Phélan Ségur Vertikale

Nein, es müssen nicht immer die großen Namen und die Premier Crus (s.u.!) sein. Guter Bordeaux muss nicht bösartig teuer sein, und manches Gut aus einer der hinteren Reihen begegnet den Spitzenerzeugern in gewissen Jahren sogar fast auf Augenhöhe. Ein verlässlicher Name ist Phélan Ségur aus Saint-Estéphe, also dem linken Ufer der Gironde, dessen Terroir von Kiesel, Lehm und Ton bestimmt wird. Das 70 Hektar große Weingut wurde 1810 gegründet und hat nach den Familie Delon (ab 1925) und Guardinier (ab 1985) seit 2018 mit Van de Vyver neue Eigentümer. Das Weingut setzt vor allem auf Cabernet-Sauvignon und Merlot, deren Cuvées 18 Monate im Holzfass (50% neue Barriques) reifen, um das Ziel zu erreichen: Bordeaux im klassischen Stil mit Finesse, Eleganz und Balance. Mit Frank Phélan gibt es übrigens auch einen Zweitwein (14 Monate im Holzfass).

Die Vertikalprobe umfasste alle Jahrgänge zwischen 2008 und 2016 mit Ausnahme des 2013er. Dabei waren die Jahrgangsunterschiede durchaus prägnant, beispielsweise der präzise, puristische, zupackende, wenngleich noch verschlossene 2016er und der elegantere, fast weiche, cremig-würzige 2015er. 2016 gehörte zu meinen drei Favoriten, daneben der opulente, volle, extrem nachhaltige und würzige 2009er und der sich im Glas phänomenal entwickelnde 2011 mit seiner zupackenden Fülle und seiner geschmeidigen Eleganz. Ganz so „preis-wert“ wie noch vor einigen Jahren ist allerdings auch Phélan Ségur nicht mehr: Je nach Jahrgang werden in der Regel 40 bis 50 Euro fällig… also ich greife zu diesem Preis dann doch fast eher zum spannungsgeladeneren  Pinot Noir…

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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