• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Weil goes Supermarket!

Nun also auch Weil. Mit 2016 Weißburgunder unique, 2016 Grauburgunder unique sowie 2016 Chardonnay unique und bald auch noch mit 2016 Pinot Noir unique hat das neu gegründete „Weinhaus Weil“ das Licht der Weinwelt erblickt und folgt dem Beispiel anderer deutscher Spitzenwinzer (Loosen, Heger, Franz Keller, R. Prüm u.a.). Vorerst, das heißt für zwei Jahre, gibt es das Robert-Weil-JUNIOR-Wein-Quartett exklusiv bei Edeka, danach könnte die Internationalisierung, wenn nicht gar „Globalisierung“ mit den für den Handel gedachten Weinen beginnen, die ab Mitte März für 7,99 Euro in recht schicker Ausstattung (Burgunderflasche) für den Endverbraucher erhältlich sein werden. Die Weine stammen von knapp zwei Dutzend rheinhessischen Vertragswinzern. „Hohe Qualität, Markenstärke und faire Preise“, so wirbt Weil für sein neues „Projekt“ (das er selbst nicht so nennen mag), und zieht den Vergleich zu BMW. Der Gräfenberg wäre somit das Luxusmobil der 7er-Reihe, die neuen Burgunderweine dagegen gehören zur MINI-Familie…. Die Weinkellerei Trautwein (jährlich 60 Millionen Liter!) in Lonsheim ist mit der Vinifikation betraut, die Abfüllung geschieht bei der WIV in Burg Layen, die Logistik zu Edeka verantwortet die Rheinberg Kellerei in Bingen. Das rechtsrheinisch beheimatete VDP-Spitzenweingut (100 Prozent Riesling aus 100 Hektar Weinbergen und 100 Prozent Erzeugerabfüllung) und das ausschließlich linksrheinisch aktive Weinhaus Weil (100 Prozent Burgundersorten aus 100 Prozent Rheinhessen) sollen sauber getrennt bleiben. Andererseits soll natürlich der Name „Robert Weil“ zu Kauf verlocken und die Markenstärke übertragen… also daher gleich die ketzerische Frage: Wie viel Weil steckt denn überhaupt im Weinhaus Weil-Wein?  In jedem Fall das vielleicht Wichtigste: Die Idee vom Wein.

Doch wenden wir uns den 3 Weinen zu, die wir schon verkosten durften:

2016 Weißburgunder unique

2016 Grauburgunder unique

2016 Chardonnay unique (…der Pinot Noir folgt dann im Herbst…)

Alle drei Weine sind sehr hellfarbig, klar, feinfruchtig, immer auf der eleganten Seite, mit recht moderaten Alkoholgehalt, deutlich rebsorten-typischen Aromen und sie sind auch recht süffig (mancher würde auch „lecker“ sagen). Trinkfluss eben. Soweit so gut. ABER: Nach meinen persönlichen Vorlieben fehlt es allen drei Weinen an forderndem Charakter, an Komplexität, an Spannungsbögen, an Ecken und Kanten, und vor allem an Weil-Authentizität. Ja, ich kann diese Weine trinken, wegschlabbern. Ich kann mich aber nicht länger als fünf Minuten darüber unterhalten. Das ist natürlich völlig unwichtig, weil ich zu einer für den Markt völlig unwichtigen, sektiererischen Minderheit von Wein-Anbetern gehöre, denen jeder Wein eine glaubwürdige Geschichte erzählen soll, entweder vom Boden oder von der Philosophie des Winzers. Ja, an den Weinen gibt es erstmal nix auszusetzen, und sie werden im Markt sicher erfolgreich sein. Nein, ich renne nicht zu Edeka, um mir welche zu kaufen, weil für 8 Euro schon authentisch-handwerkliche Winzerweine aus kleinen Familienbetrieben kaufen kann, und weil ich Burgunder liebe, die Reife, Komplexität, Kraft, Fülle und perfekt eingebundenes Holz aufweisen… Sorry, Edeka!