Aus dem Verkostungstagebuch

Neues von Eltz

Während sich im verwaisten Langwerther Hof noch keine Anzeichen erkennen lassen, wohin die Reise der Käufer Jökel-Brüder geht und bei der Ruine der alten Staatsweingüterkellerei immerhin Gerüste von neuem Schwung beim Umbau zum Hotel zeugen, geht es auch bei Eltz langsam voran. Das einst führende Rheingauer Weingut saniert den sogenannten Viktorbau und das angrenzende Gebäude zu einem Wohnhaus mit fünf sicherlich interessanten Mietwohnungen im Herzen der Altstadt. Vor 2022 wird aber kaum jemand einziehen können. Bei der Vorstellung des Bauprojektes bekam ich endlich mal wieder jungen Eltz-Wein zu verkosten, einen Eltz 2017er Eltviller Langenstück Riesling Kabinett trocken. Natürlich gibt es das Weingut eigentlich nicht mehr, aber den Haustrunk mit dem eigenen Etikett schon. Der Wein stammte 2017 noch von Langwerth, wird im 2018er Jahrgang von Corvers-Kauter sein (der die meisten Langwerth-Lagen gepachtet hat) und ab 2019 von – das hat mir der Graf verraten – von Eva Fricke. Spannend. Es ist nur so verdammt schwer, an diese Weine ranzukommen…

Schamari-Mühle

Die beiden Seiteneinsteiger Peter & Werner Reck haben das Kleinod erworben, und dass die Schänke nun wieder geöffnet hat, ist ein Glücksfall für den Rheingau. Es gibt viele gastliche Mühlen in der Region, aber diese ist etwas Besonderes. Nirgendwo baumelt jedenfalls meine Seele so entspannt wie hier. Mein Lieblings-Riesling ist der 2018er aus dem Kläuserweg. Dass auf dem Etikett „Spätlese“ steht ist zwar genauso eine Verirrung wie die Nutzung der verdammenswerten Großlagen (Erntebringer!), doch der Wein ist klasse. Lecker auch der 2018er barriquebetonte Chardonnay (leider mit Lagenbezeichnung, obwohl das Holz jeden Terroir-Eindruck übertüncht), der Grauburgunder dagegen ohne Lage. Wer soll das verstehen? Die Pinot Noirs sind ohnehin eine Versuchung wert. Ich hatte das Vergnügen, auch 2013 Hölle La Déesse verkosten zu dürfen. Eine wohlige Offenbarung!

F.B. Schönleber

Immer eine Bank, immer Weine ohne Fehl und Tadel. Ein Sonderlob aber ist heute fällig für den 2018 Franz Bernhard Mittelheimer Ortswein und das 2018er „Beste Fass“ aus dem Mittelheimer Edelmann. Trinkfluss vom Feinsten! top!

Schumann-Nägler

Russische Eier und angebratenes russisches Tatar, das gibt es nur hier! Dazu unbedingt den 2015er Geisenheimer Rothenberg Riesling Erstes Gewächs trinken. Ein stoffiger, komplexer, außergewöhnlicher Wein mit markanter Aromatik.

Geisenheimer Lindenfest

ein wirklich schönes Fest, und dazu die Chance, die Weine von Dillmann, Sohns, Schumann-Nägler und der Hochschule Geisenheim direkt miteinander zu vergleichen. Ich habe es ausführlich getan, und kann mich schwer entscheiden. Am Ende hat Sohns jedenfalls die geschlossenste Kollektion, und die 2018er Lagenweine sind phänomenal gut geraten.

Öko-Weingut Hamm

In diesem Jahr feiern wir 30 Jahre Mauerfall, und vinologisch habe ich diese aufregende Zeit schon gewürdigt: Mit einem 1989er Winkeler Dachsberg Spätlese und einer 1990er Riesling Auslese aus der gleichen Lage… phänomenal. Weine mit Würde, Schmelz, Würze und Saftigkeit.

Staatsweingüter promillefrei

2018 VDP Sparkling – jetzt wagen sich auch die Staatsweingüter in den promillefreien Markt und stellen einen alkoholfreien Sekt vor. Die Grundweine in Spätlesequalität stammen aus Weinbergen rund um Eltville. Der Jahrgangs-Sekt ist somit eine Erzeugerabfüllung, hergestellt am Eltviller Standort der Sektkellereien Rotkäppchen-Mumm, die vor zwei Jahren in eine supermoderne Entalkoholisierungsanlage investiert haben. Eigentlich werden in diesem Blog nur Weine besprochen, die ich auch getrunken habe. Diesmal jedoch eine Ausnahme, denn es gab nur eine Pressemitteilung und (noch) keine Probeflasche. Zudem trinke ich nicht soooo gerne reinen Riesling-Sekt, und wenn, dann muss er brut, extra brut oder am besten brut nature sein und nicht 35g Restzucker haben! Und alle bisherigen Geschmackstests von alkoholfreien Sekten anderer Hersteller verliefen enttäuschend. Aber wenn ich den Stoff mal auf die Zunge bekomme, dann gibt es hier einen Nachtrag… versprochen!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

Schreib einen Kommentar