• Weinverkostung - Oliver Bock

    Hier verkostet der Weinschmecker. Er bewertet, lobt und kritisiert, was ihm auf die Zunge kommt und er veröffentlicht im Weinblog auszugsweise seine Degustationsnotizen und Weineindrücke sowie seine Weinerlebnisse auch außerhalb des Rheingaus.

Südafrika aktuell

Endlich wieder Südafrika! Unerreichtes Paradies für Feinschmecker und Weinfreaks im europäischen Winter. Wie gewohnt ein wenig holzschnittartig hier die wichtigsten Eindrücke von Besuchen diverser Weingüter und Verkostungen verschiedener Weine. Noble Hill ist ein kleines Weingut unweit von Paarl, das einem Amerikaner gehört. Die Location ist ganz ok, das Personal sehr freundlich, die Weine (am besten: 2014 Chardonnay) sind aber nur Durchschnitt, obwohl ich mir das hübsche „Cosecha“- Restaurant als möglichen Anlaufpunkt für einen Lunch im nächsten Jahr schon mal gemerkt habe. Eher besuchenswert ist Vrede en Lust, mit zwei ordentlichen Chardonnays und einer echten Überraschung: dem 2016 Early Mist Riesling, der alles andere als „Mist“ ist, sondern mit 12 Gramm Restzucker sehr süffig daherkommt und sich auch sehr gut verkauft, wie im Weingut glaubhaft zu hören ist. Ein wirklich ordentlicher Riesling. Nur ein paar Meter weiter liegt Rupert & Rothschild, die Kooperation zwischen der Rupert-Dynastie und dem Hause Lafite-Rothschild. Ein perfekt gepflegtes Weingut, fast schon klinisch hübsch und bar jeder Emotion, ausgerichtet auf größere Gruppen von Besuchern, denen immer nur 3 Weine geboten werden. 2015 Baronesse Nadine, 2014 Classique und 2013 Baron Edmond. Gut, aber alle 3 hinterlassen keinen nachhaltigen Eindruck. Dann doch lieber zu Glen Carlou, um dort von der Terrasse den phänomenalen Blick auf den Paarlberg genießen und den Flagship-Chardonnay 2014 Quartz Stone Single Vineyard zu genießen. Wer jetzt hier an dieser Stelle das benachbarte Babylonstoren vermisst, der sei auf frühere Blogeinträge verwiesen, denn dafür reichte diesmal die Zeit nicht… Hingehen sollte man auf alle Fälle.

Die notwendige Zeit nehme ich mir allerdings IMMER für Kanonkop! Die Estate-Range, also 2014 Pinotage (grandios!), 2012 Cabernet Sauvignon und 2013 Paul Sauer, sprach einmal mehr für sich. Hier ist einer der besten Rotweinmacher am Kap am Werk mit tiefgründigen, komplexen, überragenden Weinen. Hut ab!

La Motte ist (ebenso wie Grande Provence – neu: der Amphora-Wein!, aber besser: 2014 The Grande Provence White) ebenfalls immer ein Muss, und ja, man sollte sich im Restaurant auf jeden Fall einen Syrah (diesmal Jahrgang 2009) und auch die 2011 Hanneli R.- Cuvee gönnen.. Wie diese Weine zelebriert werden, daran kann sich jedes deutsche Weingut eine Scheibe abschneiden! Und die Hanneli gehört für mich neben dem 2011 „The Jem“ von Waterford diesmal zu den besten aller verkosteten Roten. Waterford ist ohnehin immer eine Reise wert, auch die „Safari“ durch die Weinberge ist absolut empfehlenswert!

Entspannung solle man sich immer nebenan bei Dornier, wo das Personal super, die Weine und das Essen sehr gut sind, der 2016 Bush Vine Chenin blanc war ebenso großartig wie der holzgeprägte 2015 Donatus White.

Natürlich ist ein Abstecher bei Delaire Graff für jeden Erst-Besucher-Südafrika Pflicht, denn hier sind Prunk & Protz zu Hause. Die Kreditkarte nicht vergessen… im integrierten Schmuckladen kann nur in Dollar bezahlt werden, ab 10.000 Dollar wird es interessant… die Weine sind von gutem Durchschnitt, aber lange nicht so imposant wie die Architektur, da ist immer noch viel Luft nach oben, obwohl uns der 2014 Terraced Block Chardonnay Reserve schon recht gut gefallen hat, ebenso der Swartland Reserve Chenin blanc. Falls jemand tatsächlich den 2013 Laurence Graff Reserve (3500 Rand!) schon einmal verkostet hat, bitte eine PN an mich!  

