Die Kunst der Cuvée

Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc, Petite Verdot, Sangiovese, Malbec… großartige Rebsorten, aus denen exquisite Weine gekeltert werden können. Die Kunst aber ist die Cuvée, wenn sich die Summe des großen Ganzen zu einem Weinkunstwerk verdichtet. In meiner Verkostungsrunde haben wir kürzlich einige Meisterstücke dazu verkostet…

De Toren: 2015 Fusion V. – ich habe das Weingut vor knapp 20 Jahre das erste Mal nahe Stellenbosch besucht, und war seinerzeit schon begeistert. Allerdings: die breiten Schultern und der muskulöse Körper hemmen den Trinkfluss… es fehlt an Eleganz… zum Flanksteak aber ein würzig-aromatischer Begleiter

Tignanello 2014: ist das vielleicht der tollste „Fabrikwein“ der Welt? Es soll jährlich mehr als eine Million Flaschen geben, deren Handelspreis derzeit wieder bei knapp 100 Euro liegt! Ein eher weicher, geschmeidiger Wein, üppige Kirsche, dezente Paprika, feine Tannine, deutlich schmeckbare Prägung durch den hohe Sangiovese-Anteil, so kann, so darf Toskana schmecken!

Sassicaia 2008: deutlicher kerniger als der Tignanello, Bordeaux als deutlich schmeckbares Vorbild. Sehr würzig, dezentes Leder und Veilchen, viel Sauerkirsche, präsente, feine Säure, guter Trinkfluss, lecker!

Granja Remelluri 2010 Gran Reserva: etwas verschlossen, dennoch mit viel Kraft und hoher Opulenz, deutlich von Tempranillo geprägt, dichter und konzentrierter Rioja-Vertreter, mehr Eleganz und Finesse wäre schön

Vega-Sicilia Unico 2006: mein Wein des Abends, die am schnellsten geleerte Flasche in der Verkostungsrunde. Eine Weinmajestät: präzise, vielschichtig, Pflaume und Minze, große Länge, immenses Potential, absolut fein und mit hohem Trinkfluss – wenn man sich diesen nur leisten könnte!

Perrin Family Chateau de Beaucastel 2016 Chateauneuf-du-Pape… fällt in der Reihe durch seine vermeintlich sehr geringe Säure auf… auch der Eindruck einer leicht marmeladigen Süße gefiel nicht jedem (mich inklusive), roter Früchtekorb am Gaumen, sehr würzig, sehr jung, viel Tannin, auf mich eher fett als filigran wirkend, aber gut

Chateau Palmer 2008, Margaux: wirkt unglaublich jung mit zunächst strengem Säuregerüst, entwickelt sich im Glas zügig positiv unter Lufteinfluss, sehr klar, sehr präzise gearbeitet… bestätigt, warum Palmer zu meinen Lieblingserzeugern gehört (da denke ich an den phänomenalen 1989er zurück…)

Chateau Pichon-Longueville 2000, Pauillac: typisch Bordeaux unter starkem Cabernet-Einfluss, kühle Salzigkeit, Finesse, feine Frucht mit langem Nachhall, sehr geschmeidig und fein, hohe Eleganz, ein Wein zum Verlieben!

Vérité La Muse und Vérité La Joie, jeweils 2005… die Überraschung des Abends aus dem kalifornischem Sonoma Valley… beide mit einer sehr üppigen, opulenten Textur, geprägt von der Kraft des Cabernet Sauvignon (La Joie) oder Merlot (La Muse). Beide mit dunkler, rubinroter Farbe. Sehr würzig, roter Früchtekorb, wirkt „wärmer“ als die Bordeaux-Vertreter, dabei fast noch komplexer, dichter, länger und auch mit größer Opulenz. Im direkten Vergleich hat „La Joie“ trotz seiner reif wirkenden Rumtopf-Aromen, der intensiven Pflaume und der schmeckbaren Reife die Nase vorn vor dem „La Muse“. Sehr stoffig, sehr dicht, sehr konzentriert und straff. Aber auch ein Tick zu viel Alkohol (14,5). Motto: Unsere Weine verkörpern die zeitlosen Traditionen Frankreichs und die grenzenlosen Möglichkeiten Kaliforniens. Wohl wahr!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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