Großes statt Erstes Gewächs

Aus den Ersten Gewächs wird bald ein Großes Gewächse. Die Hürden sind genommen, das RGG-Logo steht. 20 Jahre nach dem ersten Jahrgang 1999 tauft der Rheingauer Weinbauverband seine trockenen Spitzenweine, die Ersten Gewächse, in Rheingau Große Gewächse (RGG) um. Unter dieser Bezeichnung werden die herausragenden Rieslinge und Spätburgunder des Jahrgangs 2018 am 1. September erstmals auf den Markt kommen. Dieser Schritt des Weinbauverbands und der etwa zwei Dutzend Winzer, die regelmäßig solche Weine erzeugen, ist eine Anerkennung der Marktmacht und -präsenz der bundesweit 200 Mitglieder des Verbands der Prädikatsweingüter (VDP), die ihre Top-Weine schon seit vielen Jahren als „VDP.Großes Gewächs“ vermarkten.

Erste Gewächse gibt es nur im Rheingau seit 1999 auf Basis einer Gütekarte der besten Weinbergslagen. Jene Rheingauer Winzer, die zugleich Mitglied im VDP sind, hatten in den Anfangsjahren ebenfalls Erste Gewächse verkauft, waren später dann aber schon zu Großen Gewächsen der VDP-Kollegen gewechselt. Damit war die Marktbedeutung Erster Gewächse noch überschaubarer geworden. Oder ehrlich gesagt: nahe null.

Allein das Weingut Robert Weil erzeugt mit rund 30.000 Litern mehr GG als alle anderen Nicht-VDP-Winzer an Erstem Gewächs. Was ich schon vor sechs Jahren empfohlen hatte, wird endlich Realität: Nun ziehen die Rheingauer Winzer, die nicht VDP-Mitglieder sind, mit dem „Rheingau. Großes Gewächs (RGG)“ nach. Nicht nur bei der Bezeichnung, sondern auch bei einigen Kriterien. So werden endlich nur noch Weine als Große Gewächse zugelassen, die die gesetzlichen Anforderungen an trockene Tropfen erfüllen. Das bedeutet bis zu neun Gramm Restzucker je Liter nach der Vergärung und nicht bis zu 13 Gramm.

Bei anderen Bestimmungen weichen die Rheingauer weiterhin von den VDP-Kollegen ab, etwa wenn es um die Exklusivität bestimmter Weinlagen-Bezeichnungen nur für Große Gewächse geht. Die ausschließliche Nutzung einer Herkunftsbezeichnung nur für ein Großes Gewächs sei im Rheingau nicht durchsetzbar, sagt der kürzlich für weitere drei Jahre im Amt bestätigte Weinbaupräsident Peter Seyffardt. Dennoch will der Weinbauverband die aktuelle Änderung der Weingesetzgebung nutzen, die Einzellagen als Ursprung guter Weine hervorzuheben.

Je enger die Herkunft, desto höher die Qualität, lautet eine Maxime, die Seyffardt verwirklicht sehen möchte. Noch allerdings ist weinrechtlich einiges im Fluss. Seyffardt hofft, dass ein Vorschlag aus dem Rheingau Gehör findet, die Verwendung von Großlagen einzuschränken, um eine Verwechslungsgefahr mit den wertvollen Einzellagen zu bannen. Bislang gilt, dass sich ein Wein mit der Großlagen-Bezeichnung „Rauenthaler Steinmächer“ aus Weinen von bis zu 27 Einzellagen zusammensetzen darf, es muss aber kein Tropfen aus Rauenthal in der Cuvée sein, obwohl sie den Namen des Weindorfs trägt. Wahnsinn oder Verbrauchertäuschung? Beides! Geht es nach Seyffardt, darf der Wein künftig nur noch als „Rheingauer Steinmächer“, also ohne die Bezeichnung „Rauenthal“, verkauft werden. Das wäre immerhin ein Fortschritt. Ein kleiner für die Weintrinker, ein großer für die Winzer!

Veröffentlicht von Rheingauer Weinschmecker

FAZ-Korrespondent, Redakteur, Weinblogger, Rieslingfan, Rheingauer aus Leidenschaft

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