Aus dem Verkostungstagebuch

Weingut Kaufmann, Hattenheim

Eva Raps & Urban Kaufmann hatten wieder mal zur Herbstpräsentation bei leckerem Raclette eingeladen, und das ist immer eine schöne Gelegenheit, die Weine zu einem Zeitpunkt zu verkosten, an dem sie langsam Stärke und Tiefgang zeigen. Insgesamt eine gelungene 2018er Kollektion, das zeigt sich am Hattenheimer Ortswein: 14 Euro sind zwar kein Schnapper mehr, aber das ist ein sehr präziser, geschliffener Charakterwein. Der „Tell“-Riesling hat sich zwischenzeitlich zu einem meiner Lieblingsweine entwickelt, und 2018 ist ein Volltreffer in jeder Hinsicht: Länge, Finesse, Komplexität und Grandezza in guter Kombination. Eine gute Idee war es, eine Vertikale der GGs aus dem Wisselbrunnen anzubieten, zumal sie für mich wieder bestätigt: Zwischen dem Charme der Jugend (2018), dem Schmelz der älteren Herren (2015) und der Größe von 2016 gut sich 2017 einfach sehr schwer…. zumindest momentan… Und sonst: Uno! Nicht das Kartenspiel, sondern die Cuvée aus Weißburgunder und Chardonnay… Gefällt mir gut, auch wenn ich den Chardonnay-Anteil noch etwas anheben würde… Außergewöhnlich: Der „Orange“ Silvaner… gut für Orange, aber nicht meine Weinkategorie… passt sicher vorzüglich zur Ente aus dem Rohr… Entdeckung nebenbei: 2015 Chenin blanc vom israelischen Partnerweingut Sea Horse, aber 30 Euro ?!? Da beziehe ich liebe feine Chenins aus Südafrika…

Spreitzer, Oestrich

Endlich mal wieder bei Spreitzer und genügend Zeit für eine kleine Tour durch die trockenen 2018er und einige gereifte GGs. Wie erwartet durchweg ein hohes Maß an Präzision und Finesse, gepaart mit dem typischen Spreitzer-Stil. Schon die beiden 2018er Ortsweine Buntschiefer und Muschelkalk mit hohem Trinkspass, wobei ich dem Muschelkalk am Gaumen den Vorzug gebe. Mehr davon! Bei den beiden 2018er GGs aus dem Rosengarten (Monopollage) und dem Wisselbrunnen fiel meine Wahl auf den Wisselbrunnen mit seinem ausgeprägt hohem Maß an Komplexität, Finesse und Trinkfluss. Eine Freude ebenfalls der 2018er Charta! Gut, dass hier diese Tradition hochgehalten und mit einem Künstleretikett gewürdigt wird. Wie gut die Spreitzer-Weine reifen zeigt 2016 St. Nikolaus. Steht wie eine „Eins plus“ im Glas, mehr Riesling braucht kein Mensch.

 Querbach, Oestrich

Querbach ist für mich ein Phantom-Weingut. Ich sehe die Weine so gut wie nirgends und treffe sie auch kaum auf privaten oder öffentlichen Proben. Im Weingut war ich so gut wie nie. Und nur durch den zarten Hinweis eines Bekannten habe ich unerwartet eine Einladung von Peter Querbach zur Jahrgangsverkostung ergattert. Falsch, keine Jahrgangsverkostung, sondern ein ausgedehnter Blick in den Keller! Eine Auswahl aus der Sortimentsliste mit fast 80 ! (in Worten achtzig!) Weinen, beginnend mit dem Jahrgang 2001. Ein Festspielhaus für Liebhaber gereifter Weine. Mir haben die Weine aus 2004 (No. 1 Lenchen) und 2008 (Edition und Hallgarten) am besten gefallen, aber auch die 2013er durch die Bank und einige Spezialitäten anderer Jahrgänge (2014 sur lie Riesling). Und das alles auch heute noch zu mehr als vernünftigen Preisen! Got and taste!

Rubinrote Symphonie

Ein Muss für die Freunde Spätburgunders. Der Alte Bahnhof in Rüdesheim eine sehr gut geeignete Location. 17 Top-Erzeuger aus dem Rheingau und sechs Ahr-Winzer bester Reputation. Leider nur fünf Stunden Zeit, aber die nutzten rund 250 Gäste und hatten allesamt ein gutes Rotwein-Erlebnis. Es ist schon fast unfair, einige Weine herauszugreifen, aber weil es hier von mir erwartet wird, einige meiner Favoriten: Bischöfliches Weingut 2016 Assmannshäuser S., Georg Breuer 2016 „B“, Chat Sauvage 2016 Lorcher Kapellenberg, Corvers-Kauter 2016 Höllenberg, Diefenhardt 2016 Schlenzenberg, Staatsweingüter 2016 Schlossberg, Krone 2013 „Juwel“, Meyer-Näkel 2017 Grauwacke und Laquai 2015 Bodental-Steinberg. Tusch!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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