• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Wandern und genießen

Auf dem Flötenweg

Rund 3000 Besucher oder mehr sprechen eine deutliche Sprache. Der Flötenwanderweg zwischen Hallgarten und Schloss Johannisberg ist als Wanderwegenetz beliebt, und das gut organisierte „Wandererlebnis Flötenweg“ haben neben „Natur pur“ in Hattenheim (3. Oktober), der „Bubenhäuser Weinrunde“ (Pfingstmontag) und der „Eibinger Weinwanderung“ (Seit 1989, 10 Winzer, 5 km, Anfang Juni) einen festen Platz im Kalender erobert. Sein Nachteil ist natürlich, dass er kein Rundweg ist, sein Vorteil, dass bei rund zehn Kilometern das Gehen nicht zu kurz kommt.  Wir haben diesmal nur einen kleinen Teil davon unter die Sohlen genommen, sind dafür vom Geisenheimer Bahnhof über den Johannisberger Weinprobierstand (schöner Platz mit schönem  Blick!) auf den Johannisberg gewandert und in Höhe Mittelheim wieder talwärts abgebogen. Am „Wegesrand“ fanden wir gleichwohl etliche gute Tropfen, beispielsweise 2015 Hölle Kabinett trocken und 2015 Kilzberg Spätlese „Alte Rebe“ vom Weingut Abteihof, ferner 2016 Gelblack Riesling trocken vom Schloss Johannisberg, das 2014er „Dachsfilet“ vom Prinz vom Hessen, die ganze Palette feiner Weine von F.B. Schönleber, vornehmlich 2016 Klosterberg Alte Reben trocken, und 2016 Edition Mittelheimer Edelmann feinherb, schließlich alle Charakterköpfe von Corvers-Kauter, darunter der 2015 Berg Schlossberg Riesling, ein animierender Riesling mit hohem Trinkfluss und Wow-Effekt, großartig!

Champagner trifft Erdbeere

Hummer und Chablis, das geht gut, aber Erdbeere und Champagner nicht minder. Andreas Schneider vom Bio-Obsthof Schneider in Nieder-Erlenbach, hart an der Grenze zur Wetterau, hat das Experiment jetzt gewagt, und die Premiere bei Kaiserwetter auf dem 1965 gegründeten Hof war verheißungsvoll. Hier wird nicht nur Apfelweinkultur auf höchstem Niveau zelebriert, sondern seit 1994 der kontrolliert-biologische Anbau von mehr als 250 Obstsorten gepflegt (und seit 1999 gibt es schon die stilvolle Schoppenwirtschaft…!) Dazu gehören natürlich auch Erdbeeren, und nicht weniger als acht Sorten wurden jetzt zu vier Champagner aus dem Angebot des kleinen Frankfurter Handelshauses 2Drieux probiert:

Thomas Perseval Premier Cru Grande Cuvée

Vadin-Plateau Renaissance extra brut Premier Cru UND Rosé brut sowie

Rémi Leroy brut …

letztgenannter, war, um es vorweg zu nehmen, der klar Beste, was allerdings daran liegt, dass meine Champagnerlust proportional mit dem steigenden Anteil von Schwarzriesling (Pinot Meunier) abnimmt ! Ausgewogene Cuvées (ausschließlich) aus Chardonnay und Pinot Noir sind für mich hingegen unschlagbar! Phänomenal, wie Schneider mit Herzblut die passenden Erdbeeren dazu ausgewählt hat… ein Genuss-Erlebnis, wie unterschiedlich die Aromatik ist und wie sie jeweils auf die Säure des Champagner reagieren…. Ansonsten muss gesagt werden, dass Schneiders 2013 Goldparmäne Barrique, 2013 Kaiser Wilhelm und Diebweg wieder das Beste darstellen, was ein Apfel werden kann ! Respekt !