Weinwandern: Flötenweg

Rund 3000 Besucher oder mehr sprechen eine deutliche Sprache. Der Flötenwanderweg zwischen Hallgarten und Schloss Johannisberg ist als Wanderwegenetz beliebt, und das gut organisierte „Wandererlebnis Flötenweg“ haben neben „Natur pur“ in Hattenheim (3. Oktober), der „Bubenhäuser Weinrunde“ (Pfingstmontag) und der „Eibinger Weinwanderung“ (Seit 1989, 10 Winzer, 5 km, Anfang Juni) einen festen Platz im Kalender erobert.

Sein Nachteil ist natürlich, dass er kein Rundweg ist, sein Vorteil, dass bei rund zehn Kilometern das Gehen nicht zu kurz kommt. Wir haben diesmal nur einen kleinen Teil davon unter die Sohlen genommen, sind dafür vom Geisenheimer Bahnhof über den Johannisberger Weinprobierstand (schöner Platz mit schönem Blick!) auf den Johannisberg gewandert und in Höhe Mittelheim wieder talwärts abgebogen.

Am „Wegesrand“ fanden wir gleichwohl etliche gute Tropfen, beispielsweise 2015 Hölle Kabinett trocken und 2015 Kilzberg Spätlese „Alte Rebe“ vom Weingut Abteihof, ferner 2016 Gelblack Riesling trocken vom Schloss Johannisberg, das 2014er „Dachsfilet“ vom Prinz vom Hessen, die ganze Palette feiner Weine von F.B. Schönleber, vornehmlich 2016 Klosterberg Alte Reben trocken, und 2016 Edition Mittelheimer Edelmann feinherb, schließlich alle Charakterköpfe von Corvers-Kauter, darunter der 2015 Berg Schlossberg Riesling, ein animierender Riesling mit hohem Trinkfluss und Wow-Effekt, großartig!

Bordeaux preis-wert

Es müssen nicht immer nur die großen Namen aus dem berühmtesten Anbaugebiet der Welt sein. Leider ist es allerdings so, dass an meinem Gaumen der Trinkfluss bei Bordeaux erst dann groß ist, wenn die Weine ordentlich gereift sind. Sie sind dann aber in der Regel nicht mehr auf dem Markt oder nur zu sehr hohen Preisen erhältlich.

Die Zukunft eines jungen Bordeaux mit hoher Sicherheit voraus zu schmecken, das ist ein Experiment, das gelingen kann, das ich mir aber dennoch mangels ausreichend liquider Mittel erspare. Dennoch gibt es immer wieder bemerkenswerte unbekanntere Güter, die auch vergleichsweise junge Weine mit vergleichsweise guter Trinkreife offerieren.

Dazu gehört ohne Zweifel das mir bislang weitgehend unbekannte, 23 Hektar große Weingut Château Les Bouzigues, etwa 30 Kilometer südlich von St. Emilion und 20 Kilometer östlich von Sauternes im südlichsten Teil des Bordelais gelegen. Die Böden gleichen laut Weingut denen im Südhang von St. Emilion, die Preise für die 35.000 Flaschen Rotwein aus den Rebsorten Merlot, Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc aber nicht.

Wir hatten die Chance, drei Reserve-Jahrgänge (2005, 2009, 2010) und den Topwein „2010 Cru“ blind gegen 2009 Chateau Lagrange und 2009 Chateau Phélan Ségur zu probieren. Château Les Bouzigues 2010 Reserve – sehr fruchtbetont, elegant mit gut integrierter, schmeckbarer Säure, leichte Anklänge von Pflaumenkompott, Aromen von Leder und Tabak, wirkt so jung wie er ist, noch leicht unfertig, aber mit guten Anlagen für ein langes Leben, 88P 2009 Reserve – sehr expressive, ausdrucksstarkes Bukett, opulente Frucht auch am Gaumen, unverkennbar aus einem warmen Jahrgang mit Schmelz und Kraft, fleischige Noten, schon sehr gefällig, weiche, feine Tannine, erstaunlich trinkreif, legt mit jeder Minute Luftkontakt an Klasse zu, einer der trinkanimierenden Topweine des Abends 91P 2005 Reserve –

