.