Jahrgangsverkostungen

Bischöfliches Weingut Rüdesheim

Mit dem Jahrgang 2018 ist Peter Perabo wieder zu großer Form aufgelaufen! Ich beschränke mich hier im Blog auf die trockenen Rieslinge, aber allen Pinot-Freuden sei gesagt: Gehet hin und probieret die roten 2016er aus Rüdesheim und Assmannshausen. Bei den Weißen zeigt sich der 2018er A Priori wieder als perfekte Visitenkarte eines ambitionierten Weinguts: süffig, feinfruchtig, guter Zug am Gaumen, klasse Preis-Leistungs-Verhältnis. Für 7,50 Euro ein Schnapper! Zugreifen! Auch wenn das Bischöfliche kein VDP-Weingut ist – obwohl es allemal das Zeug dazu hat! – setzt Perabo auf die neue, schlüssige Qualitätspyramide. Auf den Gutsriesling folgen die Ortsweine, Laudate (Rüdesheim) und Episcopus. Letzterer ein Schmeichler und mir fast einen Tick zu süß geraten. Jeder Schluckl wie ein Biss in süße Trauben. Laudate hingegen straff, präzise, süffig, leichte Rauch- und Kräuternoten. Dann die Lagenrieslinge: Katerloch und Ehrenfels (Schlossberg), Roseneck, Rottland, Rottland 1960. Perabo zeigt eindrucksvoll, wozu der Rüdesheimer Berg in der Lage ist – und weshalb er mein Rheingauer Lieblingsweinberg ist. Jedes Terroir fein herausgearbeitet, salzige, rauchige Noten, konzentrierte Mineralität, dicht, feingliedrig, komplex, dabei durchaus fordernd (vor allem 1960!). Meine Favoriten sind diesmal 2018 Katerloch und 2018 Berg Rottland. Und 2017 Roseneck zeigt, wie schon eine kurze Reifezeit den Weinen extrem gut tut. Also liegen lassen! Auch wenn es schwerfällt.

Georg Breuer

Bin gespannt, ob und wie sich nach der Integration von Altenkirch (Lorch) das bislang so klare und einfach Breuer-Portfolio verändern wird? Kommt bald ein Lorch Estate? Die 2018 Rüdesheim und Rauenthal Estate-Weine sind jedenfalls wieder der perfekte Breuersche Fingerprint. Klasse Visitenkarten. Wobei Rüdesheim mit mehr Eleganz und Finesse Rauenthal knapp auf den Rang verweist. Genial gut und schon sehr zugänglich diesmal 2018 Terra Montosa. Zupackend, mit viel Druck am Gaumen, viel Finesse, einfach klasse! Fast immer mein Lieblingswein bei Breuer! Kaufen! Die Lagenweine gewohnt gut, wobei auch hier Rottland für mich vor dem Nonnenberg rangiert. Schlossberg ein noch verschlossenes Monument mit ahnbarer Strahlkraft. 2013 Roseneck ein Beleg, wie großartig diese Weine reifen! Ebenso 2002 Bischofsberg Eiswein, ein Wein mit Wow-Effekt.

PJ. Kühn

Endlich Herbst, also ran an die großen Lagen: 2017 St. Nikolaus und 2017 Doosberg. Beide wieder typisch Kühn! Kühler Zug, hohe Mineralität, zupackend, Grip, Finesse, komplexe Weine mit Tiefgang und schönem Nachhall. Im direkten Vergleich hat wie schon bei den 2016ern St. Nikolaus bei mir die Nase vorn. 2016 St Nikolaus war vielleicht der bislang beste trockene Wein aus dem Hause Kühn. Und der Vergleich mit 2016 Doosberg bestätigt, dass die 2017er einfach nicht an die Top 16er rankommen. An meinem Gaumen jedenfalls. Wohl dem, der 2016 Nikolaus im Keller hat. Ein Schatz, den es zu hüten gilt!