Die erste Flasche leider fehlerhaft, die zweite tadellos. Kraft und Eleganz gut vereint, aber auch eine merkliche Schärfe im Abgang, kein Schmeichler, sondern eher derb am Gaumen, könnte mit den Jahren noch deutlich besser werden, muss aber nicht, 89P 2010 Cru – sehr saftig, fast mollig, zupackend, überwältigend viel Cassis, aber dick aufgetragen, hochkonzentriert und fett, für Starkweintrinker eine wahre Freude, ich nenne das „Bettkantenwein“, gibt nur 925 Flaschen dieses Powerweins, der aber auch schon leicht oxydative Noten im Hintergrund zeigte, es fehlt zudem die Eleganz eines Klassikers, ein inspirierender Tastingwein, macht aber schnell satt und müde, gähn, 90+P 2009 Chateau Phélan Ségur – sehr verhaltene Frucht, noch deutlich zu jung, rauh, hart, vielleicht hat auch das nicht perfekte Glas zu einem minderen Geschmackserlebnis beigetragen, legt bei längerem Luftkontakt deutlich zu, unter dem Strich aber geringer Trinkfluss, 87P 2009 Chateau Lagrange – klassisch-guter Bordeaux von hoher Strahlkraft, sehr fruchtgetrieben, fleischig auf die positive Art, aber mit großem Tiefgang, komplex, fein integriertes Holz, vielleicht ein wenig zu viel Alkohol, leicht animalisch-feurig, gute Würze, Leder, Tabak, kräuteriger Unteron, reife Tannine, top, 91+P

Kleine Moseltour

Endlich mal weiter Zeit für einen Kurztrip mit guten Freunden an die Mosel. Und bei Dr. Loosen in Bernkastel wie immer herzliche Aufnahme gefunden! Baulich hat sich das Weingut beeindruckend weiterentwickelt. Der Anbau mit seinen Verkostungsräumen ist stilistisch sehr gelungen. Das ist mit Worten schwer zu beschreiben, muss man gesehen haben! Und die Weine muss man getrunken haben, aber das ist vielleicht weniger überraschend. Beispiel 2016 Rotschiefer trocken. Ein fein balancierter VDP.Gutswein mit durchaus dichter, fein gewobener Mineralität. Kein Leichtgewicht, sondern ein fester, ernsthafter Riesling von großer Finesse. Nicht minder fein der VDP.Ortswein, der bei Dr. Loosen aus Graach kommt und den tiefgründigen Schieferboden sehr gut wiederspiegelt. Dezent kräuterige Noten im Hintergrund, saftige, gelbfruchte Aromen mit leicht erdigen Anklängen im Vordergrund, stoffig, gute Struktur und Balance. VDP.Erste Lage-Weine sucht der Weinfreund an der Mosel ja vergeben, denn hier herrscht die Dreistufigkeit vor. Bei Dr. Loosen wird das zur das Preisgefüge abgemildert, denn 17 Euro für das Bernkasteler Lay-GG aus VDP.Großer Lage sind eine Einladung zum Sofortkauf. Wir hatten das Vergnügen, das 2015 Würzgarten GG neben der 2012 Würzgarten GG Réserve verkosten zu dürfen und waren hin und weg. Die cremige Textur und schöne Reife der Réserve waren eine gut schmeckbare Steigerung des vom Vulkangestein geprägten, komplexen GGs, das voll exotisch-würziger Aromen daherkam, unter anderem mit Grapefruit, und Mirabelle. Und die Süßen? Ja, natürlich Lay Kabinett, Wehlener Sonnenuhr Spätlese, 2013 Beerenauslese, was soll ich sagen: Alles gut!

Wer anschließend durch Bernkastel spaziert, um seine Eindrücke zu sammeln, dem sei die Tresor-Weinbar (Gestade3b) empfohlen. Das ist fern der altbackenen Mosel-Litanei, auf die man noch an zu vielen Orten stößt (für meinen Geschmack übrigens auch in der Mosel-Vinothek am Weinmuseum, obwohl dort 140 Weine zu verkosten sind…), ein netter Ort zum Verweilen mit sehr freundlichem Personal. Top! Das 2014er Wegeler Bernkasteler Doctor GG erwies sich als idealer Nachmittagswein…

Die Weinstube des Reichsgrafen von Kesselstadt in Trier war am Folgetag ein ebenso schöner Stopp, zum kleinen Lunch ein 2016er Kasler Kabinett trocken, das passt. Wie fast immer übernachten wir an der Mosel im Gästehaus des Weinguts Clüsserath-Weiler in Trittenheim, vor Verena Clüsserath jetzt ganz für den Weinausbau zuständig ist. Eine Zäsur, die sich in einem neuen, ganz hübsch geratenen Etikett wiederspiegelt. Wer die Chance und die Muse hat, nutze den Abend, um sich von ihrem Mann Raphael Ianniello höchst professionell kulinarisch verwöhnen zu lassen, der unter anderem bei Johann Lafer gelernt hat und Großartiges auf den Teller zaubert.

