Nahe am Rhein

… so heißt eine neue wein-touristische Initiative zwischen Bingen und Kreuznach, die Aufmerksamkeit verdient. Ich bin bei einer kleinen Tour an die Nahe darauf gestoßen, bei der ich unter anderem die wunderbaren Wanderrouten rund um Bad Kreuznach erkundet habe. Und endlich mal wieder eine Stippvisite bei Martin Tesch in Langenlonsheim.

Kompliment für die 2019er, bei denen die Lagencharakteristik wie schon 2018 sehr gut herausgearbeitet worden ist. Die „Lagenkiste“ (nur 77 Euro!) ist eine echte Empfehlung… eine Art flüssiges Lehrbuch über die Böden und die geschmackliche Ausprägung im Wein. Mit dem Jahrgang 2019 waren der St. Remigiusberg und der Karthäuser meine absoluten Favoriten, wobei die Krone auch immer eine Bank ist. Wie gut die Weine reifen, zeigte mir Tesch mit einem 2009 Karthäuser: Stoffige Eleganz mit prägnantem Zug, fein!

Natürlich habe ich auch ein wenig Dönnhoff, Korrell, Emrich-Schönleber und Diel getrunken (die Nahewein-Vinothek in Bad Kreuznach ist in dieser Hinsicht jedenfalls ein Muss!). Zu einer Nahe-Visite gehört aber auch ein Besuch bei Kruger-Rumpf, wo die 2019er ebenfalls außerordentlich gut geraten sind. Schon der Binger (Quarzit!) und der Münster (Schiefer!)-Ortswein sind jeweils ganz feine, filigrane Visitenkarten des Weinguts mit großem Trinkfluss aus zwei Anbaugebieten. Ein echtes Aha-Erlebnis bietet am Gaumen die neue „Bingerbrücker-Abtei“ in der Variante „Abtei 1937“. Ein präziser Hammerwein! Wobei der Münsterer Kapellenberg aus VDP.Erster Lage ein großartiges Preis-Leistungsverhältnis bietet. Übrigens hat sich Kruger-Rumpf jetzt auf dem Weg zum Öko-Weingut begeben… der 2020 wird der erste Umstellungsjahrgang. Bei den Großen Lagen ist es fast immer der Binger Scharlachberg, der mein Favorit ist. So auch mit dem Jahrgang 2018. Ein rheinhessischer Diamant, geschliffen an der Nahe! Und dann zwei Schätzchen aus der Schatzkammer: 2004 Scharlachberg Riesling GG. Wow! Und eine Majestät: 1992 Münsterer Dautenpflänzer Riesling Spätlese trocken – fantastisch gereift, und noch lange nicht am Lebensende angekommen.

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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