Rheingau Großes Gewächs

Aus dem Ersten Gewächs ist 20 Jahre nach dem Start 1999 das Große Gewächs (RGG) geworden. Im Festsaal des Wiesbadener Rathauses stellten 23 Nicht-VDP-Weingüter den  RGG-Jahrgang 2018 vor.

RGG 2018 Über die Hintergründe des Wechsels vom EG zum RGG hatte ich schon vor einiger Zeit berichtet (siehe http://rheingauer-weinschmecker.de/?p=145), nun also das Ergebnis. Ich habe alle 36 Weine verkostet, einige zur Absicherung des Urteils auch mehrfach. Unter dem Strich zeigt sich, dass 2018 keineswegs der Überflieger-Jahrgang ist… von einer Masse an Jahrhundertweinen gar nicht zu reden. Aber es war ein Jahrgang, der es den Winzern eigentlich leicht gemacht haben sollte… dennoch hatte ich seit dem Frühjahr schon manch merkwürdiges Erlebnis im Glas. Es bleibt dabei: Auch aus einen Jahrgang, der mit den Worten „gut und viel“ charakterisiert werden kann, können grottenüble Weine hervorgehen. Damit kein Missverständnis aufkommt: Bei den RGGs habe ich solche Ausfällle nicht gefunden, wohl aber einige zwar wenig aufregende, aber dennoch ordentlich gemachte Durchschnittstropfen, die als GG nicht überzeugen konnten. Überrascht war ich von einigen Tropfen mit mehr oder weniger deutlichen Bittertönen, die aber womöglich im weiteren Reifeprozess verloren gehen. Hoffentlich. Zudem wurden nicht alle neuen GG-Weine gezeigt (probieren: Goldatzels Hasensprung!), und einige 2018er schlummern dem Vernehmen nach sogar noch auf der Feinhefe oder in der Flasche. Daher war die Probe auch nur eine Momentaufnahme. Auch wenn jeder gern Verrisse liest… das ist nicht mein Anliegen. Daher hier meine persönlichen TOP 10-GG-Weine! Die Spitze der Spitze, in dieser Reihenfolge, bewertet in Weinschmecker-Punkten (0-100 WSP).

Mohr: 2018 Bodental-Steinberg RGG: Mineralität vom Feinsten, begeisternder Einfluss von Schiefer, Quarzit und Sandstein. Kräftig, aber dennoch nicht schwer, dicht und komplex, dabei Trinkfluss, wie er in dieser Kategorie nicht eben die Regel ist. Läuft formidabel mit Grazie die Kehle runter. 94 WSP

Schumann-Nägler: 2018 Rothenberg RGG: ein Charakterwein mit Ecken und Kanten, hoher Druck am Gaumen, sehr präzise, eigenständige Aromatik, eigenständige Stilistik. Ein Wein der polarisiert und mich dabei ohne Wenn und Aber auf der Seite der Enthusiasten einordnet. Mehr davon ! 93 WSP

Sohns: 2018 Kläuserweg RGG: Spitzenwein von einer der unterschätzten Lagen des Rheingaus. Präzise und auf dem Punkt, ein zupackender Riesling mit stahliger, knalliger Säure und frucht-zarter Finesse. Ein Maul voll guten Wein! Klare Kaufempfehlung! 93 WSP

Laquai: 2018 Schlossberg RGG: das ist nach dem Bodenthal-Steinberg meine zweite Lieblingslage in Lorch. Dank der tiefgründigen und kalkhaltige Lösse wachsen hier sehr feinfruchte, elegante Weine mit leichter Würze. Manchmal auch ein wenig florale Noten, aber dieser Schlossberg ist in jeder Hinsicht überzeugend. 92 WSP

Trenz: 2018 Hasensprung RGG: Michael Trenz hat gleich zwei RGGs vorgestellt, von denen der Hasensprung der komplexere, markantere Typ ist mit kräftiger Säure und feiner Frucht. Der Holzausbau schmeckt deutlich durch, doch das ist Stilistik und Geschmacksfrage und keine Frage der Qualität. An der untadeligen Güte dieses Weines rüttelt niemand. Zukunftspotential mit Sicherheit enorm! 92 WSP

Höhn: 2018 Mannberg RGG, 2018 Marcobrunn RGG und 2018 Schiersteiner Hölle RGG. Ein Wiesbadener Weingut auf der Überholspur. Jürgen Höhn hat mit der Übernahme einiger Lagen von Langwerth von Simmern noch einmal eine Schippe draufgelegt. Das Trio seiner RGGs hat es in sich. Mein persönlicher Favorit ist der Mannberg, knapp vor Marcobrunn und Hölle, aber auf lange Sicht könnte der Marcobrunn mit seiner immensen Dichte und Fülle der Bessere sein. Das sollte über die Jahre beobachtet sein! Gratulation zur dieser Kollektion ! 92+, 92 und 92- WSP

Bott: 2018 Kostheim St. Kiliansberg… meine Überraschung des Tages! Ein sehr süffiges RGG von geschliffener Eleganz, feinwürzig mit vielschichtigen, mineralischen Noten. Beeindruckend in der Länge, ein Nachhall am Gaumen wie ein Donnerhall! Top! 91 WSP

Schloss Schönborn: 2018 Hasensprung RGG… gleich fünf RGGs zeigt das Traditionsweingut, und das ist ein Ausdruck des unvergleichlichen Lagenportfolios, aus dem Schönborn schöpfen kann. Die Stilistik ist dennoch in allen Lagenweinen unverkennbar. Aus dem Quintett gefiel mir nach einigem Hin und Herr der Hasenprung doch am besten, knapp vor Schlossberg und Pfaffenberg. 90 WSP

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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