Wir haben zuvor die 2016er trocken und halbtrocken verkostet (HC, Trittenheimer Apotheke pur, „Alte Reben“ und „Primus“ sowie Mehringer Zellerberg „Terra Rossa“) und neigen bei der Gesamt-Bewertung ausnahmsweise eher „Eichelmann“ als „Gault Millau“ zu. Der „HC“ ist wieder ein saftiger, fruchtbetonter, klar-frischer Gutswein mit Charme, die „einfache“ Apotheke ganz großartig geraten mit salziger-kühler Note und zurückhaltender Opulenz, die sollte man im Keller haben! Die „Alten Reben“ leider einen Tick zu süß ebenso der noch recht verschlossene „Primus“, der noch Zeit zur Entwicklung braucht. Und der „Fährfels“ aus bald 120 Jahre alten, wurzelechten Reben wieder einmal ein Monument der Mittelmosel.

Chat Sauvage Vertikale

Eine Freude, wenn uns Verena Schöttle auf der Liste hat, sobald es um eine Vertikale zurückliegender Jahrgänge der Johannisberger Rot.Wein.Gut-Gründung „Chat Sauvage“ von Günter Schulz geht. Insgesamt 13 Weine zwischen 2001 und 2015 hat die hoch sympathische Weinmacherin vor uns – und 3,8 Trillionen Fruchtfliegen – auf den Tisch gestellt, und die hochspannende Pinot-Noir-Reise ging von der Gegenwart in die Vergangenheit.

2015 „Rouge de Schulz Nr.1“ – megastarkes, neues Gewächs aus dem Lorcher Bodenthal-Steinberg, einer meiner absoluten Lieblingslagen. Sehr feine, rote Früchte, hochelegant, edel, finessenreich, kühler Zug, perfekte Säure, hohe Trinkanimation, schon jetzt erstaunlich zugänglich und charmant, absolut einer der besten Pinots der zurückliegenden Jahre… Rarität im Rheingau, wird womöglich versteigert, oder für anspruchsvolle 150 Euro verkauft. das klingt ambitioniert. 2014 Rüdesheim Drachenstein – recht verschlossen, abweisend, will und braucht noch Zeit, aber recht gut veranlagt, gute Struktur, fester Körper. 2013 Rüdesheim Drachenstein – einer meiner Favoriten, fein verwobene Säure, hohe Eleganz, großartiger Trinkfluss, Finesse, Grazie, wunderbar!

2012 Rüdesheim Drachenstein – mit deutlichen Reifenoten, Kuschelwein, strahlt wohlige Kamin-Wärme aus, ein bisserl mollig vielleicht, aber lecker mit allen vom Pinot gewohnten Aromen… fein. 2011 Lorch Schlossberg – das letzte 1. Gewächs, das Chat Sauvage in dieser Kategorie vorgestellt hat, eigentlich schade, aber auch irgendwie verständlich (s.u.), sehr tiefgründig mit langem Nachhall, unverkennbar für das Jahr 2011 und die zügige Reife, die Weine dieses Jahrgangs sehr häufig durchlaufen, hohe Präsenz am Gaumen, Schmeichler, gut.

2010 Assmannshausen Frankenthal – das war wirklich kein Rotwein-Jahrgang, dafür aber recht ordentlich. Sehr reife Cassis-Noten, viel Leder, Tabak, gute Säure, aber nicht sehr harmonisch 2009 Assmannshausen Höllenberg – noch ein 1. Gewächs, sehr typisch für 2009, voll, stoffig, präsent, komplex, kraftvoll, mit fester Struktur, langem Nachhall, typische Cassis-Noten des Höllenberg.

2009 Rüdesheim Drachenstein – zeigt dem Höllenberg seine Grenzen auf! kühler Zug, ätherisch, kräuterige Noten, feiner Zug, sehr animierend am Gaumen, macht richtig Spaß, mehr davon! Viel mehr!

