Das Wunder von der Saar

Roman Niewodniczanski habe ist das erste Mal 2004 kennengelernt. Einen Mann mit einem Redefluss wie ein Wasserfall. Ein Besessener und ein Missionar des Saarweins. Ein Getriebener in Sachen Qualität.

Ich habe damals ein paar Flaschen aus der 2003er Kollektion gekauft, nach er vollmundig eine „Zehn-Jahres-Garantie“ abgegeben hatte. Einlösen musste er sie nicht, der Wein war top auch noch nach Jahren.

20 Jahre nach dem Kauf von Van Volxem hat der Spross aus der Bitburger-Dynastie jetzt auf dem Wiltinger Schlossberg seine Kathedrale für den Saar-Riesling offiziell eröffnet. Hinfahren und staunen! Sehr imposant, sehr durchdacht, typisch Niewodniczanski, würde ich mal sagen. Der Standort ist top gewählt, Rheingauer Kulturlandschaftsschützer würden aber unter Schreikrämpfen leiden. Aber der Bau ist ein Gewinn für die Saar und für den deutschen Wein. Mehr davon in deutschen Landen wäre wünschenswert!

Der Eröffnungstag war natürlich völlig überlaufen, ich schätze mal 1500 Besucher, die durch den neuen Fasskeller, der sich erst allmählich füllen wird, gestolpert sind. Das Weingut ist inzwischen auf 90 Hektar gewachsen, „Niewo“ scheint mir mit den Jahren etwas abgeklärter und ruhiger geworden zu sein, auch wenn ich seine hitzige Aufregung schätze, mit der er mir gegenüber beim letzten Riesling Symposium im Rheingau über die These der Geisenheimer Wissenschaftler ätzte, „Alte Reben“ seien nix Besonderes… Da war der Blutdruck ganz oben…. Leider gab es zur Eröffnung seines Weinguts nur eine sehr, sehr eingeschränkte Auswahl zu kosten, das war sehr schade. Immerhin, der 2018er Wiltinger Ortswein und der 2018 „Van Volxem Alte Reben“ gaben einen Hinweis, dass ich unbedingt mal die ganze Range verkosten sollte. Auf ein Wiedersehen an der Saar!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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