Südafrika 2020

 … das könnte ein längerer, ausufernder Essay über die Weine vom Kap überschrieben sein. Ein Blog allerdings beschränkt sich auf das Wesentliche, zumindest nach meinem Verständnis. Auch wenn dann die Weine von rund zwei Dutzend besuchten Weingütern nicht in der gebührenden – oder gebotenen – Ausführlichkeit besprochen werden können.

An der grundsätzlichen Misere des südafrikanischen Weinbaus hat sich indes wenig geändert. Es ist für viele Erzeuger schwer, Flaschenweine hoher Qualität zu exportieren, weil die Preise dann Schwellen überschreiten, die den Absatz hindern. Ein frischer Chenin blanc beispielsweise, der ab Weingut etwa sieben Euro (Rand-Kurs rund 1:16) kostet (und im guten Restaurant nur wenig mehr…) wird um 50 bis 100 Prozent teurer, bis er in Deutschland ist. Und dann wird die Luft in einem umkämpften Markt eng. Und wer kauft hier Pinotage zu Flaschenpreisen von 50 Euro und mehr…?!? Doch von Anfang an.

Es ist immer eine gute Idee, am Meer zu starten und das Hemel-en-Aarde-Valley hoch und runter abzugrasen.

Hier gibt es übrigens den vielleicht besten Chardonnay des Landes: Ataraxia. Ein Wein mit Trinkfluss ohne Limit, egal ob 2017 oder 2018. Nicht viel schlechter die Weine bei Bouchard-Finlayson, vor allem der Missionvale und der Kaaimansgat Chardonnay. Die kühle Atlantik-Brise lässt auch außerordentlichen Pinot Noir (2018 Galpin Peak) heranreifen.

Bei Sumaridge überzeugte so richtig nur der 2015 Chardonnay, ansonsten ist noch Luft nach oben, bsp. bei Wayfarer Pinot Noir Sekt. Eine Freude war es diesmal, die Weine von Newton Johnson zu verkosten, sowohl Chardonnay als auch Sauvignon blanc und Pinot Noir. Höhepunkt jeder Tour ist immer der von Wein begleitete Lunch bei Creation. Fast drei Stunden Dauergenuss in wunderschöne Landschaft, dazu ein 2019 Cool-climate Chenin blanc und ein 2018 Reserve Chardonnay. Mit dem „Ficks“ und dem „Wine Glass“ gibt es übrigens zwei neue Restaurants, die neben Harbour Rock und Char’d Grill die kulinarische Landschaft bereichern.

Diesmal hatte ich endlich Zeit, Botrivier zu erkunden und mir Gabrielskloof, Luddite, Beaumont und Benguela Cove für ein Tasting anzusehen. Bei dem 65 Hektar großen Weingut Gabrielskloof gefielen mir vor allen die Syrah on Sandstone und on Shale, bei Luddite der Chenin und bei Benguela Cove der Estate Chardonnay. Eine besondere Freude ist immer der Ausflug nach Stanford, um sich von Susanne Schneider auf Springfontein auf das Allerfeinste bewirten zu lassen und dazu Chenin blanc der Terroir Selection zu trinken. Geht anders, aber nicht besser!

Und sonst? Natürlich die Sauvignon blanc von Southern Right nicht vergessen und die Chenins von Beaumont, wo die Rebsortenvielfalt übrigens ihresgleichen sucht. Ist eine Besuch wert. Weiter nach Franschhoek, dem Place to be!

Ich habe mich mal wieder zu einem Tasting bei Lepards Leap durchgerungen und war angenehm überrascht, dass auch dort die Qualitätskurve nach oben geht (beispielsweise der Chenin blanc aus der Culinaria Collection). Hut ab vor dem 2018 Grand Vin. Natürlich waren wir mal wieder kurz bei Reni Hildenbrand und haben dort der Rheingauer Praktikantin und Es-Weinkönigin Katharina Bausch die Hand geschüttelt, um dabei 2019 Chenin blanc und 2016 Chardonnay zu trinken.

Ein Lunch bei Grande Provence gehört in Franschhoek einfach dazu (grandioses Filetsteak!), ebenso der 2018 Chardonnay. Eindrucksvoll war die Kellertour und VIP-Verkostung bei Anthonij Rupert. Was für ein (Rotwein-) Keller (einer von vier!) ! Muss man gesehen haben.

Mein Lieblings-Lunch-Platz ist und bleibt La Motte. Punkt. Erstmals habe ich es zu Maison um die Ecke geschafft und die Kollektion probiert. „Chefs Warehouse“ habe ich mir für 2021 schon fest vorgenommen. Abends natürlich Reubens und Foliage!

Wer sehen will, wie es aussieht, wenn (ukrainische) Geld keine Rolle spielt, der gehe zu Quoin Rock. Imposant, und trotzdem schwer zu beschreiben. Wow. Wenn irgendwann noch Weinqualität und Architektur eine Einheit bilden, dann wird das kaum auszuhalten sein. Doch noch ist in der Flasche viel Luft nach oben (nicht aber bei den happigen Preisen….) Zum Pflichtprogramm für eine Wahl-Rheingauer gehört natürlich ein Besuch bei Paul Barth und „Kunjani“. Süffiger Chenin und Sauvignon.

Ein Wechsel zur Südseite des Tafelbergs. Erstmals habe ich Cape Point Vineyards besucht und war sehr positiv angetan, weinlich vor allem von der Isliedh-Cuvee, aber natürlich auch von Ausblick und Ambiente.

Fixpunkt im Reiseprogramm ist hingegen immer Dornier nahe Stellenbosch. Obwohl mir das Küchenprogramm jetzt nicht mehr zusagt, ist der Platz dank Wein und Terrasse ein überwältigend schön. Der Chenin „Moordenaarskloof“ war einer meiner Favoriten dieser Rebsorte. Eindrucksvoll auch Lanzerac, wo vom Brand 2017 nichts mehr zu sehen ist. Auferstanden aus Ruinen, und der Mrs. Englisch Chardonnay ist einfach lecker. Wer Pinotage liegt, schaue mal bei Aaldering im Devon Tal vorbei (nebenbei: die beste Unterkunft rund um Stellenbosch!): Hier gibt es gleich vier interessante Variationen: Pinotage weiß gekeltert, Pinotage rosé, Pinotage im Stahl ausgebaut und – mein Favorit – Pinotage Estate aus dem Holzfass.

Zu guter Letzt dieser unvollständigen, willkürlichen und holzschnittartigen Übersicht: Zevenwacht. Besser lassen sich nirgend die letzten Stunden vor am Rückflug verbringen (auch nicht bei Asara, was sonst immer eine sehr gute Idee ist…) Zevenwachts 2018 Tin Mine White Blend ist Spitze. DER Abschiedstrunk. See you 2021.

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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