2008 Rüdesheim Drachenstein – nicht mein Wein, wirkt recht hart, roher Geselle, Kompottnoten aus roten Früchten, wie ich sie nicht so sehr mag…

2007 Rüdesheim Drachenstein – typischer Pinot aus einem warmen Jahr im Rheingau, gute Konzentration, eher üppig als betont elegant, feine rote Beerenfrüchte, Leder, auch florale Noten und ein wenig Orangenschalenabrief, seht nach 10 Jahr sehr gut im Glas, top

2006 Johannisberg Hölle – aus einem schwierigen Jahr einen guten Pinot erzeugt! sehr komplex, hoher Spannungsgrad, vielschichtig, viele getrocknete Früchte, ein wenig Kompott, aber dezent, gut.

2005 Pinot Noir Schiefer – großartiger Wein, salzig-kühles Naturell, gute Säure, viel Schiefer im Maul wie ich es liebe, klarer Zug, klares Finish, rauchige Note, etwas Leder, Kreide, ungemein Frisch und klar, toptop!

2001 Pinot Noir Rheingau – ehrwürdiger Grande, hat die besten Zeiten hinter sich, nicht nur Kompott, sondern auch Rumtopf, hochreife, gezehrt, aber noch nicht todmüde, aller Ehren wert, Ruhe in Frieden!

Unter dem Strich ein eindrucksvolle Line-up, mit 2005, 2009 Drachenstein, 2013 und 2015 Rouge de Schulz als meinen klaren Favoriten, die ich nur zu gerne im Keller liegen hätte. Viel davon. Auf die Jahrgangsprobe im November bin ich schon jetzt gespannt. Nachspiel: Chardonnay Clos de Schulz 2015, 2011 und 2007 …sehr eindrucksvolle Reihe, klare Handschrift, sehr cremig, elegant, Finesse, Zitrus, dezentes, aber merkliches Holz (für mich sehr angenehm), 2015 schon erstaunlich zugänglich (da gab es schon andere, holzbetontere…), 2011 schon jetzt in Topform, 2007 mit erstaunlicher Frische, als Jahrgang nicht erkennbar, klasse!

Erste & Große Gewächse 2016

Erste und Große Gewächse, Jg. 2016 Alles Riesling, alles 2016, alles EG/ GG-Qualität… das war das Motto der 102. Probe der Weinloge „Die Kranenmeister zu Oestrich im Rheingau“. Eine hochinteressante Probe vor dem Hintergrund, dass die Rheingauer VDP-Betriebe seit 2012 keine Ersten Gewächse, sondern nur noch Große Gewächse produzieren, und dass die Bedeutung der Ersten Gewächse immer weiter zurückgeht (siehe dazu weiter unten im Blog meine ausführlichen Kommentare um GG/EG-Jahrgang 2016). Weil der Markt für edelsüße Weine immer weniger Bedeutung hat fällt letztlich das Urteil über den aktuellen Jahrgang Ende August des Folgejahres mit der Vorstellung der trockenen Spitzen… Schlechte Jahrgänge gibt es ja schon seit 1988 nicht mehr, und ja, 2016 hat das Zeug dazu, vielleicht die Reihe der großartigen weil „mittleren“ Jahrgänge 2001, 2004, 2008, 2010, 2013 fortzusetzen. Das beurteilen braucht aber noch ein wenig Zeit, doch die Ansätze sind da, wie die Blindverkostung der nachfolgenden Flights gezeigt hat: Bergweine Robert Weil: 2016 Kiedrich Gräfenberg GG Fred Prinz: 2016 Hallgarten Jungfer GG Laquai: 2016 Lorcher Schlossberg EG Wagner-Stempel: 2016 Scharlachberg GG Brunnenlagen Ress: 2016 Wisselbrunnen GG Staatsweingüter: 2016 Erbach Marcobrunn GG Schloss Schönborn: 2016 Hattenheim Nussbrunnen EG Wittmann: 2016 Morstein GG Riesling-Schlösser Schloss Johannisberg: 2016 Silberlack GG Schloss Vollrads: 2016 Schloss Vollrads GG Schloss Schönborn: 2016 Hattenheimer Pfaffenberg EG Schlossgut Diel: 2016 Pittermännchen GG Rüdesheimer Berg Schloss Schönborn 2016 Rüdesheimer Berg Schlossberg EG Leitz 2016 Rüdesheim Rosengarten GG Allendorf 2016 Rüdesheim Roseneck GG Kühling-Gillot 2016 Nackenheim Rothenberg „wurzelecht“ GG Fazit: Laquai hat 2016 meines Erachtens tatsächlich das beste EG erzeugt, das es mit den GGs aufnehmen kann. In anderen Anbaugebieten außerhalb des Rheingaus erzeugen die Spitzenweingüter „extremere“ GGs mit wilderen Aromen, „Stinker“ und mehr, die die regionale Zuordnung erschweren und mehr Handschrift als Terroir zeigen. Weils Gräfenberg war wieder mal einer meiner Favoriten, aber in diesem Stadium nur unmerklich besser als Laquai (zum halben Preis, übrigens, Kaufen!) Unter den Schlössern hat Johannisberg klar die Nase vorn. Und Allendorf wird immer besser.

