• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Tanz um ein Nischenprodukt

Zum dritten Mal fand das Internationale Riesling Symposium im Rheingau statt, das erste Mal im Kloster Eberbach. Eine gute, gelungene Veranstaltung, auch wenn Riesling weltweit nun einmal eine kleine, nicht mehr wesentlich wachsende Nische (Platz 18 unter den Rebsorten weltweit!) bedient und von einem globalen Siegeszug nun wirklich keine Rede sein kann, das zeigte einmal mehr der Vortrag von Professor Andreas Kurth, Geisenheim. 50.000 Hektar weltweit, davon fast 24.000 in Deutschland, das ist nicht viel angesichts von 4,6 Millionen Hektar weltweit! Zudem ist die weltweite Nachfrage nicht eben groß, die Qualität so heterogen wie das Preisniveau, die Fassweinpreise erschütternd niedrig und viele Weingüter für eine profitable Produktion nach wie vor viel zu klein.

Für hitzige Diskussionen sorgte Weinbauprofessor Manfred Stoll mit seiner These, dass „Alte Reben“-Weine nicht besser sind als andere, und er kann das mit Weinen auf Rebstöcken belegen, die 1971, 1995 und 2012 gepflanzt wurden und identisch ausgebaut werden. Ob damit ein Mythos der Weinwelt entzaubert wurde, ist höchst umstritten. Ein ob dieser Thesen höchst empörter Roman Niedwodniczanski ( Van Volxem) schwärmte mir jedenfalls im Foyer von seinen Weinen aus alten Reben vor (90 Jahre!) und widersprach der Wissenschaft entschieden. Ich selbst bin da unentschieden… Jedenfalls hat sich die Darbietungsform der „Lesungen“ überholt… da wären moderne Formate gefragt! Auch die Proben wurden zu langwierig gestaltet. Inhaltlich aber klasse. Dieter Greiner öffnete die Schatzkammer und präsentierte Steinberger-Weine, trockene aus den Jahren 1943 (absoluter Hammer!), 1953 (ganz groß!), 1964 (imposant!) sowie 2007, 2009 und 2015, ferner den 1959er Jahrgang von Cabinet bis zur TBA. Lehrreich auch die Probe Riesling weltweit, wobei mir die Australier mit ihrer aufgesetzt wirkenden Säure nicht sehr gut gefallen haben, viel besser USA (bps. 2015 Eroica von Ste Michelle, verlässlich das barocke Elsass, ganz überraschend das feine Kanada (Cave Spring Cellars), klasse Österreich (Lesehof Stagard, messerscharf präzise!) und Gut Hermannsberg (Rothenberg GG, klasse).

Interessant am zweiten Tag, der leider mit Verspätung begann, war die Probe von 31 Großen Gewächsen der Jahre 2012 bis 2015. Ganz besonders gut gefielen mit dabei Maximin Grünhaus 2015 Herrenberg GG, Fritz Haag 2015 Juffer GG, Nik Weis 2015 Saarfeilser GG, Ress 2015 Rottland GG, Wegeler 2015 Rothenberg GG (outstanding!), Wittmann 2015 Morstein GG, Dautel 2015 Steingrüben GG, Heger 2015 Schlossberg GG, Kühn 2014 Doosberg GG, Weil 2013 Gräfenberg GG und Loosen 2012  Würzgarten GG