Aus dem Verkostungstagebuch

Künstler

Kompliment an Gunter Künstler für seine Kollektion an 2018ern! Mich hat schon der Ortswein (2018 Hochheimer Mainterrassen) so begeistert, dass ich spontan eine Kiste mitgenommen habe. Hinterher habe ich mich geärgert, dass ich nicht auch noch das 2018er Kirchenstück geordert habe, das mir unter den fünf VDP-Erste-Lage-Weinen (Herrnberg, Kirchenstück, Hölle, Stielweg, Domdechaney) durch seine Präzision und Struktur (fast) am besten gefallen hat, wäre da nicht der wahnsinnig mineralische „2018 Stielweg Alte Reben trocken“-Riesling, der allerdings auch preislich eine Etage höher angesiedelt ist.

Bei den Großen Gewächsen kann mich das Kirchenstück ebenfalls überzeugen, wiewohl die geschmeidige „Hölle“ auf Augenhöhe Paroli bietet. Rüdesheimer Schlossberg dagegen wieder eine Extra-Klasse für sich. Hochspannend das 2014 Rottland GG, das eindrucksvoll das Reifepotential von Künstlers Weinen zeigte. Aprospos Reife: „Unter der Hand“ gab es eine 1999 Reichestal Spätburgunder Auslese trocken zu probieren. 20 Jahre und kein bisschen müde! Ein Wein mit Wow-Effekt. Die jüngeren GGs (Vertikale: 2012, 2014, 2015, 2016) waren eine Offenbarung. Mein Liebling allerdings war das 2014 Höllenberg GG… Höllenberg zum Verlieben gut!

Knipser

war mal wieder bei Künstler (s.o.!) zu Gast. Mit phänomenal guten Weinen, wie ich zugeben muss. Der 2018 Clarette Rosé trocken war von Farbe und Geschmack so, wie ich mir das vorstelle. Perfekt balanciert der 2014 Chardonnay*** trocken. Ein geschmeidiger Wein mit Fülle und Muskeln, ohne zu dick oder zu protzig zu wirken. Überraschung des Tages. 2013 Sauvignon Gris***. Eine eche Spezialität, die in ihrer Aromatik irgendwo zwischen Gewürztraminer, Scheurebe und Viognier lag, wenn auch nicht so laut und keineswegs parfümiert. Hochinteressant und fein, aber 32 Euro… nun ja… dafür sind 19 Euro für den 2014 Spätburgunder Kalkmergel bestens angelegtes Geld, und auch das 2013 Kirschgarten Spätburgunder GG ist locker 39 Euro wert: kühler Zug, Finesse, feines Aromenspiel mit bestens integrierter Säure. Knipser heißt natürlich auch Cuvée X. 2015, da hätte ich fast noch mehr Power erwartet, aber der Wein zeichnet sich durch hohe Eleganz aus.

Bibo Runge

Heißt so, steckt aber Bonsels drin. Denn in Hallgarten ist Runge ist weg, Bibo ebenso (letzter jetzt Kellermeister beim Weingut Sonnenhof, Vaihingen), wenn auch dem Weingut durchaus noch verbunden. Doch Markus Bonsels hat jetzt das Sagen, und das „schmeckt“ sich gut. Die 2018er Kollektion jedenfalls hat mich einigermaßen überzeugt, vor allem 2018 Hargadun ist ein geschliffener, präziser, klarer Riesling mit gutem Druck am Gaumen, der mir persönlich besser gefällt als der weichere „Romantiker“. Großes Kino ist der 2016 Revoluzzer, der zugleich die Lagerfähigkeit und das Reifepotential der Weine zeigt.

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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