2019 GG s

VDP.Großes Gewächs in Wiesbaden

477 Weine der Jahrgänge 2015-2019 in 89 Flights an 3 Tagen, verkostet von 160 Experten aus dem In-und Ausland, das ist die VDP.GG-Präsentation in Wiesbaden. Wie immer mustergültig organisiert, so dass der 3. Tag sogar trotz der Verschärfung der Corona-Beschränkungen in Wiesbaden ablaufen konnte. Ich habe natürlich nicht alles verkostet, sondern mich immer auf einige Teilaspekte fokussiert. Diesmal ging es mir nicht um einzelne Regionen, sondern um den Charakter des Terroir wider die Handschrift des Winzers. Dazu muss man Flights ordern aus Lagen, in denen mehrere gute Winzer begütert sind, und dazu ist das die ideale Gelegenheit.

Einige Beispiele von meinem Verkostungstisch, alles VDP.GG 2019 Riesling trocken.

Rheingau: Hattenheimer Wisselbrunnen

Die Spitzenlage Wisselbrunnen in allen vier Weinen gut erkennbar, die Stilistik ändert daran nichts. Ich mochte den geschliffenen Spreitzer am liebsten und sah den finessenreichen Kaufmann auf dem zweiten Platz, den dritten teilten sich einen Wimpernschlag dahinter Barth und die Georg-Müller-Stiftung

Rheingau: Berg Schlossberg und Kaisersteinfels

Künstler hatte bei mir die Nase vorn, dicht gefolgt von Leitz (2018), der wiederum knapp vor Wegeler. Insgesamt deutlich heterogener im Ausbau als der Wisselbrunnen. Wie gut ein Jahr mehr Reife tut, zeigte auch der 2018er Rosengarten von Leitz, phänomenal gut.  

Nahe: Schloss Böckelheimer Felsenberg

Alle 4 durchaus eng beisammen, was für die Lage spricht. Schäfer-Fröhlich und Dönnhoff… da konnte ich mich einfach nicht entscheiden, auch zwischen Gut Hermannsberg (3.) und Dr. Crusius ging es ganz knapp zu.

Wenden wir uns Rheinhessen zu: Niersteiner Pettenthal

Gunderloch und Kühling-Gillot machen das fantastisch, Wein mit Grip, Zug und Finesse. Schätzel eher verhalten, für St. Antony kam die Verkostung auch noch ein bisserl früh, ist aber mit Sicherheit ein großartiger Langläufer.

Pfalz, natürlich Forster Pechstein, und gleich 5 Winzer! Bürklin-Wolf, Buhl, Bassermann-Jordan, Acham-Magin und Mosbacher. Was für eine Reihe, was für klingende Namen. Und das Schönste: Alle GGs auf Top-Niveau. Aber weil der Bessere der Feind des sehr Guten ist, gehören Buhl und Bassermann die Kronen dieses Flights.

Insgesamt bleibt zu sagen, dass 2019 wirklich großartige Spitzen hervorgebracht hat, und manche Weingüter haben die ebenfalls sehr guten 2018er mit ihrem 2019 noch übertrumpft. Übrigens. Die 2020er GGs wird der Rheingau erst 2022 zeigen, also nach zwei Jahren Lager- und Reifezeit, um den Weinen mehr Entwicklung zu geben. Das machen vereinzelt ja schon Winzer aus vielen Regionen (im Rheingau bsp. PJ Kühn), aber nun ist es im Rheingau die Regel, und vermutlich wird der eine oder andere VDP-Regionalverband noch folgen. 2021 gibt es dennoch eine GG-Präsentation, aber wird aus dem Rheingau eben noch einmal 2019 gezeigt. Angesichts der Güte der Weine ist das eher eine Verheißung als die Androhung von Langeweile!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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