Wer Lunch-Hunger hat, nehme sich die Zeit für einen Abstecher zu Moreson. Das Bread & Wine-Restaurant hat verdient einen sehr guten Ruf, und wer nur eine Kleinigkeit will, ist im angeschlossenen kleinen Bistro richtig. In jedem Fall sollte man sich den 2014 Mercator Chardonnay gönnen, der aktuell zu den besten im gesamten Tal gehört.

Colmant & Haut Cabriere: Wer Sekt mag, ist hier richtig (natürlich auch bei Simonsig und – Hut ab – Graham Beck! Der Rosé brut ist ein Knaller) Colmant ist ein ausgezeichneter Sekterzeuger und vor allem der Chardonnay brut gehört regelmäßig zu meinen Lieblingen vom Kap! Bei Haut Cabrière ist vor allem der Ausblick ins Franschhoek-Tal grandios. Am besten ist dort der Blanc de Blancs de brut, der gleichwohl nicht an die Colmant-Sekte heranreicht, wo der Brut Rosé, der Brut Resérve und der Brut Plaisir ebenfalls herausragend gut sind.

Bei Vergelegen habe ich nach dem obligatorischen Rundgang durch einen der schönsten Weingutsparks des Landes wie immer fast die gesamte Kollektion probiert… vielen anderen Meinungen zum Trotz bleibe ich dabei: Die Weißweine sind fast immer deutlich überzeugender als die Roten! Große Klasse der Semillon, der übrigens als Verschnittpartner vielen Cuvées den perfekten Kick gibt! Die Chardonnay Reserve ist ebenfalls sehr gut, deutlich besser als der Sauvignon blanc Reserve und sogar als der Vergelegen White, den ich allerdings auch nicht von der Bettkante stoßen würde. Bei paar Kilometer weiter bei Waterkloof gehören der 2016 Chenin blanc und der 2015 Circle of Life zum Pflichtprogramm… ebenso der vielleicht beste Lunch der Region! Der beste Ausblick sowieso.

Sehr erfreulich entwickeln sich die Weingüter im Hemel-en-Aarde-Valley bei Hermanus. Das Tapas-Wine-Pairing bei Creation gehört weiter zu den besten weinkulinarischen Erfahrungen, die in der Kapregion möglich sind. Bei Ataraxia habe ich einen der besten Sauvigon blancs (2016) und ebenso den aktuell vielleicht besten Chardonnay (2015) mit kühlen Zug, Brillanz, hohem Trinkfluss, Nachhall und Finesse getrunken. Fast überflüssig zu erwähnen, dass die Proben bei Bouchard-Finlayson und bei Hamilton Russel stets eine Freude sind. Hier wachsen Chardonnays der allerfeinsten Art und ebenso saugute Spätburgunder. Ein Fest auf der Zunge einmal mehr die Ashbourne-Weißweincuvée, der den Jahrgang 2010 kein Blindverkoster abnimmt, und sonst?

Als besonders bemerkenswert notiert und für den Blog für würdig befunden:

Alheit 2014 Cartology Bush Vine

A.A.Badenhorst 2013 White Blend

Sumaridge 2012 Maritimus

Hier die Abteilung “Beste Shiraz/ Syrah” der Reise

Beaumont Family Wines 2014 Danger-Field Syrah

Mullineux 2014 Syrah

Andreas 2013 Shiraz

Luddite 2011 Shiraz

La Motte 2009 Syrah

Waterford 2012 Kevin Arnold Shiraz

Darüber hinaus Kanonkop 2008 Kadette aus der Magnum

Sauvignon blanc

Spier 2016 Sauvignon blanc Creative block 2

Southern Right 2016 Sauvignon blanc

Uitkyk 2016 Sauvignon blanc

Glen Carlou 2016 Sauvignon blanc

aber auch:

Durbanville Hills 2016 Chenin blanc

Simonsig 2016 Sauvignon blanc & 2015 Wooded Chenin Avec Chène

Peter Max 2015 Crystallum Pinot Noir

Schließlich: Ken Forrester: 2016 Old Vine Reserve Chenin blanc… (neben dem Ataraxia Chardonnay der einzige Wein, den ich 2x getrunken habe) setzt diesmal den wirklich gelungenen Schlusspunkt in einem Johannesburger Top-Restaurant für Weinfreaks, der Villa Bianca, idealerweise nur ein paar Minuten vom OR-Tambo-Flughafen gelegen. Die guten Chenins haben einfach meist einen Tick mehr Strahlkraft und Charakter als die Sauvignon blancs, die im Land derzeit aber dennoch mehr getrunken werden. Wer Südafrika aber wirklich schmecken will, greife besser zu Chenin oder den vielen guten Chardonnays! Dann bis 2018!