Kaisersteinfels!

313 Meter über dem Meeresspiegel schaue ich hinunter auf den Kaisersteinfels. Ein erhabener Platz. Hinter mir verläuft der heute einsame Rheinsteig, gegenüber mündet die Nahe in den Rhein. Der Blick geht weiter über den Binger Scharlachberg hinaus bis zum fernen Donnersberg. Und doch gilt die Aufmerksamkeit dem Zalto-Glas in der Hand. Denn nirgendwo lässt sich Wein besser verkosten als an seinem Geburtsort.

Kaisersteinfels. Hier soll der namensgebende Kaiser Karl der Große früh das Potential für den Weinbau erkannt und Orleans angebaut haben. Der Kaisersteinfels bildet mit Rottland, Roseneck und Schlossberg den Rüdesheimer Berg. Eine meiner absoluten Lieblingsherkünfte für terroir-geprägte, mineralische Rieslinge von Rasse und Eleganz. Stein, Schiefer und Fels prägen hier den Boden. Hier müssen sich die Reben in den zunehmend trockenen und heißen Klimaphasen besonders anstrengen, und sie tun es. Die knapp acht Hektar dieser Südwestlage sind heute überwiegend im Besitz von Johannes Leitz, dessen Familie Weinberge seit 1744 ihr eigen nennt. Über die Erfolgsgeschichte von Leitz und sei Aldi-Projekt habe ich an anderer Stelle (s.u.) schon ausführlicher berichtet. Heute geht es um die Spitze der Qualitätspyramide.

Kaisersteinfels. Riesling Großes Gewächs. Vier Jahrgänge im Vergleich direkt am Weinberg. Eine Offenbarung.

2014 – ein in der Weinkritik zuletzt etwas vernachlässigter Jahrgang, der nach einer interessanten Phase der Verschlossenheit und Zurückgezogenheit langsam seine Stärke zeigt. Wer 2014 noch immer Keller hat, darf nun bald die ersten Flaschen öffnen. Nun zeigt der 2014er langsam, was er kann. Ein mineralischer, würzger Wein mit gutem Zug, dabei bestens strukturiert, fest am Gaumen, druckvoll ohne auch nur ansatzweise breit zu wirken. Ein Genuß.

2013 – der Kaisersteinfels schert aus der Masse aus und brät sich in diesem Jahrgang eine Extrawurst. Sattes Gelb wie eine Spätlese aus den Neunzigern. Die Nase erreichen satte Reifetöne, Ananas, getrocknete gelbe Früchte mit viel Mirabelle, in der Reife erstaunlich weit fortgeschritten, und das trotz der merklichen Säure. Hat den Schritt vom Solo-Vergnügen zum perfekten Essensbegleiter schon vollzogen

2010 – sehr frisch, mit belebender Säure. Eleganz am Gaumen, Finesse, wirkt erstaunlicherweise jünger als 2013, unverändert hohe Reifepotential, aber der Spassfaktor ist schon jetzt hoch…

2009 – unglaublich wie hell in der Farbe und frisch im Geschmack, dabei sehr würzig, komplex verwobene Aromen, ein Wein mit Tiefgang und vermutlich auf dem Höhepunkt seine Entwicklung. Wohl dem, der davon noch etwas im Keller hat!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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