Alkoholfreier Wein

Alkoholfreier Wein Jetzt hat die Weinwelt endlich ihr „Clausthaler alkoholfrei“. Der ernsthafte Rüdesheimer VDP-Renommierwinzer Leitz hat mit „Eins, zwei, zero“ einen alkoholfreien Riesling auf den Markt gebracht. Optisch schick in der Anmutung eines richtigen Weines, im Handel für immerhin 6,99 Euro erhältlich. Für Schwangere, Moslems und andere Zielgruppen sicher sehr interessant. Die positiven Seiten: das Getränk schmeckt nicht wirklich schlecht, es ist nicht süß und es hat die Säure des Rieslings. Die negative Seite: es fehlt überall an Geschmack: Im Bukett, am Gaumen, im Abgang. Aber wer weiß, vielleicht hat in 20 Jahren jeder bedeutende Erzeuger auch „bleifrei“ zusätzlich im Angebot und wird finden das genauso gut wie alkoholfreies Hefeweizen im Hochsommer. Clausthaler mögen wir bis heute nicht….

King Peter Perabo

A priori, laudate, Episcopus Peter Perabo gehört zu den außergewöhnlichen Weinmachern des Rheingaus … und darüber hinaus. Für das Bischöfliche Weingut in Rüdesheim war es insofern ein Glücksfall, als Perabo in einer Phase der Unsicherheit während des Verkaufs der Assmannshäuser Krone (- … dass der Ruhrpott-Unternehmer, der seinerzeit die Krone kaufte, kein Interesse am Weingut zeigte, das war schon ein früher aber leider beredter Hinweis auf sein späteres Scheitern im Rheingau!) einen neuen Betrieb suchte. Unter seinen Fittichen haben die Weine enorm an Qualität gewonnen.

Dass die mediale Aufmerksamkeit dennoch vergleichsweise zurückhaltend ist, das ist kaum verständlich. Perabos Gespür für große Pinots haben sonst nur ganz wenige im Rheingau, und seine Rieslinge sind flüssige Handwerkskunst auf hohem Niveau – auch wenn die Sortiments- und Preisgestaltung einer nachvollziehbaren Logik entbehren. Aber das schadet ja am Gaumen nicht. Der war bei der jüngsten Sortimentsverkostung entzückt…

2016 A priori Riesling trocken – das ist der feinfruchtige Einstieg in eine Weinkollektion, wie sie zu diesem Preis (7 Euro) nur wenige Weingüter bieten können. Klassisch Rheingau, klar, straight, nicht nur Frucht, sondern schmeckbare Finesse mit Zug und Grip! 2016 Rüdesheim QbA – der Ortswein aus Rüdesheimer Lagen, zum Teil im Holzfass ausgebaut und spontan vergoren, mineralisch, kühler Zug, feine Salzigkeit am Gaumen, hoher Trinkfluss, viel Wein fürs kleine Geld, top. 2016 Laudate – der erste von eigentlich 7 (!) Spitzenweinen des Jahrgangs zwischen 12 und 18 Euro – und der einzige, der mich ein wenig ratlos bleiben lässt…ich habe zwei Flaschen zur Nachverkostung mit genommen…viel Kiwi, Stachelbeere, gute Substanz 2016 Episcopus – der „Bischofswein“ als spontan vergorene Lagencuvée… sehr gut komponiert, mit Zug und Finesse, hohe Präsenz, Druck am Gaumen, aber kühler Zug wie alle Perabo-Weine, denen Überreife absolut fremd ist… Die Lagenweine: Schlossberg-Katerloch, Schlossberg-Ehrenfels, Roseneck, Rottland, Rottland 1960… es ist eine wahre Freude, sich hier durch die Kollektion durchzutrinken, und es bleibt am Ende die Qual der Wahl und natürlich eine Frage des Geschmack, wem der Vorzug zu geben ist. Für mich war es das „Katerloch“, das der gesamten Kollektion die Krone aufsetzte mit seinen feinsten Schiefernoten. Ein Wein der puren Eleganz und Trinkfreude, und überdies ein Wein – und nicht nur der – der es mit etlichen Rheingauer Ersten und Großen Gewächsen leichthin aufnehmen kann.

