Südtirol im Rheingau und Rekord für Pinot

Bei der großen VDP-Weinpräsentation anlässlich des 24. Rheingau Gourmet und Wein Festivals waren diesmal auch fast 30 Erzeuger aus Südtirol dabei. Eine großartige Gelegenheit für eine Querschnittsverkostung durch Weißburgunder und Sauvignon blanc. Zu meinen Favoriten zählten die beiden 2017er Sauvignons von der Kellerei Girlan (DOC Flora) und der Kellerei Kaltern (Quintessenz). Bei den Weißburgundern setzte mich die Kellerei Meran mit dem 2012 (!) Riserva DOC V sehr, sehr positiv in Erstaunen, und ganz großartig auch der 2018er DOC von Nals Margreid aus der Monopollage Sirmian. Wie gewohnt ganz vorne mit dabei die Kellerei Terlan mit dem 2017 Vorberg Weißburgunder Riserva DOC und dem Sauvignon blanc Quarz 2018. Der ist immer eine Bank, und ich widerspreche jenen „Experten“ nicht, die in den Terlanern einen der besten Weißweinerzeuger Italiens sehen.

Eine Bank ist auch der 2018 Chardonnay Lafoa von Schreckbichl, und apropos Chardonnay: 2017 Riserva Freienfeld von der Kellerei Kurtatsch fand ich zwar noch sehr holzig, aber trotzdem sehr gut. Ein Langläufer.

Kleiner Seitenblick nach Deutschland: Sehr gut Dautels 2018 Steingrüben Riesling GG aus Großer Lage und Luckerts 2018 Maustal Silvaner GG (typisch Muschelkalk-Silvaner, love it!) auf Augenhöhe mit dem 2018 Pfülben Sivlaner GG von Schmitts Kinder. In fantastischer Form jetzt aber das 2015 Wallufer Walkenberg Riesling GG von Toni Jost, ein Wein, zum darin Baden! Happy sunday!

Rekordpreis für deutschen Spätburgunder ! 

Das Publikum applaudierte stehend: 18.000 Euro war bei der Weinversteigerung in Kloster Eberbach einem unbekannten Weinfreund die 1920er Riesling Trockenbeerenauslese von Schloss Johannisberg wert. Ein solch hohes Gebot hatte es bei den Versteigerungen im Laiendormitorium des Klosters schon viele Jahre nicht mehr gegeben. Entsprechend euphorisch war die Stimmung am Ende einer vierstündigen Auktion, die in vielerlei Hinsicht bemerkenswert war. Nicht nur wegen des 100 Jahre alten Weinunikats aus der Schloss Johannisberger Schatzkammer, die Ende Januar vorsorglich noch einmal verkostet und neu verkorkt worden war. „Bernsteinfarben mit goldenen Reflexen. Intensive Nase mit ausgeprägten Aromen, die an Orangenmarmelade, getrocknete Aprikose und Feige erinnern“, notierte bei dieser Gelegenheit Stefan Doktor. Für den Schloss-Geschäftsführer war das Ergebnis ein schöner Erfolg auch im Hinblick auf das Jubiläum „300 Jahre exklusiver Riesling-Anbau“.

Insgesamt wurden 5069 Flaschen (Vorjahr 6105) Wein versteigert, ein paar hundert davon gingen über das Internet weg, was eine schöne Entwicklung ist. Der kumulierte Startpreis lag bei 78.000 Euro, der Versteigerungserlös insgesamt bei fast 195.000 Euro (Vorjahr 189.000).

Eigentlich hätte Leo Gros an diesem Tag das 25. Jahr als Auktionator feiern können. Doch wegen eines häuslichen Unfalls von Gros sprang VDP-Ehrenpräsident Michael Prinz zu Salm-Salm, und er machte es gut. Im ehemaligen Schlafsaal der Laienbrüder hatte Bacchus Corona getrotzt. Das Dormitorium war mit rund 500 Weinbegeisterten bis auf den letzten Platz besetzt. Es hatte im Vorfeld sogar eine Warteliste gegeben. Salm-Salm zelebrierte eine Auktion, wie sie das Kloster schon lange nicht mehr erlebt hatte. Vor allem für reife Weine und für Weine in Großflaschen wurden beträchtliche Preise gezahlt.

Das Weingut Allendorf hatte seinen „2018 Goethewein aus dem Brentanohaus“ in eine Zwölfliterflasche gefüllt und erzielte dafür 4500 Euro. Im vergangenen Jahr lag das Spitzengebot für den 2017er in der Großflasche bei 3300 Euro. Das Weingut Balthasar Ress bot eine mit 26 Litern Rüdesheimer Spitzenwein gefüllte „Sovereign“-Flasche mit Apitz-Künstleretikett an und strich dafür 6000 Euro ein. Dagegen wirkte die Sechsliterflasche mit einem Großen Riesling-Gewächs von Schloss Johannisberg fast winzig, obwohl der Preis von 1400 Euro durchaus beachtlich war.

Für 1000 Euro wurden jeweils zwei Dreiliterflaschen Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder aus dem sehr guten Jahrgang 2009 versteigert. Zwei Flaschen Riesling Auslese des Jahrgangs 1970 wurden vom Weingut August Eser für 50 Euro angeboten und für jeweils 450 Euro verkauft. Zweiter Höhepunkt war aber neben dem 100 Jahre alten Johannisberger ein „Assmannshäuser Höllenberger Spätburgunder Natur“ aus dem phänomenalen und seltenen Jahrgang 1945. Greiner hatte für den Benefizwein zugunsten des Hospiz Bergstraße auf mindestens 3000 Euro gehofft und von bis zu 8000 Euro geträumt. Am Ende erhielt ein Weinfreund nach einem heftigen Bietgefecht den Zuschlag erst bei 12.600 Euro!!! Auktionator Salm-Salm setzte ehrfurchtsvoll seinen Zylinder auf und sprach von einem historischen Augenblick. Es ist allem Anschein nach der höchste Preis, der je für einen deutschen Spätburgunder gezahlt wurde. Ein magischer Weinmoment im Kloster. (Angelehnt an meinem Bericht für die FAZ vom 2. März 2020)

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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