• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Sauvignon blanc

Eine Trendsorte, und das obwohl – oder vielleicht sogar gerad weil? – die Stilistik und die sensorische Varianz eine enorme Spannbreite abdecken. Von grasig-grünen Weinen mit spitzer Säure aus dem Edelstahl bis zu gelbfruchtig-reifen und weichen Tropfen, gerne auch mit Holzgeschmack aus dem Barrique. Das erschwert die Beurteilung, weil es aus meiner Sicht auch keine echte Benchmark und keinen klaren „Königsweg“ der Erzeugung gibt, sondern nur persönliche Vorlieben der Winzer und Konsumenten. Tatsächlich tendiere ich bei den oben genannten Antipoden eher in Richtung Reife und gelber Frucht. Das heißt dann meist weniger Neuseeland und bisweilen auch weniger Südafrika, sondern eher Frankreich und Österreich… aber eben nicht immer. Schön, wenn es so einfach wäre! Und Deutschland? Nein, eine deutsche Stilistik hat sich bislang nicht durchgesetzt, zumal zu viele Winzer auf den Zug aufgesprungen sind, ohne die Rebsorte wirklich zu „verstehen“... Umso dankbarer war ich, zu einer kleinen internationalen Sauvignon-Probe eingeladen zu werden, und das waren die Probanden:

Saint Clair Estate 2014 und 2015 Wairau Reserve, Marlborough NZ

Cloudy Bay 2013 Te Koko, Neuseeland

Weedenborn 2015 Sauvignon blanc und 2015 Terra Rossa

Comte Lafond 2014 Sancerre ASC, Loire

Schreckbichl 2014 Lafoa, Epan

Schneider 2016 Kaitui, Pfalz

Thelema 2015 Sauvignon blanc Reserve, Stellenbosch

Das Ergebnis vorweg: Kompliment an Gesine Roll (Weedenborn) nach Monzernheim in Rheinhessen, denn ihr Terra Rossa zeigt sich wunderbar komplex, feinfruchtig, dicht mit großer Aromenintensität. Sehr gute Struktur und fein ausbalanciert, fast tropisch anmutende Noten. Eine strahlende Persönlichkeit, die dem Guts-Sauvignon allerdings abgeht. Zwar guter Trinkfluss, aber allzu sehr easy drinking, was dann schnell auch an die Grenze zur Beliebigkeit geht. Für mich als deutscher (!) Sauvignon gut erkennbar. Nicht so Markus Schneiders Kaitui, der mit exotischen Früchten und viel Johannisbeere glänzt. Ein extrovertierter Wein, natürlich noch ein Baby, aber mit gutem Entwicklungspotential. Hut ab. Neben dem Terra Rossa von einer der höchsten Erhebungen Rheinhessens gefiel vor allem der Cloudy Bay, trotz – oder wegen – einer ganz anderen Stilistik: komplex, stoffig, fast mollig, hohe Reife, komplex, mit gut eingebundenem Holz, sehr voll, aber auch fordernd, aber dennoch mit Trinkfluss. Die beiden Saint-Clair-Sauvignon konnte mich dagegen nicht wirklich überzeugen, 2015 noch eher als 2014, aber dennoch am Gaumen recht einfach gestrickt, grüne Reflexe, geringe Präzision, karg, moderater Trinkfluss. Deutlich besser Thelema aus meinem Lieblings-Urlaubsland, grüne Stachelbeere und Paprika, recht laut, aber auch sehr strahlend, feine Aromatik, gut Balance, ein in sich ruhender Wein mit hoher, animierender Trinkfreude. Schreckbichl dagegen eher ein Bodybuilder, sehr körperreich, auch recht alkoholisch wirkend, fordernd und kraftvoll, würde immer das Dekantieren empfehlen, angenehme Holznote. Schließlich noch Comte Lafond von der Loire, der trotz einer schönen Honignote im Bukett eher gar keinen als einen negativen Eindruck hinterließ: blass, zurückhaltend bis ausdruckslos, Ratlosigkeit macht sich breit…. Tipp: Die 2016 Fassproben von Weedenborn sind sehr, sehr vielversprechend…