Schweinebauch im Schlafsaal

30. Riesling Gala zum Finale der 33. Glorreichen Rheingau Tage, fast 700 Fein- und Weinschmecker, und ich habe nur zufriedene Gesichter gesehen. Für mich gab es als Begleiter eines fulminanten Sechs-Gang-Menüs Topweine von Robert Weil und Dr. Loosen. Das ist es schwierig etwas herausgreifen, doch Loosens 2015er Erden Treppchen GG und vor allem die 2012 Ürzig Würtzgarten GG Reserve haben mir zusammen mit Weils 2015 Gräfenberg GG aus der Salmanzar und dem 2017er GG am besten gefallen.

Und hier mein kleiner Jubiläumstext (in Auszügen leicht abgewandelt) aus der F.A.Z.: Dem Rheingauer Riesling eine herausgehobene Rolle als Begleiter feiner Speisen zu geben, das war vor mehr als 30 Jahren die Mission von Bernhard Breuer, Egbert Engelhardt und Erwein Graf Matuschka-Greiffenclau. Breuer war damals Sprecher und Antreiber einer Gruppe qualitätsorientierter Winzer, die mit ihrem eigens kreierten „Charta“-Wein ein festen Platz am deutschen Speisetisch erobern wollten. Engelhardt hatte seinerzeit das „Graue Haus“ im Rheingau in die erste Reihe der in den achtziger Jahren noch dünn gesäten deutschen Spitzengastronomie geführt und ein Faible für Weine der Region. Und Matuschka-Greiffenclau war als Präsident des Verbands der Prädikatsweingüter und Winzer in der 27. Generation auf Schloss Vollrads ein Streiter für die Harmonie von Essen und Wein.

Unterstützt von Hans Ambrosi, dem damaligen Leiter der Staatsweingüter und somit Hausherren im Kloster Eberbach wurden nach dem Vorbild der burgundischen Weinfesttage „Trois Glorieuses“ im Jahr 1987 an einem langen Wochenende die ersten „Glorreichen Rheingau Tage“ gefeiert. Der November war bewusst als günstiger Zeitpunkt nach der Weinlese gewählt worden, zumal dann die Touristenströme in den Rheingau deutlich. Heute sind es 30 Veranstaltungen innerhalb von zehn Tagen, Höhepunkt aber ist die Riesling Gala am Abschluss-Sonntag. Fast 700 Gäste, vornehmlich aus der Rhein-Main-Region, wurden diesmal sechs Stunden lang im Dormitorium von Kloster Eberbach bewirtet.

Es war die 30. Gala, denn drei Mal musste sie seit 1987 pausieren, unter anderem wegen der Generalsanierung des Klosters. Nun ist das Ende der Fahnenstange erreicht, denn mehr Gäste dürfen schon aus Gründen des Brandschutzes nicht in den ehemaligen Schlafsaal der Laienbrüder. Er ist mit 83 Metern Länge der größte, mittelalterliche, nicht sakral genutzte Raum in Deutschland. Kulinarisch war Regionalität auf höchstem Niveau angesagt: Julian Stowasser vom Frankfurter Weinsinn stimmte die Gäste mit „schottischem Lachs mit Passionsfrucht und Miso“ ein. Es folgten „Carabinero mit Vadouvan“ von Alexander Hohlwein aus Limburg und der Mainzer Genusswerkstatt-Koch Carl Grüne mit einem Schweinebauch vom „Bunten Bentheimer“ (mein Favorit, genial aromatisch). Nach einer Entenbrust mit Gewürzhaut seines Mainzer Kollegen Philipp Stein zeigt der Wiesbadener Matthias Schmidt, dass ein „Handkäs mit Musik“ galatauglich aufgepeppt werden kann. Bei der karamelisierten weißen Schokolade von Tatsuya Shimizu aus Deidesheim war dann aber mancher Feinschmecker schon an die Grenzen seiner Aufnahmefähigkeit gelangt. Danach half eine „Reparaturbier“ vor dem Mönchsrefektorium!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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