Die Rotweine

noch ein schneller Blick auf die Pinots. Die 2014er sind eine Wucht. Schon der „einfache“ 2014 Assmannshäuser zeigt sehr schöne Cassis-Noten, ein wenig Graphit, etwas Lakritz, toller Nachhall, groß. 2014 Rüdesheim Pinot Noir „S“ hingegen deutlich fordernder, mehr Substanz, Kreide, Kirsche, Asche, feinste Schiefernoten, sehr elegant und präzise am Gaumen, hat ne große Zukunft. Und 2015: die ersten Faßproben versprechen großes Pinot-Kino, und wenn der Assmannshäuser „S“ erst einmal auf der Flasche ist, dann muss jeder zugreifen, feinen Späbu zu schätzen weiß.

IRS 2017

Zum dritten Mal fand das Internationale Riesling Symposium im Rheingau statt, das erste Mal im Kloster Eberbach. Eine gute, gelungene Veranstaltung, auch wenn Riesling weltweit nun einmal eine kleine, nicht mehr wesentlich wachsende Nische (Platz 18 unter den Rebsorten weltweit!) bedient und von einem globalen Siegeszug nun wirklich keine Rede sein kann, das zeigte einmal mehr der Vortrag von Professor Andreas Kurth, Geisenheim. 50.000 Hektar weltweit, davon fast 24.000 in Deutschland, das ist nicht viel angesichts von 4,6 Millionen Hektar weltweit! Zudem ist die weltweite Nachfrage nicht eben groß, die Qualität so heterogen wie das Preisniveau, die Fassweinpreise erschütternd und viele Weingüter für eine profitable Produktion nach wie vor viel zu klein.

Für hitzige Diskussionen sorgte Weinbauprofessor Manfred Stoll mit seiner These, dass „Alte Reben“-Weine nicht besser sind als andere, und er kann das mit Weinen auf Rebstöcken belegen, die 1971, 1995 und 2012 gepflanzt wurden und identisch ausgebaut werden. Ob damit ein Mythos der Weinwelt entzaubert wurde, ist höchst umstritten. Ein ob der Thesen höchst empörter Roman Niedwodniczanski ( Van Volxem) schwärmte mir jedenfalls im Foyer von seinen Weinen aus alten Reben vor (90 Jahre!) und widersprach der Wissenschaft entschieden. Ich selbst bin da unentschieden…

Jedenfalls hat sich die Darbietungsform der „Lesungen“ völlig überholt… da wären moderne Formate gefragt! Auch die Proben wurden zu langwierig gestaltet. Inhaltlich aber klasse. Dieter Greiner öffnete die Schatzkammer und präsentierte Steinberger-Weine, trockene aus den Jahren 1943 (Hammer!), 1953 (ganz groß!), 1964 (imposant!) sowie 2007, 2009 und 2015, ferner den 1959er Jahrgang von Cabinet bis zur TBA. Lehrreich auch die Probe Riesling weltweit, wobei mir die Australier mit ihrer aufgesetzt wirkenden Säure nicht sehr gut gefallen haben, viel besser USA (bps. 2015 Eroica von Ste Michelle, verlässlich das Elsass, ganz überraschend Kanada (Cave Spring Cellars), klasse Österreich (Lesehof Stagard, messerscharf präzise!) und Gut Hermannsberg (Rothenberg GG, klasse).

Chardonnay im Rheingau

Die „Mariannenaue“ ist mit 84 Hektar die größte Insel im Rhein und seit jeher Privatbesitz. Vor etwa 10.000 Jahren entstand diese eiszeitliche Ablagerung der bayerischen Kalkalpen. Wer einen Spaten nimmt und in die Tiefe gräbt, stößt auf typisch-weißen kalkhaltigen Tonmergel. Seit ein paar Jahren gehört der ungewöhnlichste Weinberg des Rheingaus der Pfälzer Winzerfamilie Lergenmüller, die das Kleinod im Paket mit dem Weingut Schloss Reinhartshausen erworben hat.

