Dem 2019er auf der Spur…

Jahrgangsverkostung Robert Weil, Kiedrich

… später als sonst im Jahr habe ich die 2019er von Robert Weil verkostet, und das Fazit ist: Sie knüpfen unmittelbar an die hohe Qualität und Finesse der 2018er und 2016er an. Für das Weingut war es ein anspruchsvoller Jahrgang nach einem „neidischen Herbst“, der auf einen abermals trockenen und heißen Sommer gefolgt war.

2019 Rheingau Riesling trocken – von den Freaks oft gescholten wegen seines angeblich schwierigen Preis-Leistungs-Verhältnisses gefällt mir diese trockene Visitenkarte des Weinguts außerordentlich gut. Ein Wein mit Schmackes (Wumms, sagt man wohl neuerdings), der mit einer gut integrierten Säure dennoch den Trinkfluss entfaltet, denn ein QbA haben muss.

2019 Kiedricher Riesling trocken – mehr als nur ein schnöder Ortswein… vielmehr ein Charakterwein und ein Abbild der Kiedricher Berglagen mit viel Grazie, Finesse und Eleganz, ohne dabei die fruchtige Leichtigkeit missen zu lassen. Vielleicht sogar der beste Kiedricher der zurückliegenden Jahre…

2019 Klosterberg Riesling trocken – die Wein-Bazooka von Weil: leicht würziger Charakter, stämmig, ein „Maul voll Wein“ und mit Sicherheit ein guter Essensbegleiter. Jahr für Jahr zeigt der Klosterberg ein wenig mehr Klasse und Finesse, ohne sich Turmberg und Gräfenberg aber entscheidend nähern zu können.

2019 Turmberg Riesling trocken – same note as every year: zu diesem Zeitpunkt immer der zugänglichste, imposantes, überwältigende Terroir-Wein. Bärenstark und doch hochelegant, Genuss pur.

2019 Gräfenberg Riesling trocken – das GG, das in wenigen Tagen verkauft werden darf, und die Botschaft lautet: Greift zu! Eine in weiten Teilen noch verschlossene Majestät, die aber zu diesem Zeitpunkt eine für mich ungewohnte Würzigkeit (fast ein bisserl Feuerstein) zeigt. Ob das an den teils aufgearbeiteten großen Holzfässern liegt sei dahingestellt, aber ich muss dringend mal 2019 GG mit 2018 und 2016 vergleichen, um meine Sinne auf den Prüfstand zu stellen…

2019 Riesling Tradition … vielleicht der Saufwein in der Weil-Kollektion, perfekter Trinkfluss mit 25g Restzucker, idealer Asian- und Indian-Food-Begleiter, aber auch einfach so in der Sommerhitze eisgekühlt… great… einfach der viel bessere Rosé…

2019 Riesling Kabinett …. der „Kabi“ erlebt ja mit dieser liebevoll gemeinten Abkürzung unter den Freaks eine kleine Renaissance, bei Weil schmeckt er so lecker-erfrischend wie kaltes Gebirgsquellwasser, doch ich ziehe den Tradition vor!

2019 EDELSÜSS… ok, ich hatte den Genuss, auch die gesamte edelsüße Kollektion verkosten zu dürfen bis hin zu den Goldkapsel Auslesen und Beerenauslesen sowie 2019 Turmberg und 2019 Gräfenberg TBA, aber mir fehlen ein wenig die Worte, die diesen Weinmajestäten gerecht werden, und ich will auch nicht ständig nur mit Begriffen wie Honig, Karamell, Rosinen, Aprikosenschale, reifer Orange, Trockenfrüchte um mich werfen… um nur einige der Aromen-Eindrücke von mir zu geben. Sagen wir mal so: alle zwischen 94 und 99 Weinschmecker-Punkte und wer es sich leisten kann, sollte zugreifen! Sofort!

Jahrgangsverkostung F.B. Schönleber, Mittelheim

…. unter Corona-Bedingungen ein wenig ungewohnt aber gut gelöst im Weingut. Noch hat das VDP-Weingut nicht alle Tropfen in die Flasche gefüllt, und die Großen Gewächse durfte ich leider auch noch nicht probieren (obwohl der 1.9. doch nur für den Verkauf gilt), dafür gab es

2019 Franz Bernhard – der Mittelheimer Ortswein gefiel mir schon als 2018er außerordentlich gut mit seiner klaren Frische, seiner Geradlinigkeit und seiner markanten, aber nicht harten Säure. Ich habe noch drei Kisten aus den Restbeständen erstanden… und das sagt an dieser Stelle vielleicht alles. 2019 aber nicht minder gut. Unter den 3 VDP.Erste Lage-Weinen (Edelmann, Steinmorgen, Klosterberg) ragte für mich diesmal der trockene 2019er Steinmorgen mit seiner Finesse und Spritzigkeit klar hervor… in diesem Stadium gefiel er mir sogar besser als das Beste Fass (Edelmann), das vielleicht einfach noch ein wenig Zeit braucht. Und wenn Ihr einen Sekt braucht: der neue Brut nature ist für 14 Euro ein Mega-Schnapper!  

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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