Freimuth

Hier gibt es fast nix zu mäkeln. Ein klar strukturiertes Sortiment mit einigen Highlights. Beispielsweise der 2018 Charta-Wein, der betont süffig ist und mit rund 12 Gramm Restzucker der klassischen Linie folgt und ein guter Essensbegleiter sein will. Straffer und präzise der 2018 Geisenheimer Alte Reben. Ein VDP-Ortswein mit sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Nicht ganz so glücklich bin ich diesmal mit dem „Zero“, der zwar sehr trocken, aber auch sehr karg und ungewohnt streng wirkt. Klasse hingegen der 2018er Bischofsberg trocken! Bei den beiden großen Gewächsen hat 2018 Kläuserweg bei mir die Nase knapp vorn vor dem „Unteren Bischofsberg“. Bemerkenswert. 2017 Orange trocken. Ein guter Vertreter dieser Kategorie, mit der ich aber wohl nie so richtig warm werde. Spitze und außergewöhnlich: 2018 Niersteiner „Goldene Luft“ Roter Hang Riesling trocken. „Der Lagenname deutet auf eine landschaftlich schöne Lage, in der sich viele Spaziergänger aufhielten“. Knapper und ausdrucksloser kann eine Lagenbeschreibung ein Rheinhessenwein.de kaum ausfallen. Rund 0,5 Hektar groß und im Alleinbesitz von Freimuth. Der Wein spricht für sich selbst, probieren!

Johannishof

Nachprobe der Spitzen: 2018 Charta Riesling und 2018 Charta Riesling FASS 96. Ich bin unverändert ein Fan dieser Kategorie, die von einem Dutzend Winzer im Rheingau hoch gehalten wird. Familie Eser legt darauf besonderen Wert, und es sind die einzigen mit 2 Weinen! Beide mit hohen Trinkfluss und feiner Eleganz. Bei den beiden Großen Gewächsen hat – wie fast in jedem Jahr – der „Rottland“ für mich den größeren Lustfaktor als die „Hölle“. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Oder? Noch schnell die Nachprobe der beiden Lagenweine aus dem Jahrgang 2016…. ?!? Das Ergebnis ändert sich nicht. Rottland ganz großes Kino, und 2016 war einfach ein sehr, sehr guter Jahrgang!

Friesenhahn

Wer dieses Weingut in Aulhausen nicht kennt, verpasst etwas. Ein Nebenerwerbsweingut im besten Sinn. Unprätentiös, familiär, direkt, nahbar, rundherum sympathisch. Und mit gutem Wein. Mein Liebling aus der gerade vorgestellten 2018er Kollektion ist der Riesling „A“, ein trinkfein trockener Wein mit Zug, Trinkfluss und guter Präzision. Der 2018 „Frie Steil“-Riesling ist hingegen mit 11 Gramm RZ recht halbtrocken geraten. Süffig zwar, aber mir einen kleinen Tick zu süß. Eine Klasse darüber rangiert der „Katerloch Riesling Alte Reben“, der schön mineralisch ausgefallen ist und als Essensbegleiter seine Rolle findet. Nicht so mein Fall sind die beiden Grauburgunder (mit und ohne Barrique), aber das liegt nicht an Friesenhahn, sondern daran, dass diese Rebsorte wohl nie mein Freund wird. Ich verkoste das häufig, und bin selten glücklich. Dann schon eher den 2018 Weißherbst Saigner trocken im Glas, der mit 14 Prozent Alkohol aber alles andere als ein leichter Barbecue- oder Terrassenwein ist. Aber der Sommer ist ja vorüber… Gut die beiden Rotweine! Der 2018er wird klasse, wenn er noch ein wenig Zeit zur Entwicklung erhält. Für den Preis eine klare Kaufempfehlung!

Und sonst?

Engelmann 1972 Hallgartener Schönhell Riesling Kabinett – ein flüssiges Gedicht aus dem Raritätenkeller des Rüdesheimer Schlosses! Karamelle, Rosine, Aprikose am Gaumen, noble Reifenoten, gute Säure, immer noch frisch, ein Erlebnis!

Fürst 2008 Centgrafenberg Spätburgunder GG… solche und andere Granaten öffnete Tom Drieseberg bei der erste Popup-Winebar im Gutshaus Wegeler. Hoffentlich wird das eine Tradition! Ich habe eine Fülle bester Weine verkostet, darunter 2013 Geheimrat J., 2017 Doctor Riesling GG, 2002 Bernstein Riesling GG von Lanius-Knab, 1999 Schlossberg Riesling Erstes Gewächs…. zur Wiederholung und Nachahmung empfohlen!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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