Weinbau gab es schon im Mittelalter. Schon 1978 begann Verwalter Karl-Heinz Zerbe auf dem Eiland gegen Widerstände der Behörden mit der ersten Anpflanzung von Chardonnay in Deutschland. Ein Experiment, das gelang. Schrittweise wurde die Rebfläche auf bis zu 23 Hektar vergrößert. Längst wachsen hier auch andere Reben wie Riesling, Weißburgunder und Silvaner, zudem Hopfen für Bier, und es gibt sogar Insel-Gin.

Chardonnay wächst hier noch immer, aber längst nicht nur! Doch während Sauvignon blanc inzwischen wie Unkraut wächst, gibt es nur wenige Chardonnay-Erzeuger, die der Rebsorte auch ordentliche Wein abringen.

Eine Vergleichsprobe mit Piraten sollte deshalb zeigen, was im Rheingau möglich ist… und ob Chardonnay hier der Mühe lohnt….

Künstler 2016 Chardonnay Barrique – noch sehr jung, recht verschlossen, zeigt aber gute Ansätze von Finesse und cremiger Eleganz, hat eine große Zukunft vor sich, sehr gut. Künstler 2016 Chardonnay Kalkstein trocken – gute Säur, klassische Typus mit guter Balance, straff, guter Zug, noch viel zu jung, aber ein Wein mit Potential

Jakob Jung: 2011 Chardonnay trocken Barrique – der vorerst letzte in der Reihe der Barrique-Chardonnays, gut gereift, Cremig, kühler Zug, salzige Noten

Jakob Jung: 2015 Chardonnay unoaked – rund, fein, leichte Cremigkeit, große Frische, easy drinking, sehr rund und weich, klasse Preis-Leistungs-Verhältnis, aber ohne die Ernsthaftigkeit eines großen Chardonnay

Chat Sauvage: 2015 Rheingau Chardonnay – wirkt recht verschlossen, geradezu asketisch, präzise, geschliffen, sehr trocken, sehr fordernd, allenfalls mittlerer Trinkfluss, großes Potential Chat Sauvage: 2015 Clos de Schultz Chardonnay – ebenfalls zu jung, aber recht fett, ausdrucksstark, hohe Präsenz, druckvoll mit Charakter, gut

Hans Lang 2015 Chardonnay – eigentlich nicht als Chardonnay erkennbar, säurereduzierter Weißwein, wirkt sehr reduktiv ausgebaut, merkliche Süße, ein Wein zwischen allen Welten…

Schloss Reinhartshausen 2016 Chardonnay „Thanks Bob“ …sozusagen ein Dankeschön an Robert „Bob“ Mondavi – fantastisches Rebsorten-Bukett in der Nase, doch das wird am Gaumen leider nicht eingelöst, reißt schnell ab und hinterlässt leichte Bitternoten, wenig harmonisch.

Bernhard Huber – 2014 Bienenberg Chardonnay GG – tat sich blindverkostet sehr schwer in der Runde… die sprach von verbranntem Gummi, giftiger Zitronensäure, grünen Aromen, kräftiger Salzigkeit, geringem Nachhall…. mit der Erkennbarkeit des Etiketts nahm der Respekt exponentiell zu….“vielleicht doch ein großer Wein“… oder ein Flaschenfehler….?!?

Schätzle 2015 Chardonnay – Baden=Burgunderland? jedenfalls sehr frisch, viel Säure, Maracuja, Ananas, auch viel Zitrus, wenig Holz, nicht meine Idee von Chardonnay vom Kaiserstuhl, sorry …. S

amuel Billaud 2014 Chablis Premier Cru Montée de Tonnerre – gut, “anders” als die anderen, Minze, Eukalyptus, ätherische Noten, sehr fordernd, aber durchaus auch elegant, Trinkfluss eher gering Moreson 2015 Chardonnay Mercator – einer meiner aktuellen Liebling aus Südafrika, hat alles, was für mich ein großer Chardonnay braucht, hohe Dichte und Konzentration, druckvoll, präsent, cremige Eleganz, ideal für Liebhaber gut verwobenen, aber merklich spürbaren Holzes, sehr geringe Säure, nicht zu dick, aber auch nicht belanglos, klasse !