• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Schalom, Ihr Winzer aus Israel!

Geht es nach der Bibel ist Israel die Wiege des Weinbaus. In jedem Fall gibt es eine jahrhundertealte Weinbautradition, die aber erst mit der Immigration von Juden im 19. Jahrhundert ins damalige Palästina an Schwung gewann. Der moderne israelische Weinbau verdankt vieles dem Baron Edmond James de Rothschild, einst Mitbesitzer von Château Lafite-Rothschild. Heute ist Israel aber ein Exot unter den weinbautreibenden Nationen, exportiert wird nur wenig. Rund 300 Weingüter (weniger als die Hälfte der Güter im Rheingau) bewirtschaften rund 5500 Hektar Rebfläche. Die meisten Weinberge liegen im Norden, vor allem in den Golan-Höhen und im Oberen Galiläa, aber es gibt auch Güter in der Negev-Wüste. Die Bewässerung der Rebstöcke gehört zum Standard, mit bemerkenswerten Ausnahmen. Und das Terroir ist mindestens so vielfältig wie das Klima.

Soweit die Theorie… aber wie sehen die Praxis und der Status quo aus? Eine aufschlussreiche Stichprobe gab es anlässlich des Rheingau Gourmet und Wein Festivals, was auch insofern passend ist, weil die Weingüter Georg Breuer (Galil Mountain), Hans Lang (Seahorse), Baron Knyphausen (Adir) und die Hessischen Staatsweingüter (Golan Heights) jeweils interessante Partnerweingüter im gelobten Land haben.

Insgesamt wurden zwölf Weine von sieben Weingütern (Tulip, Maia, Seahorse, Somek, Margalit, Flam und Bazelet Halogan) präsentiert, darunter drei Weißweine.

Der klar Beste unter den Weißen war der 2013 „James“ Chenin Blanc von Seahorse, der südafrikanischen Vorbildern nacheifert, sehr kräftig mit prägnantem Holz, intensiv, druckvoll,  körperreich, langer Nachhall und zugegeben, auch eine „ölige Textur“, wie die Moderatorin anmerkte. Aber gut und deutlich stärker als die parfümierte, schwere, rosenölige  Gewürztraminer-Sauvignon blanc-Cuvée von Tulip und die noch exotischere, sehr fordernde Marsanne-French Colombard-Mixtur mit geringem Trinkfluss und alkoholischer Note.

Bei den Roten gefielen an erster Stelle der 2013 Cabernet Franc von Margalit mit einem Schuss Merlot, gutem Balance und Struktur, viel Trinkfreude, ferner der reinrassige, sehr feine 2011 Carignan von Somek (interessante Rebsorte, sollte dort Schule machen, verträgt das heiße Klima offenbar sehr gut, rustikale, rauchig-speckige Noten!), und nicht zuletzt der kraftvolle und dennoch süffige 2013 Fellini von Seahorse. Insgesamt allerdings liegen die Rotweine im Alkohol erwartungsgemäß recht hoch, und auch die Preise sind durchaus saftig, meist zwischen 20 und 30 Euro, und bei 37 Euro für den Somek wird die Luft doch recht dünn… das wird sich hierzulande meines Erachtens nur schwer verkaufen lassen…