VDP-Weinbörse Mainz

Das Weintrinken am zeitigen Vormittag mag nicht jedermanns Sache sei. Für mich und die übrigen die 2500 Fachbesucher der traditionsreichen Mainzer Weinbörse gehört die Verkostung einer möglichst großen Zahl der 1630 vorgestellten Weine hingegen zum Alltag. Schließlich gilt es für Weinhändler, Gastronomen und Fachjournalisten, sich an den beiden Messetagen einen ersten Überblick über den als herausragend bewerteten deutschen Weinjahrgang 2018 zu verschaffen. Die Börse ist zudem eine Art Konjunktur- und Trendbarometer Erste Erkenntnis: Immer mehr der führenden deutschen Weinerzeuger, die sich im VDP organisiert haben, stellen auf eine ökologische Wirtschaftsweise um. Anlässlich der Weinbörse in der Rheingoldhalle gab der VDP bekannt, dass sich schon rund ein Viertel der 200 Mitgliedsbetriebe dem biologischen Weinbau verschrieben haben. Nach der Prowein in Düsseldorf ist die Mainzer Weinbörse ein wichtiger Gradmesser für den neuen Jahrgang. Vor den Urteilen der Weinkritik muss den Winzern aber nicht bange sein. Viel und gut, so lautete das Fazit der Winzer nach einem Bilderbuchsommer und einem goldenen Herbst. Einer meiner rheinhessischen Favoriten, Fritz Groebe aus Westhofen beispielsweise, spricht von einem animierenden Jahrgang „mit Zug, Finesse, und Kraft“. Sein Westhofener Riesling ist dafür ein gutes Beispiel. Ähnlich trinkfreudig präsentiert sich der „Rotschiefer“ Riesling am gegenüberliegenden Stand des Weinguts St. Antony, wo erstmals Dirk Würtz die Fahne hochhielt und das neue Etikett präsentierte. Steffen Christmann, Präsident des VDP, hat für das Weinjahr 2018 einmal mehr die „Bedeutung des optimalen Lesetages“ in den Vordergrund gerückt. Das richtige Fingerspitzengefühl bei der Wahl des Lesezeitpunktes habe zu „präzisen, frischen“ Weinen geführt. Vor allem aber: Nach den bescheidenen Mengen des Jahrgangs 2017 füllte der 2018er endlich wieder einmal Tanks und Fässer. Mehr als die Hälfte der VDP-Winzer berichteten dem Verband von gestiegenen Umsätzen, ein weiteres Drittel blickt auf stabile Verkaufszahlen zurück. Insgesamt haben die VDP-Betriebe laut Verband ein Umsatzplus von vier Prozent erreicht. Auf der Weinbörse zeigten 186 der 196 Weingüter erstmals das gesamte Portfolio des schon jetzt hochgelobten Jahrgangs mit Ausnahme der „Großen Gewächse“. Die trockenen Spitzenweine reifen noch in Fass oder Flasche und dürfen erst von September an gezeigt und verkauft werden. Ich habe dennoch schon das eine oder andere vorverkosten dürfen: sieht gut aus! Durchschnittlich 32,50 Euro geben die Freunde der GGs je Flasche aus. Laut Verband erwirtschaften die VDP-Winzer drei Viertel ihres Umsatzes im Inland. Vor allem der Vertrieb über die Gastronomie und den Fachhandel ist dabei von Bedeutung. Immer rund 35 Prozent des Umsatzes entfällt auf die Direktvermarktung ab Weingut. Fach- und Einzelhandel tragen zusammen rund ein Viertel zum Umsatz bei, die Gastronomie liegt mit rund einem Fünftel auf dem dritten Platz. Die Winzer berichteten im Vorfeld der Börse auch von steigenden Umsätzen im Online-Handel. Besonders erfreulich sei der Trend zu professionell gemanagten Weinabteilungen – ich sage nur EDEKA! – mit regionalen Angeboten und Weingütern im gehobenen Lebensmitteleinzelhandel. Nach Ansicht 80 Prozent der VDP-Weingüter wächst das Exportgeschäft, das für ein Viertel der verkauften Weine mit dem VDP-Adler auf der Flaschenkapsel steht. Der Umsatz im Auslandsgeschäft habe durchschnittlich um sechs Prozent zugelegt. Wichtigste Auslandmärkte sind die Vereinigten Staaten vor den Niederlanden und den skandinavischen Ländern. Leicht rückläufige Exportzahlen werden für Belgien und – wegen der Marktunsicherheiten durch den Brexit – für Großbritannien – vermeldet. Ein Viertel der VDP-Betriebe ist inzwischen ökozertifiziert. Das liegt deutlich über dem Bundesdurchschnitt von rund acht Prozent. Knapp die Hälfte der ökologisch arbeitenden VDP-Winzer ist zudem Mitglied einer Öko-Vereinigung wie Ecovin, Naturland oder Demeter. Hauptmotiv ist dabei die Verbesserung der Weinqualität. Zunehmende Bedeutung hat auch das Thema Sekt. Fast 80 Prozent der Weingüter erzeugen ihren eigenen Sekt. Übrigens: Zur Eröffnung der Börse wurde mein FAZ-Kollege Daniel Deckers mit der Silbernen VDP-Ehrennadel ausgezeichnet, vor allem für seine weinhistorische Ausarbeitungen. Leider war mein Verkostungszeitbudget diesmal eng limitiert… dennoch seien hier gänzlich unrepräsentativ und völlig willkürlich, aus ausdrücklich schwärmerisch erwähnt: Schloss Proschwitz 2017 Weißburgunder GG (-nur- so liebe ich diese Rebsorte tatsächlich), Zimmerlings 2017 Königlicher Weinberg Weißburgunder GG kommt da nicht ganz mit!); Ratzenberger 2018 St. Jost (+) sehr süffig; Matthias Müller 2018 Mandelstein schlägt ganz klar Feuerlay; Lanius-Knabs 2018 Engenhöller Bernstein ist ein Schmuckstück,; Toni Jost zeigt mit 2018 Bacharacher Hahn Riesling trocken meinen Liebling aus 2018 vom Mittelrheintal, doch einen wahnsinnigen Trinkfluss hat auch Bastians 2016 Heyles´en Werth feinherb, Maul voll Wein! Der 2018 Rotschiefer von St. Anthony läuft wie Wasser die Kehle runter… oder besser! Phänomenal gut 2018 Westhofen Alte Reben von Groebe; Anders, aber nicht minder lecker der Westhofener von Wittmann. Lassen wir es für jetzt dabei… die Rheingauer Schlemmerwoche ruft!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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