Aus dem Verkostungstagebuch

Reifer Riesling

Gute Freunde im Haus zu haben, bietet immer den Anlass, ein paar Schätzchen zu entkorken, um dem Reifepotential des Rieslings nachzuspüren. Der 1999er Rüdesheim Berg Schlossberg Riesling von Georg Breuer zeigt exemplarisch, wie großartig die Weine kurz vor der Jahrtausendwende geraten konnte. Ehrlich gesagt war ich noch immer auf einen 1999er, der besser ist als dieser ! Gefunden habe ich ihn noch nicht. Dass auch vor dem Klimawandel – der im Rheingau 1988 den Schalter umgelegt hat – in den 80ern gute Weine machbar waren, zeigt Diefenhardts 1986er Martinsthaler Wildsau Riesling Spätlese. Da waren die Spätlese noch nicht übersüßt, sondern von einer Strahlkraft und Finesse, die richtig Spass macht. Trinkspass. Vielleicht noch zu jung der 2007er Schloss Johannisberger Riesling Erstes Gewächs. Solo ein wenig sperrig, aber ein feiner Essensbegleiter, sogar zum Filet.

Heger, Ihringen 2016 Winklerberg Chardonnay – so ein Mist, KORK !!!!!!!!

Weil, Kiedrich 2006 Gräfenberg Riesling Auslese – kein einfacher Jahrgang, aber glänzend gelöst. Edle Reife, aber anders als andere Auslese…. fällt in jeder Vertikalprobe deutlich auf.

Weedenborn, Rheinhessen 2016 Chardonnay Réserve – klasse Chardonnay von der Sauvignon blanc Königin Rheinhessen! Gesine Roll hat es einfach drauf, Kompliment.

Jurtschitsch, Kamptal 2016 Ried Schenkenbichl Grüner Veltliner so was geht in Deutschland nicht… Paradebeispiel für die Rebsorte, exzellent!

Graf Adelmann, Kleinbottwar 2011 Lemberger „Der Schwarze Loewe“ GG – der beste Lemberger, den ich in jüngerer Zeit getrunken habe! Großes Kino! Benchmark für die Rebsorte in Deutschland.

August Kesseler, Assmannshausen 2015 & 2016 Höllenberg Pinot Noir GG – gigantisch gut, großes Pinot-Kino… geht das besser? Dazu 2012 Schlossberg Riesling GG. Groß.

Luce…. 2012…. Als Vittorio Frescobaldi Anfang der 90er Jahre Robert Mondavi trifft, nimmt ein neues Kapitel in der Geschichte der großartigen toskanischen Weine und in der Geschichte der Qualitätsweine seinen Anfang. Aus der Begegnung der beiden Partner entstand Luce… so die Eigenwerbung für einen Super-Toskaner, von dem ich eine einzige Flasche im Keller hatte und jetzt nicht länger widerstehen konnte: Es hat sich gelohnt: Ein dichter, komplexer, voller Roter mit viel Tannin, Tabak, Lakritz und Würze, großer Nachhall, perfekt zum Filet… und ein Sonnenstrahl an diesem trüben Dezembertag…

Legras & Haas, Chouilly Intuition brut – Champagner-Neuentdeckung. Trinkfluss, typisch, klassisch, gut, lohnt sich.

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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