Neues aus dem Verkostungstagebuch

Groebe, Westhofen

Fritz Groebe ist eine Seele von Winzer. Ein super Typ! Und ein Rheinhessischer Spitzenerzeuger dazu. Mit Wittmann und Keller in der Nachbarschaft bildet er das rheinhessische Dreigestirn, das der Rheinfront um Nierstein mehr als nur Paroli bietet. Groebe hat seine eigene, authentische Linie gefunden und ist mit sich im reinen, wenn es die Philosophie des nur knapp neun Hektar großen Weinguts und das Streben nach Qualität geht. Das macht jede Verkostung im Weingut zur reinen Freude. Der 2018er Riesling trocken strahlt jene saftige Trinkfreude aus, die jeder Weinfreund in dieser Kategorie erwartet. Mein Lieblingswein aber ist der Westhofener Ortswein aus VDP.Erster Lage…. Genannt ist die Lage aber nicht. Ein „Krücke“ des VDP Rheinhessen, weil die Dreistufigkeit (Gutswein-Ortswein-Große Lage) doch nicht jedem genügt… Nun also eine Vierstufigkeit durch die Hintertür. Sei´s drum, der Wein vereint Trinkfluss und Komplexität auf das Feinste und landete sofort auf meiner Einkaufsliste. Noch recht verschlossen sind die beiden GGs aus Aulerde und Kirchspiel. Ich tendierte zur Aulerde mit ihrer straffen Würze und zog sie dem verspielteren, durchaus noch eleganteren Kirchspiel vor. Welches Potential die Weine haben, zeigte die 2013 Kirchspiel Grande Réserve, die völlig zu Recht als Auktionswein reüssierte. Und sonst: Süffig und mit hohem Trinkspaß der „Riesling 1763“ als VDP-Gutswein, viel Wein für moderates Geld. Und die Edelsüßen sind eine Wucht für sich.

Chat Sauvage, Johannisberg

Jahrgangsverkostung bei der Johannisberger „Katze“ mit Hamburger Ursprung. Das ist aller Ehren wert, was Verena Schöttle auf den Verkostungstisch gestellt hatte, angefangen beim „einfachen“ 2018er Chardonnay, der sich schon recht zugänglich zeigt, ganz im Gegensatz zum langlebigen „Brett“ „Clos de Schulz“, der ganz viel Zeit und ganz viel Luft benötigt. Überraschung am Rande: ein Restposten 2014er (!) Rosé, der jetzt schon fast wie ein Provence-Rosé daherkam, mit viel Grip und Zug bar schmeichelnder Fruchtnoten. Bei den Gutsweinen und Ortsweinen überzeugten vor allem die 2015 (Schmelz) und die 2016 (Finesse, Säure). Den 2015 Pinot Noir Selection Schulz fand ich sensationell gut und auf Augenhöhe mit 2015 Assmannshäuser, 2016er Lorcher und 2017er Rüdesheimer Ortswein. Letzter ein Maul voller Schiefer! Die Lagenweine waren und sind wieder (auch preislich, ab 45 Euro) eine Klasse für sich. Zu jeder der fünf Lagen plus „Rouge de Schulz“ standen jeweils mindestens drei Jahrgänge parat, was einen herrlichen Überblick ermöglichte und die Konsequenz und Stilistik des Weinguts verdeutlichte. Meine Favoriten: 2015 Höllenberg und Johannisberger Hölle, 2016 Drachenstein und 2015 Lorcher Schlossberg.

Trenz, Johannisberg

Das Gewölbe unter dem Wein ist für sich schon einen Besuch von Trenz wert, doch wenn zudem die Jahrgangsverkostung stattfindet, dann führt mein Weg fast immer nach Johannisberg. Mit dem 2018er hat Trenz eine klasse Kollektion vorgelegt. Besonders begeistert war ich vom 2018 Steinhaus trocken, dessen Preis-Leistungs-Verhältnis geradezu sensationell gut ist. Und die 2018 „Alten Reben“ trocken sind weiter eine Bank! Hammergut.

F.B. Schönleber, Mittelheim

Der November ist zu den Verkaufstagen immer eine gute Gelegenheit, das Urteil über den 2018er Jahrgang bei F.B. Schönleber nochmal nachzuprüfen. Und was soll ich sagen? Die Weine entwickeln sich prächtig, allen voran das 2018 „Beste Fass“ aus dem Steinmorgen. Würde ich in diesem Blog einen „Ortswein des Jahres“ ausrufen, käme der 2018er „Franz Bernhard“ aus Mittelheimer Lagen in die engste Auswahl. Neu entdeckt habe ich für mich die 2018 „Alten Reben“ aus dem Klosterberg von Oestrich. Doch den „Steinmorgen“ können sie nicht übertrumpfen.

Weingüter Wegeler, Oestrich

Zweite Auflage der Pop up Winebar von Tom Drieseberg. Und abermals eine Freude. Klasse Publikum, tolle Atmosphäre, gute Gespräche, feine Weine. 2008 Gräfenberg GG aus der Magnum beispielsweise… wann und wo soll ich den sonst glasweine trinken???? Nicht minder gut: 2018 Doctor GG und 1998 Berg Rottland, beides von Wegeler, und natürlich 2013 Geheimrat J. Allesamt Weine mit Wow-Effekt, ebenso 2008 Höllenberg vom Weingut Krone. Die Krönung war aber Groebes 2003 Kirchenstück Spätlese…

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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