2018 Monte Vacano

wie bitte? Doch! Vacano, Monte. Genauso heißt der neue Ultrapremium-Riesling von Weingut Robert Weil. Die Trauben stammen von einer 0,5 Hektar großen Parzelle der Spitzenlage Gräfenberg, aus der Weil jährlich 30.000 bis 40.000 Flaschen Großes Gewächs erzeugt. Bis 1921 ist verbrieft, dass Familie Weil auf dieser Parzelle mit ihrem hohen Phyllitschiefer-Anteil einen „Monte Vacano“-Wein erzeugt hat, der allerdings nicht verkauft wurde, sondern in der Familie blieb. Wein und Parzelle haben deshalb auch eine emotionale Bedeutung für Wilhelm Weil. Vor allem aber auch eine weinhistorische. Nun sollen jährlich zwei aufgearbeitete, traditionelle Stückfässer (1200l) aus bewährter Hunsrück-Eiche mit dem spontan vergorenen Wein gefüllt werden, um zwei Jahre auf der Feinhefe zu reifen. Das Erstlingswerk ist gefüllt und wird allen Erwartungen an einen großen trockenen (2g RZ) Weißwein gerecht. Die 1200 0,75er Flaschen können für 105 Euro vorreserviert werden und sollen ab April 2021 für 130 Euro verkauft werden. Wetten, dass dann keine Flasche mehr in den freien Verkauf geht??? In Magnum-Flaschen geht der Wein auf die Versteigerung, auch eine einzelne 12 l-Flasche, für die mir leider das Kleingeld fehlt. Der Wein hat unheimlich viel Grip, Länge und einen sehr „traubigen“ Charakter, eine besondere Würzigkeit, hohe Dichte und Komplexität, ohne dabei an Trinkfluss (13%) einzubüßen.  

Keine Sorge, der Gräfenberg bleibt die VDP.Große Lage, weshalb „Monte Vacano“ auch nicht für ein neues Gewann im Gräfenberg steht, sondern nur für die Herkunft aus dem Gräfenberg. Warum Vacano?  So hieß eine lombardische Familie, und Emilie Vacano war es, die 1875 den Sprachwissenschaftler und Winzer-Seiteneinsteiger Robert Weil heiratete. Im gleichen Jahr kaufte Weil den Suttonschen Landsitz in Kiedrich und formte durch Zukäufe ein Weingut. Darunter auch die Lay genannte Parzelle, für die Weil die Mitgift seiner Frau einsetzte. Fortan heiß die Parzelle Monte Vacano. Der Rest ist bekannt, der Wein ist neu. Wie Phoenix aus der Asche. Formidabel!   

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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